Boulevard Des Airs & Vianney - Allez Reste

Boulevard Des Airs & Vianney – Legen eine Pause ein

Was für eine Manpower – die achtköpfige französische Band Boulevard Des Airs hat in den vergangenen Jahren kontinuierlich an ihrem Ruhm gearbeitet. In Südfrankreich 2004 gegründet, hatten sie mit ihrem 2015er Album Bruxelles erstmals die Top 10 erreicht. Mit ihrem Album Je me dis que toi aussi, das im Sommer letzten Jahres erschien, schafften sie das 2015er-Album sogar noch zu toppen und landeten auf Platz 4 der französischen und erstmals auch in den in den Top-10 der belgisch-wallonischen Albumcharts. Ein Song daraus verdreht gerade ganz Frankreich den Kopf und dürfte gute Chancen haben, auch in Deutschland ganz groß rauszukommen. Mit Allez Reste vermischen Boulevard Des Aires Folk, Pop und EDM-Beats zu einem sommerlichen Sound, der so charmant und treibend ist, dass wir uns glatt an einem heissen Sommertag im Cabrio durch die Provence fahren sehen. Dabei holen sich Boulevard Des Airs mit Vianney einen der aktuell angesagtesten Singer/Songwriter des Landes mit ins Boot und bespielen den Song mit einem fröhlich, lockeren Musikvideo. Mit dem Songtitel haben die Franzosen dann auch gleich einmal für ein Paradoxon gesorgt, bedeutet Allez Reste doch übersetzt so viel wie, geh dich ausruhen. Doch davon kann im Moment bei Boulevard Des Airs überhaupt keine Rede sein. Allez Reste lehnt sich an Songs von Ofenbach an und bleibt dennoch originell und neu und hat schon jetzt einen enormen Suchtfaktor.

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Kaiser Chiefs - Record Collection

Kaiser Chiefs – Duck Sound

Sie sind in ihrem 20. Jahr der Bandgeschichte und haben vieles durchgemacht. Von einem der größten Hypes in Großbritannien – dem Indierock – profitiert, hatten die fünf Jungs aus Leeds Mitte der 2000er mit Songs, wie Oh My GodI Predict A Riot, Ruby oder Never Miss A Beat ihre erfolgreichste Zeit erlebt. Bis plötzlich, mit der 2011er Veröffentlichung des vierten Albums The Future Is Medieval ein Dämpfer einsetzte, denn erstmals verpassten sie damit die Top-10 der britischen Albumcharts. Doch bereits mit dem nachfolgenden Album Education, Education, Education & War war ihnen Platz 1 wieder sicher. Nun stehen die Kaiser Chiefs davor – am 26. Juli – ihr siebtes Studioalbum DUCK zu veröffentlichen und kündigen dies mit den Worten an: Wir hatten für das neue Album zwei Grundideen. Einerseits wollten wir, dass das kommende Album die typische DNA der Kaiser Chiefs besitzt, andererseits arbeiteten wir daran, den Geist von Northern-Soul-Platten mit einzubeziehen. All das ist auf DUCK zu finden und zeigt ein Kaiser Chiefs Album aus rhythmischen Hooks und einem Refrains, der zum tanzen einlädt. Mit der ersten Singleauskopplung Record Collection sind die Kaiser Chiefs wieder am Anfang ihrer Karriere angekommen. Klingen sie doch frisch, frech und zeigen mit ihrem lauten Gitarren- und Synthiesound, wie sehr sie ihre Spielwut zurückerlangt haben. Record Collection zeigt den wunderbaren Weg der Band auf, den wir alle in den vergangen 20 Jahren mit der Band und ihrer Musik erlebt haben. Und trotzdem bleiben die Jungs um Frontsänger Ricky Wilson eine Band der Nachbarschaft und wirken auch nach so langer Zeit noch wie Freunde von nebenan – nur eben mit einem neuen Album.

Schiller feat. Schwarz – Eine Lawine ohne Halt

Nach und nach veröffentlicht Christopher von Deylen als Schiller immer mehr Songs seines, am kommenden Freitag erscheinenden Albums Morgenstund und gibt damit auch immer mehr Einblick in den Sound, der sich bereits mit der Single Morgenstund aus dem gleichnamigen Album andeutete. An den Sound seiner ersten Alben erinnert, ist der geschätzte Musiker und Produzent mit viel Epos, welches von Freiheit, Weite, Liebe, Wärme und Antrieb erzählt, mit einem frischen und doch bekannten Sound zurück. Dabei passt Schwarz‘ Stimme so unglaublich gut zum produzierten Sound, dass man sich fast wünscht, diesen Song einmal in einem emotionsgeladenen Werbeclip zu sehen, der auch schon Bag Riders, Jonah oder Empire Of The Sun zu der verdienten Aufmerksamkeit verhalf. Dass Schiller diese Aufmerksamkeit gar nicht nötig hat, zeigen die – wiederholt – auf Platz 1 der Albumcharts gelandeten Alben. Allerdings konnten die Singles nicht mehr den Erfolg wiederholen, den er noch Mitte der 2000er erzielen konnte. Schwarz ist dabei der perfekte Featuring-Act, der dem Song einen ganz eigenen Drive gibt und mit seiner hohen Stimme fast schon zu einer Dream-Pop Nummer werden lässt. Für Schwarz dürfte es rund um seine, aktuell mehr als umtriebige, Arbeit an neuer Musik sehr passend sein, dass er auf der Schiller Single Avalanche mit Synthies in Berührung kommt – ist er doch selbst in einem voluminösen Elektrosound aus Synthies und Beats zu Hause. Auf Avalanche bilden Schiller und Schwarz eine Symbiose und klingen dabei so organisch, dass man eine langjährige Zusammenarbeit fest vermutet hat und dann doch überrascht wird, dass es der erste Song der beiden Musiker ist. Somit werden die letzten Tage vor der Albumveröffentlichung von Morgenstund gefühlt nochmal verkürzt und bildet der Song eine wunderbare Klangwolke aus Kreativität und Kraft.

Krezip – Nach zehnjähriger Pause mit neuer Single zurück

Krezip – das war die unglaublich erfolgreiche niederländische Band, die sich 1997 gründete, als die meisten Bandmitglieder gerade einmal 15 oder 16 Jahre alt waren. Mit dem Song I Would Stay stürmten sie im Sommer 2000 die Charts  und hielten sich drei Wochen auf Platz 1 der niederländischen und neu Wochen auf Platz 1 der belgischen Singlecharts. Im selben Sommer, gab es den legendären Auftritt – der gerade einmal so volljährigen Band – auf dem niederländischen Pinkpop Festival, der die Newcomer zusätzlich pushte. Was dann folgte, ließt sich als absolute Erfolgsgeschichte. Mit dem Debütalbum Nothing Less standen sie zehn Wochen auf Platz 1 der Albumcharts ihres Heimatlandes, legten mit Days Like This (2002), What Are You Waiting For (2005), Plug It In (2007), einer Best Of Krezip Platte und dem finalen Album Sweet Goodbye einen Marathon in den Charts hin. Zwischen der Veröffentlichung ihres Debüts und der Auskopplung des letzten Albums waren sie kumuliert sage und schreibe fünf der zehn Jahre dauerhaft mit einem ihrer Alben in den Charts vertreten. Doch 2009 kam es zur Auflösung und der finalen Single Sweet Goodbye, die mit so viel Gefühl von einer Band erzählt, die sich glücklich trennt um neue Wege zu beschreiten und sich bei den Fans mit den wärmsten Worten bedankt. Für Fans, die der Band weiterhin die Treue geschworen hatten, waren die letzten Tage ein regelrechtes Feuerwerk. Führte anfangs die Änderung des Profilbildes in die Farbe Pink für Vermutungen und einer ersten Verbindung zu einem möglichen Pinkpop-Revival, folgte am Montag die Mitteilung, dass die Band einmalig auf dem Pinkpop Festival 2019 und Ende Oktober im Ziggo Dome in Amsterdam spielen wird. Gestern dann – nur einen Tag, nachdem sie die Bombe platzen ließen, folgte mit der Veröffentlichung einer neuen Single die nächste Bombe. Im Musikvideo zu Lost Without You greift die Band auf emotionale Momente ihrer Karriere zurück und verbindet diese mit einer wunderbaren Gitarrenballade, die gewohnt warm und herzlich klingt. Hinzu kommt mit Annelies Kuijsters auch wieder die zweite Stimme und mit Zeilen wie I’d be lost without you. You’re someone to fight for. Someone to die for. Oh look at us now. I’d be lost without you. You’re someone to care for. Someone to be there for. Oh look at us now ein Text, der sich sowohl als Liebesbeweis an die tiefe Freundschaft der Band lesen lässt, als auch die tiefe Verbundenheit zu ihren Fans aufzeigt. Mit Jacqueline Govaert, Annelies Kuijsters, Anne Govaert, Jan-Peter Hoekstra, Joost van Haaren und Bram von den Berg stehen sie in der Besetzung ihres Trennungsjahres 2009 als Krezip wieder im Rampenlicht und lassen und hoffen, dass eine weitere Bombe – in Form eines neuen Albums – noch platzen wird. Krezip, es ist toll euch zurückzuhaben!

Mighty Oaks – Die alte Wertschätzung

Jahre sind vergangen, seitdem das Berliner Trio Mighty Oaks noch als Newcomer galten. Heute sind sie gestandene Größen und schafften es mit ihren beiden Alben Howl (2014) und Dreamer (2017) in die Top-10 und Top-20 der deutschen Albumcharts. Dabei gab es direkt zu Beginn ihrer Karriere Songs, die nur einem kleinen Publikum zuteil wurden, da die physischen Tonträger damals nur limitiert vorhanden waren. Nun, acht Jahre nach der ersten Veröffentlichung, bringen Ian Hooper, Claudio Donzelli und Craig Saunders mit Driftwood Seat EP abermals die Songs Rainier, So Low, So High, Driftwood Seat und Like An Eagle raus. Damit schenken Sie ihren Fans eine EP mit den 4 Songs, mit denen das Abenteuer Mighty Oaks vor knapp 9 Jahren begonnen hatte. Als erste Auskopplung können wir nun Like An Eagle hören und uns vom warmen, Folk-Sound des Trios treiben lassen. Die allgegenwärtige Melancholie der Songs ist gleichzeitig so inspirierend, wie beruhigend. Mighty Oaks zeigen mit der Wiederveröffentlichung ihrer ersten Songs, dass sie keine Trittbrettfahrer des Hypes um Folkmusik waren, sondern vielmehr Begründer dieses.

Clueso – Konzertkritik (Huxley’s Neue Welt 2018)

Er kam, sah, siegte! Nicht anders ist zu beschreiben, was der Thüringer Musiker Clueso am vergangenen Dienstag in Huxley’s Neue Welt ablieferte. Clueso hat Erfahrung, ist in die Popwelt hinein gewachsen und hat alle Phasen eines Musikers durchlaufen. Vom Newcomer-Dasein, über die ersten Hypes, bis zu Zweifeln und einer Neuausrichtung – die ihm abermals einen Erfolgsschub bescherte – verpackt der 38-jährige Sänger all seine Erfahrungen und Emotionen immer wieder in Songs und erreicht damit ein Publikum zwischen Jung und Alt. Mit seinem aktuellen Album Handgepäck I schaffte es Clueso zum dritten Mal hintereinander die Pole-Position der deutschen Albumcharts zu erreichen und überraschte gleichzeitig mit einem Sound, der von akustischer Musik und Zurückhaltung geprägt ist. Sind doch alle Songs auf Handgepäck I im Laufe der vergangenen sieben Jahre entstanden, als der Sänger auf Reisen war. Davon beeinflusst, klingt Handgepäck I nach Weite, vorbeiziehenden Landschaften und einer entspannten Grundhaltung, die selbst Cluesos entspannte Art nochmal steigern lässt.

An diesem kalten Novemberabend rief er nun schließlich seine Fans auf, in die Konzerthalle am Neuköllner Hermannplatz zu kommen. War die Halle zum bersten voll und ausverkauft, folgten diesem Aufruf anscheinend viele seiner Fans. Pünktlich wie ein Maurer betrat der Sänger um 20:30 Uhr – ohne Vorband – die Bühne und begann mit den ersten Songs Morgen Ist Der Winter VorbeiEs Ist Schon Spät und Neue Luft. Dabei knisterte es still in der Halle und klangen die Gitarrensaiten voluminös und warm. Hiernach begrüßte er das Berliner Publikum und ließ sympathisch von der Stange, dass er ja doch immer etwas aufgeregt sei, das Publikum hier ihn aber so herzlich empfangen habe, dass dieses Gefühl schon fast verflogen sei.

Songs seiner Idole

Mit Vier Jahreszeiten An Einem Tag kündigte Clueso im weiteren Verlauf sein erstes Cover an diesem Abend an. Hat es der – im Original von der Australischen Band Crowded House geschriebene – Song tatsächlich in übersetzter Version auf das Album und sogar zur Singleauskopplung geschafft, kommentierte der Sänger, dass Englisch nicht so sein Ding sei und er diesen Song aber so sehr mochte, dass er ihn übersetzte und neu interpretiert habe. Dabei blieb der Sänger sehr nahe am Original und erhielt die traurig, emotionale Stimmung des der englischen Version. Mit Du Und Ich folgte anschließend eine poppigere Nummer, die ebenfalls als Singleauskopplung im vergangenen Sommer durch die Radios hallte und die gedämpfte Stimmung im Publikum wieder mit Energie füllte.

Mit den folgenden Songs läutete Clueso schließlich eine Strecke von älteren Songs ein, die auf die akustische Tour angepasst wurden. Da fielen mit Keinen Zentimeter und der Udo Lindenberg Kollaborationssingle Cello spätestens hier alle Hemmungen mitzusingen und hörte man bei den einschlägigen Textzeilen das Publikum um sich herum mal ruhig, mal frenetisch mitsingen. Mit den Worten, dass das Berliner Publikum immer etwas anders sei, quittierte er die Aussage mit dem Zusatz, dass es den Sänger mit einer ruhigen und offenen Haltung aufgenommen habe und er sich pudelwohl fühlte. Nach Cello kam der Sänger allerdings nicht drumherum, vom Hamburger Panikrocker Udo Lindenberg zu reden und teilte Anekdoten wie, dass Lindenberg rauchend in der Lobby eines Hotels darauf hingewiesen wurde, dass das Rauchen hier nicht gestattet sei und es noch nicht einmal einen Aschenbecher gäbe, mit den Worten Ja… früher stand hier mal einer. Diese Erinnerungen zauberten Clueso, während er sie erzählte, eine kindliche Begeisterung ins Gesicht und man mochte fast eine Art Heimeligkeit durch das Geschichten erzählen zu vernehmen.

Mit Chicago folgte schließlich einer seiner stärksten Songs und erzeugte dabei mit der Tragik, die der Text ausdrückt eine Gänsehautstimmung unter dem Publikum, die eine Mischung aus Empathie und Willenskraft ausstrahlte. Im Anschlus folgte mit Es Brennt Wie Feuer eine deutsche Interpretation des Bruce Springsteen Songs I’m On Fire. Dabei outete sich Clueso als großer Springsteen Fan und sorgte zur Mitte des Songs für einen – fast schon ekstatischen – Moment als er in den Refrain des Kings Of Leon Hits Sex On Fire überging und auf der Bühne kurzzeitig durch flirrende Gitarren das Gefühl, ein Rockkonzert zu besuchen, aufflammte.

Clueso mit Baguette aber ohne Annett Louisan

Fanpost war schließlich der älteste Song seiner Diskografie an diesem Abend – wurde dieser doch auf dem 2005er Album Gute Musik veröffentlicht. Mit Freidrehen und Gewinner drehte Clueso schließlich noch einmal voll auf und animierte das Publikum mitzusingen, bevor mit Paris eine kleine Chansonnummer folgte. Hierbei erinnerte Paris an Songs aus Annett Louisans Repertoire und würde sicherlich auch eine wunderbare Kollaboration mit ihr ergeben. Mit einer kurzen Verabschiedung kam die Band und Clueso nach knapp einer Minute wieder auf die Bühne um mit dem Mash-Up Achterbahn und Zusammen – eine Zusammenarbeit mit den Fantastischen Vier – nochmal richtig durchzustarten. Im Anschluss mit einer Jam-Session über Berlin, Zugehörigkeit, Toleranz und Umwelt rappend, zeigte Clueso, dass er immer noch die Skills des Freestyles beherrscht und beendete schließlich das Konzert mit dem melancholisch, schönen Barfuß.

Nach 18 Songs, 2 Stunden und 10 Minuten voller Power, einem unglaublichen Unterhaltungswert und Musik aus den Genres Hip-Hop, Rock, Pop und Chanson, verabschiedete sich Clueso schließlich endgültig von der Bühne und bedankte sich für die Herzlichkeit und das mal totenstille Lauschen, mal begeisterte Abgehen.
Hatte Clueso in den letzten vier Jahren insgesamt sechs Konzerte in der Hauptstadt gegeben, überraschte und begeisterte die Stimmung der Fans, die keine Ermüdungserscheinungen – den Musiker zu sehen – zeigten. Ebenso legte Clueso eine Energie an den Tag, die in Anbetracht der Anzahl an Berliner Konzerten zusätzlich begeisterte. Clueso ist ein Profi durch und durch. Er weiss, worauf es ankommt und wie er ein Publikum mitziehen kann. Dies schafft er allerdings so sympathisch und unterschwellig, dass man das Gefühl bekommt, einen Freund auf der Bühne zu haben.

Alt-J feat. Kontra K – Eine ungleiche Überraschung

Sie sind die britischen Kritikerlieblinge – modern, elektronisch, experimentell und trotzdem immer melodisch. Er ist aktuell einer der erfolgreichsten Rapper Deutschlands und hat seine drei letzten Alben jeweils auf Platz 1 der deutschen Albumcharts platzieren können. Nun ist für das Remixalbum Reduxer, der britischen Band Alt-J, eine Zusammenarbeit entstanden, die so auch nur selten zu finden ist. Hierbei hat Kontra K den Alt-J Song In Cold Blood überarbeitet und neuinterpretiert. Dabei fügte Kontra K sogar deutsche Songtexte hinzu und sorgt so, auf dem kommenden Alben Alt-J’s für eine wahre Überraschung und das, obwohl In Cold Blood die bekanntesten Singles des dritten Studioalbums Relaxer ist. Dabei haben sich die Band und der Rapper wohl letztes Jahr auf dem Hurricane Festival kennengelernt und fanden es so spannend, dass sie etwas zusammen umsetzen mussten. So ist auch die Neuinterpretation der Relaxer-Songs entstanden und konnte Alt-J damit sogar ein komplettes Album füllen. Die Zusammenarbeit mit Kontra K stellt sich hierbei als befruchtend, frische Art und Weise dar, einen vormalig indielastigen Song, mit Rap zu versehen und damit ein neues Musikgenre, das man dann wohl Indierap nenne würde, zu kreieren. Hervorragend frisch und deutlich verändert ist diese Version von In Cold Blood eine Neuauflage, die sich sehen lassen kann.

AVEC – Österreich mit Tiefgang

2015 gilt als Schlüsseljahr für die 23 jährige Sängerin AVEC, die mit dem Song Granny so viel Emotionen ausdrückte, dass sie bei Spotify millionenfach gestreamt wurde. Ihr Debütalbum What If We Never Forget schaffte durch den Erfolg der Single dann sogar den Einstieg in die österreichischen Albumcharts. Nun ist sie mit ihrem neuen Album Heaven/Hell zurück – welches am 14. September veröffentlicht wird – und gibt uns bereits jetzt einen Einblick in ihre Gefühlswelt. Mit Songs, wie Still der treibend und rastlos wirkt, dabei aber auch durch die Gitarre und viel Hall, Ruhe ausstrahlt, oder der Klavierballade Alone, hört sich AVEC deutlich reifer an, als noch vor zwei Jahren. Ganz viel Gefühl findet sich auch in der Singleauskopplung Love wieder. Hier singt sie über den Moment, zu schüchtern zu sein um Liebe zu benennen und vor allem, um den ersten Schritt zu wagen. Dabei klingt AVEC rein, authentisch und spielt sich mit einem prägnanten Klavier- und Gitarrenmix direkt in unser Herz.

Kovacs – Mit mehr Groove durch das zweite Album

Mit ihrem Debütalbum Shades Of Black gelang es der niederländischen Sängerin Kovacs 2014 direkt auf Platz 1 der niederländischen und Platz 8 der deutschen Albumcharts einzusteigen. Ihre Mischung aus rauchig, kratziger Stimme, dem Auftreten einer zierlichen Frau und dem James Bond’schen Klang der Singles My Love und 50 Shades Of Black brachte ihr vor vier Jahren von Berlin bis Amsterdam viel Aufmerksamkeit ein. Ihr zweites Album jedoch ließ länger auf sich warten als geplant. Hatte sie das Debütalbum mit dem Produzenten Oscar Holleman realisiert – der sich für Produktionen für Within Temptation, Ayreon und Krezip verantwortlich zeichnet – zog der sich mitten im Prozess des zweiten Albums plötzlich zurück und nahm die Band, die Kovacs seit dem Debüt begleitete mit. Mit diesem Gefühl, wieder komplett alleine dazustehen und von vorne beginnen zu müssen, wandte sich Kovacs an den britischen Produzenten Liam Howe, der nicht nur bereits mit Adele, Lana Del Rey und FKA Twigs zusammengearbeitete hat, sondern Kovacs auch die Freiheit gab, sich wieder selbst zu finden, um den Sound zu realisieren, den sie nun auf ihrer neuen Single Black Spider präsentiert. Dabei ist das Gefühl, einen James Bond-Soundtrack zu hören verschwunden – hin zu einem deutlich poppigeren und groovigeren Sound, der sich unweigerlich im Körper festsetzt. Schneller und mit vielen peripheren Instrumenten, wie Saxophon, Trompeten und Geigen klingt Black Spider ungewöhnlich offen und befreiend. Kovacs scheint sich in ihrem neuen Sound wohlzufühlen und begeistert mit sehr viel Frische.

Paul Kalkbrenner – This city is yours

Nicht viele Techno-Produzenten können Charterfolge ihr Eigen nennen. Anders sieht es beim Berliner DJ und Produzenten Paul Kalkbrenner aus. Denn sowohl sein 2011er Album Ecke Wieder, als auch Guten Tag (2012) und 7 (2015) haben es nicht nur in die Charts geschafft, sondern landeten – in Reihenfolge – sogar auf Platz 2, 5 und 1 der Albumcharts. Dass der Erfolg daher nicht mehr nur von den Lorbeeren des Berlin Calling Soundtracks stammen kann, sollte nun auch bis in die letzte Ecke des Clubs vorgedrungen sein. Vielmehr ist Kalkbrenner eine stetige Party- und Aufbruchstimmung zu entlocken, die er mit so viel Energie, Enthusiasmus und Freude zelebriert, dass selbst in den entlegensten Winkeln der Clublandschaft ein Grinsen im Gesicht entsteht – wird gerade ein Kalkbrenner Song gespielt. Mit viel Euphorie wagt sich der Berliner nun an sein neues Album Parts Of Life, welches Kalkbrenner als sein bisher persönlichstes Album beschreibt, und hat mit Part Eight einen Song veröffentlicht, der Rave neues Leben einhaucht. Mit schnellen und frickeligen Beats lässt Kalkbrenner dabei die Berlin Calling Zeit nicht aus und erschafft eine Soundästhetik, die wie geschaffen für das Gefühl der Loveparade ist. Dieses Moment, einen Tag in Berlin mit Millionen Anderen zu feiern, ungebremst Spaß zu haben und sich einfach einem Gefühl von Freiheit hinzugeben, deckt Part Eight vollends ab und erzeugt einfach nur gute Laune. Mit Part Eight veröffentlicht Paul Kalkbrenner bereits seine zweite Singleauskopplung aus dem bevorstehenden Album und wird dem Erfolg von damit in nichts nachstehen.