Leon Wiesmann - poly

Leon Wiesmann – Ich war fucking glücklich, du doch auch

Für die meisten Menschen klingt das Thema befremdlich, das der Newcomer Leon Wiesmann für seine neue Single gewählt hat – Polyamorie. Dabei geht es, anders als bei der Polygamie, nicht um eine Ehe mit mehreren Menschen, sondern schlicht um ein – im modernen Kontext als offene Beziehung bezeichnetes – Beziehungsmodell.

Wird dieses Beziehungsmodell vor allem Großstädtern zugeschrieben, findet es auch zunehmend in der Generation Z Zuspruch. Dabei werden oftmals die offensichtlichen Aspekte gesellschaftlich thematisiert und zumeist als nicht gesellschaftskonform abgestempelt.

Leon Wiesmann ist 21 Jahre alt, kommt aus Oberneunforn in der Schweiz, nicht weit von der deutschen Grenze und der Schweizer Stadt Schaffhausen entfernt, und schreibt seit seinem 15. Lebensjahr eigene Texte. Dabei zeichnet sich sein Stil vor allem durch eine Authentizität aus, die entwaffnend ist.

Und hier setzt der neue Song poly an. Während sich die Gesellschaft in Stempeln und Vorurteilen verliert, ist das Problem für Wiesmann nicht nur greifbar, sondern basiert auch auf eigenen Erfahrungen. Dabei spricht Wiesmann nicht etwa von einer heroischen Präsentation von Bettgeschichten, sondern zeigt auf, wie schmerzvoll es ist, der Partner auf der anderen Seite zu sein – in seinem Fall der Partner, der nach Monogamie strebt.

Die Frage Bin ich nicht genug, reiche ich nicht aus? ist keine neue. Wohl die meisten Partnerschaften, die sich irgendwann öffnen, stellen sich zumindest auf einer Seite diese Frage. Was danach passiert, kann entweder die Fortführung der Beziehung in diesem neuen Beziehungsmodell bedeuten oder deren Ende.

Leon Wiesmann Pic: Rouven Niedermaier
Leon Wiesmann Pic: Rouven Niedermaier

Wiesmann fragt sich, wie es dazu kommen konnte. Wie er so glücklich sein konnte und annahm, dass es seiner Partnerin ebenso ging. Hier hören wir einen Menschen, der tief und ehrlich über das Gefühl des menschlichen Brechens singt und seine Verletzlichkeit als Gefühlsträger vermittelt.

Begleitet von Gitarren und Klavier ist poly ein sanfter und schmerzhafter Song über die Tatsache, dass das eigene Gefühl, Sicherheit in einem Partner zu finden, nur so lange reicht, bis dieser einem offenbart, es nicht ebenso zu empfinden. Gleichzeitig deutet Wiesmann an, dass seine Partnerin diese Beziehung sogar weitergeführt hätte – allerdings zu ihren Bedingungen.

Dies führt, wie mit den Songzeilen War ich so verkehrt oder war ich’s dir nicht wert?, schlussendlich sogar zur Frage des eigenen Selbstwertes.

Wiesmann, der 2023 mit dem Song Schmetterlinge im Bauch erstmals über Schaffhausen hinaus einem breiteren Publikum bekannt wurde, hat mit Triggerwarnung und dem letztjährigen Spätsommer bereits drei Singles veröffentlicht, von denen Spätsommer der Intensität von poly wohl am nächsten kommt – auch wenn sich beide in der Instrumentierung deutlich unterscheiden.

Hatte Wiesmann bereits im Sommer 2025 seine Debüt-EP für den Herbst angekündigt, blieb eine Veröffentlichung bislang aus. Mit Radicalis Music im Hintergrund dürfte dies nach den neuesten Veröffentlichungen aber nur noch eine Frage der Zeit sein, bis wir eine erste EP des Schweizers vollständig hören können.

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