Freyr - You Want Love

Freyr – Ein Song, der das Bergpanorama absucht

Es ist ein Song, wie für die Untermalung eines Panoramas gemacht. Da hören wir, wie die sanften Gitarrensaiten ihre Töne vibrierend verbreiten und lauschen entspannt zu Freyr Flodgrens warmer Stimme. Hier kommt unweigerlich ein Bild vor Augen, das von Einsamkeit, Wärme und Ferne geprägt ist. Dass das nicht von ungefähr kommt, zeigt sich in einem Interview Flodgrens, der hier sagt, dass er den Song während eines Aufenthaltes in Vancouver aufgenommen und das Panorama der hohen Berge genossen hat. Mit You Want Love schauen wir also auf ein Bild, in dem sich unzählige Details verstecken. Beeindruckt von den schieren Ausmaßen der Berge, finden wir mal eine Straße, in der aus der Ferne immer wieder Scheinwerfer – wie kleine Glühwürmchen – entlang des Hanges ziehen, mal sind es Wolken, die sich im Berg verhangen zu haben scheinen und jeden Moment einen Schneeschauer auslösen könnten. Die Augen ziehen mit wenigen Bewegungen ihre Kreise auf einer Fläche, die so groß scheint, dass man sich vor Ort darin verlieren würde.

Freyr Flodgren
Freyr Flodgren

Freyr schafft es in seinem neuen Song, genau dieses Gefühl von Neugier, Faszination, Ruhe und Wärme zu verbinden und sorgt für eine Atmosphäre, die sich an uns anzuschmiegen scheint. Hier finden wir Geborgenheit und Gemütlichkeit und hören einen der wohl passendsten Songs für die aktuelle Jahreszeit – in der man sich Abends gerne in eine Decke einkuschelt, die Kerzen anmacht und draußen, auf der anderen Seite des Fensters, das raue Wetter vorbeiziehen sieht. You Want Love ist ein Song, um sich darin zu verlieren und strahlt mit einer Wärme, die von innen heraus kommt. Mit You Want Love veröffentlicht de Schwede mit isländischen Wurzeln – nach Avalon – den zweiten Song aus seinem, für Mai 2021 angekündigten Album, welches uns bereits jetzt das Herz höher schlagen lässt. Freyrs Musik ist ein Schatz, der so pur und authentisch ist, dass man sich ihm und seiner Stimme nur ergeben kann.

L'aupaire feat. Martin Rott - Bubbles

L’aupaire – Musikalisch neu aufstellen

Mit Rollercoaster Girl gelang dem Gießener Musiker L’aupaire 2014 ein sensationeller Erfolg. Mit einer Mischung aus rauer und gefühlvoller Stimme und treibenden Sounds wurde er schnell vom Geheimtipp zum gefragten Act in Radioshows, auf Festivals und auf der Konzertbühne. Das dazugehörige Album Flowers landete schließlich 2016 auf Platz 51 der deutschen Albumcharts. Mit den darauf enthalten Songs wurde die Nachfrage nach dem – mittlerweile in Berlin lebenden – Musiker schließlich so groß, dass er die Reißleine ziehen musste und sich eine Auszeit nahm. Der Druck und das ständige Touren führten bei Robert Laupert zu einem Überdenken seiner Arbeit. Nach einigen Monaten ohne jegliche Gedanken an die Musik schlossen sich plötzlich Türen und öffneten sich woanders, wie der Musiker dem Gießener Anzeiger in einem Interview erzählte. Dabei kam wieder neuer Elan auf und plötzlich sprudelten die Ideen für neue Songs. Hier schloß sich auch die Tür bei dem Plattenlabel Virgin Records – bei dem L’aupaire noch sein Debütalbum veröffentlichte – und öffnete sich eine andere bei Vertigo Music. Mit Reframing folgte im August 2019 L’aupaires zweites Album für das es auch eine kleine Deutschlandtour geben sollte. Doch nur wenige Wochen nach der Veröffentlichung des neuen Albums teilte L’aupaire über seine sozialen Kanäle mit, dass er auf unbestimmte Zeit keine Konzerte mehr geben kann. Dies zahnt in den Reaktionen seines Körpers, der ihm genug Zeichen gesendet habe, diesen Schritt zu gehen – so der Musiker. Wer die Songs L’aupaires kennt, wird wissen, dass alle gemein einer Intimität und Gefühlswelt entstammen, die nicht auf Hektik, hartem Abliefern und Dauer-Druck-empfinden fußen, sondern durchzogen sind, von weichen, emotionalen Gefühlen und Erlebnissen.

L'aupaire
L’aupaire

Während sich L’aupaire über die vergangenen zwölf Monate somit immer wieder freischwamm und durch Erlebnisse – wie die Geburt seines zweiten Kindes oder die Eindrücke eines Roadtrips mit seiner jungen Familie – neue Kraft fand, entstand daraus auch wieder neue Musik. Die dabei veröffentlichten Songs bilden die Vielfältigkeit des Musikers ab, wie wir es bisher kaum zu hören bekamen. Ob mit dem körperlichen Flamenco, dass von den unzähligen ersten Malen handelt, die man im Leben erlebt, oder dem unglaublich warmen Ocean Girl bei dem wir ganz persönliche Einblicke in L’Aupairs Familienleben bekommen und bei dem er über die Verantwortung für seine kleinen Kinder singt und ebenso darüber, diese Verantwortung auch wieder abgeben zu können, um sie auf ihren eigenen Weg zu schicken. Nun hat L’aupaire mit Bubbles die dritte Singles dieses Jahres veröffentlicht und einen gänzlich neuen Sound eingeschlagen. Gänzlich neu ist dabei, dass die Erstversion der Veröffentlichung ein grooviger Dancesong ist, der mit 80er-Jahre Synthies aufwartet und von Martin Rott – der bereits mit Wallis Bird, Alexa Faser, Max Giesinger und Stephanie Neigel zusammenarbeitete – einen neuen Mix erhielt. Rott hat dabei gerade erst Ende August seine Debüt-EP Circles veröffentlicht und aus L’aupaires Folk- und Blues-Sound eine tanzbare, lebensbejahende Dancepopnummer gemacht. Hierbei kommt ein Retrogefühl auf, welches uns Bilder in den Kopf setzt, wie man in den 80er-Jahren, zusammen mit seinen Freunden, zum nächsten Kiosk gegangen ist, um sich für ein paar Pfennige Süßigkeiten und Kaugummis kaufen zu können. Mit Bubbles gibt uns L’aupaire einen Eindruck von der Vielfalt, die noch in ihm schlummert und macht gleichzeitig Lust auf die kommenden Veröffentlichungen. Alles braucht seine Zeit – auch für Künstler gilt dies, um ganz bei sich selbst zu bleiben.

girl in red - two queens in a king sized bed

Girl In Red – Besinnliche Töne

Im Winter 2018/2019 schallte es durch alle Indie-Radios – My girl, my girl, my girl. You will be my girl. Dabei hatte die Norwegerin Marie Ulven – alias girl in red – mit Songs, wie we fell in love in october, i’ll die anyway oder midnight love und ihrer – im September 2019 veröffentlichten – Single-Compilation Beginnings, eine Zusammenstellung aus ihren beiden bisher erschienenen EPs Chapter 1 und Chapter 2 rausgebracht, die viel dazu beitrug, die Bedroom-Produzentin auch auf die internationale Bühne zu heben. Mit ihren 21 Jahren hat sich girl in red mittlerweile zu einer beliebten Indie/Dreampop-Musikerin gemausert, die mit ihren zumeist intimen Songs zudem auch immer direkt und klar ist. Nun hat uns girl in red mit ihrer neuen Single two queens in a king sized bed aber gerade komplett überrascht. Denn während ihre bisherigen Songs auch eine gewisse Pragmatik widerspiegeln, spielt sie auf ihrem neuen Song plötzlich mit Traditionen. Da kommen Glocken und heimelige Töne auf und lassen die Worte Christmas und Mistletoe ertönen. Und plötzlich hat uns girl in red – ohne, dass wir es vermutet haben – einen satten Popsong geliefert, der so zuckersüß und weihnachtlich ist, dass wir glatt schon die roten Mützen aufsetzen möchten.

girl in red - two queens in a king sized bed (Video)
girl in red – two queens in a king sized bed (Video)

Sie selbst hat den Song aus dem Moment geschrieben, in dem sie mit einer sehr engen Person am Weihnachtsmorgen im Bett lag, ihre Haut sich wärmend berührten und sie diesen Moment für immer festhalten wollte. Hier tauchen wir musikalisch in eine Szene ein, in der man aus dem Schlafzimmerfenster die Schneeflocken rieseln sieht. Gleichzeitig baut sich das Bild einer Blockhütte in den Wäldern mit ganz viel weihnachtlicher Stimmung auf und lässt den Song fast schon klassisch klingen. Doch auch wenn girl in red mit two queens in a king sized bed äußerst poppige Pfade einschlägt, bleibt sie textlich auch immer bei sich und singt über zwei Frauen und einem trotzigen There’s no mistletoe above our heads. But i’ll kiss you anyway. On christmas day. Yea i’ll kiss you anyway. In christmas day. Bereits im Frühjahr kündigte girl in red mit World In Red ihre Debütalbum für Oktober 2020 an und bekräftigte noch im Mai in einem NME-Interview [Die Corona-Pandemie] kann World In Red nicht aufhalten, Baby! Bisher müssen wir leider feststellen, dass es doch dazu gekommen sein muss und hoffen mit girl in red darauf, dass wir schnellstmöglich das Debütalbum der norwegischen Sängerin zu hören bekommen.

Jamie Cullum - Don't Give Up On Me

Jamie Cullum – Die Reflexion des ewigen Jazz-Jünglings

Es ist eine große Zahl – 40. Im letzten Jahr war es für den britischen Jazz-Pop-Musiker Jamie Cullum soweit und die 3 verschwand in seiner Jahreszahl. Was den ewig jung wirkenden Sänger in den letzten zwanzig Jahren seiner Musikkarriere stets frisch und jung wirkend ließ, wurde mit diesem Datum zur Bewährungsprobe – denn plötzlich fragte ihn jeder nach seinem Alter. Einst mit jungen 20 Jahren das Debütalbum Heard It All Before (1999) ohne Plattenvertrag veröffentlicht, wurde bereits sein zweites Album Pointless Nostalgic (2002) über 100.000 Mal in Großbritannien verkauft. Nicht zuletzt durch einen Major-Plattenvertrag erfolgte schließlich der weltweite Durchbruch mit seiner 2003er Platte Twentysomething, die sich mehr als 2,5 Millionen Mal verkaufte. Es folgten fünf weitere Alben, von denen Taller 2019 das letzte war. Nun ist der britische Jazz-Musiker aus Essex mit der neuen Single Don’t Give Up On Me zurück und spiegelt darauf die Wahrnehmung seiner selbst durch Andere.

Jamie Cullum

Jamie Cullum

Es ist ein Song darüber, dass man sich von dem Bild, das man in den Augen seiner Lieben hat, nicht erschrecken lässt. Es kann einen zum Durchdrehen bringen, weil es ein wahrheitsgetreues Spiegelbild ist, das jeden einzelnen winzigen Makel offenbart – so Cullum in einem Universal Music Interview. Musikalisch gibt es einmal mehr die markanten Klavierpassagen, die sich schnell mit Schlagzeug und Cullums unverwechselbarer Stimme abwechseln. Dabei singt Cullum immer auch so sympathisch direkt, dass man sich sofort wieder an seine großen Songs, wie Mind TrickI’m All Over It oder dem großartigen Love Is In The Picture erinnert fühlt. Cullum selbst sagt, dass dieses Jahr noch einiges an Musik des sympathischen Briten bereithält. Auch wenn die Pandemie nicht an dem Jazz-Musiker vorbei ging und er seine 2020-Auftritte auf das Frühjahr 2021 verlegen musste, dürfen wir gespannt sein, was die kommenden Monate für uns bereithalten. Mit Don’t Give Up On Me können wir zumindest erahnen, in welche Richtung es gehen wird und zeigt uns Cullum eindrucksvoll, dass das Alter auch nur eine Zahl ist.

Faithless feat. Suli Breaks & Nathan Ball - This Feeling

Faithless feat. Suli Breaks & Nathan Ball – Ein Sommer, wie 2004

Sie gelten als Pioniere der elektronischen Szene Großbritanniens. Mit ihrem Mix aus Dance, House und Trip-Hop beherrschten Faithless die Clubs der 1990er und frühen 2000er. Neben ihren größten Erfolgen mit Insomnia (1995) und God Is A DJ (1998) waren es in den 2000ern vor allem die sommerlichen Sounds, wie One Step To Far (zusammen mit Dido), Mass Destruction und I Want More, die jeweils auf dem Thron aller Playlisten saßen. 2011 setzte die Band schließlich eine Pause ein und konzentrierte sich darauf, privaten Plänen nachzugehen. Während Sister Bliss und Maxi Jazz vereinzelt auf Kollaborationen zu hören waren, gab es für Rolle Armstrong – dem älteren Bruder von Sängerin Dido – unterdessen einiges zu tun. So hat sich der Produzent von Faithless unter anderem um die Produktionen der zwei letzten Alben von Dido gekümmert und unter dem Alias R+ 2019 sogar mit seiner Schwester zusammen ein komplettes Album rausgebracht. Nun sind Faithless, nachdem sie Anfang Juni – nur für wenige Stunden – einen neuen Track mit dem Namen Let The Music Decide veröffentlichten, mit einer weiteren neuen Single zurück und beenden damit ihre zehnjährige Schaffenspause.

This Feeling (Musikvideo)

This Feeling (Musikvideo)

Dabei haben sich die drei Musiker mit Nathan Ball und Suli Breaks zwei äußerst interessante und vielversprechende Künstler mit ins Boot geholt und begeistern mit einem enormen Sommersong, der wie gemacht, für die aktuelle Hitzewelle ist. Über die Zusammenarbeit mit Nathan Ball freue ich mich persönlich am meisten, begleitet SOML den Südengländer doch bereits von Beginn seiner Karriere an und interviewte den Singer/Songwriter noch in seiner Anfangszeit. Suli Breaks wiederum ist ein Spoken Words Poet, der bereits erste Erfahrungen im Musikbusiness gesammelt hat. Zusammen haben sie nun mit This Feeling einen Song veröffentlicht, der durch tropische Beats, eingängige Basslines und der leichten, markanten Stimme Nathan Balls begeistert. Faithless beschreiben den Song schließlich mit den Worten: Es ist ein Song, der in unseren Augen textlich und musikalisch die Erinnerungen an die großartigen, hinter uns liegenden Sommer transportiert. Mit den beiden ersten neuen Songs, innerhalb von zehn Jahren haben Faithless genau das Gefühl eingefangen, das wir alle diesen Sommer so sehr vermisst haben – mit Freunden an schweisstreibenden Tagen zum See zu fahren oder die tropischen Nächte der Großstadt unsicher zu machen. Die Hoffnungen, auf ein baldiges, neues Album dürften mit der neuesten Veröffentlichung gar nicht mehr so unrealistisch sein – wird doch in der britischen Presse bereits mit einer Veröffentlichung, noch in diesem Jahr gerechnet. This Feeling ist ein Song für den Moment und klingt dabei so zeitlos, dass wir ihn auch noch in den kommenden Sommern auflegen werden.

Disclosure & Fatoumata Diawara - Douha (Mali Mali)

Disclosure feat. Fatoumata Diawara – Weltmusik im Dance

Weltmusik verbreitet sich immer häufiger über das Sprachrohr der elektronischen Musik. War dieses Musikgenre sonst nur eine Nische in den hiesigen Plattenläden, erreichen die Künstler dieses Genres immer öfter auch die Musikcharts der westlichen Länder. Ob es die brasilianische Rhythmus-Gruppe Barbatuques mit ihrem Song Baianá ist – der seit Jahren durch alle DJ-Sets geistert und für absolute Glücksgefühle sorgt – oder Wes, der durch das Remake von Alane wieder zurück in den Charts ist, bis hin zu Fatoumata Diawara – die bereits auf dem Disclosure-Hit Ultimatum zu hören war. Die Relevanz der Interpreten nimmt zu und beschert den Musikern, wie im Falle von Diawara, sogar Grammy-Nominierungen als Best Dance Recording. Natürlich gilt diese Nominierung hauptsächlich dem Produzenten-Brüdern von Disclosure. Doch zählt so auch Diawara zu den Nominierten. Im Zuge des neuen Albums der beiden britischen Brüder Guy und Howard Lawrence hat die Zusammenarbeit mit Diawara zu Ultimatum schließlich so viel Spaß gemacht, dass das Duo sich ein zweites Mal mit der malischen Sängerin ins Studio begeben und für ihr drittes Studioalbum Energy den Song Douha (Mali Mali) aufgenommen haben.

Disclosure & Fatoumata Diawara - Douha (Mali Mali)

Disclosure & Fatoumata Diawara – Douha (Mali Mali)

Dabei klingen Disclosure und Diawara einmal mehr verbindend und vereinen die verschiedenen Einflüsse ihrer Musikstile. Doch ist es vielleicht das Statement des Musikvideo-Regisseurs Mahaneela, der den Song und das Musikvideo nicht hätte passender beschreiben können. So sagt er in einem Interview mit dem Rolling Stone Magazin: Gerade jetzt, gehen wir überall auf der Welt durch eine absolut verstörende Zeit. Ich wollte daher etwas kreieren, das eine visuelle Schönheit präsentiert aber dennoch auch als eine Art Symbol für das steht, was wir gerade durchmachen. Die Menschen fühlen sich isolierter als je zuvor und ich hatte die Idee etwas Freude zu ihnen nach Hause bringen, die von der Kraft der Musik und ihrer Bewegung ausgeht und uns somit wieder verbindet. Es hätte keine bessere Beschreibung für den energiegeladenen Housetrack geben können, den uns Disclosure mit Diawara hier präsentieren. Das dazugehörige Musikvideo ähnelt dem, des 1998er Wes-Hits Alane auffällig und versprüht eine ganz ähnliche Dynamik. Nach Know Your WorthEcstasyEnergy und My High ist Douha (Mali Mali) bereits die fünfte Singleauskopplung und wird wohl der letzte Anheizer für das in vier Wochen erscheinende Album Energy sein. Disclosure wissen, was von ihnen erwartet wird und überraschen dennoch jedes Mal aufs Neue mit ihren Musik.

Sylvan Esso - Ferris Wheel

Sylvan Esso – And The Beat Goes On

Mit ihren zwei bisher veröffentlichten Alben Sylvan Esso (2014) und What Now (2017) hat es das US-Amerikanische Duo Sylvan Esso schnell auf die Line-Up-Listen der großen Elektro-Festivals weltweit geschafft. Dieser hypnotisierende Sound aus Elektropop, Indietronic und großartigen Beats – wie auf dem herausragenden Song Play It Right – sorgten dafür, dass die Hallen ihrer Konzerte – wie bei ihrem Konzert im Berliner Prince Charles 2015 – immer nachgefragter wurden. Nun haben Amelia Meath und Nick Sanborn mit Ferris Wheel die erste Single ihres kommenden dritten Studioalbums veröffentlicht. Das Album wird auf den Namen Free Love hören und am 25. September das Licht der Welt erblicken. Dabei ist Ferris Wheel so bunt, wie verrückt und hätte damit nicht besser auf den Schauplatz des Musikvideos – einem Freizeitpark während des Lockdowns – passen können.

Sylvan Esso - Free Love

Sylvan Esso – Free Love

Meath selbst sagt in einem Interview über ihre Musik, dass im Kern von Sylvan Esso dieser merkwürdige Zwiespalt steckt. Nick möchte, dass die Dinge möglichst beunruhigend klingen, ich aber will, dass man sich die Klamotten vom Leib reißt und tanzt. Wir wollen Popsongs machen, die nicht ins Radio passen, weil sie zu schräg sind. Das haben sie ohne Zweifel geschafft. Doch gleichzeitig wünscht man ihnen auch, dass so viele wie möglich, diese wunderbare Band kennenlernen können und ihnen ein baldiger Durchbruch im Mainstream zu Gute kommt. Über das kommende Album sagt Meath noch, dass es ein Album ist, in dem es darum geht, zunehmend Angst vor der Welt um dich herum zu haben. Schau in dich hinein und erinnere dich an all die Zeiten, in denen es so einfach schien, andere Menschen zu lieben. Es soll dir den Weg zurück an diesen Ort zeigen. Mit diesem Ort könnten wir uns anfreunden – um insgeheim ganz ausgelassen zu Ferris Wheel zu tanzen – wie es Meath im Musikvideo macht. Ferris Wheel ist die volle Ladung Energie und lässt auch noch Stunden später keinen Zweifel daran, dass sich der Song in unserem Kopf festgesetzt hat, um zu bleiben.

Washed Out - Time To Walk Away

Washed Out – Der Soundtrack für große Erinnerungen

Es klingt nach der Erinnerung, nach der wir uns alle sehnen. Ob es der Abschlussball, Albernheiten mit dem Partner machen, eine Hochzeit, eine Geburt, von den Klippen auf den Atlantik schauen oder den endlosen Küstenstraßen beim Sonnenuntergang folgen ist – all diese Momente und viele mehr bergen eine schier unbegrenzte Möglichkeit sich so reich an Liebe, Vertrauen, Zuneigung, Stärke oder Melancholie zu fühlen. Dabei sind es oftmals auch die Songs, die wir in diesen Momenten hören, die uns jedes Mal erneut – wenn der Song einmal läuft – zurück in diesen Augenblick katapultieren. Im Grunde weiss man vorher nicht, dass dieser Song einmal unverwechselbar mit einer Situation verbunden sein wird, an die wir uns immer wieder zurückerinnern werden. Doch was ist, wenn ein Song es ist, der dieses Gefühl transportiert – ohne, dass es so einen Moment bisher gab?

Washed Out - Purple Noon

Washed Out – Purple Noon

Mit Washed Outs neuester Single Time To Walk Away stehen wir gerade vor so einem Song. Mit der im April veröffentlichten Single Too Late hatte Washed Out eine neue Richtung eingeschlagen und sich schneller und poppiger präsentiert. Nun ist mit Time To Walk Away die neueste Single da und zeigt, wie obsessiv sich Ernest Weatherly Greene Jr. in seiner Musik verlieren kann. Dabei ist es Washed Outs Anspruch, sich zwar mit neuen Klangideen weiterzuentwickeln, doch immer auch nach Washed Out zu klingen. Abschließend gibt Washed Out im Interview auch zu, dass seine Melodien oft eine Sehnsucht haben, die sich ziemlich melancholisch und traurig anfühlen kann – aber er habe das Gefühl, dass in seltenen Fällen dieselben Melodien gleichzeitig seltsam erhebend und hoffnungsvoll sein können. Dieses Erhabene greift zu 100 Prozent auf den Hörer über und erzeugt das Gefühl in einem Moment zu stecken, der so einzigartig ist, dass man ihn nur mit einem euphorisch aber entspannten Synthiesound untermalen kann. Time To Walk Away ist ein Song für die Erinnerung und gleichzeitig baut er selbst Momente auf, an die man sich gerne erinnern möchte. Time To Walk Away wird sich auf Washed Outs viertem Studioalbum Purple Noon befinden, das am 7. August veröffentlicht wird.

Roosevelt - Sign

Roosevelt – Es ist wieder Zeit zu feiern!

Die Wochen vergehen und seitdem Mitte März in Berlin alle Clubs und Bars schließen mussten und die großen Open Air Veranstaltungen abgesagt wurden, deutete alles auf einen zurückhaltenden Sommer hin. Auch wenn das Leben, durch die Öffnung der Bars so langsam wieder an Fahrt gewinnt, fehlt es vielen weiterhin an einem Moment des unbekümmerten Feierns. Dies ändert sich nun mit der neuen Single von Roosevelt, die uns in etwas mehr als vier Minuten durch die vergangenen Monate führt. Denn hier beginnt alles mit ruhigen Synthie-Chords, der sich durch Marius Laubers Gesang bedächtig, melancholisch und etwas ausgelaugt anhören. Im Folgenden setzen Drum-Machine und frickelige Elektroelemente ein, die den Übergang zu einem aufblühenden Moment zeigen, der schlußendlich in einem treibenden Partysound voller Euphorie und Unbeschwertheit aufgeht. Ganz so, wie sich der Lockdown in die Phasen des Schocks über die Schließungen, dem damit Abfinden und neue Wege suchen und schließlich eine – durch den Sommer – aufkommende Leichtigkeit Erlebens einteilen lassen, können wir in Sign drei ganz ähnliche Gefühlslagen heraushören. Lauber selbst sagt in einem Interview über seinen Song Ich wollte eine sehr intime Stimmung schaffen […] Als ich dann irgendwann einen Beat dazu produzierte, merkte ich aber ziemlich schnell, dass der Track auch in einem Dance-Kontext funktioniert. Genau dieser Wandel ist auf Sign äußerst präsent und lässt den Song damit auf verschiedenen Ebenen wirken. Nach dem zweiten Album Young Romance (2018) hat sich Roosevelt vor allem durch Veröffentlichungen, wie der Coverversion von Fleetwood Macs Everywhere, der Neuinterpretation seines 2012er Songs Cape Cod auf Falling Back und der Zusammenarbeit mit dem US-Amerikanischen Dance-Duo Classixx auf One More Song immer wieder ins kollektive Bewusstsein gerufen. Mit Sign veröffentlicht er nun einen ersten neuen Song, seit seinem zweiten Album und bietet damit eine wunderbare Grundlage für ein baldiges, drittes Studioalbum. Sign ist der perfekte Song für den Sommer und lädt dazu ein, alleine zu Hause, im Park mit Freunden, oder zu zweit Nachts an der Spree entlang tanzend den Moment zu genießen.

Lady Gaga feat. Ariana Grande - Rain On Me

Lady Gaga feat. Ariana Grande – Tanzt auf den Tischen!

Die neue Single Rain On Me von Lady Gaga zusammen mit Ariana Grande scheint eine ganz neue Interpretation des 1929er Klassikers Singin‘ In The Rain zu sein. Tanzen sie doch fast schon in Cyborg-Outfits und futuristischer Umgebung im Regen zu ihrem neuen Song. Dabei erstaunt Gagas Rückkehr zum ursprünglichen Musikstil weniger – war doch der Erfolg ihrer Platten, wie die Zusammenarbeit mit Jazz-Legende Tony Bennett auf Cheek to Cheek (2014) und dem Country-Album Joanne 2016 mit jeweils 1 Million verkauften Platten deutlich unter Gagas gewohnten Verkaufszahlen. Schließlich konnte die US-Amerikanische Sängerin mit ihrem Debütalbum The Fame (2008) 15 Millionen, mit Born This Way (2011) 6 Millionen und mit Artpop (2013) immerhin noch 2,5 Millionen Platten verkaufen. Mit ihrem – vor zwei Wochen veröffentlichten – neuen Album Chromatica konnte sich Gaga nun wieder an die Spitze der Albumcharts von 17 Ländern setzen und erreichte in weiteren 9 Ländern die Top-5. Zusammen mit Ariana Grande hat sich Gaga auf Rain On Me wieder dem gewohnten Dance-Pop zugewandt und einen mitreissenden Feel-Good-Song veröffentlicht. Das dazugehörige Musikvideo zeigt Gaga einmal mehr in Top-Form, während sie mit Grande eine auschoreografierte Performance hinlegt. Rain On Me ist dabei als Metapher zu sehen und beschreibt Gagas Kampf gegen den Alkohol – der ihr viele Tränen eingebracht hat. Gaga selbst fügte in einem Interview schließlich hinzu, dass es ein Zelebrieren der Tränen ist um sich selbst klar zu machen, durch was für eine harte Zeit man gegangen istRain On Me ist ein strahlender Popsong, der sich nahtlos in die Reihe von erfolgreichen Songs der New Yorkerin einordnet und einem dabei zum tanzen abholt.