AVEC - I Don't Pray

AVEC – Ein Song mit besonderer Stärke

Immer wieder bin ich fasziniert von der österreichischen Musikerin AVEC, die mit ihren Songs so unglaublich viele Emotionen vereint und dabei zwischen Sehnsucht, Melancholie und Stärke wandelt. Auf ihrem neuen Song I Don’t Pray spielt aber vor allem die Geschichte hinter dem Track eine wichtige Rolle. Denn hier geht es um den Verlust eines wichtigen Menschen. Für AVEC wohl der wichtigste Mensch überhaupt, im Bezug auf ihre musikalische Karriere. Es war ihr Onkel, der sie Mitte der 2010er dazu motivierte, stark zu sein und am Traum des Musik machens festzuhalten – als erste Person überhaupt in ihrem Umfeld, wie die Sängerin in einem Behind The Scenes Video sagt. Doch 2020 sollte sich diese Beziehung dann nochmals deutlich verstärken, hatte sie doch erfahren, dass er unheilbar erkrankt sei. So fing AVEC an, den Song I Don’t Pray zu schreiben, der sich um das Fortgehen ihre Onkels dreht. Packend dabei ist der Prozess des Songs, der sich sowohl mit Fragen vor dem Ableben, als auch mit den Gefühlen nach dem Tod beschäftigt. So singt AVEC im ersten Teil des Songs darüber, dass sie nicht weiss, wie sie damit umgehen soll, dass er nicht mehr da sein wird, nur, um etwas später mit der Tatsache des Ablebens zu arbeiten und sich zu sagen, dass es nun ok ist, dass er nicht mehr bei ihr sei.

AVEC Photo by Martin Morscher
AVEC Photo by Martin Morscher

Ebenso gilt dieser Twist dem Refrain, in dem sie singt No I don’t pray. But tonight I do, this time I do. Im Verlaufe des Songs wandelt sich die leise Ballade in eine kraftvolle Hymne der Heilung. Hier hören wir die Gefühle im Wandel, so klar und roh, wie man sie nur über den Verlust eines wichtigen Menschen finden kann. Mit einer warmen und emotionalen Stimme singt AVEC die Gefühle heraus und wird durch einen anschwellenden Sound unterstützt, der die Gewichtung wunderbar aufbaut. I Don’t Pray ist ein Gewitter an Gefühlen und Gedanken, welches die Sängerin im persönlichsten Song ihrer bisherigen Karriere mit uns teilt. Erst nicht zur Veröffentlichung gedacht, hat AVEC mit dem Abstand eines Jahres nun eine neue Sicht auf diese ganz persönliche Erfahrung erlangt und möchte ihren Onkel mit I Don’t Pray für die ganzen Erinnerungen, den Zuspruch und den festen Glauben an die Sängerin ehren und ihm danken. Mit I Don’t Pray hat AVEC einen Song geschrieben, der einmal mehr warm, emotional, stark und gleichzeitig so besonders durch die Erfahrung ist, dass man selbst fünf Minuten nach dem Song noch immer Gänsehaut hat und das Gefühl in ihrer Stimme nachhallt.

Julia Stone feat. Matt Berninger - All We Have

Julia Stones feat. Matt Berninger – Völlig entsagt

Julia Stone hatte es in der Vergangenheit nicht immer leicht. Mit ihren ersten beiden Alben The Memory Machine (2010) und By The Horns (2014) versuchte sich die Australierin von ihrem Geschwistergespann zu lösen und sich als eigenständige Musikerin zu etablieren – wurde sie oftmals doch nur als die eine Hälfte von Angus & Julia Stone angekündigt. Hinzu kam, dass sich Rezensenten bei ihren früheren Alben auf die Stimme der Sängerin fokussierten und sie als zu mädchenhaft kritisierten. Spätestens mit der ersten Singleauskopplung Break aus ihrem dritten Studioalbums Sixty Summers, das am 19. Februar erscheinen wird, zeigte Stone eine Facette, welche die härtesten Kritiker erstaunt zurücklässt. Denn mit einem offenen Sound, der in Richtung Weltmusik geht, zog uns Stone ab Sekunde Null in ihren Bann und fegte uns gleichzeitig mit einem berauschenden Musikvideo weg. Es folgten die Singles Unreal und Dance bei dem vor allem der letztgenannte Song warm von Vertrauen und Zuneigung erzählt und mit Susan Sarandon und Danny Glover zwei Hollywood-Stars im Musikvideo vereint.

Julia Stone feat. Matt Berninger - All We Have (music video)
Julia Stone feat. Matt Berninger – All We Have (music video)

Nun hat Julia Stone mit We All Have die vierte Single veröffentlicht und erzählt von der Liebe, die wir alle so sehr benötigen. Dabei meint die Australierin nicht die Liebe zu jemand anderen, sondern die Liebe, die wir in uns tragen und die uns ausmacht. Wie schon bei den letzten Songveröffentlichungen kommt auch die neue Single nicht ohne eine Überraschung aus. Hier entschied sich die Folksängerin dafür, die einzige Kollaboration auf ihrem neuen Album zu veröffentlichen und hat sich mit Matt Berninger von The National gleich einen der renommiertesten Musiker unserer Zeit geangelt. Dabei überraschen The National aktuell durch eine rege Beteiligung an Songs und Platten anderer Künstler, wie die Zusammenarbeit von Aaron Dessner auf Ben Howards neuem Album  Collections From The Whiteout zeigt. We All Have hat eine wunderbar gemütliche Atmosphäre, die durch Stones Gesang davonzuschweben scheint und durch Berningers tiefe, brummende Stimme eingefangen und am Boden gehalten wird.

Netta - The Best Of Netta's Office Vol. 01 (EP)

Netta – Energie lässt sich nicht stoppen

Was macht so ein Jahr der Zurückhaltung mit einem?! Netta fiel diese Frage noch schwerer, als manch anderer Künstlerin. Kurzerhand machte sich die israelische Sängerin daran, ihren ganz eigenen Podcast zu starten und coverte darauf über das Jahr immer wieder bekannte Songs. Da ist zum einen Coco Jamboo des Bremer Trios Mr. President, der es im Original weltweit nach ganz oben in den Charts brachte und sogar in den USA bis auf Platz 21 stieg. Aber auch an Aquas Barbie Girl wagte sich die Sängerin, die mit Toy 2018 ihren Durchbruch feierte. Wie futuristisch Nettas Sound ist, zeigt sich bei dem Eiffel 65-Cover von Blue (Da Ba Dee) – das im Original bereits futuristisch klingt. Hier arbeitet sich die Musikerin mit blechernen Synthies und stampfenden Beats durch den Song und gibt dem Ganzen eine dramatische Stimmung, die melancholisch und balladesk klingt. Mit Supercalifragilisticexpialidocious hat die Isrealin nun auch einen Song aus unserer Kindheit neu interpretiert, der 1964 in den Mary Poppins-Filmen auftauchte und von Julie Andrews gesungen, auch heute noch ein großartiger Kinderklassiker ist. Doch ist es der, ebenfalls 1964 veröffentlichte, Song The Times They Are A-Changin‘, der besondere Aufmerksamkeit verdient. Denn entgegen der öffentlichen Wahrnehmung, kann Netta nicht nur eine der lautesten, schrillsten und verrücktesten Künstlerinnen sein, sondern auch gleichzeitig ruhige, introvertiert und melancholisch klingende Balladen perfekt singen.

Netta
Netta

Bereits Anfang des Jahres begeisterte Netta mit Cuckoo – einem Song, der von Zweifeln in einer Beziehung handelt. Mit The Times They Are A-Changin‘ hatte Bob Dylan 1964 einen Song geschrieben, der als Hymne für die Veränderung des Moments dienen sollte. Diese Veränderung erleben wir seit nunmehr knapp elf Monaten immer und immer wieder und passen uns den neuen Gegebenheiten an. Genau diese Veränderung ist es auch, die Netta dazu gebracht hat, Dylans Song für ihre Cover-EP neu einzusingen. Mit choralen Vocoderraunen und dem beruhigenden Gesang Nettas, lässt uns The Times They Are A-Changin‘ innehalten und darüber nachdenken, was uns das Jetzt bringt. Gleichzeitig hat Nettas Stimme eine kräftige Färbung, die sich wunderbar dem Gefühl des Sehnens, nach einer Veränderung, hingibt. The Times They Are A-Changin‘ ist ein Protestsong, den Dylan 1964 veröffentlicht hat und zeigt auch 56 Jahre später noch eindrucksvoll, wie wichtig diese Art der Songs ist und mit Nettas Interpretation, wie universell Musik sein kann. All ihre Cover-Songs erscheinen heute auf Nettas neuer EP The Best Of Netta’s Office Vol.: 01 und markieren eine weitere Momentaufnahme der Musikerin, die nur so vor Lebensfreude strotzt.

Arlo Parks - Caroline

Arlo Parks – Der Traum der Generation Z

Wie fühlt es sich für junge Erwachsene an, in einer Welt der Nostalgie aufzuwachsen. Mehr noch, als zu Jugendzeiten der Generation Y hat die Generation Z damit umzugehen, dass sie eine, noch nie dagewesene, nostalgische Melancholie umgibt. Von einem Revival an Songs, welche die späten 90er und frühen 2000er bestimmten, bis hin zu den Phrasen, dass früher alles besser war, stehen die gerade volljährig gewordenen Menschen in einer Blase, die sie versuchen aufzuploppen um ihre eigene Identität zu formen. Arlo Parks ist eines der besten Beispiele für diese Zerrissenheit der Jugend. Es ist nach wie vor angesagt cool zu sein, doch hat Anaïs Oluwatoyin Estelle Marinho – wie Arlo Parks bürgerlich heißt – einen Weg gefunden, diese zwiespältige Jugend in Musik umzusetzen. Gleich mit ihrer ersten EP nutzte sie den Titel, um darauf aufmerksam zu machen und nannte ihre Debüt-EP Super Sad Generation. Hier sagt die Musikerin über die Songs, dass es eine Erinnerung daran ist, dass Verrat unvermeidlich ist, wenn es um hübsche Menschen geht, die denken, Blumen reparieren alles. Mit einem intelligenten Mix aus Bedroom-Pop, Indie und Folk hat Arlo Parks so in den vergangenen zwei Jahren eine Reihe an Songs veröffentlicht, die keine leichten Popsongs sind und erwarten, dass man sich mit den Tracks auseinandersetzt.

Arlo Parks Credit: Alexandra Waespi
Arlo Parks Credit: Alexandra Waespi

Nun, in Vorbereitung auf ihr am 29. Januar 2021 erscheinendes Debütalbum Collapsed in Sunbeams, veröffentlicht die gebürtige Londonerin, mit nigerianisch, französisch, tschadischen Wurzeln die Single Caroline. Caroline ist eine Übung, bei der Menschen beobachten und sehen, wie sich Situationen ohne Kontext entwickeln. Es ist eine Erforschung, wie sich etwas, das einmal voller gesunder Leidenschaft war, in einem Augenblick auflösen kann so die Sängerin. Damit macht sie gleichzeitig darauf aufmerksam, wie reflektiert die Generation Z – im Vergleich zu ihren vorherigen Generationen – ist und für etwas einsteht, dass sich am Gemeinwohl orientiert. Arlo Parks gilt seit letztem Jahr als eine der größten Hoffnungen Großbritanniens und kann 2021 ihren, durch die Pandemie verpassten, Durchbruch in diesem Jahr mit der Veröffentlichung ihres ersten Albums endlich nachholen. Caroline ist ein Traum von einem Song, der es schafft, uns für einen kurzen Augenblick der konfusen Welt, vor unseren Türen, zu entreissen und uns in eine wohlig, warme Blase mitzunehmen, in der wir kurz durchatmen können.

girl in red - two queens in a king sized bed

Girl In Red – Besinnliche Töne

Im Winter 2018/2019 schallte es durch alle Indie-Radios – My girl, my girl, my girl. You will be my girl. Dabei hatte die Norwegerin Marie Ulven – alias girl in red – mit Songs, wie we fell in love in october, i’ll die anyway oder midnight love und ihrer – im September 2019 veröffentlichten – Single-Compilation Beginnings, eine Zusammenstellung aus ihren beiden bisher erschienenen EPs Chapter 1 und Chapter 2 rausgebracht, die viel dazu beitrug, die Bedroom-Produzentin auch auf die internationale Bühne zu heben. Mit ihren 21 Jahren hat sich girl in red mittlerweile zu einer beliebten Indie/Dreampop-Musikerin gemausert, die mit ihren zumeist intimen Songs zudem auch immer direkt und klar ist. Nun hat uns girl in red mit ihrer neuen Single two queens in a king sized bed aber gerade komplett überrascht. Denn während ihre bisherigen Songs auch eine gewisse Pragmatik widerspiegeln, spielt sie auf ihrem neuen Song plötzlich mit Traditionen. Da kommen Glocken und heimelige Töne auf und lassen die Worte Christmas und Mistletoe ertönen. Und plötzlich hat uns girl in red – ohne, dass wir es vermutet haben – einen satten Popsong geliefert, der so zuckersüß und weihnachtlich ist, dass wir glatt schon die roten Mützen aufsetzen möchten.

girl in red - two queens in a king sized bed (Video)
girl in red – two queens in a king sized bed (Video)

Sie selbst hat den Song aus dem Moment geschrieben, in dem sie mit einer sehr engen Person am Weihnachtsmorgen im Bett lag, ihre Haut sich wärmend berührten und sie diesen Moment für immer festhalten wollte. Hier tauchen wir musikalisch in eine Szene ein, in der man aus dem Schlafzimmerfenster die Schneeflocken rieseln sieht. Gleichzeitig baut sich das Bild einer Blockhütte in den Wäldern mit ganz viel weihnachtlicher Stimmung auf und lässt den Song fast schon klassisch klingen. Doch auch wenn girl in red mit two queens in a king sized bed äußerst poppige Pfade einschlägt, bleibt sie textlich auch immer bei sich und singt über zwei Frauen und einem trotzigen There’s no mistletoe above our heads. But i’ll kiss you anyway. On christmas day. Yea i’ll kiss you anyway. In christmas day. Bereits im Frühjahr kündigte girl in red mit World In Red ihre Debütalbum für Oktober 2020 an und bekräftigte noch im Mai in einem NME-Interview [Die Corona-Pandemie] kann World In Red nicht aufhalten, Baby! Bisher müssen wir leider feststellen, dass es doch dazu gekommen sein muss und hoffen mit girl in red darauf, dass wir schnellstmöglich das Debütalbum der norwegischen Sängerin zu hören bekommen.

Julia Stone - Dance

Julia Stone – Mystisch vertraut und verträumt

Es klingt, wie eine cineastische Version einer morbiden Geschichte. Da tauchen hauchende Gesänge, erzählerische Elemente und Kirchenglocken auf, wo man sie nun wahrlich nicht erwartet hätte – im neuen Song Dance von Julia Stone. Dazu kommen hypnotische Thereminklänge, welche die Atmosphäre zusätzlich verzaubern. Wie schon bei Break zeichnet sich auch auf Stones neuester Single wieder die US-Amerikanische Musikerin St. Vincent für die Produktion verantwortlich. Stone sagt über den Song, dass Dance geschrieben wurde, als ich über diese seltenen aber besonderen Momente nachdachte, wenn Menschen ohne Worte miteinander kommunizieren. Ich wollte diesen Moment teilen, an dem zwei Menschen feststellen, dass Worte überflüssig sind und die Verbindung zwischen den beiden so stark und tief ist, dass es nichts weiter zu sprechen bedarf. Und so kamen mir die Zeilen „So why don’t we dance….“ in den Kopf.

Julia Stone Credit Brooke Ashley-Barone
Julia Stone Credit Brooke Ashley-Barone

Es ist ein Song, der wie gemacht für die aktuelle Situation erscheint, in der wir größtenteils separiert voneinander sind und so sehr die Nähe zu anderen suchen aber diesem Wunsch nicht nachkommen können. In einem großartigen Musikvideo hat Stone die beiden Hollywood-Legenden Susan Sarandon und Danny Glover dazu bekommen, sich für das Video in einem Moment zu zeigen, der in Zeiten der Isolation andeutet, dass sich die beiden für ein Date fertigmachen. Dabei strahlen Sarandon und Glover so viel Liebe aus, das man ihnen fasziniert beim auf der Straße tanzen zusieht. Es ist ein Moment, der innigsten Zufriedenheit und dem Vertrauen an die Liebe den Regisseurin Jessie Hill hier abbildet und lässt damit die Song von Stone so weich, warm und ausgeglichen klingen. Mit der Veröffentlichung von Dance als dritte Single, hat Stone nun auch bekanntgegeben, dass am 19. Februar 2021 ihr drittes Studioalbum Sixty Summers erscheinen wird, was gleichzeitig das erste Album seit neun Jahren für die australische Sängerin bedeutet. Dance ist darauf eine verträumte Version von Stones tanzbaren Song Break und wird nicht zuletzt durch das Musikvideo zu einer Seelenkur.

Tia Gostelow - Always

Tia Gostelow – Zwischen Aborigines und der Großstadt

Das bekommt man in Europa auch nicht oft geboten, die Musik einer Künstlerin aus den indigenen Völkern Australiens – den Aborigines – vorzustellen. Dabei ist unser Bild in Europa vielleicht nicht das aktuellste. Immerhin leben mittlerweile Dreiviertel der knapp 500.000 Aborigines ein modernes Leben in Großstädten, wie die restlichen Einwohner Australiens. Davon können wir uns bei Tia Gostelow überzeugen lassen. Denn am Freitag kommt ihr zweites Album Chrysalis auf den Markt und begeistert mit einem modernen Elektropop, der sich etwas verträumt und fast schon am Dreampop orientierend präsentiert. Die aktuelle Single Always zeigt dies eindrucksvoll. Hier klingt nichts zurückhaltend und singt die gerade einmal 21-jährige Sängerin frisch und selbstbewusst, was sie in den letzten zwei Jahren erlebt hat. Dabei spielt auch die Melancholie eine große Rolle in Gostelows neuem Album. Denn während sie den Hype um ihr 2018er Debütalbum Thick Skin fernab ihrer Eltern erlebte und seit nunmehr zwei Jahren in Brisbane lebt, hat sie nach wie vor stark damit zu kämpfen, mit der fehlenden familiären Nähe klarzukommen. So zeugt das neue Album auch von dieser Distanz und den einsamen Momenten der Musikerin in der großen Stadt.

Tia Gostelow @Jeff Andersen Jnr.
Tia Gostelow @Jeff Andersen Jnr.

Gostelows Sound klingt nicht neu und doch kann man sie nicht so recht einordnen. Mit großen Synthiebetten, vielen Soundspielereien und der fluoreszierenden Stimme Gostelows hat die Australierin ein Album produziert, welches sich an den dunklen Abenden orientiert, die beleuchtet und von strahlenden Blitzen durchzogen werden möchten. Mit Always bekommen wir einen weiteren Vorgeschmack auf diese farbenfrohe Musik. Sind die Songs des Albums vom Holy Holy-Gitarristen Oscar Dawson geprägt, singt auf Always sogar Holy Holy-Frontmann Timothy Carroll mit. Sowohl bei den Radiostationen, als auch den Musikblogs weltweit steht Tia Gostelow ganz oben auf den Listen der Artists to watch. Völlig zu Recht – wie wir ab Freitag auf Albumlänge hören können. Tia Gostelow ist aufregend, frisch und hat einen großartigen Sound im Gepäck, bei dem es Spaß macht, ihn zu entdecken.

Nora En Pure feat. Tim Morrison - Come Away

Nora En Pure feat. Tim Morrison – Wann verlierst Du Dich?

Es ist ein Sound, dem man sich nicht so schnell entziehen kann. Mit treibenden Basshooks, stampfenden Deep-House-Beats und einem Gefühl von enormer Weite schafft es die Schweizer DJane und Produzentin Daniela Di Lillo – alias Nora En Pure – jedes Mal wieder, uns in eine Welt fernab der Realität mitzunehmen. Dabei ist die 30-jährige Produzentin – die eine Südafrikanische Mutter und einen Schweizer Vater hat – seit nunmehr sieben Jahren zu einer der gefragtesten Produzentinnen geworden. Mit über 90 Remixen, elf Singles, 4 EPs, sowie Songwriting- und Producer-Credits ist sie aktuell eine der erfolgreichsten weiblichen Künstlerinnen in diesem Bereich. Ihr Sound ist dabei vom Reisen geprägt und wirkt organisch und authentisch. Mit ihrer neuen Single Come Away fordert uns die Musikerin – zusammen mit dem australischen Sänger Tim Morrison – dazu auf, loszulassen und hinaus in die Welt zu ziehen.

Nora En Pure
Nora En Pure

Mit cineastischen Synthies, einer überbordernden Wärme und dem sanften Gesang Morrisons packt uns Come Away genau dort, wo wir uns – aktuell sogar mehr denn je – hinsehnen – in die Ferne. Dabei macht Come Away alles richtig und erzeugt in uns die Bilder, die uns so viel Ruhe geben. Ob an einsamen Stränden in Südostasien, auf den Bergen in Argentinien das Panorama genießend oder an den Hängen der höchsten Steilklippen Europas in Irland stehend – es ist ein Sound, der unsere innere Vorstellung anregt. Mit diesem fotografischen Soundtracks unserer Erinnerungen holt uns Nora En Pure aber auch auf die Tanzfläche und lässt uns alles um uns herum vergessen. Gibt es aktuell so gut wie keine Tanzfläche, lassen wir unsere eigenen Tanzflächen entstehen – im Kopf, in unserer Vorstellung und bestmöglicher Vollendung. Nora En Pure hat zusammen mit Tim Morrison einen wahren Juwel erschaffen, dem wir uns nicht entziehen können und wollen. Er bringt uns das Gefühl zurück, dass wir noch letztes Jahr hatten, während wir in der Welt unterwegs waren und die besten Festivals besuchten. Es ist ein Song, um sich darin zu verlieren und den größtmöglichen Schatz daraus zu ziehen – unserer eigenen Erinnerungen.

Melanie C - In And Out Of Love

Melanie C – Bleibt auf der Tanzfläche

Mit modernen Beats und einem Hauch Nostalgie haben wir vor einigen Wochen die Single Blame It On Me von Melanie C kennengelernt. Dabei leitet sich die Nostalgie aus der Stimme Melanie Cs ab. Denn nicht nur als Spice Girl, sondern vor allem auch durch ihre frühen Solosongs zeigt uns Melanie Chrisholm seit nunmehr 21 Jahren heute einmal mehr, dass sie sich längst als eigenständige Musikerin abseits des Spice Girl Ruhmes etablieren konnte. Nun steht ihr neues – und mittlerweile achtes – Studioalbum Melanie C kurz vor der Veröffentlichung und wird am 2. Oktober über Melanie Cs eigenes Plattenlabel Red Girl Records vertrieben. Mit der dritten Singleauskopplung In And Out Of Love zeigt sich Melanie C nach Who I Am und Blame It On Me weniger nachdenklich und möchte das Positive zelebrieren. Erst kürzlich kommentierte die britische Sängerin die neue Single mit den Worten In And Out Of Love ist ein absoluter Knaller und ich liebe ihn! Es ist so brillant, einen reinen Pop-, Up-Beat- und positiven Song zu veröffentlichen. Ich glaube, es ist genau das, was die Welt jetzt braucht!

Melanie C - Melanie C

Melanie C – Melanie C

Sicherlich nicht die bescheidenste Art, den eigenen Song anzuteasern, doch kann sich Melanie C nach mehr als 20 Millionen verkauften Platten als Solokünstlerin und nochmals 85 Millionen weiteren Platten mit den Spice Girls durchaus erlauben, so aus dem Häuschen zu sein. In And Out Of Love hat dabei alle Elemente, die ein aktueller Dancesong braucht. Von in der Ferne hallenden Gesängen, über moderne und reduzierte Beats, bis hin zu den verspielten Perkussion-Elementen und verzerrten Backgroundgesängen hat der Song einen äußerst frischen Sound, der sich an moderne Indie-Dancesongs anlehnt und dabei die großen Popsequenzen nicht vergisst. Wer aktuelle Feel-Good-Musik sucht, wird bei Melanie Cs neuer Single einen hervorragenden Song finden. Trotz der fehlenden Chartplatzierungen der ersten drei Singleveröffentlichungen deutet alles darauf hin, dass Melanie C dieses Mal wieder höher in die Charts einsteigen wird, als es noch ihr Vorgängeralbum Version Of Me 2016 mit Platz 25 in Großbritannien und Platz 34 in Deutschland tat. Wir dürfen also gespannt sein, welche Songs uns auf dem kommenden Album noch zum Tanzen animieren wollen – In And Out Of Love bietet sich derweil schon jetzt bestens dafür an.

The Futurist

Novaa – Nach der Zukunft sehnend

Mit Home hatte die Berliner Sängerin, Songwriterin und Produzentin Novaa im Frühjahr 2019 noch eine Single veröffentlicht, die von einer kühlen, bedächtigen Stimmung geprägt war. Damals, wie auch heute dreht sich in ihren Texten oftmals Vieles um das eigene zurechtfinden, in der Gesellschaft. Mal geht es darum, sich zu öffnen oder um das Preisgeben von Information, immer aber bringt die junge Musikerin – die in die vom Internet dominierte Welt hineingeboren wurde – diese Gefühl so authentisch rüber, dass wir sie ganz fest halten möchten. Hat Novaa ihr Debütalbum Novaa erst letztes Jahr im April veröffentlicht, folgt nun am 18. September mit The Futurist bereits ihr zweites Album. Darauf zu finden ist der gleichnamige Song The Futurist der sich wie das passende Gegenstück zu Home anhört. Auch wenn die beiden Songs künstlerisch keinen Bezug zueinander besitzen, wirkt The Futurist, wie der der Frühling, während Home den Winter markiert. Dabei hat sich Novaa für ihr zweites Album an ein Konzept gewagt, welches sich der Zukunft zugewandt zeigt.

Novaa - The Futurist

Novaa – The Futurist

So thematisiert sie darauf künstliche Intelligenz, autonomes Fahren oder den Umgang mit Drohnen – wie sie selbst auf ihrer Homepage sagt. The Futurist besticht mit einer lockeren Indie-Melodie, die sich leicht einprägt und um einen Refrain bewegt, der wie ein Leuchtturm aus dem Song herausragt. In dem Song geht es um das momentane Ich und die Person, die man in der Zukunft sein möchte. Novaa selbst, sagt über den Song, dass wir viel zu oft die wichtigen Dinge verschweigen und uns nicht trauen, diese bei jemanden anzusprechen, nur um anderen zu gefallen. So ist The Futurist das zukünftige Ich der Sängerin, die auf ihrem kommenden, gleichnamigen Album noch sehr viel mehr, von ihrem spannenden Alternative-Pop präsentieren wird. Mit ElonDrones und In Vitro hat Novaa bereits drei pulsierende Songs veröffentlicht und rundet mit dem Titeltrack nun das zweiten Albums thematisch ab. Auch wenn der Herbst bereits an die Tür klopft, lässt uns The Futurist nochmal den Frühling fühlen und holt uns für einen Moment aus dem Alltag raus.