Heather Nova - Just Kids

Heather Nova – Wenn Weite in der Stimme liegt

Heather Nova war – gefühlt – schon immer da. Nie ganz oben, nie wirklich weg. Mit ihren bisherigen neun Alben hat sie es immer wieder geschafft, Songs zu platzieren, die von einer Weite geprägt sind und Sehnsucht ausdrücken. In Deutschland dürfte Heather Nova vor allem durch ihren 2001er Song I’m No Angel bekannt geworden sein. Dabei kommt dieses Gefühl der Weite nicht von ungefähr. Ist sie auf der Insel Bermuda geboren, verbrachte sie den Großteil ihrer Kindheit mit ihren Eltern und Geschwistern auf einem Segelboot. Davon beeinflusst klingt Novas Alternative Folk sehnsuchts- und liebevoll. Nun ist die Überseebritin mit ihrem zehnten Album Pearl zurück und zeigt darauf einen zeitgemäßen Sound, der allerdings von ihrem Debütalbum Oyster inspiriert ist. Hier geht es um Liebe, Trennung und dem Weg, zu sich selbst zurückzufinden. Die aktuelle Single Just Kids zeigt dies eindrucksvoll und ist getragen von der Sehnsucht, einfach loslassen zu können. Sich wieder ohne Ballast dem Leben hinzugeben und Dinge zu tun, die einem Spaß machen – ohne daran zu denken, wie es wirken könnte. Diese Haltung hat Nova schließlich minimalistisch im dazugehörigen Musikvideo umgesetzt und lässt uns immer wieder Schmunzeln. Heather Nova schafft es sommerliche Wärme mit Sehnsucht und Weite zu verbinden und trifft damit immer wieder direkt ins Herz.

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Jeremias - Sommer

Jeremias – Der Sommer ist luftig

Mit Alles hatte vor knapp sechs Wochen in der Tat alles angefangen, waren die vier Jungs von Jeremias doch ganz plötzlich auf der Tanzfläche erschienen um zu bleiben und uns in ekstatisch tanzen zu sehen. Nun sind sie mit der nächsten Single zurück und feiern den Sommer, wie Generation Z ihn heute eben feiert – mit jugendlicher Ungeduld und einem Überschuss an geballter Energie. Dabei heben die Jungs das Gefühl der Freude und Sehnsucht hoch, indem sie an Vergangenem festhalten und Neues nicht verpassen wollen. Beachtlich ist bei dem knapp dreieinhalb minütigen Song auch, dass knapp 1 Minute nur durch ein Instrumental und eine Tonbandaufnahme bespielt wird und die Jungs dem Song Sommer so viel Raum geben, um in bei Liveauftritten ausgiebig zelebrieren zu können. Heute wie auch schon früher braucht es Songs, die unser Leben beeinflussen und als Soundtrack dieses Lebens funktionieren. Jeremias haben dies mit Sommer bereits ein zweites Mal bestens geschafft. Sommer ist damit, nach Alles die zweite Singleauskopplung, aus ihrer im Herbst erscheinenden Debüt-EP.

Buntspecht – Traumwandelnd pragmatisch

Das Wiener Sextett Buntspecht überrascht gerade mit einem ganz neuen Sound – so der Tenor vieler Stimmen. Wer mit den österreichischen Jungs allerdings noch gar nicht in Berührung kam, dem kann die neue Leadsingle Unter den Masken aus ihrem für Mitte Mai angekündigten, zweiten Album Draußen im Kopf ans Herz gelegt werden. Denn diese Single beweist eine ganz eigene Energie mit verschiedenen Gefühlsebenen umzugehen. Bringt die Instrumentierung mit einem Klavier und Schlagzeug eine Melancholie zu Tage, ist der Gesang von Frontsänger Lukas Klein von Resignation, Bitterkeit und Abrechnung geprägt. Dazu kommen Textzeilen, wie Du bist verrückt genug, um dich in dieser Welt zu verlieben. Aber die Welt ist viel verrückter als Du und fast wär etwas von uns geblieben. Damit ist Unter Den Masken der passende Song zu unseren täglichen Routinen. Dem Weg zur und von der Arbeit, Monotonie und der Sehnsucht aus diesen auszubrechen. Mit Unter Den Masken setzen Buntspecht ein Ausrufezeichen und machen Lust auf ihr neues Album.

J.S. Ondara – Eine Stimme als wahrhaftiges Seelenstreicheln

Passt eine Lebensgeschichte auf die Startseite eines Musikers? Bei J.S. Ondara ist dies so. Zugegeben sind es satte 149 Zeilen, in die der heute 26-Jährige sein bisheriges Leben packt. Vom Aufwachsen in Nairobi und seiner damit verbundenen Armut – seine Mutter und seine Geschwister hatten in Ondaras Kindheit nur das Nötigste und musten immer hart arbeiten um überhaupt etwas zu essen zu haben – über die gesellschaftlichen Regeln – gehörst du nicht zur Mittel- oder Oberschicht, wirst Du auch nicht dorthin aufschließen können – bis hin zu seiner Emigration in die USA und dem wahr werden seines Traumes, Musiker zu werden. All das finden wir in den 149 Zeilen des Musikers und bekommen ein umfassendes Bild des Musikers und Lebenskünstlers. Nun ist mit Tales Of America sein Debütalbum erschienen und präsentiert einen Longplayer mit so viel Soul, Geschichten, Emotionen und Erlebnissen, dass man sich als Hörer kaum verwehren kann sich in der Musik zu verlieren. Ondaras Stimme ist dabei die größte Gabe, die der Sänger haben kann. So klar, so direkt und präsent singt er über Liebe, Sehnsucht und Trauer und wird immer nur von einfachen Instrumenten begleitet, die wahlweise als Gitarre, mal als Cello oder einem ruhigen Schlagzeug auftreten. J.S. Ondara ist diese Art Künstler, der uns inspiriert weiter zu denken, uns zu öffnen, Gefühle zuzulassen und uns einer Entwicklung auszusetzen, indem er durch seine Musik spricht. Ondara ist zeitlos, modern und wichtig – Musik, die Freude in uns auslöst.

Postiljonen – Große Gefühle und verträumte Wünsche

Dass das schwedische Pop-Trio Postiljonen noch nicht den ganz großen Durchbruch erfahren hat, bleibt vielen ein Rätsel. Schlagen sie doch in die gleiche Kerbe wie M83 und machen euphorischen Dream-Pop, der sich so zart aber mächtig anfühlt, dass man sich darin nur verlieren kann. Mit ihren beiden Alben Skyer (2013) und Reverie (2016) steuerten sie große Hymnen wie Skyer High, How Can Our Love Be BlindGo! und Crazy bei. Dabei sind ihre Songs von Verlust, Freude, Schmerz und Liebe geprägt. Mit ihrer neuesten Single Chasing Stars behandeln die drei Stockholmer das Gefühl, Sehnsucht nach jemanden zu haben, dem man früher einmal sehr nahe war. Dieses warme Gefühl, nicht nach der Rückkehr in dieses Gefühl zu jagen, sondern es einfach für den Moment zu wecken und es zu spüren, ist auf Chasing Stars allgegenwärtig. Dabei bleiben Postiljonen in ihrem überbordenden Dream-Pop zu Hause und lassen uns auf der Tanzfläche eines jeden Indie-Clubs ausrasten. Postiljonen wecken einmal mehr Gefühle von Euphorie und Glück und zaubern uns ein riesiges Lächeln in unser Gesicht und lassen die Zeit, bis zu ihrem dritten Album, hoffentlich nicht all zu lange dauern.

AVEC – Mit warmer Stimme gegen die Stille

Im September hatte die Österreicherin AVEC – mit Heaven/Hell ihr zweites Studioalbum veröffentlicht. Nun kam sie am vergangenen Donnerstag zu einem Konzert in den Berliner Club Gretchen und präsentierte uns das Album in einer warmen und knisternd stillen Atmosphäre.

Als Support traten, die ebenfalls aus Österreich kommenden, We Love Silence auf. Mit ihrer Mischung aus selig, ruhigen Arrangements, Cello, sanften Synthies und Lukas Staudingers weicher Stimme, wurde das, über die letzten Jahre zum Trio angewachsene, Gespann zum perfekten Support-Act für die 23-jährige Sängerin. Hierbei schafften es We Love Silence eine Mischung aus Pop, klassischen Elementen und modernen elektronischen Einflüssen zu verarbeiten.

Schließlich kam AVEC mit ihren drei Jungs auf die Bühne und spielte mit ihrer Akustikgitarre sofort los. Gleich in den ersten Songs gab uns die Sängerin mit Love eine ihrer aktuellen Singles zum Besten und begeisterte mit Natürlichkeit und einer charmanten Art. Anfangs noch mit Jacke bekleidet, präsentierte sie sich im Laufe der Show mit einem schwarzen Oberteil, das ihre Tattoos an den Armen wie Marienkäferflecke hervorstechen ließ. Mit so wunderbaren Songs wie Over Now BreatheYours und Alone stimmte AVEC den Abend fast gänzlich in eine heimelige Atmosphäre. Immer wieder auch zum Publikum sprechend, bedankte sich AVEC für die Aufmerksamkeit, die hier so hoch war, dass selbst in den hintersten Reihen nicht gesprochen wurde. Die daraus entstandene Stille, ließ selbst die Sängerin staunen und so scherzte sie, dass man dann ja auch jeden Fehler hören würde. Natürlich gab es aber keine Fehler, die es zu hören möglich gewesen wäre. Bei Under Water und Close kam es dann zu einem schönen Sternenhimmel, der durch die überdimensionale Discokugel des Gretchens, die Decke zum Leuchten brachte. Schließlich kamen auch noch Ida Leidl mit ihrem Cello und Lukas Staudinger von We Love Silence auf die Bühne, um AVEC zu begleiten. Dabei begeisterte AVEC mit einer Stimme, die so warm, wie das Knistern eines Kaminfeuers war.

AVEC zeigte an diesem Donnerstagabend sehr viel von sich. Sinnlich, bestimmt, fragil, verletzlich und stark waren die vorherrschenden Emotionen, die hier auf der Bühne zum Vorschein kamen. Und immer mit dabei – ein Soundteppich, der vom Träumen und Sehnsucht geprägt war. Mit einer mal verführerisch tiefen, mal drängend klaren Stimme ließ uns AVEC an ihren Emotionen teilhaben und hatte damit den Abend im Gretchen in einen Moment der Geborgenheit verwandelt.

Eine so sympathische, bodenständige, wie starke Künstlerin live auf der Bühne zu sehen gehört auf jede Liste eines Konzertgängers und kann im Falle der österreichischen Sängerin nur wärmstens empfohlen werden.

William Fitzsimmons – Wenn das Gefühl die Zäsur setzt

Er ist dafür bekannt, große Balladen und zurückgezogene Songs zu produzieren. Sein neues Album Mission Bell hat für William Fitzsimmons allerdings nochmals an Bedeutung gewonnen. Denn es setzt eine Zäsur in Fitzsimmons Leben. Wobei der Anstoß für diese Zäsur aus einem ganz privaten Grund geschah. Denn 2017 ging Fitzsimmons langjährige Beziehung in die Brüche. Davon aufgewühlt, suchte Fitzsimmons, wie bereits auf The Sparrow and the Crow (2008) den Weg der Verarbeitung in seinen Texten und der Musik. Für das mittlerweile siebte Album Mission Bell hat sich der aus Pittsburgh kommende Musiker der Akustik hingegeben und das Album ohne einen großen, produktionstechnischen Apparat eingespielt. Herausgekommen sind Songs, wie Second Hand Smoke und Angela. Letzterer Song zeigt beeindruckend, wie es Fitzsimmons schafft, mit seiner sanften Stimme und der unaufgeregten Nutzung von Instrumenten, eine Wolke von gebrochener Geborgenheit zu erzeugen. Mit Blick auf das Gefühl, welches man unmittelbar nach einer Trennung spürt, hat es Fitzsimmons geschafft, das man sich als Hörer – und mit einem positiven Grundgefühl – in diesen Moment hineinfühlt und die Sehnsucht nach Liebe spürt, die Angela auslöst.

Bosse – Euphorisch und Sentimental

Wenn Bosse etwas ganz sicher beherrscht, dann ist es euphorische Popsongs mit Sentimentalität zu verbinden. Ob bei 3 Millionen, Yipi, Dein Hurra oder Frankfurt/Oder – mit dem Bosse, durch die Coverversionen Zoutelande der Niederländischen Band Bløf übrigens Chartrekorde in den Niederlanden und Belgien gebrochen hat – überall schwebt dieses Gefühl von Trauer, begleitet von Freude, mit. Nun hat Bosse sein siebtes Album Alles Ist Jetzt angekündigt und die gleichnamige Single daraus veröffentlicht. Darauf klingt Bosse poppiger, schneller und energiegeladen. Mit Textzeilen Was du träumst das musst du machen. All die besten super Sachen. Einfach machen, einfach machen hat er uns sofort und löst ein Gefühl der Sehnsucht nach genau diesem Gefühl aus. Und genau das ist es, was Bosse immer und immer wieder schafft und damit auch eine Schar an musikalischen Freunden um sich vereint. Da ist es nicht verwunderlich, dass im dazugehörigen Video unter anderem Romano, Anna Maria Mühe, die Mighty Oaks oder Madsen mitmachen wollten. Ein Hoch auf Aki. Ein Hoch auf Bosse!

Maggie Rogers – Selbstreflektion auf neuer Single

Für Maggie Rogers waren es zwei bewegende Jahre, seitdem die US-Amerikanerin 2016 durch das Kuratorenvideo mit Pharell Williams via YouTube zum Star wurde. Doch abseits des Klickhypes, konnte Rogers vor allem durch ihre bodenständige und unglaublich sympathische Musik überzeugen. Mit Songs, wie Alaska, Better und On + Off sang sie sich direkt in die Herzen. Ihre Natürlichkeit und verspielte Niedlichkeit auf der Bühne unterstützten das Bekanntwerden der Sängerin noch einmal zusätzlich. Nun ist sie mit Fallingwater zurück und behandelt darin gerade diesen rasanten Aufstieg, den sie in den vergangenen zwei Jahren erleben dürfte. So singt sie vom damit fertig werden und dennoch stolpern und dem Versprechen, weiterzumachen, egal wie die Reise, die vor ihr liegt, auch aussehen mag. Dabei bleibt Rogers bei ihrem folklastigen Singer/Songwriter Sound, der auch hier wieder mit Elementen des Pop und aus dem elektronischen Bereich angereichert ist. Mit Klavier und ihrer großartig, klaren Stimme bleibt Rogers so sympathisch, wie wir sie kennen und treibt die Sehnsucht voran, sich mit ihr auf ein Abenteuer zu begeben.

Florence + The Machine – Ein Himmel voller Songs

Florence Welch ist seit jeher einer der freigeistigsten Köpfe der britischen Musiklandschaft. Von ihrem Indie-Debüt Lungs (2008), über das poppige Ceremonials (2011), bis zum erhabenen How Big, How Blue, How Beautiful (2015) bewies Florence Welch zusammen mit Isabella Summers – alias The Machine, dass sie immer Ideen hat und diese auch nur all zu gerne umsetzt. Dabei scheut Welch auch nicht, dass sie vielleicht aus dem Mainstream herausfallen und somit weniger erfolgreich sein könnte. Genau diese Haltung aber, beschert Florence + The Machine eine enorme Fanbase und zeigt, dass die Fans gewillt sind, zu warten. Denn gestern schließlich, haben Florence + The Machine ihre neue Single Sky Full Of Song veröffentlicht. Als Beschreibung gibt Florence Welch ein Gefühl an, welches sie immer wieder erlebt, wenn sie Konzerte gibt. Diese Sehnsucht, nach jemanden, der einen erdet. Also wieder runter holt, wenn man nach einem Konzert so aufgeputscht ist, dass man denkt, man könne fliegen, nur um dann doch auf dem Boden der Tatsachen zurückzukommen und das Gefühl zu haben, alleine zu sein. Dabei klingt Sky Full Of Song roh und wird sehr zurückhaltend von Instrumenten begleitet. Allgegenwärtig ist hier eher das Zupfen der tiefen Saiten einer Gitarre und der choralen Begleitung im Hintergrund des klaren Gesangs von Florence Welch. Sky Full Of Song klingt nicht wie eine Leadsingle und klingt auch nicht, wie eine Ankündigung. Vielmehr ist der Song plötzlich da und lässt uns daran erinnern, wie großartig Florence + The Machine sind.