Ben Howard – Konzertkritik

Drei Jahre ist es bereits her, dass Ben Howard mit ‚Keep You Head Up‘ die breite Öffentlichkeit im Sturm eroberte. War es doch das Timbre, dem so viele verfiehlen. Ist Ben Howards Stimme doch rauchig, heiser oder sogar flacettartig klar. Was aber in jeder Stimmlage vorhanden ist, ist wohl seine Seele.

Diese Seele stand am gestrigen Donnerstag, im ausverkauften Berliner Tempodrom, auf der Bühne um uns aus seiner Welt zu berichten. Und rund 3.800 Zuhörer sollten ihm folgen. Freute sich das Publikum zu diesem Zeitpunkt noch auf bekannte Songs wie ‚Only Love‘ und ‚Keep Your Head Up‘, mussten sie nach der Zugabe feststellen, dass fast ausschließlich neues Material gespielt wurden. Doch dies tat der Stimmung des Konzertes keinen Abbruch. Denn wurde doch eine Bühnentechnik aufgefahren, die mit LED-Wand, Strahlern und Kameratechnik zu verblüffen wusste. Und so begann der Abend mit ‚Conrad‘ und einem in Licht gehülten Ben Howard, der wechselnd mit dem Strahler hinter ihm zu verschmelzen oder zu versinken mochte. Siehe Bild 1. Ist ‚Conrad‘ doch eine so fragile, Akustikgitarren getragene Ballade, dass man schon hier vollkommen ins träumen kam. Mit dem darauf folgenden ‚Time Is Dancing‘ folgte denn auch Howard dem Gefühl der Halle und kam ins träumen. Es sind wohl gerade diese sensiblen Momente die es schaffen, dass man sich bei ihm geborgen fühlt. Mit dem etwas voluminöseren Song ‚Evergreen‘ wechselte auch das Bühnenlicht in eine, von vielen Strahlern erzeugte, glänzende Weite in der Howard schier zu versinken mochte. Mit ‚In Dreams‘ und ‚Small Things‘ folgten zwei weitere akustische Songs, die nur einen Mann mit einer Gitarre, auf einer weiten Bühne, wahrnehmen lies.

‚I Forget Where We Were‘ wirkte sich schliesslich wie ein Berfreiungsschlag aus. War er doch lauter als alle Vorgänger und hatte einmal mehr dieses Flehende in Howard Stimme. Einen weiteren Umbruch bedeutete der Song ‚End Of An Affair‘, der ruhig begann, sich aber im Verlauf seiner knapp sieben Minuten zu einer Uptempo-Nummer steigern sollte in der Howard mit einer von Schmerz zerrissenen Stimme sang. Folglich musste fast schon das anschließende ‚Oats In The Water‘ kommen, das ebenso intensiv wie episch war. Trugen doch bei den letzten beiden Songs die langen instrumentalen Phasen enorm dazu bei, Bilder im Kopf der Zuhörer zu erzeugen. Mit ‚The Fear‘ folgte der wohl temporeichste Song des Abends und so begann hier auch gleich die Menge sich zu bewegen. Aus der Vogelperspektive sah das Publikum so aus wie ein Getreidefeld das sich im Wind in verschiedene Richtungen neigte und wellenartig zu bewegen begann – was zu einer imposanten Gesamtansicht führte. Siehe Bild 2. Bevor es zum letzten Song ‚All Is Now Harmed‘ ging, stimmten einige Fans noch Whams ‚Last Christmas an und ein nicht unwesentlicher Teil des Publikums folgte diesem, bis Howard sich dazu hingab auch drei, vier Worte des Refrains ins Mikrofon zu hauchen.

Allgemein bestand die Redseeligkeit Howards aus eine Mischung aus zurückhaltenden Worten Richtung Publikum und leisen Tönen zu seiner Band, die aber stets durch das Mikrofon hörbar blieben. Mit ‚Everything‘ als Zugabe beschloss er das Konzert und entließ die Halle schließlich mit einem Gefühl von Zufriedenheit, Sehnsucht und einer Wohligkeit bei der man sich an lang vergangene Zeiten in den Armen geliebter Menschen erinnert fühlte.

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Years & Years bringens auch Solo

Wem Years & Years erst seit dem Featuring auf dem Song ‚Sunlight‘ von The Magician ein Begriff ist, darf beruhigt werden. Denn so ergeht es wohl den meisten, die dieses Trio nun mit ihrem neuen Song ‚Desire‘ hören. Ist es doch wieder einmal einem Umstand zu verdanken, den es bei britischen Künstlern nur zu oft gibt. So kommt eines der Bandmitglieder nämlich aus Australien und gibt den zündenden Anstoß eine Band zu gründen. Und wie der Geschmack es nun mal so von Australien will, kommen am Ende immer beatgeladene Songs heraus. So ist ‚Desire‘ in Anlehnung an die 90er Jahre entstanden, sowohl was den Euro-Dance-Beat als auch den Gesang, der an 90er Jahre R&B wie Dru Hill erinnert, angeht. Dies wird natürlich alles noch produktionstechnisch in das Jahr 2014 gehoben und raus kommt ein enorm tanzbarer Track. So dürfte dann in zwei, drei Monaten auch die Frage, wer den Years & Years seien, nicht mehr vorkommen.

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Ein stiller Meister zwischen den Popstars – James Newton Howard

Es gibt Momente, da spürt man die große Kraft, die Musik freisetzen kann, ist es dann egal welche Musikstile und Komponenten aufeinander treffen. Der Song ‚The Hanging Tree‘ ist so ein Moment. Treffen doch hier drei verschiedene Welten aufeinander um eine vierte zu erschaffen. Da haben wir James Newton Howard als Ersten – ist er ein Genie unter den Komponisten und für über 100 Soundtracks zu erfolgreichen Filmen wie Batman, I Am Legend oder The Sixth Sense bekannt. The Lumineers kommen hier an zweiter Stelle – sind sie noch mit ihrem Folk-Hit ‚Ho Hey‘ der breiten Öffentlichkeit bekannt geworden haben sie in den letzten Monaten auch durch Songs wie ‚Vision Of China‘ als Zugabe zum The Walking Dead Soundtrack für Beachtung gesorgt. An dritter Stelle kommt Jennifer Lawrence – hat die Schauspielerin doch den Text zu ‚The Hanging Tree‘ eingesungen und überrascht mit einer tiefen, seeligen Stimme, die an Lana Del Rey erinnert. Die ‚The Hunger Games: Mockingjay Part1‘ Autorin Suzanne Collins schrieb den Text zu ‚The Hanging Tree‘ (deutsch: Galgen) und wollte damit für den Film ein altes Bauernlied erfinden. Und so hat James Newton Howard die klassischen Elemente dieses epischen Songs dazugesteuert und das Songbett komponiert, The Lumineers dem Song einen folkigen Anstrich verpasst und Jennifer Lawrence mit ihrer Stimme die Magie in den Song gebracht. Der tiefe und bedrückende Text und der komplette Song lassen den Zuhörer dadurch ein Gefühl geben, diesen Song aus frühester Kindheit zu kennen.

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Ein alter Hit in neuem Gewand, DJ Teemid machts möglich

‚Crazy‘ von Gnarls Barkley kennen wohl noch alle. War er doch 2006 der Hit des Jahres. 2006 war der französische DJ Teemid gerade 19 Jahre alt. Beeinflusst durch seinen Bruder der stets elektronische Musik hörte, entwickelte sich die Liebe zu diesem Musikstil auch bei Teemid. Doch diesen wollte er wohl nicht einfach nur als Zuhörer genießen, sondern es entstand der Wunsch, des Musik machens. Und so remixt er bereits seit einigen Jahren Songs bekannter Künstler, wie Disclosure, Birdy, Jamiroquai oder Robin Schulz. Nun kommt er allerdings mit einem Song raus, der ihn wohl in den letzten8 Jahren nicht mehr losgelassen hat. So covert Teemid ‚Crazy‘ von Gnarls Barkley und legt ein neues Gewand darüber. Mit der gesanglichen Untermalung von Joie Tan bekommt das ganze den Feinschliff eines after hour Songs zum relaxen. Somit ist ein kurzweiliger und popiger Song entstanden den man sich gerne anhört.

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Patrick Topping ist: on top!

Der 25 jährige Manchester Patrick Topping hat ein fulminantes Jahr 2014 hingelegt. Hat er doch gleich drei Clubmonster geschaffen und diese in den internationalen Dancecharts auf Platz Eins wandern lassen. Was er zu erst nur in seinem eigenen Club in Manchester testete, gefällt nun also vielen Clubgängern rund um den Globus. So hat er es auch geschafft im Sommer 2014 als Resident DJ in einem Club auf Ibiza aufzulegen. Doch sein Output geht in der Geschwindigkeit weiter. Ist doch der Song ‚Forget‘ wieder eine ungemein tanzbare und wuchtige Houseproduktion. Das Spiel zwischen den Vocals und den Geräuschen, die an Indianerstämme erinnern lassen, macht den Song dann auch radiotauglich. Und so wird wohl nicht nur auf vielen Silvesterparties weltweit zu seinen Songs getanzt sondern können wir uns auch auf ein interessantes Jahr 2015 mit dem neuen DJ-Star einstellen.

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Und wer sind eigentlich Sirens Of Lesbos?!

Viel haben die sechs Griechen bis jetzt noch nicht von sich hören lassen. Doch das was man von ihnen hört ist laut.
Da wäre zum einen ein sechzigminütiger Mix von ihnen, der beim deutschen Radiosender egoFM gespielt wurde und für einen so großen Shitstorm sorgte, dass sie sich auf ihrer Facebookseite genötigt fühlten, zu erklären. Zum anderen wäre da aber auch dieser unglaublich gute Track ‚Long Days, Hot Nights‘ im Claptone Remix, der seit Wochen durch die Clubs weltweit geistert. Und so stehen sie nicht nur in Deutschland auf Platz Eins der Dancefloorcharts sondern wurden von der amerikanischen GQ-Ausgabe unter die Top25 der besten Songs 2014 gewählt und vom DJ Tensnake als Sound zu Berlin Calling 2 beschrieben. Vor so einem Hintergrund kann also nichts mehr schief gehen. Und wenn man sich den Song einmal anhört, wird man wissen warum. So ist doch ‚Long Days, Hot Nights‘ eine wunderbar entspannte Housenummer die mit wallendem Gesang aufwartet. Sie selbst beschreiben den Song und ihre Musik als den Sound der endlosen Weltmeere. Und dies passt eigentlich ganz gut. So wird uns der Sommersong wohl auch noch durch den Winter begleiten.

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Franzosen auf dem Vormarsch – allen voran The Dø

Seit 2008 sind The Dø eine feste Größe der französischen Indie- und Elektroszene. Haben sie sich doch mit den Songs ‚Over My Shoulder‘ und ‚Too Insistent‘ über Frankreich hinaus einen Namen gemacht und touren seit Jahren durch die Welt. Nun ist Album nummer Drei erschienen. ‚Shake Shook Shaken‘ wurde fast komplett im Alleingang aufgenommen – wenn man vom Endmischen einmal absieht. Es ist sehr viel elektronischer geworden, ist doch der Einfluss aktueller Musik allgegenwärtig. Und so ist die Single ‚Despair, Hangover & Exctasy‘ genau von diesen Einflüssen geprägt. Ist der Song doch schnell, voll mit wummernden Beats und Olivia Merilahti’s Stimme zuweilen exzentrisch hoch. Hier versteht man dann auch, wie das Album klingen sollte. Wollten sie doch etwas Monumentales und Schillerndes erschaffen ohne um den heißen Brei herumzureden. Und so sind es die kleinen Geschichten, die bei The Dø zu hören sind. Dies wird mit Sicherheit auch wieder eine tragende Rolle in ihren Live-Performances einnehmen.

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Jung, erfolgreich – Raury

Und das verdienter Maßen. Denn der 18 jährige, aus Altanta stammende Raury, ist nicht nur Rapper und Sänger sonder auch Songwriter und produziert all seine Songs selbst. So kann er Material veröffentlichen, dass ausschließlich von ihm kommt. Doch auch vor Kollaborationen mit Gastmusikern scheut er sich nicht. Aufsehen erregt hat Raury nun durch seine Zusammenarbeit mit den Genies von Vancouver Sleep Clinic, mit denen er den Song ‚Superfly‘ aufgenommen hat. Dabei ist ‚Superfly‘ ein einziger Traum, wirkt er doch von der Produktion, über den Gesang bis hin zum Text sehr entspannt und friedlich und schafft es dennoch nicht langweilig zu klingen. Und so hat er sich im australisch, neuseeländischen Dunstkreis eine Fanbase aufgebaut die selbst Lorde dazuzählt. Folgerichtig musste es dann auch zu dem Moment kommen, an dem keine geringere als Lorde ihn für den kommenden ‚The Hunger Games‘-Soundtrack vorschlug. Raury dürfte es freuen, hat es schlussendlich doch tatsächlich auf den offiziellen Soundtrack geschafft. Es ist also anzunehmen, dass wir von Raury noch einiges hören werden.

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3viertelelf – 2raumwohnungs Nachkommen sind erwachsen geworden

Es ist nicht zu übersehhen und zu überhören, dass die Band 3viertelelf viele Gemeinsamkeiten mit der Band 2raumwohnung hat. Kommen sie doch beide aus Berlin, nutzen beide eine Zahl anstelle des ausgeschriebenen Wortes in ihrem Bandnamen, und klingen beide Frontsängerinnen fast identisch, sowie die musikalische Historie ähnliche Züge aufweist. Selbst der Sound ist dem des Erstlings von 2raumwohnung verdammt ähnlich. Und doch findet alles zehn Jahre versetzt voneinander statt. Als 2raumwohnung ihr erstes Album rausbrachten war die Frontsängerin von 3viertelelf, Angela Peltner, gerade einmal 19 und hatte in Magdeburg mit Celtic Chaos den Local Hereos Preis gewonnen. In den 13 Jahren von damals bis heute sind so einige Musikprojekte entstanden und wieder gegangen, doch der Wunsch Musik zu machen blieb bei Peltner immer. So entstand 3viertelelf und nahm am diesejährigem Bundesvision Songcontest teilgenommen. Einer großen Zuschauergemeinde wird Peltner auch bekannt sein, spielt sie doch eine eine Rolle bei dem Soap-Urgestein Gute Zeiten, Schlechte Zeiten.
Nun kommen sie mit einem verspäteten Sommersong zurück und zeigen uns, dass man sie einfach nur mögen muss. Ist ‚Cabrio‘ doch eine frische, einfache und vor allem fröhliche Popnummer die einem den grauen Novembertag, für ein paar Minuten, vergessen lassen kann.

Bilderbuch legen nach

‚Maschin‘ war ihr Hit. Hat doch die aus Wien kommende Band Bilderbuch mit dem Song und dem dazugehörigem Video sogar eine Top Ten Platzierung beim Miami International Film Festival in der Kategorie Music Video erreichen können. Was also vorher nur den Österreichern präsentiert wurde, gilt es nun nicht nur mehr dem ganzen deutschprachigen Raum zu zeigen. Und so spielen sie 2015 nicht mehr nur noch in Österreich und Deutschland sondern haben bereits die ersten Termine in weiteren europäischen Ländern veröffentlicht. Denn im März 2015 folgt Album Nummer drei und mit der nun veröffentlichten Single ‚Spliff‘ wird es wohl nicht ruhiger um die vier Jungs werden. Ist es doch eine perfekte Low-Fi Nummer die an die achtziger Jahre erinnert und gleichzeitig von überbordernder Coolness zeugt. So werden Bilderbuch wohl auch 2015 keinen Gang runterfahren.

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