Alex The Astronaut – Sympathisch und ernst

Mit ihrem Happy Song war Alex The Astronaut in den letzten Monaten fast überall zu hören – ob im Radio, in Fashionstores oder auf Festivals. Nun schlägt die Sängerin mit dem Song I Like To Dance eine etwas andere Richtung ein. Denn für I Like To Dance hat sich Alex einer Geschichte angenommen, die doch deutlich häufiger hinter verschlossenen Türen stattfindet, als man es auch nur ahnen kann. So beschreibt Alex mit dem Songtext die Evolution einer Liebesbeziehung, in der über die Jahre plötzlich Gewalt Einzug hält. So singt die Australierin, dass es nach fünf Jahren glücklicher Beziehung plötzlich ein Schlag auf das Handy war, welches ihr aggressiv aus der Hand geworfen wurde. Im weiteren Verlauf der Beziehung folgten Wutausbrüche, die dazu führten, dass die Frau in Alex‘ Geschichte verprügelt wurde und dennoch zu ihrem Freund hielt. Diese Situation beschreibt die Sängerin im Songtext neutral und möchte gleichzeitig wachrütteln, dass unsere Gesellschaft diese Gewalt nicht tolerieren soll. Dabei kommen, neben einer Gitarre ein spärlich eingesetztes Klavier und eine Geige vor, die I Like To Dance eher akustisch klingen lassen. Wie schon auf den anderen Songs ihrer Diskografie zeigt Alex The Astronaut mit I Like To Dance einmal mehr, wie sehr sie auf den Input der Menschen um sie herum angewiesen ist und gleichzeitig so viel Liebe und Energie an alle Menschen um sie herum zurück gibt.

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Wallis Bird - As The River Flows

Wallis Bird – Haut um und berührt

Dieses Bild ging um die Welt. Als der kleine syrische Junge Alan Kurdi 2015 tot an den türkischen Strand gespült wurde und das Flüchtlingsdrama auf dem Mittelmeer ein erstes tragisches Gesicht in die Welt sandte. Die irische Sängerin Wallis Bird hat sich dieser Geschichte angenommen und einen Song geschrieben, der von ihrer Wut, Hilflosigkeit und Betroffenheit geprägt ist. Mit As The River Flows ist Bird in eine Richtung gegangen, die sie bereits in der Vergangenheit konsequent leitete. Sie spricht aus, was viele zu verdrängen versuchen. Bird macht aufmerksam und möchte Menschen aufwecken. Dass Bird mit ihrer Stimme wandelbar ist, zeigt auch die Single Change, die 2016 veröffentlicht wurde. Mit ihr weckte sie Emotionen und lud zum Träumen ein. Auf As The River Flows wiederum klingt Bird eingangs keltisch und wird nur spärlich von Instrumenten begleitet – ehe die Dramatik aus ihr herausbricht und mit den Worten What are you scared of, Aren’t you brave enough To pave a basic decency for human kind? ganz klar mahnt. Wallis Bird verpackt auf As The River Flows das Thema, welches auch heute – vier Jahre nach dessen Beginn – immer noch die Schlagzeilen beherrscht und hat damit eine dramatisch klingende Soundkulisse geschaffen, die nachhallt.

Big Wild - City Of Sound

Big Wild – Let The Disco Heal Your Mood

Mit Maker hatte der US-Amerikanische Produzent Jackson Stell – alias Big Wild – bereits im Januar einen großartigen Song veröffentlicht. Nun hat Big Wild mit City Of Sound die nächste Single veröffentlicht und begeistert abermals mit einem treibenden Sound und geht dabei noch einen Schritt weiter – in Richtung Disco. Mit lässiger Gitarre beginnt der Song noch gänzlich unspektakulär, bis nur wenige Sekunden später ein füllender Dancebeat einsetzt, der sich an die French-House-Zeiten der späten 90er und frühen 2000er anlehnt. Stell selbst erklärt, dass der Song als Ermutigung gesehen werden soll und man bei so vielen Stimmen heutzutage, öfter auf seine eigene hören sollte. Diese Intention hat Stell so energievoll umgesetzt, dass man sich an die großen Discozeiten des Studio 54’s erinnert fühlt. Dabei hat sein Debütalbum Superdream, welches am 1. Februar 2019 erschien, eine Fülle an ähnlich großartigen Songs. Mit der frischen Mischung aus Dance, Instrumenten und mitreißenden Lyrics, lässt Big Wild keine Wünsche offen und ist der perfekte Sound zu den hochsommerlichen Temperaturen.

SYML - Break Free

SYML – Geht rabiat ins Ohr

Brian Fennell ist seit gut zwei Jahren ein gern gesehener Gast bei SOML. Mit seiner Band Barcelona ebenso, wie als Solokünstler unter dem Pseudonym SYML. Mit Songs wie Where’s My Love und The Bird zeigte er in der Vergangenheit eindrucksvoll, wie vielseitig seine Musik sein kann. Nun ist SYML mit Break Free zurück, bei dem er das Thema der Misogynie verarbeitet. So entwickelte sich ein Gespräch mit einem, SYML nahestehenden Musikers, plötzlich in eine Richtung, in der Frauen als minderwertig und abschätzig thematisiert wurden. Über seine eigene Verwunderung hinweg, entstand eine Wut, die SYML in diesen Song gepackt hat. Von dieser Wut angetrieben, klingt Break Free nach genau solch einen Moment, in dem man sich selber wach rütteln und für seine Werte einstehen muss. Break Free ist dabei – nach The Bird – abermals sehr rockig und geht mit seinem Refrain direkt ins Ohr. Seit dem 3. Mai ist das selbstbetitelte Debütalbum SYML auch in Deutschland erhältlich, weist eine hohe Schlagzahl an Hits auf und kann daher nur bestens empfohlen werden!

Bear's Den - So That You Might Hear Me

Bear’s Den – Berührend hoch 3

Nun ist es endlich soweit, nach drei Jahren ist heute das dritte Studioalbum So That You Might Hear Me von Bear’s Den erschienen. Damit präsentieren sich die Briten nach dem monumentalen Red Earth & Pouring Rain abwechslungsreicher denn je. Mit dem elektronischen Fuel On The Fire, den ruhigen Folksongs Laurel Wreath und Blankets Of Sorrow oder dem epischen Fossils haben sich Bear’s Den deutlich breiter aufgestellt, als noch auf Islands und Red Earth & Pouring Rain. Bei der aktuellen Single Crow haben Andrew Davie und Kevin Jones dann auch eine stripped-down Ballade auf dem Album, die so zurückhaltend ist, dass man sich voll und ganz darin verlieren kann. Für das Musikvideo haben die Jungs dann auch ihre Fans in den Städten São Paulo, Nashville, London und Brüssel zu einem First-Listening eingeladen und wurde mit den Fans ein Video erstellt, bei dem es darum ging familiäre Beziehungen zu präsentieren. Zusammengekommen, sind die verschiedensten Menschen mit ihren Liebsten oder auch Menschen, die nur ein Foto bei sich trugen, auf dem eine verstorbene Liebe gezeigt wird. Musikalisch geht Crow dabei in die einfühlsame Richtung und lässt viel Raum für Gefühle. Dabei zeichnet sich Crow durch das Zusammenspiel all dieser Einflüsse episch und monumental aus. Mit großem Pathos und einer gleichzeitigen Sensibilität lädt Crow unverkennbar ein, das neue Album zu hören und sich im Bear’s-Den-Sound zu verlieren – denn das schaffen die Briten wieder einmal hervorragend mit ihren neuen Songs.

The Slow Show @Silent Green Berlin. www.soundtrack-of-my-life.com

The Slow Show – Konzertkritik

Der Rahmen versprach Großartiges. Hatte sich die britische Band The Slow Show drei Jahre lang aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, kündigten die Manchester um Frontsänger Rob Goodwin mit Sharp Scratch den ersten Vorboten des kommenden Albums an. Dabei war es in der Vergangenheit beunruhigend ruhig um die Band gewesen. Hatten sie mit ihren 2015er und 2016er Alben White Water und Dream Darling doch in kürzester Zeit zwei Alben vorgelegt, die vor allem durch die Baritonstimme des Frontsängers Goodwin, zu absoluten Glückstreffern der britischen Musikszene avancierten. Dabei galt das Glück nicht etwa der Band, dadurch bekannt zu werden, sondern vielmehr uns Hörern, diese Atmosphäre erleben zu dürfen.

Lou Stone @Silent Green Berlin.    www.soundtrack-of-my-life.com

Als Ort für die Vorstellung der neuen Songs wurde die einzigartige Eventlocation Silent Green in Berlin ausgewählt. Hierbei handelt es sich um ein ehemaliges Krematorium, welches vor 110 Jahren im Stadtteil Wedding erbaut wurde und noch bis 2001 als solches genutzt wurde. In der ehemaligen Feierhalle – in der einst die Urnen der Verstorbenen aufgestellt wurden – befindet sich heute das Herzstück des gesamten Areals und finden in der 17 Mieter hohen, achteckigen Halle heute Veranstaltungen, wie Lesungen und Konzerte statt. Dabei steht die, mit einem deckenhohen Bühnenvorhang dekorierte, Erhöhung als Bühne zur Verfügung.

In diesem besonderen Umfeld eröffnete der Londoner Singer/Songwriter Lou Stone den Abend mit einer passenden Mischung aus Folk, Pop und Soul und überzeugte sogleich mit seiner warmen, einfühlsamen Stimme, welche die Aufmerksamkeit des Publikums schnell auf sich zog. Legt die Feierhalle jedes noch so kleine Geräusch an den Tag, war es das Berliner Publikum welches seinen Ruf alle Ehre machte und so still war, dass man die Saiten der Gitarre schwingen hören konnte. Mit seiner EP Fictions und so wunderbar romantischen Stücken wie Don’t UnderstandCarry Me HomeSally oder dem Titelstück Fictions war er der perfekte Opener für The Slow Show und stimmte das Publikum auf einen herzerwärmenden Abend ein.

Schließlich kamen um Punkt 20 Uhr Sänger Rob Goodwin, Keyboarder Frederik ‚t Kindt, Bassist Joel Byrne-McCullough und Schlagzeuger Chris Hough auf die Bühne und starteten in einen Abend, der versprach einmalig zu werden. Mit Songs aus den ersten beiden Alben und einigen Stücken aus dem kommenden – für später in 2019 angekündigtem – dritten Album führte Goodwin das Publikum mit warmen Worten durch den Abend und ließ dabei nur äußerst selten seine Augen von der Menge. Immer wieder streifte der Blick des britischen Sängers durch die Menge, suchte ganz bewusst den Blickkontakt mit Einzelnen und verschaffte seiner Musik damit eine weitaus eindringlichere Wirkung.

Mit Songs wie Dresden, Ordinary LivesFlowers To Burn oder dem alles überragenden Bloodline beflügelte die Band das Publikum immer wieder mit dem Gefühl des kollektiven Schwelgens. Bei Bloodline welches die Band auf eine 7-minütige Version ausdehnte, in der das Publikum einen Teil des Refrains selbst sang und damit in der Halle eine Atmosphäre entstand, die ein überborderndes Wir-Gefühl ausstrahlte, wuchs die Dankbarkeit in Goodwin sichtlich ins unermessliche. Dass die Band glücklich ist, dieses Leben, leben zu dürfen und mit so vielen Menschen Emotionen teilen zu können, zeigt sich in der fast schon schmerzhaft dankbaren Haltung des Sängers. Dabei wirkte er zu keinem Zeitpunkt unauthentisch und zeigte eher bei jedem Song eine fast schon gebrochen, mitfühlende Haltung – als fühle er die Emotionen, die ihm beim Schreiben der Songtexte antrieben, nochmals nach.

Gleichwohl kamen mit – unter anderem – Sharp ScratchSt. Louis und Places You Go auch einige neue Songs vor, die sich wunderbar in die heimelige Stimmung einfügten. Mit ihrem Hang zu ruhig beginnenden Songs, die in einer opulent instrumentierten Version aufgehen, haben The Slow Show den perfekten Soundtrack für die Untermalung von Emotionen geschaffen. Immer wieder kam man sich an diesem Abend vor, als wäre man in einem Spielfilm, bei dem tiefe, emotionale Momente musikalisch untermalt würden, nur, um anschließend in einer ergreifenden Auflösung zu enden.

Zum Ende hin überraschte Goodwin schließlich noch mit einer Rede auf Deutsch, in der er sich für die Geduld des Publikums bedankte und dafür, dass man die Band nicht vergessen habe. Gleichwohl kündigte er für später im Jahr weitere neue Musik an und war dankbar über einen Abend in so einer Location, mit solch einem Publikum und der Tatsache, dass das Publikum der Band die Nervosität, neue Songs zu spielen, mit solche einer Wärme genommen hatte und ihnen so zeigte, die richtige Richtung gegangen zu sein.

The Slow Show @Silent Green Berlin. www.soundtrack-of-my-life.com

The Slow Show kann man nicht vergessen. Nicht die Stimme, nicht den Sound, nicht die Emotionen, die diese Band verkörpert. Und so zeigte sich am Ende auch das Publikum dankbar und war glücklich, diesen Abend miterlebt zu haben.

Local Natives – Durchbruch mit Ohrwurm?

Wenn eine Band bereits drei Alben veröffentlicht hat, kann man unmöglich noch von Newcomern sprechen. Und doch ist die US-Amerikanische Band Local Natives trotz ihrer markanten Songs bisher einem größeren Publikum noch verwehrt geblieben. Dabei waren die Alben Gorilla Manor (2009), Hummingbird (2013) und Sunlit Youth (2016) doch Türöffner und ließen die Band mehrmals für The National die Konzerte weltweit eröffnen. Nun ist die Band um Frontsänger Taylor Rice mit der Ankündigung des vierten Albums Violet Street wieder da und lässt mit When Am I Gonna Lose You? einen Song los, der vieles vereint. Ist When Am I Gonna Lose You? etwas für Fans von Foster The People oder Half•Alice haben Local Natives gleichzeitig auch noch einen deutlich satteren Sound, der nach vorne geht und in einem mehrstimmigen Refrain aufgeht. Dabei behandelt Frontsänger Rice die Zerrissenheit, seine große Liebe zu heiraten und gleichzeitig die Angst zu empfinden, dass durch diesen Schritt diese unglaubliche Beziehung weggehen, auseinanderfallen und zerfallen würde. Von dieser Angst inmitten von Liebe und Ehrlichkeit singt sich Rice förmlich frei und lässt Local Natives dabei in eine Richtung gehen, die kaum einen Spielraum für einen ausbleibenden Erfolg hat. Zumindest mit When Am I Gonna Lose You? werden die Local Natives noch für so einige Rotationen im Radio sorgen.

Benjamin Francis Leftwich – Wie das Leben spielt

Benjamin Francis Leftwich hat in den letzten Jahren so einiges an Material veröffentlicht. Stehen ganz vorne seine beiden Alben Last Smoke Before The Snowstorm (2011) und Before The Rain (2016). Gesellen sich fünf EP’s mit zu seiner Diskografie. Dabei fällt vor allem die letzte EP I Am With You (2018) auf, hat der britische Singer/Songwriter doch hier sein gewohntes Genre des Folks verlassen und sich zu mehr Ambient und einem elektronisch untermalten Sound weiterentwickelt. Die Beweggründe beschreibt der 29-jährige Leftwich als eine Art Katharsis bei der er mehr zu sich selbst gefunden hatte und seitdem nicht müde wird, sich weiterzuentwickeln. Dabei kommt ihm die neue Single Look Ma! zur Hilfe, die nicht nur einen weiteren Schritt in Richtung elektronische Musik geht, sondern auch Leftwichs drittes Album Graditute ankündigt, welches am 15. März veröffentlicht wird. Look Ma! ist dabei eine Mischung aus fernöstlichen Eindrücken, Leftwichs warmer Stimme, einem relaxten Beat mit Synthies und einem weiten Sound. Mit Look Ma! hat Leftwich neues Terrain betreten, welches zu ihm genauso gut passt, wie sein vormaliger Folksound.

Friendly Fires – In das neue Jahr voller Energie

Als erstes wünsche ich Euch allen natürlich ein frohes neues Jahr und viele großartige, musikalische Neuentdeckungen.

Seit acht Jahren hat das britische Indie-Trio Friendly Fires bereits keine neue Musik mehr veröffentlicht. Mit ihrem schnellen Gitarrenspiel und Ed Macfarlanes markanter Stimme wurden sie Ende der 2010er Jahre zu einer festen Größe am Indiehimmel. Legten sie von 2014 bis 2017 eine kreative Pause ein, hielt sich Macfarlane mit Bemerkungen wie; Egal welche Songs wir schreiben, ob psychedelisch, 8-Minuten Tracks oder total abgefahrene Tracks, werden wir sie wenn dann unter dem Namen Friendly Fires veröffentlichen immer eine Rückkehr offen. Diesem kommen sie nun nach und veröffentlichen nach Love Like Waves im April 2018 nun mit Heaven Let Me In einen weiteren Song, der sich deutlich von ihren früheren Produktionen absetzt. Spielen sie doch mit deutlich mehr elektronischen Elementen und kommen damit in die Richtung von den Bag Raiders, Shapeshifters und Dax Riders und damit der Kategorie French-House ziemlich nahe. Die Friendly Fires werden mit ihrem dritten Album eine neue Richtung einschlagen und sind damit aktuell auf dem besten Weg ihr erfolgreichstes Album zu produzieren.

RY X – Vom Wind der Wüste

Stetig und warm – wie der Wind in der Wüste, so klingt RY X‘ neue Single YaYaYa. Mit sanfter Gitarre, eine dunklen und sphärischen Piano im Hintergrund und der warmen, brechenden Stimme RY X‘ klingt die mittlerweile dritte Singleauskopplung, aus dem am 15. Februar 2019 erscheinenden neuen, zweiten Album unfurl, sanft und schwer zugleich. Nach seinem 2016er Debütalbum Dawn umspannt RY X nun auf unfurl einen voluminöseren Sound, der eine Art aufblühen zu neuen Richtungen beinhaltet, ohne dabei die Herkunft seiner Musik zu vergessen. Nach den Singles Untold und Bound zeigt sich auch auf YaYaYa, dass die musikalische Intimität durch die Verletzbarkeit des Sängers entsteht und uns zeigt, wie reich und emotional Musik sein kann. Damit macht sich RY X nun auch auf Welttournee und spielt unter anderem in den USA, Australien und Europa in – wohl schnell – ausverkauften Locations.