Girl In Red – Indie-Schlafzimmer-Sound

So direkt und offen, wie die norwegische Sängerin Marie Ulven alias Girl In Red ist, ist wohl selten eine Künstlerin gewesen. Denn trifft man auf die junge Musikerin, wird man regelrecht weggefegt – hat sie doch eine Ausstrahlung, die so stark ist, dass man sich fasziniert irgendwo festhalten möchte, um nicht weggeblasen zu werden. Sie schreibt und produziert fast ausschließlich in ihrem Schlafzimmer und hatte – bei nur 10 Live-Auftritten überhaupt – einen Gig in Frankreich als Support der amerikanischen Sängerin Clairo. Dabei so fasziniert von der Sängerin spricht Ulven in Interviews wie ein Fan von dem Erlebnis, welches sie vollkommen überwältigte – sei sie doch selbst ein riesiger Fan Clairos. Dabei ist die bisher veröffentlichte Musik der 19 Jahre jungen Sängerin so intim, euphorisch und mitreissen und besingt Themen, die Ulven selbst beschäftigen. Sie selbst hat in den letzten Jahren zu sich gefunden und besingt diesen Werdegang in einzelnen Kapiteln auf ihren Liedern. Mit der EP Chapter 1 hatte Ulven bereits zu Beginn des Jahres 2018 ihre erste Veröffentlichung notieren können. Nun arbeitet sie an einer zweiten EP und veröffentlicht mit We Fell In Love In October eine herzzerreißende Indie-Dreampopnummer, auf der sie über die Erlebnisse ihrer ersten Liebe zum selben Geschlecht singt. Einnehmend mit den Textzeilen My girl, my girl, my girl. You will be my girl. ist We Fell In Love In October ein absoluter Ohrwurm, der sich nicht hinter großen Stars verstecken muss. Dass Girl in Red zum Erfolg werden könnte, liegt nicht nur an den fantastischen Songs, sondern auch an der Eigensinnigkeit der Sängerin und, wie sie all dies präsentiert.

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Smith & Thell – Schwedischer Folk dreht ganz groß auf

Sie sind eines der aufstrebendsten schwedischen Acts des Jahres. Nachdem Smith & Thell 2017 mit Soulprints ihr Debütalbum veröffentlichten, erreicht nun mit Forgive Me Friend auch die Single aus ihrer, im November veröffentlichten EP Telephone Wires den Rest Europas. Dabei besingen Maria Jane Smith und Victor Thell die Veränderung einer Freundschaft durch das Erwachsenwerden und der Naivität, dass man denkt, es würde sich nie etwas ändern. Bereits im Sommer 2018 veröffentlicht, kletterte der Song in den vergangenen Monaten europaweit immer höher. Sind sie mit Forgive Me Friend in ihrer Heimat bis auf Platz 7 gekommen, nehmen nun auch Radiostationen in ganz Europa ihre Single in ihre Playlists auf. Dabei sind die in Helsingborg lebenden Musiker musikalisch weit von dem entfernt, was die meisten schwedischen Musiker als Sound veröffentlichen. Denn mit ihrem Mix aus hymnischen Folk, Pop und dem gesanglichen Duett lassen Smith & Thell keinen anderen Weg zu, als in naher Zukunft mit Forgive Me Friend die europäischen Charts zu erobern. Hier lässt Mumford & Sons Little Lion Man grüßen und klingt doch eigenständig und frisch.

SG Lewis – Tanzen für die Trilogie

SG Lewis ist ein immer wieder gern gesehener Gast bei SOML. Gab es im Sommer 2016 in Zusammenarbeit mit Gallant Holding Back zu hören, folgte im Herbst 2017 mit Toulouse die Single Times We Had. Nun hat sich der Liverpooler Produzent für seine neueste Single Again den, mittlerweile in den USA lebenden, Briten Totally Enormous Extinct Dinosaurs ins Boot geholt und eine dunkle House-Nummer produziert, die von tiefen Bässen und aufblitzenden Synthies geprägt ist. Damit verfolgt Lewis sein Projekt Dusk/Dark/Dawn mit dem er drei EP’s veröffentlicht, die alle thematisch zusammengehören. War die erste EP Dusk Anfang des Jahres noch von Disco, Funk und Popsounds geprägt, ist nun mit Dark ein düsterer und schwererer Sound an der Reihe. Again bleibt jedoch trotz der Schwere tanzbar und taucht durch Totally Enormous Extinct Dinosaurs‘ weiche Stimme immer ein wenig in die Popwelt ein. Durch diese Zusammenspiele mit anderen Künstlern bleiben SG Lewis‘ Songs immer radiotauglich und versperren sich nicht des Mainstreams.

Mighty Oaks – Die alte Wertschätzung

Jahre sind vergangen, seitdem das Berliner Trio Mighty Oaks noch als Newcomer galten. Heute sind sie gestandene Größen und schafften es mit ihren beiden Alben Howl (2014) und Dreamer (2017) in die Top-10 und Top-20 der deutschen Albumcharts. Dabei gab es direkt zu Beginn ihrer Karriere Songs, die nur einem kleinen Publikum zuteil wurden, da die physischen Tonträger damals nur limitiert vorhanden waren. Nun, acht Jahre nach der ersten Veröffentlichung, bringen Ian Hooper, Claudio Donzelli und Craig Saunders mit Driftwood Seat EP abermals die Songs Rainier, So Low, So High, Driftwood Seat und Like An Eagle raus. Damit schenken Sie ihren Fans eine EP mit den 4 Songs, mit denen das Abenteuer Mighty Oaks vor knapp 9 Jahren begonnen hatte. Als erste Auskopplung können wir nun Like An Eagle hören und uns vom warmen, Folk-Sound des Trios treiben lassen. Die allgegenwärtige Melancholie der Songs ist gleichzeitig so inspirierend, wie beruhigend. Mighty Oaks zeigen mit der Wiederveröffentlichung ihrer ersten Songs, dass sie keine Trittbrettfahrer des Hypes um Folkmusik waren, sondern vielmehr Begründer dieses.

Sunflower Bean – Rotzig, Laut, Indie!

Es gibt sie noch, die rotzigen Bands, die irgendwo in New York an ihrer Musik feilen und plötzlich durch die Decke gehen. So war es auch vor fünf Jahren mit dem, in Brooklyn residierenden, Trio Sunflower Bean. In diesem hippen Stadtteil New Yorks arbeitet die Band an neuen Songs, spielt ununterbrochen Gigs und hat so mittlerweile zwei Alben und zwei EP’s veröffentlicht. Mit ihrer Mischung aus Psychedelic Rock, Indie, Alternative und Punk-Rock lassen sich Sunflower Bean nur grob in eine Genre-Schublade schieben und zeigen, durch die Einflüsse von Bands, wie Tame Impala, The Cure, T. Rex, Sex Pistols, The Ramones, Fleetwood Mac oder Nirvana, wo dies seine Grundlage findet. Mit ihrer – für den 26. Januar 2019 – angekündigten EP King Of The Dudes kommt abermals, nur elf Monate nach ihrem zweiten Album Twentytwo In Blue, neue Musik auf den Markt. Dabei ist die Singleauskopplung Come For Me ein Stinkefinger, gegen die höfliche Normgesellschaft. Hier emanzipiert sich Frontsängerin Julia Cumming mit den Textzeilen Do you really wanna come for me? You know I got all night. Do you really wanna waste my time? If you do, then do it right und begründet dies mit den Worten, dass es Zeit ist, die Faust in die Luft zu strecken, sich auszudrücken und natürlich auch sexuell zu emanzipieren. Dabei ist Come For Me eine explosive Indie-Punk-Hymne, die mit viel rotzfrechem Pathos bestückt ist und sich keinen Zentimeter darunter verkaufen will. Dies haben Sunflower Bean auch gar nicht nötig und begeistern abermals mit ihrem rebellischen Punkrock.

Sarah P. – Das geheimnisvolle Hauchen

Sarah P. ist umtriebig. Absolvierte die griechische Sängerin bis 2010 in Athen ein Schauspielstudium, traf sie im selben Jahr den Produzenten RΠЯ, der mit ihr und zwei weiteren Mitgliedern die Band Keep Shelly In Athens gründete. Vier Jahre tourten sie um die Welt und spielten unter anderem auf dem Coachella und The Great Escape Festival. Dabei veröffentlichte die Band 2011 mit Late Night Later Night CS eine sogenannte Split EP, auf der sich drei Songs der Athener wiederfanden und drei Songs eines, bis dato, noch recht unbekannten Produzentenduos – Disclosure. Wo die britischen Brüder heute stehen, wissen wir alle. Schließlich 2014 von der Band losgesagt, zog es Sarah P. nach Berlin. Von hier aus arbeitete sie konsequent an neuer Musik und  veröffentlichte mit der Free EP 2015 erstmals als Solokünstlerin Musik. Ihr Debütalbum Who I Am folgte 2017. Nun steht mit Maenads eine weitere EP an, die am kommenden Freitag erscheint. Darauf enthalten ist die Dream-Pop Single Mneme, die verträumt, geheimnisvoll und sogar etwas verrucht klingt. Sarah P. selbst beschreibt den Song als ein Schlaflied, inspiriert von unbeschwerten Zeiten und einem gebrochenen Herzen, das an die Vergangenheit erinnert und die Dinge in die richtige Perspektive bringt. Genau dieses Gefühl transportiert Mneme angenehm und entspannt und klingt dabei stark in einer sanften Umgebung.

Los Unidades feat. Pharrell Williams – Wenn Coldplay ruft

Viel Wind wurde in den letzten Tagen um den Instragram-Post des Plattenlabels Parlophone gemacht. Kündigten Sie doch mit dem Signing von Los Unidades an, eine neue und vielversprechende Band unter Vertrag genommen zu haben und würden in Kürze großes Berichten können. Das dazugehörige Foto, zeigte schemenhaft vier Bandmitglieder in einem farbenfrohen Mittelpunkt. Gleichzeitig werden Los Unidades als Teil des Compilation-Albums Global Citizen EP neben Künstlern, wie David Guetta und Stormzy vertreten sein. Und spätestens hier wird klar, wer sich hinter Los Unidades verbirgt – keine geringere Band als Coldplay um Frontsänger Chris Martin. Dieser unterstützt seit einigen Jahren die Global Citizen Organisation, die das Ziel hat, die weltweite Armut zu bekämpfen. Dabei gibt es neben der Organisation auch seit 2012 das Global Citizen Festival, welches Chris Martin als Kurator unterstützt. Auf der nun veröffentlichten Single E-Lo hören wir klar die Einflüsse Coldplays – allerdings auch einen größeren Einfluss von Weltmusik. Neben der Produzentin Jozzy, die bereits mit Timbaland, Beyoncé, Chris Brown und Pitbull zusammenarbeitete ist auch Pharrell Williams an dem Song beteiligt. Mit dieser geballten Kraft von Kreativität und Bekanntheit, erreichen Los Unidades mit E-Lo sicherlich eine große Hörerschaft und werden viel Aufmerksamkeit für die Global Citizen Organisation erhalten. E-Lo ist dabei eine wunderbar leichtfüßige Popnummer, die ein wenig exotische Klänge vermittelt, doch sich dennoch im Pop wiederfindet.

Fickle Friends – Leben den Moment

Es ist erst ein halbes Jahr her, das die südenglische Band Fickle Friends ihr Debütalbum You Are Someone Else veröffentlichte. SOML begleitet die Fickle Friends bereits seit nunmehr über vier Jahren und hat mit einem Interview im Frühjahr 2015 deren Entstehungsphase festgehalten. Nun haben die Brightoner mit Palmeira Music ihr eigenes Plattenlabel gestartet, auf dem sie ihre neue EP Broken Sleep am 9. November veröffentlichen werden. Darauf enthalten ist die nun veröffentlichte Single The Moment. Diese hält genau das Gefühl fest, welches die Band bei ihrer aufregenden US-Tour erlebt hatte. Mit Konzerten in 9 US-Städten und einem Tag frei in Las Vegas, haben die fünf Briten ein Musikvideo aufgenommen, welches exakt das widerspiegelt, was die Band seit Monaten erlebt – den Moment genießen, und darüber hinaus auch noch darüber schreiben. Damit ist The Moment wieder in typischer Fickle Friends Manier geschrieben und klingt nach klebrig, süßen 80er-Jahre Pop. Fickle Friends zeigen so, einmal mehr, dass sie wissen, wie ein perfekter Pop-Song klingen muss und verbinden dabei ganz nebenbei noch ihre Erlebnisse der letzten Monate.

Kytes – Indiehit erster Klasse

Wenn schon die Briten aktuell keinen Indie mehr hervorbringen, tut sich in den letzten Jahren so einiges in Deutschland. Mit Razz, den Giant Rooks und Kytes auf der Überholspur, werden auch ihre Songs immer öfter von den Radiostationen gespielt. Dabei kommt letztere Band aus München und stellt nun mit Remedy die neueste Single der im Januar erscheinenden EP Frisbee vor. Hierauf klingen Kytes so unfassbar locker und haben mit dem zugehörigen Musikvideo eine amüsante Indoor-Sommeratmosphäre geschaffen. Mit digitalem Pool, Bildeinstellungen irgendwo zwischen – von amerikanischen Hip-Hop Videos inspirierten – Nahaufnahmen Eis essender Badenixen und weiteren weirden Aktionen begeistern Kytes nicht nur durch das Video, sondern natürlich auch mit einem satten Indieohrwurm. Mit groovigen Gitarrenriffs und einer eingängigen Beatfolge ist Remedy ein absoluter Hit und lässt Michael Spieler, Timothy Lush, Kerim Öke und Thomas Sedlacek – alias Kytes – ins Rampenlicht der deutschen Indieszene treten. Die nächste Indiedisco-Nacht kann also kommen!

Hozier – Mit voller Kraft voraus!

Für den irischen Sänger Hozier hatte sich vor fünf Jahren schlagartig alles verändert. Sein damaliger Durchbruch mit dem düsteren Song Take Me To Church hatte gleichermaßen begeistert wie ergriffen. Seitdem ist viel Zeit vergangen. Ein halbes Jahrzehnt bereits und auch wenn Hozier nie wirklich weg war, war er doch eine Zeit lang zumindest nicht mehr im Rampenlicht. Dies hat sich nun geändert, denn der – südlich von Dublin geborene – Sänger hat letzte Woche mit Nina Cried Power nicht nur eine Single, sondern gleich eine ganze EP veröffentlicht. Dabei wurde die gleichnamige Leadsingle von keiner geringeren, als Marvis Staples unterstützt – und damit einer der größten Soullegenden der USA. Dabei klingt Nina Cried Power nach einem Post-Sturm Song. Abermals treibt Hozier seine Stimme zu neuer Höchstform und lässt damit seine ganz eigene Art von Protest-Song entstehen. Denn dieses Gefühl wollte der Sänger auf Nina Cried Power übertragen und hat dabei nichts geringeres, als all seine Energie gebündelt und eine Macht von einen Song veröffentlicht.