Editors – The Blanck Mass Sessions

Auf zu neuen Ufern könnte der neueste Release der britischen Alternativerock-Band Editors lauten. Mit der Vorabsingle Barricades, aus der EP The Blanck Mass Sessions veröffentlichen die Editors einen elektronischen Sound, der sich deutlich vom dunklen Alternative der Band abhebt. Dabei nutzen die fünf Birminghamer die vorab produzierten Songs des Albums Violence, die der britische Produzent Blanck Mass einst für ihr Album produziert hatte. Somit ist The Blanck Mass Sessions eine alternative Version ihres sechsten Albums und zeigt mit Barricades die imposante Transformation, hin zu einem futuresken Alternative/Elektro-Sound aus der Sicht von Blanck Mass. Wird das Album als Pink-Vinyl vorerst ausschließlich am 13. April zum Record Store Day 2019 erscheinen, ist eine offizielle Veröffentlichung auf CD und als Download für den 3. Mai 2019 vorgesehen. Wir dürfen hier also gespannt sein, wie die Interpretationen des britischen Produzenten Blanck Mass auf den Sound der Alternativerocker trifft. Barricades deutet allerdings schon jetzt Großartiges an.

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Better Strangers – Gitarrensound groß gedacht

Zwei Songs findet man im Netz. Zwei Songs mit einem so großen Ausrufezeichen, dass man sich die Ohren reiben möchte und verwundert auf eine Bandhistorie von drei Jahren guckt. Es ist die Berliner Band Better Strangers, die mit den beiden Songs No One und Rest Your Bones einen so sauberen Alternative macht, der sich nach Vertrautem anhört und doch frisch klingt. Hier kommen klangliche Parallelen zu Song, wie Rain oder Don’t You Turn Your Back On Me, von den Göttingern von Guano Apes auf, wird aber auch an die Klangwelt von Muse erinnert. Einprägsame Gitarren und ein starker Gesang lassen die Wirkung der Debütsingle Rest Your Bones schließlich größer wirken, als es ein einzelner Song sein kann. Dabei blitzen immer wieder epische Momente auf, die allerdings nie pathetisch klingen. So windet sich eine Gitarren- und Schlagzeugwolke lethargisch um uns herum und lässt Rest Your Bones zu einem durchdringenden Ohrwurm werden. Am 5. April erscheint Rest Your Bones dann auch als Teil der Debüt-EP Taxi for Susie und dürfte uns weitere Einblicke in die Welt der Better Strangers geben.

Native – Wenn die ersten Sekunden zählen

Man hört die ersten Sekunden eines Songs und FLASHBACK, jagen einem Erinnerungen durch den Kopf. Mit der Single The Night Is Still Young des jungen Musikers Native, bekommt man den in der Form, dass die ersten zehn Sekunden so stark an Coldplays Anfang von The Scientist erinnern, dass man die Stimme von Native genauso einfühlsam empfindet, wie es Coldplay-Frontsänger Chris Martins Stimme ist. Eine Interpretation des neuen Songs lässt sich hierbei als einzige Information über den Sänger verwenden – findet man doch weder seinen richtigen Namen, noch, aus welchem Land er kommt und ist die Googlebarkeit bei einem Künstlernamen wie Native doch schon äußerst schwierig. Dafür ist die Single The Night Is Still Young eine umso stärkere Nummer, die von omnipräsenten Beats und clever eingesetzten Soundteilen, sowie Natives weiche Stimme geziert wird. Hierbei tritt Native so gefühlvoll, wie erzählerisch auf und lässt uns an der Situation teilhaben, als Feigling, Hals über Kopf in eine Person verliebt zu sein, es aber nicht anzusprechen. The Night Is Still Young ist eine wunderschöne Popballade, die Heimeligkeit ausdrückt und  wunderbar entspannt rüberkommt.

Moyka – Mystisch tanzbar

Mit ihren 21 Jahren hat die norwegische Sängerin Monika Engeseth – alias Moyka – so einiges auf dem Kerbholz. Begann sie als 18-Jährige ein Studium für Musikproduktion in Bergen, steht sie nun kurz davor, ihre Debüt-EP zu veröffentlichen. Aktuell müssen wir uns allerdings erst einmal mit ihrer Debüt-Single begnügen – welches im Falle von Colder allerdings ein Leichtes ist. Mit dunklen Synthies, Moykas klarer Stimme – die viele Gemeinsamkeiten mit den Stimmen der ebenfalls aus Norwegen kommende Sängerinnen Ari und Aurora aufweist – und einem unglaublich tanzbaren Beat ist Colder eine hervorragende erste Single und präsentiert die junge Sängerin mit einem starken Sound, der zum Tanzen anregt. Auf Colder hört man daher umso deutlicher, dass Moyka von Künstlern und Bands wie Robyn, Röyksopp und Highasakite beeinflusst wurde und sie, trotz der Tanzbarkeit des Songs, dennoch immer auch eine verträumte Natürlichkeit an den Tag legt. Vorerst stehen nur wenige Auftritte in Norwegen in Moykas Terminkalender – mit Colder wird sich dies wohl in den kommenden Wochen ändern und so haben auch wir hoffentlich bald das Vergnügen, die junge Norwegerin einmal live zu sehen.

Kettcar – Aufbruch der Verlierer

Er ist kess, er ist schnell und er ist zynisch – der neue Song Palo Alto von den Hamburger Indierockern von Kettcar. Sind sie für ihre politischen Texte bekannt, verfolgen sie auf Palo Alto einer Gruppe von Menschen, die durch die Digitalisierung ihre Jobs verloren haben und damit ihrer Identität hinterherlaufen. Mit einem Plan – nach Palo Alto zu fahren – um die digitalen Riesen niederzubrennen – begeben sie sich auf ein verrücktes Abenteuer. Dabei sind es wieder einmal Marcus Wiebuschs erzählerischer Gesang, und seine vertrauenerweckende Stimme, die den treibenden und hymnischen Song tragen. Mit schnellen Gitarrenriffs, einem verdammt schnellen Refrain und einem ebenso wortreichen Text, wie Und wenn die vom Jobcenter fragen, kannst du ihnen sagen, wir sind unterwegs, mit allem was wir haben. Die Algorithmen zu zerschlagen und, dass die Benzinkanister und Streichhölzer zu uns gehören. Burn Palo Alto Burn spiegeln Kettcar genau die Mitte der Gesellschaft zwischen Abhängenden und Abgehängten wider. Dass vor allem die letzte Aussage des Refrains für das Verhalten einer verrückten Truppe aus Menschen besteht, möchte Wiebusch – wie in einem Deutschlandfunk Kultur Interview auch explizit hingewiesen – nicht als Sympathisieren verstanden wissen. Mit Palo Alto kündigen Kettcar die EP Der süsse Duft der Widersprüchlichkeit (Wir vs. Ich) an, die am kommenden Freitag veröffentlicht wird.

JNR Williams – Wenn eine Seele singt…

…steht die Welt still. Es überkommt einen, wie ein Schauer der Betroffenheit, wenn das erste Mal die unglaublich warme, sanfte und soulige Stimme des jungen Londoner Soulsängers JNR Williams (gesprochen Junior Williams) ertönt. Sie greift dich förmlich und lässt dich nicht mehr los. Dabei hat der Musiker gerade einmal zwei Songs veröffentlicht. War sein Debütsong im Dezember 2018 noch eine Neuinterpretation des über 80 Jahre alten Klassikers What A Difference, hat Williams nun mit A Prayer einen so unglaublich schöne Song veröffentlicht, dass man mit Sicherheit sagen kann, JNR Williams wird die Soulstimme 2019 werden! Er selbst ist eher introvertiert, auffällig ruhig und hat in seinem Heranwachsen als farbiger Mann immer gepredigt bekommen, auf keinen Fall Emotionen zu zeigen. Mit dem Musikvideo zu A Prayer stellt Williams nun visuell dar, wie es aussieht, wenn Vater und Sohn diese Gefühlsblockade nach und nach aufbrechen, um sich nicht voneinander zu entfernen. Williams‘ Stimme ist dabei vergleichbar mit Sampha und Rationale und sieht er sich selbst inspiriert von Künstlern, wie dem US-Amerikanischen Singer/Songwriters Moses Sumney oder dem Briten James Blake. Diese Einflüsse arbeitet er nun mit A Prayer auf und bereitet damit die Veröffentlichung seiner Debüt-EP Where We Start vor. Diese erscheint diesen Freitag und so heißt es nun nur noch ein paar Tage abzuwarten, bis sich der große JNR Williams-Siegeszug in Bewegung setzen wird.

Felix Räuber – Die Wärme einer audiovisuellen Reise

Es ist, wie eine Lawine – einmal losgetreten, kommt sie nicht mehr zum Stehen. So ist es seit nunmehr gut einem Jahr auch beim Dresdener Musiker Felix Räuber. Hatte er im Frühjahr 2018 mit der Single Wall einen ersten Einblick in seine gleichnamige EP Wall gegeben, folgte mit einer Reihe Konzerten eine unfassbar starke Präsenz, musikalische Reife und Opulenz. Mit seinem nun veröffentlichten Song Birth – aus der kommenden EP ME – greift er eine Stimmung auf, die ganz ohne Stimme zu funktionieren scheint. Denn hierbei dringt Räuber in das Genre Klassik vor und untermalt Stimmungen mit Klavier, Cello, Violinen und einem raumfüllenden Sound, der ganz automatisch Erinnerungen und einen Gemütszustand auslöst, der sich warm, behaglich und friedlich anfühlt. Räuber vereint dabei durch seine Vergangenheit und seinem gegenwärtigem Schaffen eine moderne Klassik, die offen für Alles und Jeden ist, der sich ihr öffnen möchte. Dabei ist Birth Teil 1 einer audiovisuellen Reise – wie Räuber den Song selbst beschreibt – die sich alle um Räubers Werdegang als Künstler drehen. Und wenn man Birth ganz aufmerksam lauscht, kann man zum Ende doch noch die Stimme Räubers erahnen.

LPX – MS von MR machts solo

Hinter der kryptischen Abkürzung LPX und MS MR wird für den ein oder anderen Musikfan schnell die Lösung auf der Hand gelegen haben. Für alle Anderen ist LPX das Alter Ego der amerikanischen Musikerin Lizzy Plapinger, die seit 2011 Teil der – aktuell in einer Pause befindlichen – Band MS MR ist und mit dem Song Hurricane auch in Deutschland einen Hit notieren konnte. Darüber hinaus fungiert sie auch als Mitbegründerin des Plattenlabels Neon Gold Records, welches sie 2008 ins Leben gerufen hat. Nun kommt ein drittes Standbein hinzu, denn macht Plapinger seit 2018 auch vermehrt mit Soloveröffentlichungen unter eben der Abkürzung LPX von sich reden. Mit der nun veröffentlichten Single Give Up The Ghost zeigt sie uns eindrucksvoll, wie der Sound ihrer Band MS MR ohne den deutlichen Anteil an elektronischer Musik klingt und holt gleichzeitig alle Fans von großartigen Indiehymnen ab. Plapinger selbst beschreibt dabei Give Up The Ghost mit den Worten, dass es um die Aktion, Bestätigung und Reflexion des Loslassens und des Vorwärtskommens geht. Denn etwas Frisches beginnt aus einem verbrannten Ende. Dabei steht sie vor der Zielgeraden ihrer zweiten EP Junk of the Heart welche im März erscheinen wird. Hier klingt sie mit den ersten beiden veröffentlichten Songs Might Not Make it Home und Give Up the Ghost wieder deutlich größer und legt damit den kratzigen Rockgörensound der Debüt-EP Bolt in the Blue ab. Mit Give Up The Ghost vereint Lizzy Plapinger/LPX die Musik von MS MR und ihrer eigenen Debüt-LP und formt daraus spannende neue Musik die frisch und nach einem Statement klingt.

Yoste – Eine Palette an Songs aus der Tiefe

Es ist ein Sound, der aus seinem Inneren kommt – denn Yoste selbst beschreibt die Entstehung seiner Songs als ein Resultat, dass er vieles in sich selbst nicht vollends versteht und dieses Gefühl der Unsicherheit einerseits als beängstigend betrachtet, andererseits aber auch friedvoll empfindet. Dabei ist der 23-jährige Kurt Sines, der aus Brisbane – Australien – kommt in seiner Erscheinung ein durchaus selbstsicherer junger Mann, der allerdings um ein paar Jahre jünger aussieht, als er tatsächlich ist. Mit der neuesten Single Empty hat Yoste seiner, zur Veröffentlichung bevorstehende, EP Try To Be Okay eine weitere Note dieser Gefühlswelt hinzugefügt. Neben den Singles ArcChihiroBlue und eben Empty umfasst die EP mit Howl und Moon zwei weitere Songs, die der Songwriter und Producer selbst eingespielt hat. Allesamt bewegen sich im entspannten, elektronischen Bereich der Musik und sind gefüllt mit feinen Nuancen aus Klavier, leichten orientalischen Klängen und der weichen Stimme Sines. Dabei weist Yoste Gemeinsamkeiten mit dem US-Amerikaner Shallou auf. So haben beide ein ähnliches Soundkostüm aus sanften elektronischen Beats, vielen kleinen, verspielten Elementen und einem weichen Gesang gemein. Yoste befindet sich dabei genau in der gleichen Schwebesituation, wie es vor einem Jahr bei Shallou mit seiner EP Souls der Fall war. Denn persönliche Empfindungen und Emotionen spielen auch bei Yoste eine zentrale Rolle und lassen seine Musik regelrecht schweben. Alle Songs auf Try To Be Okay bestechen durch eine Universalität, die es den Songs ermöglicht, im tiefen Winter für eine melancholische Stimmung zu sorgen, oder dem nahenden Frühling selbstbewusst und mit den ersten warmen Vibes entgegenzugehen. Dabei klingen die Songs zeitlos und orientieren sich nicht an der Popmoderne heutiger Produktionen. Yoste schafft mit der, am 15. Februar erscheinenden, EP Try To Be Okay einen wahren Schatz zu veröffentlichen. Seine Musik ist dabei für all Diejenigen, die sich gerne einmal treiben lassen, all die Hektik der heutigen Welt ausschließen möchten und in sich selbst reinhören wollen – immer auf der Suche nach einem ausgleichenden Moment.

Flecks – Ein irischer Traum von Musik

Die Karriere des irischen Duos Flecks liesst sich ganz entspannt. 2012 zusammengefunden, schreiben Freya Monks und Scott Halliday seitdem zusammen Musik und basteln an einem Sound, der inspiriert von den 80er Jahren, großen Blockbustern und dunklen Pophymnen ist. Dabei hören sich Flecks so authentisch an, dass man fast keinen Zweifel daran lässt, diese Band müsse es seit den 80er Jahren geben. Vier Jahre später – wir schreiben den Sommer 2016 – veröffentlichte das Dubliner Duo mit Girl ihre erste EP. Hierbei konnten sie mit dem Song Objects Of Desire gleich einen kleinen Coup landen und wurden in der irischen Dramaserie Striking Out gespielt. Könnte es für die Band nicht besser laufen, folgte unerwartet ein Bruch, der ein zweijähriges Pausieren der Band zur Folge hatte. Nun ist Flecks seit wenigen Monaten wieder zurück und hat gleich mit der ersten Single Samurai einen wahren Schatz veröffentlicht. Denn Samurai verbindet all das, wofür Flecks stehen. Große Synthies mit dunklen Beats, Freyas schwelgerischer Gesang und eine Weite, welche die Nacht zum großen Spielplatz für Schlaflose macht – das alles verbindet Samurai in knapp vier Minuten. Samurai ist nur einer von vier Songs, die Flecks in den kommenden Monaten veröffentlichen werden und mit dem zweiten Song Doubles bereits fortgeführt haben. Spannend, großartig und viel zu gut, um ihn unkommentiert zu lassen, bekommt ihr hier die Chance Samurai für Euch zu entdecken.