Die Berlin Music Week Tag 2 – First We Take Berlin Festival die 2.

Berlin Music Week

Nach einer langen ersten Nacht des First We Take Berlin Festivals ging es am Freitag in den zweiten Tag. Doch dieser startete zeitlich etwas holprig. War doch der Secret Act, der für die O2 World Spree Bar angekündigt wurde, nicht gekommen und hatte die darauffolgende Alice Boman anscheinend große Schwierigkeiten den Soundcheck zu beenden. So verstrich knapp eine Stunde ohne, dass ein Act spielte. Was auf der Vevo-Stage vor dem Postbahnhof schon ganz anders aussah. Denn dort trat Chakuza auf, der mit seinen Texten und Worten wusste, was die vorwiegend 14- 18 Jährigen hören wollten. Und so wurde dort also, eher mit einem Straßenkonzert als mit einer Stageperformance, der zweite Tag eingeläutet. Zurück an der O2 World Spree Bar zeigten uns dann die Jungs der Berliner Band Still Parade wie Dream-Folk an einem sonnigen Tag an der Spree sitzend funktioniert. Klingen sie musikalisch nach Beach House entfernt sich die Stimme des Frontsängers dann allerdings doch spürbar weg vom Klang eines wehleidigen Gesanges hin zu der eines verträumten Jungen oben auf dem Dachboden sitzend und in alten Spielzeugkisten stöbernd.

Anschliessend ging es mit dem Spreeshuttle rüber zur Tante Emma, wo Adna aus Berlin auftrat. Mit einer leicht kratzig und oft als Stilmittel abrutschenden Stimme und der wunderbaren Bespielung ihrer Gitarre konnte man es sich auf dem Boden der Bar bequem machen und den Blick durch die großen Fenster in die Ferne schweifen lassen. Hier und da wurde man zwar durch ungewohnte Töne ihrer Stimme zurückgeholt, doch hat das Gitarrenspiel, welches an Explosions In The Sky erinnerte, dies um Längen wettmachen können. Und so ging es mit diesen entspannt beschwingten Klängen im Kopf zu Aurora Aksnes ins Glashaus, bei der uns ein Blondschopf mit satten Sound begrüßte. Die blutjunge 18 Jährige schreibt ihre Songs selbst, was man an ihrer Stageperformance erkennen kann. Liegt die doch irgendwo zwischen dem unsicheren Ausmalen von gesungenen Worten, bei dem sie sich, bei dem Wort COLD, über die Arme streicht, und dem einfachen gehen lassen und ihren Körper rhythmisch in Bewegung zu setzen. Wohl der Aufregung, als junges Mädchen aus Bergen in einer großen Stadt wie Berlin auftretend, geschuldet wurden ihre Songs von Minute zu Minute sicherer, fester und damit auch stärker.

Doch auf dem First We Take Berlin Festival gab es noch mehr zu sehen und so ging es ins Bi Nuu zu den Jungs von Beaty Hearts. Ihr, an Vampire Weekend erinnernder, Trommel-Pop lässt keinen ruhig dastehen. So hatte dann der Keyboarder auch seine Probleme an eben diesem Instrument zu bleiben. Ihr Song ‚Seafood‘ ist da ein hervorragende Einstieg und eröffnete den Gästen die Möglichkeit einfach nur zusammen ausgelassen Spaß zu haben. In der Zwischenzeit traten im Privatclub die Australier von Vancouver Sleep Clinic mit ihrem an Bon Iver und James Blake erinnernden Sound auf. Da steht dann ein Lockenkopf mit Basecapp und Flanellhemd auf der Bühne bei dem man kaum von der Volljährigkeit ausgeht, der dann aber mit eine so sensiblen und falsetteartigen Stimme singt, dass man all die Schubladen, die man vorher im Kopf hatte, am liebsten für immer verschliessen möchte. Sind doch die eigenen sowie eine Coverversion von Drake’s ‚Hold On We’re Going Home‘ wahnsinnig gut und werden wohl die Türen zum ganz großen Durchbruch nicht mehr lange verschlossen halten.

Wieder im Bi Nuu angekommen gaben die 60’s Popper von Taymir aus den Niederlanden ihre Rock’n’Roll Bretter zum Besten. Sehen die beiden, am Bass und an der Gitarre stehenden, Jungs aus wie Blutjunge Kopien der Oasis Brüder hat Frontsänger Bas Prince eine laszive und doch verspielt-jugendliche Art seine Songs zu performen. Kurze Zeit später folgte im Privatclub, eine kanadische Folk-Band, die die Bühne vollgepackt mit Instrumenten wie einem Cello, einer Harfe und Gitarren hatte. Ihre Version von Percussion war dann auch eine angenehm unaufgeregte und feinfühlige Variante in der aktuellen Folklandschaft.

Und so ging der Tag und der Abend kam mit seiner Dunkelheit und ließ die Spree im blitzenden Licht der rundherum aufgebauten Bühnen leuchten. Was man vom FluxBau aus wunderbar verfolgen konnte, denn hier trat Sophia Exiner – kurz Phia, ursprünglich aus Melbourne doch mittlerweile in Berlin lebend, auf. Während ihr Song ‚Do You Ever‘ bereits seit ein paar Wochen auf Radio Fritz gespielt wird tritt sie nur mit ihrem Bandkollegen Joshua auf die Bühne und erzeugt Töne mit einem Gerät, dass in letzter Zeit immer öfter Anwender findet. Sogenannte Loop Pedals ermöglichen es eine Tonfolge aufzunehmen um sie dann endlos zu wiederholen. Und so kann man auf mehreren Tonschienen einen Song komplett instrumentalisieren ohne auch nur ein Instrument auf der Bähne zu haben. Phia nutzt dies auf eine erfrischende Art und erzeugt so auch Freude beim Zuhörer.

Zum nächsten Secret Act ging es anschliessend in das Lido, wie bereits Lary voll in Fahrt gekommen war. Larissa Sirah Herden, wie Lary mit bürgerlichen Namen heisst, macht Future Neue Welle – so benennt sie zumindest ihre Musikrichtung und zeitgleich auch ihr, in diesen Tagen erscheinendes Album. Und so steht sie mit zwei englischsprachigen Jungs auf der Bühne, die das Schlagzeug und die Gitarre bedienen und macht raplastige Musik die mit Rock und elektronischen Klängen bestückt ist. Man mag der sympatischen 18 Jährigen ihren Erfolg gönnen, kann sie doch mal rotzig wie einst Sabrina Setlur als auch liebenswürdig wie Cassandra Steen von Schmerz, Leid und Liebe singen. Wahrlich nicht die schlechtesten Vorraussetzungen um den Durchbruch zu schaffen.

Der nachfolgende und als Secret Act angekündigte Künstler waren keine geringeren als Die Orsons, die mit ihrem Mix aus Hip-Hop und Pop ihr ganz eigenes Ding durchziehen. Hat man doch auf der Bühne einen eigenen DJ und bewegt sich mal zwischen derben Hip-Hop Floskeln und immer wieder durchschüttelnden Basslines wie dem Sample des Bauur Tracks ‚Harlem Shake‘, kommen darüber hinaus ebenso sanfte, fast schon an Pop orientierte Songs zum Einsatz. So ist ‚Jetzt‘ ein wunderbare Nummer die mit leichtem Klang und nachdenklichem Text selbst Hipsters zum tanzen annimiert. Darüber hinaus, haben sie auch keine Scheu mit dem Archetypen eines deutschen Rappers zu brechen und durch Ironie in den Texten und ihrer Performance diesen Schlag der Szene ad absurdum zu stellen.

So verabschiedete sich das First We Take Berlin Festival von seinen Gästen und entließ sie in ein Wochenende voller weiterer Künstler auf dem Berlin Festival. Den ersten Tag des Berlin Festivals könnt Ihr dann morgen hier lesen.

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