Fred Well – Klebrig süßer Elektropop

In den letzten Jahren hat sich in Norwegen eine ganz neue musikalische Welt aufgetan. Gab es in den Jahren davor vorrangig klare, schon fast balladenhafte, Künstler wie Marie Mena und Lene Marlin, mischen nun Künstler wie dePresno, Sigrid und Fred Well die Musikszene auf. Dabei ist letzterer gerade erst im Kommen und hat mit seinen aktuellen Veröffentlichungen für deutlich tanzbarere Musik in den Clubs gesorgt. Dabei konnte Well in den letzten Jahren als Support-Act von Sigrid und dePresno einiges an Erfahrungen sammeln und bringt diese in seinen aktuellen Songs ein. Mit Inferno zeigt uns Well, dass seine Mischung aus Pop, R&B und einem Gesang, der an The Weeknd erinnert, absolut auf der Höhe der Zeit ist und sich so als Newcomer bestens präsentiert. Dabei hat Well nicht zuletzt auch für ein Schmunzeln gesorgt – fügte er doch jeder Songveröffentlichung auf YouTube ein Cocktailrezept hinzu. Fred Well ist modern, klebrig, süß und überzeugt durch einen Beat, den man schlichtweg nicht vergessen kann.

 

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Tash Sultana – Konzertkritik

Tash Sultana ist eine absolute Überraschung – in jeglicher Hinsicht. Besteht Tashs bisherige Karriere doch aus Superlativen und Rekorden. Angefangen auf den Straßen in Australien, baute Tash sich über die letzten drei, vier Jahre eine unglaubliche Fangemeinde auf und schaffte es schließlich via YouTube auch international große Beachtung zu finden. So waren Tashs Konzerte vor zwei Jahren weltweit, ohne überhaupt einen Plattenvertrag in der Tasche zu haben, allesamt ausverkauft und mussten hier und da sogar in größere Konzerthallen verlegt werden. Nachdem Tashs Debütalbum Flow State Ende August veröffentlicht wurde, folgte nun die dazugehörige Welttournee mit Konzerten rund um den Globus und somit auch in Berlin.

Gleich für zwei Konzerte sollte Sultana am 10. und 11. September in die Berliner Columbiahalle kommen. Und so fand das Auftaktkonzert am 10. September vor einer restlos ausverkauften Halle statt.

Also Support-Act traten die Pierce Brothers auf die Bühne, bei denen es sich tatsächlich um die Zwillingsbrüder Jack und Pat Pierce handelt. Mit einer wunderbar energiereichen Folkperformance brachten die beiden Australier die Halle fast zum Beben und sorgten für eine angenehme Aufwärmphase. Dabei erinnern Songs wie AmsterdamBrother oder Ocean stark an die Anfänge von Mumford & Sons. Laut, schnell, und voller Freude spielten die beiden ihre Banjos, Gitarren und erfreuten sich einer großen Zustimmung vom Publikum, das bereitwillig dazu tanzte und die Brüder bis zum Ende ihrer Performance feierte.

Nun war es soweit und Sultana betrat die, mit Teppichen auf dem Boden für eine Wohnzimmeratmosphäre sorgende, Bühne völlig alleine. Der Abend sollte allerdings anders verlaufen, als es die meisten Fans erwartet hatten. Denn entgegen der Erwartung, Studioversionen zu spielen, konzentrierte sich Sultana darauf, freestyle zu spielen und sich in den einzelnen Songs auch immer wieder mal zu verlieren. So gingen Stücke, wie Big SmokeSynergy und Pink Moon in bis zu 7/8 minütigen Klangbergen auf und wurden bekannte Songs, wie Notion und Murder To The Mind eher samplehaft angespielt. Dass dies zu Sultana passt und der Stimmung keinen Abbruch tat, war allerdings ebenso klar – wenn man die sozialen Kanäle des Masterminds verfolgte. Denn hier wird schnell klar, dass Sultana nicht den üblichen Konventionen und Erwartungen folgt. Dieses Verhalten ist schließlich auch der Grund, warum Sultanas Debütalbum so lange auf sich warten ließ.

In der Columbiahalle spielte sich Sultana mittlerweile durch Mellow MarmaladeFree Mind und Jungle und war dabei immer derart auf die Looping-Machine und das Einspielen der jeweiligen Instrumente konzentriert, dass hier nur sehr sporadisch mit dem Publikum interagiert wurde, was den Fokus noch deutlicher auf die Kunst auf der Bühne lenkte. Somit verlor sich das Publikum immer wieder in den langen Intros und noch längeren Outros. Sultana, derweil die Mütze nach dem 15. mal richten abgesetzt, machte ein Foto von sich und dem Publikum und verschwand hinter der Bühne. Für einige Minuten im Ungewissen gelassen, applaudierte das Publikum ununterbrochen, bis Sultana für eine Zugabe mit Harvest Love und Blackbird zurück auf die Bühne trat um den Abend zu beenden.

Tash Sultana @Columbiahalle Berlin http://www.soundtrack-of-my-life.com

Sultana tickt anders und zeigt dies auch offen. Das damit verbundene Konzert hat dies eindrucksvoll gezeigt. So zeigt sich Sultana mit Herzblut und bei der Sache und vergisst selbst hier und da, dass sie gerade auf einer Bühne und vor tausenden Fans steht.

Maggie Rogers – Selbstreflektion auf neuer Single

Für Maggie Rogers waren es zwei bewegende Jahre, seitdem die US-Amerikanerin 2016 durch das Kuratorenvideo mit Pharell Williams via YouTube zum Star wurde. Doch abseits des Klickhypes, konnte Rogers vor allem durch ihre bodenständige und unglaublich sympathische Musik überzeugen. Mit Songs, wie Alaska, Better und On + Off sang sie sich direkt in die Herzen. Ihre Natürlichkeit und verspielte Niedlichkeit auf der Bühne unterstützten das Bekanntwerden der Sängerin noch einmal zusätzlich. Nun ist sie mit Fallingwater zurück und behandelt darin gerade diesen rasanten Aufstieg, den sie in den vergangenen zwei Jahren erleben dürfte. So singt sie vom damit fertig werden und dennoch stolpern und dem Versprechen, weiterzumachen, egal wie die Reise, die vor ihr liegt, auch aussehen mag. Dabei bleibt Rogers bei ihrem folklastigen Singer/Songwriter Sound, der auch hier wieder mit Elementen des Pop und aus dem elektronischen Bereich angereichert ist. Mit Klavier und ihrer großartig, klaren Stimme bleibt Rogers so sympathisch, wie wir sie kennen und treibt die Sehnsucht voran, sich mit ihr auf ein Abenteuer zu begeben.

The Kooks – Doppelsingle zum 5. Album

Doppelsingles scheinen aktuell stark in Mode zu sein. Nicht anders ist es zu erklären, dass Honne, Snow Patrol oder nun auch The Kooks gleich zwei Singles veröffentlichen, um ein neues Album anzukündigen. Ihr fünftes Studioalbum hört auf den Namen Let‘s Go Sunshine und ist für Ende August angekündigt. Mit den beiden Singles No Pressure und All The Time haben The Kooks um Frontsänger Luke Pritchard zwei äußerst unterschiedliche Singles veröffentlicht. Klingt No Pressure noch typisch nach The Kooks, ist es gerade die Single All The Time, die überrascht. Denn hier haben The Kooks einen Song produziert, der sich an großen Künstlern wie Kansas und Arctic Monkeys orientiert. Nicht von ungefähr kommentieren viele YouTube-Nutzer, dass sie sich an den Song Dust In The Wind erinnert fühlen. Musikalisch auch mit im Rennen, ist ein rauerer Klang, der Pritchards Stimme verfremdet und damit den bekannten Kooks-Sound verlässt. Dabei gehen sie einen Tanz mit Pop und Rock ein und liefern einen Refrain ab, der im Ohr bleibt. Nach dem Album Listen haben The Kooks entschieden, tanzbarer zu werden und beweisen auf den ersten beiden Singles, das ihnen dies vorzüglich gelungen ist.

Lollapalooza Berlin 2017 Tag 2

Man war vorbereitet… An Tag zwei hatten sich die Festivalbesucher Pläne gemacht, wie, wann und womit sie zum Festivalgelände bzw. auch Abends wieder davon weg kommen würden. So waren die S-Bahnen nicht mehr ganz so voll, der Einlass auf das Festivalgelände geordneter und deutlich mehr Mitarbeiter unterwegs. Und um den Tag auch noch komplett umzukrempeln, spielte die Sonne mit und lachte vom Himmel mit spätsommerlich, wärmenden Strahlen.

Also die besten Voraussetzungen, um doch noch ein grandioses Festivalerlebnis zu haben. Mit Bands und Künstlern wie Sigrid, Bonaparte, Rudimental, AnnenMayKantereit, London Grammar, den Foo Fighters und The XX war der Sonntag zusätzlich auch noch großartig besetzt. weiterlesen

Tash Sultana – Lass Dich nicht täuschen

Tash Sultana – Murder To The Mind

Hört man zum ersten Mal den Song Notion der 21 jährigen Australierin Tash Sultana, wird man an ein junges, unbedarftes und zierliches Mädchen denken. Doch weit gefehlt – sieht man Sultana einmal live, wird man seinen Augen kaum glauben können. Da steht eine tätowierte, gepiercte Frau vor einem, die ihre lange Lockenmähne mit einem Basecap in Zaum hält und Gitarrensolis abliefern kann, bei dem einen die Spucke wegbleibt. Mit ihren 21 Jahren hat sie es schließlich geschafft, ein aufregendes Leben hinter sich zu haben – gab es mit 17 Jahren die Entzugsklinik, mit 18 die ersten Auftritte als Straßenmusikerin, mit 20 die ersten ausverkauften Konzterhäuser und schließlich heute eine Top-10 EP und ausverkaufte Konzerte in Australien, Großbritannien und den USA, sowie Millionen Klicks für ihre veröffentlichen Songs auf YouTube. Dabei setzt sich ihre Musik aus dem Spiel einer Loop-Machine zusammen, bei der man einzelne Sequenzen in einen Computer einspielt und dieser die dann in Endlosschleife abspielt. Sultana kreiert damit einen Mix aus Dub, Pop und Rock und beeindruckt mit einer warmen Stimme und beachtlichen Gitarrenspiel. Mit dieser Musikmischung und Lebensgeschichte hat Tash Sultana alles, um für Furore zu sorgen und Gesprächsthema zu werden.

Odesza – Die Elektrogötter sind zurück!

Odesza – Late Night

Mit Say My Name hatte das amerikanische DJ-Duo Odesza 2014 für einen absoluten Überraschungshit gesorgt. Wurde er doch in der Festivalsaison 2015 und 2016  überall gespielt und kam so bis in die deutschen Pop-Radiostationen. Dabei gelten Odesza bis heute immer noch als Duo fernab des Mainstreams – doch im sogenannten Underground sind sie auch nicht beheimatet – und so beschreibt genau diese Schwebe Odeszas Sound am besten. Scheinen die Songs doch zu schweben und dadurch eine ganz besondere Atmosphäre zu erzeugen. Nun sind sie nach fast zwei Jahren ohne neues, eigenes Material zurück und haben gleich zwei Songs veröffentlicht. Während sich Line Of Sight mit der Stimme von Wynne & Mansionair sehr poppig anhört und viele Youtube-Kommentatoren in Vergleiche zu den Chainsmokers enden lässt, klingt der zweite Song Late Night deutlich mehr nach dieser Schwebe des ersten Albums. Opulente Synthies, lange, schillernde Beats und eine packende Euphorie ab der Mitte lassen Late Night, den Harrison Mills und Clayton Knight in Seattle aufgenommen haben zum absoluten Hit werden und so die beiden als Odesza genau dort weitermachen, wo sie 2014 aufgehört hatten.

Sigrid – Die große Hymne

Sigrid – Don’t Kill My Vibe

Lange Zeit galten Seiten wie Soundcloud, MySpace und Youtube als Sprungbrett für Musiker. Dass sich allerdings seit einigen Jahren auch eine Gegenbewegung, zurück zum lokalen und bewussten Konsumieren, entwickelt, wird durch den Erfolg der norwegischen Sängerin Sigrid untermalt. Diese bekam nämlich einen Plattenvertrag, durch das Einsenden ihres Demotapes bei einer örtlichen Radiostation. Und alles nur, weil Sigrids Bruder das Tape verschickte und er damit goldrichtig lag. Meldeten sich doch viele Hörer und wollten wissen, wer die Sängerin hinter Don’t Kill My Vibe sei. Die 20 jährige Sängerin trifft damit gerade wieder einmal den Nerv in Europa und bestätigt, dass Scandinavian-Pop so viel mehr zu bieten hat, als nur einfache Beats. Mit einer leicht bebenden Stimme und einem bestechenden Beat baut Sigird Don’t Kill My Vibe zu einer großen Hymne auf, welche die Stärke eines Jeden befördert. Mit jedem erneuten Hören von Don‘ Kill My Vibe füllt man sich stärker und positiver – entlockt der Song einem gar das tolle Gefühl, durch den Sommer zu gehen und seine Zeit zu nutzen um Spaß zu haben. Don’t Kill My Vibe ist definitiv ein Song, den man diesen Sommer nicht verpassen darf.

London Grammar – Für das Big Picture bleibt keine Zeit

London Grammar - Big Picture

London Grammar – Big Picture

Man könnte meinen, dass es London Grammar jetzt ganz eilig haben. Wurde doch vor wenigen Stunden Big Picture veröffentlicht und somit genau vier Wochen nach ihrer ersten Single Rooting For You, aus dem kommenden, zweiten Album. Und eines scheint sich immer deutlicher zu zeigen; sie haben sich verändert. Nicht, dass Hanna Reids Stimme anders klingt oder der Sound sich deutlich verändert hat. Es ist vielmehr ein Gefühl, dass die Änderung beschreibt. So singt Reid bei Big Picture ebenso wie bei Rooting For You deutlich längere Sätze, fast schon Blöcke, die somit die Atmosphäre total verändern. Um sich Big Picture vorzustellen, braucht man nur an einen großen Moment denken, der von Menschenmassen, die zusammenkommen, geprägt ist, um das gleiche zu fühlen. Dann spricht dort plötzlich Reid und die Musik drückt die Emotionen ins unermessliche. Am Ende steht man mit tausenden Menschen um sich herum da und ist aufgewühlt und glücklich das erlebt zu haben. Genau diese Atmosphäre transportieren London Grammar mit Big Picture. Und plötzlich ist er vorbei. Nach 4:40 Minuten faded Big Picture schnell aus, verstummt und man stellt fest, dass die Massen um einen herum weg sind und drückt schnell auf Repeat.

Kiesza – kann sie das One-Hit-Wonder-Image abstreifen?

Kiesza - Dear Beloved

Kiesza – Dear Beloved

2014 war das Jahr der kanadischen Sängerin Kiesza. Mit ihrem Hit, Hideaway, schaffte sie es bis in die Top-10 in 13 Ländern und sogar auf Platz 1 der britischen Singlecharts. Ihr dazugehöriges Musikvideo fällt durch die Kameraführung und Kieszas Tanzstil auf – wurde das Video doch an einem Stück gedreht. Bis heute zählt es mit über 360 Millionen Klicks zu den erfolgreichsten Musikvideos überhaupt. Nachdem es in den letzten Jahren ruhig um Kiesa Rae Ellestad, wie Kiesza mit bürgerlichen Namen heißt, wurde, ist sie nun mit der ersten Single ihres zweiten Albums zurück. Dearly Beloved ist eine Powerballade, die mit 80er-Jahre-Vibe und einer Prise Funk so frisch klingt, dass wir uns den Frühling wünschen. Dabei ist Dearly Beloved als Hommage an eine gute Freundin Kieszas gedacht, die vor anderthalb Jahren starb. Kiesza griff sich ihre Gitarre und wollte unbedingt damit arbeiten. Herausgekommen ist Dearly Beloved und damit ein Song, der ungewohnt und zugleich typisch nach Kiesza klingt. Aber hört selbst!