Someone – Ein Soundtrack für das Weltall

Die niederländische Sängerin Tessa Rose Jackson ist unter ihrem Musikprojekt Someone bekannt für ausufernde Musikvideos, die ihre Songs in ein völlig eigenständiges Genre heben. Ihr hauchend, hallender Gesang ist dabei der perfekte Soundtrack für eine Tour durchs Weltall. Verfolgt man Someones Diskografie, kommt man, wenn man The DeepForgive Forget und den heute veröffentlichten Song Pull It Together anhört, unweigerlich an den Punkt, an dem man sich selbst auf die Erde niedersehen sieht. Dabei hat Pull It Together Anleihen des 1969er Bowie Hits Space Oddity und schwelgt in Atmosphären fernab des hiesigen Popgeschehens. Mit opulenter Instrumentierung und großen Gesten singt Jackson von ihrem Blick aus dem Himmel – runter zur Erde und lässt mit Textzeilen wie Stuck on a cloud again. This time i can’t come down. It was an accident oh, won’t you help me out. I made the same mistake, yes I know erahnen, wie sie dort hingekommen ist. Someone ist ambitionierter Pop, der immer auch ausufernd und bombastisch klingt und hoffentlich in Zukunft in dem ein oder anderen Science-Fiction Film zu hören sein könnte.

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Moonlight Breakfast – Dreamdance im Breitwandformat

Beim Hören von Look Up wird man das Gefühl nicht los, dass einem der Song irgendwie schon mal begegnet ist. Hört man sich die Stimme von Frontsängerin Christie an, verstärkt sich dieses Gefühl sogar noch einmal. Dabei sind Moonlight Breakfast aus Bukarest dies trotz ihres Newcomer Status überhaupt nicht mehr. Schließlich gibt es die rumänische Band bereits seit 214 und konnten sie als Support von Jamiroquai, Hurts und Macy Gray spielen und sind bei der Abschlusskundgebung der Olympischen Spiele in Sotschi aufgetreten. Noch dazu haben sie mit ihren 2014er und 2016er Alben Shout und Time einen Soundmix aus Dreampop, Elektro mit Anleihen von Swing und Jazz kreiert. In den letzten beiden Jahren folgten dann mit Go Get It und Bonjour zwei neue Singles. Diese werden jetzt durch die dritte Auskopplung Look Up verstärkt und bauen damit ein ganz neues Soundgerüst für das kommende Album auf. Mit einer deutlichen Annäherung zu Elektro- und Dreampop haben Moonlight Breakfast mit Look Up eine wunderbare Easy Listening Single veröffentlicht, die sich mal opulent und episch, mal heimelig und ganz Indie anhört. Dabei erinnert die Musik immer auch ein wenig an Claire, Cosby oder dem schwedischen Jazz-Duo Koop. So lädt Look Up zum schwelgen fallen lassen ein.

Lauren Daigle – Stark wie Adele

Lauren Daigle hat bereits drei Alben in den USA auf Platz 1 bringen können – den Christian Top 100 Billboard Album Charts. Nun ist sie auch mit ihrem dritten Album Look Up Child in die Top-5 der Billboard-Top 100 Albumcharts eingestiegen und zeigt damit, dass sie dieses Spartendenken nicht nötig hat. Denn Daigle besticht durch eine so starke Stimme, die völlig konträr zu ihrem Erscheinungsbild steht. Ist die in Louisiana lebende Sängerin doch eine zierliche Frau, die darüber hinaus noch deutlich jünger aussieht, als ihre 27 Jahre es vermuten lassen. Dabei erinnert vor allem der Beginn ihrer aktuellen Single You Say an die britische Sängerin Adele und ihrem kraftvollen Someone Like You. Daigle hat den passenden Song für die zunehmend kälter werdenden Tage, berührt uns durch ihre warme Stimme, sowie dem opulent arrangierten Sound und wird uns sicherlich bis weit in den Winter begleiten.

Blaudzun – Die Schwere als Verlässlichkeit

Vor knapp vier Jahren stellte ich Euch den niederländischen Singer/Songwriter Blaudzun mit seinem Song Too Many Hopes For July vor. 2016 kehrte er mit dem Album Jupiter – Part I zurück, welches das erste, aus einer Trilogie, sein sollte. Kam 2017 Jupiter – Part II raus, veröffentlichte Blaudzun vor wenigen Tagen nun mit _UP_ (Jupiter – Part III) das dritte und letzte Album daraus. Wie spannend diese Arbeit war, zeigt sich auf dem nun veröffentlichten Song island_. Dieser trägt die volle Ladung Schmerz, Aufbruch, Verletzlichkeit und Mut in sich. Mit wehmütiger Stimme greift Blaudzun zu der kompletten Palette an Instrumenten und geht von ruhigen Momenten mit dem Klavier, über eine, von Gitarren getriebene, Bridge, bis zum opulenten Refrain voller Schlagzeug und drängendem Gesang. island_ fühlt sich an, wie ein Sturm, durch den man muss, um wieder ins Sonnenlicht treten zu können. Getrieben von einem Gefühl der Leere und Wärme zugleich. Blaudzun spielt mit der Wehmut und schafft es immer wieder aufs neue, Gefühle zu wecken. island_ ist ein volles Versprechen an die Seele und geht einem damit nicht mehr aus dem Kopf.

Howling – Elektroperfektion

Howling – Phases

Es beginnt mit einem, immer wiederkehrendem, Echo. Nach anderthalb Minuten setzt ein ebenso wiederholender Gesang ein, um anschließend immer voluminöser zu werden und schließlich in Minute 2:05 zu einem monotonen Bassbeat zu mutieren und mit Gesang Ry X‘ einzusetzen. Somit sind die ersten zweieinhalb Minuten dramaturgisch so vielschichtig aufgebaut, dass man neugierig die noch folgenden sechs Minuten erwartet. Das alles produziert hat das britisch/deutsche Elektro-Duo Howling. Mittlerweile wohl dauerhaft in Berlin sesshaft geworden, haben sich Sänger Ry X und Frank Wiedemann nach längerer Zeit wieder zusammengetan und mit dem Song Phases einen opulenten achteinhalb Minuten Wegbegleiter geschaffen. Phases pendelt zwischen stumpfen Clubbass und sensiblen Ry X Timbre. Diese Mischung wirkt sphärisch und lässt alles vergessen – wenn man sich darauf einlässt. Somit ist der Weg für ein Nachfolger des Debütalbums Sacred Ground gemacht und lässt auf großes hoffen.

Aurora – Rennt mit den Wölfen

Bereits im September 2014 konntet Ihr hier aus http://www.soundtrack-of-my-life.com über die junge Norwegerin Aurora Aksnes und ihren Auftritt beim Showcase-Festival First We Take Berlin lesen. Wirkte sie damals noch mädchenhaft und zurückhaltend, hat sie sich in den letzten Monaten eine zunehmende Souveränität erspielt. Diese brachte ihr schließlich nicht nur einen Tweet von Katy Perry auf Twitter ein, sondern auch eine Auszeichnung als Newcomerin des Jahres bei den P2 Awards. Nicht zuletzt durch ihre kraftvollen Songs und der verletzlichen Stimme schafft es Aksnes zum Kritikerliebling der Musikszene. Tritt sie im Juli auf dem MELT!-Festival auf, ist sie bereits jetzt mit ihrem Song ‚Running With The Wolves‘ überall zu hören. Denn der Mobilfunkanbieter Vodafone benutzt ‚Running With The Wolves‘ für die aktuelle TV-Kampagne. ‚Running With The Wolves‘ ist ein gegensätzliches Popgerüst von einem Song. Wechselt er doch immer wieder zwischen zurückhaltenden, elektronischem Arrangement und opulent, dramatischem Refrain. Aurora Aksnes ist also auf dem besten Weg groß zu werden.

Schwere Texte, intensive Beats – Blaudzun

Hinter Blaudzun verbirgt sich der niederländische Singer/Songwriter Johannes Sigmond. Schon früh kam Sigmond mit Musik in Berührung, war doch die Aufnahmefunktion seines Kassettenrekorders das faszinierendste für den damals fünfjährigen Jungen aus Arnheim. Und so begann er früh – fast schon unglaublich früh – auch Lieder zu schreiben. So ist es auch kein Wunder, dass seine vier bisher veröffentlichten Alben von einer grandiosen Perfektion und Tiefe getragen werden. Singt er doch über Leid und den Tod. Mit der nun herausgebrachten Single ‚Too Many Hopes For July‘ festigt er diese Sicht auf seine Musik nur noch mehr. Ist dieser Song doch groß, schwer und hat ein opulentes Arrangement das ihm die Dringlichkeit des Textes bewusst werden lässt. Wer die Chance hat, ihn einmal live zu sehen, sollte diese nutzen. Ist doch eine ganze Schar an Musikern mit Sigmond auf der Bühne um die Songs live zu interpretieren.

Coldplay – Dem Mainstream bewusst den Rücken gekehrt?!

Wenn man dies bei einer Popband wie Coldplay überhaupt behaupten kann, dann nach dem aktuellen Album Ghost Stories. Sind es doch weniger die großen Hymnen als vielmehr zurückhaltende teilweise experimentelle Songs, die das Album bestimmen. Und so war der geneigte Pop-Radio-Fan auch verdutzt, als die Vorabsingle Midnight veröffentlicht wurde. Besaß diese Single doch so gar keinen Stadionsound. Doch so ganz wollten die Jungs es dann wohl doch nicht sein lassen. Haben sie doch mit A Sky Full Of Stars einen, von Avicii produzierten, Song abgeliefert, der zumindest noch versöhnlich die Hörer streichelt, die solche opulenten Songs gewohnt sind. Die restlichen Songs allerdings, sind eher an den ersten beiden Alben Parachutes und A Rush Of Blood To The Head orientiert. Sie sind ruhig, klein und strahlen Sensibilität aus. Und genau diese Sensibilität weist die nunmehr vierte Singleauskopplung True Love auf, die mit Chris Martins sanfter und zugleich gewohnt hoher Stimme das Gefühl vermittelt, ein guter Freund erzähle eine Geschichte.