Mumford & Sons – Mit If I Say gehört das Stadion ihnen

Und sie schaffen es immer und immer wieder. Mumford & Sons haben sich in den letzten Jahren stark verändert. Hatte sich ihr unverkennbarer Folk Ende der 00er Jahre zu einem großen Phänomen entwickelt, ging ihr letztes Album Wilder Mind mit elektronischeren Rocksounds in eine deutlich größere Richtung. Nun haben sie nach Guiding Light mit If I Say die zweite Single ihres vierten Studioalbums Delta – das für Mitte November angekündigt ist – veröffentlicht und zeigen, dass sie diesen Weg konsequent fortführen. Hier kommt zum ersten Mal in der Geschichte der Londoner Band ein Stimmverzerrer zum Einsatz und fügt so, im Intro, Marcus Mumfords Gesang eine ganz besondere Note der Verletzbarkeit hinzu. Darauf folgend setzen immer häufiger Streicher ein und geben dem ganzen eine Opulenz, die im letzten Drittel auszubrechen scheint und doch nach tiefen Emotionen klingt. Zum Schluß fügen sich alle Elemente zusammen – und so wird If I Say zu einem Bombastsong, der zeigt, dass Stillstand ein Wort ist, welches die Band nicht zu kennen scheint. Damit begeistern Mumford & Sons abermals mit einem Song, der den epischen Moment – in einem Stadion aufgeführt zu werden – der Gesamtheit beinhaltet und damit so intim wird und jeden anspricht und doch immer auch die große Weite einfängt.

Advertisements

Bloodhype – Großer Gitarrensound mit Referenz

Sie wohnen in Berlin und haben nach Jahren des Roadielebens und anderen freigeistigen Tätigkeiten nun zusammengefunden, um Musik zu machen. Als die Berliner Indierockband Bloodhype vor einigen Monaten mit dem Song Wolves an die Oberfläche trat, wurden viele hellhörig. Denn ihr Mix aus Rock, Alternative und Indie holt in Zeiten mangelnder Präsenz dieser Genres viele Musikliebhaber des Gitarrensounds ab. Dabei kommt der Sound dem, der Bands wie AFI und Thirty Seconds To Mars sehr nahe und begeistern mit großen Hymnen und intensivem Gesang. Die aktuelle Single Romeos setzt dabei aktuell die Messlatte des eigenen Anspruches nochmals höher. Beginnend mit einer Synthiewolke von Sound, welches an die Titelmelodie von Stranger Things erinnert, wird Romeo mit Schlagzeug, Gitarren und Elmar Weylands intensiver Stimme zu einem wahren Brett und erinnert nicht nur an die oben genannten Bands, sondern lehnt sich mit einem epischen Gefühl auch an die White Lies oder Editors an. Bloodhype setzen damit den neuen deutschen Rocksound fort, der auch schon Giant Rooks und Razz haben erfolgreich werden lassen. Dabei ist Bloodhype, trotz der erst kurzen Lebensdauer, keine Band, die sich hinter den großen internationalen Bands verstecken muss und sollte. Und mit Romeos haben sie allemal das Zeug auch auf das internationale Parkett zu treten.

Satellite Stories – Vor der Realität fliehen

Immer noch von der traurigen Nachricht, dass sich Satellite Stories dieses Jahr auflösen werden, geschockt, lassen die Finnen ihre Fans in diesem Zustand jedoch weiterhin neue Musik erleben. Dass sich der Abschied so, gar nicht wie ein Abschied anfühlt, ist dann auch nicht sonderlich verwunderlich. Mit ihrer nun veröffentlichten Single Carried Away lassen die vier Jungs noch einmal ihre Gitarren klingen und haben dabei mehr Spaß denn je. Dabei klingt Carried Away gleichzeitig nach schimmernder Discohymne, sowie auch gitarrenlästigem Rocksound. Satellite Stories wussten schon immer, wie sie ihre Fans beeindrucken konnten und waren eine feste Instanz für die Indiedisco. Nun kommt diese Geschichte allmählich zu ihrem Ende und wir warten sehnsüchtig auf das letzte Material der Band, welches auf dem finalen Album, das aller Voraussicht nach im September erscheinen wird und noch keinen Namen trägt, zu finden sein wird. So kommt eine gute Nachricht mit einer Schlechten zu uns und lässt uns irritiert zu Carried Away tanzen, obwohl wir eigentlich Tränen verdrücken müssten.