Julia Stone - Beds Are Burning

Julia Stone – Ergreifende Coverversion

Es ist eine der größten Katastrophen, die nicht nur Australien in den vergangenen Monaten erlebt hat, sondern auch sinnbildlich für die Veränderung der Natur auf unserer Erde steht. Bei den größten und schlimmsten Wald- und Buschbränden, die die Welt je erlebt hat, sind über eine Milliarde Tiere umgekommen. Hierbei betrug die Fläche der Brände 180.000 km² was ziemlich genau die Hälfte Deutschlands ausmacht. Während sich in Australien viele Freiwillige meldeten, um Tiere zu retten und Feuer zu bekämpfen, haben sich zahlreiche australische Musiker zusammengeschlossen und mehrere Benefizkonzerte ins Leben gerufen. Mit dabei waren Künstler und Bands, wie Tash Sultana, Briggs und Gang of Youths. Auch Angus und Julia Stone waren dabei und sorgte dafür, dass das Benefizkonzert binnen 30 Minuten ausverkauft war. Um noch mehr Geld für die Hilfe der – von den Bränden zerstörten – Gebiete zu sammeln, nahmen schließlich einige Künstler Songs von bekannten australischen Künstlern neu auf. Mit dabei sind Damien Rice, Petit Biscuit, Dermot Kennedy, The Nationals und eben auch Julia Stone, die mit ihrer Version des Midnight Oil Klassikers Beds Are Burning für absolute Gänsehaut sorgt. Mit ihrer intimen und zerbrechlichen Interpretation des 1987er Songs schafft Julia Stone eine Betroffenheit, die durch die schrecklichen Bilder – über das Ausmaß der Brände – noch verstärkt wird. Gleichzeitig zeigt das Musikvideo, wohin wir steuern, wenn nicht jeder Einzelne anfängt, seine Gewohnheiten und Taten zu ändern. Julia Stone hat mit ihrer Version des Klassikers Beds Are Burning einen Stand-Alone Track geschaffen, der sinnbildlich für die Tragödie steht, die Australien in den vergangenen Monaten zu erleiden hatte.

Billie Eilish - No Time To Die

Billie Eilish – Bond-Song ist da!

Es sind große Namen, wie Shirley Bassey, Tom Jones, Nancy Sinatra, Tina Turner, Madonna oder Adele – alle haben in den vergangenen 70 Jahren einen Titelsong zu einem James Bond Film beigesteuert. Bestechen Bond-Titelsongs zumeist durch eine epische Stimmung und ausufernde Arrangement, kam es in der jüngeren Zeit auch immer häufiger vor, dass Titelsongs deutlich poppiger angehaucht waren, als man es gewohnt war. Nachdem es bereits seit gut zwei Monaten Gewissheit gibt, wer den Titelsong für James Bond – Keine Zeit zu sterben singen wird, ist dies nichts Geringeres, als eine Sensation. Denn die gerade einmal 18-jährige US-Amerikanische Sängerin Billie Eilish wird damit zur jüngsten Sängerin eines Bond-Titelsongs. Darüber hinaus hat die Sängerin innerhalb eines Jahres alles geschafft, wofür andere Künstler Jahrzehnte benötigen. Sie hat in diesem Jahr die Grammys in allen vier Hauptkategorien gewonnen, hat das meistverkaufte Album 2019 veröffentlicht und bleibt dabei mit einer Art Anti-Pop, ihrem eigenen Charakter treu. Da stellte sich in den letzten Wochen die Frage, wie kann Eilish das alles mit einem Bond-Titelsong vereinen?! Das Ergebnis hören wir seit heute, denn Eilish hat vor wenigen Stunden auf ihrem Youtube-Kanal den Song No Time To Die für den 25. James Bond Film veröffentlicht. Dieser beinhaltet, neben typischen Elementen eines Bond-Titelsongs, wie den langsamen Beat und klassischen Elementen auch einen Orchester-Part von Hans Zimmer. Aufgenommen in Eilishs Bedroom Studio und produziert von ihrem Bruder Finneas O’Connell ist No Time To Die ein so perfekter Bond-Titelsong, der die Eigenwilligkeit Eilishs und ihres Gesanges mit der Monumentalität der Bond-Titelsongs vereint und einen epischen Sound entstehen lässt. No Time To Die ist ein weiterer Meilenstein in der noch jungen Erfolgsgeschichte der US-Amerikanischen Sängerin.

Icarus feat. Nathan Ball - Meet Me There

Icarus – Mit großer Ankündigung ins neue Jahr

Jetzt scheint es Schlag auf Schlag bei den britischen Brüder Ian und Tom Griffiths – alias Icarus – zu gehen. Hatten sie vor ein paar Wochen bereits mit Rae Morris die Single Dreams Of You veröffentlicht, folgt nun mit Meet Me There die nächste großartige House-Nummer. Dieses Mal als Sänger dabei ist der mittlerweile zum Wahllondoner gewordene Sänger Nathan Ball, den SOML seit einigen Jahren begleitet und bereits zum Interview hatte. Herausgekommen ist ein weiterer treibender House-Track, der mit Balls sehnsuchtsvollem Gesang perfekt die Mischung der Brüder verkörpert. Mit langen Bridges und deutlich größerem Gesangsanteil läuten Icarus eine Zeit ein, die vom Aufbruch und Beenden erzählt. Denn in den letzten Jahren haben die Brüder vieles erlebt und durchlebt, haben Bekanntschaften geschlossen und andere beendet, die ihre Persönlichkeit maßgeblich prägten. Diese Songs, aufgenommen mit ausgewählten Künstlern, zeugen von dieser Phase und lassen die Jungs gerade enorm wachsen. Bereits jetzt steht fest, dass Icarus im kommenden Jahr auf Clubtour gehen und mit UNFOLD ein Projekt veröffentlichen wird, welches noch viele weitere spannende Künstler parat halten wird.

 

Charlotte Cardin & CRi – Wunderbare Interpretation eines Chansonklassikers

Zu erst veröffentlicht wurde Fous N’importe Où 2001 vom kanadischen Singer/Songwriter Daniel Bélanger. Vor fast zwanzig Jahren, auf seinem vierten Album Rêver mieux veröffentlicht, verkaufte er allein in Kanada mehr als 100.000 Alben. Nun – 19 Jahre später – klopfte das Tourismusmarketing der kanadischen Provinz Québec an die Tür des kanadischen Produzenten und Musiker Christophe Dubé alias CRi und fragte ihn, ob er nicht eine Begleitmusik zu einer Werbekampagne machen wolle. Schnell kam dem Musiker der Song des mittlerweile 58-jährigen Bélanger in den Sinn – doch fehlte ihm eine Stimme für seine Interpretation. Mit der aus Montreal kommenden Jazz- und Popsängerin Charlotte Cardin gab es eine Stimme, die genau zu dem Vibe, den CRi auf seiner Version erzeugen wollte, passte. Herausgekommen ist eine intensive und melancholische Popballade, die mit einem Hauch von elektronischen Elementen regelrecht auf Tuchfühlung geht. Mit schwerer Trauer inszenieren Cardin und CRi Fous N’importe Où so, dass der Song für den Moment der ganz großen Gefühle gemacht ist. Hierbei ist fast unglaublich, dass sich der Song in den letzte 12 Monaten weder in den französischen, noch in den kanadischen Charts platzieren konnte – ist er doch wie geschaffen für eine wochenlange Nummer 1!

Christian Reindl & Tessa Rose Jackson - Happy Together

Christian Reindl & Tessa Rose Jackson – 52 Jahre alter Song ganz leise interpretiert

Es war nur eine Frage der Zeit, bis sich der Münchener TV-, Film- und Werbekompnist Christian Reindl mit der niederländischen Sängerin Tessa Rose Jackson über dem Weg laufen würden. Komponiert und produziert Reindl seit einigen Jahren bereits erfolgreich Songs für Marken, wie Coca-Cola, RTL, BMW, Audi oder DreamWorks ist die Sängerin Jackson – nach ihrem Hit Change Time (2012) – vor allem mit ihrem Projekt Someone, welches sie seit 2017 mit so cineastischen Songs und Musikvideos, wie The Deep (Episode 1)Forget Forgive und Pull It Together in Verbindung bringt, aktiv. Hier wird es wohl auch die Schnittstelle gegeben haben, bei der sich Reindl und Jackson begegnet sein müssen. Dabei ist das erste Werk der beiden so überraschend, wie erfreulich. Denn hier haben beide nicht etwa an einem verkopften Bombastsong gearbeitet, sondern sich den 52 Jahre alten Hit Happy Together von The Turtles ausgesucht. Hierbei haben sie eine Version produziert, die sich stark am Original orientiert, dabei aber eine ganz eigene Geschichte von Kälte, Trauer und Ehrfurcht erzählt. Mit dunklen Klangstrukturen und dem hauchenden Gesang Jacksons ist Happy Together eine streichelnde Ballade, die wahlweise für eine schaurige Gänsehaut oder wohlige Geborgenheit sorgt.

Kummer - Wie Viel Ist Dein Outfit Wert

Kummer – Die Abrechnung mit der Generation Scheinq

Ende Juni hatte Felix Kummer mit 9010 seine erste Single unter dem Pseudonym Kummer veröffentlicht. Dieser thematisiert die rechte Haltung vieler Einwohner seiner Heimatstadt Chemnitz. Nun ist – kurz vor der Veröffentlichung seines Debütalbums KIOX am kommenden Freitag – mit Wie viel ist dein Outfit wert eine weitere Single erschienen, in der Kummer über Gucci, Prada, Dior und Fendi rappt. Allerdings ist der Song keine Preisung dieser Marken, sondern thematisiert viel mehr, dass der Schein wichtiger ist, als das Sein. Mit Textzeilen, wie […Der Teufel trägt Prada und jeder Trottel trägt Supreme..], [..Du würdest armen Menschen ja zur Seite stehen. Wenn sie es schaffen würden einfach bisschen geiler auszusehen..] und [..100€ liegen zwischen angesehen und unbeliebt..] manifestiert Kummer seine gesellschaftskritischen Texte und transportiert diese auf eine moderne Art, die eben nur so, die heutige Generation von Jugendlichen und jungen Erwachsenen erreicht. Dabei geht es nicht um jeden Einzelnen, sondern vielmehr um die, die auf den Schulhöfen und Nachmittags in der Gruppe den ärmeren Gleichaltrigen mit Hohn und Spott gegenübertreten. Gleichzeitig nimmt Kummer allerdings – durch kurze Snippet-Einspieler von, unter anderem, Mark Foster und dem Youtuber Mahan (nach dessen Frage auf seinem Vlog wohl Kummers Song benannt ist) – auch populäre Menschen in die Verantwortung und zeigt, wie normal es heute ist, Menschen nach ihrer Kleidung als erfolgreich oder erfolglos bestimmen zu wollen. Mit KIOX wird Kummer wohl eines der wichtigsten Alben des Jahres abliefern und gleichzeitig seine ohnehin schon hohe Stellung im deutschen Musikbusiness manifestieren.

Amason - Marry Me Just For Fun

Amason – Eine Supergroup ganz verträumt

Sie besteht aus der Crème de la Crème der schwedischen Musiklandschaft – die Supergroup Amason. Steckt hinter der Band doch die Sängerin Amanda Bergman – die seit Jahren unter verschiedenen Pseudonymen Musik macht und mit The Tallest Man On Earth-Kristian Matsson verheiratet war, der Keyboarder Gustav Ejstes – der mit seiner Band Dungen in den vergangenen 20 Jahren bereits neun Alben veröffentlicht hat, der Produzent Pontus Winnberg – der als Teil des Produzenten-Duos Bloodshy & Avant Songs unter anderem für David Guetta, Maroon5 und Britney Spears produziert hat und gleichzeitig Teil der Band Miike Snow ist, der Produzent Petter Winnberg – der vor allem als Produzent für Film- und Serienmusik für Netflix, HBO, H&M und Vogue in Erscheinung tritt und der Schlagzeuger Nils Törnqvist, der ebenfalls mit der Band Little Majonettes erfolgreich ist. Hat sich die Band 2012 gegründet, veröffentlichte sie 2015 mit Sky City ihr Debütalbum. Nun ist mit Galaxy I ihr langersehntes Nachfolgealbum rausgekommen und besitzt mit der aktuellen Single Marry Me Just For Fun eine wunderbar, nostalgische Popballade, die mit 80er Jahre Synthies und melancholischer Grundstimmung eine Art Ode auf den Moment darstellen soll. Amason haben damit gleichzeitig den ersten Teil ihres Doppelalbums Galaxy I veröffentlicht, welches aus fünf Songs besteht und Anfang 2020 mit dem zweiten Teil komplettiert wird. Mit der wunderbar hohen und brüchigen Stimme Bergmans, dem poplastigen Sound und dem grandiosen Songwriting kommt einem bei Amason momentan die Frage auf, warum die Band eigentlich nicht ähnlich schnell durch die Decke geht, wie es sonst bei den einzelnen Bands und Projekten der Musiker passiert ist. Mit Marry Me Just For Fun haben sie auf alle Fälle einen veritablen Hit im Angebot, der mit Sicherheit die Fanbase der Band vergrößern wird.

Sault - Let Me Go

Sault – Das Mysterium um eine Band

Es ist diese große soulige Stimme, welche die Band Sault gerade hypen lässt. Doch wer sich hinter diesem Pseudonym versteckt, ist bisher nicht ganz klar. Einige Seiten vermuten, dass der britische Produzent und Songwriter Dean Josiah, der auch unter dem Namen Inflo Remixe macht, ein Teil der Band Sault ist. Dieser hat vor allem Songs für Michael Kiwanuka, The Kooks und Jungle produziert und mit Little Simz, The S.L.P. und Tom Odell zusammengearbeitet. Hinter der Stimme wird die Rapperin Melisa Young – alias Kid Sister – vermutet, die vor allem durch ihre Kollaborationen mit Kanye West bekannt wurde. Doch wäre solch soulig, funkige Musik, wie auf der aktuellen Single Let Me Go eine dermaßen große musikalische Veränderung zu dem bisherigen Sound der aus Chicago kommenden Musikerin, dass man dies fast nicht glauben kann. Für Josiah wiederum klingt das ganze dem des Sounds der britischen Band Jungle schon sehr ähnlich und lässt die Vermutung daher recht plausibel erscheinen. Mit dem Debüt 5 ist bereits im Mai dieses Jahres ein ambitioniertes Album erschienen, welches durch Afrobeats, Soul, Funk und Elektro klingt, wie aus einer Parallelwelt. Sault sind so, gerade auch durch Let Me Go, zu einem regelrechten Phänomen gewachsen, welches es weiterhin gilt, zu entdecken.

Elderbrook & Rudimental – Tanz dich frei

Beide Acts blicken bereits auf eine ausgiebige Diskografie zurück. Sind Rudimental für ihre Kollaborationen mit Blick auf Diversität, Akzeptanz, Inklusion und Freiheit bekannt und haben in der früheren Vergangenheit mit Acts wie Jess Glynne, Macklemore, Tom Walker und James Arthur zusammengearbeitet, steht das Londoner Kollektiv für tanzbare, elektronische Musik, die auch genreübergreifend funktioniert. Elderbrook – der ebenfalls aus London kommende Singer/Songwriter und Produzent – hat in den vergangenen Jahren vor allem durch seine Zusammenarbeit mit CamelPhat auf Cola von sich hören lassen. Nun haben sich beide Acts für Something About You zusammengetan und einen Song veröffentlicht, der sich sanft aber gleichzeitig euphorisierend anhört. Genau diese Mischung transportiert die Intention hinter dem Song – zeigt das Video doch eine Selbsthilfegruppe von Männern, die sich öffnet und dem vergifteten Maskulinismus – der sich jeder Verletzbarkeit bei Männern verwehrt – zu entziehen versucht. Dabei braust Something About You zwischenzeitlich mit Trompeten auf und bedeutet damit das emotionale Freitanzen der Protagonisten. Einmal mehr haben Elderbrook, sowie Rudimental einen Song veröffentlicht, der radiotauglichen Elektro, clubtaugliche Beats und gesellschaftskritische Themen so wunderbar miteinander verbindet, dass man fast spielerisch an schwere Themen herangeführt wird.

The S.L.P. - Nobody Else

The S.L.P. – Kasabian gehen solo…

…bleiben aber dennoch zusammen. Kasabian sind ohne Zweifel eine der großartigsten britischen Bands, die es momentan gibt. Seit 22 Jahren als zusammen, gab es im Laufe ihrer Karriere eine Menge Stilrichtungen, welche die Jungs ausprobiert haben. Nun hat das Kasabian-Songwriter-Mastermind Sergio Lorenzo Pizzorno ein Soloprojekt gestartet und unter der Abkürzung seines Namens als The S.L.P. den Song Nobody Else veröffentlicht. Während seine Bandkollegen und Pizzorno eine Pause mit Kasabian einlegen, hat sich der Brite mit italienischen Wurzeln selbst ausprobiert und seiner Kreativität freien Lauf gelassen. Herausgekommen ist ein satter French-House Song, der nur so vor Lebensfreude strotzt. Dabei kommen raue Beats genauso zur Geltung, wie ein eingängiger Klavierpart und verträumte Gesänge Pizzornos. Das gleichnamige Debütalbum wird am 30. August erscheinen und bietet neben Nobody Else, mit Favourites bereits einen zweiten Track an, der allerdings in ganz gegensätzliche Genres vordringt und eine Kollaboration mit der Hip-Hop- und Grimes-Künstlerin Little Simz ist. Pizzorno wollte Ausbrechen und sich selbst fordern – Musik schreiben, die frei von irgendwelchen Zwängen sei. Mit Nobody Else ist dies eindrucksvoll gelungen und hat der Sänger gleichzeitig einen wahren House-Klassiker mit Indieeinfluss geschaffen.