Berlin Festival 2014

Berlin Festival 2015

Viele Unkenrufe musste das Berlin Festival 2014 auf dem neuen Gelände einstecken. Waren es Gründe wie, es sei zu voll oder zu klein, zu kurzfristig umgezogen oder habe ein zu stark geändertes Konzept, das den Fans die Laune verdarb. Im Jahr 2015 sollte dann alles besser werden. Hatten die Veranstalter das Festival auf das letzte Maiwochenende vorgezogen, gab es deutlich mehr Künstler der Elektroszene als jemals zuvor. Auch die Aufteilung des Areals wurde verändert und so wohl die Kritik aus dem letzten Jahr berücksichtigt. So hatte das White Trash dieses Jahr einen separaten Zugang zur Bühne geschaffen um so die Massen vom Restaurant fernzuhalten. Ebenso wurden „Einbahnstraßen eingeführt, die die Festivalbesucher sowohl am Ein- und Ausgang als auch auf dem Gelände selbst lenkten und nicht gegeneinander laufen ließen. So hat das MELT!-Booking gezeigt, dass sie auf die Kritik des letzten Jahres reagiert haben und am Konzept feilten.

RAZZ

RAZZ

RAZZ

Der Festivalabend begann schließlich mit einer jungen Band. RAZZ – das sind vier Jungs zwischen 18 und 20 Jahren die aus dem, gerade einmal 1.097 Einwohner fassenden, Ort Schöninghsdorf, nahe der Niederländischen Grenze, kommen. Bereits letztes Jahr hat die Band beim Berliner Radiosender Fritz die ‚Lange Nacht der Talente‘ gewonnen. Sieht man diese Band auf der Bühne performen, weiß man warum. Klingen sie doch bereits jetzt wie eine lang-eingespielte Band die sich nicht vor großen Bands ihres Genres verstecken muss. Haben sie doch mit vielen Riffs, Synths und mit Niklas Keiser’s Stimme ein internationales Potential in ihrem Sound, dass so selten aus Deutschland kommt. Selbst Ihre Performance wirkte, als würden sie seit Jahren auf der Bühne stehen. Dabei füllten sie eine komplette Stunde mit ihrem Musikmaterial und haben trotz dessen noch kein eigenes Album veröffentlicht. Dafür stehen dieses Jahr allerdings noch Festivals wie das Kosmonaut und Lollapalooza auf dem Plan und haben sie mit Four Artist als Booking- und Managementagentur einen renommierten Partner gefunden der ihnen beim Bekanntwerden zur Seite stehen wird. Ebenso ist geplant noch 2015 ein erstes Album zu veröffentlichen. Live brauchen die vier auf jeden Fall nichts mehr zu beweisen.

James Blake

James Blake

James Blake

Nach Razz ging es, aus dem White Trash, weiter zur Mainstage in die Arena und damit zu James Blake. Das britische Wunderkind der letzten Jahre kommt 2015 mit seinem dritten Album zurück und präsentierte an diesem Abend viele seiner neuen Songs. Wie er zwischen den Titeln betonte, war es ihm wichtig, dass das neue Material gerade in Berlin wirke und gut angenommen werde. Aber auch mit Songs seiner ersten beiden Alben wie ‚The Wilhelm Scream‘ und ‚Retrograde‘ konnte er die Arena in seinen Bann ziehen. Hierbei lässt der Sound der Arena Mainstage leider nur erahnen, wie überwältigend der Bass aus Blakes Songs klingen könnte, würde sich der Sound nicht selber übertönen. Zumindest wusste Blake die Festivalgänger zu unterhalten und mit seinem ruhigen und zum Teil sphärischen Sound an seinen Auftritt zu binden. So entstand ein Hauch von Traum durch die musikalischen Untermalungen des Briten.

Romano

Romano

Romano

Dieser wurde allerdings jeher durch den Köpenicker Alleskönner Romano unterbrochen. Überhaupt ist Romano eine wahnsinnige Kunstfigur der Authentizität. Macht er doch Musik seit er ein kleiner Junge ist und hat schon in einer Metallband gespielt, Schlager gesungen und zu Hip-Hop gerappt. Aktuell macht er eine Mischung aus Hip-Hop und Elektromusik und schaffte es damit in der Berliner Szene Fuß zu fassen. Sein Song ‚Metallkutte‘ ist hierbei wohl der bekannteste Song und zeigt das Entertainment-Potential des Berliners Roman Geike. So sprang er auf einem Bühnenaufbau immer wieder zum Publikum, hielt ihnen das Mikrofon entgegen und umarmte die Fans. Gleichzeitig lieferte er eine Performance ab, die zwischen entsetzt und hingerissen sein hervorrief. Zum Ende hin verlor er nicht nur seine Glitzer-Bomber, die im Übrigen ein Unikat ist und von einer Näherin aus Köpenick stammt, sondern auch sein Shirt und rappte mit Muskelschirt und Jogginghose bis die Teenies im Publikum nicht mehr können.

Fritz Kalkbrenner

Fritz Kalkbrenner

Fritz Kalkbrenner

Direkt mit Abgang Romanos öffneten sich die großen Vorhänge zur Mainstage wieder und präsentierten Fritz Kalkbrenner hinter seinem DJ-Equipment, alleine auf der Bühne. Auffällig hier war, dass Kalkbrenner eine Pflanze auf seinem Pult zu stehen hatte. Dieses Merkmal war wohl das wohl markanteste Merkmal dieser Festivalnacht. War das Berlin Festival doch domestiziert von seiner früheren Rauheit. Kalkbrenner ist hierbei nur ein weiterer Beweis dafür. Performte er doch gewohnt lässig zu Songarrangements seiner neuesten Platte und wir sich auch an diesem Abend nicht zu schade selbst die Vocals seiner Songs live zu singen. Dabei stand die Party im Vordergrund und der Feel-Good-Vibe vollends ausgeprägt. Und natürlich konnte hier der moderne Klassiker ‚Sky & Sand‘ im letzten Teil seinen Sets nicht fehlen. Auch wenn man heraushört, dass er ihn, im Gegensatz zum 2013er Auftritt auf dem Tempelhofer Feld eher zurückhaltend darbot.

Fritz Kalkbrenner

Fritz Kalkbrenner

Hatte man nicht viele Erwartungen an das neue Berlin Festival war es ein unterhaltsamer Abend mit Freunden. Zieht man jedoch den Vergleich zu früheren Berlin Festivals am Tempelhofer Flughafen, verliert die jetzige Version klar durch das neue Konzept. Es scheint den Veranstaltern um ein intimes Festival in einer Millionenmetropole zu gehen. Und genau hierin verbirgt sich der Widerspruch.

Berlin Festival

Berlin Festival

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