Billie Eilish - All The Good Girls Go To Hell

Billie Eilish – Die Klimadebatte erreicht die USA in Form eines gefallenen Engels

Billie Eilish ist aktuell eine der kreativsten Musikerinnen der USA. Mit ihrem Debütalbum When We All Fall Asleep, Where Do We Go? setzte sie weltweit neue Rekorde und war in Deutschland in der ersten Woche nach Veröffentlichung des Albums die am meisten gestreamte internationale Künstlerin überhaupt. Noch ist ihr Überhit Bad Guy nicht abgeklungen, da veröffentlicht die 17-jährige Sängerin mit All The Good Girls Go To Hell bereits ihre sechste Singleauskopplung aus ihrem Debüt. Dabei zeigt sich Eilish als gefallener Engel, der mit seinen Flügeln in einer Ölpfütze landet und nur schwer wieder dort raus und zu Kräften kommt. Dass Eilish dieses Video nicht von ungefähr gedreht hat, zeigt ein Post auf ihrer Instagram-Seite. Hier ruft Eilish zu gemeinschaftlichen Demonstrationen für den Schutz der Umwelt und des Klimas auf und unterstützt damit auch das schwedische Rolemodel der aktuellen Umweltbewegung Greta Thunberg. Hinzu kommt, dass die umtriebige Eilish momentan auch eine eigene Modelinie vermarktet, die am heutigen Freitag und morgigen Samstag – passend zu ihrem Auftritt auf dem Berliner Lollapalooza Festival – in Berlin Mitte einen Pop-Up Store mit den Klamotten ihres eigenen Labels Blöhsh präsentiert. Der – nicht einmal drei minütige – Song hat dabei den Charme eines 90er-Jahre R&B-Tracks, der durch die einzigartigen Eilishs und ihrem zarten Gesang nach einer bittersüßen Abrechnung klingt. Billie Eilish liefert mit jedem einzelnen Song ab und kann mittlerweile nicht nur knapp die Hälfte der Songs auf dem Albums als veröffentlicht nennen, sondern erreicht mit jedem weiteren Song noch ein wenig mehr von ihrem Status als Ausnahmetalent. Und während wir zu All The Good Girls Go To Hell abgehen, schafft es Eilish zu Recht einmal mehr den Hype weiter anzufeuern.

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Seeed – Eine neue Zeitrechnung

Man möchte seiner inneren Uhr kaum trauen – sieben Jahre ist es schon wieder her, dass die Berliner Dancehall-Kombo von Seeed mit dem Album Seeed einen Longplayer veröffentlichten. Danach folgten mit Cherry Oh (2014) und der Mitarbeit an der deutschen Version des Band Aid Songs Do They Know It’s Christmas? im Jahr 2014 nur noch zwei Veröffentlichungen. Mit ausverkauften Tourneen und Auftritten auf Festivals wie auf der Europapremiere des Lollapalooza Festivals in Berlin hatten sie gleichzeitig auch einen Konzertmarathon an den Tag gelegt, welcher eine Pause für zu verständlich werden ließ. Doch diese Pause sollte länger dauern, als es die Band beabsichtigt hatte. Denn kündigten Seeed bereits im Mai 2018 neue Konzerte an, folgte der Schock am 31. Mai. Mit dem Tod ihres Gründungsmitgliedes und Freundes Demba Nabé wurde eine Zäsur gesetzt, mit der die Band umzugehen lernen musste. Nun haben Seeed mit Ticket den ersten neuen Song, seit 2012 veröffentlicht und dabei den Tod des Sängers verarbeitet. Waren in der jüngeren Vergangenheit auch schon große Bands wie die Crystal Fighters oder Deichkind mit dem Tod eines Bandmitgliedes konfrontiert, stand für diese Bands fest, dass es weitergehen sollte. Und so kommt die Vermutung auf, dass Seeed gleich in der ersten Songzeile damit aufräumt und zu einem zurückhaltenden Beat den Text Frankie is am Telefon. Yeah Yeah let the music roll für sich sprechen lässt – und rufen somit Dellé im Himmel an, um zu fragen, ob sie weiter Musik machen sollten. Dabei formen Seeed einmal mehr einen Dancehallhit, der sich als fantastischer Sommersong entpuppt. Seeed bleiben sich treu und passen sich dennoch den neuen Gegebenheiten an. Mit Ticket lassen Seeed die Music Monks wieder los und stimmen uns auf einen heißen Sommer ein.

Lollapalooza Berlin 2017 Tag 2

Man war vorbereitet… An Tag zwei hatten sich die Festivalbesucher Pläne gemacht, wie, wann und womit sie zum Festivalgelände bzw. auch Abends wieder davon weg kommen würden. So waren die S-Bahnen nicht mehr ganz so voll, der Einlass auf das Festivalgelände geordneter und deutlich mehr Mitarbeiter unterwegs. Und um den Tag auch noch komplett umzukrempeln, spielte die Sonne mit und lachte vom Himmel mit spätsommerlich, wärmenden Strahlen.

Also die besten Voraussetzungen, um doch noch ein grandioses Festivalerlebnis zu haben. Mit Bands und Künstlern wie Sigrid, Bonaparte, Rudimental, AnnenMayKantereit, London Grammar, den Foo Fighters und The XX war der Sonntag zusätzlich auch noch großartig besetzt. weiterlesen

Lollapalooza Berlin 2017 Tag 1

Lollapalooza Berlin Festival 2017

Ein Festival, das auch im dritten Jahr keine Konstante entwickelt hat – wo fängt man da an? Es war bereits am Sonntagmorgen viel über den ersten Tag des Lollapalooza Festivals zu lesen – eigentlich nicht über den Tag selbst, sondern eher über die Nacht zum Sonntag. Denn an diesem, versuchten Tausende Besucher des Festivals durch einen eingleisigen S-Bahnhof wieder in die Innenstadt und somit nach Hause zu kommen.

Anfangs geht es an dieser Stelle allerdings um das Festivalgelände, die Acts und das Lebensgefühl – denn davon gab es reichlich.

Betrat man am Samstag das Festivalgelände, stand man in Mitten eines riesigen weiterlesen

Lollapalooza Berlin 2016 – Großstadtdschungel – Tag 1

Lollapalooza Berlin 2016

Lollapalooza Berlin 2016

Es war der Schmelztiegel der Festival-Sommers. Bei so gut wie keinem anderen Festival in diesem Jahr und dieser Größe gab es wohl bessere Wetterbedingungen als bei dem am 10. und 11. September stattgefundenen Lollapalooza. Bereits das zweite mal machte das, aus Chicago kommende, Festival halt in Deutschland und somit Berlin.  Was 2015 noch mit knapp 45.ooo Besuchern durchgeführt wurde, reichte 2016 mit 70.000 Gästen pro Tag um das größte Stadtfestival Deutschlands zu werden. Ob nun der Begriff Stadtfestival sein muss, um sich zu positionieren – darüber kann man streiten – doch auch ohne diesen Zusatz war das Festival mit insgesamt 140.000 Besuchern an zwei Tagen eines der größten des Landes. So zog es natürlich auch einige namhafte Künstler an und konnte mit Headlinern wie Radiohead und den Kings Of Leon aufwarten. Aber auch fernab der großen Namen gab es viele sehenswerten Acts und vor allem einen ganz großen Highlight –  dem Festivalgelände selbst.

Vom Stadtpark zum Märchenwald

Wer den Treptower Park kennt, weiß, dass der Park so einige verzauberte Ecken hat. So kam dazu, dass die Veranstalter des Lollapalooza’s überall, ob der vielen Bühnen, Getränke- und Imbissstände, kleine Entdeckerinseln schufen. Da konnte man sich kostenlos Fotos in einer Fotobox erstellen, in einem Zirkus seinen Kopf durch Schablonen stecken und so Bilder als Dompteur oder Rad fahrender Bär machen. Aber boten natürlich auch die Sponsoren allerlei Unterhaltsames an ihren Ständen an. Mit einem Pop-up Club der ganz besonderen Art, sorgte hier eine Zigarettenmarke für viel Aufsehen. War der Club doch voll mit Technik und neuesten Hightech-Equipment. Da konnte man mit Virtual Reality Brillen in eine digitale Wüste eintauchen oder harte Drum’n’Bass Beats mit seiner bloßen Hand in der Luft erzeugen. Dies alles wurde von einem spacigen Design abgerundet.

Von Lindsey Stirling bis Max Herre

Der Samstag begann mit dem Auftritt der amerikanischen Violinistin Lindsey Stirling. Bekannt für ihren Mix aus klassischer Musik und Dubstep schaffte es Stirling erstaunlich schnell eine große Menge an Zuschauern vor die Mainstage 2 zu bewegen. Da wurden ihre aktuellen Singles wie Prism und Something Wild genauso gespielt, wie ihre bekanntesten Songs Crystallize und Shatter Me. Nach knapp einer Stunde war der Zauber der Violine vorbei und ließ sichtbar viele fragende Gesichter zurück. Konnten einige doch nicht glauben, dass sich klassische Violinenmusik so gut mit Dubstep verträgt und dieser Mix sogar tanzbar war. Während auf der Mainstage 1 die Briten von Catfish And The Bottleman mit ihren großen Hits Homesick und Kathleen begannen und auf der Perry’s Stage der norwegische DJ Matoma mit sommerlichen Tropical House Remixen für Open-Air-Stimmung sorgte, drehte ein kleiner Underdog auf der Alternative Stage so richtig auf. Mit Songs wie What Love, Four, Give Me A Reason oder OB1 zeigten die Australier von Jagwar Ma, was für einen fantastischen Psychedelic Rock die drei drauf haben. Immer ein wenig an der Grenze des künstlerischen Ausprobierens zeigte vor allem Sänger Gabriel Winterfield mit seiner Spielfreude, dass sich die Band gerne auch mal einfach der Musik hingibt und so ein Song schnell mal 6-7 Minuten lang werden kann. Bewundernswert hierbei war, dass trotz der langen Songs nie Langeweile aufkam.

Kaiser Chiefs – Wir spielen um unsere Berechtigung

Keine halbe Stunde nach Jagwar Ma kamen die britischen Indie-Urgesteine auf die Bühne. Auf einer überdimensionalen LED-Wand im Hintergrund wurden in großen Lettern die Kaiser Chiefs angekündigt, welche die Indie-Bewegung der 2000er wie kaum eine andere Band mitbestimmt haben und mit modernen Klassikern wie Ruby, I Predict A Riot, Oh My God oder Never Miss A Beat für die Dancefloorkiller sorgten. Doch nachdem ihr 2011er Album The Future Is Midieval sehr deutlich die Erwartungen verfehlte und auch das nachfolgende Album Education, Education, Education & War, außer in Großbritannien, eher verhalten aufgenommen wurde, hatten es die fünf Briten in letzter Zeit recht schwer.

Ob die musikalische Neuausrichtung auf ihrem, am 7. Oktober erscheinendem, sechsten Studioalbum Stay Together für eine Kehrtwende sorgt, werden wir in einigen Wochen wissen. Was allerdings fernab des kommerziellen Erfolges bei den Kaiser Chiefs immer erwartbar ist – das ist eine atemberaubende Show. Und diese gab es dann auch. So sang sich Ricky Wilson durch 60 Minuten vollgepackt mit allen relevanten Kaiser Chiefs Songs und zeigte dabei eine Energie, die man sich bei so einigen Künstlern hätte gewünscht. Da sprang Wilson von einer Monitorbox zur nächsten und sang sich durch Ruby, Parachute, Coming Home, Modern Way, Hole In My Soul und viele mehr. Zwischendurch plauschte Wilson dann immer wieder mit dem Publikum und wies auf das kommende Album und die anstehende Tour hin. Immer wieder dabei, die Manager und Tourmitglieder fernab der Band, die im Graben standen und sich das Spektakel zwischen Band und Publikum ansahen. So war man nach 60 Minuten ausgepowert und brauchte erst einmal etwas Entspannung.

Vom unendlichen Chillen zu tiefen Emotionen

Von den Kaiser Chiefs in Richtung der Mainstages aufgemacht, empfing Max Herre alle dazugestoßenen mit Songs wie Wolke 7 oder Esperanto. Seine unglaublich entspannte Art und sein lässiger Gesang passten wunderbar zu den 30°C und Sonnenschein. Auf der Bühne unterstützt hatten ihn Joy Denalane, Philipp Poisel, Afrob und Megaloh. Hier sang sich Philipp Poisel dann bereits für seinen Auftritt auf der Mainstage 1 warm, denn direkt nach Herre ging es für ihn dort weiter. Hatte er in den letzte zwei Jahren gerade mal fünf Auftritte absolviert, sollte das Lollapalooza als großes Comeback dienen. Schließlich kam eine Woche später seine neue Single Erklär Mir Die Liebe raus. Doch was Poisel hier auf der Bühne ablieferte, ließ wohl die größten Fans sprachlos zurück. Denn es flossen Tränen. Nicht etwa beim Publikum, sondern bei Poisel selbst. Wer bereits Auftritte des Baden-Württembergers genießen konnte weiß, dass Poisel einen verletzbaren Charakter hat. Mit seinen Texten, die tief berühren können und seiner zurückhaltenden Art des Vortragens zeigt er seit Beginn seiner Karriere, dass er kein Rampenlichtkünstler ist. Auf dem Lollapalooza allerdings, begann Poisel bei seinen Songs dann tatsächlich zu weinen. Und genau dieser Moment war es, der Menschen, die nicht zu Poisels Fans zählen, die Gänsehaut auf die Arme brachte. Obwohl das Konzert von Arte Concerts mitgeschnitten wurde, gibt es diesen Teil leider nirgends im Netz zu finden. Und das, obwohl genau dieser Auftritt wohl der authentischste des ganzen Festivals sein sollte. Denn was kann es wertvolleres geben, als ein Künstler, der seine Texte fühlt und tatsächlich zu ihnen eine Verbindung aufweisen kann? So sang das Publikum, wenn Poisel die Stimme versagte, und ging mit allen Songs des 31 Jährigen mit.

Es folgt DER HEADLINER

Anderthalb Stunden. So lange dauerte die Umbauzeit auf der Mainstage 1 von Philipp Poisel zu Kings Of Leon. Und obwohl der Platz vor der Bühne bereits bei Poisel bis zu den hinteren Bäumen gefüllt war, kamen gefühlt nochmal mindestens 40% der Festivalgänger dazu. Alles, um die amerikanische Rockband Kings Of Leon zu sehen. Wurde einen Tag zuvor ihre neue Single Waste A Moment, des kommenden Albums We Are Like Love Songs, veröffentlicht, sollte es insgesamt bei nur zwei Songs aus diesem Album bleiben. Vielmehr spielten die KOL’s auffällig viele Songs aus ihrem dritten, vierten und fünften Album. Hier waren allen voran Songs wie Closer, On Call, Notion, Fans, Pyro und natürlich Use Somebody und Sex On Fire die absoluten Lieblinge des Publikums – konnten hier doch viele mitsingen.

Was allerdings sehr stark auffiel – und das im direkten Vergleich zu den anderen Künstlern dieses Tages – war, dass sich die Band um Caleb Followill nicht wirklich bemühte eine Verbindung zum Publikum aufzubauen. So folgte ein Song nach dem anderen und zwischendurch ab und an ein We Love you, We are Kings Of Leon oder You’re the best. Was genau Followill mit dem letzten Satz eigentlich meinte, konnte man anhand des nicht überspringenden Funken, kaum erfassen. Einen kurzen Moment der Persönlichkeit gab es dann allerdings doch, als Caleb Followill das Publikum bat für seinen Cousin Matthew zum Geburtstag ein Ständchen zu singen. Gesagt, getan ging es für die Band schnurstracks weiter im Programm. So folgte ein Song nach dem anderen und so blieb das Konzert unerwartet unspektakulär und störrisch.

Und so kam man am Ende des Tages mit den ersten Highlights nach Hause und freute sich auf den zweiten Tag, der den Drang nach Wasser und Schatten im Vordergrund rücken lassen sollte. Dazu dann morgen mehr.

Lollapalooza Berlin 2016

Lollapalooza Berlin 2016