Dagny - Somebody

Dagny – Großartiger Scandinavian-Pop

Es klang 2017 alles so vielversprechend – da war die Single Wearing Nothing, die europaweit promoted wurde und Dagny in die Charts katapultieren sollte. Auch hier auf SOML war ich mir sicher, dass die 29-jährige Norwegerin damit die Charts im Sturm erobern würde. Doch am Ende reichte es nicht ganz für den europaweiten Ruhm und schaffte es die 2018er Kollaboration Drink About mit dem Norwegischen House-Duo Seeb immerhin bis auf Platz 2 der norwegischen Singlecharts. Nachdem 2016 mit Ultraviolet eine erste EP veröffentlicht wurde, steht Dagny nun bereit, für den großen Durchbruch, der sich mit einem Debütalbum auszeichnen soll. Denn obwohl bisher nur feststeht, dass ihr Debüt im September dieses Jahres erscheinen soll, werden nach und nach immer mehr Songs veröffentlicht. Fest steht bisher, dass sowohl die erste Auskopplung Come Over als auch die nun veröffentlichte Single Somebody mit den vier weiteren Tracks Paris, Let Me CryCoulda Shoulda WouldaTension am 22. Mai als erster Teil des Albums unter dem Titel Side A veröffentlicht werden soll. Somebody reisst uns dabei mit einem euphorischen Dancebeat mit und erinnert an die flirrenden Beats einer Robyn oder Sigrid, die ebenfalls mit hymnenhaften Songs für absolute Partymomente sorgen. Dagny steht dem in nichts nach und hat auf Somebody die ganz großen Popmomente zusammengetragen, lässt uns unter der Diskokugel im blitzenden Scheinwerferlicht den Moment aller Momente erleben und dabei alles um uns herum vergessen. Somebody ist großer Pop, der sofort begeistert und zum tanzen aufruft.

Ro Bergman - Clouds

Ro Bergman – Über den Wolken

Ro Bergman hatte es bereits 2016 geschafft, eine mediale Aufmerksamkeit zu erlangen, die ihm den Status eines Newcomers verlieh. Doch während andere sich vom Ruhm überwältigt in die schnelle Produktion weiterer Hits machen, hat sich Bergman etwas zurückgezogen und an seiner Musik gefeilt. Dabei betrachtete er den schnellen Ruhm seiner Single Best Time – die von seinem österreichischen Landsmann Skistar Marcel Hirscher als Saison-Hymne ausgewählt wurde – mit gemischten Gefühlen, ging dem Singer/Songwriter doch der schnelle Aufstieg zu rasant. Nach der, im Mai veröffentlichten, Single Horizon hat Bergman nun mit Clouds einen weiteren Song seiner im Herbst erscheinenden EP herausgebracht, die verträumt, locker und gleichzeitig schwer klingt. Dabei kommt die Schwere von den hallenden Gesängen des Sängers, der sich vor allem auf Clouds einer hohen Ähnlichkeit zu Coldplays Frontsänger Chris Martin nicht entziehen kann. Hinzu kommt das treibende Soundarrangement, welches von Ferne, von Unbeschwertheit und Lebensfreude zeugt. Den Titel, sowie den Sound des Songs erklärt uns der Sänger dann auch passender Weise mit den Worten, Wolken nehmen einen mit in eine unendliche, große Welt, in der alles erlaubt ist, dabei ist der Song in einem winzigen Proberaum irgendwo in Tirol entstanden. Damit ist dem Österreicher eine Punktlandung gelungen – von der wir uns auf Clouds eindrucksvoll überzeugen lassen können.

Boulevard Des Airs & Vianney - Allez Reste

Boulevard Des Airs & Vianney – Legen eine Pause ein

Was für eine Manpower – die achtköpfige französische Band Boulevard Des Airs hat in den vergangenen Jahren kontinuierlich an ihrem Ruhm gearbeitet. In Südfrankreich 2004 gegründet, hatten sie mit ihrem 2015er Album Bruxelles erstmals die Top 10 erreicht. Mit ihrem Album Je me dis que toi aussi, das im Sommer letzten Jahres erschien, schafften sie das 2015er-Album sogar noch zu toppen und landeten auf Platz 4 der französischen und erstmals auch in den in den Top-10 der belgisch-wallonischen Albumcharts. Ein Song daraus verdreht gerade ganz Frankreich den Kopf und dürfte gute Chancen haben, auch in Deutschland ganz groß rauszukommen. Mit Allez Reste vermischen Boulevard Des Aires Folk, Pop und EDM-Beats zu einem sommerlichen Sound, der so charmant und treibend ist, dass wir uns glatt an einem heissen Sommertag im Cabrio durch die Provence fahren sehen. Dabei holen sich Boulevard Des Airs mit Vianney einen der aktuell angesagtesten Singer/Songwriter des Landes mit ins Boot und bespielen den Song mit einem fröhlich, lockeren Musikvideo. Mit dem Songtitel haben die Franzosen dann auch gleich einmal für ein Paradoxon gesorgt, bedeutet Allez Reste doch übersetzt so viel wie, geh dich ausruhen. Doch davon kann im Moment bei Boulevard Des Airs überhaupt keine Rede sein. Allez Reste lehnt sich an Songs von Ofenbach an und bleibt dennoch originell und neu und hat schon jetzt einen enormen Suchtfaktor.

Foster The People – Mit Ohrwurm in den Winter

Es braucht nicht immer nur einen Hit, um nach ganz oben zu kommen. Foster The People hatten 2010 mit Pumped Up Kicks alles richtig gemacht. War der Song ein so wunderbarer Ohrwurm, sprangen die Radiostationen weltweit schnell auf und sorgten dafür, dass uns die Textzeilen All the other kids with the pumped up kicks. You’d better run, better run, out run my gun. All the other kids with the pumped up kicks- You’d better run, better run, faster than my bullet bis in das Jahr 2011 begleiteten. Nicht zuletzt auch wegen des brisanten Themas der immer wieder aufkeimenden Waffengewalt an Schulen und von Schülern, wurde Pumped Up Kicks zu einem Symbolsong. Ihr dazugehöriges Debütalbum Torches verkaufte sich dann, ob der Präsenz von Pumped Up Kicks, 2011 millionenfach. Mit ihrem Nachfolgealbum Supermodel schafften sie es schließlich, in vielen bedeutenden Musikmärkten, weltweit sogar nich höhere Positionen zu erreichen. Doch ein Hit wie Pumped Up Kicks blieb seitdem aus. Bis heute haben die vier Kalifornier mit den Verkaufszahlen nicht wieder an die der Debütsingle anknüpfen können und dennoch einen Ohrwurm nach dem anderen veröffentlicht. Dass sie sich auf ihrem Ruhm ausruhen, kann man – guckt man sich die aktuelle Veröffentlichungsgeschwindigkeit an – nicht behaupten. Haben sie vor 15 Monaten ihr drittes Album Sacred Hearts Club veröffentlicht, folgt nun mit der Single Worst Night bereits ein Song, der nicht mehr auf dem Album zu finden ist. Ist dies vielleicht ein Indiz auf ein nahendes, viertes Studioalbum oder doch nur eine Möglichkeit, eine limitierte Extended Albumversion zu Weihnachten zu veröffentlichen? Wie auch immer, Worst Night ist ein schmissiger Ohrwurm, ganz in Foster The People Manier, der mit Chorgesang und Mark Fosters markanter Stimme allemal zu einem neuen Radiohit taugt. Nun liegt es an den Stationen, diese Nummer aufzugreifen.

Alvvays – Das Indie-Pop-Wunder aus Toronto

So betitelt der Rolling Stone die Band Alvvays mit ihrem gleichnamigen Debütalbum Alvvays. Dies alles ist auch keineswegs übertrieben, ist doch der Sound an die siebziger Jahre angelehnt und kommt durch Molly Rankins Stimme vollends zum tragen. Gibt es die Band erst seit knapp drei Jahren ist ihr Werdegang bis heute ein Beispiel dafür, wie schnell der Ruhm kommen kann. Nun gilt nur, dass sie ich davon nicht blenden lassen. Da möchte man doch fast meinen, eine Punk-Pop Band aus der Zeit, in der man noch nicht einmal geboren war, vor sich stehen zu sehen.