Cosby – Bekannter Song in neuem Gewand

Cosby sind gern gesehene Gäste auf SOML. Hier konnten Ihr bereits im Herbst 2014 von einer ihrer ersten Songs Boon & Bane lesen. Natürlich habe ich Cosby auch in den Folgejahren mit Songs, wie Yeah und Get Up immer wieder mit dabei gehabt. Dabei stellte Get Up die Weichen für Album Nummer zwei, welches als Milestone vor nunmehr einem Jahr veröffentlicht wurde. Die gleichnamige Single begeisterte dann auch mit einem warmen und wichtigen Musikvideo. Dass das Potential des Albums und der Single allerdings noch lange nicht ausgeschöpft waren, zeigt die nun veröffentlichte Remix-Version des Kölner DJs und Produzenten Michael Müller – alias Charming Horses. Denn dieser hat sich die Single Milestone noch einmal vorgenommen und einen Deep-House Track daraus gebastelt, der in einer Reihe mit Robin Schulz und Felix Jaehn ugenannt werden kann. Denn hier klingt Milestone nochmal eine ganze Spur größer und schafft den ohnehin angesagten Indiesound der Band noch einmal zu steigern. Milestone im Charming Horses Remix ist damit ein strahlender Stern am aktuellen Elektro- und Indiehimmel

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Adelphi Music Factory – Der Soundtrack der Silvesternacht

In solchen Momenten ist es schwierig überhaupt einen Text zu einem Act zu verfassen. Gibt es doch im Netz außer die immer gleichen Infos kaum bis gar nichts über den Act zu finden. Im Falle von Adelphi Music Factory musste man schon etwas tiefer in die Producer-Struktur schauen, um rauszufinden, dass die Vocals auf Javelin (Calling Out Your Name) ein Sample der amerikanischen Gospel-Sängerin LaShun Pace sind, die den Song It’s Me Oh Lord (Acapella Praise) bereits auf ihrem 2011er Album Reborn veröffentlichte. Recherchiert man weiter, wird bei dem Namen Mark Summers schnell klar, dass hier ein ganz großer Produzent Hand angelegt hat. Denn Summers steht wie kaum ein anderer Produzent für euphorische Party-Dancehits der letzten 20 Jahre. So hat er unter anderem für Kylie Minogue, Aphex Twin und Jocelyn Brown Songs produziert und steht mit seinem Label Scorccia Records für eine Musik, die Diskomusik der 70er, Hip-Hop der 80er und 90er House mischt und daraus eine unverwechselbar, tanzbare Musik schafft. Dies zeigt sich nun auch auf Javelin (Calling Out Your Name), bei dem Summers mit weiteren Produzenten unter dem Pseudonym Adelphi Music Factory auftritt und mit den Worten Die Welt ist in Aufruhr. Der Hass wächst, doch der Widerstand auch. Adelphi Music Factory, ein industrielles Kollektiv aus dem Norden, schmiedet mit Javelin eine mit Liebe erfüllte Gospelbombe. The Black Madonna, Denis Sulta, Skream, Artwork und Annie Mac tragen dazu bei, die Botschaft von Schwesternschaft, Brüderlichkeit, Freiheit und Frieden auf den Tanzflächen auf der ganzen Welt zu verbreiten. Dass dies wichtiger denn je ist, zeigt ein Rückblick auf das endende Jahr 2018. Also lasst es uns Adelphi Music Factory gleich tun und feiert mit Javelin (Calling Out Your Name) in das neue Jahr 2019. Ich wünsche Euch einen guten Rutsch und ein gesundes, liebevolles und erfolgreiches 2019! Stay tuned!

Maribou State – Locker und sommerlich zum Ohrwurm

Gerade erst ihr zweites Studioalbum Kingdoms in Colour veröffentlicht, heizt uns das britische Duo Maribou States um Chris Davids und Liam Ivory aktuell mit ihrem Track Nervous Tics ordentlich den Oktober ein. Passend zu den sommerlichen Temperaturen vor der Tür haben Maribou States damit einen Soundtrack für den nicht enden wollenden Sommer 2018 beigesteuert. Dabei bedienten sie sich an einem Instrument aus China, welches bereits vor über 2000 Jahre (!!!) in China zur Erzeugung von Musik genutzt wurde. Das Guzheng ist eine Zither, die durch ihr Wölbbrett und die veränderbaren Stege, immer wieder andere Töne erzeugen kann. Hinzu kommt die sanfte Stimme der Londoner Sängerin Holly Walker, mit der das Produzenten-Duo bereits in der Vergangenheit zusammenarbeitete. Auf Nervous Tics geht es um den aktuellen Zeitgeist und der Flut an Informationen durch die Medien und unsere Smartphones, die zu nervösen Ticks führen und uns das Gefühl geben, etwas verpassen zu können. Dabei haben Maribou State einen so leichten Song produziert, der hier und da eine sehnsuchtsvolle Melancholie ausdrückt aber immer noch so chillig ist, dass er zu den letzten warmen Sonnenstunden dieses Jahres passt.

Justice – French House S.O.S.

2016 hat das französische Duo Justice seine dritte Platte Woman veröffentlicht, da kam nun vor drei Wochen das Remix-Album Woman World Wide raus. Mit auf der Platte sind Songs wie Audio, Video, Disco, D.A.N.C.E., Safe And Sound, Stress und We Are Your Friends. Zusätzlich auf dem Remixalbum enthalten ist Love S.O.S. (WWW) in einer Version, die so typisch nach French-House und nach den jungen Justice klingt, dass man sich fast zehn Jahre zurückkatapultiert fühlt. Mit wirbelnden Beats, dem Gesang von Remuald und deutlich satterem Sound ist Love S.O.S. (WWW) nun bereit für die Tanzfläche. Im direkten Vergleich klingt die Originalversion zum nun veröffentlichten Remix schneller, voller und intensiver. Justice haben mit dem Woman World Wide Remix-Album ein Album veröffentlicht, dass für sich selbst steht und nicht den Weg eines gewohnten Remix-Albums einschlägt. Dabei zeigt Love S.O.S. alle Facetten des französischen Duos in voller Vielfalt.

Alt-J feat. Kontra K – Eine ungleiche Überraschung

Sie sind die britischen Kritikerlieblinge – modern, elektronisch, experimentell und trotzdem immer melodisch. Er ist aktuell einer der erfolgreichsten Rapper Deutschlands und hat seine drei letzten Alben jeweils auf Platz 1 der deutschen Albumcharts platzieren können. Nun ist für das Remixalbum Reduxer, der britischen Band Alt-J, eine Zusammenarbeit entstanden, die so auch nur selten zu finden ist. Hierbei hat Kontra K den Alt-J Song In Cold Blood überarbeitet und neuinterpretiert. Dabei fügte Kontra K sogar deutsche Songtexte hinzu und sorgt so, auf dem kommenden Alben Alt-J’s für eine wahre Überraschung und das, obwohl In Cold Blood die bekanntesten Singles des dritten Studioalbums Relaxer ist. Dabei haben sich die Band und der Rapper wohl letztes Jahr auf dem Hurricane Festival kennengelernt und fanden es so spannend, dass sie etwas zusammen umsetzen mussten. So ist auch die Neuinterpretation der Relaxer-Songs entstanden und konnte Alt-J damit sogar ein komplettes Album füllen. Die Zusammenarbeit mit Kontra K stellt sich hierbei als befruchtend, frische Art und Weise dar, einen vormalig indielastigen Song, mit Rap zu versehen und damit ein neues Musikgenre, das man dann wohl Indierap nenne würde, zu kreieren. Hervorragend frisch und deutlich verändert ist diese Version von In Cold Blood eine Neuauflage, die sich sehen lassen kann.

Soul Clap – An einem Sonntag am See

Anders könnte man den Song Moov To Tha Beat, den das US-Amerikanische Produzenten-Duo Soul Clap veröffentlicht hat, nicht beschreiben. Voller klebriger Beats, relaxtem Housebass und den kopfverdrehenden Vocals haben Soul Clap einen der größten Klassiker der 70er Jahre zu Ihrem gemacht. Mit dem Sample von Chaka Khans I’m Every Woman hat das Duo um Eli Goldstein und Charles Levine eine satte Sonntags-Feel-Good-House-Nummer abgeliefert, die zum Open-Air oder zu einem Tag am See passt. Beats so dick wie die Hitze des Sommers lassen Moov To Tha Beats zum perfekten Sommerbegleiter werden.

Haevn – Kino trifft Sommer

Das niederländische Duo Haevn hat bereits einige Veröffentlichungen hinter sich, ehe vor zwei Wochen endlich ihr langerwartete Debütalbum Eyes Closed das Licht der Welt erblickte. Darauf enthalten sind alle bisher veröffentlichten Singles Where the Heart IsBright LightsFinding Out MoreFortitude und die aktuelle Single Back In The Water. Damit ist das Album voller cineastischer Songs, die einem Soundtrack entstammen könnten. Nicht von ungefähr kommt diese Assoziation – besteht das Duo doch aus einem Singer/Songwriter und einem Filmmusikkomponisten. Mit Back In The Water veröffentlichen Haevn nun allerdings eine Remix Version des irischen Produzenten und Remixers Mark McCabe offiziell. McCabe war bereits 2016 als Remixer des Gavin James‘ Songs Nervous beteiligt und bringt mit seiner Version des Haevn-Songs nun etwas Summer-Feeling in die Produktion. Dabei klingt Back In The Water immer noch nach Haevn, hat aber zusätzlich die Leichtigkeit der aktuellen EDM-Trends im Gepäck.

Disclosure – Läuten den Sommer ein

Pünktlich zur warmen Jahreszeit und pünktlich zur ersten Hitzewelle 2018 hauen die Brüder Guy und Howard Lawrence alias Disclosure ihre erste Single aus dem kommenden, dritten Album raus. Dabei haben sich die Briten die malische Sängerin und Schauspielerin Fatoumata Diawara dazugehört und brechen damit aus ihrem bisherigen Muster aus, in dem sie zumeist auf große und bekannte Namen gesetzt hatten. Ultimatum ist gewohnt tanzbar, zeigt aber auch, dass Ihr Deep-House wunderbar mit Weltmusik kombinierbar ist und diese in die Clubs der westlichen Welt trägt. Wann wir mit dem dritten Album rechnen können, steht indes noch nicht fest, haben sich die Jungs doch 2017 für eine mindestens einjährige Pause für Auftritte entschieden, um an gerade diesem Album zu arbeiten. Sollte sich der Musikstil auch auf anderen Songs zeigen, dürfen wir uns auf ein abwechslungsreiches Clubalbum freuen.

Felix Räuber – Konzertkritik

Wenn ein Mensch einem Anderen die Worte zuwirft Schön, dass du die Zeit findest, deine Aufmerksamkeit meiner Musik zu schenken. Ich würde dir gerne ein paar Worte dazu erzählen. Dann möchte er wirklich etwas teilen. Dass dieser Mensch, der an diesem Abend auf der Bühne steht, eine ganze Menge zu teilen und mitzuteilen hat, liegt an seiner Vergangenheit und wie er seine Gegenwart und Zukunft gestaltet.

Es ist Mittwoch, der 23. Mai 2018 und im Berliner ACUD läuft Felix Räuber mit Wunderkerzen in der einen und einem Kassettenrekorder in der anderen Hand, durch das Publikum zur Bühne. Es ist der Beginn seiner Geschichte. Nach dem herausragenden Erfolg mit der Band Polarkreis 18, kam es 2012 zum Bruch. Was folgte, waren diverse Projekte in Chören oder dem Pop-Duo Zwei von Millionen. Hiebei nagte bei Räuber die Unzufriedenheit immer deutlicher und die Frage kam auf, ob er als Künstler überhaupt noch arbeiten könne.

Mit seiner, am heutigen Freitag erscheinenden EP Wall beweist Räuber eindrucksvoll, wie relevant er noch ist. Denn ähnlich wie das gleichnamige Polarkreis-18-Album aus 2007, ist die EP voller Vielfalt, Mut und Experimentierfreudigkeit. Über 14 Songs und 75 Minuten nahm Räuber das Publikum in diesem intimen Umfeld mit in eine Welt, die sich nicht im Hier abzuspielen schien. Über drei Interludes präsentierte der, mittlerweile in Berlin lebende, Sänger Songs, die selbst auf der Wall EP noch nicht zu finden sind. Zwischen massiven Basslines, Pianostücken, Falsettstimme und Rock, bot Räuber eine Palette, die den verschiedensten Emotionen des Menschen ähneln. Dabei gelang Räuber der Spagat zwischen penibler Perfektion und charmanten Verlieren-im-Sound. Nicht von ungefähr kommt die Perfektion, die er bereits zu Zeiten der Band Polarkreis 18 besaß.

Es sollte alles stimmen, zu wichtig war es Räuber seine Songs so zu präsentieren, wie er sie einst im Kopf hatte. So war er an diesem Abend nicht nur als Sänger und am Keyboard aktiv, sondern gleichzeitig auch immer wieder Dirigent. Als charmanten Höhepunkt, kam es bei er Performance von Wall zu einem Abbruch und Neustart des Liedes, sowie einem zweiten Abbruch und der Wiederaufnahme. Sinngemäß kommentierend, dass es Hits geben soll, bei denen immer etwas schief geht, arbeitete sich Räuber dabei so professionell durch, dass am Ende genau dieser Moment die Einzigartigkeit der intimen Record-Release Show ausmachte.

Kam es erst wenige Tage vor dem Konzert zu der Entscheidung, die beiden Orchesterspieler mit auf die Bühne zu nehmen, zahlte sich die musikalische Vielfalt vollends aus. Schließlich begleiteten sie fast jedes Lied an diesem Abend. Dass sich Räuber hier – im allerbesten Sinne – immer wieder in seiner Musik verlor, sprach nur für die Vielschichtigkeit und übertrug sich auf das Publikum. Dabei wankten Menschen, mit geschlossenen Augen wohlwollend zum Sound und ließen ihre ganz eigenen Erinnerungen Teil des Songs werden.

Mit dem herausragenden Wall-Remix vom deutschen Musiker Geistha, der bisher leider nirgendwo zu finden ist und dem Après Minuit hat sich Räuber mit letzterem Song sogar einen kleinen Die-Fabelhafte-Welt-Der-Amelie-Moment gezaubert. Denn hier hatte er sich für den Auftritt, den ebenfalls aus Berlin kommenden Musiker und Produzenten Schlindwein mit ins Boot geholt. Ebenso dabei war zum Schluß des Konzertes eine Coverversionen des Scott Mathew Songs Effigy, den Räuber völlig auslebte. Dabei griff er sich schließlich das  Kassettenradio und lief mit der Textpassage Find my way home abermals durch das Publikum, um den Raum schließlich zu verlassen.

Mit Wall beginne ich nun eine Reise, die noch viele spontane Momente hervorbringen wird, darauf kann ich endlich wieder vertrauen. Ich freue mich, dir auf diesem Weg zu begegnen erwidert Räuber schließlich am Ende seines EP-Booklettextes. man merkt in jedem Moment, dass Räuber hierbei unglaublich viel Herz und Energie hineingesteckt hat.

Zuletzt auf einem Konzert von Polarkreis 18 im Jahr März 2009 live gesehen, ist Räuber nicht nur erwachsener geworden, sondern präsentiert sich auch angekommen und selbstsicher. Und so endet der Abend schließlich darin, dass man – förmlich überrumpelt von der Frage was man sich in die gerade erworbene EP notieren lassen möchte – keine Antwort parat hat und somit ein schlichtes aber charmantes Liebe Grüße von Felix Räuber zu lesen bekommt. Räuber ist damit mit seiner Wall EP zurück und stärker denn je.

Au/Ra & CamelPhat – Und alles kommt zusammen

Mit Cola konnte das britische DJ-Duo CamelPhat Ende 2017 einen der größten Clubhits des Jahres landen. Der hypnotisierende Beat und der derbe Housesound brachten ihnen damit sogar eine Grammy-Nominierung als Best Dance Recording ein. Nun haben sich CamelPhat mit der – in Spanien aufgewachsenen – Sängerin Au/Ra zusammengetan und den Song Panic Room veröffentlicht. Dabei besticht Au/Ras Stimme durch eine gewisse Erhabenheit und zeigt, dass die gerade einmal 16 jährige Sängerin offen für verschiedene Einflüsse ist. Schwingt ihr eigener Sound zwischen Pop und Elektro und erinnert an Lana Del Rey oder Lorde, geht sie mit CamelPhat einen Schritt weiter und taucht in die Tiefen der Clubs ein. Dabei singt sich Au/Ra in den letzten Monaten in immer mehr Herzen und erreicht zunehmend mehr Menschen. In London bereits in ausverkauften Hallen spielend, gelangen ihre Songs mittlerweile auch in die Radios. Dabei dürfte die Zusammenarbeit mit CamelPhat nur förderlich sein. Ist der tiefe Housebeat doch ein Garant für die Clubnacht. Mit Au/Ra und CamelPhat treffen sich zwei der spannendsten Newcomer-Acts, die wir 2018 ganz genau im Auge behalten werden.