ionnalee & Zola Jesus - Matters

ionnalee & Zola Jesus – Dunkel, Mystisch, Nordisch

Als würde Zola Jesus nicht schon alleine für zwei dieser Merkmale stehen, gibt es nun eine Kollaboration mit dem schwedischen Ausnahmetalent ionnalee. Die skandinavische Sängerin, die bürgerlich Jonna Lee heißt, hat in den vergangenen zehn Jahren eine Kunstform um sich herum entwickelt, die von Kreativität und einem Denken ohne Mauern geprägt ist und für eine, nur schwer greifbare, künstlerische Ausdrucksform steht. Mit mystischen Sounds – die vor sich hin wabern wie Nebelbänke an einem herbstlichen Morgen, einer Stimme – die eine Schwere besitzt und gleichzeitig engelsgleich klar wirkt und mit einem körperlichen Expressionismus – der sich nur schwer in irgend eine Schublade einordnen lassen möchte – hat es Lee geschafft, ein Kunstform zu entwickeln, die so spannend, wie faszinierend ist. Ihre neueste Single Matters, bei der die Schwedin mit der amerikanischen Sängerin – und ebenfalls Koryphäe der mystischen Musik – Zola Jesus zusammengearbeitet hat, beweisen beide einmal mehr, wie ergreifend Musik klingen kann, wenn zwei Ausnahmetalente wie diese Frauen auf einem Song zu hören sind. Mit einem Beat, der einem  Herzschlag gleich kommt, hallenden Echos und partiellen Spielereien im Sound baut sich Matters zu einem wahren Traum von Song auf. Ob dieser Traum mystisch, fantastisch oder grausam und schrecklich ist, bleibt dem Hörer überlassen, der bei Matters eine ganz eigene Geschichte vor seinem inneren Auge entstehen lässt. Matters ist vielschichtig, wie eine Geschichte aufgebaut und zeigt zwei Künstlerinnen in ihrer Hochphase.

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The Slow Show @Silent Green Berlin. www.soundtrack-of-my-life.com

The Slow Show – Konzertkritik

Der Rahmen versprach Großartiges. Hatte sich die britische Band The Slow Show drei Jahre lang aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, kündigten die Manchester um Frontsänger Rob Goodwin mit Sharp Scratch den ersten Vorboten des kommenden Albums an. Dabei war es in der Vergangenheit beunruhigend ruhig um die Band gewesen. Hatten sie mit ihren 2015er und 2016er Alben White Water und Dream Darling doch in kürzester Zeit zwei Alben vorgelegt, die vor allem durch die Baritonstimme des Frontsängers Goodwin, zu absoluten Glückstreffern der britischen Musikszene avancierten. Dabei galt das Glück nicht etwa der Band, dadurch bekannt zu werden, sondern vielmehr uns Hörern, diese Atmosphäre erleben zu dürfen.

Lou Stone @Silent Green Berlin.    www.soundtrack-of-my-life.com

Als Ort für die Vorstellung der neuen Songs wurde die einzigartige Eventlocation Silent Green in Berlin ausgewählt. Hierbei handelt es sich um ein ehemaliges Krematorium, welches vor 110 Jahren im Stadtteil Wedding erbaut wurde und noch bis 2001 als solches genutzt wurde. In der ehemaligen Feierhalle – in der einst die Urnen der Verstorbenen aufgestellt wurden – befindet sich heute das Herzstück des gesamten Areals und finden in der 17 Mieter hohen, achteckigen Halle heute Veranstaltungen, wie Lesungen und Konzerte statt. Dabei steht die, mit einem deckenhohen Bühnenvorhang dekorierte, Erhöhung als Bühne zur Verfügung.

In diesem besonderen Umfeld eröffnete der Londoner Singer/Songwriter Lou Stone den Abend mit einer passenden Mischung aus Folk, Pop und Soul und überzeugte sogleich mit seiner warmen, einfühlsamen Stimme, welche die Aufmerksamkeit des Publikums schnell auf sich zog. Legt die Feierhalle jedes noch so kleine Geräusch an den Tag, war es das Berliner Publikum welches seinen Ruf alle Ehre machte und so still war, dass man die Saiten der Gitarre schwingen hören konnte. Mit seiner EP Fictions und so wunderbar romantischen Stücken wie Don’t UnderstandCarry Me HomeSally oder dem Titelstück Fictions war er der perfekte Opener für The Slow Show und stimmte das Publikum auf einen herzerwärmenden Abend ein.

Schließlich kamen um Punkt 20 Uhr Sänger Rob Goodwin, Keyboarder Frederik ‚t Kindt, Bassist Joel Byrne-McCullough und Schlagzeuger Chris Hough auf die Bühne und starteten in einen Abend, der versprach einmalig zu werden. Mit Songs aus den ersten beiden Alben und einigen Stücken aus dem kommenden – für später in 2019 angekündigtem – dritten Album führte Goodwin das Publikum mit warmen Worten durch den Abend und ließ dabei nur äußerst selten seine Augen von der Menge. Immer wieder streifte der Blick des britischen Sängers durch die Menge, suchte ganz bewusst den Blickkontakt mit Einzelnen und verschaffte seiner Musik damit eine weitaus eindringlichere Wirkung.

Mit Songs wie Dresden, Ordinary LivesFlowers To Burn oder dem alles überragenden Bloodline beflügelte die Band das Publikum immer wieder mit dem Gefühl des kollektiven Schwelgens. Bei Bloodline welches die Band auf eine 7-minütige Version ausdehnte, in der das Publikum einen Teil des Refrains selbst sang und damit in der Halle eine Atmosphäre entstand, die ein überborderndes Wir-Gefühl ausstrahlte, wuchs die Dankbarkeit in Goodwin sichtlich ins unermessliche. Dass die Band glücklich ist, dieses Leben, leben zu dürfen und mit so vielen Menschen Emotionen teilen zu können, zeigt sich in der fast schon schmerzhaft dankbaren Haltung des Sängers. Dabei wirkte er zu keinem Zeitpunkt unauthentisch und zeigte eher bei jedem Song eine fast schon gebrochen, mitfühlende Haltung – als fühle er die Emotionen, die ihm beim Schreiben der Songtexte antrieben, nochmals nach.

Gleichwohl kamen mit – unter anderem – Sharp ScratchSt. Louis und Places You Go auch einige neue Songs vor, die sich wunderbar in die heimelige Stimmung einfügten. Mit ihrem Hang zu ruhig beginnenden Songs, die in einer opulent instrumentierten Version aufgehen, haben The Slow Show den perfekten Soundtrack für die Untermalung von Emotionen geschaffen. Immer wieder kam man sich an diesem Abend vor, als wäre man in einem Spielfilm, bei dem tiefe, emotionale Momente musikalisch untermalt würden, nur, um anschließend in einer ergreifenden Auflösung zu enden.

Zum Ende hin überraschte Goodwin schließlich noch mit einer Rede auf Deutsch, in der er sich für die Geduld des Publikums bedankte und dafür, dass man die Band nicht vergessen habe. Gleichwohl kündigte er für später im Jahr weitere neue Musik an und war dankbar über einen Abend in so einer Location, mit solch einem Publikum und der Tatsache, dass das Publikum der Band die Nervosität, neue Songs zu spielen, mit solche einer Wärme genommen hatte und ihnen so zeigte, die richtige Richtung gegangen zu sein.

The Slow Show @Silent Green Berlin. www.soundtrack-of-my-life.com

The Slow Show kann man nicht vergessen. Nicht die Stimme, nicht den Sound, nicht die Emotionen, die diese Band verkörpert. Und so zeigte sich am Ende auch das Publikum dankbar und war glücklich, diesen Abend miterlebt zu haben.

Nathan Ball – Ein neuer Star wächst heran

Nathan Ball - Right Place

Nathan Ball – Right Place

Bereits vor anderthalb Jahren konntet Ihr hier über Nathan Ball und seinen Song Echo lesen, worauf ein Interview mit Nathan Ball folgte. Nun hat der in London lebende Sänger mit Right Place einen Song veröffentlicht, der Emotionen vereint und an Sänger wie Ben Howard erinnert. Nur mit einer Gitarre begleitet, singt Ball ruhig und ergreifend. Nachdem Ball die letzten Jahre zielstrebig auf einen Plattenvertrag hingearbeitet hat und mit so einigen Größen wie Alt-J tourte, hat er nun eine Heimat bei dem Plattenlabel Cold Water Records gefunden und veröffentlicht Right Place diesen Freitag. Inspiriert zu Right Place wurde Ball durch seine Alpen-Tour in Frankreich – einem Ort, an dem man sich wohlfühlt und Inspiration erhält. So setzte er sich, zurück in London, an die Gitarre und schrieb den Song. Right Place ist so stark, dass man Ball hiermit den Durchbruch wünscht.

Rhodes - Turning Back Around

Rhodes – Anlauf Nummer Zwei

Ende Oktober 2014 wurde Rhodes hier bereits vorgestellt. Klang die Nummer Worry doch so schön verträumt und emotional geladen. War man sich damals sicher, dass David Rhodes kurz vor seinem Durchbruch stehen würde, blieb es jedoch unerwartet ruhig um ihn. Nun startet er einen neuen Anlauf und bringt mit Turning Back Around eine Steigerung zu Worry heraus. Was zur Folge hat, dass es noch verträumter und noch emotionaler auf Turning Back Around klingt. Rhodes ist hierbei schneller geworden, der Beat ergreifender und holt einen regelrecht ab. Somit wird es wohl Zeit ein erstes Album zu veröffentlichen. Andernfalls würde Rhodes Gefahr laufen, in der schnelllebigen Musikszene gänzlich unterzugehen. Doch solange hören wir einfach Turning Back Around in Dauerschleife.