Nick Murphy – Geht nach vorne

Selten ist es so spannend, einen Künstler bei seiner Entwicklung zu beobachten, wie man es bei Nick Murphy kann. Mit seinem Alter Ego Chet Faker abgeschlossen, veröffentlicht der Australier seit knapp zweieinhalb Jahren nur noch Songs unter seinem Geburtsnamen. Dabei können wir die Entwicklung vom psychedelisch, chaotischen Fear Less über den Elektrosoul-Song Your Time bis zum, nun veröffentlichten, Song Sanity hören, der wiederum ungewöhnlich poppig und fröhlich klingt. Hierbei nutzt der Sänger und Produzent Synthies und weitere Soundelemente der 80er und frühen 90er Jahre. Sanity ist dabei die Vorabsingle aus Murphys Debütalbum, welches unter seinem richtigen Namen und mit dem Titel Run Fast Sleep Naked Ende April erscheinen wird. Somit öffnet sich Murphy immer weiter und lässt in uns das Gefühl von Freude und Unbedarftheit wachsen, welches es sonst in der Form eher weniger von Murphy zu hören gab.

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Roosevelt – Zwischen Verschollenem und Leben retten

Heute überraschte uns der Kölner Sänger und Produzent Roosevelt mit einer Veröffentlichung, die viele noch aus den Anfangstagen des Musikers kennen dürften. Denn mit Falling Back hat Roosevelt einen, vormals unter dem Namen Cape Cod bekannten, Song veröffentlicht, der bereits vor nunmehr fast acht Jahren auf Roosevelts Setlisten zu finden war. Nun hat er Falling Back im W Hotels Worldwide in Barcelona neu aufgenommen. Dabei bietet die Hotelkette eigens, um Musiker anzusprechen, Tonstudios und diverses Equipment an, um hierbei als vollwertiges Aufnahmestudio mit Übernachtungsmöglichkeit zu fungieren. Gleichzeitig werden alle Erlöse des Songs aus Streaming- und Downloadeinnahmen an SOS Mediterranee gespendet und damit das Leben von, in Seenot befindlichen Menschen, gerettet. Dass Roosevelt einen seiner ganz frühen Songs nun digital veröffentlicht, überrascht in sofern, da er in den letzten Jahren zumeist nur noch Songs seiner beiden Alben und der Elliot EP spielte und Songs wie Soleil oder eben Cape Cod gar nicht mehr in seinen Setlisten auftauchten. Falling Back klingt dann auch nach einer Mischung der Songs aus den Jahren 2012 & 2013, sowie aus dem heutigen Sound Roosevelts, der von treibenden, epischen Beats geprägt ist und eine volle Ladung Sommer, Freiheit und Freude vermittelt.

J.S. Ondara – Eine Stimme als wahrhaftiges Seelenstreicheln

Passt eine Lebensgeschichte auf die Startseite eines Musikers? Bei J.S. Ondara ist dies so. Zugegeben sind es satte 149 Zeilen, in die der heute 26-Jährige sein bisheriges Leben packt. Vom Aufwachsen in Nairobi und seiner damit verbundenen Armut – seine Mutter und seine Geschwister hatten in Ondaras Kindheit nur das Nötigste und musten immer hart arbeiten um überhaupt etwas zu essen zu haben – über die gesellschaftlichen Regeln – gehörst du nicht zur Mittel- oder Oberschicht, wirst Du auch nicht dorthin aufschließen können – bis hin zu seiner Emigration in die USA und dem wahr werden seines Traumes, Musiker zu werden. All das finden wir in den 149 Zeilen des Musikers und bekommen ein umfassendes Bild des Musikers und Lebenskünstlers. Nun ist mit Tales Of America sein Debütalbum erschienen und präsentiert einen Longplayer mit so viel Soul, Geschichten, Emotionen und Erlebnissen, dass man sich als Hörer kaum verwehren kann sich in der Musik zu verlieren. Ondaras Stimme ist dabei die größte Gabe, die der Sänger haben kann. So klar, so direkt und präsent singt er über Liebe, Sehnsucht und Trauer und wird immer nur von einfachen Instrumenten begleitet, die wahlweise als Gitarre, mal als Cello oder einem ruhigen Schlagzeug auftreten. J.S. Ondara ist diese Art Künstler, der uns inspiriert weiter zu denken, uns zu öffnen, Gefühle zuzulassen und uns einer Entwicklung auszusetzen, indem er durch seine Musik spricht. Ondara ist zeitlos, modern und wichtig – Musik, die Freude in uns auslöst.

Two Year Vacation – Tanzen bis zum Umfallen

Die Schweden wieder – möchte man mit einem freudigen Lächeln meinen. Denn mit den Göteborger Jungs von Two Year Vacation gibt es wieder einmal eine Newcomerband die mehr als nur erfolgversprechend ist. Nach zwei EPs stehen sie nun bei einem Hamburger Indielabel Clouds Hill unter Vertrag und arbeiten an ihrem Debütalbum. Dabei möchten die vier Jungs um Frontsänger Anton Tuvesson doch mit ihrer Musik nur für eine unbeschwerte Zeit sorgen. Mit Frontmann Tuvesson – der mit seiner Stimme große Ähnlichkeiten zu Kakkmaddafakka Sänger Axel Vindenes aufweist – leisten sich die Jungs eine durchweg positive Grundstimmung und konzentrieren sich voll und ganz auf die Musik. Mit dem sympathischen Musikvideo zur aktuellen Single I Forgot Your Name (But I Like You) rufen die Jungs den Sommer aus, indem sie einen Wettertristesse-am-Strand-Clip abgedreht haben und mit der fröhlich, lockeren Indiehymne für gute Stimmung sorgen. Mit einer ordentlichen Portion Synthies beschreiben sie sich selbst mit den Worten Two Year Vacation sind deine täglichen Ferien. Ihre Musik ist eine faszinierende Mischung aus Rock, karibischem Kraut und Disco, die uns mit Freude zum Tanzen bringen wird. Dass diese Beschreibung den Nagel auf den Kopf trifft, könnt Ihr bei ihrer neuen Single I Forgot Your Name (But I Like You) hören.

Postiljonen – Große Gefühle und verträumte Wünsche

Dass das schwedische Pop-Trio Postiljonen noch nicht den ganz großen Durchbruch erfahren hat, bleibt vielen ein Rätsel. Schlagen sie doch in die gleiche Kerbe wie M83 und machen euphorischen Dream-Pop, der sich so zart aber mächtig anfühlt, dass man sich darin nur verlieren kann. Mit ihren beiden Alben Skyer (2013) und Reverie (2016) steuerten sie große Hymnen wie Skyer High, How Can Our Love Be BlindGo! und Crazy bei. Dabei sind ihre Songs von Verlust, Freude, Schmerz und Liebe geprägt. Mit ihrer neuesten Single Chasing Stars behandeln die drei Stockholmer das Gefühl, Sehnsucht nach jemanden zu haben, dem man früher einmal sehr nahe war. Dieses warme Gefühl, nicht nach der Rückkehr in dieses Gefühl zu jagen, sondern es einfach für den Moment zu wecken und es zu spüren, ist auf Chasing Stars allgegenwärtig. Dabei bleiben Postiljonen in ihrem überbordenden Dream-Pop zu Hause und lassen uns auf der Tanzfläche eines jeden Indie-Clubs ausrasten. Postiljonen wecken einmal mehr Gefühle von Euphorie und Glück und zaubern uns ein riesiges Lächeln in unser Gesicht und lassen die Zeit, bis zu ihrem dritten Album, hoffentlich nicht all zu lange dauern.

Møme – Mit neuem Song im Sommer angekommen

Sommerhits konnte Møme aus Frankreich ja schon immer richtig gut produzieren. Allein die 2016er Single Alive zeigte eindrucksvoll, wie toll der Sommervibe musikalisch funktioniert. Unpassend war allerdings die Zeit der Veröffentlichung, war diese doch Mitte November 2016 gewählt, fiel das warme Gefühl auf der Haut dementsprechend aus. Nun ist Souillart – der Kopf hinter Møme – mit seiner neuen Single When We Ride zurück und hat dieses Mal einen deutlich passenderen Zeitpunkt für die Veröffentlichung gewählt. Wenn dieser Sommer eines ganz sicher kann, dann ist es für unfassbar viele schwitzige Momente sorgen, die in Erinnerung bleiben. Für When We Ride hat sich Souillart dann auch Jo Loewenthal von der Australischen Band Tora dazugeholt. Mischt die Band Indie mit Synthies und produziert einen melancholischen Mix, der irgendwo zwischen treiben lassen und träumen umherwandert, hat Møme dafür einen klebrig, stampfenden R&B-Song produziert, der mit einem wirren Elektrobeat aufwartet.  Dabei verlieren sich Souillart und Loewenthal zur Mitte hin in einer Blase aus einem euphorischen Beat. When We Ride ist ein Sommerhit par excellence und bringt uns dazu, Eiswürfel in die Shirts der anderen zu stecken – nur, um das Gefühl von Freude und Wachsein zu genießen.

Bosse – Euphorisch und Sentimental

Wenn Bosse etwas ganz sicher beherrscht, dann ist es euphorische Popsongs mit Sentimentalität zu verbinden. Ob bei 3 Millionen, Yipi, Dein Hurra oder Frankfurt/Oder – mit dem Bosse, durch die Coverversionen Zoutelande der Niederländischen Band Bløf übrigens Chartrekorde in den Niederlanden und Belgien gebrochen hat – überall schwebt dieses Gefühl von Trauer, begleitet von Freude, mit. Nun hat Bosse sein siebtes Album Alles Ist Jetzt angekündigt und die gleichnamige Single daraus veröffentlicht. Darauf klingt Bosse poppiger, schneller und energiegeladen. Mit Textzeilen Was du träumst das musst du machen. All die besten super Sachen. Einfach machen, einfach machen hat er uns sofort und löst ein Gefühl der Sehnsucht nach genau diesem Gefühl aus. Und genau das ist es, was Bosse immer und immer wieder schafft und damit auch eine Schar an musikalischen Freunden um sich vereint. Da ist es nicht verwunderlich, dass im dazugehörigen Video unter anderem Romano, Anna Maria Mühe, die Mighty Oaks oder Madsen mitmachen wollten. Ein Hoch auf Aki. Ein Hoch auf Bosse!

Dustin Tebbutt – Von einem zum anderen

An einem Beispiel, wie Dustin Tebbutt, zeigt sich, warum es so spannend ist, Musik zu hören. Aktiv aufzunehmen und danach zu suchen. Denn so kommt man von einem spannenden Künstler zum nächsten und stolpert so mitunter regelrecht in völlig unbekannte Acts hinein. So wie eben bei dem Australischen Singer/Songwriter Dustin Tebbutt. Gestern konntet Ihr hier noch über seine Kollaboration mit dem Duo Flight Facilities lesen, um heute bereits einen seiner eigenen Songs präsentiert zu bekommen. Hatte er mit seiner EP The Breach, die er vor vier Jahren veröffentlichte, bereits über 8 Millionen Klicks erzielen können, kommt seine neueste Single Love Is Blind mit so viel Gefühl daher, dass man regelrecht hin- und hergerissen ist und nicht wüsste, ob man weinen oder vor Freude in die Luft springen sollte. Mit viel Emotion und ganz großer Sensibilität arbeitet sich Tebbutt so langsam vor und lässt uns gar keine andere Wahl, als sich in seine Musik zu verlieben. Und so bleibt uns nur auf eine baldige, zweite EP zu hoffen und auf mehr Musik, wie wir sie von Tebbutt auf Love Is Blind zu hören bekommen.

Xavier Rudd – Die volle Ladung Freude

Mit seiner neuen Single Honeymoon Bay erfüllt sich der Australier Xavier Rudd gleich mehrmals einen Herzenswunsch. Verarbeitet Rudd doch alles, was in seinem Leben und Umfeld passiert, zu Songs. Mit Honeymoon Bay hat Rudd nun nicht nur einen unglaublich, Freude ausstrahlenden Song veröffentlicht, sondern gleichzeitig auch seine eigene Hochzeit thematisiert. Dabei klingt Rudd so euphorisch und glücklich, dass dieses Gefühl in jeder Sekunde des Songs überspringt und regelrecht ansteckend wirkt. Man möchte fast am Strand mit tanzen und aus dem Grinsen nicht mehr rauskommen. Dass Honeymoon Bay dabei keine Eintagsfliege ist, zeigt das ganze Album Storm Boy, auf dem bereits die Leadsingle Walk Away zu finden ist, die im Frühjahr dieses Jahres schon überzeugte. James Rudd hat es geschafft, seinen typisch, australischen Surfer-Folk in die Welt zu tragen und dafür gesorgt, dass auch in den nassen Monaten des Winters in Europa viel Zeit für Sommergefühle bleibt. Auf Honeymoon Bay feiern wir jetzt aber erst einmal die grenzenlose Freude Rudds und den Sommer.

Aurora – Engel des Nordens

Sie ist wie eine Fee. Die norwegische Sängerin Aurora hatte mit einem ihrer ersten Songs Awakening (2013) und dem im Frühjahr 2016 veröffentlichten Debütalbum All My Demons Greeting Me as a Friend alle begeistert. Nicht zuletzt durch die beiden Singles Running with the Wolves und Half the World Away welche in Werbespots für Vodafone und John Lewis eingesetzt wurden – hatte sie europaweit große Aufmerksamkeit erlangt. Dabei ist die 21-jährige Sängerin genau das Gegenteil – ist sie doch in sich gekehrt und bereits mit kleinen Dingen zufrieden und versprüht auf Konzerten eine außergewöhnliche Aura von Glück, Frieden und unglaublich viel Freude. Hierzu bewegt sich Aurora so grazil – einer Fee gleich – über die Bühnen und verzaubert alle im Publikum mit ihrer bloßen Anwesenheit. Nun hat Aurora zur Ankündigung ihres zweiten Studioalbums die Single Queendom veröffentlicht, die durch einen schnellen Sound und elektronischen Beats begeistert. Dabei singt Aurora gewohnt klar und bildet so einen fantastischen Kontrapunkt. Queendom ist eine lebensbejahende Hymne für all diejenigen, die etwas fühlen wollen und sowohl Geborgenheit, als auch Freiheit suchen. All dies schüttet Aurora so lässig aus dem Ärmel, dass man sich ihr hingeben und einfach nur zuhören möchte.