Khruangbin feat. Leon Bridges - Texas Sun

Khruangbin feat. Leon Bridges – Thai-Funk oder Südstaaten-Rock?

Es ist eine interessante Mischung, die das US-Amerikanische Trio Khruangbin in seiner Musik vereint. Kommen die Songs zumeist instrumental daher, verbinden Laura Lee, Mark Speer und Donald Johnson hauptsächlich Funk, Soul und Rock und hören sich dabei auch immer authentisch nach Südstaaten-Rock an. Erstaunlich ist hier wiederum, dass die Band, bis auf wenige Ausnahmen wie Leon Bridges, durchweg als Support von elektronischen Künstlern, wie Bonobo, Massive Attack oder Tycho gebucht wird und damit ein weitaus größeres und moderneres Publikum anspricht, als es ihr eher traditioneller Sound vermuten lässt. Nach ihrem dritten Album Hasta el cielo dass im Sommer 2019 erschien, haben sie nun für diesen Freitag die neue EP Texas Sun angekündigt. Diese ist eine Kollaboration mit dem US-Amerikanischen Soulsänger Leon Bridges, den sie 2018 auf seiner Tour supporten dürften. Dabei wird deutlich, wie sehr ihr instrumentaler Rock nach einer Stimme zu greifen scheint, denn auf der Single Texas Sun zeigt sich, wie sich Bridges‘ Gesang an die Harmonien anschmiegt und die feinen Nuancen von Schlagzeug und Gitarren deutlich werden. Die Kollaboration von Khruangbin und Leon Bridges ist eine der unerwartetsten aber gleichzeitig auch spannendsten und zeigt, dass sich unterschiedliche Musikstile wunderbar zu einem großartigen Sound zusammenfinden können.

Sparkling - We Want To See Everything

Sparkling – Bilinguale Indiehelden

Das Prinzip hört sich so simpel an, dass man sich wundert nicht selbst auf so etwas gekommen zu sein. Wir nehmen eine Songzeile, die wir bis ins unendliche wiederholen und dann sogar noch in zwei anderen Sprachen so oft singen, dass man nach dem Song auch sichergehen kann, dass jeder den Titel des Songs im Kopf behalten wird. Dabei ist diese vermeintlich leichte Produktion – wie so oft – gar nicht so leicht umzusetzen, verlieren sich viele Künstler doch oftmals in der Sackgasse der Perfektion. Die Band Sparkling nimmt genau hieraus ihren Antrieb und produziert Songs, die mit einer vermeintlichen Leichtigkeit geschrieben, so viel vielschichtiger sind, als man es auf den ersten Blick vermuten mag. Mit Sounds aus den 90er und 2000er Jahren bedienen sich Sparkling an den Vorbildern der Indieszene. Wie bereits bei ihrer Single We Don’t Want It angemerkt, sieht sich die Band selbst als europäische Band, die in London lebt und wird dabei gleichzeitig in einigen Monaten aus der europäischen Union austreten. Ob sich die Band dann auch dazu entschließen wird, wieder Festlandeuropäer zu werden, bleibt offen. Der nun veröffentlichte Song I Wand To See Everything klingt dabei so nerdig, wie tanzbar und erinnert an den Anfang der 2000er, als simple Computersounds mit Gitarren und Schlagzeug vermischt wurden und aus so vielen Schulbands erfolgreiche Acts wurden. Ob sich Sparkling – in Zeiten in denen gesagt wird, dass der Gitarrensound tot sei – beweisen kann, wird die Zeit zeigen, doch begeistern tun sie uns jetzt schon.

Seafret - Fall

Seafret – Erwachsen und berührend

Das britische Duo Seafret hat sich, seitdem es ihr Debütalbum Tell Me It’s Real (2016) veröffentlicht wurde, nicht ausgeruht. Mit EP’s und neuen Songs haben sich Harry Draper und Jack Sedman immer wieder ins Gedächtnis gerufen und dabei klammheimlich am Sound gearbeitet. Waren ihre ersten Veröffentlichungen allesamt noch deutlich vom Rhythmus eines Popsongs dominiert, schwimmen sich die Beiden nach und nach frei von Erwartungshaltungen und Druck. Dies hört man vor allem, wenn man die früheren Songs, wie WildfireBlank You Out oder Loving You mit der neuen Single Fall vergleicht. Entgegen ihres Hangs zu Balladen ist Fall ein großartiger Powerpopsong, der mit viel Energie und starker Stimme des Sängers Jack Sedman überrascht. Denn eigentlich ist Sedman eher in den hohen Tönen zu Hause. Sicherlich wäre es falsch Fall als tief gesungen Song zu bezeichnen, doch hat sich die Stimme des Sängers auf der neuen Single deutlich mehr Raum genommen und klingt weniger kopflastig. Fall ist eine Hymne, die dem Aufbau von Songs der Killers oder Coldplay ähnelt. Dies wird vor allem im Refrain deutlich, der durch Gitarren und ein voluminöses Schlagzeug an Stärke gewinnt und das komplette Gegenteil zu ihrer hochgelobten Single Wildfire darstellt. Fall ist die Leadsingle ihres, im Februar erscheinenden, zweiten Albums Most Of Us Are Strangers und kann im Februar und März 2020 auf der Europatour live erlebt werden.

MIA. – Fünf lange Jahre sind vorbei

Mit Biste Mode hatten die Berliner von MIA. das letzte Mal 2015 ein neues Album veröffentlicht. Mit direkten Songs und einem ungewohnt direkten Berliner Dialekt überraschte Mieze und Band mit einem persönlichen Album, welches – anders als zuvor – auch mal ganz ohne Elektropop auskam. Nun gibt es mit KopfÜber die erste neue Single seit 2015 und zeigt, wo MIA.s Stärken sind. Mit einem mitreißend, organischen Sound – der aus Gitarren, Schlagzeug und leichten Synthies besteht –  und gewohnt eingängigen Texten lassen MIA. keinen Zweifel daran, uns direkt zu erreichen und das Gefühl des Neuanfangs mit uns zu teilen. Denn das war es, was die Band nach zwanzig Jahren des Bestehens brauchte – einen Neuanfang. Dieser fällt vielleicht nicht ganz so stark aus, wie man es von anderen Acts kennt, doch sind die vier Musiker bei den Arbeiten für das kommende siebente Album Limbo enger zusammengewachsen, als es die zwanzig Jahre zuvor zuließen. So ist ein neues WIR-Gefühl entstanden, welches die Band zur Energiegewinnung für die nächsten Jahre nutzte. Nun sind sie mit KopfÜber auf der Tanzfläche zurück und erobern unsere Herzen im Sturm zurück.

Angels & Airwaves - Kiss & Tell

Angels & Airwaves – Der ganz große Sound ist zurück

Es waren turbulente Jahre, die Tom DeLonge seit 2015 durchlebt hatte. War seine Jugendband Blink-182 seit ein paar Jahren wieder aus ihrer Bandpause zurück – die DeLonge als Mitbegründer der Supergroup Angels & Airwaves produktiv nutzte – folgte 2015 der endgültige Schritt, diese zu verlassen. Schließlich stand es nicht schlecht, um den ehemaligen Frontsänger Blink-182s, denn mit Angels & Airwaves war DeLonge seit 2005 äußerst erfolgreich unterwegs. Brachten Angels & Airwaves 2014 mit The Dream Walker ihr letztes Studioalbum raus, löste sich der Sound zunehmend in eine verträumte Art von Rock auf. Nun ist mit Kiss & Tell die erste Single seit drei Jahren veröffentlicht worden und zeigt, dass sich Angels & Airwaves auf den Sound der Anfänge der Band konzentrierten. Dabei kommentiert DeLonge den Anfang von Kiss & Tell als eine Art Ode an die Beach Boys. Mit den dreistimmigen Harmonien zu Beginn von Kiss & Tell erinnert es allerdings auch an Synthie-Acts wie M83. Schließlich setzt der typische Schlagzeug- und Gitarrensound ein, der DeLonges Rückkehr zum starken Refrain mit seinem unverkennbaren Gesangsstil ebnet. Kiss & Tell ist ein wahres Geschenk an all die Fans, die sich nie so ganz von Blink-182 verabschieden konnten aber auch den modernen Elektrorock der Angels & Airwaves lieben gelernt hat.

City And Colour - Living In Lightning

City And Colour – Wie ein Hauch im Nacken

Das Projekt City And Colours ist nur eines der vielen musikalischen Zweige des kanadischen Sängers Dallas Green. Als reiche es ihm nicht, mit einem Projekt Musik zu machen, hat er 2014 zusammen mit Pink das äußerst erfolgreiche Projekt You & Me gestartet und landete prompt in den Top-10 von acht Ländern. Kurze Zeit später veröffentlichte der Sänger mit If I Should Go Before You sein fünftes Album als City And Colour. Nun ist Green mit der bereits dritten Singleauskopplung Living In Lightning zurück und kündigt damit für den 4. Oktober sein sechstes Studioalbum A Pill for Loneliness an. Dabei geht Green den Weg, weg vom rein akustischen Sound, weiter und blüht förmlich in einem warmen Sound aus Gitarren, Schlagzeugen und sanften Bässen auf. Greens Stimme präsentiert sich hier einmal mehr glasklar – lässt jedoch hier und da kurz den Wunsch nach einem puren A Capella Part aufkommen, bei dem man sich auf die fantastische Stimme des Sängers fokussieren möchte. City And Colour ist das Vorzeigeprojekt des Multitalentes Dallas Green und beweist einmal mehr, wie sicher Green dieses Genre beherrscht.

Half Moon Run - Then Again

Half Moon Run – Vier Jahre der Stille sind vorbei

Nun ist es bereits vier Jahre her, dass die Kanadier von Half Moon Run mit ihrem zweiten Album Sun Leads Me On und der Single I Can’t Figure Out What’s Going On das Nachfolgewerk zu ihrem 2012er Debüt Dark Eyes veröffentlichten. Doch das lange Warten hat ein Ende, denn mit Then Again haben die Jungs um Frontsänger Devon Portielje nun einen ersten neuen Song ihres kommenden, dritten Albums veröffentlicht. Dabei ist Then Again nicht als neue Single im eigentlichen Sinne zu betrachten, haben ihn die Jungs doch bereits vor fünf Jahren geschrieben und immer mal wieder auf Konzerten gespielt. Mit einer Mischung aus Folk, hervorragendem Songwriting und einem epischen Sound aus Geigen, Gitarren und Schlagzeug klingen Half Moon Run dabei fast schon bedrohlich und lassen uns sehnsüchtig auf die kommenden Konzerte hin sehnen. Sie selbst sehen Then Again als ersten Schritt zu ihrem dritten Album – auch wenn sie hierfür noch keinen Veröffentlichungstermin nennen möchten. Den neuen Song können wir allerdings auch schon vor Veröffentlichung des dritten Albums auf vier Konzerten in Deutschland Mitte November erleben. Ob bis dahin auch das Album fertig sein wird, bleibt dabei noch etwas offen.

Felix Räuber @Frannz Club www.soundtrack-of-my-life.com

Felix Räuber – Konzertkritik (Frannz Club)

Es ist fast genau ein Jahr her, da trat Felix Räuber im Berliner ACUD auf die Bühne und präsentierte Musik, an der er in den Jahren zuvor so intensiv gearbeitet hatte. Seitdem sind 12 Monate vergangen, in denen der Sänger eine Remix-Version seiner Debüt-EP Wall veröffentlichte und mit solch monumentalen Songs wie dem akustischen Birth immer wieder neue Musik veröffentlichte. Mit der angekündigten, zweiten EP ME holt der Wahlberliner nun etwas in sich hervor, das so sehr mit Leben gefüllt ist, dass man sich eines Kopfkinos nicht verwehren kann. Diese Songs hatte Räuber nun am vergangenen Freitag im Berliner Frannz Club vorgestellt und damit eindrucksvoll bewiesen, dass seine Musik wertvoll ist und das Publikum sichtlich angetan war, diesen Moment mit dem Sänger zu teilen.

Aber der Reihe nach. Eröffnet hatte den Abend ebenfalls ein Wahlberliner. Hierbei standen Max Wiegand alias Badger – mit Gitarrist Levin Siert und Sean Prieske an den Synths zu dritt auf der Bühne und überraschten mit einem Sound, der satt, elektronisch und erfrischend war. Mit tiefen Bässen, dunklen Sounds und Songs wie MirrorsThe MiddleOf What Will Come Tomorrow oder You Move schafften die drei Jungs es in Windeseile, das Publikum von sich zu überzeugen. Dabei sprach Wiegand immer wieder ganz direkt zum Publikum und präsentierte damit eine entspannte Gelassenheit – auch wenn man hier und da einen angespannten Gesichtsausdruck nicht verstecken konnte. Badger ist ein großartiges Erlebnis mit einer Musik, die sich irgendwo, zwischen 80er-Jahre Synthies, modernem House und klassischem Gesang ansiedelt und live großartig aufregend ist.

Nach kurzer Umbauphase trat schließlich Felix Räuber auf die Bühne und hatte neben seinen beiden Tourmitgliedern am Schlagzeug und am Keyboard, noch vier Orchesterspielerinnen mit dabei. Hierbei bestand das Mondena Quartett aus der ersten und die zweiten Geige, einer Bratsche und einem Cello, welches für eine überwältigende Opulenz in Räubers Songs sorgte.

Man konnte Räuber ansehen, dass er sich in den letzten Monaten verändert hatte. Gewichen war die Anspannung, dass seine Musik eventuell keinem gefallen würde. Indes gewachsen war der Entertainer in ihm. Denn führte uns Räuber mit vielen Anekdoten durch Songs wie Running Out Of TimeHomeBetween The LinesNothing Can Go Wrong, war es immer wieder auch die körperliche Gewandtheit in ihm, die Räuber erhaben, in Gefühlen vertieft und zufrieden zeigte. Bei dem darauffolgenden Gitarrensolo, welches dem Song Birth gleich kam zeigte sich das unglaubliche Potential, das in Räuber und seiner Vorstellung von vielseitiger Musik liegt.

Schließlich folgten mit Every MotionEchoesWall und Burning Sky vier Songs, die allesamt die Wandlungsfähigkeit des Sängers darstellten. Hierbei war vor allem die Präsentation eines der zentralen Punkte, die ein Felix Räuber Auftritt so unterhaltsam machen. Und dabei steht unterhaltsam für einen Auftritt, wie er so auch in den großen Samstagabend-Shows der öffentlich-rechtlichen Sender hätte passen können.

Zum Abschluss spielte Räuber nochmals einen Song, den er bereits zur Mitte des Konzertes sang. Und so entließ uns der Sänger mit Wall im Geistha-Remix und ließ durch die markanten Keys eine Verbindung zum Bronski Beat Hit Smalltown Boy erwachen.

Felix Räuber ist vieles – einsamer Mensch, Liebender, Gefangener und Jagender – doch eines bleibt immer erkennbar, der Mittelpunkt seines Lebens. Und dass ist Musik – in all ihren Facetten, universell und bedeutet dem Sänger vielleicht gerade deswegen so viel.

Tash Sultana – Weite und Wucht auf 3:14 Min.

Tash Sultana hat in den letzten zwei Jahren fast alles eingesammelt, was es zu sammeln gibt. Eine ausverkaufte Welttournee, ein Debütalbum, welches selbst das Feuilleton zum Teil – positiv – überforderte und ein stetes veröffentlichen von neuem Material. Nachdem mit Free Mind im August 2018 die letzte Single aus dem Album Flow State veröffentlicht wurde, ist Sultana gestern mit einem ersten neuen Song wieder zurück auf das internationale Parkett getreten – dafür brauchte Sultana gerade einmal acht Monate und lässt mit der abermals auf Welttournee-Niveau ausgedehnten Sommertour schon fast auf ein zweites Album hoffen. Doch bis dahin sollten wir uns erst einmal mit Can’t Buy Happiness vertraut machen, bei dem Sultana wieder mit den Gegensätzen spielt. Steht Sultana Anfangs nur mit ihrer Gitarre und ein paar verträumten Gitarrenriffs da, wandelt sich der Song zum letzten Drittel mit einem enormen Gitarrenspiel und Schlagzeug zu einer emotional ausufernden Aussage wie es nur Sultana auf so engem Raum schaffen kann. Zum Ende hin ebbt Can’t Buy Happiness schließlich fast schon erschöpft ab und lässt einem das Gefühl da, als hätte man Berge versetzt. Tash Sultana schafft es wie kaum ein anderer Künstler momentan Songs zu schreiben, die introvertiert und doch so ausufernd sind, dass man sich berührt und gleichzeitig aufgefordert sieht. Wenn das nicht eine gute Motivation ist, eines der Konzerte, die Sultana diesem Sommer spielt, zu besuchen!

Better Strangers – Gitarrensound groß gedacht

Zwei Songs findet man im Netz. Zwei Songs mit einem so großen Ausrufezeichen, dass man sich die Ohren reiben möchte und verwundert auf eine Bandhistorie von drei Jahren guckt. Es ist die Berliner Band Better Strangers, die mit den beiden Songs No One und Rest Your Bones einen so sauberen Alternative macht, der sich nach Vertrautem anhört und doch frisch klingt. Hier kommen klangliche Parallelen zu Song, wie Rain oder Don’t You Turn Your Back On Me, von den Göttingern von Guano Apes auf, wird aber auch an die Klangwelt von Muse erinnert. Einprägsame Gitarren und ein starker Gesang lassen die Wirkung der Debütsingle Rest Your Bones schließlich größer wirken, als es ein einzelner Song sein kann. Dabei blitzen immer wieder epische Momente auf, die allerdings nie pathetisch klingen. So windet sich eine Gitarren- und Schlagzeugwolke lethargisch um uns herum und lässt Rest Your Bones zu einem durchdringenden Ohrwurm werden. Am 5. April erscheint Rest Your Bones dann auch als Teil der Debüt-EP Taxi for Susie und dürfte uns weitere Einblicke in die Welt der Better Strangers geben.