The Slow Show – Im Duett doppelt stark

Mit ihrer wunderbaren Leadsingle Sharp Scratch haben die Briten von The Slow Show im Februar eine neue Zeit begonnen. Denn lag die Pause von fast vier Jahre nicht nur daran, dass die Band eine Pause wollte. Mit einem ersten Vorgeschmack der neuen Songs auf der ausverkauften Berliner Silent Green Bühne Mitte Februar begeisterte die Band vor allem mit ihrem satten Sound und den kleinen Nuancen zwischen den Zeilen. So arbeitete Rob Goodwin sich mit seiner Stimme durch die Songs und zeigte dabei Verletzlichkeit, Einfühlsamkeit, Trauer, Stärke und Liebe. Auf ihrer nun veröffentlichten Single Hard To Hide gibt es schließlich auch den raren Moment einer zweite Stimme. Diese kommt in Form einer unbekannten aber warmen Frauenstimme dazu und lässt aus dem Gesang von Goodwin eine berührende Unterhaltung werden. Wie Goodwin bereits auf der Bühne des Silent Green sagte, ist es in der Regel so, dass die Fans nicht fragen, worum es in den Songs geht, sondern wie sehr sie die Songs mit sich und ihren eigenen Leben in Verbindung bringen. Dies können wir nun einmal mehr auf Hard To Hide ausprobieren.

 

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Bear's Den - So That You Might Hear Me

Bear’s Den – Berührend hoch 3

Nun ist es endlich soweit, nach drei Jahren ist heute das dritte Studioalbum So That You Might Hear Me von Bear’s Den erschienen. Damit präsentieren sich die Briten nach dem monumentalen Red Earth & Pouring Rain abwechslungsreicher denn je. Mit dem elektronischen Fuel On The Fire, den ruhigen Folksongs Laurel Wreath und Blankets Of Sorrow oder dem epischen Fossils haben sich Bear’s Den deutlich breiter aufgestellt, als noch auf Islands und Red Earth & Pouring Rain. Bei der aktuellen Single Crow haben Andrew Davie und Kevin Jones dann auch eine stripped-down Ballade auf dem Album, die so zurückhaltend ist, dass man sich voll und ganz darin verlieren kann. Für das Musikvideo haben die Jungs dann auch ihre Fans in den Städten São Paulo, Nashville, London und Brüssel zu einem First-Listening eingeladen und wurde mit den Fans ein Video erstellt, bei dem es darum ging familiäre Beziehungen zu präsentieren. Zusammengekommen, sind die verschiedensten Menschen mit ihren Liebsten oder auch Menschen, die nur ein Foto bei sich trugen, auf dem eine verstorbene Liebe gezeigt wird. Musikalisch geht Crow dabei in die einfühlsame Richtung und lässt viel Raum für Gefühle. Dabei zeichnet sich Crow durch das Zusammenspiel all dieser Einflüsse episch und monumental aus. Mit großem Pathos und einer gleichzeitigen Sensibilität lädt Crow unverkennbar ein, das neue Album zu hören und sich im Bear’s-Den-Sound zu verlieren – denn das schaffen die Briten wieder einmal hervorragend mit ihren neuen Songs.

Ten Tonnes - Lucy

Ten Tonnes – Musik der Generationen

Was haben George Ezra und Dan Auerbach von den Black Keys gemein?! Ten Tonnes! Denn hinter Ten Tonnes steckt der britische Musiker Ethan Barnett, der sich laut Radio Fritz anhört, wie der jüngere Bruder von George Ezra und bereits mit Dan Auerbach zusammen an Musik gearbeitet hat. Dass ist aber noch längst nicht alles, denn die Lobeshymnen eilen Ten Tonnes nur so voraus. Überschlagen sich in Großbritannien die Lobhudeleien bezüglich des aus Hertford kommenden Musikers, hat der 22-jährige Sänger auch einiges auf dem Kasten. Erscheint am 3. Mai sein Debütalbum Ten Tonnes veröffentlicht er nun mit Lucy einen Song, der für den Musiker vieles bedeutet. Denn begleitet den Briten Lucy bereits seit seiner Studienzeit – in der er mit dem Song auch auftrat und frenetischen Applaus erhielt – hat er ihn nun für das Album nochmal neu aufgenommen. Dabei klingt Lucy wie ein Hybrid aus Musik den 80ern, 2000ern und der britischen Indiepop-Musik, die heute auf der Insel vorrangig herrscht. Hier kommen Synthies, Gitarren, eine fantastische Hookline zusammen und erinnern irgendwie an The Kooks. So greift Ten Tonnes alle Register der Genrekunst und lässt Lucy zu einem satten Indieaufschrei werden. Wenn es auch nur einen Hauch einer Gefährdung eines fantastischen Indiesommers geben könnte, sollte man auf jeden Fall Ten Tonnes auflegen!

Gorgon City – Der Club hält Einzug

Mit ihrem ersten Album Sirens (2014) konnten sie einen satten Erfolg verbuchen und sechs Singles in die britischen Singlecharts bringen. Mit ihrem 2018er veröffentlichten Album Escape folgte dann schließlich eine satte Bauchlandung. Gab es hieraus fünf Veröffentlichungen, schafften es gerade einmal zwei Songs überhaupt in die Charts zu kommen. Dabei war und ist am Sound der beiden Londoner Jungs nichts auszusetzen. Mit ihrer nun veröffentlichten Single Delicious gehen Gorgon City nun aber einen Schritt weiter und orientieren sich bei der elektronischen Musik mehr an Clubsounds. Mit dem Label REALM, auf dem Gorgon City bereits einige derbere Housetracks veröffentlichten, haben die zwei Briten eine weitere Undergroundhymne, die so hart mit Housebeats spielt, dass man sich in der dunkelsten Ecke eines Clubs wiederfindet, veröffentlicht. Delicious ist dabei so etwas wie eine weiterführende Schule für all diejenigen, die zwar Housetracks basteln können, allerdings oftmals in Wiederholungen stecken bleiben. Gorgon City zeigen dabei, wie dünn die Grenzen zwischen Mainstream-Elektro und Undergroundsound funktionieren und haben damit ein ausgeprägtes Gespür für Trends und Nachfragen.

Meduza feat. Goodboy – Italien kann es noch!

Meduza steht vor einer schwierigen Aufgabe. Ende der 90er Jahre waren Acts wie Ann Lee, Eiffel 65 und Gigi D’Agostino das Maß aller Dinge und belegten die Spitzenpositionen der Charts weltweit. In den 2000ern und 2010ern war dies weitaus schwieriger für die Südeuropäer. Hatten doch die Briten und Schweden zunehmend Einfluss auf die Charts genommen. So gab es Mitte der 2010er einen rasanten Anstieg an EDM-Acts von den britischen Inseln. Nun wollen wieder ein paar Italiener das Zepter in die Hand nehmen und haben mit dem Song Piece Of Your Heart gleich einen wahren Überhit abgeliefert. Dabei ist der Song gerade einmal die Debütsingle des italienischen Trios Meduza, welche seit ungefähr einem halben Jahr durch die Clubs weltweit geistert. Doch seit schließlich Star-DJ Tiësto den Song in seiner Radio-Show Tiësto’s Club Life spielte, schafft es der Song immer mehr Menschen zu erreichen und wird zunehmend auch im Radio gespielt. Dabei folgt Piece Of Your Heart einem klassischen Schema und bildet durch eine klare Bassline, eine tiefe Gesangsstimme von Goodboys und dem dunklen Housebeat einen satten Clubhit, der die Partys rund um den Globus anheizen wird. Als Debütsingle gleich so einen starken Song zu veröffentlichen, lässt die Zukunft des Trios geradezu hervorragend aussehen! Doch bis es dazu kommt, tanzen wir auch an einem Sonntag zu Piece Of Your Heart!

Palace – Eine Konstante unter den Unterschätzten

Jetzt geht es Schlag auf Schlag. Haben die Briten von Palace erst vor wenigen Wochen mit No Other und Heaven Up There zwei grandiose Single aus ihrem, im Sommer erscheinenden, zweiten Album Life After veröffentlicht, kommt nun mit Martyr die dritte Singles ihres sehnsüchtig erwarteten Albums auf den Markt. Und dieses Mal schreibt sich die Geschichte anders. War ihr Debüt von Dunkelheit geprägt, spielt sich Life After im Sonnenschein ab. War So Long Forever vor drei Jahren ein Winteralbum, ist es nun ein satter Sommersound. Hatten sich Palace 2016 in Selbstaufgabe und Hoffnungslosigkeit befunden, steht das neue Werk für Aufbruch, Neuanfang und Mut. Dabei hat sich ihr Sound nur im Detail verändert doch entsprechen Songs wie Break The Silence heute nicht mehr ihrem Gemütszustand. Strahlt das neue Album doch vielmehr Farbe, Lust, Energie und Kraft aus. Martyr ist dabei ein Spiel mit dem Feuer. Denn hier erzählt uns Frontsänger Leo Wyndham davon, sich von einer Person loszureißen, die einmal zu den engsten Personen zählte und nun Gift für die eigne Persönlichkeit ist. Das Spiel aus Liebe, Vertrauen und Macht lässt Martyr – voller Emotionen bekräftigt – wie eine große Ballade unter einem, in Zeitraffa vorbeiziehenden, Sternenhimmel zur Vollkommenheit werden und löst ein wohlig warmes Gefühl in uns aus.

Seafret – Berührender Abschied

Vielleicht kann sich der Ein oder Andere noch an das mitreißende Musikvideo des britischen Duos Seafret zu Wildfire erinnern – bei dem sich jeweils zwei Singles an einem Tisch gegenüber saßen und erst einen Fragenkatalog aus 36 Fragen gegenseitig beantworten mussten, nur um anschließend für vier Minuten lautlos in die Augen des anderen zu schauen. Das war im Sommer 2016 und hatte sowohl vom Video, als auch von der Musik zu ganz besonderen Emotionen geführt. Nun sind Seafret mit der Single Loving You wieder da und greifen abermals ein Thema auf, welches für große Gefühle steht. Hier geht es nämlich um den Abschied eines jungen Mannes von seiner großen Liebe. Doch wird hier nicht von einer Trennung gesprochen, bei dem beide als Single rausgehen, sondern sitzt der Mann vielmehr am Sterbebett seiner großen Liebe. Im Verlauf des Videos geht er noch einmal alle Orte ab, die für die beiden mit Erinnerungen verbunden waren und steht schließlich vor einer Klippe und überlegt wie der nächste Schritt aussehen könnte. Dabei untermalen Harry Draper am Klavier und Jack Sedman mit seiner Stimme die Szenen so sensibel und tasten sich behutsam durch die – von Erinnerungen gefütterte – Wahrnehmung des Mannes, dass hier mehr entstanden ist, als nur ein Abschiedssong. So berührt allein das Klavierspiel mit seiner wiederkehrenden Melodie schon und kommt Sedmans emotionaler Gesang hinzu, der mal ruhig, mal kräftig, mal gebrochen klingt und als perfekte Begleitung zu den Bildern dient. Mit dieser Wirkung reiht sich Loving You perfekt in die Diskografie der beiden Briten ein lässt sie wieder ins Bewusstsein vieler Musikliebhaber stoßen.

The Slow Show – Ein komplettes Leben in einer Stimme

Mit den beiden Alben White Water (2015) und Dream Darling (2016) legten die Briten von The Slow Show innerhalb von wenigen Monaten zwei so atemberaubende Alben vor, wie es so nur wenige andere Bands geschafft haben. Rob Goodwins Stimme war es vor vier Jahren, die für Begeisterungsstürme sorgte – hat sie mit der Tiefe und ihrem enormen Bass eine Wirkung, wie ein alter Geschichtenerzähler. Dabei setzt Goodwin seine Stimme so passend in die Arrangements der Band ein, dass es schließlich in den meisten The Slow Show Songs – wie Ordinary Lives oder Bloodline – zu einem wahren Ausbruch kommt. Einem Ausbruch der Instrumentierung, des Arrangements, der Emotionen, Goodwins Stimme und einem Gefühl, das unendliches Leid mit Aufbruch und Mut verbindet. Nun sind The Slow Show nach drei Jahren der Stille mit einem ersten neuen Song zurück und rufen damit alte Gefühle hervor. Denn auf Sharp Scratch greifen Rob Goodwin, Fred Kindt, Joel Byrne-McCullough, James Longden und Chris Hough zu den gewohnt opulenten Arrangements und zeichnen ein warmes Bett aus Instrumenten welches in unseren Köpfen Bilder erzeugt, die getrieben von Erinnerungen sind und abermals vor Emotionen zu explodieren scheinen. Dabei klingt Goodwins Stimme anfangs noch erzählerisch zu den Instrumenten, die schließlich wie ein mahnendes Gewitter ausbrechen um kurz darauf in sich zusammenzufallen und schließlich in einem versöhnenden Traum zu münden, den Goodwin mit seiner starken Stimme auffängt. The Slow Show singen nicht einfach nur Geschichten, sie machen sie durch ihre Musik erlebbar und lassen uns mitfühlen. Auch erleben können wir die Jungs bei einem ihrer vier Konzerte in Berlin, Amsterdam, Antwerpen oder London Mitte April. Doch die Konzerthäuser sind klein, also müsst Ihr schnell sein!

HÆLOS – Spannendes zweites Album kommt

Mit ihrem Debütalbum Full Circle und Singles wie Separate Lives hatten HÆLOS 2016 alles richtig gemacht. Befriedigten sie doch mit einem vielschichtigen Sound aus TripHop, Ambient, Elektro und Pop die Kritiker und schafften es mit ihrem tiefen und dunklen Klang viele Fans zu gewinnen. Nun haben die Briten um Lotti Benardout mit Tokyo die erste Single aus ihrem zweiten Album Any Random Kindness veröffentlicht. Erscheint das Album Mitte Mai ist die Single Tokyo eine treibend, zerbrechliche Nummer, die durch viele einzelne Soundelemente zu einem spannenden Hybriden aus einer fernen Zukunft wird. Abermals schaffen es HÆLOS über alle Kanäle hinweg ein Netz aus kryptischen Botschaften zu weben und bleiben dabei dunkel und dystopisch. Klingt Tokyo einerseits, als würde ein Telefonat durch einen Störsender verzerrt werden, bauen die Beats und der Sound ein verrückt hektisches Klangbett auf und wirken dennoch irgendwie beruhigend und schläfrig. HÆLOS ist aktuell eine der spannendsten Bands und schafft es um sich herum eine geheimnisvolle Welt aus Musik und Botschaften aufzubauen.

Jamie Cullum – Einsatz mit Gefühl

Seit nunmehr 38 Jahren gibt es von der britischen BBC Television die Charityaktion Children In Need – die sich als eine Art Spendenmarathon für Kinder sieht. In diesem wurden über die vergangenen drei Dekaden mehr als 1 Milliarden Pfund gesammelt. Seit 1985 gibt es auch einen jährlichen Spendenmarathon-Song, der von bekannten Künstlern wie Lou Reed, S Club 7, Ellie Goulding oder Katie Melua beigesteuert wurde. Dieses Jahr kommt der Song von dem mittlerweile auch seit fast 20 Jahren singenden Briten Jamie Cullum. Mit Love Is In The Picture beschert uns der Jazz- und Pop-Sänger eine ruhige Pianoballade, bei der Cullum so wunderbar warm singt und gänzlich auf pathetische Momente verzichtet. Dabei klingt Cullum klar und nach Understatement, dass man sich keinen besseren Titelsong für eine Spendenaktion für Kinder vorstellen könnte. Aber auch abseits der Charityveranstaltung funktioniert  Love Is In The Picture zu den kalten und dunklen Tagen vor der Haustür. Damit passt Cullums Song perfekt in die Vorweihnachtszeit und wärmt uns alle mit seinem Sound.