Bruckner - Für Immer Hier

Bruckner – Der Sommer im Kopf

Es sind zwei Sätze, welche die Brüder Matti und Jakob Bruckner so wunderbar auf den Punkt beschreiben. Zwei Stimmen, die in die tieferen Hautschichten dringen, ein blonder Lockenkopf, daneben ein kleinerer, brauner. Die beiden Brüder Jakob und Matti Bruckner machen Musik, die sich anfühlt wie ein Bad in Euphorie, eine Fahrt mit den besten Freunden im VW-Bus an die französische Atlantikküste, der letzte Sommertag, bevor die Tage kälter werden: sie zelebrieren die Kraft des Augenblicks. Diese beiden Sätze können wir auf der Homepage der Band lesen und bekommen sofort ein Gefühl für die Stimmung, die das Duo erzeugen möchte. Auf ihrem aktuellen Song Nichts Tun scheint es fast schon eine selbsterfüllende Prophezeiung gegeben zu haben – schaut man sich an, was die Pandemie aktuell mit uns macht. Da kommen uns Textzeilen, wie: lass uns heut nicht rausgehen […] News nicht ansehen, es ist eh alles schlecht so vor, als wäre der Song eine Reaktion auf die aktuelle Zeit. Doch ist es vielmehr der Song der vor Nichts Tun veröffentlicht wurde, der so wunderbare Vibes versprüht und uns in absolute Sommerlaune versetzt. Mit Für Immer Hier haben die Bruckner-Brüder nämlich einen wunderbar leichtfüßigen Sommersong – als erste Veröffentlichung aus ihrem für den 26. Juni angekündigten Debütalbum Hier – veröffentlicht. Erinnern die Jungs stimmlich an Bosse oder Thees Uhlmann, lehnen sie sich musikalisch an Bands, wie Parcels oder die Jeremias an. Letztere stehen auch gerade erst vor der Veröffentlichung ihres Debütalbums und zeigen damit, dass eine ganz neue Welle von fantastischen neuen deutschen Bands im Kommen ist. Ob es für eine Neue Deutsche Welle 3.0 reicht – nachdem die 2.0 Welle mit Silbermond, Juli und Wir Sind Helden Mitte der 2000er äußerst erfolgreich war – wird sich erst zeigen müssen. Doch haben Bruckner alles auf eine Karte gesetzt und stehen alle Zeichen mit der Veröffentlichung von Hier unter dem Label von Sony Music auf Erfolg. Vor wenigen Tagen haben Bruckner dann auch eine Zuhause Session-Version von Für Immer Hier veröffentlicht, die an dieser Stelle sehr zu empfehlen ist. Musikalisch hätten es die Jungs auf jeden Fall verdient – steckt in Hier doch so viel Arbeit und Fleiß, dass sich die Jahre des Tourens und Musizierens endlich auszahlen müssen.

The Best Of 2019 Vol. 11

The Best Of 2019 Vol.: 11

01. Moonlight Breakfast – Dance Moves

02. Tora – Tiger

03. Pool – All Because Of You

04. Haim – Summer Girl

05. Friendly Fires – Silhouettes

06. Wallis Bird – As The River Flows

07. Thees Uhlmann – Fünf Jahre Nicht Gesungen

08. Hot Chip – Melody Of Love

09. Gerry Read – It’ll All Be Over (DJ Koze Remix)

10. Cassia – Movers & Shapers

11. Bobby Love – Why

12. Lilly Among Clouds – Look At The Earth

13. Amason – Marry Me Just For Fun

14. Elderbrook & Rudimental – Something About You

15. Half Moon Run – Then Again

16. sir Was – No Giving Up

17. Hollow Coves – When We Were Young

18. REYKO – Lose Myself

19. Ed Sheeran feat. YEBBA – Best Part Of Me

20. Alex The Astronaut – I Like To Dance
Caribou - Home

Caribou – Aus der 5 jährigen Pause zurück

Wenn man als Musiker fünf Jahre lang keine neue Musik veröffentlicht hat, scheint es eine Art Weckruf zu geben, bei dem sich alle auf das Eigentliche konzentrieren und neue Musik veröffentlichen. So haben Thees Uhlmann, MIA. und nun auch Caribou nach knapp fünf Jahren der Abstinenz endlich wieder neues Material veröffentlicht. Dabei hat es der kanadische Musiker und Produzent Dan Snaith in den letzten Jahren gar nicht so abstinent gehandhabt. Denn, hat er unter seinem Pseudonym Caribou zwar tatsächlich 2015 das letzte Mal Musik veröffentlicht und mit dem Album Our Love 2014 alle begeistert, brachte Snaith in der Zwischenzeit unter dem Namen Daphni zwei Alben raus und ist über dies hinaus sogar noch unter dem Pseudonym Manitoba bekannt. Nun widmet sich Snaith also wieder dem Projekt Caribou und erfreut damit unzählige Fans. Mit seinem Mix aus Dreampop, Elektro und Folk kommt der Musiker dem – seit den 90er Jahren bekannten – Genre Intellegent Dance Music (IDM) ziemlich nahe. Denn mit einer gehörigen Portion vertrackteter Soundelemente – allen voran muss das Sample des Gloria Barnes Klassikers Home, aus dem Jahr 1971, genannt werden – klingt Home nach einer Vintage-Soulballade, die ans erste Küssen und als Teenager durch den Regen rennen, erinnert. Dabei hatte Snaith – da ihm die Strophe so sehr gefiel – bereits seit einiger Zeit vor, aus Banres‘ Song etwas zu machen. Nun können wir hören, was der Soundmaster daraus gemacht hat und fühlen uns in die Zeit zurück versetzt, in der wir nach der Schule die Straßen unsicher gemacht hatten und erst mit dem Einschalten der Straßenlaternen zu Hause sein mussten.

Thees Uhlmann - Avicii

Thees Uhlmann – Stampfendes Tribut

In knapp zwei Wochen ist es soweit und das dritte Album Junkies und Scientologen des Hamburgers Thees Uhlmann kommt in die Läden. Bereits mit seiner ersten Singleauskopplung Fünf Jahre Nicht Gesungen vor gut vier Wochen zeigte uns Uhlmann, warum er so wichtig für die Deutsche Musiklandschaft ist. Mit seinen Songtexten, die immer direkt beim Hörer landen und seinen cleveren Wortkonstellationen ist Uhlmann bereits seit Tomte-Zeiten ein hoch angesehener Musiker. Auf seiner nun veröffentlichten, neuen Single Avicii besingt der Label-Mitbegründer des Grand Hotel van Cleef Plattenlabels, die Liebe zu dem schwedischen Musikproduzenten Avicii, der im April letzten Jahres so plötzlich verstarb. Dabei lässt uns Uhlmann textlich etwas im Dunkeln. Stehen sich doch Zeilen wie Du wartest auf die Liebe und ich auf das nächste Bier. Der Platz am Tresen neben mir bleibt heute leider leer. Eine gute letzte Reise, zum Abschied leise winken. Elektronische Musik kann man sich so selten schöntrinken. gegenüber, als könnten sie gar nicht zusammengehören. Mit der Musik jedoch, hat sich Uhlmann wieder an dem tanzbaren Indierock seiner Stammband Tomte orientiert. Thees Uhlmann ist ein wichtiger Bestandteil der deutschen Musikwelt und zeigt, was Songwriting und der richtige Sound mit Themen machen kann, die unbequem sind.

Thees Uhlmann - Fünf Jahre Nicht Gesungen

Thees Uhlmann – Fünf Jahre nicht gesungen

Sechs lange Jahre war der Wahlberliner nicht mehr aufgetreten. Doch nun ist die Stille, die um Thees Uhlmann herrschte, verschwunden. Denn vor einer Woche veröffentlichte Uhlmann mit Fünf Jahre Nicht Gesungen seine erste, neue Single seit der Veröffentlichung von #2 – seinem zweiten Album. Dabei kommt Uhlmann mit einem gewohnt hervorragenden Songwriting zurück und stellt klar, dass das harte Arbeit war. Denn er selbst fragte sich, warum ihm seit fünf Jahren nichts mehr einfiel, über das er Songs schreiben könnte. Vielleicht war es auch der Roman Sophia, der Tod und ich (2015) der Uhlmann des Songwritings beraubte. Schließlich verhalf ihm genau dieser Ansatz – das darüber Nachdenken des ausbleibenden Songwritings – dazu, diese Schreibblockade zu überwinden. Dabei ist das dritte Album Junkies und Scientologen entstanden, das am 20. September veröffentlicht wird. Die erste Single Fünf Jahre Nicht Gesungen hat einen Rhythmus, der an Cold As Ice von Foreigner erinnert und dennoch typisch Uhlmann bleibt. Wir dürfen uns daher auf ein Album freuen, dass wohl nicht all zu stark Neues ausprobiert, sondern vielmehr Thees Uhlmanns typischem Sound treu bleibt.

Melt Festival 2014

3 Tage. 16 Künstler. 35°C. MELT! 2014 Tag 1

Es hätte nicht passender laufen können – heißt doch das Wort melt, übersetzt – schmelzen. Und so kam es dann auch. Doch nicht alleine das Wetter war ausschlaggebender Grund um dahinzuschmelzen, sondern vielmehr waren es die zahllosen Künstler der Indie- und Elektro-Szene die sich die Klinke in die Hand gaben. Was den Besucher erwartete, waren drei Tage erhöter Pulsschlag mit immer wieder kleinen lethargischen Pausen. Kam man zum Überflieger der australischen Musikwelt, Chet Faker, fast zu spät durch die Massen an Neugierigen, wurde man, auf der Hauptbühne angekommen, von seichten elektronischen Beats abgeholt und setzte sich erstmal nieder. Die drei Schwestern von Haim hatten den Slot direkt nach Chet Faker und waren 2013 die Band der Stunde. So ging man mit einer gewissen Erwartung in Richtung Bühne weiter vor um sich diese Schwestern einmal genauer zu Gemüte zu ziehen. Doch nach nicht ganz einer Stunde und Hits wie Forever, The WireFalling und Don’t Save Me blieb die eingangs hochgesteckte Erwartung auf der Strecke. Schafften sie es doch nur bedingt das Publikum abzuholen und spielten viel zu oft für sich selbst. Das man dadurch nur schwer eine Masse von ca. 6.000 Zuhörern mitreißt ist selbstredend. Einzig hervorzuheben ist ausgerechnet keiner ihrer eigenen Songs. So war die Coverversion von Beyoncé’s XOXO eine frische und stilsicher auf das Haim’sche Schema übertragene Popnummer bei der das Publikum textsicher mitsang. So blieb bei Haim der fade Beigeschmack, dass man bei manchen Bands einfach nur deren hochwertig produzierte Alben genießen sollte und auf eine Live-Darbietung verzichten kann.

In dem von dem Musikmagazin Intro aufgebauten Zelt traten Freitagabend ab 22 Uhr die Österreicher Bilderbuch und der Hamburger Thees Uhlmann auf – ist doch das Zelt bekannt als Bühne von beliebten Independent-Künstlen. So haben die aus Wien kommenden Jungs von Bilderbuch mit ihrem Indie-Pop das Zelt so außergewöhnlich beflügelt, dass man meinen sollte, sie werden in den nächsten Jahren nur noch für große Bühnen gebucht. Thees Uhlmann hatte somit im Anschluß leichtes Spiel und holte das Publikum dort ab, wo es Bilderbuch abgesetzt hat. Und so waren Songs wie Zum Laichen Und Sterben Ziehen Die Lachse Den Fluß Hinauf und Das Mädchen Von Kasse 2 nur die bekanntesten Songs des Abends. Was Uhlmanns Auftritt bereichert hat, war die langjährige Erfahrung mit Auftritten von Tomte. Denn ist er doch kein geringerer als ein Profi in diesem Gefielde. So witzelte er zwischendurch sogar, dass er wohl der älteste Künstler des ganzen Festivals sei und stimmte mit der Frage wer noch in seinem Alter sei den Song Am 7. März an.

Zurück auf der Hauptbühne wartete der größte Act des Abends auf seine Performance. Die beiden Norweger von Röyksopp haben sich für eine EP die schwedische Künstlerin Robyn mit ins Boot geholt und ein paar Songs für der Zukunft geschaffen. War doch der Auftritt zunächst Röyksopps künstlerischem Schaffen gewidmet, konnte man Meisterwerke wie Eple, What Else Is There und Poor Leno genießen. Schließlich kam Robyn dazu um einige ihrer größten Hits zu präsentieren und dann schlußendlich Song von der gemeinsamen EP Do It Again darzubieten. Die Energie die diese beiden Acts dabei freisetzen konnten, war über die gesamte Fläche der Hauptbühne zu spüren und schaffte es unter den Besuchern eine gewisse Euphorie zu wecken, die es Röyksopp und Robyn möglich machten, von Lied zu Lied immer weiter zusammen zu wachsen.

Im Anschluß fand man sich im Intro Zelt bei der DJ-Perfomance vom Berliner Kid Simius wieder, der durch seine Experimentierfreudigkeit und einer Fröhlichkeit durchs Konzert führte, dass es keinen ruhig da stehen liess. Natürlich waren hier Wet Sounds und Hola Chica schlußendlich ausschlaggebend für das ekstatisch feiern der Menge. Und so kam es gleich hinten dran zum live DJing eine weiteren großen Nummer der Szene. Denn kein geringerer als Fritz Kalkbrenner stand auf der Hauptbühne hinter den Plattentellern und sorgte mit Songs seiner beiden Alben dafür, dass die nunmehr mit 10.000 Festivalgängern gefüllte Bühne in die Nacht feierte. Und auch hier, wie schon auf dem Berlin Festival 2013, war der krönende Abschluss Sky and Sand aus dem Film Berlin Calling. Die Stimmung, die dieser Song auch sechs Jahre nach seiner Veröffentlichung bei Partygängern verursacht, lässt so Manchen Gänsehaut bekommen.

Mit diesem Gefühl ging der erste Festivaltag zu Ende und man kam erschöpft aber voller Vorfreude bei Sonnenaufgang in seinem Zelt an und fiel zu Boden.

Lies morgen hier wie es am Samstag, dem standesgemäß vollsten Tag, mit FM Belfast, Milky Chance, William Fitzsimmons und Anderen durch die Nacht ging.