Like Elephants – Das sanfte Aufwachen an einem kalten Morgen

2016 veröffentlichten die Österreicher von Like Elephants ihr fulminantes Debütalbum Oneironaut mit ihrem zweiten Album Kaleidoscope (2018) setzten sie dem 80er-Synthiepop noch eine satte Ladung ihrer eigenen Individualität drauf. Nun hat das Quartett um Frontsänger Viktor Koch mit Askja eine erste neue Single veröffentlicht und gleichzeitig neue Musik für 2020 angekündigt. Bleiben die Jungs ihrem Rhythmus treu, würde diese Musik wieder in einem zweijährigen Abstand zu ihrem vormals veröffentlichten Album erscheinen. Auf Askja klingen Like Elephants nach dem Moment, an einem kalten Wintertag in einem warmen Bett neben dem Partner aufzuwachen, der einem auch die Seele wärmt. Dabei ist Askja als Sinnbild des, so nahe Liegenden und doch Unerreichbaren zu verstehen. Denn Askja ist ein Vulkan auf Island, um den sich die Inselstraße komplett drumherum bewegt, doch nur zwei Straßen zum Vulkan selbst hinführen. Sind diese unpassierbar, ist es unmöglich, dort hinzukommen. Diese Sehnsucht nach der rauen Wärme der Einsamkeit haben Like Elephant auf Askja wunderbar umgesetzt und lassen uns als Hörer förmlich Teil ihrer Reise gewesen sein.

Pool – Back to the 80’s!

Mit Lorbeeren überschüttet und selbst vom britischen The Guardian gefeiert, ging es in den letzten Jahren für das Hamburger Trio Pool auf und ab. Haben sie 2012 mit dem Song Don’t Call My Name Aufmerksamkeit auf sich gezogen, veröffentlichten sie 2015, nach einigen EP’s, Ihr Debütalbum Snacks & Suppliers. 2016 noch zwei Songs veröffentlicht, wurde es in den letzten beiden Jahren ruhig um die Jungs. Dabei standen Frontsänger Nils Hansen, Daniel Husten und David Stoltzenberg keinesfalls still. So haben sie in der Zeit etliche Songs aufgenommen, die nie das Licht der Welt erblickten. Und dennoch war diese Phase für die Band sehr wichtig, fanden sie doch immer mehr gefallen am Produzieren und veröffentlichen nun mit Moving On ihren ersten selbst geschriebenen, produzierten und gemixten Song, der als funky Indiepop-Song mit klebrigen 80er-Jahre-Synthies aufwartet und uns den Sommer noch bis weit in den Oktober hinein sichert. Und so gibt es das Trio bereits seit bald acht Jahren. So gesellen sich heute Bands wie Parcels zu ihrem Sound dazu und lassen die Hamburger damit zu Vorreitern des Genres werden.

Years & Years – Sie heiligen die neue Single

2015 waren sie plötzlich da – die britische Band Years & Years. Mit großen Popsongs wie Desire, King, Shine oder der Kollaboration mit The Magician auf Sunlight hatten die Jungs um Frontmann Olly Alexander es bis auf Platz 1 der britischen und europaweiten Charts geschafft. Hat Alexander von Beginn an keinen Hehl um seine sexuelle Orientierung gemacht, flossen diese Einflüsse direkt in die Musik und Videos der Band ein. Dabei sieht sich die Band als Vermittler der LGBT-Community. Nicht übertrieben aber immer hartnäckig lassen Years & Years dabei Tabus fallen. Auf ihrer, gestern veröffentlichten, neuen Single Sanctify klingen sie daher noch etwas extrovertierter und nutzen die Aufmerksamkeit, um Alexanders Erfahrungen mit Männern zu thematisieren. Weniger aus der Ich-Perspektive, denn viel mehr als erzählender Beobachter singt Alexander darüber, wie es ist Männer zu treffen, die sich selbst als heterosexuell beschreiben aber sich in der Gegenwart eines anziehenden Mannes nicht so verhalten und so mit ihrer eigenen Sexualität hadern. Dabei bedienen sich Years & Years auf Sanctify des Synthiepops, Elektro- und Dancepops. All das vermischt sich auf Sanctify zu einem energetischen Popsong, der so eingängig wie mitreißend ist und im Kopf bleibt. Years & Years wollen Spaß haben und klingen, trotz der hohen Erwartungshaltung an ihr neues Album, so gelassen und frisch, dass auch das Nachfolgealbum, des Millionensellers Communion, eine Hitgarantie besitzt.

Twin Shadow – Mit Haim durch die 80er

In knapp vier Wochen wird George Lewis Jr. – alias Twin Shadow – 35 Jahre alt. Ob seine neue Single Saturdays als Partysoundtrack gedacht war wissen wir nicht, allerdings würde sie perfekt dazu passen. Denn nach drei Alben musste eine neue Motivation her. Diese zeigt sich auf der ersten Singleauskopplung Saturdays seines vierten Albums Caer. Auf Saturdays hat der US-Amerikaner diese nun, in Form von einer ordentlichen Portion 80er-Jahre Synthiepop gefunden. Hier kleben die gegelten Haare und der 80er-Neonchic an jeder Strophe und lassen selbst die Schwestern von Haim wie eine Reminiszenz an Dirty Dancing erscheinen. Wunderbar locker und mit einem Hauch Nostalgie klingt Saturdays einfach nach der perfekten Geburtstagshymne für Twin Shadow.

 

Chvrches – Wenn Pop, dann aggressiv!

2013 hatten Chvrches mit ihrem Debütalbum The Bones of What You Believe einen fulminanten Start hingelegt. Mit den Songs The Mother We Share und Recover wurden sie innerhalb kürzester Zeit zu Helden der Indie-Szene. Ihr 2015 veröffentlichtes Nachfolgealbum Every Open Eye führte dies nahtlos fort. Allerdings wurden sie darauf rauer und ließen ihren Synthie-Pop etwas in den Hintergrund rutschen. Nun hat das Schottische Trio mit Get Out die erste Single ihres kommenden, dritten Albums Love Is Dead veröffentlicht und kehrt damit wieder zu ihren Anfängen zurück. So haben sie mit Greg Kurstin das erste Mal einen Produzenten verpflichtet. Hatten Chvrches ihre ersten beiden Alben selbst produziert, erklären sie nun, dass sie aus ihrer Komfortzone raus wollten. Im Produktionsprozess hatte sich schließlich herausgestellt, dass ihre Songs, wenn sie dann wieder mehr in Richtung Synthie-Pop gehen würden, deutlich aggressiver klingen sollen. Dies haben sie mit Get Out auch geschafft. Neben den typischen Synthesizern gibt es einen deutlich brachialeren Grundton. Dabei klingt Lauren Eve Mayberry immer auch zart, jung und frisch. Gibt es ein Geheimnis der Band, ist es die Mischung aus Synthesizern, klarer Gesangsstimme und hymnenhafter Produktion. Mit Get Out kommen Chvrches ganz groß zurück und holen sich die Krone zurück.

BØRNS feat. Lana Del Rey – Elitär mit Pop

Lana Del Rey hat in den letzten Jahren mit ihrem gehobenen – fast schon elitären – Sound für einen ganz neuen Musikstil gesorgt. Ihre geführte Präsentation und die leicht wabernde Musik sorgen auch sechs Jahre nach ihrem Durchbruch mit Video Games weiterhin für Begeisterung. BØRNS wiederum ist musikalisch so ziemlich das Gegenteil von Del Rey. Hat er auf seinem 2015er Debütalbum Dopamine mit exzentrischen Synthie- und Indie-Pop alle umgehauen, steht vor allem die Glam-Rock Single Electric Love ganz im Zeichen des Amerikaners. 2017 stießen Del Rey und BØRNS, im Zuge der Arbeiten an seinem zweiten Album Blue Madonna, aufeinander und veröffentlichen nun mit God Save Our Young Blood eine Single, die ihre beiden Musikstile vereint. So wird dem typischen BØRNS-Synthie einfach die Geschwindigkeit genommen und vermischt sich mit einem exaltierten Del Rey’s Sound. Rausgekommen ist mit God Save Our Young Blood ein Sound, der dennoch zu beiden passt und darüber hinaus überraschend klingt. Für BØRNS ist es nach der Zusammenarbeit mit Petite Meller die zweite Kollaboration – und die kann sich sehen lassen. God Save Our Young Blood ist ein wunderbarer Song um die Post-Silvester-Erinnerungen noch einmal Revue passieren zu lassen.

Sigrid – Strangers ins Jahr 2018

Was wird uns das Jahr 2018 bringen? Viele neue Erfahrungen, tolle Momente und sicherlich auch die ein oder andere Herausforderung. Darum sollten wir nie unterschätzen, was Musik für eine Wirkung auf uns hat. Der erste Song im neuen Jahr, kommt von der 21-jährigen Norwegerin Sigrid. Für sie war 2017 das Jahr! Reichte es nicht schon, dass sie hier ihren Durchbruch und die Veröffentlichung ihres Debütalbums Don’t Kill My Vibe hatte, tourte sie auch durch ganz Europa, spielte auf den größten Festivals und wird dieses Jahr mit dem European Border Breakers Award ausgezeichnet. Ihr nun veröffentlichter Song Strangers brodelt nur so vor Energie und Spaß. Spaß kann die Norwegerin nämlich äußerst gut mit ihren Songs verbreiten. Mit viel Synthie-Pop und einer, von Grund auf, sympathischen Art singt sich Sigrid hier völlig frei und reisst uns mit ins neue Jahr. Strangers strahlt Lebensfreude aus und ist der perfekte Song für einen Start in den Tag, in neue Herausforderungen oder ins neue Jahr.

City Calm Down – trifft auf Joy Division

Mit ihrem Debütalbum In A Restless House, welches die australische Band City Calm Down 2015 veröffentlichte, ging alles ganz schnell. Der Erfolg, die Aufmerksamkeit und die Vergleiche. Auch hier konntet ihr Vergleiche zu den Editors oder White Lies lesen, als ich Ende 2015 Rabbit Run und im Frühjahr 2016 Falling vorstellte. Doch konnte und kann man nicht von der Hand weisen, dass City Calm Down sich am Klang dieser Bands orientieren. Eine weitere Band wird da auch Joy Division sein. Hört man sich ihre gerade veröffentlichte Single In This Modern Land an, wird man mit dem Gesicht regelrecht in den Sound der frühen Post-Punk und Synthie-Pop Welt gedrückt. Auch flackern hie und da Referenzen an David Bowie auf. Was die Jungs von City Calm Down also anpacken, klingt groß, episch und industriell. Da sind Trompeten, Gitarren und Schlagzeuge als Unterstützung dieses Sounds gar nicht wegzudenken. Gleichzeitig singt Jack Bourke so erhaben, wie es sonst eben nur David Bowie beherrschte. In This Modern Land ist, als Singleauskopplung, die erste Ankündigung eines neuen Albums und gleichzeitig so sehr der Sound, den wir auf dem Debütalbum schon grandios fanden.

Postiljonen – Skandinarviens Dreampoptrio ist zurück!

Postiljonen – Crazy

Mit Euphorie, schwelgenden Beats und einer hauchenden Frontsängerin Mia Brox Bøe hatten Postiljonen vor zwei Jahren mit ihrem Song Go direkt ins Schwarze getroffen. Nicht zuletzt, da ihr Sound eine regelrechte Soundgrandiosität übermittelt. Da kommen Saxophone genauso vor, wie pumpende Beats und Synthies. Nachdem das Trio Bøe, Joel Nostrum Holm und Daniel Sjörs Ende 2015 mit Reverie ihr zweites Album veröffentlicht wurde es ruhig um sie. Widmeten sie sich doch Soloprojekten oder zehrten vom Erlebten des zweiten Albums. Dies musste kompensiert werden und mündet in einer neuen Single. Dabei klingt Crazy einmal mehr nach fabelhaften Dreampop, der in Soundwellen zu einem kommt. Hier treffen Synthies auf schnelle Beats und einem sehnsuchtsvollen Gesang Bøes. Dabei singt Bøe mal verführerisch naiv, mal traurig und verzweifelt und spiegelt Crazy das Gefühl wieder, dass das Trio in den vergangenen Monaten erleben durfte. Abschließend endet Crazy schließlich in einem weichen ausfaden. Dass Postiljonen mit Crazy ihr drittes Album vorbereiten und dennoch nicht auf den Zug der Dreampop-Bands wie Beach House und M83 aufgestiegen sind erstaunt. Das Zeug dazu liefern die drei auf jeden Fall seit Jahren.

Mallrat – Das Spiel mit der Coolness

Mallrat – Uninvited

Mit 17 Jahren und – ja, blondem Haar – singt sich die australische Mallrat, die bürgerlich als Grace Shaw bekannt ist, in die Herzen derjenigen, die sie eigentlich in ihrem Song Uninvited disst. Denn gerade jetzt ist die Bewegung von jungen Sängerinnen mit einer Anti-Coolness-Haltung besonders groß. Von Kiiara über Halsey oder Alma wird gerade groß Stimmung gemacht, sich selbst treu zu bleiben und nicht dem Wahn des stetig Hip seins, zu verfallen. Und dennoch liegt gerade hier der Widerspruch, denn genau mit diesen Songs haben sie riesigen Erfolg und landen ausgerechnet dort, wovor sie eigentlich gewarnt haben – auf den Partys der Coolen. Mallrat singt dabei allerdings so deutlich, dass sie hier nicht zu finden sein möchte, dass man sie fast schon naiv nennen möchte. Wären da nicht Textzeilen wie Smiles are always toothless, but I run out of excuses. So I have to play excited, but I wish I was uninvited und schließlich der Ohrwurm-Refrain Get me off the list, I’ve got nothing on my wrist, die zeigen, wie fernab Mallrat jedweder Naivität ist und so auch zeigt, dass sie weiß wie sie sich selbst am besten positionieren kann. Uninvited ist ein wahnsinnig guter, eingängiger Popsong, der mit Synthie-Beats und cooler Bassline überzeugt. Und ist so ja vielleicht sogar ein sogenannter Grower, der erst mit der Zeit zum Hit wird aber dann richtig einschlägt.