Nena - Licht

Nena – Die Neuerfindung perfektioniert

Da steh sie nun, die große Zahl 60. An diesem Dienstag wird eine der erfolgreichsten deutschen Sängerinnen 60 Jahre alt. Mit 99 Luftballons erreichte Nena 1983 international die Chartspitzen und ging die Single knapp 3 Millionen über den Ladentisch. Doch nicht nur mit 99 Luftballons war die Sängerin erfolgreich – so zählte sie in den 80er Jahren weitere Top-5 Hits wie Nur Geträumt, Irgendwie, Irgendwo, Irgendwann, ? (Fragezeichen) und Leuchtturm zu den ganz großen Hits. Während sich ihr Erfolg in den 90er Jahren abkühlte, gab es ein zunehmendes Interesse anderer Künstler, ihre Songs zu covern. Allen voran machte Jan Delay mit seiner 1999er Version von Irgendwie, Irgendwo, Irgendwann Schlagzeilen und schaffte es sogar, das Original sowohl von der Chartplatzierung, als auch von den Verkaufszahlen deutlich zu übertreffen. Denn kam das Original 1984 bis auf Platz 3, schaffte es Delay bis auf Platz 2 und verkaufte mehr als 500.000 Singles. Davon beflügelt, arbeitete Nena Anfang der 2000er an einem Best-Of Album der besonderen Art. Hier veröffentlichte sie mit Nena feat. Nena 2002 ihre größten Songs nochmal – allerdings in einem neuen Gewandt und mit musikalischer Unterstützung von Joachim Witt, Kim Wilde oder Udo Lindenberg. Mit über 1,5 Millionen verkauften Alben zählt es zu den meistverkauften Alben der Sängerin und markierte ihre Rückkehr auf die ganz großen Bühnen des Musikbusiness. Seitdem ist sie aus den oberen Rängen der Charts nicht mehr wegzudenken und erreichte 2005 mit Liebe Ist sogar wieder Platz 1 der deutschen Singlecharts. Trotz der mittlerweile 30 Studioalben, 47 Singleveröffentlichungen und 60 Jahren pfeift Nena auf das Alter und veröffentlicht an ihrem runden Geburtstag mit Licht einen neuen Song, über den es momentan noch nicht all zu viel Informationen gibt. Was allerdings sofort auffällt – der große 80er-Jahre Vibe, den Licht versprüht. Gepaart mit modernen Drums und einem großartigen Soundkostüm, tritt Licht ohne Umschweife in die Fußstapfen des momentan äußerst erfolgreichen Songs Blinding Lights von The Weeknd. Warum gerade Blinding Lights?! Beide nutzen die Synthies der 80er Jahre, haben ein sportliches Tempo, beinhalten melancholische Parts und Textzeilen und bauen auf einem Nostalgiegefühl auf, das momentan äußerst gefragt ist. Natürlich unterscheiden sich beide Künstler deutlich voneinander, doch macht Nena mit Licht so ziemlich alles richtig und erfindet sich einmal mehr neu. Ob mit dem Hashtag #gehtumalles womöglich der Albumtitel ihres neuen Studioalbums gemeint sein könnte, oder er sich einfach aus den Textzeilen zu Licht ergibt, kann nur vermutet werden. Licht ist eine der Überraschungen 2020 und lässt uns mit hochgerissenen Armen durch die Zeit der sozialen Distanz tanzen.

The Weeknd - In Your Eyes

The Weeknd – Mit 80er Synthies, Saxophone und Funk zum neuen Album

Mit Blinding Lights hat der kanadische Sänger und Produzent The Weeknd gerade für einen der Hits des Jahrs 2020 gesorgt. Bereits Ende November 2019 veröffentlicht, kletterte Blinding Lights im Dezember immer weiter nach oben und belegt seit einigen Wochen Platz 1 in 32 Ländern. Darunter Deutschland, Kanada, die USA, Großbritannien, Australien und Frankreich. Damit ist es die – mit Abstand – erfolgreichste Singleveröffentlichung von The Weeknd und der beste Botschafter für sein neues Album After Hours. Dieses wurde am vergangenen Freitag veröffentlicht und beinhaltet auch die neue Single In Your Eyes. Die wartet mit der selben Rezeptur von markanten 80er-Jahre Synthies und einer ordentlichen Portion Funk aufwartet. Im eingängigen Refrain singt sich The Weeknd durch die Zeilen In your eyes. I see there’s something burning inside youOh, inside youIn your eyes, I know it hurts to smile but you try to. die im zweiten Teil des Songs durch eine Saxophon-Bridge unterstützt wird und damit vollends zum 80er-Original aufsteigt. In Your Eyes ist irgendwie schmalzig – das, allerdings von der positiven Sorte und stülpt sich wie auf einer 80er-Jahre-Party gekonnt über uns. Mit einem Album, das den Sound dieser Dekade wiedergibt, hat The Weeknd einen Coup gelandet, der ihn an die vorderste Stelle als einen der Initiatoren des aktuellen 80’s-Revivals positioniert.

Elderbrook - Numb

Elderbrook – Fragiler Elektrosound

Auf dem Song Cola war Elderbrook noch der Featuring-Act und wurde durch den unerwarteten Erfolg des Songs mit einem Schlag einem größeren Publikum bekannt – immerhin verkaufte sich die Single in Großbritannien über 600.000 Mal. Auf Something About You – das letzten Sommer veröffentlicht wurde – war es bereits Elderbrook selbst, der als Lead-Act genannt wurde. Hier wurde Alexander Kotz – wie Elderbrook bürgerlich heißt – durch das ebenfalls aus Großbritannien kommende Elektro-Duo Gorgon City unterstützen. Nun ist der Sänger mit dem neuen Song Numb zurück und dürfte damit wieder einmal die Hoffnung auf ein Debütalbum befeuern – immerhin hat der britische Sänger mit Simmer Down (2015), Travel Slow (2015), Talking (2017) und Old Friend (2018) bereits vier EP’s veröffentlicht. Und tatsächlich, hat seine Plattenfirma Warner Music nun verlauten lassen, dass das langersehnte Debütalbum noch 2020 erscheinen wird und von Cola über Old Friend bis zu Something About You alle Hits beinhalten wird. Auf Numb geht Elderbrook das Thema der Einsamkeit an, welches gerade jetzt – in Zeiten von Social Distancing – präsenter denn je ist. Eigentlich geschrieben, aus dem Tour-Alltag, in dem sich Elderbrook oftmals einsam fühlt, setzt der Brite im dazugehörigen Musikvideo einmal mehr auf Tanzperformances. Dabei sehen wir zwei Tänzerinnen, die auf den Straßen Londons eine Art Streetdance performen, bei der eine Person die Bewegungen der Anderen imitiert. Passend dazu klingt Numb fragil, modern und werden die Lyrics vom Beat förmlich getrieben.

KLAN – Uhhh Baby, Baby

Sie könnten nicht besser zeigen, dass sich die Brüder Michael und Stefan Heinrich im Musikbusiness eingegroovt haben. Waren sie Ende 2018 mit ihrer Single Mama noch von einer besonnenen Ruhe geprägt und haben mit Wann Hast Du Zeit? ihr Debütalbum veröffentlicht. Nun haben sie mit der EP Winterseite acht neue Songs veröffentlicht. Einer davon ist Baby Baby und zeigt, wie wohl sich die Brüder im Musik machen fühlen. Mit einem groovigen Hip-Hop-Beat, der sich vieler poppiger Elemente bedient, singt sich Michael durch den Song, auf dem seine stimmlich Klangfarbe erstaunliche Ähnlichkeit zu der Stimme des Sängers Clueso aufweist. Produziert von Nico Rebscher, der bereits für Hits von Sunrise Avenue, Alice Merton, Aurora und Milow mitverantwortlich war, klingt Baby Baby wunderbar eingängig und handelt vom Scheitern und wieder aufrappeln. Dies zeigen die Textzeilen Beim ersten Mal tut’s weh. Beim zweiten Mal ok. Beim dritten Mal Uh, Baby Baby! wunderbar und  sollen gleichzeitig ermutigen, weiterzugehen. Im dazugehörigen Musikvideo zeigen sich die Brüder äußerst kreativ und bilden eine Szene aus dem Klassiker Titanic als Neuinterpretation ab. Im Mai können wir KLAN dann live sehen und grooven uns mit Baby Baby schon mal ein.

Duke Dumon - Therapy

Duke Dumont – Vom Batik-Shirt bis zur Jeansjacke – Der Sound der 90er

Duke Dumont hatte schon immer ein gewisses Faible für den 90er-Jahre-Sound. Hört man in seine großen Hits Need You (100%)I Got You und Won’t Look Back rein, schimmern immer wieder klar die Einflüsse des Eurodance-Genre heraus. Doch das, was Adam George Dyment nun veröffentlicht hat, übertrifft nochmal alles bisher dagewesene. Denn mit Therapy greift er nicht mehr nur den Sound der 90er-Jahre auf, sondern IST der Sound der 90er. Wäre er mit Therapy nicht schon 20 Jahre zu spät, würde man glatt behaupten, er habe die 90er mitgeprägt. Mit satten Housebeats und einem intensiven Gesangspart spricht Therapy die Raver der 90er Jahre an und bittet sie auf die Tanzfläche. So hart und schnell wie Therapy auch klingen mag, ist der Song gleichzeitig unglaublich intensiv und exzessiv und trifft damit genau den Vibe, den viele Dance- und Housesongs in den 90er Jahren hatten.

Blanks - Sweaters

Blanks – Schärft sein Profil spielerisch

Letztes Jahr hatte der junge Influencer, Instagram- und Youtubestar Blanks mit gleich zwei Songs für ein erstes Aufhorchen gesorgt. Denn sowohl Don’t Stop als auch Let’s Get Lost waren zwei satte Ausrufezeichen in die Richtung des Pop-Olymps. Sein Markenzeichen: verspielte Sounds mit enormen Ohrwurmcharakter. Dabei kommt hinzu, dass Simon de Wit – wie Blanks bürgerlich heißt – eine unglaublich markante Stimme hat und hier und da an die verrückten Songs von Mika erinnert. Während Mika sich momentan mit einem Abflauen seines Erfolges beschäftigen muss, zeigen die Zeichen für Blanks genau in die entgegengesetzte Richtung. Nun hat der Niederländer mit Sweaters einen neuen Song veröffentlicht und tritt dabei in die Fußstapfen so großer Hits wie von den Bag Raiders,  Empire Of The Sun oder vor allem Gipsy & The Cat. Denn mit einem sommerlich leichten Sound und Blanks markant, hoher Stimme wird Sweaters schnell zu einem lockeren Sommerhit, der sich so sehr in den Kopf setzt, dass man ihn mindestens bis zum kommenden Sommer nicht mehr rausbekommt. Dass Blanks auch mit dem dazugehörigen Musikvideo zu überzeugen weiss, liegt an seinem Youtube-Kanal, der mehr als eine Million Follower hat – denn hierfür produzierte der 22-jährige Musiker schon mehr als 70 Videos. Blanks hat alles, was man braucht, um einen Hit zu landen – nun fehlen nur noch die Radiostationen, die Sweaters in ihre Playlists aufnehmen müssen.

Scouting For Girls - Grown Up

Scouting For Girls – Freunde von Nebenan

Bei manchen Bands ist es schon komisch. Da haben sie absolute Hits im Gepäck, spielen sich die Finger wund und erzeugen mit ihren Songs eine absolut glückliche Atmosphäre – doch so richtig erfolgreich werden sie damit nicht. Bei dem britischen Trio von Scouting For Girls ist das der Fall. Hatten sie vor allem auf ihrem ersten Album Scouting For Girls (2007) so großartige Hits, wie She’s So LovelyElvis Ain’t Dead und Heartbeat platzierten sie auf ihrem zweiten Album 2010 eine Aussage, die sich bin in zehn Jahren absolut überholt hat. Denn der Albumtitel Everybody Wants to Be on TV wird der heutigen Zeit bei weitem nicht mehr gerecht, hat doch das traditionelle Fernsehen gegen die neuen Medien, wie Streamingdiensten und sozialen Plattformen nichts entgegenzusetzen. Während auf diesem Album zumindest für Frontsänger Roy Stride, Bassist Greg Churchouse und Schlagzeuger Dr Peter Ellard der Erfolg in Form eines Nummer-1 Hits entrat, sollte dieser Erfolg von This Ain’t A Love Song einmalig bleiben. Nun sind sie mit ihrem fünften Album The Trouble with Boys zurück und haben dabei eine wunderbare Mischung aus typischen Indiesongs und überraschend ruhigen Balladen veröffentlicht. Mit ihrer aktuellen Single Grown Up hat das Trio eine großartige Up-tempo Nummer veröffentlicht, die mit einer Hookline brilliert, die man nach dem ersten Hören nicht mehr aus dem Kopf bekommt. Scouting For Girls sind und bleiben eine verlässliche Nummer im Indiepop und zeigen auf ihrem neuesten Album, dass sie nichts von ihrer Energie und ihrem Enthusiasmus der Anfangsjahre verloren haben. Damit wirken sie, wie die Freunde von nebenan und lassen uns Erfolg ganz anders definieren.

Purple Disco Machine - Emotion

Purple Disco Machine – Die Disco ist zurück!

Holt Eure Tanzschuhe raus, der heutige Song wird Euch von den Stühlen reißen. Denn bei Purple Disco Machine ist der Name Programm. Vor zehn Jahren zum Leben erweckt, hat der in Dresden als Tino Piontek geborene Produzent in den vergangenen Jahren eine beispiellose Karriere hingelegt und ist dabei dennoch im Mainstream ein mehr oder weniger unbeschriebenes Blatt. Mit seinem 2013er Song My House katapultierte sich der Produzent bis auf Platz 3 der Beatport-Charts und wurde über die nachfolgenden Monate zur Nummer 2 der meistverkauften Songs aller Zeiten auf Beatport. Was folgte, waren House-Hits am Stück und so zeichnete sich der Dresdener in diesem Jahr auch für den – zum Klassiker avancierenden – Clubtrack Body Funk verantwortlich. Nun ist mit Emotion ein weiterer Song veröffentlicht worden, der den Liebhaber des Discosounds einmal mehr an die Spitze der Beatport-Chart bringen wird. Mit typischen 70er Jahre Grooves und einer ordentlichen Portion Housemusik baut sich Purple Disco Machine einen wahren Schatz an hervorragenden Clubtracks auf und lässt uns keine andere Wahl, als alle Energie, zu Emotions, aus dem Körper zu tanzen.

Yves V feat. Afrojack & Icona Pop - We Got That Cool

Yves V feat. Afrojack & Icona Pop – Hitmaschine aus BeNeLux und Skandinarvien

Es sind oftmals die kleinen europäischen Länder, welche die größten Hits hervorbringen – ob aus Belgien mit Lost Frequencies und Stromae, aus den Niederlanden mit Tiësto oder Martin Garrix oder aus Schweden mit Swedish House Mafia, Avicii oder Eric Prydz. Nun haben sich auf dem Song We Got That Cool – der vom belgischen DJ und Produzenten Yves V kommt – auch der niederländische DJ Afrojack und die Schwedinnen von Icone Pop zusammengefunden und einen absoluten Sommerbanger produziert. Mit nostalgischen Beats und einem Sample des Klassikers Gypsy Woman (She’s Homeless) – das 1991 von Crystal Waters veröffentlicht und bereits unzählige Male gesampelt wurde – haben die drei einen Track voller Energie, Sommervibes und guter Stimmung produziert, der von einem entspannten Elektrosound in einen absoluten Housetrack mutiert und so nicht nur die Tanzflächen in Clubs zum beben bringt. Yves V hat sich den Song als Begleiter durch den Sommer gedacht und hofft, dass jeder dazu singen und, ob im Auto, am Strand oder während er auf einem Festival ist, dazu abgehen wird. Bisher ist We Got That Cool nur in Belgien gechartet, doch dürfte es nicht mehr lange dauern, bis auch andere Länder diesen grandiosen Housetrack für sich entdecken und er den Sommer 2019 in die Verlängerung schicken wird.

Ro Bergman - Clouds

Ro Bergman – Über den Wolken

Ro Bergman hatte es bereits 2016 geschafft, eine mediale Aufmerksamkeit zu erlangen, die ihm den Status eines Newcomers verlieh. Doch während andere sich vom Ruhm überwältigt in die schnelle Produktion weiterer Hits machen, hat sich Bergman etwas zurückgezogen und an seiner Musik gefeilt. Dabei betrachtete er den schnellen Ruhm seiner Single Best Time – die von seinem österreichischen Landsmann Skistar Marcel Hirscher als Saison-Hymne ausgewählt wurde – mit gemischten Gefühlen, ging dem Singer/Songwriter doch der schnelle Aufstieg zu rasant. Nach der, im Mai veröffentlichten, Single Horizon hat Bergman nun mit Clouds einen weiteren Song seiner im Herbst erscheinenden EP herausgebracht, die verträumt, locker und gleichzeitig schwer klingt. Dabei kommt die Schwere von den hallenden Gesängen des Sängers, der sich vor allem auf Clouds einer hohen Ähnlichkeit zu Coldplays Frontsänger Chris Martin nicht entziehen kann. Hinzu kommt das treibende Soundarrangement, welches von Ferne, von Unbeschwertheit und Lebensfreude zeugt. Den Titel, sowie den Sound des Songs erklärt uns der Sänger dann auch passender Weise mit den Worten, Wolken nehmen einen mit in eine unendliche, große Welt, in der alles erlaubt ist, dabei ist der Song in einem winzigen Proberaum irgendwo in Tirol entstanden. Damit ist dem Österreicher eine Punktlandung gelungen – von der wir uns auf Clouds eindrucksvoll überzeugen lassen können.