Kate Nash - Bad Lieutenant

Kate Nash – Das Chamäleon der britischen Popmusik

Mit ihren vier bisher veröffentlichten Alben hat die britische Sängerin Kate Nash eine Veränderung durchlebt, die der eines Chamäleons gleich kommt – schließlich wechselte sie nicht nur einmal das Genre. War ihr Debütalbum Made Of Bricks 2007 zum absoluten Erfolgsalbum geworden und nicht zuletzt durch die Single Foundation weltweit gefragt, wechselte sie in der Folge vom Indiepop zum Punk und sogar Riot Grrrl. Nun ist die Britin mit einer neuen Single zurück und überrascht wieder einmal mit einer Elektropop-Nummer, die besser nicht hätte klingen können. Mit Bad Lieutenant – den Nash bereits im Juni veröffentlichte – mag es jedoch nicht so ganz zünden. Dies ist vielleicht ihren vorherigen Platten zuzurechnen, war Punk doch nicht gerade der Mainstreamsound, den man sich von der Sängerin vorstellte. Bad Lieutenant hingegen hat einen wahnsinnig tanzbaren und einprägsamen Beat und strahlt eine neue Power der Sängerin aus, die sie womöglich in den letzten Jahren durch das schauspielerische Mitwirken in der Netflix-Serie GLOW und ihrer nun veröffentlichten BBC Dokumentation Kate Nash: Underestimate The Girl gesammelt hat. Wer unbeschwerten Elektropop mag, wird Bad Lieutenant lieben und dazu tanzen, als hätte Nash noch nie etwas anderes gemacht.

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Iggy Pop - James Bond

Iggy Pop – Eine Legende findet sich neu

Iggy Pop ist jemand ganz besonderes. Hat er mit seinen 17 bisherigen Alben nie den ganz großen kommerziellen Erfolg feiern können, gilt der in Michigan, USA, geborene Sänger als Ikone des Punks und hat unzählige Bands und Musiker beeinflusst. Zwischenzeitlich lebte Pop zusammen mit David Bowie in einer WG in Berlin Schöneberg und schrieb mit ihm an zwei seiner erfolgreichsten Alben. Heute kennt Iggy Pop fast jeder – ist er doch der Rockstar, der immer Oberkörper frei auf der Bühne steht und mit seinen langen, blonden Haaren die Menge begeistert. Doch seine Songs sind vielen auch heute noch ehe unbekannt. Nun hat Pop mit Free sein – unglaubliches – 18. Studioalbum veröffentlicht und zeigt sich hier von einer gänzlich anderen Seite. Reflektiert, ruhig aber auch außer Atem präsentiert Pop seine Musik als völlig neue Interpretation seiner Person. Pop selbst sagt darüber, dass auf dem Album andere Künstler von ihm reden, Pop ihnen aber seine Stimme geliehen hat. So zeigt sich auf der aktuellen Single James Bond, dass Pop diese Schnittstellen hervorragend herausstellt. Denn hier klingt Pops Stimme, der, des 2003 verstorbenen Country-Sängers Johnny Cash fast zum verwechseln ähnlich. Diese Stimme ist nicht neu, nur nutzt sie Pop sehr selten und zeigt auf James Bond einen jazzigen Sound mit Trompeten und funkigen Elementen. Free ist Iggy Pops „Durchatmen“ vom bisherigen Sound und erfindet den Ausnahmemusiker, der seit 60 Jahren im Musikgeschäft ist, fast gänzlich neu. James Bond zeigt dabei die Erhabenheit des Sängers, sich diesem Moment anzuvertrauen.

Sunflower Bean – Rotzig, Laut, Indie!

Es gibt sie noch, die rotzigen Bands, die irgendwo in New York an ihrer Musik feilen und plötzlich durch die Decke gehen. So war es auch vor fünf Jahren mit dem, in Brooklyn residierenden, Trio Sunflower Bean. In diesem hippen Stadtteil New Yorks arbeitet die Band an neuen Songs, spielt ununterbrochen Gigs und hat so mittlerweile zwei Alben und zwei EP’s veröffentlicht. Mit ihrer Mischung aus Psychedelic Rock, Indie, Alternative und Punk-Rock lassen sich Sunflower Bean nur grob in eine Genre-Schublade schieben und zeigen, durch die Einflüsse von Bands, wie Tame Impala, The Cure, T. Rex, Sex Pistols, The Ramones, Fleetwood Mac oder Nirvana, wo dies seine Grundlage findet. Mit ihrer – für den 26. Januar 2019 – angekündigten EP King Of The Dudes kommt abermals, nur elf Monate nach ihrem zweiten Album Twentytwo In Blue, neue Musik auf den Markt. Dabei ist die Singleauskopplung Come For Me ein Stinkefinger, gegen die höfliche Normgesellschaft. Hier emanzipiert sich Frontsängerin Julia Cumming mit den Textzeilen Do you really wanna come for me? You know I got all night. Do you really wanna waste my time? If you do, then do it right und begründet dies mit den Worten, dass es Zeit ist, die Faust in die Luft zu strecken, sich auszudrücken und natürlich auch sexuell zu emanzipieren. Dabei ist Come For Me eine explosive Indie-Punk-Hymne, die mit viel rotzfrechem Pathos bestückt ist und sich keinen Zentimeter darunter verkaufen will. Dies haben Sunflower Bean auch gar nicht nötig und begeistern abermals mit ihrem rebellischen Punkrock.

MIA. & Balbina – Retrospektive und Alles Neu

MIA & Balbina – Alles Neu 2017

Wir schreiben das Jahr 2017 – somit ist die Gründung von MIA genau 20 Jahre her. Fast ebensolange, nämlich 15 Jahre, ist die es her, dass die Berliner Punk-Band MIA. mit ihrer zweiten Single Alles Neu die Aufmerksamkeit der Berliner Musikszene erregte. Seitdem ist viel passiert und aus der schreienden Mieze und ihrer Band MIA ist eine satte Elektropop-Band geworden. Dies gefiel nicht immer jedem und so eckten MIA oft an. Sei es mit ihrem Text zum Song Was es ist, der von Erich Fried geschrieben und mit Textzeilen wie; „… betreten neues deutsches Land“ ergänzt wurde. Und gerade durch diese Textzeilen schließlich dafür sorgte, dass die Band von einigen Medien in die rechte Ecke geschoben wurde. Dass sie allerdings darauf aufmerksam machten, dass Deutschland wieder ein eigenes Gefühl für Stolz, Zugehörigkeit und Mut entwickeln sollte und sie so schließlich Vorreiter einer ganz neuen musikalischen Bewegung wurden, blieb zumeist unerwähnt. So kämpften sich die Band mit jedem weiteren Album in die Herzen der Fans und platzierte sich auf immer höheren Charträngen. Schließlich schaffte es das Album Zirkus bis auf Platz 2 der Albumcharts und verkaufte mehr als 100.000 Einheiten. Die bewegte Geschichte der Band sollte damit jedoch nicht enden, denn als Mieze 2014 in der Jury der Castingshow Deutschland Sucht Den Superstar Platz nahm, entlud sich ein Shitstorm, der seines gleichen suchte. Aktuell können MIA auf drei Top-5 Alben und zwei weiteren Alben in den Top-15 zurückblicken – ein guter Schnitt bei sechs Alben. Dies rechtfertigt nun eine erste Zäsur und so bringen MIA dieses Jahr ein Best-Of Album raus, welches die Hits der letzten 20 Jahre präsentiert. Als erste Veröffentlichung daraus haben sich MIA den punkigsten Song ihrer Laufbahn vorgenommen und Alles Neu 2017 mit der Berliner Sängerin Balbina neu interpretiert. Und wieder einmal zeigen MIA, dass sie keine Scheu haben anzuecken – ist der Gesang Balbinas doch nicht gerade dem Pop der heutigen Radiolandschaft zuzuordnen und lässt die Fans dadurch in manchen Momenten über den Gesang stolpern. Bablina ist eine Künstlerin, auf die man sich einlassen muss – MIA ebenso. Und so passt die Band, durch diese Gemeinsamkeit, wunderbar mit Balbina zusammen. Alles Neu 2017 präsentiert sich hierbei als etwas sanftere Version, vergleicht man sie mit dem Original aus dem Jahr 2002. Da erklingen deutlich elektronischere Töne und rücken die Gitarren und das Geschrammel des Originals etwas in den Hintergrund. Allerdings ist die Wahl Alles Neu 2017 als erste Single zu veröffentlichen wohl emotional als auch chronologisch gewählt, erhielt sie doch 2002 deutlich zu wenig Aufmerksamkeit. Alles Neu 2017 lässt uns ausflippen, tanzen, springen und an die Zeit erinnern, als MIA noch in ihren Kinderschuhen steckten – und wir sie damals schon liebten.

Gorillaz – Mit einem Paukenschlag

Gorillaz – Humanz

Bereits im Januar veröffentlichten die Gorillaz mit Hallelujah Money eine düstere, erste Single aus ihrem neuen Album Humanz. Dieses wird am 28. April erscheinen und ist bestückt, mit jeder Menge prominenter Gastsänger. Konnten wir auf Hallelujah Money bereits Benjamin Clementine hören, werden auf Humanz De La Soul, Grace Jones oder auch Rag’n’Bone Man dabei sein. Gestern holten Damon Albarn und Jamie Hewlett allerdings zum Rundumschlag aus und veröffentlichten gleich vier Songs. Mit Saturnz Barz, We Got The Power, Andromeda und Ascension fluteten sie nicht nur die Medien, sondern setzen mit einem Mix aus Hip-Hop, Rap, Elektro, Psychedelic und Pop ein Statement, dass so nur von den Gorillaz kommen kann. Da ist der düstere Hip-Hop-Track Saturnz Barz, der mit Autotune und vor-sich-hin-kriechenden Beats ein Cyborg aus 90er-Jahre-Hip-Hop und Kanye West ist. We Got The Power hingegen ist ein purer Funksong, der mit der Stimme der Frontsängerin des Indie/Punk-Band Quartetts Savages, Jehnny Beth, begeistert und durch seine Geschwindigkeit und einer Dauer von nur 2:19 Minuten wie in einem Atemzug vergeht. Ascension ist ganz im Stil Saturnz Barz‘ produziert und besticht durch die Rap-Rhymes von Vince Staples, der im Wechsel mit Damon Albarn immer wieder die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Regelrecht experimentell und futuresk sind hier die musikalischen Elemente. Doch der eigentliche Star der vier Songs ist Andromeda, der genau das bedient, weshalb Abermillionen von Menschen die Band so lieben – er ist ein fantastischer Disco-Pop-Song. Hier kommen klare Synthies, ein pulsierender Beat und der Rap des, in Deutschland geborenen, Amerikaners D.R.A.M zum Einsatz. Erinnert Andromeda an Songs wie El Mañana, ist er wieder deutlich greifbarer für die Popwelt, als die zuletzt veröffentlichten Songs. Man kann vor den Gorillaz nur den Hut ziehen, schaffen sie es doch, mit gleich vier Veröffentlichungen, alle Fanbasen zu bedienen. Werden mit Andromeda die Popfans der Band begeistert, schlagen die Briten mit Saturnz Barz und Ascension eine Brücke zum Hip-Hop der 90er und 2000er und grasen mit We Got The Power gleich mal noch ein wenig im Indie und Funk ab. Das fünfte Album Humanz wird damit wohl eines der abwechslungsreichsten Alben, einer eh schon vielfältigen Band.

Mule & Man – Bonaparte trifft auf Kid Simius

Mule & Man - One Hand Clap

Mule & Man – One Hand Clap

Wenn sich ein Spanier und ein Schweizer in Berlin zusammenfinden um Musik zu machen, ist die Konstellation schon per se ungewöhnlich. Wenn man dann allerdings hört, von welchen beiden Musikern hier die Rede ist, wird es umso spannender. Denn keine geringeren als Bonaparte und Kid Simius haben sich für das Musikprojekt Mule & Man zusammengefunden. Was dabei herausgekommen ist, ist ebenso überraschend. Kann man Kid Simius mit seinen, mitunter sehr harten, Bässen dem elektronischen Genre zurechnen, ist Bonaparte vorrangig im Punk unterwegs. Ihre nun veröffentlichte Single One Hand Clap zeigt, wie sich diese beiden Genres verbinden lassen. Da ist der Bass etwas weicher geraten und hat sich der Punk deutlich verringert. Und somit eine ganz ähnliche Weiterentwicklung nimmt, wie man sie auf dem selbst betitelten, letzten Album Bonaparte’s erkennen konnte. One Hand Clap liefert einen trägen Bass-Sound ab, auf dem Bonaparte fast schon in Beiläufigkeit singt. Die beiden, seit Jahren in der Berliner Musikszene verwurzelten Künstler haben sich mit dem Musikprojekt Mule & Man eine wunderbare Möglichkeit geschaffen, auch mal fernab ihrer eigentlichen Genres auf der Bühne zu stehen. Wobei dies bei One Hand Clap mehr für Bonaparte als für Kid Simius gilt. Spannend ist diese Kollaboration auf jeden Fall.

Alvvays- Das Indie-Pop-Wunder aus Toronto

So betitelt der Rolling Stone die Band Alvvays mit ihrem gleichnamigen Debütalbum ‚Alvvays‘. Dies alles ist auch keineswegs übertrieben, ist doch der Sound an die siebziger Jahre angelehnt und kommt durch Molly Rankins Stimme vollends zum tragen. Gibt es die Band erst seit knapp drei Jahren ist ihr Werdegang bis heute ein Beispiel dafür, wie schnell der Ruhm kommen kann. Nun gilt nur, dass sie ich davon nicht blenden lassen. Da möchte man doch fast meinen, eine Punk-Pop Band aus der Zeit, in der man noch nicht einmal geboren war, vor sich stehen zu sehen.