Max Jury – Klingt anders, ist anders

In Iowa, USA geboren, lebt der 26-jährige Sänger Max Jury mittlerweile in London um Musik zu machen. Mit einem Mix, irgendwo zwischen Singer/Songwriter, Folk, Country und Pop, ist es Jurys Stimme, die uns Staunen lässt. Denn kann man nicht immer ganz ausmachen ob Diese von einem Mann oder einer Frau stammt. Nun ist gerade diese so sanfte, weiche Stimme mit einem hauchend, falsettartigem Klang auf Jurys neuester Single Sweet Lie besonders stark zu hören. Dabei ist Sweet Lie nicht nur der Vorbote Jurys zweiten Albums Modern World – welches am 31. Mai 2019 erscheinen wird – sondern auch eine ungewohnt poppige Nummer, die so von Jury anfangs nicht geplant war. Doch hatte Robin Hannibal, der den Song produzierte, mehr in der Nummer gesehen und das Tempo etwas erhöht. Herausgekommen ist eine wunderbare Popballade, die tanzbar aber auch einfühlsam ist und Jurys wunderschöne Stimme perfekt präsentiert.

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Adelphi Music Factory – Der Soundtrack der Silvesternacht

In solchen Momenten ist es schwierig überhaupt einen Text zu einem Act zu verfassen. Gibt es doch im Netz außer die immer gleichen Infos kaum bis gar nichts über den Act zu finden. Im Falle von Adelphi Music Factory musste man schon etwas tiefer in die Producer-Struktur schauen, um rauszufinden, dass die Vocals auf Javelin (Calling Out Your Name) ein Sample der amerikanischen Gospel-Sängerin LaShun Pace sind, die den Song It’s Me Oh Lord (Acapella Praise) bereits auf ihrem 2011er Album Reborn veröffentlichte. Recherchiert man weiter, wird bei dem Namen Mark Summers schnell klar, dass hier ein ganz großer Produzent Hand angelegt hat. Denn Summers steht wie kaum ein anderer Produzent für euphorische Party-Dancehits der letzten 20 Jahre. So hat er unter anderem für Kylie Minogue, Aphex Twin und Jocelyn Brown Songs produziert und steht mit seinem Label Scorccia Records für eine Musik, die Diskomusik der 70er, Hip-Hop der 80er und 90er House mischt und daraus eine unverwechselbar, tanzbare Musik schafft. Dies zeigt sich nun auch auf Javelin (Calling Out Your Name), bei dem Summers mit weiteren Produzenten unter dem Pseudonym Adelphi Music Factory auftritt und mit den Worten Die Welt ist in Aufruhr. Der Hass wächst, doch der Widerstand auch. Adelphi Music Factory, ein industrielles Kollektiv aus dem Norden, schmiedet mit Javelin eine mit Liebe erfüllte Gospelbombe. The Black Madonna, Denis Sulta, Skream, Artwork und Annie Mac tragen dazu bei, die Botschaft von Schwesternschaft, Brüderlichkeit, Freiheit und Frieden auf den Tanzflächen auf der ganzen Welt zu verbreiten. Dass dies wichtiger denn je ist, zeigt ein Rückblick auf das endende Jahr 2018. Also lasst es uns Adelphi Music Factory gleich tun und feiert mit Javelin (Calling Out Your Name) in das neue Jahr 2019. Ich wünsche Euch einen guten Rutsch und ein gesundes, liebevolles und erfolgreiches 2019! Stay tuned!

Róisín Murphy – Dancefloor-Queen auf ewig

Seit nunmehr 24 Jahren ist die irische Sängerin Róisín Murphy bereits im Musikbusiness zu Hause. Gründete sie zusammen mit Mark Brydon 1994 die Band Moloko, folgte damit ein unaufhaltsamer Siegeszug in den Olymp der britischen House-Musik. So wurden Songs, wie Sing It BackThe Time Is NowFamiliar Feeling oder Forever More zu großen Hymnen der Millenium-Jahre. Dabei ist es erstaunlich, dass es die Band Moloko nur neun Jahren gab und Murphy als Solokünstlerin auf mittlerweile 15 Jahre zurückblicken kann. Aber auch hier stand Murphy immer im Zeichen von Acid-House, Disco und großen Dancefloorkrachern. Hier kann Murphy bereits auf vier Studioalben zurückblicken und ist trotzdem nie müde, auch zwischendurch Songs zu veröffentlichen. Schaut man sich ihre Diskografie in diesem Jahr einmal an, steht diese ganz im Zeichen neuer Musik, welche die irische Sängerin ganz ohne Albumkorsett veröffentlichte. The Rumble ist dabei die achte Songauskopplung in 2018 und beschließt das Jahr mit einer fulminant, ekstatischen Clubhymne, die polternd anfängt, nur, um dann zu einem unglaublich tanzbaren Dancesong zu mutieren ohne die Geschwindigkeit abebben zu lassen. Murphy ist eine Expertin in ihrem Genre und zeigt seit fast einem Vierteljahrhundert, wie Clubmusik funktioniert und ist dabei nie scheu, neue Wege auszuprobieren. The Rumble gehört daher ganz sicher auf jede Silvesterplaylist.

SG Lewis – Tanzen für die Trilogie

SG Lewis ist ein immer wieder gern gesehener Gast bei SOML. Gab es im Sommer 2016 in Zusammenarbeit mit Gallant Holding Back zu hören, folgte im Herbst 2017 mit Toulouse die Single Times We Had. Nun hat sich der Liverpooler Produzent für seine neueste Single Again den, mittlerweile in den USA lebenden, Briten Totally Enormous Extinct Dinosaurs ins Boot geholt und eine dunkle House-Nummer produziert, die von tiefen Bässen und aufblitzenden Synthies geprägt ist. Damit verfolgt Lewis sein Projekt Dusk/Dark/Dawn mit dem er drei EP’s veröffentlicht, die alle thematisch zusammengehören. War die erste EP Dusk Anfang des Jahres noch von Disco, Funk und Popsounds geprägt, ist nun mit Dark ein düsterer und schwererer Sound an der Reihe. Again bleibt jedoch trotz der Schwere tanzbar und taucht durch Totally Enormous Extinct Dinosaurs‘ weiche Stimme immer ein wenig in die Popwelt ein. Durch diese Zusammenspiele mit anderen Künstlern bleiben SG Lewis‘ Songs immer radiotauglich und versperren sich nicht des Mainstreams.

The Blaze – Gewaltiges Glück, gewaltiger Schmerz

Die Bildsprache, der Sound, die Geschichten – das alles im Zusammenspiel präsentieren die beiden Cousins Jonathan und Guillaume Alric mit ihrer Band The Blaze. Dabei lassen sie Eindrücke und Gefühle entstehen, die von Wärme, Zuneigung, Trauer, Herzlichkeit, Aggression und Liebe handeln. Ihre kräftige Bildsprache erzählt kleine Kurzgeschichten, wie die in Territory. Hier geht es um einen Migranten, der aus Frankreich in seine Heimat – Algerien – zurückkehrt. Bei Virile erzählen die beiden Pariser die Geschichte einer männlichen Freundschaft, die durch Gemeinsamkeiten und Lebensfreude mehr als nur zwei Freunde darstellt. Auf Queen wiederum, dreht sich alles um die innige Freundschaft unter zwei jungen Frauen, die in einem Trailerpark leben und mit einer stets aggressiven Grundstimmung ihre Freundschaft bemessen. Das Gefühl – mit der besten Freundin – die Welt zu erobern, stärker als der Rest Dieser zu sein oder sich auch ganz einfach beweisen zu müssen, ist für den Ein oder Anderen sicherlich nicht unbekannt. Auf Queen wird jedoch die Zerbrechlichkeit dieser Beziehung deutlich und die Bedeutung derer in eindrucksvolle Bilder gepackt. Dabei klingt die Musik von The Blaze emotional, nostalgisch, ist aber immer auch tanzbar – und damit das Ziel der Band erreicht. Mit tiefem, gepitchten Gesang, treibenden French-House-Beats und einer Popanleihe verknüpfen The Blaze verschiedene Elemente zu einem hypnotisierenden Dancesound und erreichen uns damit auf verschiedenen Ebenen. Ihr Debütalbum Dancehall ist bereits im September erschienen und wird im kommenden März mit Konzerten in München (05. März 2019) und Berlin (18. März 2019) auch live zu erleben sein.

Calvin Harris & Benny Blanco – Unstoppable

Der Output an neuem Material scheint bei dem Megastar Calvin Harris unendlich zu sein. Gibt es seit seinem Debüt 2006 mit 2008 nur ein einziges Jahr, in dem der Schotte keinen Song veröffentlicht hat, nimmt die Schlagzahl an Veröffentlichungen seitdem jedes Jahr eher noch zu. Waren es Ende der 00er Jahre noch zwei bis drei Singles pro Jahr, veröffentlichte er 2017 satte sechs Singles. Hierbei müssen die Songs auch gar nicht mehr zu einem Album gehören und werden mitunter frei von diesem – noch recht statischen – Veröffentlichungsstil rausgebracht. Für das Jahr 2018 hat er nun mit seiner neuesten Single I Found You ebenfalls sechs Singles veröffentlicht und überrascht immer wieder mit satten Sounds und frischen Beats. Gab es eine Zeit, in der Harris mit Rihanna, Florence Welsh und Ellie Goulding die ganz großen Stars mit dabei hatte, orientiert sich der Produzent und Sänger immer mehr auf Newcomer oder Künstler, die gerade erst im Aufbau sind. Auf I Found You hat er sich mit dem amerikanischen Produzenten Benny Blanco zusammengetan und erstmals seit zwei Jahren auch wieder selber die Texte eingesungen. Dabei mischen beide Produzenten ihre Musik – mal mehr nach britischen House, mal mehr nach amerikanischen Dance-Pop klingend und lassen auf I Found You 100% Pop mit tanzbaren Beats von der Leine. Calvin Harris schafft es so, die Teenager, 20 und sogar 30 Somethings anzusprechen und auf die Tanzfläche zu locken.

Kara Marni – 90er R&B

Mit ihrer wunderbar, trägen Single Curve hatte die britische Sängerin Kara Marni Mitte April ein sattes Ausrufezeichen gesetzt. War sie damals bereit für einen heißen Sommer, sollte sich nun – am Ende der warmen Jahreszeit – zeigen, dass Marni keine Gelegenheit ausgelassen hat, ihre Musik unter die Leute zu bringen. So war ein Stop auf ihrer Tour, das Hamburger Reeperbahn-Festival Mitte September. Hier präsentierte sie neben Curve auch einige neue Songs sowie unter anderem ihre nun veröffentlichte Single Move. Dabei orientiert sich die Sängerin am R&B, Soul und Hip-Hop der 90er-Jahre und hat uns mit ihrem tanzbaren und eingängigen Beat sofort in ihrem Bann gezogen. Dadurch erinnert Kara Marni an Lauryn Hills – mit Grammys überhäuften – Album The Miseducation of Lauryn Hill. Hier werden Sounds von, auf der Straße spielenden, Kindern mit basslastigen Beats gemischt und singt Marni dazu wie einst Lauryn Hill es tat. Mit seiner – fast schon spielerischen – Melodie, ist Move eine perfekte Nummer für moderne Modenschauen. Und so verwundert es auch nicht, dass Marni bei Magazinen wie VOGUE, HUNGER und NYLON ganz oben auf der Liste steht, wenn es um Auftritte während der Schauen geht. Move ist ein klebrig, grooviger Neo-Soul Song, der die Brücke zwischen 90er-Jahre Soul und heutiger elektronisch unterstützter R&B-Produktionen spannt. Für 2019 wurde damit zaghaft auch Marnis Debütalbum angekündigt und lässt durch Move auf ein spannendes Paket hoffen.

Fred Well – Klebrig süßer Elektropop

In den letzten Jahren hat sich in Norwegen eine ganz neue musikalische Welt aufgetan. Gab es in den Jahren davor vorrangig klare, schon fast balladenhafte, Künstler wie Marie Mena und Lene Marlin, mischen nun Künstler wie dePresno, Sigrid und Fred Well die Musikszene auf. Dabei ist letzterer gerade erst im Kommen und hat mit seinen aktuellen Veröffentlichungen für deutlich tanzbarere Musik in den Clubs gesorgt. Dabei konnte Well in den letzten Jahren als Support-Act von Sigrid und dePresno einiges an Erfahrungen sammeln und bringt diese in seinen aktuellen Songs ein. Mit Inferno zeigt uns Well, dass seine Mischung aus Pop, R&B und einem Gesang, der an The Weeknd erinnert, absolut auf der Höhe der Zeit ist und sich so als Newcomer bestens präsentiert. Dabei hat Well nicht zuletzt auch für ein Schmunzeln gesorgt – fügte er doch jeder Songveröffentlichung auf YouTube ein Cocktailrezept hinzu. Fred Well ist modern, klebrig, süß und überzeugt durch einen Beat, den man schlichtweg nicht vergessen kann.

 

Josh. – Der Sommerhit des Herbstes

Es ist diese raue Stimme, der liebenswerte Text und ein sympathischer Name, der seit Monaten schon in Österreich sein Unwesen treibt. Dabei singt der Österreicher Johann Sumpich – der sich für den Song Cordula Grün schlicht Josh. nennt, über eine Frau, die ihm in einer Tanzbar ins Auge fiel und er nicht mehr von ihr lassen konnte. Sie verdrehte ihm den Kopf und so landeten sie in ihrem Bett – ehe er herausfand, dass das doch weit komplizierter war. Mit diesem sympathisch, menschlichen Blick auf solch einen Moment und einem leichtgängigen Text, schafft es Josh. zu erst in Österreich aus dem Nichts bis auf Platz 5 und nimmt nun Anlauf die deutschen Top-10 der Singlecharts zu erklimmen. Dabei ist Sumpich kein Newcomer im eigentlichen Sinne, hatte er bereits 2016 eine eigene EP namens Wie Im Kino veröffentlicht. Cordula Grün ist dabei Zweierlei – ein Glückstreffer und professionell erarbeiteter Erfolg. Denn neben Josh. als Musiker, standen ihm die Produzenten und Musiker wie Martin Kromar und Florian Cojocaru vom Wiener Musikstudio Echopilot zur Seite. Und so ist Cordula Grün der Sommerhit des Jahres 2018, der uns nun den Herbst versüßen wird.

Hayden James – Angekommen aber noch nicht fertig

Vor drei Jahren konntet Ihr hier über den australischen Newcomer Hayden James lesen, wie er es schaffte, mit seinem Song Something About You bis auf über 3 Millionen Klicks zu kommen. Mit einem Plattenvertrag im Gepäck gelang es ihm anschließend sogar, den Song auf über 68 Millionen Klicks zu bringen. Doch was bisher fehlt, ist ein Debütalbum. Zwar hat James mit Just A Lover (2016) und Numb (2017) noch zwei weitere Songs veröffentlicht, doch blieb er uns bis heute eines Albums schuldig. Mit der nun veröffentlichten Single Just Friends folgt James seinen Rhythmus, einmal im Jahr einen Song zu veröffentlichen. Dabei bekommt er Unterstützung vom britischen Singer/Songwriter Boy Matthews, der zu einem unglaublich tanzbaren Bass frech, sowie stilsicher gelangweilt davon singt, wie es ist, wenn aus einer Freundschaft plötzlich mehr wird. Die aufregende Zeit und das passende Gefühl wird durch den aufbauenden Beat wunderbar transportiert und lässt den Song zum Crush-On-You Anthem werden. Irgendwo zwischen clublastigem Rumgemache und jugendlicher Unerfahrenheit füllt Just Friends die Lücke aus und animiert zum tanzen. Und uns bleibt nur zu hoffen, dass nicht wieder ein Jahr vergehen muss, um neues Material zu hören.