Palace – Wenn der Schmerz die Heilung bringt

Bereits vor zwei Jahren kamen die Single Break The Silence und das Debütalbum So Long Forever des britischen Trios Palace auf den Markt. Dieses beinhaltete dunkle Indie-Songs, die von Schmerz und Weite getragen wurden. Nun sind Frontsänger Leo Wyndham, Matt Hodges und Rupert Turnersie nach zweijährigem Touren und Song-schreibens zurück und bieten uns mit No Other eine würdevolle neue Single als Nachfolger des Sounds ihres Debütalbums. Dabei ist No Other thematisch der Übergang ihres 2016er Albums, welches sich um Schicksalsschläge und eine dunkle Vergangenheit drehte. Denn hier besingt Wyndham den spannenden Moment, als in seinen dunkelsten Momenten plötzlich eine Person in sein Leben trat, die ihn aus der ausweglosen Situation holte, in der Wyndham keine Hoffnung mehr hatte und sich beinahe verloren hätte. Diese Person entfachte in ihm eine neue Leidenschaft und das wunderbare Gefühl der Liebe. Musikalisch äußert sich dies in einem epischen Indie-Song, der sich oft zu verlieren scheint, nur um sich dann wieder selbst aufzufangen. Hier kommen die ganz großen Gefühle zum Ausdruck und zeigen die Band in all ihrer Kraft.

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Grace Carter – Emotionale Suche nach einer Antwort

Inspiriert von den Sängerinnen Lauryn Hill und Nina Simone hat die heute 21-jährige Sängerin Grace Carter schon früh die Musik für sich entdeckt. Auch oder vielmehr gerade durch ihren Stiefvater motiviert, bekam Carter zu ihrem 13. Geburtstag eine Gitarre geschenkt und wurde von ihm ermutigt, Songs zu schreiben. Acht Jahre später steht sie bei Warner Bros. unter Vertrag und veröffentlichte mit Silence bereits eine respektable Debütsingle. Nun ist sie mit Why Her Not Me zurück und schöpft aus den Vollen ihrer Songwriting-Kunst. Denn Carter zieht die Inspiration für Texte aus ihren ganz persönlichen Erlebnissen, die allesamt von Wut, Frust, Enttäuschungen und Niederschlägen geprägt sind. Hieraus sammelt Carter ihre Energie und schafft es ihren Songs etwas aufbauendes zu geben und sie nicht als das Ende verstanden zu wissen. Auf Why Her Not Me thematisiert sie die Entscheidung ihres gebürtigen Vaters, die Familie zu verlassen um mit einer anderen Frau und Kindern glücklich zu werden, seiner alten Familie aber Schmerz zuzufügen. Dies schafft Carter mit einer so emphatischen Art, dass man meinen würde, sie könnte es nicht selbst erlebt haben. Durch die kräftige Stimme der Britin, ihr dunkles Timbre und einen bombastischen Sound ist Why Her Not Me so, eine Hymne der Stärke und des nicht Aufgebens und ein großes Ausrufezeichen einer noch jungen Sängerin.

Soak – Bereit für Album 2

Vor fast genau vier Jahren hatte die damals 17 jährige Britin Bridie Monds-Watson – alias Soak – ihre Debütsingle B A noBody veröffentlicht. Konnte sie damit viele Kritikerherzen erobern, folgte im Frühling 2015 ihr Debütalbum Before We Forgot How to Dream. Nun ist die mittlerweile 22 jährige Sängerin mit der ersten Single ihres kommenden, zweiten Albums zurück und zeigt uns, dass sie weiterhin für tiefgründiges und emotionales Songwriting steht. Behandelt sie doch auf Everybody Loves You den Widerspruch von Akzeptanz und Verleugnung der ihr als Teil des Erwachsenwerdens begegneten und das Gefühl, dass Freundlichkeit als Zuneigung angesehen wird und man sich als junger Mensch dadurch immer wieder unglücklich verliebt. Das macht Soak einmal mehr so sanft und fast schon scheu, dass man sich zu ihr setzen möchte, um einfach nur da zu sein.

Gloria – Vergangenheit hochhalten

Angeteasert werden Gloria mit dem Begriff Erfolgsalbum Nummer 3. Kommerziell kann dies nicht gemeint sein, hatte es das Album Da schließlich nur eine Woche in die Albumcharts geschafft. Doch dies machen Reporter gerne, um die Besonderheit einer Band hervorzuheben. Doch das brauchen Gloria überhaupt nicht. Anders sieht dies nämlich beim Songwriting, der Produktion und den Gedanken aus, die hinter Glorias drittem Album stecken. Denn hier hat sich das Duo selbst ein kleines Denkmal gesetzt. Mit starken Texten nehmen sie auch auf der zweiten Singleauskopplung Fahrt auf und sprechen auf Narben davon, Vergangenes hochzuhalten. Die Beschreibung Mark Tavassols hierbei trifft wohl auf vieles in unserem Leben zu, denn er meint, dass wir ein Mosaik unserer eigenen Begegnungen sind. Etwas kryptisch dargestellt, kann Narben als Liebeslied, als Freundschaftsbeweis oder als Trauerhymne gemeint sein. Hier liegt es am Hörer, sich den Song anzueignen und mit seiner eigenen Gefühlslage verschmelzen zu lassen. So sind Gloria gerade – neben Kettcars neuem Album – eine der wichtigsten deutschen Bands, wenn es um geistreiches Songwriting und einen starken Sound geht.

Jack Grace – Minimalistisch schön mit neuer Single

Vor 15 Monaten hatte Jack Grace mit All Lost alle überrascht – war seine Mischung aus Trip-Hop, Elektro und Gospel doch im September 2016 wie ein komplett neues Genre. Nun hat Grace zu Beginn des neuen Jahres mit Row Me Home einen neuen Song veröffentlicht und zeigt sich damit noch reduzierter. Hier hören wir Grace‘ Stimme Eingangs nur von einem Klavier begleitet, ehe sein Gesang irgendwo zwischen Vocoder und Synthieblase aufzuweichen scheint. Bereits 2014 am Genfer See geschrieben, fragen wir uns, was den Australier damals beeinflusst haben muss, um Row Me Home so fragil und irritiert klingen zu lassen. Glücklicherweise kommt Grace auch hier nicht ohne seinen gospelhaften Gesang aus, der Row Me Home zeitweilig wirken lässt, als würde er direkt aus einer Kirche mit Gospelchor übertragen. Jack Grace macht emotionale, Singer/Songwriter Musik und vermischt sie mit Elektro und Soul. So scheint es fast, als hätte Grace die Zeit des Songwritings am Genfer See, im Winter verbracht – passt die Stimmung doch perfekt zur kalten, dunklen Jahreszeit.