Faithless feat. Suli Breaks & Nathan Ball - This Feeling

Faithless feat. Suli Breaks & Nathan Ball – Ein Sommer, wie 2004

Sie gelten als Pioniere der elektronischen Szene Großbritanniens. Mit ihrem Mix aus Dance, House und Trip-Hop beherrschten Faithless die Clubs der 1990er und frühen 2000er. Neben ihren größten Erfolgen mit Insomnia (1995) und God Is A DJ (1998) waren es in den 2000ern vor allem die sommerlichen Sounds, wie One Step To Far (zusammen mit Dido), Mass Destruction und I Want More, die jeweils auf dem Thron aller Playlisten saßen. 2011 setzte die Band schließlich eine Pause ein und konzentrierte sich darauf, privaten Plänen nachzugehen. Während Sister Bliss und Maxi Jazz vereinzelt auf Kollaborationen zu hören waren, gab es für Rolle Armstrong – dem älteren Bruder von Sängerin Dido – unterdessen einiges zu tun. So hat sich der Produzent von Faithless unter anderem um die Produktionen der zwei letzten Alben von Dido gekümmert und unter dem Alias R+ 2019 sogar mit seiner Schwester zusammen ein komplettes Album rausgebracht. Nun sind Faithless, nachdem sie Anfang Juni – nur für wenige Stunden – einen neuen Track mit dem Namen Let The Music Decide veröffentlichten, mit einer weiteren neuen Single zurück und beenden damit ihre zehnjährige Schaffenspause.

This Feeling (Musikvideo)

This Feeling (Musikvideo)

Dabei haben sich die drei Musiker mit Nathan Ball und Suli Breaks zwei äußerst interessante und vielversprechende Künstler mit ins Boot geholt und begeistern mit einem enormen Sommersong, der wie gemacht, für die aktuelle Hitzewelle ist. Über die Zusammenarbeit mit Nathan Ball freue ich mich persönlich am meisten, begleitet SOML den Südengländer doch bereits von Beginn seiner Karriere an und interviewte den Singer/Songwriter noch in seiner Anfangszeit. Suli Breaks wiederum ist ein Spoken Words Poet, der bereits erste Erfahrungen im Musikbusiness gesammelt hat. Zusammen haben sie nun mit This Feeling einen Song veröffentlicht, der durch tropische Beats, eingängige Basslines und der leichten, markanten Stimme Nathan Balls begeistert. Faithless beschreiben den Song schließlich mit den Worten: Es ist ein Song, der in unseren Augen textlich und musikalisch die Erinnerungen an die großartigen, hinter uns liegenden Sommer transportiert. Mit den beiden ersten neuen Songs, innerhalb von zehn Jahren haben Faithless genau das Gefühl eingefangen, das wir alle diesen Sommer so sehr vermisst haben – mit Freunden an schweisstreibenden Tagen zum See zu fahren oder die tropischen Nächte der Großstadt unsicher zu machen. Die Hoffnungen, auf ein baldiges, neues Album dürften mit der neuesten Veröffentlichung gar nicht mehr so unrealistisch sein – wird doch in der britischen Presse bereits mit einer Veröffentlichung, noch in diesem Jahr gerechnet. This Feeling ist ein Song für den Moment und klingt dabei so zeitlos, dass wir ihn auch noch in den kommenden Sommern auflegen werden.

Disclosure & Fatoumata Diawara - Douha (Mali Mali)

Disclosure feat. Fatoumata Diawara – Weltmusik im Dance

Weltmusik verbreitet sich immer häufiger über das Sprachrohr der elektronischen Musik. War dieses Musikgenre sonst nur eine Nische in den hiesigen Plattenläden, erreichen die Künstler dieses Genres immer öfter auch die Musikcharts der westlichen Länder. Ob es die brasilianische Rhythmus-Gruppe Barbatuques mit ihrem Song Baianá ist – der seit Jahren durch alle DJ-Sets geistert und für absolute Glücksgefühle sorgt – oder Wes, der durch das Remake von Alane wieder zurück in den Charts ist, bis hin zu Fatoumata Diawara – die bereits auf dem Disclosure-Hit Ultimatum zu hören war. Die Relevanz der Interpreten nimmt zu und beschert den Musikern, wie im Falle von Diawara, sogar Grammy-Nominierungen als Best Dance Recording. Natürlich gilt diese Nominierung hauptsächlich dem Produzenten-Brüdern von Disclosure. Doch zählt so auch Diawara zu den Nominierten. Im Zuge des neuen Albums der beiden britischen Brüder Guy und Howard Lawrence hat die Zusammenarbeit mit Diawara zu Ultimatum schließlich so viel Spaß gemacht, dass das Duo sich ein zweites Mal mit der malischen Sängerin ins Studio begeben und für ihr drittes Studioalbum Energy den Song Douha (Mali Mali) aufgenommen haben.

Disclosure & Fatoumata Diawara - Douha (Mali Mali)

Disclosure & Fatoumata Diawara – Douha (Mali Mali)

Dabei klingen Disclosure und Diawara einmal mehr verbindend und vereinen die verschiedenen Einflüsse ihrer Musikstile. Doch ist es vielleicht das Statement des Musikvideo-Regisseurs Mahaneela, der den Song und das Musikvideo nicht hätte passender beschreiben können. So sagt er in einem Interview mit dem Rolling Stone Magazin: Gerade jetzt, gehen wir überall auf der Welt durch eine absolut verstörende Zeit. Ich wollte daher etwas kreieren, das eine visuelle Schönheit präsentiert aber dennoch auch als eine Art Symbol für das steht, was wir gerade durchmachen. Die Menschen fühlen sich isolierter als je zuvor und ich hatte die Idee etwas Freude zu ihnen nach Hause bringen, die von der Kraft der Musik und ihrer Bewegung ausgeht und uns somit wieder verbindet. Es hätte keine bessere Beschreibung für den energiegeladenen Housetrack geben können, den uns Disclosure mit Diawara hier präsentieren. Das dazugehörige Musikvideo ähnelt dem, des 1998er Wes-Hits Alane auffällig und versprüht eine ganz ähnliche Dynamik. Nach Know Your WorthEcstasyEnergy und My High ist Douha (Mali Mali) bereits die fünfte Singleauskopplung und wird wohl der letzte Anheizer für das in vier Wochen erscheinende Album Energy sein. Disclosure wissen, was von ihnen erwartet wird und überraschen dennoch jedes Mal aufs Neue mit ihren Musik.

Sylvan Esso - Ferris Wheel

Sylvan Esso – And the beat goes on

Mit ihren zwei bisher veröffentlichten Alben Sylvan Esso (2014) und What Now (2017) hat es das US-Amerikanische Duo Sylvan Esso schnell auf die Line-Up-Listen der großen Elektro-Festivals weltweit geschafft. Dieser hypnotisierende Sound aus Elektropop, Indietronic und großartigen Beats – wie auf dem herausragenden Song Play It Right – sorgten dafür, dass die Hallen ihrer Konzerte – wie bei ihrem Konzert im Berliner Prince Charles 2015 – immer nachgefragter wurden. Nun haben Amelia Meath und Nick Sanborn mit Ferris Wheel die erste Single ihres kommenden dritten Studioalbums veröffentlicht. Das Album wird auf den Namen Free Love hören und am 25. September das Licht der Welt erblicken. Dabei ist Ferris Wheel so bunt, wie verrückt und hätte damit nicht besser auf den Schauplatz des Musikvideos – einem Freizeitpark während des Lockdowns – passen können.

Sylvan Esso - Free Love

Sylvan Esso – Free Love

Meath selbst sagt in einem Interview über ihre Musik, dass im Kern von Sylvan Esso dieser merkwürdige Zwiespalt steckt. Nick möchte, dass die Dinge möglichst beunruhigend klingen, ich aber will, dass man sich die Klamotten vom Leib reißt und tanzt. Wir wollen Popsongs machen, die nicht ins Radio passen, weil sie zu schräg sind. Das haben sie ohne Zweifel geschafft. Doch gleichzeitig wünscht man ihnen auch, dass so viele wie möglich, diese wunderbare Band kennenlernen können und ihnen ein baldiger Durchbruch im Mainstream zu Gute kommt. Über das kommende Album sagt Meath noch, dass es ein Album ist, in dem es darum geht, zunehmend Angst vor der Welt um dich herum zu haben. Schau in dich hinein und erinnere dich an all die Zeiten, in denen es so einfach schien, andere Menschen zu lieben. Es soll dir den Weg zurück an diesen Ort zeigen. Mit diesem Ort könnten wir uns anfreunden – um insgeheim ganz ausgelassen zu Ferris Wheel zu tanzen – wie es Meath im Musikvideo macht. Ferris Wheel ist die volle Ladung Energie und lässt auch noch Stunden später keinen Zweifel daran, dass sich der Song in unserem Kopf festgesetzt hat, um zu bleiben.

Washed Out - Time To Walk Away

Washed Out – Der Soundtrack für große Erinnerungen

Es klingt nach der Erinnerung, nach der wir uns alle sehnen. Ob es der Abschlussball, Albernheiten mit dem Partner machen, eine Hochzeit, eine Geburt, von den Klippen auf den Atlantik schauen oder den endlosen Küstenstraßen beim Sonnenuntergang folgen ist – all diese Momente und viele mehr bergen eine schier unbegrenzte Möglichkeit sich so reich an Liebe, Vertrauen, Zuneigung, Stärke oder Melancholie zu fühlen. Dabei sind es oftmals auch die Songs, die wir in diesen Momenten hören, die uns jedes Mal erneut – wenn der Song einmal läuft – zurück in diesen Augenblick katapultieren. Im Grunde weiss man vorher nicht, dass dieser Song einmal unverwechselbar mit einer Situation verbunden sein wird, an die wir uns immer wieder zurückerinnern werden. Doch was ist, wenn ein Song es ist, der dieses Gefühl transportiert – ohne, dass es so einen Moment bisher gab?

Washed Out - Purple Noon

Washed Out – Purple Noon

Mit Washed Outs neuester Single Time To Walk Away stehen wir gerade vor so einem Song. Mit der im April veröffentlichten Single Too Late hatte Washed Out eine neue Richtung eingeschlagen und sich schneller und poppiger präsentiert. Nun ist mit Time To Walk Away die neueste Single da und zeigt, wie obsessiv sich Ernest Weatherly Greene Jr. in seiner Musik verlieren kann. Dabei ist es Washed Outs Anspruch, sich zwar mit neuen Klangideen weiterzuentwickeln, doch immer auch nach Washed Out zu klingen. Abschließend gibt Washed Out im Interview auch zu, dass seine Melodien oft eine Sehnsucht haben, die sich ziemlich melancholisch und traurig anfühlen kann – aber er habe das Gefühl, dass in seltenen Fällen dieselben Melodien gleichzeitig seltsam erhebend und hoffnungsvoll sein können. Dieses Erhabene greift zu 100 Prozent auf den Hörer über und erzeugt das Gefühl in einem Moment zu stecken, der so einzigartig ist, dass man ihn nur mit einem euphorisch aber entspannten Synthiesound untermalen kann. Time To Walk Away ist ein Song für die Erinnerung und gleichzeitig baut er selbst Momente auf, an die man sich gerne erinnern möchte. Time To Walk Away wird sich auf Washed Outs viertem Studioalbum Purple Noon befinden, das am 7. August veröffentlicht wird.

Roosevelt - Sign

Roosevelt – Es ist wieder Zeit zu feiern!

Die Wochen vergehen und seitdem Mitte März in Berlin alle Clubs und Bars schließen mussten und die großen Open Air Veranstaltungen abgesagt wurden, deutete alles auf einen zurückhaltenden Sommer hin. Auch wenn das Leben, durch die Öffnung der Bars so langsam wieder an Fahrt gewinnt, fehlt es vielen weiterhin an einem Moment des unbekümmerten Feierns. Dies ändert sich nun mit der neuen Single von Roosevelt, die uns in etwas mehr als vier Minuten durch die vergangenen Monate führt. Denn hier beginnt alles mit ruhigen Synthie-Chords, der sich durch Marius Laubers Gesang bedächtig, melancholisch und etwas ausgelaugt anhören. Im Folgenden setzen Drum-Machine und frickelige Elektroelemnete ein, die den Übergang zu einem aufblühenden Moment zeigen, der schlußendlich in einem treibenden Partysound voller Euphorie und Unbeschwertheit aufgeht. Ganz so, wie sich der Lockdown in die Phasen des Schocks über die Schließungen, dem damit Abfinden und neue Wege suchen und schließlich eine – durch den Sommer – aufkommende Leichtigkeit Erlebens einteilen lassen, können wir in Sign drei ganz ähnliche Gefühlslagen heraushören. Lauber selbst sagt in einem Interview über seinen Song Ich wollte eine sehr intime Stimmung schaffen […] Als ich dann irgendwann einen Beat dazu produzierte, merkte ich aber ziemlich schnell, dass der Track auch in einem Dance-Kontext funktioniert. Genau dieser Wandel ist auf Sign äußerst präsent und lässt den Song damit auf verschiedenen Ebenen wirken. Nach dem zweiten Album Young Romance (2018) hat sich Roosevelt vor allem durch Veröffentlichungen, wie der Coverversion von Fleetwood Macs Everywhere, der Neuinterpretation seines 2012er Songs Cape Cod auf Falling Back und der Zusammenarbeit mit dem US-Amerikanischen Dance-Duo Classixx auf One More Song immer wieder ins kollektive Bewusstsein gerufen. Mit Sign veröffentlicht er nun einen ersten neuen Song, seit seinem zweiten Album und bietet damit eine wunderbare Grundlage für ein baldiges, drittes Studioalbum. Sign ist der perfekte Song für den Sommer und lädt dazu ein, alleine zu Hause, im Park mit Freunden, oder zu zweit Nachts an der Spree entlang tanzend den Moment zu genießen.

Lady Gaga feat. Ariana Grande - Rain On Me

Lady Gaga feat. Ariana Grande – Tanzt auf den Tischen!

Die neue Single Rain On Me von Lady Gaga zusammen mit Ariana Grande scheint eine ganz neue Interpretation des 1929er Klassikers Singin‘ In The Rain zu sein. Tanzen sie doch fast schon in Cyborg-Outfits und futuristischer Umgebung im Regen zu ihrem neuen Song. Dabei erstaunt Gagas Rückkehr zum ursprünglichen Musikstil weniger – war doch der Erfolg ihrer Platten, wie die Zusammenarbeit mit Jazz-Legende Tony Bennett auf Cheek to Cheek (2014) und dem Country-Album Joanne 2016 mit jeweils 1 Million verkauften Platten deutlich unter Gagas gewohnten Verkaufszahlen. Schließlich konnte die US-Amerikanische Sängerin mit ihrem Debütalbum The Fame (2008) 15 Millionen, mit Born This Way (2011) 6 Millionen und mit Artpop (2013) immerhin noch 2,5 Millionen Platten verkaufen. Mit ihrem – vor zwei Wochen veröffentlichten – neuen Album Chromatica konnte sich Gaga nun wieder an die Spitze der Albumcharts von 17 Ländern setzen und erreichte in weiteren 9 Ländern die Top-5. Zusammen mit Ariana Grande hat sich Gaga auf Rain On Me wieder dem gewohnten Dance-Pop zugewandt und einen mitreissenden Feel-Good-Song veröffentlicht. Das dazugehörige Musikvideo zeigt Gaga einmal mehr in Top-Form, während sie mit Grande eine auschoreografierte Performance hinlegt. Rain On Me ist dabei als Metapher zu sehen und beschreibt Gagas Kampf gegen den Alkohol – der ihr viele Tränen eingebracht hat. Gaga selbst fügte in einem Interview schließlich hinzu, dass es ein Zelebrieren der Tränen ist um sich selbst klar zu machen, durch was für eine harte Zeit man gegangen istRain On Me ist ein strahlender Popsong, der sich nahtlos in die Reihe von erfolgreichen Songs der New Yorkerin einordnet und einem dabei zum tanzen abholt.

Asaf Avidan - Lost Horse

Asaf Avidan – Der schwere Weg zurück ins Leben

Er bleibt ein absolutes Ausnahmetalent – der israelische Sänger Asaf Avidan. Vor 8 Jahren wurde er – durch einen Remix des Berliner Produzenten Wankelmut – schlagartig weltweit bekannt. Was folgte, war für den damals 32-jährige Sänger eine wahnsinniger Aufstieg, der es ihm ermöglichte, seine Musik über Israel hinaus in die Welt zu tragen. Seitdem hat der Sänger – der mit seiner markanten Stimme so unglaublich viel Dramatik vermittelt – mit Different Pulses (2012), Gold Shadow (2015) und The Study on Falling (2017) drei Alben veröffentlicht, die sich in einigen europäischen Ländern in den Charts platzieren konnten. Nun hat Avidan mit Lost Horse einen neuen Song veröffentlicht, der so kaum möglich schien. Denn im vergangenen Jahr hatte Avidan etwas durchlebt, dass ihn beinahe das Leben kostete. Auf seinem Anwesen in der Toskana legte sich der Sänger Ende 2018 einen Wolfshund zu und zog diesen dort auf. Was dann passierte, kann man sich kaum vorstellen – denn mit aller Willenskraft schaffte es Avidan, einen Angriff dieses Tieres standzuhalten und zu überleben. In einem Interview mit der israelischen Tageszeitung Jedi’ot Acharonot erzählt der Sänger so erschreckend detailliert über den Moment des Angriffs und seine Verletzungen, dass sich einem alles im Bauch zusammenzieht. Nach mehrmonatigen Reha-Aufenthalten und der Angst, nie wieder als Musiker arbeiten zu können, beschloss er sich zurück in die Toskana zu begeben. Hier verbrachte er viel Zeit mit seinem Pferd, welches auch gleichzeitig eine Art Therapie für ihn bedeutete. Als dieses aber aus Panik vor einem Angriff von Wölfen davonrannte, stürzte es einen Abhang hinunter und überlebte diesen Sturz nicht. Auf Lost Horse greift Avidan dieses Gefühl auf, eine Seele verloren zu haben, die ihm in äußerst schweren Zeiten so viel Stärke und Wärme entgegengebracht hatte. Avidan hat die Ballade dann auch mit so viel Gefühl intoniert, dass wir uns förmlich in den Lyrics verlieren können. Hört man Avidans Stimme, ist es, als würde man in ein Gesicht voller purer Emotionen blicken. Keine Mimik verzieht sich und lenkt von dem Gefühl ab, welches die Augen ausdrücken. Asaf Avidans Gesang, ist ein tiefer Einblick in eine berührte Seele und zeigt uns, wie großartige es sein kann, wenn man seinen Gefühlen Raum gibt.

Ten Kills the Pack (Vanessa Heins)

Ten Kills The Pack – Musik für den Moment am Fenster

Es ist eine durchdringende Stimme, die uns auf dem Song Barcelona entgegenspringt. Dahinter steckt der Singer/Songwriter Sean Sroka der als Ten Kills The Pack am 15. Mai seine Debüt-EP Force Majeure veröffentlichen wird. Bereits in der Vergangenheit hat der Kanadier in verschiedenen Bands gespielt und unterschiedlichste Genres bedient. Auf Force Majeure hat sich Sroka nun für ruhigere Musik entschieden und beschreibt er selbst seine Songs als City-Folk. Dabei bilden sich nach den ersten Tönen des Songs Barcelona bereits Bilder im Kopf. So passt der Song, so sehr zu einem Moment des innehaltens am eigenen Fenster. Hinausschauend auf die halberstarrte Welt, die trotzdem in Autolawinen die Straßen belebt. Mit letzten Regentropfen, die von der Fensterscheibe runterrollen und der zurückgekommenen Sonne Platz machen, lässt uns Ten Kills The Pack mit Barcelona kurzzeitig zu uns selbst finden und wehmütig an all die Momente denken, die uns Freude, Schmerz, Trauer oder Liebe fühlen gelassen haben und trotz allem dabei für ein warmes Gefühl in der Brust sorgen. Mit Barcelona erinnert Ten Kills The Pack musikalisch und stimmlich stark an J.S. Ondara – aber auch Fans von City And Colour und José González kommen hier ganz auf ihre Kosten. In einem Interview mit dem Toronto Guardian sagte der Musiker einmal, dass er das Format Album dem einer EP vorziehe. Nun steht zwar die erste EP bereit zur Veröffentlichung, doch stehen die Zeichen damit ebenso gut, dass wir uns in nicht all zu ferner Zukunft auch auf ein Ten Kills The Pack Album freuen dürfen.

Angels & Airwaves - All That's Left Is Love

Angels & Airwaves – Was uns bleibt ist Liebe

Seit der Entstehung der Band im Jahr 2005 gab es Spekulationen über die Zugehörigkeit Tom DeLonges zu Blink-182, als auch zu Angels & Airwaves. War es ein Nebenprojekt während der Blink-182-Bandpause? Oder war es der Aufbau einer ganz neuen Band, die schon bald DeLonges Hauptband sein würde? 15 Jahre später wissen wir es und steht DeLonge mit bereits fünf Studioalben voll im Saft des Angels & Airwaves-Projektes. Bereits seit fünf Jahren von Blink-182 getrennt, zeigte sich, dass DeLonge eine andere Art des musikalischen Ausdrucks favorisierte. Mit introvertierten Sounds und ausufernden Arrangements sorgte DeLonge mit Angels & Airwaves schnell für ein würdiges Zurückkehren der ehemals prägnanten Blink-182-Stimme. Doch auch abseits dessen waren Angels & Airwaves von Beginn an auf etwas Größeres ausgelegt. Mit wechselnden Musikern und der Fokussierung auf andere Bereiche der Kunst – wie auf Film- und Grafikprojekte – umfasste die Band ein immer größer werdendes künstlerisches Feld. Erschien mit The Dream Walker das letzte Angels & Airwaves-Album 2014, hat die Band mittlerweile mit Rebell GirlKiss & Tell zwei Songs veröffentlicht, die nun durch All That’s Left Is Love ergänzt wird und die Vermutung über ein baldiges Erscheinen des sechsten Studioalbums vermuten lässt. Dabei klingt All That’s Left Is Love einmal mehr so mitreissend und nach Alternative Rock, dass wir uns mit der Stimme DeLonges sofort wieder wohlfühlen. Im Verlauf der vier Minuten baut sich All That’s Left Is Love zu einer großen Hymne auf, die der aktuellen Situation, in der wir alle stecken, Tribut zollt. Mit hoffnungsvollen Textzeilen, wie We have never been here before. To not love less, to love more oder We‘re locked inside our beds, but we Laugh at what is said, remember how it all begins A little smile from your friends. lassen Angels & Airwaves keinen Zweifel daran, dass diese Pandemie auch einen enormen Zuwachs an sozialem Zusammenhalt erkennen lassen hat. So kommentiert DeLonge den Song dann auch in einem Interview wie folgt: Freunde – wir alle sitzen gerade zu Hause fest und während wir die unglaublichen Ereignisse, die gerade weltweit geschehen, beobachten, konnten wir auch kleine leuchtende Sterne auf der ganzen Welt entdecken – die die positive Seite der Menschheit zeigen, die manchmal in unserem Alltag verloren gegangen sind. Darum geht es in dieser Band letztendlich seit dem ersten Tag – Hoffnung. Vor diesem Hintergrund haben wir beschlossen, unsere Gefühle in ein Lied zu lenken. Die gesamten Einnahmen von All That’s Left Is Love gehen dabei an eine Organisation, die – ähnlich wie die Archen in Deutschland – den Kindern in den USA eine warme Mahlzeit gibt, die diese durch Schulschließungen und die Armut der Eltern sonst nicht erhalten hätten. Mit Songs wie diesen haben es Angels & Airwaves geschafft, zu einer der großartigsten Alternative-Bands der letzten 15 Jahre zu werden und zeigen einmal mehr, dass die gebündelte Kreativität so Einiges erreichen kann.

Gengahr - live@Maze Club Berlin

Gengahr – Vom überflüssigen Ballast lösen – Ein Interview

Es war ein milder aber verregneter Donnerstag im Februar, an dem ich Felix und Hugh von Gengahr im Berliner Maze Club zum Interview traf. Zwei Menschen aus einer Band, die momentan als eine der Wenigen gilt, die den britischen Indie hoch halten. Im Maze Club – bekannt für seinen rauen Kellercharme – sprachen wir über den Einfluss, den Bombay Bicycle Club Frontmann Jack Steadman hatte, über das Jonglieren mit Erwartungen und Druck und über den frischen Mix der verschiedensten Genreeinflüsse, die Sanctuary enthält.

 

 

 

SOML:
Als ich Euch das erste Mal sah, standet Ihr auf der Mainstage des Melt! Festivals Mitte Juli 2015 – ungefähr vier Wochen nach der Veröffentlichung eures Debütalbums A Dream Outside. Vor Euch standen vielleicht 100 Leute und es hat regelrecht geschüttet vor Regen. Könnt ihr euch noch daran erinnern, we es sich anfühlte, in solch einer frühen Phase der Band, auf einer derart großen Bühne zu stehen

Hugh:
Absolut, das war eine abgefahrene Erfahrung. Das war bis dato die größte Bühne, auf der wir gespielt hatten und gleichzeitig war es das Festival mit den wenigsten Leuten, vor denen wir gespielt hatten. Doch es war ein reinstes Wasserspiel. Zu diesem Zeitpunkt fegte ein Unwetter über das Festivalgelände und alle versteckten sich in ihren Zelten und unter Imbissständen. Obendrein wurde das Konzert auch noch gefilmt und auf ARTE Concert übertragen, was eigentlich ganz gut war, wäre da nicht dieses Unwetter gewesen. Aber uns hat das nichts anhaben können. Wir lieben es weiterhin Musik zu machen und es war sonst auch ein wunderschönes Festival mit einer atemberaubenden Kulisse. Wir würden uns freuen, irgendwann zurückzukommen und einen richtigen Auftritt hinzulegen – solange es nicht wie aus Eimern regnet.

Felix:
Das ist perfekt zusammengefasst, es war wirklich so. Es war eine Erfahrung, auf die wir uns alle im Vorfeld gefreut hatten und am Ende ziemlich enttäuschend war. Aber leider ist die Realität manchmal einfach nicht ganz so, wie man es sich vorgestellt hat. Und das alles nur, durch widrige Wetterbedingungen.

 

 

SOML:
Ihr habt angefangen professionell Musik zumachen, das war 2014/2015, als Indie Musik eigentlich komplett am Boden lag. Speziell in Großbritannien war dies so. Doch dann beschrieb der The Clash Magazine Journalist euch als Retter der britischen Gitarrenmusik. Woher habt ihr damals eure Inspiration gezogen Gitarrenmusik zu machen?

Felix:
Der Einfluss von Gitarrenmusik begann bei uns recht früh. Wir hatten in unserer Kindheit recht ähnliche Bedingungen, wenn es um unsere Eltern geht. Denn die waren allesamt Kinder der Hochzeit britischer Gitarrenmusik. Von den Stones bis zu den Beatles. Deren Begeisterung hat uns angesteckt. Denn irgendwie wachsen wir alle in einer solchen Umgebung auf und hören als erstes das, was die Eltern hören. Bei uns kam dann noch Musik von John Martin, James Taylor und Joni Mitchell hinzu. Hier steckt das Herz unserer Musik drin und kommt der Einfluss her. Und schließlich wuchs unsere Musik auch durch unser erwachsen und Teenager werden weiter. Wir begannen Nirvana und ähnliche Bands zu hören, bei denen die Gitarre nicht einfach nur eine Begleitung darstellte, sondern vielmehr zum Hauptakteur des Songs wurde. Es gibt also verschiedene Einflüsse, die bei unserer Musik mitspielen. Wir studierten regelrecht Bands wie The Smashing Pumpkins, bei denen recht klar zu erkennen ist, dass die Gitarre ein Hauptteil der Songs ausmacht. Was wiederum bei einem Großteil der Musik aus den 60er und 70er Jahren nicht so offensichtlich ist. 

Gengahr - live@Maze Club Berlin

Gengahr – live@Maze Club Berlin

SOML:
Ihr seid aber nicht nur im Indie zu Hause, sondern habt mit einem Mix aus Psychedelic Rock, Indie und atmosphärischen Gesangsparts angefangen. Wenn wir uns euer neues Album Sanctuary anhören, finden wir zwar immer noch Indie und dem atmosphärischen Gesang aber auch große Unterschiede zwischen den Songs. Everything And More hat immer noch genau dieses psychedelic Rock Gefühl, während AnimeIcarus und Atlas Please deutlich beeinflusster vom Pop erscheinen. Heavenly Maybe und Soaking In Formula gehen sogar einen großen Schritt in Richtung Disco. Was hat euch dazu gebracht, einen so diversen Sound einzuspielen?

Hugh:
Ich denke, dass wir schon immer diese Aspekte der verschiedenen Genres in unserer Musik vereint haben – auch schon in unseren ersten beiden Alben – allerdings nie so produziert, dass sie deutlich wurden. Mit dem jüngsten Album Sanctuary haben wir uns bemüht, die Richtung unserer früheren Songs beizubehalten und sie dennoch auf den neuen Songs weiter voranzutreiben. Wir haben versucht, unser Album so vielfältig wie möglich zu gestalten, ohne zu verwirrt zu sein – hoffen wir zumindest. (lacht)

Felix:
Vieles davon kommt auch durch die Art und Weise zustande, wie diese Aufnahmen entstanden sind. Auf unseren ersten beiden Alben sind wir ins Studio gegangen, haben das Schlagzeug aufgestellt und den Klang des Raumes genutzt, in dem wir aufgenommen haben. Ungeachtet des Genres der Songs gibt es immer einen roten Faden, der den Sound dann doch ziemlich ähnlich klingen lässt. Zumindest die Art und Weise, wie wir diese Aufnahmen gemacht haben, hat viel Zeit in Anspruch genommen, denn die Songs sind in den verschiedenen Schlafzimmern von allen Beteiligten geschrieben und aufgenommen worden. Daher gab es also, auf der gesamten Platte, keinen linearen Produktionssound. Jedes Lied darf also ein bisschen mehr für sich sein, als er es vielleicht gewesen wäre, wenn wir ihn auf traditionellere Weise aufgenommen hätten.

 

 

SOML:
Auch dein Songwriting hat sich während deiner Bandpräsenz weiterentwickelt. Wie fühlt es sich heute im Vergleich zur Früher an, Musik zu schreiben und was bedeutet es für dich?

Felix:
Natürlich willst du immer das Gefühl haben, dass du besser wirst. Was ich auf jeden Fall fühle, ist, dass es immer etwas zu lernen gibt. Immer wenn du ein Album machst, kommst du am Ende etwas weiser heraus – auch mit ein paar neuen Tricks natürlich. Der gesamte Prozess, in einer Band zu sein, ist ein Prozess des Wachstums und der Evolution. Wir versuchen immer, das zu verbessern, was wir zuvor getan haben, und versuchen, ein Album zu machen, auf das wir wirklich, wirklich stolz sein können.

Hugh:
Wir können nicht einfach dasselbe zweimal tun. Wir versuchen es zu vermeiden, doch es könnte trotzdem etwas Ähnliches herauskommen. Wir versuchen immer, an jedes Album anders heranzugehen.

Gengahr - live@Maze Club Berlin

Gengahr – live@Maze Club Berlin

SOML:
Einige Songs sind überraschend direkt und andere eher vage gehalten. Ihr als Band, aber auch jeder einzelne Bandkollege habt in der Vergangenheit einige Herausforderungen erlebt. Wie wirken sich persönliche oder von außen einprasselnde Erfahrungen auf eure Songs aus?

Hugh:
Persönliche Erfahrungen oder Eindrücke von außen – insbesondere stark emotional aufgeladene, finden ihren Weg in unsere Kompositionen. Ob das nun durch Texte oder nur über den Ton und Stimmungen bestimmter Noten oder Akkordproduktionen ist. Ich denke, wir hatten alle unsere Höhen und Tiefen und sie alle helfen der Kreativität.

Felix:
Ich denke, wir alle wissen, dass ich diese Emotionen nutzen und versuche, daraus etwas Positives zu kreieren. Einige der besten Musikstücke sind auch gleichzeitig die Herzzerreißendsten. Und ich denke, dafür gibt es einen Grund. Die Art und Weise, wie ein Zuhörer sich verbinden und in Beziehung zu einem Song setzen kann, ist etwas sehr Mächtiges. Bei unterschiedlichen Musikstilen und natürlich mit wirklich großen Popsongs existiert diese Verbindung irgendwie nicht und dennoch funktioniert sie trotzdem noch aus irgendeinem Grund. Aber der wirkliche Höhepunkt eines großartigen Songwritings ist, wenn man Songs hat, die auf beiden Ebenen funktionieren: die sich musikalisch und emotional verbinden. Und dann wirst Du zum Gewinner.

SOML:
Felix, in einem Interview hast du gesagt, dass du eine Zeit lang alle Songs, die du geschrieben hattest, auf ein Soloalbum packen wolltest. Warum hast du dich entschieden, dies nicht zu tun und stattdessen eine neue Gengahr-Platte daraus zu machen?

Felix:
Es war nicht so, dass ich alle Songs auf eine Soloplatte bringen wollte. Aber als wir mit der Arbeit an Where Wildness Grows fertig waren, schrieb ich bereits eine Menge Sachen auf, die mir durch den Kopf gingen, denn ich wollte schreiben und weiterarbeiten. Und wir als Band waren zu diesem Zeitpunkt alle ein bisschen müde und ich konnte mir gut vorstellen, dass einige Bandmitglieder nicht unbedingt Teil dieser nächsten Platte sein wollten oder hatten erst einmal genug. Umso überraschter war ich im positiven Sinne, dass ich in diesem Punkt falsch lag. Einige von uns brauchten länger, um wieder an Bord zu kommen und ihren Fokus voll auf die Band zu setzen als andere. Aber am Ende sind wir alle irgendwie wieder dort angekommen. 

Gengahr - live@Maze Club Berlin

Gengahr – live@Maze Club Berlin

SOML:
Euer Plattenlabel Liberator Music ist die Heimat vieler Independent-Bands und Künstler wie Totally Enormous Extinct Dinosaurs und RY X. Aber auch großer Acts wie Kylie Minogue, CHVRCHES und alt-j. Wie positioniert ihr euch in dieser Umgebung? Und in die Zukunft gedacht – gebt ihr euch eine Chance, vielleicht mit einem dieser Acts etwas gemeinsam zu machen?

Hugh:
Ja, sag niemals nie. Kylie Minogue kann immer ein paar Back-Vocals auf unseren Tracks machen, wenn sie ihre Freuden zeigt. Wir sind seit Anfang an Liberate Music gesigned. Sie waren unser australisches Label, bevor wir in Großbritannien einen Plattenvertrag unterschrieben. Schließlich haben wir mit ihnen die Entscheidung getroffen, eine weltweite Vermarktung unserer Musik zu versuchen. Aus heutiger Sicht, sind wir sehr zufrieden mit dieser Entscheidung. Sie sind einfach großartig und unterstützen uns in allen Bereichen tatkräftig. In Australien ist es ein riesiges Label und machen riesige Fortschritte auch im Rest der Welt als Label bekannter zu werden. Es ist daher wirklich aufregend, ein Teil ihrer größeren Pläne und Projekte zu sein.

Felix:
Ja, und ihre neuen Horizonte. Wir sind das Zentrum dieser neuen Horizonts. (lacht)

 

 

SOML:
Ihr habt kürzlich mit Jack Steadman von Bombay Bicycle Clubs zusammengearbeitet. Er produzierte auch Sanctuary.
Wie kam es zu dem Kontakt?

Felix:
Jack ist mittlerweile ein alter Freund von uns. Hugh und ich gingen beide auf das Sixth-Form Collage – was in Deutschland dem Gymnasium gleich kommt. Hier trafen wir Ed, den Bassisten von Bombay Bicycle Club, denn wir waren mit ihm in der selben Musikklasse. Der Klasse für Music Technology, um genau zu sein. Jack haben wir schließlich auf einer Privatparty getroffen. Da waren wir um die 17 oder 18 Jahre alt und hatten uns damals zunächst noch nicht so oft gesehen, um ehrlich zu sein. Dann trafen wir uns im Laufe der Jahre auf einigen Festivals immer wieder und sprachen irgendwann darüber, einmal einen Song zusammen aufzunehmen. Wir wollten damals, dass der Song etwas anders wird, als das, was wir bisher gemacht hatten. Daher suchten wir Jemanden, der unserer Musik etwas gibt, das wir selbst vielleicht nicht hatten beitragen können. Die fiel die Auswahl auf Jack. Er ist nicht nur ein großartiger Produzent, ich denke, einen anderen Songwriter im Raum zu haben, hilft jedem, sich ein bisschen auszuprobieren. Und gleichzeitig möchte man sicherstellen, dass man sein Bestes gibt. Es gibt dir nicht die Möglichkeit, dich auf deinen Lorbeeren auszuruhen und es schafft eine wirklich positiv aufgeladene Atmosphäre, wenn du jemanden hast, den du respektierst – nicht nur als Produzent – sondern eben auch als Songwriter. Nachdem wir diesen Song zusammen gemacht hatten, kam die Frage über die Aufnahme eines kompletten Albums wie von selbst auf. Und zum Glück waren alle begeistert und neugierig darauf. Und hier sind wir jetzt.

Hugh:
Ja, es ist eine schöne Kombination aus Alt und Neu mit Jack, weil wir diese Vertrautheit haben. Aber, wie Felix sagte, hatten wir nie wirklich einen richtigen Produzenten mit im Studio, als wir an den ersten beiden Platten arbeiteten. Das war eine schöne Kombination.

 

 

SOML:

Als Jemand, der Bombay Bicycle Club wirklich gerne hört, erkenne ich in vielen Songs die Stimmung von Jacks musikalischer Note wieder. War diese Wendung in eurer Musik geplant und was war anders, im Vergleich zu den vorherigen Platten, durch die Zusammenarbeit mit Jack?

Felix:
Jack hat sehr unterschiedliche Spielmuster. Er hat seine Rolle in unserer Band sehr effizient gestaltet. Er ist sehr gut darin, den richtigen Ort zu finden, um sich zu positionieren. Ich denke, er hatte nie das Gefühl, sich in einen der Songs gegen unseren Willen einzumischen. Aber es ist auch sehr klug, wenn es darum geht, die Arrangements zusammenzustellen und sie zu verbessern. Ich bin mir sicher, dass unsere Musik durch Jack viel mehr von diesem verzögerten Sound erhalten hat – diese kleinen Macken, die er im Sound von Bombay Bicycle Club benutzt. Ich denke, wir haben gelernt uns selbst als sehr effektive Werkzeuge zu sehen, um einige unserer Arrangements zu verbessern.

Hugh:
Ja, den Mist einfach rauszuschneiden. Einfach die vielen unnötigen Teile in unseren Arrangements zu entfernen, die nicht zum Gesamteindruck beitragen.

Felix:
Ich würde sagen, dass es wahrscheinlich die größte Stärke ist, die er hat. Wenn wir uns eine aussuchen müssten, wäre es wahrscheinlich sein Gespür für die Arrangements. Er hat ein sehr gutes Ohr für das, was da drin sein sollte und was nicht notwendig ist.

Gengahr - live@Maze Club Berlin

Gengahr – live@Maze Club Berlin

SOML:
Ihr habt das Musikvideo von Heavenly Maybe in Berlin gedreht. Wie kam es dazu und was für eine Beziehung habt ihr zu Berlin?

Hugh:
Wir lieben Berlin. Wir haben im Laufe der Jahre viele Male hier gespielt und einige unserer Urlaube in der Stadt verbracht. Uns war es wichtig, das Video definitiv nicht in Großbritannien zu drehen. Irgendwo in Europa sollte es sein. Und da wir eine ziemlich starke Verbindung zu Berlin haben, dachten wir, dass wir hierher kommen müssten. Wir haben hier Freunde, die uns beim Dreh des Videos helfen würden. Also machte es wirklich Sinn. Heavenly Maybe geht wirklich schon in die Richtung eines Disco-Songs, es machte also total Sinn, das Musikvideo daher auch in einem Club zu filmen. In Heavenly Maybe geht es darum zu Feiern, um nicht an deine Probleme zu denken oder sie zu unterdrücken. Und ich denke, viele Leute kommen nach Berlin, um das zu tun. Wir dachten also, das wäre das Richtige, dieses Gefühl in Berlin zu erzählen.

 

 

SOML:
Viele Bands haben Druck, dadurch, dass sie sich hohe Ziele setzen oder mit hohen Erwartungen konfrontiert werden – und scheitern daran. Wie geht ihr mit solchen Erwartungen um? Sei es auf die Entstehung eurer Songs bezogen, eurem Erfolg oder euren ganz persönlichen Erwartungen und Zielen?

Felix:
Es ist immer eine herausfordernde Situation, sich selbst zu finden. Ich denke, jeder wird das wahrscheinlich sehr ähnlich fühlen. Ob du ein Ed Sheeran bist oder ob du in einer Band – wie wir es sind – bist, die ihr drittes Album veröffentlicht haben und immer noch unermüdlich dafür arbeiten und so viel wie möglich touren, während wir den Rest unseres Tages damit verbringen, alles unter einen Hut zu bekommen. Du willst immer das Gefühl haben, dass du dich vorwärts bewegst. Natürlich haben auch wir ganz persönliche Erwartungen. Wir fordern viel von uns. Aber ich denke, es ist oft wichtig, zurückzutreten und das Gesamtbild zu betrachten. Du solltest dich immer wieder fragen; würde mein jüngeres Ich glücklich sein, damit, wo ich jetzt bin? Ich bin der Meinung, dass wir diese Frage – glücklicherweise – fast immer mit Ja beantworten können. Wir haben also einen ziemlich guten Job gemacht. Ich denke, es schadet aber auch nicht, auf mehr zu hoffen und sich auch mehr zu wünschen.

Hugh:
Ja, es ist schwierig mit den Erwartungen. Auch für mich persönlich. Ich denke, dass es in allen Lebensbereichen aber auch immer sehr nützlich ist, die Erwartungen mal runterzuschrauben. Denn es kann sehr starken psychischen Druck erzeugen, wenn man sich sich zu hohe Erwartungen setzt. Aber es geht auch darum, ein Gleichgewicht zu finden und Fortschritte zu machen und die Ziele, die man sich setzt, auf verschiedenen Wegen zu erreichen aber ohne sich Einzelheiten zu verlieren.

Felix:
Mach Dich nicht fertig!

Hugh:
Auch Mitgefühl für sich selbst zu haben ist wichtig.

Felix:
Aber dennoch auch das harte Arbeiten. (lacht)

 

 

 

 

Interview: Marten Zube