Kara Marni – 90er R&B

Mit ihrer wunderbar, trägen Single Curve hatte die britische Sängerin Kara Marni Mitte April ein sattes Ausrufezeichen gesetzt. War sie damals bereit für einen heißen Sommer, sollte sich nun – am Ende der warmen Jahreszeit – zeigen, dass Marni keine Gelegenheit ausgelassen hat, ihre Musik unter die Leute zu bringen. So war ein Stop auf ihrer Tour, das Hamburger Reeperbahn-Festival Mitte September. Hier präsentierte sie neben Curve auch einige neue Songs sowie unter anderem ihre nun veröffentlichte Single Move. Dabei orientiert sich die Sängerin am R&B, Soul und Hip-Hop der 90er-Jahre und hat uns mit ihrem tanzbaren und eingängigen Beat sofort in ihrem Bann gezogen. Dadurch erinnert Kara Marni an Lauryn Hills – mit Grammys überhäuften – Album The Miseducation of Lauryn Hill. Hier werden Sounds von, auf der Straße spielenden, Kindern mit basslastigen Beats gemischt und singt Marni dazu wie einst Lauryn Hill es tat. Mit seiner – fast schon spielerischen – Melodie, ist Move eine perfekte Nummer für moderne Modenschauen. Und so verwundert es auch nicht, dass Marni bei Magazinen wie VOGUE, HUNGER und NYLON ganz oben auf der Liste steht, wenn es um Auftritte während der Schauen geht. Move ist ein klebrig, grooviger Neo-Soul Song, der die Brücke zwischen 90er-Jahre Soul und heutiger elektronisch unterstützter R&B-Produktionen spannt. Für 2019 wurde damit zaghaft auch Marnis Debütalbum angekündigt und lässt durch Move auf ein spannendes Paket hoffen.

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NEØV – Sphärischer Indierock

Vor zehn Jahren gegründet, hat das finnische Trio NEØV bereits einige Turbulenzen durchlaufen – stehen bereits drei Bandmitglieder-Abgänge auf ihrem Lebenslauf und auch der ein oder andere Wechsel der Plattenfirma. Dass sie allerdings eine Idee verfolgen, kann man nicht zuletzt dadurch sehen, dass die Band in Finnland mit Gramofon Fest ihr eigenes Festival organisiert. Dieses ist geprägt von Musik der einzelnen Jahrzehnte und umspannt Songs aus den 60ern bis in die 90er. Im Juni dieses Jahres zum Hamburger Label Clouds Hill gewechselt, veröffentlichen die drei nun mit Elysion eine sphärische Indienummer, die mit Dreampop-Elementen und einem choralen Refrain überzeugt und einen satten Fußabdruck in der hiesigen Indielandschaft hinterläßt. Zeit wird es für die Jungs, den großen Durchbruch zu feiern – haben sie für 2019 ihr drittes Album Volant angekündigt und werden seit ihrem Debütalbum Orange Morning aus dem Jahr 2012 von Magazinen, wie dem Q-Magazine oder dem Rolling Stone hochgelobt und als das nächste, große Ding aus Finnland betitelt. Mit Elysion kommen sie diesem Ziel einen großen Schritt näher.

Sigrid – Strangers ins Jahr 2018

Was wird uns das Jahr 2018 bringen? Viele neue Erfahrungen, tolle Momente und sicherlich auch die ein oder andere Herausforderung. Darum sollten wir nie unterschätzen, was Musik für eine Wirkung auf uns hat. Der erste Song im neuen Jahr, kommt von der 21-jährigen Norwegerin Sigrid. Für sie war 2017 das Jahr! Reichte es nicht schon, dass sie hier ihren Durchbruch und die Veröffentlichung ihres Debütalbums Don’t Kill My Vibe hatte, tourte sie auch durch ganz Europa, spielte auf den größten Festivals und wird dieses Jahr mit dem European Border Breakers Award ausgezeichnet. Ihr nun veröffentlichter Song Strangers brodelt nur so vor Energie und Spaß. Spaß kann die Norwegerin nämlich äußerst gut mit ihren Songs verbreiten. Mit viel Synthie-Pop und einer, von Grund auf, sympathischen Art singt sich Sigrid hier völlig frei und reisst uns mit ins neue Jahr. Strangers strahlt Lebensfreude aus und ist der perfekte Song für einen Start in den Tag, in neue Herausforderungen oder ins neue Jahr.

🎉 Jubiläum – 1.000er Beitrag 🎉

Wow! Heute habe ich mit Klangkarussell feat. Mando Dio – Jericho meinen 1.000er Beitrag auf Soundtrack-of-my-life.com veröffentlicht. In den letzten dreieinhalb Jahren gab es viele spannende Momente, seien es die fantastischen Konzerte und Festivals gewesen, über die Ihr lesen konntet. Oder die aufregenden Interviews mit Newcomern, wie Dead Sea, Sapphire Road, Nathan Ball, Fickle Friends oder Walking On Cars.

Ich bin gespannt, was mich mit den kommenden 1.000 Beiträge alles erwartet und würde mich freuen, wenn Ihr mir auch weiterhin zahlreich folgt und mir sagt, was Euch interessiert!

Bis bald, Euer Marten.

Lollapalooza Berlin 2017 Tag 2

Man war vorbereitet… An Tag zwei hatten sich die Festivalbesucher Pläne gemacht, wie, wann und womit sie zum Festivalgelände bzw. auch Abends wieder davon weg kommen würden. So waren die S-Bahnen nicht mehr ganz so voll, der Einlass auf das Festivalgelände geordneter und deutlich mehr Mitarbeiter unterwegs. Und um den Tag auch noch komplett umzukrempeln, spielte die Sonne mit und lachte vom Himmel mit spätsommerlich, wärmenden Strahlen.

Also die besten Voraussetzungen, um doch noch ein grandioses Festivalerlebnis zu haben. Mit Bands und Künstlern wie Sigrid, Bonaparte, Rudimental, AnnenMayKantereit, London Grammar, den Foo Fighters und The XX war der Sonntag zusätzlich auch noch großartig besetzt. weiterlesen

Lollapalooza Berlin 2017 Tag 1

Lollapalooza Berlin Festival 2017

Ein Festival, das auch im dritten Jahr keine Konstante entwickelt hat – wo fängt man da an? Es war bereits am Sonntagmorgen viel über den ersten Tag des Lollapalooza Festivals zu lesen – eigentlich nicht über den Tag selbst, sondern eher über die Nacht zum Sonntag. Denn an diesem, versuchten Tausende Besucher des Festivals durch einen eingleisigen S-Bahnhof wieder in die Innenstadt und somit nach Hause zu kommen.

Anfangs geht es an dieser Stelle allerdings um das Festivalgelände, die Acts und das Lebensgefühl – denn davon gab es reichlich.

Betrat man am Samstag das Festivalgelände, stand man in Mitten eines riesigen weiterlesen

Odesza – Die Elektrogötter sind zurück!

Odesza – Late Night

Mit Say My Name hatte das amerikanische DJ-Duo Odesza 2014 für einen absoluten Überraschungshit gesorgt. Wurde er doch in der Festivalsaison 2015 und 2016  überall gespielt und kam so bis in die deutschen Pop-Radiostationen. Dabei gelten Odesza bis heute immer noch als Duo fernab des Mainstreams – doch im sogenannten Underground sind sie auch nicht beheimatet – und so beschreibt genau diese Schwebe Odeszas Sound am besten. Scheinen die Songs doch zu schweben und dadurch eine ganz besondere Atmosphäre zu erzeugen. Nun sind sie nach fast zwei Jahren ohne neues, eigenes Material zurück und haben gleich zwei Songs veröffentlicht. Während sich Line Of Sight mit der Stimme von Wynne & Mansionair sehr poppig anhört und viele Youtube-Kommentatoren in Vergleiche zu den Chainsmokers enden lässt, klingt der zweite Song Late Night deutlich mehr nach dieser Schwebe des ersten Albums. Opulente Synthies, lange, schillernde Beats und eine packende Euphorie ab der Mitte lassen Late Night, den Harrison Mills und Clayton Knight in Seattle aufgenommen haben zum absoluten Hit werden und so die beiden als Odesza genau dort weitermachen, wo sie 2014 aufgehört hatten.

Lollapalooza Berlin 2016 – Großstadtdschungel – Tag 2

Lollapalooza Berlin 2016

Lollapalooza Berlin 2016

Tag zwei auf dem Lollapalooza Berlin Festival und auch an diesem Tag knallte die Sonne erbarmungslos vom blauen Himmel. 32°C zeigte das Thermometer an und ließ den ohnehin schon vertrockneten Rasen des Festivalgeländes noch mehr Wärme aufnehmen. So brannte die Sonne nicht nur vom Himmel, sondern wurde man auch von unten erhitzt. Da wurde es selbst dem einen oder anderen Smartphone zu heiß.

Lollapalooza Berlin 2016

Lollapalooza Berlin 2016

Mit einer ungewöhnlichen Künstlerin begann dann auch der hitzige zweite Tag. War es doch die Norwegische Sängerin Aurora, die den Treptower Park verzauberte. Und verzaubern konnte man bei Ihr wirklich für bare Münze nehmen. Denn wer bereits in den Genuß kam, Aurora einmal live zu sehen, wird wissen, wie zart sich die blonde Sängerin bewegt und mit welch, fast schon mystischen, Gesten sie ihre Songtexte umhüllt. So sang sich Aurora durch verschiedene Höhen ihrer Stimme und war dabei immer so unglaublich sympathisch. Als wäre sie ein Mädchen aus der Nachbarschaft. So bedankte sie sich stets nach jedem Song brav und hatte hier und da auch ein kleines verschmitztes Lachen parat. Dass sie der Natur mehr verbunden ist als der Großstadt zeigte sich in Äußerungen wie, dass es ihr so unglaublich viel Spaß machte vor einer so grünen Kulisse wie dem Treptower Park zu singen. Und gesungen hatte sie unter anderem ihre bekanntesten Songs Warrior, Running With The Wolves und Conqueror aber auch Songs von ihrem Debütalbum All My Demons Greeting Me As A Friend, wie Winter Bird, Runaway und I Went To Far. Selbst nach dem fünften Konzert des nordischen Mädchens ist es immer noch wunderschön zu sehen, wie ihr ganz eigener Charakter das Gefühl eines jeden Konzertes entscheidend beeinflusst.

Vom Engel zum Bengel

Auf der Mainstage 2 spielten sich unterdessen die Wiener Buben von Bilderbuch warm und sangen mit spitzer Zunge Songs wie Willkommen im Dschungel, OM, Schick Schock, Spliff, Feinste Sahne und natürlich Maschin. Als sie dann zum Song Rosen zum Plafond (Besser wenn du gehst) kamen, flogen der Band gar Rosen entgegen, worauf Sänger Maurice Ernst die fragte, wie es denn möglich sei, bei solch rigorosen Sicherheitskontrollen eine gefährliche Rose mit so vielen Stacheln auf das Festivalgelände zu bringen. Dass Maurice Ernst mit seinem Wiener Schmäh zwischen abgerockt und arrogant changiert und ihm dabei das Publikum zu Füßen liegt, passiert fast ganz nebenbei. Schließlich haben sich die vier Österreicher über die letzten elf Jahre ihrer Bandgeschichte eine feste Fangemeinde erspielt. Auf dem Lollapalooza konnte man sich zumindest davon überzeugen, dass die Band ein sehr großes Standing in Berlin genießt und konnte somit fast wie bei einem Heimspiel performen.

Sphärischer Indie-Rock mündet in einer Maskerade

Von der Mainstage 2 ging es direkt zur Alternative Stage, auf der uns die Australier von The Temper Trap mit ihrem Titelsong des dritten Albums Thick As Thieves begrüßten. Dieser Song war nicht nur eine energievolle Eröffnung des Auftrittes, sondern sorgte auch für die richtige Einstimmung zum tanzen. Und so wurde dies gleich beim ersten Song ausgelassen getan. Sänger Dougy Mandagi hatte allerdings auch alles daran gesetzt, die Menge zum Ausrasten zu bringen, so sprang er immer wieder von der Bühne und stellte sich an die Absperrung um ganz eng mit den Fans zu singen. Interessant war hierbei die Auswahl der Setlist. Wurden vom Debütalbum Conditions gleich sechs Songs und vom neuen Album Thick As Thieves sieben Songs gespielt gab es mit Trembling Hands und Rabbit Hole nur zwei Songs ihres zweiten Albums The Temper Trap. Dies bestätigte auch den Eindruck, dass die Band mit dem Ergebniss des zweiten Albums nie ganz zufrieden war. Und so beglückte sie ihre Fans mit Sweet Disposition, Soldier On, Love Lost, Drum Song, Fall Together oder Resurrection. Darüber hinaus spielten sie eine energievolle Show und ließen der Wärme keine Möglichkeit Ruhe auszulösen. Waren The Temper Trap nach knapp 60 Minuten mit ihrer Show fertig, sollte es knapp 45 Minuten später, auf der selben Bühne, mit einer Künstlerin weitergehen, die man sich nicht hätte anders vorstellen können. Róisín Murphy kennen viele vorrangig durch das Britisch/Irische House-Duo Moloko. War die Band doch zwischen 1994 mit vier Alben in den britischen Charts und hatte weltweite Hits wie Sing It Back und Time Is Now. Seitdem sich die Band 2003 trennte, macht Murphy solo Musik und hat mittlerweile vier Alben veröffentlicht. Ihre Performance auf dem Lollapalooza Berlin eröffnete sie gleich mit dem Opener-Track ihres aktuellen Albums Take Her Up To MontoMastermind. Dabei war Murphy gekleidet, wie eine etwas überarbeitete Stewardess, die gerade auf dem Weg zur Bar war. Dauerte das komplette Konzert 60 Minuten, sollte sich Murphy in dieser Zeit mindestens 13 mal umziehen. So performte die Dubliner Sängerin ihre Songs in verschiedensten Kostümen und war mal als TwoFace, mal als Politesse oder einfach mit ganz viel Girlanden behangen. Amüsant war hierbei das Securitypersonal zu beobachten. Konnten sich doch zwei der sechs Securities einfach nicht mit dem Showstil der Sängerin anfreunden und starrten zeitgleich ununterbrochen und mit offenen Mündern zur Bühne. Dass die 43 jährige, zweifache Mutter, eine derart powervolle Show hinlegt, hatte man nicht im entferntesten erwartet.  Immerhin powerte sie 60 Minuten durch, als wäre sie auf einem Marathon und zeigte, dass sie es genießt sich zu präsentieren. Mit ihren Songs und der Kreativität wäre alles andere unter ihrem Anspruch. Und für alle, die Moloko noch hinterher trauern, wurde dann auch Forever More, Dirty Monkey und Tatta Narja und ein Medley, das Sing It Back beinhaltete, gespielt.

Róisín Murphy @Lollapalooza Berlin 2016

Róisín Murphy @Lollapalooza Berlin 2016

Zwischen absolutem Kommerz und absoluter Kunst

Mit großartigen Künstlern sollte auch die Mainstage 1 und 2 geschlossen werden. So spielten als erstes Major Lazer auf der Mainstage 2 einige ihrer eigenen Songs wie Pon De Floor, Too Original, Lean On und Watch Out For This aber auch zahlreiche Remixe von bekannten Dancefloor-Hits wie Intoxicated. Immer dabei der unverwechselbare Soundmix aus Raggae, Dancehall und House. Selten hatte ein Auftritt auf einem Festival mehr das Gefühl vermittelt auf einem angesagten Open Air fernab der großen Planer zu feiern, als hier. So tanzten 40.000 zu den Songs des Trios, dass obendrein mit spärlich bekleideten Tänzerinnen für Unterhaltung sorgte.

Keine zehn Minuten später folgte dann das Highlight des gesamten Festivals und auch des Festivalsommers. Gab doch die britische Rockband Radiohead, auf dem Lollapalooza Berlin, ihr einziges Deutschlandkonzert. Dieses Konzert sollte ein besonderer Moment für so viele Fans werden. Spielten sie doch satte 120 Minuten und 24 Songs, bei dem alles relevante dabei war, was die Band über die letzten 31 Jahre zu einer der größten und einflussreichsten Bands unserer Zeit gemacht hat. Ob Daydreaming, 2+2=5, The Gloaming oder natürlich Creep war alles vertreten. Wer hier allerdings auf einen Act wartete, der nochmal die Hütte abbrennen würde, wurde von Radiohead dann wohl nicht ganz überzeugt. Hatten sie ihr Konzert doch in Segmente aufgeteilt, die mal ruhiger, mal schrammeliger oder treibender waren, um ihre teilweise verkopften Songs zu präsentieren. Doch immer schwebte über den Songs das Gefühl, der stetigen Verletzlichkeit. Und genau dieses Gefühl ist es, das Radiohead wie keine andere Band beherrscht.

So ging das Lollapalooza Berlin Festival 2016 zu Ende und ließ ein wenig Wehmut aufkommen, dass es bei einem einmaligen Ausflug in den Treptower Park bleiben sollte. Ist doch ein Festival im Wald so wunderbar und lässt das Publikum völlig aus dem Großstadtdschungel entfliehen. So darf man gespannt sein, welche Location sich die Veranstalter für 2017 überlegt haben. In der Zwischenzeit spielen wir einfach die Playlist der 2016er Ausgabe ab und schwelgen in Festivalerinnerungen.

Lollapalooza Berlin 2016 – Großstadtdschungel – Tag 1

Lollapalooza Berlin 2016

Lollapalooza Berlin 2016

Es war der Schmelztiegel der Festival-Sommers. Bei so gut wie keinem anderen Festival in diesem Jahr und dieser Größe gab es wohl bessere Wetterbedingungen als bei dem am 10. und 11. September stattgefundenen Lollapalooza. Bereits das zweite mal machte das, aus Chicago kommende, Festival halt in Deutschland und somit Berlin.  Was 2015 noch mit knapp 45.ooo Besuchern durchgeführt wurde, reichte 2016 mit 70.000 Gästen pro Tag um das größte Stadtfestival Deutschlands zu werden. Ob nun der Begriff Stadtfestival sein muss, um sich zu positionieren – darüber kann man streiten – doch auch ohne diesen Zusatz war das Festival mit insgesamt 140.000 Besuchern an zwei Tagen eines der größten des Landes. So zog es natürlich auch einige namhafte Künstler an und konnte mit Headlinern wie Radiohead und den Kings Of Leon aufwarten. Aber auch fernab der großen Namen gab es viele sehenswerten Acts und vor allem einen ganz großen Highlight –  dem Festivalgelände selbst.

Vom Stadtpark zum Märchenwald

Wer den Treptower Park kennt, weiß, dass der Park so einige verzauberte Ecken hat. So kam dazu, dass die Veranstalter des Lollapalooza’s überall, ob der vielen Bühnen, Getränke- und Imbissstände, kleine Entdeckerinseln schufen. Da konnte man sich kostenlos Fotos in einer Fotobox erstellen, in einem Zirkus seinen Kopf durch Schablonen stecken und so Bilder als Dompteur oder Rad fahrender Bär machen. Aber boten natürlich auch die Sponsoren allerlei Unterhaltsames an ihren Ständen an. Mit einem Pop-up Club der ganz besonderen Art, sorgte hier eine Zigarettenmarke für viel Aufsehen. War der Club doch voll mit Technik und neuesten Hightech-Equipment. Da konnte man mit Virtual Reality Brillen in eine digitale Wüste eintauchen oder harte Drum’n’Bass Beats mit seiner bloßen Hand in der Luft erzeugen. Dies alles wurde von einem spacigen Design abgerundet.

Von Lindsey Stirling bis Max Herre

Der Samstag begann mit dem Auftritt der amerikanischen Violinistin Lindsey Stirling. Bekannt für ihren Mix aus klassischer Musik und Dubstep schaffte es Stirling erstaunlich schnell eine große Menge an Zuschauern vor die Mainstage 2 zu bewegen. Da wurden ihre aktuellen Singles wie Prism und Something Wild genauso gespielt, wie ihre bekanntesten Songs Crystallize und Shatter Me. Nach knapp einer Stunde war der Zauber der Violine vorbei und ließ sichtbar viele fragende Gesichter zurück. Konnten einige doch nicht glauben, dass sich klassische Violinenmusik so gut mit Dubstep verträgt und dieser Mix sogar tanzbar war. Während auf der Mainstage 1 die Briten von Catfish And The Bottleman mit ihren großen Hits Homesick und Kathleen begannen und auf der Perry’s Stage der norwegische DJ Matoma mit sommerlichen Tropical House Remixen für Open-Air-Stimmung sorgte, drehte ein kleiner Underdog auf der Alternative Stage so richtig auf. Mit Songs wie What Love, Four, Give Me A Reason oder OB1 zeigten die Australier von Jagwar Ma, was für einen fantastischen Psychedelic Rock die drei drauf haben. Immer ein wenig an der Grenze des künstlerischen Ausprobierens zeigte vor allem Sänger Gabriel Winterfield mit seiner Spielfreude, dass sich die Band gerne auch mal einfach der Musik hingibt und so ein Song schnell mal 6-7 Minuten lang werden kann. Bewundernswert hierbei war, dass trotz der langen Songs nie Langeweile aufkam.

Kaiser Chiefs – Wir spielen um unsere Berechtigung

Keine halbe Stunde nach Jagwar Ma kamen die britischen Indie-Urgesteine auf die Bühne. Auf einer überdimensionalen LED-Wand im Hintergrund wurden in großen Lettern die Kaiser Chiefs angekündigt, welche die Indie-Bewegung der 2000er wie kaum eine andere Band mitbestimmt haben und mit modernen Klassikern wie Ruby, I Predict A Riot, Oh My God oder Never Miss A Beat für die Dancefloorkiller sorgten. Doch nachdem ihr 2011er Album The Future Is Midieval sehr deutlich die Erwartungen verfehlte und auch das nachfolgende Album Education, Education, Education & War, außer in Großbritannien, eher verhalten aufgenommen wurde, hatten es die fünf Briten in letzter Zeit recht schwer.

Ob die musikalische Neuausrichtung auf ihrem, am 7. Oktober erscheinendem, sechsten Studioalbum Stay Together für eine Kehrtwende sorgt, werden wir in einigen Wochen wissen. Was allerdings fernab des kommerziellen Erfolges bei den Kaiser Chiefs immer erwartbar ist – das ist eine atemberaubende Show. Und diese gab es dann auch. So sang sich Ricky Wilson durch 60 Minuten vollgepackt mit allen relevanten Kaiser Chiefs Songs und zeigte dabei eine Energie, die man sich bei so einigen Künstlern hätte gewünscht. Da sprang Wilson von einer Monitorbox zur nächsten und sang sich durch Ruby, Parachute, Coming Home, Modern Way, Hole In My Soul und viele mehr. Zwischendurch plauschte Wilson dann immer wieder mit dem Publikum und wies auf das kommende Album und die anstehende Tour hin. Immer wieder dabei, die Manager und Tourmitglieder fernab der Band, die im Graben standen und sich das Spektakel zwischen Band und Publikum ansahen. So war man nach 60 Minuten ausgepowert und brauchte erst einmal etwas Entspannung.

Vom unendlichen Chillen zu tiefen Emotionen

Von den Kaiser Chiefs in Richtung der Mainstages aufgemacht, empfing Max Herre alle dazugestoßenen mit Songs wie Wolke 7 oder Esperanto. Seine unglaublich entspannte Art und sein lässiger Gesang passten wunderbar zu den 30°C und Sonnenschein. Auf der Bühne unterstützt hatten ihn Joy Denalane, Philipp Poisel, Afrob und Megaloh. Hier sang sich Philipp Poisel dann bereits für seinen Auftritt auf der Mainstage 1 warm, denn direkt nach Herre ging es für ihn dort weiter. Hatte er in den letzte zwei Jahren gerade mal fünf Auftritte absolviert, sollte das Lollapalooza als großes Comeback dienen. Schließlich kam eine Woche später seine neue Single Erklär Mir Die Liebe raus. Doch was Poisel hier auf der Bühne ablieferte, ließ wohl die größten Fans sprachlos zurück. Denn es flossen Tränen. Nicht etwa beim Publikum, sondern bei Poisel selbst. Wer bereits Auftritte des Baden-Württembergers genießen konnte weiß, dass Poisel einen verletzbaren Charakter hat. Mit seinen Texten, die tief berühren können und seiner zurückhaltenden Art des Vortragens zeigt er seit Beginn seiner Karriere, dass er kein Rampenlichtkünstler ist. Auf dem Lollapalooza allerdings, begann Poisel bei seinen Songs dann tatsächlich zu weinen. Und genau dieser Moment war es, der Menschen, die nicht zu Poisels Fans zählen, die Gänsehaut auf die Arme brachte. Obwohl das Konzert von Arte Concerts mitgeschnitten wurde, gibt es diesen Teil leider nirgends im Netz zu finden. Und das, obwohl genau dieser Auftritt wohl der authentischste des ganzen Festivals sein sollte. Denn was kann es wertvolleres geben, als ein Künstler, der seine Texte fühlt und tatsächlich zu ihnen eine Verbindung aufweisen kann? So sang das Publikum, wenn Poisel die Stimme versagte, und ging mit allen Songs des 31 Jährigen mit.

Es folgt DER HEADLINER

Anderthalb Stunden. So lange dauerte die Umbauzeit auf der Mainstage 1 von Philipp Poisel zu Kings Of Leon. Und obwohl der Platz vor der Bühne bereits bei Poisel bis zu den hinteren Bäumen gefüllt war, kamen gefühlt nochmal mindestens 40% der Festivalgänger dazu. Alles, um die amerikanische Rockband Kings Of Leon zu sehen. Wurde einen Tag zuvor ihre neue Single Waste A Moment, des kommenden Albums We Are Like Love Songs, veröffentlicht, sollte es insgesamt bei nur zwei Songs aus diesem Album bleiben. Vielmehr spielten die KOL’s auffällig viele Songs aus ihrem dritten, vierten und fünften Album. Hier waren allen voran Songs wie Closer, On Call, Notion, Fans, Pyro und natürlich Use Somebody und Sex On Fire die absoluten Lieblinge des Publikums – konnten hier doch viele mitsingen.

Was allerdings sehr stark auffiel – und das im direkten Vergleich zu den anderen Künstlern dieses Tages – war, dass sich die Band um Caleb Followill nicht wirklich bemühte eine Verbindung zum Publikum aufzubauen. So folgte ein Song nach dem anderen und zwischendurch ab und an ein We Love you, We are Kings Of Leon oder You’re the best. Was genau Followill mit dem letzten Satz eigentlich meinte, konnte man anhand des nicht überspringenden Funken, kaum erfassen. Einen kurzen Moment der Persönlichkeit gab es dann allerdings doch, als Caleb Followill das Publikum bat für seinen Cousin Matthew zum Geburtstag ein Ständchen zu singen. Gesagt, getan ging es für die Band schnurstracks weiter im Programm. So folgte ein Song nach dem anderen und so blieb das Konzert unerwartet unspektakulär und störrisch.

Und so kam man am Ende des Tages mit den ersten Highlights nach Hause und freute sich auf den zweiten Tag, der den Drang nach Wasser und Schatten im Vordergrund rücken lassen sollte. Dazu dann morgen mehr.

Lollapalooza Berlin 2016

Lollapalooza Berlin 2016

Highasakite – Die Hymne des Berlin Festivals

Was gab es nicht in den letzten Jahren alles für frische Newcomer die das Berlin Festival als Hymnen-Geber auserkoren hatten. Neben I Heart Sharks Neuzeit für das 2012er Festival waren 2013 die Hamburger von Pool mit Harm dran. Nun kommt für die 2014er Hymne mal ein Act aus Norwegen zum Zuge. Highasakite ist eine fünfköpfige Band die eine Version des Indie Pops für sich entdeckt hat, der leichter nicht klingen könnte. Fängt der Song Since Last Wednesday doch mit leisen Klängen an, singt Helene Håvik glockenklar bis zum Einsetzen des Schlagzeuges. Die damit einhergehende Steigung hin zu einem opulenten Indie-Rockbrett macht den Song immer wieder auf’s Neue zu einem Highlight. Dies wird der Band wohl im Berliner Umfeld so einige neue Fans bescheren. Zu Recht, wäre es doch viel zu schade Highasakite zu verpassen.