Helgi Jonsson feat. Emilíana Torini - Crossroads

Helgi Jonsson feat. Emilíana Torrini – Isländische Leichtigkeit

Mit Emilíana Torrini besitzt Island, neben seiner Vielzahl an herausragenden Künstlern der schweren Musik, eine Sängerin, die durch ihre Musik das Leben so leicht wirken lässt, dass man sich nicht dagegen wehren kann, bei jedem Song der Sängerin ein Lächeln ins Gesicht zu bekommen. Während hierzulande Torrini vor allem durch ihren Nummer 1 Hit Jungle Drum bekannt ist, wird einem der Name Helgi Jonsson wohl gänzlich unbekannt sein. Müsste er aber nicht, denn Jonsson steht für Musik hinter Bands und Künstlern wie Boy, Philipp Poisel, Sigur Rós, Damien Rice oder Tina Dico – mit der er seit Jahren verheiratet ist. Mal als Pianist auf Sigur Rós und Boy Songs, mal als Songwriter für Tina Dico, ist Jonsson in den letzten Jahren unbekannter Weise recht erfolgreich gewesen. Dabei steht sein Klavier im Vordergrund seiner Musik und wird durch elektronische Elemente bereichert. Auf der nun veröffentlichten Version von Crossroads – das im Original als Solosong auf seinem aktuellen Album Intelligentle zu finden ist – hat sich der isländische Sänger die wunderbare Emilíana Torrini dazu geholt und so daraus ein Duett gemacht, welches so sympathisch und locker klingt, dass man sich vorkommt, als würde man neben den beiden auf der Veranda sitzen, ehe alle in einen Pick-Up steigen und raus auf die kargen Felder des Südens fahren. Dabei weht die Luft bei offenen Fenstern in den Fahrerraum und lässt die Wärme des Spätsommers herein. Crossroads ist hierbei eine gar nicht so leichte Kost, schaut man sich den Songtext einmal genauer an. Denn hier beschäftigte sich Jonsson mit den geschichtsträchtigen Wahlen von Donald Trump und dem Brexit. Wie man herausfordernde Themen mit einer Leichtigkeit von Sound verpacken kann, zeigen Helgi Jonsson und Emilíana Torrini mit Crossroads wunderbar.

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Endlich August – Sympatische Großstadthymne

Endlich August - Das ist Berlin

Endlich August – Das ist Berlin

Einen ganz großen Coup – den hat wohl die Berliner Morgenpost gelandet. Denn für den Launch ihrer Tabloit-Ausgabe haben sie einfach mal einen satten Berlin-Song produzieren lassen. Und der kann sich sehen und hören lassen. Denn mit im Boot ist unter anderem die langjährige Partner-Werbeagentur der Berliner Morgenpost, Römer Wildberger, der Musikvideo-Produzent David Mohn, der für Musikvideos von den Beginnern, Boy, Sammy Deluxe oder Frittenbude verantwortlich ist. Als Sänger wurde der Berliner Nico Rebscher mit ins Boot geholt, der neben seiner Band Lauter Leben auch als Songwriter aktiv ist. Nun sind diese Profis also zu einem Projekt zusammengekommen und nennen sich Endlich August. Vom Sound her, orientiert sich, der daraus entstandenen Song Das ist Berlin am aktuellen Deutsch-Pop und sorgt mit einem hymnenhaften Refrain für ganz viel Spaß. Das dazugehörige Video zeigt die Gegensätze dieser Stadt sympathisch, sowie auch mit einer wahrhaftig, überspitzten Sicht der Dinge. Getreu des Songtextes „… das ist Berlin, Berlin Berlin“

Chairlift – Aus niedlich wird frech

Chairlift - Moth To The Flame

Chairlift – Moth To The Flame

Das aus Brooklyn, New York kommende Duo Chairlift konnte 2015 das 10-jährige Bestehen der Band feiern. Ihren bisher größten Erfolg hatten sie mit der Single ‚Bruise‘, der für einen Apple-Werbespot zur Untermalung verwendet wurde. Nun ist mit ‚Moth‘ das dritte Album erschienen und darauf enthalten ist die gerade veröffentlichte Single ‚Moth To The Flame‘. Während Frontsängerin Caroline Polachek hier deutlich wacher und frecher als noch auf ‚Bruise‘ klingt, hat Patrick Wimberley sich für luftig, schnelle Drums und Keyboardsounds entschieden. Darüber hinaus haben sich Chairlift in den letzten Jahren nicht nur durch Remixe für Glasser oder Phoenix einen Namen als Produzenten gemacht, sondern hat Polachek auch einen Song für Beyonce geschrieben und produziert und an und in Videos wie von MGMT mitgewirkt und etliche Featurings gehabt. Bei so viel Umtriebigkeit ist es also nicht verwunderlich, dass viele Einflüsse auf die Band einprasseln. Und aus genau so einem Mix von Einflüssen klingt ‚Moth To The Flame‘ und zeigt, wie wandelbar Chairlift sind. Ist der Beat zwar elektronisch, wirkt er dennoch organisch und wandelt zwischen aufdringlichen Momenten und Zurückhaltung. Dies hört man vor allem durch Polachek’s Stimme, die hier und da an die Band Boy erinnert. So schaffen Chairlift spielend den Spagat zwischen Indie-, Elektro- und Singer/Songwriter-Musik.

Chairlift - Moth To The Flame

Chairlift – Moth To The Flame

BOY – Konzertkritik

Small Fires - Tempodrom 23.11.2015

Small Fires – Tempodrom 23.11.2015

Lange Schlangen standen vor dem Tempodrom in Berlin. Fünf oder sechs von diesen Warteschlangen reichten bis zum Rasen. Es war kalt, fast schon frostig, als an diesem Abend zwei ganz besondere Frauen zu einem Konzert einluden. Das Duo BOY, bestehend aus der Hamburgerin Sonja Glass und der aus Zürich kommenden Valeska Steiner, wollten ihr zweites Album ‚We Were Here‘ vorstellen und sollten von einem restlos ausverkauften Tempodrom empfangen werden. Was bereits im Vorfeld angekündigt wurde, brachte so auch die Wartenden nicht aus der Ruhe, gab es doch, nach den Ereignissen in Paris, verschärfte Sicherheitsmaßnahmen. So wurde jeder Besucher einzeln abgetastet und durchsucht. Dies sollte der Stimmung jedoch nicht schaden und so fand sich ein gemischtes Publikum aus knapp 3.700 Menschen zusammen um den Klängen dieses Duos zu lauschen.

BOY - Tempodrom 23.11.2015

BOY – Tempodrom 23.11.2015

Vom Traum dahinzuschweben

Mit einer Seltenheit in der heutigen Konzertlandschaft, wurde mit jeweils einem Gong 10 Minuten, 5 Minuten und zu Beginn darauf hingewiesen, dass die Vorband nun beginnen würde. War man bereits vom Gebäude an ein Theaterzelt erinnert, ließ ein der Gong spätestens vollends dies verspüren.
Mit der Hamburger Band Small Fires hatten sich BOY dann auch eine passende Band als Support eingeladen. War doch die Musik der drei Jungs aufrichtiger Alternative, der sich nicht schämte nach Pop zu klingen und durch seine sphärisch, elektronischen Elemente sofort ins Herz ging. Mit Songs wie ‚Lay A Cloud On Me‘ und ‚Take It On The Chin‘ sorgten sie für eine bassgeladene aber angenehm, heimelige Stimmung. Selbst schnellere Songs wie ‚The Weight‘ und vor allem ‚Set To Glow‘ veränderten sich in ihrem Sound hin zu einer gewaltigen, wabernden Blase, die überwältigend mit der richtig eingesetzten Lichtshow harmonierte. ‚Shuffle The Deck‘ soll jedoch nicht unerwähnt bleiben, war der Song doch durch den Bass und mit Hilfe eines perfekten Gitarrenspiels fast schon perfekt und wirkt im Tempodrom, als würde man in einem Traum dahinschweben.

BOY - Tempodrom 23.11.2015

BOY – Tempodrom 23.11.2015

Allgemein sollte, dieses Gefühl des verträumten dahinschwebens noch so einige Male an diesem Abend erzeugt werden. Und so ging Punkt 21 Uhr das Licht im Saal aus und Sonja und Valeska betraten die Bühne – unter frenetischem Jubel. Die ersten Töne deuteten ‚We Were Here‘ als Opener des Abends an. Valeska sang zu einem sachten Soundaufbau der sich im Verlaufe des Songs soweit steigern sollte, dass sich sowohl das Nebelhorn als auch das Licht und die Melodie zu einem riesigen Gerüst formten und die gesamte Halle einhüllen sollten. Dies war gleich zu Beginn eine unerwartet große Offenbarung und öffnete so die Herzen des Publikums. Es waren vor allem die ruhigeren, verträumteren Songs, die an diesem Abend wirken. So waren ‚Army‘ und ‚Hotel‘ wahre Seelenstreichler und war ‚Into The Wild‘, als erster Song der ersten Zugabe, der sanfte Wind der das Publikum in Geborgenheit zu hüllen schien. Es war bedächtig, es wurden Feuerzeuge und Handyblitze angemacht und auch wenn das Licht dieser beiden Quellen nicht unterschiedlicher wirken könnte, wurde der Raum in eine Traumwelt, aus funkelnden Punkten, gehüllt.

BOY - Tempodrom 23.11.2015

BOY – Tempodrom 23.11.2015

Sieben kleine Zahlen bewegen 3.700

Zwischendurch wurden immer wieder Uptempo-Nummern wie ‚Drive Darling‘, ‚This Is The Beginning‘, ‚Waitress‘ oder ‚Oh Boy‘ gespielt. Mit ‚Boris‘ sang Valeska dann über eine Erfahrung, die sie mit einem penetranten jungen Mann in einer Züricher Bar machen durfte. So bittersüß kann eine Abrechnung sein. Es folgten Songs wie ‚New York‘ und schließlich ‚Little Numbers‘, das nicht nur das Publikum im Innenraum, sondern auch die Ränge zum tanzen brachte. So bewegte sich der Innenraum wie eine seichte Welle immer wieder auf und ab.

BOY - Tempodrom 23.11.2015

BOY – Tempodrom 23.11.2015

Was folgte war eine zweite Zugabe, ehe sich die Band endgültig von der Bühne verabschiedete. Das Tempodrom stand an diesem Abend vor allem für eines, für Glück. Denn genau dieses Gefühl war durchgehend in jeder Minute zu verspüren – beim Publikum gleichermaßen wie bei den beiden von BOY. Und so wurde auch die Bedeutung des Satzes „Es sei nicht leicht in der aktuellen Zeit glückliche Musik zu machen“ vom Publikum honoriert und mit Applaus bestätigt. Denn das ist es, was man von Valeska Steiner und Sonja Glass geboten bekam, das Gefühl sich für anderthalb Stunden fernab der heutigen Zeit geborgen und glücklich zu fühlen. Und so werden viele, nach diesem Konzert, das Tempodrom mit einem Gefühl verlassen haben, das es heißt, so lange wie möglich zu bewahren. Vielleicht wird es dem ein oder anderen auf dem Nachhauseweg ganz ähnlich der Textzeile gegangen sein; „There’s something big about to start, for the dreamer […] no sleep, no sleep for the dreamer“, es wäre die Schuld der Band, mit dieser sie wahrlich gerne leben könnten.

BOY - Tempodrom 23.11.2015

BOY – Tempodrom 23.11.2015