Lucy Spraggan – Das Singer/Songwriter-Herz aus Großbritannien

Lucy Spraggan hat eine aufregende Zeit hinter sich. Nahm sie 2012 an der Castingshow The X Factor teil und kam mit ihrem selbst geschriebenen Song Last Night (Bear Fear) prompt weiter, verließ sie die Show auf Grund von Erschöpfung und einem ausgebrannten Gefühl. In einem Interview, Jahre später, erzählte sie, dass die Teilnahme bei The X Factor ihr nicht gut tat und sie eine Zeit lang mit Burn-Out- und Depressionserscheinungen zu kämpfen hatte. Nichts desto trotz wollte sie weiter an ihrer Musikkarriere arbeiten und unterschrieb so – noch während der laufenden neunten Staffel von The X Factor, einen Plattenvertrag bei Columbia Records. Kurze Zeit später erreichte ihr Debütalbum, welches sie noch ohne Plattenvertrag veröffentlichte, Platz 22 der britischen Albumcharts. Drei Alben und acht Jahre später steht Spraggan nun mit Today Was A Good Day vor der Veröffentlichung ihres fünften Albums und hat mit Lucky Stars eine wunderbare erste Single veröffentlicht. Denn hier brilliert sie mit ihrem Singer/Songrwiter- sowie Indiesound und ihrem britischen Akzent und hat dabei eine wunderbar kräftige Pophymne geschrieben, die sympathisch wie natürlich rüberkommt. Dabei wollte Spraggan verdeutlichen, wie es ist, unterwegs zu sein und sich ängstlich zu fühlen, als sei man nicht von dieser Welt. Doch dann kommt man nach Hause und fühlt sich geborgen, sicher und wohl. Dabei ist einer ihrer Lucky Stars ihre Frau und ihre Familie. Spraggan wollte mit Lucky Stars ein fröhliches Musikvideo machen und mit dem Song einfach eine unbeschwerte und spaßige Zeit haben und diese an Ihre Fans weitergeben. Und das ist ihr vollends gelungen.

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Two Year Vacation – Tanzen bis zum Umfallen

Die Schweden wieder – möchte man mit einem freudigen Lächeln meinen. Denn mit den Göteborger Jungs von Two Year Vacation gibt es wieder einmal eine Newcomerband die mehr als nur erfolgversprechend ist. Nach zwei EPs stehen sie nun bei einem Hamburger Indielabel Clouds Hill unter Vertrag und arbeiten an ihrem Debütalbum. Dabei möchten die vier Jungs um Frontsänger Anton Tuvesson doch mit ihrer Musik nur für eine unbeschwerte Zeit sorgen. Mit Frontmann Tuvesson – der mit seiner Stimme große Ähnlichkeiten zu Kakkmaddafakka Sänger Axel Vindenes aufweist – leisten sich die Jungs eine durchweg positive Grundstimmung und konzentrieren sich voll und ganz auf die Musik. Mit dem sympathischen Musikvideo zur aktuellen Single I Forgot Your Name (But I Like You) rufen die Jungs den Sommer aus, indem sie einen Wettertristesse-am-Strand-Clip abgedreht haben und mit der fröhlich, lockeren Indiehymne für gute Stimmung sorgen. Mit einer ordentlichen Portion Synthies beschreiben sie sich selbst mit den Worten Two Year Vacation sind deine täglichen Ferien. Ihre Musik ist eine faszinierende Mischung aus Rock, karibischem Kraut und Disco, die uns mit Freude zum Tanzen bringen wird. Dass diese Beschreibung den Nagel auf den Kopf trifft, könnt Ihr bei ihrer neuen Single I Forgot Your Name (But I Like You) hören.

Walking On Cars – Mit Synthies kommt der neue Sound

Sie sind für ihre Hymnen bekannt. Mit ihrem ersten Album Everything This Way und den daraus veröffentlichten sechs Singles wie Speeding Cars, Always Be With You oder Catch Me If You Can hatten Walking On Cars ein grandioses Debütalbum veröffentlicht. War es doch gespickt mit großartigen Rockhymnen, die für das Stadion gemacht schienen. Der Erfolg, der im Anschluss folgte, bestätigte dies schließlich. Dass dieser Erfolg nicht von großen Plattenbossen kam, zeigt die Geschichte der Band. Denn hier kann man sehen, dass sie ihre Musik bereits vor ihrem Plattenvertrag mit auffällig guten Musikvideos veröffentlichte und die Songs selbst in einer Detailtreue in ihrer Heimat Irland produzierten. So konnte man, bereits bevor sie zu Virgin EMI kamen, die meisten Songs in Form von Musikvideos im Netz finden. Dieses Jahr kommen Walking On Cars mit dem zweiten Album Colours zurück und haben mit Monster Ende letzten Jahres bereits eine erste Single veröffentlicht. Nun folgt mit Coldest Water die zweite Auskopplung und überrascht mit einem Sound, der deutlich elektronischer ist. Hier schafft es die Band um Frontsänger Patrick Sheehy Alternative, Pop und Elektropop so zusammenzubringen, dass daraus eine frische aber doch auch neue Farbe der Band zum Vorschein kommt. Mit Coldest Water zeigen Walking On Cars eine angenehm neue Seite, ohne ihren Fans der ersten Stunde zu viel zuzumuten.

Rhys Lewis – Ein Song mit Wow-Effekt

Würde Rhys Lewis auf einer Bühne einer Casting-Show stehen und seinen Song Better Than Today singen, wäre jetzt der Moment, Standing Ovations zu geben, obwohl sein Lied gerade einmal 20 Sekunden gelaufen wäre. Denn diese, so einfühlsame Stimme, die mal falsettartig hoch, mal kratzig und kräftig klingt beschert uns ein Gefühl der Empathie für ein Erlebnis, welches wir noch nicht einmal kennen. Dabei ist der britische Newcomer über die letzten 12 Monate so sehr gewachsen, dass seine Songs mittlerweile millionenfach aufgerufen werden. Hat alles mit kleinen Pub-Gigs begonnen, wurde ihm nur kurze Zeit später ein Plattenvertrag angeboten. Hat Lewis seine erste EP – Bad Timing –  vor knapp einem Jahr veröffentlicht, ist er nun mit der Single Better Than Today zurück und möchte den Song als Stütze wissen. Er habe den Song geschrieben, um mit seiner Angst vor den aktuellen Geschehnissen in der Welt umzugehen, und entlässt ihn als Trost in die Welt. Was sich pathetisch liesst, schafft Lewis mit nur einem Klavier wegzustoßen und Better Than Today als wunderbare Ballade zu präsentieren. Lewis steht damit ganz am Anfang seiner Karriere und wird 2019 sicherlich für den ein oder anderen Erfolg verantwortlich sein.

KIAN – Der geborene Musiker

Wer bereits mit zwei Jahren durch die abgelegenen Gebiete der Aborigines reist und mit seinen Eltern dort Musik spielt, kann völlig zu Recht als geborener Musiker gezählt werden. Denn die Musik wurde dem australischen Sänger Kian Maxwell Bytyci Brownfield, kurz KIAN, bereits durch seine Eltern in die Wiege gelegt. Mit sieben Jahren bekam er seine erste Gitarre und mit 12 folgte dan die E-Gitarre, seitdem geht es mit dem 16-jährigen Sänger steil bergauf und traf er durch Musikprojekte wie einem Aborigine Hip-Hop Projekt Künstler wie Baker Boy, mit dem er zusammen die Single Cloud 9 veröffentlichte. Von seinem Song Waiting überzeugt, reichte KIAN den Track beim australischen Talentwettbewerb Triple J Unearthed – der australischen Radiostation Triple J – ein und wartete auf das Feedback. Dieses folgte Wochen später, indem der Radiosender einen Feueralarm an KIANs Schule simulierte und den jungen Sänger so auf dem Spielfeld der Schule damit überraschen konnte, dass er den Wettbewerb gewonnen habe. Damit ist KIAN nicht nur einer der jüngsten Gewinner dieses Wettbewerbs, sondern hat gleichzeitig auch schon in ausverkauften Konzerthallen als Support-Act gespielt – was äußerst selten für einen Triple J Unearthed Gewinner ist. Waiting zeigt dabei, wie Neo-Soul uns berühren kann – im Alter von 14 Jahren geschrieben und gefühlvoll und mit einem modernen Sound versehen, ist Waiting eine liebevolle Ballade über das Gefühl, sich in jemanden zu verlieben und auf ein Zeichen des anderen zu warten, diese Liebe zu erwidern. Damit konnte der Australier einen Plattenvertrag eingeheimst und sein Debütalbum für die erste Jahreshälfte 2019 ankündigen. KIAN ist damit 2019 einer der ganz großen Anwärter, der sich auf einen internationalen Durchbruch einstellen sollte.

Dean Lewis – Gut Ding will Weile haben

Es brauchte einige Anläufe um dort zu landen, wo der australische Singer/Songwriter Dean Lewis heute ist. So hatte er zu Beginn seiner Karriere mehr als 30 Demotapes an Plattenfirmen geschickt und von nicht einer einzigen eine Antwort zurückerhalten. Bereits kurz vor dem Aufgeben, sorgte ein Freund schließlich für den entscheidenden Moment. Dieser überzeugte auf einer Yacht nämlich einen Produzenten, in das Demotape von Lewis reinzuhören,und so hatte der 30 jährige Sänger kurze Zeit später einen Plattenvertrag in der Tasche. Bereits Ende letzten Jahres hatte Lewis mit der Single Lose My Mind für ein erstes Aufhorchen und dabei gleich mit einer Akustik- und einer Popversion des Songs für Aufsehen gesorgt.  Doch bis es zu seinem aktuellen Hit Be Alright kam, musste noch einige Zeit ins Land gehen. Denn war der Australier mit den Resultaten der ersten beiden Aufnahmen in Australien und mit bekannten Produzenten in den USA so unzufrieden, hatte er es schließlich in Großbritannien noch einmal versucht und hier endlich die Version aufgenommen, die wir heute alle hören können. Mit der wunderbaren Gitarrenballade Be Alright verarbeitet Lewis ein Beziehungsende auf so einfühlsame Art und mit einer so berührenden Stimme, dass wir uns alle wünschten, den Sänger in den Arm nehmen und trösten zu können. Dass er mit genau dieser Version so goldrichtig lag, zeigt sich aktuell in den Chartplatzierungen weltweit – bei denen er auf immer höhere Platzierungen kommt. Be Alright ist damit die perfekte Ballade für die kalten Wintertage.

Grace Carter – Emotionale Suche nach einer Antwort

Inspiriert von den Sängerinnen Lauryn Hill und Nina Simone hat die heute 21-jährige Sängerin Grace Carter schon früh die Musik für sich entdeckt. Auch oder vielmehr gerade durch ihren Stiefvater motiviert, bekam Carter zu ihrem 13. Geburtstag eine Gitarre geschenkt und wurde von ihm ermutigt, Songs zu schreiben. Acht Jahre später steht sie bei Warner Bros. unter Vertrag und veröffentlichte mit Silence bereits eine respektable Debütsingle. Nun ist sie mit Why Her Not Me zurück und schöpft aus den Vollen ihrer Songwriting-Kunst. Denn Carter zieht die Inspiration für Texte aus ihren ganz persönlichen Erlebnissen, die allesamt von Wut, Frust, Enttäuschungen und Niederschlägen geprägt sind. Hieraus sammelt Carter ihre Energie und schafft es ihren Songs etwas aufbauendes zu geben und sie nicht als das Ende verstanden zu wissen. Auf Why Her Not Me thematisiert sie die Entscheidung ihres gebürtigen Vaters, die Familie zu verlassen um mit einer anderen Frau und Kindern glücklich zu werden, seiner alten Familie aber Schmerz zuzufügen. Dies schafft Carter mit einer so emphatischen Art, dass man meinen würde, sie könnte es nicht selbst erlebt haben. Durch die kräftige Stimme der Britin, ihr dunkles Timbre und einen bombastischen Sound ist Why Her Not Me so, eine Hymne der Stärke und des nicht Aufgebens und ein großes Ausrufezeichen einer noch jungen Sängerin.

Tash Sultana – Konzertkritik

Tash Sultana ist eine absolute Überraschung – in jeglicher Hinsicht. Besteht Tashs bisherige Karriere doch aus Superlativen und Rekorden. Angefangen auf den Straßen in Australien, baute Tash sich über die letzten drei, vier Jahre eine unglaubliche Fangemeinde auf und schaffte es schließlich via YouTube auch international große Beachtung zu finden. So waren Tashs Konzerte vor zwei Jahren weltweit, ohne überhaupt einen Plattenvertrag in der Tasche zu haben, allesamt ausverkauft und mussten hier und da sogar in größere Konzerthallen verlegt werden. Nachdem Tashs Debütalbum Flow State Ende August veröffentlicht wurde, folgte nun die dazugehörige Welttournee mit Konzerten rund um den Globus und somit auch in Berlin.

Gleich für zwei Konzerte sollte Sultana am 10. und 11. September in die Berliner Columbiahalle kommen. Und so fand das Auftaktkonzert am 10. September vor einer restlos ausverkauften Halle statt.

Also Support-Act traten die Pierce Brothers auf die Bühne, bei denen es sich tatsächlich um die Zwillingsbrüder Jack und Pat Pierce handelt. Mit einer wunderbar energiereichen Folkperformance brachten die beiden Australier die Halle fast zum Beben und sorgten für eine angenehme Aufwärmphase. Dabei erinnern Songs wie AmsterdamBrother oder Ocean stark an die Anfänge von Mumford & Sons. Laut, schnell, und voller Freude spielten die beiden ihre Banjos, Gitarren und erfreuten sich einer großen Zustimmung vom Publikum, das bereitwillig dazu tanzte und die Brüder bis zum Ende ihrer Performance feierte.

Nun war es soweit und Sultana betrat die, mit Teppichen auf dem Boden für eine Wohnzimmeratmosphäre sorgende, Bühne völlig alleine. Der Abend sollte allerdings anders verlaufen, als es die meisten Fans erwartet hatten. Denn entgegen der Erwartung, Studioversionen zu spielen, konzentrierte sich Sultana darauf, freestyle zu spielen und sich in den einzelnen Songs auch immer wieder mal zu verlieren. So gingen Stücke, wie Big SmokeSynergy und Pink Moon in bis zu 7/8 minütigen Klangbergen auf und wurden bekannte Songs, wie Notion und Murder To The Mind eher samplehaft angespielt. Dass dies zu Sultana passt und der Stimmung keinen Abbruch tat, war allerdings ebenso klar – wenn man die sozialen Kanäle des Masterminds verfolgte. Denn hier wird schnell klar, dass Sultana nicht den üblichen Konventionen und Erwartungen folgt. Dieses Verhalten ist schließlich auch der Grund, warum Sultanas Debütalbum so lange auf sich warten ließ.

In der Columbiahalle spielte sich Sultana mittlerweile durch Mellow MarmaladeFree Mind und Jungle und war dabei immer derart auf die Looping-Machine und das Einspielen der jeweiligen Instrumente konzentriert, dass hier nur sehr sporadisch mit dem Publikum interagiert wurde, was den Fokus noch deutlicher auf die Kunst auf der Bühne lenkte. Somit verlor sich das Publikum immer wieder in den langen Intros und noch längeren Outros. Sultana, derweil die Mütze nach dem 15. mal richten abgesetzt, machte ein Foto von sich und dem Publikum und verschwand hinter der Bühne. Für einige Minuten im Ungewissen gelassen, applaudierte das Publikum ununterbrochen, bis Sultana für eine Zugabe mit Harvest Love und Blackbird zurück auf die Bühne trat um den Abend zu beenden.

Tash Sultana @Columbiahalle Berlin http://www.soundtrack-of-my-life.com

Sultana tickt anders und zeigt dies auch offen. Das damit verbundene Konzert hat dies eindrucksvoll gezeigt. So zeigt sich Sultana mit Herzblut und bei der Sache und vergisst selbst hier und da, dass sie gerade auf einer Bühne und vor tausenden Fans steht.

Tash Sultana – Stripped down

Tash Sultana ist ein Phänomen. Mit ihren Songs berührt sie rund um den Globus Fans und sorgt für ausverkaufte Hallen – lange bevor sie überhaupt einen Plattenvertrag unterschrieben hatte. Nun hat Sultana mit Harvest Love einen ganz untypischen Song veröffentlicht, der sie ohne Looping-Machine zeigt und auf dem sie vollkommen akustisch auf ihrer Gitarre spielt und dabei ganz intim aber unglaublich kräftig Zeilen wie Put your love in the sand as it makes no demands I believe singt. Mit ihrer starken Stimme, ihrer Spielwut auf der Gitarre und dem Hang zum tragischen klingt Sultana so großartig und fast schon legendär, dass man vermuten möchte, sie sei bereits ein alter Hase. Der Weg für ihren Durchbruch ist geebnet – nun fehlt nur noch das, in knapp zwei Monaten erscheinende Debütalbum.

Hayden James – Angekommen aber noch nicht fertig

Vor drei Jahren konntet Ihr hier über den australischen Newcomer Hayden James lesen, wie er es schaffte, mit seinem Song Something About You bis auf über 3 Millionen Klicks zu kommen. Mit einem Plattenvertrag im Gepäck gelang es ihm anschließend sogar, den Song auf über 68 Millionen Klicks zu bringen. Doch was bisher fehlt, ist ein Debütalbum. Zwar hat James mit Just A Lover (2016) und Numb (2017) noch zwei weitere Songs veröffentlicht, doch blieb er uns bis heute eines Albums schuldig. Mit der nun veröffentlichten Single Just Friends folgt James seinen Rhythmus, einmal im Jahr einen Song zu veröffentlichen. Dabei bekommt er Unterstützung vom britischen Singer/Songwriter Boy Matthews, der zu einem unglaublich tanzbaren Bass frech, sowie stilsicher gelangweilt davon singt, wie es ist, wenn aus einer Freundschaft plötzlich mehr wird. Die aufregende Zeit und das passende Gefühl wird durch den aufbauenden Beat wunderbar transportiert und lässt den Song zum Crush-On-You Anthem werden. Irgendwo zwischen clublastigem Rumgemache und jugendlicher Unerfahrenheit füllt Just Friends die Lücke aus und animiert zum tanzen. Und uns bleibt nur zu hoffen, dass nicht wieder ein Jahr vergehen muss, um neues Material zu hören.