Paul Woolford, Diplo & Kareen Lomax - Looking for Me

Paul Woolford, Diplo & Kareen Lomax – Deep House für den Spätsommer

Erst setzen sphärische Claps und eine tiefe Stimme mit den Worten Oh Yeah ein, ehe ein starker Housesound den Song in einen pulsierenden Clubtrack verwandelt. Es ist der Song Looking For Me vom britischen Produzenten und DJ Paul Woolford. Zusammen mit dem US-Amerikanischen Produzenten Diplo und der ebenfalls aus den USA kommenden Sängerin Kareen Lomax haben sie mit Looking For Me eine hypnotische EDM-Version einer Ballade veröffentlicht, die nicht nur zusammen von den Dreien geschrieben wurde, sondern mit dem Hamburger Produzenten und Songwriter Jr Blender ein großes Potential hat, richtig durchzustarten. Dabei fällt vor allem der Gesang auf. Ist er von der – in Atlanta lebenden – Sängerin Kareen Lomax, wird er gerade durch ihre tiefe und dunkle Stimme so besonders.

Paul Woolford, Diplo & Kareen Lomax

Paul Woolford, Diplo & Kareen Lomax

Dass der Song kein Glückstreffer für die Sängerin war, zeugt vor allem davon, dass Lomax ein großer Fan Diplos ist und ihn letztes Jahr ganz unkonventionell via Facebook anschrieb. Was daraus geworden ist, können wir nun alle hören und zeugt Looking For Me davon, dass man sich auch Mal etwas trauen muss, um an seinen Erfolg zu kommen. Mit einer ohrwurmverdächtigen Melodie, den immer wieder aufflirrenden Synthies und Lomax‘ hervorstechender Stimme ist Looking For Me eine melancholisch, treibende EDM-Hymne an die 90er Jahre, die Paul Woolford, Diplo und Kareen Lomax sicherlich in den kommenden Monaten viel Spaß bereiten wird. Diplo agiert dabei einmal mehr als Tausendsasser und hat – neben seinen Projekten, wie Jack Ü, Major Lazor, Silk City und Kollaborationen mit , Ellie Goulding, Dillon Francis oder Sidepiece – ein weiteres, heißes Eisen ins Feuer geworfen.

Alex The Astronaut - The Theory Of Absolutely Nothing

Alex The Astronaut – Der große Tag des Debütalbums ist gekommen

Für mich als Schreiber dieses Blogs ist es immer wieder spannend und aufregend, neue Musik zu entdecken. Aber genauso spannend ist es auch, die Entwicklung von Acts zu verfolgen. Eine Musikerin, die SOML seit Anfang an begleitet hat, ist die australische Sängerin Alexandra Lynn. Als Alex The Astronaut macht sie seit 2016 Musik und begeistert mit ihrer einfachen und pragmatischen Sicht auf die Dinge. Dabei sind die Texte gefüllt mit – ausschließlich – persönlichen Erfahrungen. Ob auf ihrer Druchbruchsingle Not Worth Hiding – ein Song über Vertrauen zu sich selbst und über die Angst des Outing, der Single I Like To Dance – in der es um häusliche Gewalt geht, die Lobeshymne auf die Freundschaft in I Think You’re Great oder dem Moment – wie in Banksia auf der Beerdigung eines engen Freundes zu stehen. Es sind die Themen, bei denen man immer mindestens einmal nachfühlen kann, wie sich die Sängerin gefühlt haben muss. Hingegen fällt der Sound ihrer emotionalen Songs fast immer positiv aus und zeigt das Gemüt der Australierin. Bei ihrem Berlin-Konzert im Herbst 2018 konnte man sich schließlich von der positiven Grundhaltung der Sängerin regelrecht wegfegen lassen und mochte fast meinen, eine gute Freundin auf der Bühne stehe zu sehen.

Alex The Astronaut - Caught In The Middle

Alex The Astronaut – Caught In The Middle

Nun, nach den beiden EP’s To Whom It May Concern und See You Soon (beide 2017) erscheint am heutigen Freitag das Debütalbum The Theory of Absolutely Nothing der sympathischen Sängerin. Darauf enthalten sind neben I Like To DanceI Think You’re Great und Banksia auch die Alex The Astronaut-Hymne an die Freude – Happy Song. Insgesamt umfasst das Album elf Songs und zeigt Alex The Astronaut im Prozess und Wandel. Waren es Anfangs noch Songs waren, die sich um Anerkennung drehten, kamen in den letzten Jahren immer öfter auch schwierige Themen dazu. The Theory of Absolutely Nothing ist eine Rundschau einer Sängerin, die sich ihren Platz durch emotionale und wahrhaftige Themen erkämpft hat und nie aufgibt, positiv zu denken. Dies können wir auch auf der neuesten Single Caught In The Middle hören und sehen, bei dem Alex The Astronaut im Musikvideo gegen die australische Musikerin und Schlagzeugerin Lindy Morrison ein Tennisturnier spielt und schließlich gewinnt. Sinnbildhaft für die lange Zeit und das unaufhörliche Kämpfen für ihr Album. Wie das musikalisch klingt, können wir jetzt alle auf Alex The Astronauts Debütalbum The Theory of Absolutely Nothing hören, das seit heute draußen ist.

Paul Kalkbrenner - Parachute

Paul Kalkbrenner – Von der Melancholie geschlossener Clubs

Es ist ein toughes Jahr für DJs weltweit. Denn wer seine Fans finden möchte, muss auf digitale Sets umstellen. Nach wie vor sind die meisten Clubs weltweit geschlossen und stehen die Zeichen nicht gut für eine baldige Wiedereröffnung. So haben DJs in den vergangenen Monaten nicht nur Livesets via Facebook-Live Sessions online gestellt, sondern sind für United We Stream auch wieder an die Turntables der Clubs zurückgekehrt und waren sowohl online, als auch auf dem Kultursender ARTE zu sehen. Doch trotz dieser Möglichkeiten bleibt es immer noch dabei, dass eigene Sets vor Menschen weiterhin nicht möglich sind. Deshalb wird erwartet, dass sich in den kommenden Monaten viele Songproduktionen auf diese Zeit beziehen und auch verstärkt Einfluss auf das Songwriting nehmen werden. Mit dem nun veröffentlichten Song Parachute vom Berliner Elektro-Produzenten Paul Kalkbrenner bekommen wir einen ersten Eindruck davon, was alles noch kommen kann. Am Samstag erstmalig auf der digitalen Version des Tomorrowland Festivals präsentiert, ist Parachute eine melancholische Hymne auf bessere Zeiten. Bei diesem Auftritt konnte man Kalkbrenner aus dem Gesicht lesen, wie sehr es ihn erfüllte, wieder aufzulegen und seine Fans zu erreichen. Gleichzeitig ist es aber auch ein Song, der sich weniger stark in den Vordergrund drängt und mit einem Vibe überzeugt, der sich im Tonfall eher an Kalkbrenners großen Song Cloud Rider orientiert, als an den Sound seiner letzten Veröffentlichungen, wie No Goodbye.

Paul Kalkbrenner by: Studio Olaf Heine

Paul Kalkbrenner by: Studio Olaf Heine

Zusammen mit Joe Cleere und Neil Ormandy – die für das Songwriting verantwortlich waren und bereits Songs für P!nk, Dotan, Aloe Blacc, James Arthur oder Kodaline geschrieben haben – klingt Parachute nach einem letzten Blick zurück. Zurück in einen leeren Raum, den man sich voller Menschen vorstellt, die zu euphorischen Beats tanzen und den Moment der Nacht genießen. Dabei blitzen Episoden aus vergangener Zeit auf und lassen das Gefühl der Freude aufkeimen, ehe sich mit dem Abklingen des Gesangs, die Türen schließen und der Raum auf unbestimmte Zeit verstummt. Wäre die Pandemie-Situation der Clubs ein Film, würde Parachute der Soundtrack dazu sein und zeigt, wie universell Musik interpretiert werden kann. Paul Kalkbrenner – der Ende 2019 in einem Statement davon sprach, kein weiteres Album mehr zu veröffentlichen, da das Format Album nicht mehr zeitgemäß sei – dürfte zumindest bei Sony Music International für Aufregung gesorgt haben, steht er hier doch seit 2015 unter Vertrag und landete gleich mit seiner ersten Veröffentlichung unter dem Hause Sony mit dem Album 7 auf Platz 1 der deutschen Albumcharts. Parachute macht Lust auf mehr und lässt die Hoffnung nicht abflauen, in Zukunft doch noch ein Album des älteren Bruders von Fritz Kalkbrenner in den Händen halten zu können.

Ela Minus - they told us it was hard, but they were wrong.

Ela Minus – Tiefer Sound für die Nacht

Es beginnt mit tiefen Synthies und einem hauchenden Gesang und baut sich innerhalb der kommenden 4:44 Minuten zu einem dunklen, treibenden Song auf, der von verborgenen Partys in dunklen und feuchten Kellern handeln könnte. Dabei hat Ela Minus – wie sich Gabriela Jimeno als Musikerin nennt – über die vergangenen Jahre immer größere Schritte unternommen, um erfolgreich Musik machen zu können. Mit neun Jahren am Klavier begonnen, zog es die in Bogotá, Kolumbien geborene Musikerin schnell ans Schlagzeug und in die Punk-Band Ratón Pérezin. Damals vor allem durch die Musik von Metallica und Pantera geprägt, wuchs die heute 30 jährige Musikerin eher mit harten Sounds auf – dies spiegelt sich auch in Ela Minus‘ heutiger Musik wieder. Dabei erlebte die ehemalige Punkrockerin in den 2000ern eine wahre Evolution der Rockmusik, die wir alle nur zu gut kennen. Waren es Anfang der 2000er noch die großen Acts aus den USA und Großbritannien, die mit ihren Gitarren für einen Hit nach dem anderen sorgten, floßen zunehmend elektronische Elemente in ihre Musik ein. Heute bilden so gut wie alle großen Bands einen Mix aus Rock und elektronischer Musik ab.

Ela Minus (Photo credit: Teddy Fitzhugh)

Ela Minus (Photo credit: Teddy Fitzhugh)

2008 zog Ela Minus schließlich nach Boston in Massachusetts, USA um an dem Berklee College of Music zu studieren. Hier studierte sie die beiden Fächer Drum Set Performance und Music Synthesis und schloß diese beiden erfolgreich 2013 ab. Direkt im Anschluss ging es für die Musikerin nach New York, wo sie seitdem in Brooklyn lebt. Mit ihrer 2019er Debüt-EP Adapt. zeigte sie bereits, dass sich ihre Musik komplett vom Schlagzeug gelöst hat und als Hauptinstrument die Synthies einsetzt. Mit ihrer neuen Single they told us it was hard, but they were wrong. setzt sie nach gefeierten Auftritten auf dem Sónar Bogotá 2017, dem Lollapalooza Argentina 2018 sowie geplanten – doch wegen der Pandemie abgesagten – Auftritten auf dem diesjährigen Primavera Sound Festival in Barcelona und dem Coachella Festival ein neues Ausrufezeichen. Denn einhergehend mit der Veröffentlichung von they told us it was hard, but they were wrong. geht auch die Mitteilung über einen Plattenvertrag bei Domino Records raus – bei denen auch Bands wie Franz Ferdinand, Arctic Monkeys, Austra, Georgia oder Hot Chip unter Vertrag stehen. they told us it was hard, but they were wrong. ist eine fluoreszierende Elektrohymne auf das eigen Vertrauen in sich, Dinge zu tun, von denen das Umfeld immer sagt, dass diese nicht möglich seien. Es ist aber auch eine Hymne an die Nacht. Nicht auf der Tanzfläche, sondern viel mehr an das Umherirren in den verworrenen Gängen der Clubs oder dem Rennen durch die Nacht einer Großstadt, bei dem die Straßenlichter für ein wiederkehrendes Lichtspiel im Gesicht sorgen. Ela Minus klingt geheimnisvoll, rau und treibend zu gleich und hat mit ihrer neuesten Veröffentlichung einmal mehr gezeigt, wie großartig der Einfluss von Punk- auf die elektronische Musik sein kann.

Flecks - Cinematic Heartbreak

Flecks – Von der Story zwischen Red Eyes und Big Lies

Es ist wie zu Weinachten, jede neue Veröffentlichung des irischen Duos Flecks ist, wie ein weiteres Geschenk, das man auspackt. Mit ihren großen Synthie-Songs haben Freya Monks und Scott Halliday in den letzten zwei Jahren so großartige Veröffentlichungen, wie SamuraiYou Bet I Would oder Hold On hervorgebracht, dass man immer wieder aufs neue ins Schwärmen kommt, wenn man über dieses Duo berichtet. Mit immer stärkeren Rotationen ihrer Songs auf irischen Radiosendern, dem Einsatz im irischen Fernsehen – wie RTÉs Striking Out – und der Wahrnehmung bei Musikmagazinen, wie Hotpress – dem wichtigsten Musikmagazin des Landes – stellt jede Single eine weitere Stufe für das Duo dar, die sie hinaufsteigen. Dabei haben sich Monks und Halliday bewusst aufs Land zurückgezogen und ihre Musik fernab des Großstadtdschungels geschrieben. Auf ihrer neuesten Veröffentlichung Cinematic Heartbreak geht es dem Duo darum von Liebe und Konflikten zu erzählen. Hier haben Flecks die beiden Charaktere Red Eyes und Big Lies kreiert und musikalisch von einem Leben aus Herzschmerz und Distanzierung zueinander erzählt. Gerade in der Phase des Lockdowns hatte auch das Duo damit zu kämpfen, wie sich Distanz anfühlt und musste sich gleichzeitig deutlich stärker auf den Partner fokussieren. Dabei war vieles um ihr Grundstück und Haus herum gar nicht mal so verändert, wie man es in den städtischen Gebieten mitbekommen hat, doch haben Flecks diese außergewöhnliche Zeit genutzt um neue Musik zu produzieren. Mit Cinematic Heartbreak strahlen die Iren noch deutlicher, als mit ihren vorherigen Singles und zeigen sich heller im Sound. Freya Monks‘ Stimme klingt – trotz der bedrückenden Lyrics – positiver und nimmt an Geschwindigkeit auf. Gleichzeitig bleibt Cinematic Heartbreak eine großartige Synthiehymne, die uns einmal mehr an die Kindheit aus den 80er Jahre erinnert – mit all seinen wunderbaren Facetten. Cinematic Heartbreak ist die fünfte Songveröffentlichung, zu der es weder eine EP, noch eine Albumankündigung gibt. Doch dürfte es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis wir von den Iren einen Longplayer erwarten können.

Jónsi - Swill

Jónsi – Progressiv, futuristischer Sound

Mit seiner ersten Singleauskopplung Exhale hat Jónsi uns im April überrascht und gleichzeitig auf einen neuen Sound vorbereitet. Denn hier präsentierte uns der isländische Künstler eine moderne und frische Hymne, die hier und da in den Pop zu rutschen schien. Nun hat der Musiker – nach seiner Kollaboration mit Julianna Barwick auf In Light – eine zweite Single seines kommenden Soloalbums Shiver veröffentlicht und setzt abermals auf einen ungewöhnlichen Sound. Mit einem progressiven Anfangsbeat singt sich Jónsi auf Swill mit Hilfe von Autotune-Elementen durch einen auffällig hellen Song. Dabei ist auch der Hintergrund des Songs eher auf eine lockere Art zu sehen. Hat sich Jónsi doch auf Swill damit auseinandergesetzt, wie es ist, wenn man einen Abend zu viel getrunken hat, etwas Dummes tut und sich damit zum Narren macht. Mit dem futuristischen Sound des britischen Produzenten A. G. Cook – der sich unter anderem für die letzten beiden Alben und letzten beiden Mixtapes von Charli XCX verantwortlich zeichnet – hat Jónsi es geschafft, dem Song eine freundliche Stimmung zu verleihen. Damit einhergehend, hat der Sigur Rós-Sänger nun auch das Veröffentlichungsdatum seines zweiten Soloalbums angekündigt. Shiver wird am 2. Oktober erscheinen und damit zehn Jahre nach seinem Solodebüt Go veröffentlicht. Die Songs des Albums sind hauptsächlich während der vergangenen zehn Jahre entstanden, wenngleich auch Songs auf dem Album enthalten sein werden, die bereits vor 15 Jahren – und damit in der Hochzeit seiner Band Sigur Rós – entstanden sind. Während der Musiker in den vergangenen zehn Jahren zwei Alben mit seiner isländischen Band veröffentlicht hat, kamen in den vergangenen Jahren auch immer häufiger Nebenprojekte dazu. So hat der Musiker zusammen mit dem Schweden Carl Michael von Hausswolff das Projekt Dark Morph gestartet und zwei Alben veröffentlicht. Gleichzeitig tritt Jónsi aber auch immer öfter als Visual Artist auf und hatte in Los Angeles bereits Ausstellungen mit seinen Installationen. Das alles gibt dem Musiker die Möglichkeit, Inspirationen zu sammeln, die er in seiner Musik verarbeitet. Auf Swill hört man diese Einflüsse wunderbar heraus und lässt der Track auf ein Album hoffen, bei dem man mit Acts, wie Robyn und Liz Fraser zusätzliche aufhorchen kann.

Giant Rooks - What I Know Is All Quicksand

Giant Rooks – Ein finaler Durchbruch mit Verzögerungen

Alles deutete auf den ganz großen Durchbruch hin. Mit ihren drei EPs The Times Are Bursting the Lines (2015), New Estate (2017) und Wild Stare (2019) hatte die Nordrhein-Westfälische Band Giant Rooks einen äußerst langen Anlauf zu ihrem Debütalbum genommen. Gibt es die Band bereits seit 2014 war ihr Output an neuer Musik bis zuletzt kontinuierlich hoch. Mit ihrer groß angelegten Headlinertour Rookery sollte es im April und Mai durch 15 europäische Länder gehen, darunter Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien. Ebenso groß war die Tour von Milky Chance in den USA für März und April geplant gewesen, bei dem die Jungs von Giant Rooks bei zwölf Konzert als Support mit dabei gewesen wären. Schaut man sich darüber hinaus an, dass die aus Hamm kommende Band es in Berlin geschafft hat, die Columbiahalle auszuverkaufen und sogar ein Zusatzkonzert am Folgetag einplanten, wird klar, die Band steht kurz davor, einen grandiosen Durchbruch zu feiern. Doch dann kam die Pandemie und stellte alles auf Eis. Nun haben die Giant Rooks mit What I Know Is All Quicksand eine neue Single veröffentlicht und beglücken uns dazu mit der Ankündigung ihres Debütalbums Rookery, das sie am 28. August veröffentlichen werden. Es sollte sich richtig anfühlen und einen Sound haben, bei dem wir sagen, jetzt ist es Zeit, für ein Debütalbum – beantwortet die Band die Frage, warum es sechs Jahre dauern musste, ehe wir ein erstes Album in den Händen halten können. Dabei bleibt ein wenig offen, welcher Sound genau der Richtige ist – denn mit ihrer neuesten Single What I Know Is All Quicksand arbeiten sich die fünf Jungs durch den bekannten Indie-Rock und zeigt dennoch, dass der große Stadionrock machbar ist. What I Know Is All Quicksand behält sich zurückhaltende Klaviermomente genauso vor, wie die schnellen Gitarren und einen – zum absoluten ausrasten – animierend frischen Vibe. Nach dem hymnenhaften Watershed gehen Giant Rooks mit What I Know Is All Quicksand den Weg zum Epos und lassen auf ein abwechslungsreiches erstes Album der jungen Indie-Rocker hoffen.

Two Year Vacation - Never Been To Paris

Two Year Vacation – Reisen in Zeiten der Pandemie

Wie gehen wir eigentlich in der momentanen Zeit mit unserem Fernweh um?! Die einen versinken wahrscheinlich im Selbstmitleid um unzählige verpasste Chancen, die Welt zu entdecken. Die anderen machen daraus Musik – wie wir es gerade bei dem schwedischen Quartett Two Year Vacation sehen können. Denn mit ihrer neuen Single Never Been To Paris haben die Göteborger eine so sympathische Nicht-reisen-können-Hymne veröffentlicht, dass man schon fast wieder Reiselust bekommt. Bereits mit ihrer Single I Forgot Your Name (But I Like You) aus dem Frühjahr 2019 stellte klar, dass Two Year Vacation mehr für die gute Laune zu haben sind, als melancholische Melodien. Und selbst, wenn sie, wie bei Never Been In Paris über die begrenzten Möglichkeiten zu Reisen singen, klingt es immer so, als würden sie dabei ein Lächeln auf den Lippen haben. Mit großartigm Indiesound und dem verschmitzten Gesang Anton Tuvessons klingt Never Been In Paris nach so viel Spaß, dass man sich fast selbst in Paris wiederfindet. Hinzu kommt das amüsante Musikvideo, bei dem sich die Band – dank eines Greenscreen-Studios – nach Paris projektieren und einen auf Franzosen machen. Locker, selbstironisch und mit einer gehörigen Portion Humor singen sich Two Year Vacation mit jedem neuen Song weiter in die Herzen aller Indieliebaber und lassen die Vorfreude auf ihre – am 12 Juni erscheinende – EP Bedroom Rock damit steigen.

Flecks - Hold On

Flecks – Halte inne und lass Dich mitreißen

Mit Samurai und You Bet I Would haben Flecks in den vergangenen zwei Jahren zwei so großartige Hymnen veröffentlicht, dass man sich nur sofort in die Band verlieben konnte. Nun haben Flecks mit Hold On einen neuen Song veröffentlicht, der wie eine Prophezeiung auf die aktuellen Geschehnisse in der Welt zu passen scheint. Denn geschrieben haben Freya Monks Halliday und Scott Halliday den Song bereits im Sommer 2019 – als eine Pandemie dieses Ausmaßes noch komplett unrealistisch erschien. Heute passen die Worte, als wäre der Song von der Pandemie inspiriert. What becomes of our experience? When we’re done with the game. Everyone around me is ignoring their pain. Too busy fighting. Can we just breathe? (Was wird aus unseren Erfahrungen? Wenn wir mit diesem Spiel fertig sind. Alle um mich herum ignorieren ihren Schmerz. Sind zu beschäftigt mit dem kämpfen. Können wir nicht einfach nur atmen?). Lebt das Duo auf dem Land – knapp 40 Kilometer von Dublin entfernt – ist es egal aus welchem Fenster ihres Hauses es blickt, irgendwo steht immer ein Lamm. Dass die dadurch vorherrschende Ruhe und Abgeschiedenheit so einiges an Macht der Pandemie abfedert, scheint das Duo musikalisch dazu zu bringen, immer feiner in ihrem von Synthies geprägten Sound zu werden. Auf Hold On finden Worte wie Kraft, Energie und Leidenschaft zusammen. Musikalisch stehen sich der Abgrund und die Rettung gegenüber – ist es eine Gratwanderung zwischen Vergangenheit und Zukunft. Was geschieht durch unsere nächste Entscheidung, unseren nächsten Schritt?! Werden wir lernen und gestärkt aus dem hervorgehen, was uns aktuell so sehr schmerzt? Es ist diese Wucht – die Hold On besitzt – wenn Monks Halliday über Hoffnung und Chancen singt und dabei musikalisch wie aus einem Blockbuster aus der dunklen Zukunft klingt. Flecks berühren uns mit Hold On einmal mehr und sorgen in den aktuell unruhigen Zeiten dafür, dass unsere Seele durchatmen kann.

Jónsi – Exhale

Jónsi – Neue Musik abseits von Sigur Rós

Jón Þór Birgisson – kurz Jónsi ist der Frontsänger der legendären isländischen Post-Rockband Sigur Rós. Mit ihr hat der 45-jährige Sänger und Komponist in den vergangenen 26 Jahren für so wundervolle Songs, wie Svefn-g-englar (1999), Untitled #1 (2003), Hoppípolla (2005), Sæglópur (2006) oder Gobbledigook (2008) gesorgt. Dass Sigur Rós ihre Hochzeit in den 2000ern hatte, zeigt sich deutlich an den Veröffentlichungsrhythmen, den Chartplatzierungen und welche Songs die Musikgeschichte beeinflusst haben. Selbst ein Auftritt bei den Simpsons war 2013 drin. Gibt es seit 2013 – abgesehen von Remix-Alben – mit Óveður und Á nur zwei einzelne Songveröffentlichungen, ist es zunehmend ruhiger um die Band geworden. So tritt Frontsänger Jónsi nun, nach Riceboy Sleeps (2009) und Go (2010), ein weiteres Mal solo in Erscheinung und veröffentlicht mit Exhale einen neuen Song. Anders, als bei Sigur Rós singt Jónsi hier nicht auf isländisch oder gar in der eigens erfundenen Sprache Hopelandic, sondern nutzt Englisch als Sprache des Ausdrucks. Hierbei zeigt Jónsi sich musikalisch deutlich offener und verbindet den typischen Ambient und Post-Rock Sound mit einem schnelleren Beat, der einen Höhepunkt andeutet, jedoch nur zögerlich zum diesem führt. Schließlich geht Exhale in einem elektronischen Beat mit großer Instrumentierung auf und wird damit zu einer modernen Hymne, die durchaus überraschend und frisch klingt. Exhale führt den Sound Jónsis Solomusik wie auch dem seiner Band Sigur Rós fort und lässt diese in einem fast schon poppig klingenden Gewand aufgehen. Diese Kreativität lässt – abseits all seinen Nebenprojekte – auf ein großartiges neues Album hoffen.