Circa Waves – Der dritte Streich

Hört man, dass sich eine Band 2013 gegründet hat, erwartet man noch nicht all zu viel. Vielleicht ein Album, vielleicht aber auch erst das harte hocharbeiten durch hunderte von Auftritten pro Jahr, um sich einen Namen zu machen. Schaut man sich die Circa Waves aus Liverpool an, stehen sie gerade vor der Veröffentlichung ihres dritten Studioalbums. Somit ist die Historie des britischen Quartetts also alles andere als gemächlich. Denn bereits mit ihrem Debütalbum Young Chasers und der Single T-Shirt Weather hatten Kieran Shudall, Sam Rourke, Colin Jones, Joe Falconer sowie der mittlerweile ausgestiegene Sian Plummer es geschafft, die Indieherzen europaweit zu erobern. Mit schnellen Gitarrenriffs, zappeligen Beats und eingängigem Gesang waren sie für so einige Ohrwürmer verantwortlich. Nun sind sie mit der ersten Singleauskopplung Movies ihres, Anfang April erscheinenden, dritten Studioalbums What’s It Like Over There? zurück und sorgen einmal mehr für einen satten Ohrwurm, der nur so vor Indiepower strotzt. Dabei bedienen sich die vier Jungs im Video bei kultigen Filmen wie Clockwork OrangeThelma & Louise oder Wayne’s World und lassen das Musikvideo amüsant Fahrt aufnehmen. Die Circa Waves liefern mit Movies das ab, was Fanherzen höher schlagen lässt, auch wenn sie bereits angekündigt haben, dass sich ihr drittes Album etwas weiter weg, von der Indiemusik bewegen wird. Wir dürfen also gespannt sein und lassen uns von der neuen Platte der Circa Waves gerne überraschen.

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Kara Marni – 90er R&B

Mit ihrer wunderbar, trägen Single Curve hatte die britische Sängerin Kara Marni Mitte April ein sattes Ausrufezeichen gesetzt. War sie damals bereit für einen heißen Sommer, sollte sich nun – am Ende der warmen Jahreszeit – zeigen, dass Marni keine Gelegenheit ausgelassen hat, ihre Musik unter die Leute zu bringen. So war ein Stop auf ihrer Tour, das Hamburger Reeperbahn-Festival Mitte September. Hier präsentierte sie neben Curve auch einige neue Songs sowie unter anderem ihre nun veröffentlichte Single Move. Dabei orientiert sich die Sängerin am R&B, Soul und Hip-Hop der 90er-Jahre und hat uns mit ihrem tanzbaren und eingängigen Beat sofort in ihrem Bann gezogen. Dadurch erinnert Kara Marni an Lauryn Hills – mit Grammys überhäuften – Album The Miseducation of Lauryn Hill. Hier werden Sounds von, auf der Straße spielenden, Kindern mit basslastigen Beats gemischt und singt Marni dazu wie einst Lauryn Hill es tat. Mit seiner – fast schon spielerischen – Melodie, ist Move eine perfekte Nummer für moderne Modenschauen. Und so verwundert es auch nicht, dass Marni bei Magazinen wie VOGUE, HUNGER und NYLON ganz oben auf der Liste steht, wenn es um Auftritte während der Schauen geht. Move ist ein klebrig, grooviger Neo-Soul Song, der die Brücke zwischen 90er-Jahre Soul und heutiger elektronisch unterstützter R&B-Produktionen spannt. Für 2019 wurde damit zaghaft auch Marnis Debütalbum angekündigt und lässt durch Move auf ein spannendes Paket hoffen.

Disclosure – Läuten den Sommer ein

Pünktlich zur warmen Jahreszeit und pünktlich zur ersten Hitzewelle 2018 hauen die Brüder Guy und Howard Lawrence alias Disclosure ihre erste Single aus dem kommenden, dritten Album raus. Dabei haben sich die Briten die malische Sängerin und Schauspielerin Fatoumata Diawara dazugehört und brechen damit aus ihrem bisherigen Muster aus, in dem sie zumeist auf große und bekannte Namen gesetzt hatten. Ultimatum ist gewohnt tanzbar, zeigt aber auch, dass Ihr Deep-House wunderbar mit Weltmusik kombinierbar ist und diese in die Clubs der westlichen Welt trägt. Wann wir mit dem dritten Album rechnen können, steht indes noch nicht fest, haben sich die Jungs doch 2017 für eine mindestens einjährige Pause für Auftritte entschieden, um an gerade diesem Album zu arbeiten. Sollte sich der Musikstil auch auf anderen Songs zeigen, dürfen wir uns auf ein abwechslungsreiches Clubalbum freuen.

Me & Reas – Handgemachter Indiepop aus Deutschland

Ein Song, wie ein Roadtrip – den hat die Nürnberger Band Me & Reas gerade veröffentlicht. Den Weg in den Plattenladen hat auch das, am vergangenen Freitag veröffentlichte, Debütalbum Past Perfect geschafft. Und das gleicht einem kleinen Wunder. Denn eigentlich stand die Band schon vor der Auflösung. Zu lange hatten sie erst zu zweit Musik gemacht und waren dessen müde geworden – bis schließlich ein Musikvideo gedreht und veröffentlicht wird, dass schon fast als Abschied gesehen werden sollte – und durch die Decke ging. Hier trudelten plötzlich Anfragen für Auftritte und Interviews ein und wurde gar nach einer Release-Show gefragt. So kam es zu dieser einen Show, die als letzte geplant war und die erste werden sollte, für eine Band die vorher keine sein wollte und plötzlich eine war. Diese Release-Show überzeugte schließlich so sehr durch eine lockere, spontane und authentische Art, dass danach weitere Anfragen nur so bei ihnen eingingen. Nun haben sie mit dem Album Past Perfect und der Single 200 Times Musik veröffentlicht, die modern und direkt klingt und dabei die volle Ladung Pop beinhaltet. Me & Reas könnten mit ihrem Sound locker von den britischen Inseln oder aus den USA kommen. Denn wer Bands wie Train mag, wird sich bei Me & Reas durchaus wiederfinden und den frischen Gitarrensound lieben.

Lollapalooza Berlin 2017 Tag 2

Man war vorbereitet… An Tag zwei hatten sich die Festivalbesucher Pläne gemacht, wie, wann und womit sie zum Festivalgelände bzw. auch Abends wieder davon weg kommen würden. So waren die S-Bahnen nicht mehr ganz so voll, der Einlass auf das Festivalgelände geordneter und deutlich mehr Mitarbeiter unterwegs. Und um den Tag auch noch komplett umzukrempeln, spielte die Sonne mit und lachte vom Himmel mit spätsommerlich, wärmenden Strahlen.

Also die besten Voraussetzungen, um doch noch ein grandioses Festivalerlebnis zu haben. Mit Bands und Künstlern wie Sigrid, Bonaparte, Rudimental, AnnenMayKantereit, London Grammar, den Foo Fighters und The XX war der Sonntag zusätzlich auch noch großartig besetzt. weiterlesen

Lollapalooza Berlin 2017 Tag 1

Lollapalooza Berlin Festival 2017

Ein Festival, das auch im dritten Jahr keine Konstante entwickelt hat – wo fängt man da an? Es war bereits am Sonntagmorgen viel über den ersten Tag des Lollapalooza Festivals zu lesen – eigentlich nicht über den Tag selbst, sondern eher über die Nacht zum Sonntag. Denn an diesem, versuchten Tausende Besucher des Festivals durch einen eingleisigen S-Bahnhof wieder in die Innenstadt und somit nach Hause zu kommen.

Anfangs geht es an dieser Stelle allerdings um das Festivalgelände, die Acts und das Lebensgefühl – denn davon gab es reichlich.

Betrat man am Samstag das Festivalgelände, stand man in Mitten eines riesigen weiterlesen

Aurora – Rennt mit den Wölfen

Bereits im September 2014 konntet Ihr hier aus http://www.soundtrack-of-my-life.com über die junge Norwegerin Aurora Aksnes und ihren Auftritt beim Showcase-Festival First We Take Berlin lesen. Wirkte sie damals noch mädchenhaft und zurückhaltend, hat sie sich in den letzten Monaten eine zunehmende Souveränität erspielt. Diese brachte ihr schließlich nicht nur einen Tweet von Katy Perry auf Twitter ein, sondern auch eine Auszeichnung als Newcomerin des Jahres bei den P2 Awards. Nicht zuletzt durch ihre kraftvollen Songs und der verletzlichen Stimme schafft es Aksnes zum Kritikerliebling der Musikszene. Tritt sie im Juli auf dem MELT!-Festival auf, ist sie bereits jetzt mit ihrem Song ‚Running With The Wolves‘ überall zu hören. Denn der Mobilfunkanbieter Vodafone benutzt ‚Running With The Wolves‘ für die aktuelle TV-Kampagne. ‚Running With The Wolves‘ ist ein gegensätzliches Popgerüst von einem Song. Wechselt er doch immer wieder zwischen zurückhaltenden, elektronischem Arrangement und opulent, dramatischem Refrain. Aurora Aksnes ist also auf dem besten Weg groß zu werden.

Fickle Friends & Roosevelt – Konzertkritik

Am vergangenen Donnerstag war es wieder soweit. Die Introducing-Konzertreihe des Musikmagazins INTRO fand wieder im Bi Nuu statt.
Dieses mal mit dabei waren der britische Rapper DELS, die, ebenfalls aus Großbritannien kommenden Fickle Friends und der Kölner Roosevelt.

Die Geschichten vom jungen Jay-Z

Dels

Dels

Der Brite DELS alias Kieran Gallear hat alles, was ein moderner Rapper braucht. Den Drang sich mitzuteilen, eine präsente Stimme und, bei Liveauftritten,
einem DJ an den Reglern. Und dann kommt da noch ein, nicht unwesentlicher Part hinzu – der des an den jungen Jay-Z erinnernden. Denn es fällt nicht nur auf, dass er optisch dem US-Rapper ähnelt. Auch seine Stimme klingt der des New Yorkers sehr ähnlich. Als letzte Zutat kommt eine gehörige Portion Energie hinzu, die er in den Gesang packt.
Am Ende sind es Songs wie Shapeshift die, durch die Mischung von elektronischen Elementen und der Art des Rappens, zu überzeugen wissen. So gibt es allerdings auch immer wieder vermeintliche Unstimmigkeiten zwischen Gallear und seinem DJ über Sound-, Licht- und Mixprobleme. Dies kann man wohl als typisches Verhalten eines MC’s betrachten.

DELS – Shapeshift:

Wo der Indie-Pop sein Zuhause hat.

Fickle Friends

Fickle Friends

Der zweite Act des Abends waren alte Bekannte. Ihr Song Swim wurde bereits vor einem Jahr auf meinem Blog vorgestellt. Ebenso, gab es vom letztjährigen Showcase-Festival First We Take Berlin einen kurzen Bericht über sie. Hat man den Vergleich zum September 2014, haben sich die Fünf in ihrer Performance stark verändert. Sind sie auf der Bühne doch viel lebendiger, lassen das Publikum an ihrem Spaß teilhaben und spielen sich durch ihre acht Songs als würde ihnen jede Textzeile, jedes Saitenzupfen durch den Körper gehen. Mit dabei natürlich Swim aber auch neue Songs wie For You und Play. Und so dankt es ihnen das Publikum in dem sie vor der Bühne tanzen und springen. Natürlich dürfte auch ein Smalltalk mit dem Publikum nicht fehlen und so fragten sie sich munter durchs eben Dieses.
Am Ende blieb eine befriedigte Menge übrig, die am Merchandise-Stand noch einmal die Gelegenheit bekam mit der Band ins Gespräch zu kommen.

Fickle Friends – Play:

Roosevelt und die falsche Erwartung

Roosevelt

Roosevelt

Als Hauptact führte schließlich Roosevelt den Abend zu Ende. Sechs Jahre ist es her, dass sich im beschaulichen Viersen, in der Nähe von Mönchengladbach und Köln, die Band Beat! Beat! Beat! gründete und dennoch wirkt Marius Lauber alias Roosevelt noch wie ein Zwanzigjähriger. Doch wird diese Ansicht vollends weggepustet , sobald er an die Regler greift. Erzeugen die Songs doch einen so sphärischen Moment, dass man die Augen schließen mag und wegzufliegen scheint. So überzeugen Songs wie Sea, Soleil und Elliot live genauso wie als Studioaufnahme. Was allerdings bei diesem Auftritt auffiel, war die Darbietung der Songs. Wurde im Charlet Berlin letztes Jahr noch ein DJ-Set mit seinen Songs präsentiert, war es im Bi Nuu ein fast schon typisches Konzert mit zwei weiteren Bandmitgliedern am Schlagzeug und der Gitarre. Selbst Lauber griff immer wieder zur Gitarre um seine Songs damit zu unterstützen. So erlebte man dieses Konzert und den Künstler selbst noch einmal von einer ganz neuen Seite. Dies zeigt, wie wichtig es Lauber ist, nicht in eine Schublade als DJ oder Sänger gesteckt zu werden. Mag er doch von jeher das Arbeiten mit verschiedenen Musikstilen. So tanzten am Ende selbst Bandmitglieder der Fickle Friends zu den Songs Laubers.

Roosevelt – Sea:

So werden auch nach diesen Auftritten die Rufe nach einem Debütalbum der Fickle Friends und auch von Roosevelt wieder lauter.