SYML - Take Me Apart

SYML – Vom unendlichen Repertoire eines Musikers

2019 markiert ein Jahr der kreativen Hochphase bei dem US-Amerikanischen Musiker und Produzenten SYML. War es nicht schon bedeutend genug, dass Anfang des Jahres sein selbstbetiteltes Debütalbum veröffentlicht wurde, folgte mit Symmetry vor sechs Wochen bereits eine erste neue Single, die nicht mehr auf dem Album enthalten war. Nun hat Brian Fennell mit Take Me Apart einen weiteren neuen Song veröffentlicht, der sich nahtlos in die kinematographische Kultur seiner Diskografie einfügt. Dabei verfolgt SYML die Linie, sich in keinem festen Genre zu bewegen, sondern springt viel mehr von Song zu Song in den Genre umher. Mal rockig und kratzig, mal soulig oder sogar so leise, dass man während des Songs meint, das Studio knarzen zu hören. Mit Take Me Apart hat sich SYML nun der Liebe zu Horror- und Mysteryfilmen hingegeben. Beginnt der Song mit einem melancholisch, mystischen Klavierspiel, setzt Fennells Gesang kurze Zeit später ruhig und geheimnisvoll ein. Hierbei startet unwillkürlich eine Retrospektive vor dem inneren Auge und lässt gleichzeitig eine Art Zeitraffer entstehen. Schließlich trifft der Höhepunkt des mystischen Moments bei knapp 2:45 Uhr ein und verliert sich in einer großen Soundwolke aus Geigen, Bassbeats und verworrenen Gesangsparts, nur, um schließlich wieder vom melancholischen Klavierspiel eingangs abgeschlossen zu werden. SYML ist in seiner Kreativität nicht zu stoppen und zeigt seine Leidenschaft der musikalischen Untermalung von Momenten auf Take Me Apart einmal mehr eindrucksvoll.

Whitney - Used To Be Lonely

Whitney – Die leisen Helden

Bereits mit ihrer Single Giving Up hatte das Chicagoer Duo Whitney ausnahmslos überschwängliche Kritiken eingesammelt. Nun ist mit Used To Be Lonely eine weitere Single ihres kommenden, zweiten Studioalbums Forever Turned Around erschienen, das an diesem Freitag veröffentlicht wird. Darauf setzen die Jungs einmal mehr auf die Wucht der leisen Töne. Mit schmachtendem Gesang, einem zurückhaltenden Klavierspiel und fast nicht zu bemerkenden Trompeten lassen sich Julien Ehrlich und Max Kakacek einmal mehr fallen und besingen den Moment an dem sich eine Beziehung zwischen zwei Menschen aufbaut. Mit einem ersten Date und dem Knistern nach jedem Augenkontakt setzt sich Used To be Lonely zu einem ganz besonderen Liebeslied zusammen, das herzzerreissend schön und unglaublich liebevoll klingt.

Lui Hill - I Owe You

Lui Hill – Dankbarkeit in 3:49 min.

Woraus entstehen bei einem Musiker die Ideen für Songtexte? Oftmals sind es die Erlebnisse, die sie prägen. Im Falle des deutschen Musikers Lui Hill sind es ganz konkret die Erlebnisse mit seinen Eltern und vor allem seiner Mutter, die ihm zu dem Song I Owe You gebracht haben. Denn während im Entstehungsprozess seines selbstbetitelten – 2018 veröffentlichten – Debütalbums Lui Hill Hills Vater verstarb, ist es seine Mutter, der er auf I Owe You ein Denkmal setzt. Ein Denkmal der verletzlichen Art. Denn sind Eltern für die Kinder immer die unbesiegbar starken Menschen, bröckelte diese Sicht nach dem Tod des Vaters. Denn Hills Mutter erkrankte am Demenz. I Owe You hat Hill schließlich mit dem Gefühl der Dankbarkeit und des Zurückgebens geschrieben. Doch wie könnte man die gesamte Zeit der Eltern, in denen sie auf einen aufpassten, einen beschützten und Mut zusprachen jemals zurückgeben? I Owe You versucht eindrucksvoll dieser Aufgabe gerecht zu werden, was sich auch im dazugehörigen Musikvideo zeigt. Hier sehen wir Hill durch das verwaiste Elternhaus laufen, die Sitzgarnitur unter Lacken verhüllt, alte Fotoalben durchblätternd – das Gefühl des enormen Verlustes so einfühlsam vermittelt. Hinzu kommt der musikalische Wechsel innerhalb des Songs vom Klavierspiel – zu Beginn des Songs – hin zu einem tanzbaren und aufrichtigen Sound aus Synthies. Hier wollte Hill seiner Mutter ein musikalisches Geschenk machen, weiss er doch, dass sie auf tanzbare Musik steht. Lui Hill schafft auf I Owe You einen beeindruckenden Spagat aus zeitgemäßer Musik, verknüpft mit einer berührenden Geschichte und sehr viel – in Bildern verpackter – Emotionen und klingt dabei dennoch komplett zeitlos.

Maya Lavelle - Dancing With A Bottle

Maya Lavelle – Musical trifft Pop

Die niederländische Sängerin Maya Lavelle ist weit mehr als nur eine Sängerin. Sie ist gleichzeitig Produzentin und Komponistin und hat ihren ganz eigenen Kopf. Das kann man auf ihrer aktuellen Single Dancing With A Bottle eindrucksvoll hören. Mit klassischen Elementen, wie einem dramatischen Klavierspiel, Violinen und ganz viel Eleganz klingt Dancing With A Bottle nach der musikalischen Untermalung eines 1920er Jahre Stummfilms, um gleichzeitig auch wie aus einem großartigen Musical zu kommen. Dabei bricht Lavelle innerhalb des Songs immer wieder mit den Tempi und wechselt wieder und wieder die Gesangsart – nur, um eine Exzentrik darzustellen, die ein eigenes Musical regelrecht voraussetzt. Auf Dancing With A Bottle besingt sie schließlich den Exzess. Einfach mal loszulassen und alle Hemmungen fallen zu lassen um der Langeweile zu entfliehen. Maya Lavelle ist mit diesem Musikstil alleine auf weiter Flur und dennoch erfolgreich im Mainstream unterwegs. An Künstlerinnen, wie Lana Del Rey, Caro Emerald oder Kate Bush erinnernd spielt Lavelle in ihrer ganz eigenen Genreblase und pumpt diese immer weiter auf – solange, bis ihr die Welt zu Füssen liegt. Und das dürfte nicht mehr all zu lange dauern – spätestens, wenn ihr Debütalbum Hobo im Juni erscheinen wird.

Seafret – Berührender Abschied

Vielleicht kann sich der Ein oder Andere noch an das mitreißende Musikvideo des britischen Duos Seafret zu Wildfire erinnern – bei dem sich jeweils zwei Singles an einem Tisch gegenüber saßen und erst einen Fragenkatalog aus 36 Fragen gegenseitig beantworten mussten, nur um anschließend für vier Minuten lautlos in die Augen des anderen zu schauen. Das war im Sommer 2016 und hatte sowohl vom Video, als auch von der Musik zu ganz besonderen Emotionen geführt. Nun sind Seafret mit der Single Loving You wieder da und greifen abermals ein Thema auf, welches für große Gefühle steht. Hier geht es nämlich um den Abschied eines jungen Mannes von seiner großen Liebe. Doch wird hier nicht von einer Trennung gesprochen, bei dem beide als Single rausgehen, sondern sitzt der Mann vielmehr am Sterbebett seiner großen Liebe. Im Verlauf des Videos geht er noch einmal alle Orte ab, die für die beiden mit Erinnerungen verbunden waren und steht schließlich vor einer Klippe und überlegt wie der nächste Schritt aussehen könnte. Dabei untermalen Harry Draper am Klavier und Jack Sedman mit seiner Stimme die Szenen so sensibel und tasten sich behutsam durch die – von Erinnerungen gefütterte – Wahrnehmung des Mannes, dass hier mehr entstanden ist, als nur ein Abschiedssong. So berührt allein das Klavierspiel mit seiner wiederkehrenden Melodie schon und kommt Sedmans emotionaler Gesang hinzu, der mal ruhig, mal kräftig, mal gebrochen klingt und als perfekte Begleitung zu den Bildern dient. Mit dieser Wirkung reiht sich Loving You perfekt in die Diskografie der beiden Briten ein lässt sie wieder ins Bewusstsein vieler Musikliebhaber stoßen.