Jónsi - Swill

Jónsi – Progressiv, futuristischer Sound

Mit seiner ersten Singleauskopplung Exhale hat Jónsi uns im April überrascht und gleichzeitig auf einen neuen Sound vorbereitet. Denn hier präsentierte uns der isländische Künstler eine moderne und frische Hymne, die hier und da in den Pop zu rutschen schien. Nun hat der Musiker – nach seiner Kollaboration mit Julianna Barwick auf In Light – eine zweite Single seines kommenden Soloalbums Shiver veröffentlicht und setzt abermals auf einen ungewöhnlichen Sound. Mit einem progressiven Anfangsbeat singt sich Jónsi auf Swill mit Hilfe von Autotune-Elementen durch einen auffällig hellen Song. Dabei ist auch der Hintergrund des Songs eher auf eine lockere Art zu sehen. Hat sich Jónsi doch auf Swill damit auseinandergesetzt, wie es ist, wenn man einen Abend zu viel getrunken hat, etwas Dummes tut und sich damit zum Narren macht. Mit dem futuristischen Sound des britischen Produzenten A. G. Cook – der sich unter anderem für die letzten beiden Alben und letzten beiden Mixtapes von Charli XCX verantwortlich zeichnet – hat Jónsi es geschafft, dem Song eine freundliche Stimmung zu verleihen. Damit einhergehend, hat der Sigur Rós-Sänger nun auch das Veröffentlichungsdatum seines zweiten Soloalbums angekündigt. Shiver wird am 2. Oktober erscheinen und damit zehn Jahre nach seinem Solodebüt Go veröffentlicht. Die Songs des Albums sind hauptsächlich während der vergangenen zehn Jahre entstanden, wenngleich auch Songs auf dem Album enthalten sein werden, die bereits vor 15 Jahren – und damit in der Hochzeit seiner Band Sigur Rós – entstanden sind. Während der Musiker in den vergangenen zehn Jahren zwei Alben mit seiner isländischen Band veröffentlicht hat, kamen in den vergangenen Jahren auch immer häufiger Nebenprojekte dazu. So hat der Musiker zusammen mit dem Schweden Carl Michael von Hausswolff das Projekt Dark Morph gestartet und zwei Alben veröffentlicht. Gleichzeitig tritt Jónsi aber auch immer öfter als Visual Artist auf und hatte in Los Angeles bereits Ausstellungen mit seinen Installationen. Das alles gibt dem Musiker die Möglichkeit, Inspirationen zu sammeln, die er in seiner Musik verarbeitet. Auf Swill hört man diese Einflüsse wunderbar heraus und lässt der Track auf ein Album hoffen, bei dem man mit Acts, wie Robyn und Liz Fraser zusätzliche aufhorchen kann.

Henry Green © Hattie Ellis

Henry Green – Durch Schreibblockade zum zweiten Album

Es ist eine Reise über Felder, durch Großstädte bei Nacht oder über Straßen entlang der Küste bei einem Sonnenuntergang – den der Brite Henry Green mit seinem neuen Album präsentiert. Dabei hat ihn vor allem eine Schreibblockade zu diesem Album kommen lassen. Denn Anfang 2019 zog es den Musiker aus der 460.000 Einwohner großen Stadt Bristol in den 5.400 Seelen fassenden Ort Malmesbury – knapp 45 Kilometer vor Bristol – um dort an seiner Musik zu arbeiten. Anfangs war es genau dieser Schritt, der Green in die Schreibblockade führte – nur mit sich selbst im Zwiespalt ist es schwierig, zwei unterschiedliche Standpunkte bei der Produktion meiner Musik miteinander abzuwägen. So entstand bei mir im Kopf ein konstanter Kampf um die Musik sagt der Musiker über diesem Moment. Dabei hat er mit seinen beiden EPs Slow (2015) und Real (2017) und seinem Debütalbum Shift (2018) alle auf seiner Seite und kann auf knapp 100 Millionen Abrufe auf den Streamingplattformen verweisen. Genau diese Realität, die sich durch die Streams – von Menschen, die tatsächlich seine Musik hören – zeigte, half dem Briten dabei, sich auf seine Musik zu fokussieren und dabei mit der Überschrift Half Light ein Thema für das zweite Album zu finden. Dabei orientiert sich der Musiker, der bereits als Support von London Grammar und Nick Mulvey auftrat, an Musikern, wie Bonobo, Christian Löffler und RY X – allesamt dafür bekannt, Musik mit Elementen aus Elektro oder Singer/Songwriting zu benutzen, um eine ganz besondere Atmosphäre zu erzeugen. Mit seiner aktuellen Single All baut er einen Übergang vom Tag in die Nacht und nimmt sich der Idee an, seinen eigenen Lernprozess während dieser Albumproduktion darzustellen. Diesen Übergang kann man auf den etwas mehr als 4 minütigen Song wunderbar hören – beginnt All doch mit einem fragilen und intimen Gesang, der von warmen Synthies begleitet wird, eher sich der Beat im Verlauf des Songs immer deutlicher in Richtung eines Housetracks entwickelt, der an The XX erinnert. Henry Greens zweites Album Half Light wird am 3. Juli veröffentlicht und zeigt die verschiedenen Facetten des Zusammenspiels von elektronische Musik und intimen Singer/Songwriting.

Robin Schulz & Wes - Alane

Robin Schulz & Wes – Ein Sommerhit kehrt zurück

Es war der große Sommerhit 1997 in Frankreich – Wochen später belegte er schließlich auch in Deutschland und in ganz Europa die vordersten Chartränge und war über Monate hinweg der absolute Radiohit. Die Songzeilen Alanné mba yi woma wé. Ho tou sondé. Ho ma yé konnte jeder mitsingen, auch wenn einem die Bedeutung der Worte nicht geläufig war. Der aus Kamerun kommende Musiker Wes Madiko hatte mit seinem Hit Alane dafür gesorgt, dass Weltmusik plötzlich in halb Europa gespielt wurde. Dieses Genre, das sich nur schwer in eine Richtung einordnen lässt und im Falle von Wes mit dem französischen Produzenten Michel Sanchez einen Sound erhielt, der sich deutlicher am europäischen Musikmarkt orientierte, führte zu unzähligen Gold-, Platin- und Diamant-Auszeichnungen und sagenhaften 40 Wochen in den deutschen Singlecharts. Mit Walenga wurde schließlich auch ein Album veröffentlicht, welches allerdings nicht an den Erfolg der Single anknüpfen konnte, sich dennoch aber in Frankreich, Portugal, Österreich und den Niederlanden in den Top-10 platzieren konnte. Alane sollte Madikos einziger Hit bleiben und bedeutete für den Sänger einen Platz unter den One-Hit-Wondern einzunehmen. Was über Jahre hinweg blieb – war das unvergessene Gefühl von Sommer, Ferne und einem unglaublich sympathischen Sänger, der mit einem Musikvideo voller akrobatischer Bewegungen begeisterte – legendär ist hier die Bauchwelle, die auch auf den Bühnen von The Dome oder Top Of The Pops performed wurde. Nun ist Madiko – 23 Jahre nach seinem großen Hit – wieder in einem Musikvideo zu sehen und singt dabei die gleichen Textzeilen, wie einst bei seinem großen Erfolg. Denn heute hat der Osnabrücker DJ Robin Schulz eine Version des Hits Alane veröffentlicht, die sich stark am Original orientiert und das Gefühl vom Sommer 1997 zurückbringt. Dabei kommt gleich in den ersten Momenten ein unglaubliches Gefühl von Freude auf und bringt den Hörer durch den Gesang Madikos sofort wieder zurück in die 90er Jahre – sofern man bereits zum Original getanzt hatte. Mit modernen EDM-Elementen – und einem ebenfalls choreografisch am Original erinnernden Musikvideo – kehrt auch Madiko im Musikvideo zurück in die Öffentlichkeit und lässt uns eine gute Zeit haben. Mit einer gehörigen Portion Airplay und dem prominenten Namen von Robin Schulz könnte es Alane so – satte 23 Jahre später – abermals zum Sommerhit schaffen. Zu gönnen wäre es Madiko mit seinem zeitlosen Song auf jeden Fall.

Kraak & Smaak feat. Imugi - Sommeron (Satin Jackets Remix)

Kraak & Smaak feat. Imugi – Satin Jackets Veredelung

Im Original ist es ein klebrig, träger Elektrosong, den das niederländische Trio Kraak & Smaak mit Sommeron veröffentlicht hat. Dabei stehen die Jungs eigentlich für einen sommerlich, frischen Elektrosound aus House- und Tropical-House-Elementen, wie wir es von ihrem Sommerhit 2019 Sweet Time kennen. Doch auch dieser war bereits ein Remix des französischen DJs Yuksek und klang im Original deutlich langsamer. Damit haben sich Kraak & Smaak gleich in zwei Stilen etabliert. Einmal ist es ihr schwerer und träger Elektrosound, der das Trio Song für Song so klingen lässt, als würde man eine Platte anstatt mit 44 Umdrehungen pro Minute nur mit 33 UPM abspielen. Zum anderen sind da die Remixe, die zu fast jeder Veröffentlichung eine satte Veredelung des Songs darstellen. Die neueste Veredelung darunter findet bei dem – im Herbst 2019 veröffentlichten – Song Sommeron statt, der nun vom deutschen DJ und Produzenten Satin Jackets aufgefrischt wurde. Hierbei beschleunigt Satin Jackets den Song im allgemeinen etwas, hebt dabei den sanften Gesang des neuseeländischen Duos IMUGI hervor und legt eine wunderbar leichte Note Tropical-House mit vielen frischen Elementen unter das Original. Mit dieser neuen Version von Sommeron lassen Kraak & Smaak den Sommer zusammen mit Satin Jackets endlos erscheinen und laden ein zu einem Cocktail an der Strandbar, während eine kühlende Brise den heißen Sonnenschein auf der Haut erfrischt. Satin Jackets zeigt mit diesem Remix einmal mehr, wie produktiv der Osnabrücker Produzent gerade ist – hat er doch vor kurzem erst mit Little Airplanes einen neuen Song veröffentlicht. Zusammen lassen die Niederländer dem Deutschen soviel Freiraum, dass aus dem einst langsamen und klebrig, warmen Sommeron ein satter Sommerhit wird, den wir bis weit in den Herbst mit uns rumtragen werden.

Roosevelt - Sign

Roosevelt – Es ist wieder Zeit zu feiern!

Die Wochen vergehen und seitdem Mitte März in Berlin alle Clubs und Bars schließen mussten und die großen Open Air Veranstaltungen abgesagt wurden, deutete alles auf einen zurückhaltenden Sommer hin. Auch wenn das Leben, durch die Öffnung der Bars so langsam wieder an Fahrt gewinnt, fehlt es vielen weiterhin an einem Moment des unbekümmerten Feierns. Dies ändert sich nun mit der neuen Single von Roosevelt, die uns in etwas mehr als vier Minuten durch die vergangenen Monate führt. Denn hier beginnt alles mit ruhigen Synthie-Chords, der sich durch Marius Laubers Gesang bedächtig, melancholisch und etwas ausgelaugt anhören. Im Folgenden setzen Drum-Machine und frickelige Elektroelemnete ein, die den Übergang zu einem aufblühenden Moment zeigen, der schlußendlich in einem treibenden Partysound voller Euphorie und Unbeschwertheit aufgeht. Ganz so, wie sich der Lockdown in die Phasen des Schocks über die Schließungen, dem damit Abfinden und neue Wege suchen und schließlich eine – durch den Sommer – aufkommende Leichtigkeit Erlebens einteilen lassen, können wir in Sign drei ganz ähnliche Gefühlslagen heraushören. Lauber selbst sagt in einem Interview über seinen Song Ich wollte eine sehr intime Stimmung schaffen […] Als ich dann irgendwann einen Beat dazu produzierte, merkte ich aber ziemlich schnell, dass der Track auch in einem Dance-Kontext funktioniert. Genau dieser Wandel ist auf Sign äußerst präsent und lässt den Song damit auf verschiedenen Ebenen wirken. Nach dem zweiten Album Young Romance (2018) hat sich Roosevelt vor allem durch Veröffentlichungen, wie der Coverversion von Fleetwood Macs Everywhere, der Neuinterpretation seines 2012er Songs Cape Cod auf Falling Back und der Zusammenarbeit mit dem US-Amerikanischen Dance-Duo Classixx auf One More Song immer wieder ins kollektive Bewusstsein gerufen. Mit Sign veröffentlicht er nun einen ersten neuen Song, seit seinem zweiten Album und bietet damit eine wunderbare Grundlage für ein baldiges, drittes Studioalbum. Sign ist der perfekte Song für den Sommer und lädt dazu ein, alleine zu Hause, im Park mit Freunden, oder zu zweit Nachts an der Spree entlang tanzend den Moment zu genießen.

Jeremias - Keine Liebe

Jeremias – Innere Zerrissenheit

Sie waren eine der wenigen Bands, die bereits zu Beginn des Jahres mit ihrer Clubtour für ausverkaufte Hallen sorgten und gleichzeitig für einen der letzten Momente sorgten, Musik live auf der Bühne gespielt zu erleben – bevor die Pandemie alles zum erliegen brachte. Mit ihrem Tourfinale im Berliner Club Musik & Frieden am 29. Februar sorgten sie ein letztes Mal für eine fulminante Show, die das Publikum zum feiern brachte. Die anschließende Aftershow-Party in der Baumhausbar gleich oben drüber, ließ die Stimmung schließlich noch bis in die Nacht weiter steigen. Mit der – im Herbst veröffentlichten – EP Du Musst An Den Frühling Glauben gab es bereits einen ersten großen Release. Nun steht mit der neuen EP alma eine neue Platte kurz vor der Veröffentlichung und bietet nicht mehr nur den funkigen Indie-Gitarrensound der Vorgänger-EP, sondern wird durch das Element des Singer/Songwritings ergänzt. Hier kommen energiegeladene Songs gleich nach ruhigen Balladen, lassen aber den Kern der Band nach großen Funk-Indie-Songs erneut aufleuchten. Nach der großen Popnummer Schon Okay folgte in mitten in der Pandemie und Lockdown-Phase mir Mit Mir eine wunderschöne Klavierballade, welche das Quartett via Cardinal Sessions von zu Hause aus aufgenommen hatten. Nun haben wir mit Keine Liebe eine hochemotionale Veröffentlichung, in der sich eine innere Zerrissenheit mit dem Gefühl von Vertrauen und Geborgenheit in einer freundschaftlichen Beziehung auseinandersetzt. Es ist der Moment, in dem man nicht mehr weiss, wie man seine eigenen Gefühle deuten soll. Kommt die Wärme, die in einem aufsteigt, wenn man der anderen Person gegenübersteht von einer tiefen freundschaftlichen Vertrautheit oder etwa doch, vom Aufkeimen eines viel tieferen Gefühls? Verbunden mit dem treibenden Funk in ihrem Sound, lassen Jeremias Keine Liebe zu einem Soundtrack der Selbstfindung werden und mischen dies mit einem lockeren Gitarrenspiel und der Kopfstimme von Jeremias Heimbach, die bereits auf Schon Okay hervorragend funktionierte. Die Band selbst beschreibt den Song als etwas brauchen und nicht-haben, wollen und nicht kriegen. Gleichzeitig sagen sie aber auch, dass sich die ganze EP um das Thema Liebe und Kummer drehen wird. Somit dürfen wir eine funkige zweite EP erwarten, die uns – trotz der emotionalen Topics – abermals zum tanzen bringen wird.

Khruangbin - So We Won't Forget

Khruangbin – Dem Vergessen entgegenwirken

Es ist der perfekte Song für eine lange Autofahrt im Frühling, den Khruangbin gerade rausgebracht haben. Erst Anfang Februar veröffentlichte das texanische Trio mit Texas Sun eine EP, die ordentlich Wellen schlug. Denn zusammen mit Leon Bridges verzauberte die EP nicht nur durch den gleichnamigen Titelsong, sondern vor allem durch einen verträumten Südstaaten-Rock. Nun zeigen Laura Lee, Mark Speer und Donald Johnson mit ihrer neuen Single So We Won’t Forget und der Ankündigung ihres vierten Albums Mordechai für den 26. Juni, dass sie produktiver denn je sind. Denn ist es kaum ein Jahr her, dass das Trio mit Hasta El Cielo ihr letztes Album veröffentlichten. Doch auf Mordechai ist alles etwas anders, denn hier hat sich die US-Amerikanische Band dazu entschieden, erstmals auch gesanglich aktiv zu werden. So ziert die Stimme von Bassistin Laura Lee die zehn Songs des neuen Albums und umspannt das Album satte 14 Sprachen, wie die Band mitteilt. Auf So We Won’t Forget trifft ihr Musikstil – der vormals aus Elementen, wie Funk, Soul, Rock und elektronischen Einflüssen bestand – auf Dreampop und nimmt uns mit in eine Welt, die sich an Erinnerungen klammert, um die darin enthaltenen Momente nicht zu vergessen. Denn, dass dies auch wichtig ist, um seine eigene Geschichte erzählen zu können, zeigt das von Scott Dungate (unter anderem für großartige Honda- und Nokia-Werbeclips verantwortlich zeichnend) produzierte Musikvideo, in dem sich ein Vater dagegen wehrt, seine verstorbene Tochter zu vergessen. Mit den verträumt gesungenen Songzeilen Ooooo… One to remember. Writing it down now. So we won’t forget. Ooooo… Never enough paper. Never enough letters. So we won’t forget. lädt uns Khruangbin dazu ein, sich in Erinnerungen zu verlieren. Und so könnte So We Won’t Forget nicht passender für einen Roadtrip sein, der ins über Landstraßen durch die blühenden Rapsfelder und satten, grünen Wälder treibt. Khruangbin sind der unaufgeregteste Hype, denn es seit der Beach House Single Myth gegeben hat und lässt von mehr solcher verzaubernden Songs träumen.

PLGRMS - Disappear

PLGRMS – Werden wir uns auflösen oder etwas wagen?

Es ist der Moment, an dem eine Band denkt, jetzt zündet der Antrieb und wir starten durch, wie eine Rakete. Auch das australische Duo PLGRMS stand Anfang 2019 an diesem Punkt. Sorgten sie seit 2015 mit Songs, wie Pieces (2015), Fools And Their Gold (2016), Dream You Up (2017) oder Daylight (2019) dafür, dass sie zu einem immer gefragteren Festival-Act wurden und stand mit der Veröffentlichung des Songs Daylight der finale Durchbruch kurz bevor. Doch plötzlich war das Duo um den Producer Jonathan Bowden und Singer/Songwriter Jacob Pearson von der Bildfläche verschwunden. Später folgte ein Statement, in dem Pearson verriet, das ihn chronische Schmerzen dazu zwangen, alles anzuhalten und seinem Körper eine Phase der Erholung und Heilung zu gönnen. Mit neuer Energie und etwas mehr als einem Jahr Pause, haben sich PLGRMS nun mit der Single Disappear zurückgemeldet und arbeiten dabei am eigenen Anspruch. Auf Disappear singt Pearson schließlich darüber, endlich wieder etwas zu wagen. Man möchte den ersten Schritt wagen und auf etwas Neues zugehen, aber gleichzeitig ist es auch so einfach, weiterhin einem altbewehrten Schema zu folgen. Manchmal ist es das „fast zu Ertrinken“, das wir brauchen, um schwimmen zu lernen – sagt Pearson. Im Deutschen wäre dies am ehesten mit dem Sprichwort – ins kalte Wasser springen – zu vergleichen. Nun haben PLGRMS mit Disappear eine fulminante Rückkehr eingeläutet und stehen bereit, sich ganz nach oben zu arbeiten. Klingt der Song mit seinen Gitarren, Klavier- und Perkussionelementen und dem sanft, melodischen Gesang Pearsons kraftvoll und sensibel zugleich, bildet sich im Refrain eine bombastische Wolke aus Trauer, Kraftlosigkeit und einem aufkeimenden Wunsch nach einem Neuanfang. Szenisch umgesetzt, bildet das dazugehörige Musikvideo die zweite Hälfte des Songs und lässt mit seinen Bildern die sanfte und ebenso brachiale Kraft des Ozeans erahnen, in der sich Pearson schließlich zu verlieren scheint. Disappear ist eine grandiose Rückkehr des Duos und eine großartige Ballade mit der PLGRMS schon bald auch international erfolgreich sein wird.

Petit Biscuit with Shallou - I Leave Again

Petit Biscuit feat. Shallou – Nostalgisch, romantisierende Weichzeichnung eines Beziehungsendes

Diese Kollaboration gleicht einem Traum – die zwei Dream-Dance Produzenten Petit Biscuit und Shallou veröffentlichen einen gemeinsamen Song. Dabei haben beide auf unterschiedlichen Kontinenten einen äußerst ähnlichen Werdegang zurückgelegt. Petit Biscuit, der bürgerlich Mehdi Benjelloun heißt und aus Rouen in Nordfrankreich kommt, hatte bereits im Alter von 15 Jahren mit dem Song Sunset Lover einen zeitlosen Song veröffentlicht, der sich bis heute durch alle Instagram-Stories und Momentaufnahmen von Menschen zieht, die sich für einen Augenblick, dem entspannten, sommerlichen Moment hingeben möchten. Sunset Lover konnte sich in 15 Ländern in den Charts platzieren und verkaufte sich in Frankreich über 200.000 mal. Es folgte die Debüt-EP Petit Biscuit (2016), das Debütalbum Presence (2017) und ein Coachella-Auftritt 2018. Shallou, der bürgerlich Joe Boston heißt und aus Los Angeles kommt, hatte 2014 angefangen Musik zu produzieren. Ebenso – wie Petit Biscuit – ist Shallou im sphärischen Dream-Dance beheimatet, der mit dem Genre der 90er Jahre nicht viel gemein hat. Denn der Dream-Dance, den die beiden Musiker hier machen, setzt sich aus Tropical-House, Indietronic, Alternative Dance, Future Bass und einer Note Singer/Songwriting zusammen und erzeugt durch eine unglaubliche Tiefe, die berührt und gleichzeitig zu begeistern weiß. Shallou hat bisher mit Souls (2018)eine EP und Magical Thinking (2020) sein Debütalben veröffentlicht und konnte ebenfalls 2019 einen Coachella-Auftritt zu seiner Performance-Erfahrung hinzufügen. Nun sind die beiden Bedroom-Produzenten erstmals auf dem Song I Leave Again vereint und bestechen mit einem treibenden House-Beat, der durch Pop-affine Elemente bereichert wird und mit einen wunderbar warmen Gesang besticht. I Leave Again ist Ende und Aufbruch zugleich, den hierbei geht es um das Ende einer Beziehung mit all seinen nostalgisch, romantisierenden Weichzeichnungen, sowie dem Drang, daraus einen Neustart zu initiieren. Herausgekommen ist ein wunderbarer Song, der die sommerlichen Höhepunkt mit ruhigen Abendvibes verbindet und so zu einem wunderbaren Wegbegleiter werden lässt.

Flight To Moonlight - Midnight

Flight To Moonlight – Wunderbar lockerer Sommerhit

Flight To Moonlight hat einen direkten Weg gefunden, um seine Musik abseits der großen Promotion-Firmen zu bewerben. Adam Baring – der sich hinter Flight To Moonlight verbirgt – durchforstet Blogs, guckt, zu welchen Seiten seine Musik passen würde und schreibt diese an, was einer Art Kaltakquise gleich kommt. Allerdings dürfen sich viele Blogs auch freuen, Anlaufpunkt zu sein, hört man sich die beiden bisher veröffentlichten Songs des Musikers einmal an. Mit seiner 2018er Debütsingle Sticky Hearts begeisterte er sofort durch einen verspielt, fröhlichen Elektronica-Sound. Nun hat Baring mit Midnight einen neuen Track veröffentlicht und verbindet seinen Elektronica-Sound mit Tropical-House-Elementen. Hinzu kommt ein treibender Synthiebeat, der durch den Gesang des East-Londoner Sängers Priz an Temperament gewonnen hat. Beide zeigen als Newcomer – durch die Kollaboration auf Midnight – dass ihnen die Zusammenarbeit gut steht und wecken sie die Lust auf weitere Songs als Duo. Während Priz bereits angekündigt hat, an seinem Debütalbum zu arbeiten, sind bei Flight To Moonlight die Weichen noch nicht gestellt und lässt es uns hoffen, dass Adam Baring keine weiteren zwei Jahre benötigt, um einen nächsten Song zu veröffentlichen. Midnight besitzt einen ansteckenden Sound, der hier und da lose an Künstler, wie Roosevelt oder Duke Dumont erinnert, lässt aber auch immer klar einen Singer/Songwriter-Hauch erkennen. Dabei hat sich Baring mit sehr viel Humor an den Song gesetzt, denn geschrieben hate er ihn – eigenen Aussagen zufolge – mit der Absicht etwas zu produzieren, dass ihn stolz macht und womit er prahlen kann, aber auch beim Hörer den Moment auslösen soll, den man hat, wenn man sich einen Bee Gees Song anhört. Wer noch auf der Suche nach einem passenden Frühlings- oder Sommerohrwurm ist, hat ihn mit Midnight gefunden und kann ihn getrost auf seine Summer-Playlist setzen.