Chilly Gonzales - A Very Chilly Christmas

Chilly Gonzales feat. Feist – Ein Multitalent lässt sich auf Weihnachten ein

Jason Charles Beck ist ein wahrer Tausendsassa. Nicht nur, dass Beck unter dem Namen Chilly Gonzales und aus Kanada kommend, unzählige Alben veröffentlicht hat, hat der Musiker – der in Montreal Jazz-Piano studierte – dort auch 1990 seine erste Band Son gegründet. Schnell stellten sich erste Erfolge ein und ergatterte die Band bei Warner Music Canada einen Plattendeal. Doch wurde Gonzales schnell klar, dass er sich nicht als Hamster im Laufrad eines Musikbusiness sehen wollte, dass nur auf den kommerziellen Erfolg aus ist. Schließlich floh Gonzales nach Europa, wo er einige Jahre in Paris lebte, ehe er sich in Berlin niederließ. Hier wurde er schnell zu einem festen Teil der Berliner Musikszene und Mitbegründer der Band Puppetmastaz. Zeitgleich fing der Kanadier mit ungarischen Wurzeln an, Songs zu produzieren. Hier schaffte es der Musiker mit seiner Berlin-Tetralogie Gonzales Über Alles (1999), The Entertainist (2000), Presidential Suite (2002), and Z (2003) Kritiker in ganz Europa zu begeistern.

Chilly Gonzales
Chilly Gonzales

Als Produzent für, die ebenfalls in Berlin lebende, Peaches und Jane Birkin schaffte er es zunehmend, sich auch als Produzent einen Namen zu machen, doch erst die Produktion des Albums The Reminder (2007) von der kanadischen Indie-Ikone Leslie Feist brachte ihm den internationalen Durchbruch ein. So wurde seine Produktion mit vier Grammy-Nominierungen honoriert und mit fünf Juno-Awards ausgezeichnet. Seine Diskografie ist so vielfältig, wie umfangreich, doch ein Genre hatte Gonzales bisher noch nicht bedient – Weihnachten. Diesen Punkt hat der Musiker 2020 schließlich auch abgehakt und Mitte November mit A Very Chilly Christmas sein erstes Weihnachtsalbum veröffentlicht. Darauf enthalten sind viele seiner langjährigen Weggefährten. Während Gonzales hier so klassische Titel, wie Oh Tannenbaum, Silent Night oder Auld Lang Mynor neu interpretiert, ist mit The Banister Bough auch ein neuer Song dabei. Mit einem Mix aus Jazz, Pop und Klassik und seinen Best-Buddies Leslie Feist und Jarvis Cocker hat, der mittlerweile in Köln lebende Musiker, Gonzales ein Weihnachtsalbum veröffentlicht, das so entspannt, wie unterhaltsam klingt und uns durch eine beschwingte Weihnachtszeit bringt.

Robbie Williams - Can't Stop Christmas

Robbie Williams – Rettet Weihnachten

Der 4. Advent ist da und mit ihm ein neuer Weihnachtshit. Weihnachten 2020 – das Reisen ist verboten, die Geschenke shoppt man online und die großartige Familienfeier, bei der alle zusammenkommen, reduziert sich auf nur sehr wenige Person, wenn nicht sogar nur auf einen selbst und Partner*in. Dass das alles komisch ist, damit haben wir uns mittlerweile abgefunden. Robbie Williams macht daraus aber etwas noch Komischeres. Er schreibt ein Weihnachtslied darüber. Eigentlich ist es sogar seine Frau Ayda, welche die ersten Songzeilen des Liedes Can’t Stop Christmas geschrieben hatte. Denn Robbie Williams wollte keinen Song schreiben, in dem die Pandemie vorkommt – machen dies doch gerade schon genug Künstler*innen. Doch dann kam Ayda Williams mit ein paar Textzeilen um die Ecke und schaffte es so, Williams zu überzeugen. Herausgekommen ist eine positive Kampfansage an die Pandemie und den festen Willen, Weihnachten doch noch, in einem – wenn auch anderen Rahmen – mit den Liebsten zu feiern. Auf Can’t Stop Christmas singt sich Williams durch einen gänzlich lockeren Popsong, der sich textlich vollkommen auf die Pandemie bezieht.

Robbie Williams
Robbie Williams

Mit weihnachtlichen Glocken, schnellen Drums und einem urkomischen Musikvideo fegt Williams die negativen Gedanken mit Textzeilen, wie You can’t take away our season. Like you can’t take away the wine. Santa’s on his sleigh. But now he’s two metres away. The people gonna need something to believe in. After a year of being in. We’ve got a wish list. You can’t stop Christmas time förmlich weg. Dabei parodiert Williams im dazugehörigen Musikvideo die britische Regierung und mimt den britischen Premierminister Boris Johnson. Can’t Stop Christmas ist die zweite Singleauskopplung aus Williams 2019 veröffentlichtem Weihnachtsalbum The Christmas Present, welches mit Songs, wie Winter Wonderland oder Let It Snow! Let It Snow! Let It Snow! begeistert. Dabei liegen zwischen der veröffentlichten Leadsingle Time For Change – die Ende November 2019 herauskam – und dem nun veröffentlichten Can’t Stop Christmas satte 12 Monate und hat Williams damit die Chance den Rekord, für die am weitesten auseinanderliegende Veröffentlichung, zwischen der ersten und zweiten Single, zu brechen. Gleichzeitig bedeutet die neue Single aber auch eine erneute Veröffentlichung des Weihnachtsalbums mit Can’t Stop Christmas als Zusatzsong. Robbie Williams bleibt einer der größten Entertainer des Musikgeschäfts und fühlt sich seine Stimme in den verschiedenen Genres wie zu Hause.

Indochine & Christine and the Queens - 3SEX

Indochine & Christine And The Queens – Ein Song für sexuelle Vielfalt und Freiheit

Hier treffen sich zwei Acts, die – jeder Act für sich – ein absolutes Alleinstellungsmerkmal haben. Auf der einen Seite sind es Indochine – die Band, die sich 1981 in Paris gründete und mit ihrem Rock- und New-Wave-Sound über 13 Millionen Platten verkauft haben. Auf der anderen Seite ist es Christine And The Queens, die mit ihrem Art-Pop seit ein paar Jahren ganz Europa in ihren Bann zieht. Während Indochine auf eine 13 Alben, elf Live-Alben, sechs Compilation-Alben und weit über 60 Singles füllende Diskografie blicken können, sind es vor allem die Songs 3e Sexe (1986) und J’ai Demandé À La Lune, sowie Le Grand Secret aus dem 2002er Album Paradize, die als die größten Hits ihrer Karriere gelten und vor 18 Jahren sogar in die deutschen Radio-Playlisten schwappten. Nachdem Indochine am 28. August mit Singles Collection (2001 – 2021) einen ersten Teil ihrer Diskografie als Compilation veröffentlichten und direkt auf Platz 1 der französischen Albumcharts einstiegen, wird nun am 11. Dezember mit Singles Collection (1981 – 2001) der zweite Teil ihrer Diskografie erscheinen. Darauf enthalten ist sowohl die originale Version von 3e Sexe, sowie die neue Version, die Indochine zusammen mit Christine And The Queens aufgenommen hat.

Indochine & Christine and the Queens - 3SEX
Indochine & Christine and the Queens – 3SEX

Hierzu ist vor wenigen Tagen auch das Musikvideo veröffentlicht worden und bringt uns die beiden Ausnahme-Acts auf der neuen Version 3SEX zusammen. Dabei geht es in dem Song, wie schon in seinem Original, um die Freiheit und sexuelle Toleranz. Dass dies zu den beiden Acts, wie zu kaum einen anderen Act in der französischen Musikszene passt, zeigen beide Historien. Héloïse Letissier – die hinter Christine And The Queens steckt, lebt die Freizügigkeit der queeren Antigender-Rollen vollends aus und wechselt immer wieder zwischen ihren Alter-Egos Chris und Christine. Dabei war es für Letissier eine große Ehre, von Indochine-Frontmann Nicola Sirkis gefragt zu werden, ob sie mit ihm für die neue Version zusammenarbeiten würde. So bedankt sich Letissier dann auch über ihre sozialen Kanäle mit den Worten Danke, Nicola, dass du mir die Ehre und das Vertrauen gegeben hast, 3SEX mit dir zu singen, zu einer Zeit, in der das Wort Freiheit wieder all seine Bedeutung und Dringlichkeit annimmt. Echte Revolutionen sterben niemals. Ich küsse dich! War der Song im Original eine New-Wave-Hit, der an den Sound von Depeche Mode oder The Cure erinnert, ist die neue Version 3SEX eine Synthie-Pop-Hymne mit Discoelementen und einem großartigen Vibe. In den Zeiten, in denen es momentan nur äußerst schwer ist, soziale Interaktionen zu haben, lassen Christine And The Queens und Indochine einen Hauch von Freiheit, Euphorie und Empathie auf uns los, der uns, wie ein Impfstoff durch diese Zeiten bringt.

girl in red - two queens in a king sized bed

Girl In Red – Besinnliche Töne

Im Winter 2018/2019 schallte es durch alle Indie-Radios – My girl, my girl, my girl. You will be my girl. Dabei hatte die Norwegerin Marie Ulven – alias girl in red – mit Songs, wie we fell in love in october, i’ll die anyway oder midnight love und ihrer – im September 2019 veröffentlichten – Single-Compilation Beginnings, eine Zusammenstellung aus ihren beiden bisher erschienenen EPs Chapter 1 und Chapter 2 rausgebracht, die viel dazu beitrug, die Bedroom-Produzentin auch auf die internationale Bühne zu heben. Mit ihren 21 Jahren hat sich girl in red mittlerweile zu einer beliebten Indie/Dreampop-Musikerin gemausert, die mit ihren zumeist intimen Songs zudem auch immer direkt und klar ist. Nun hat uns girl in red mit ihrer neuen Single two queens in a king sized bed aber gerade komplett überrascht. Denn während ihre bisherigen Songs auch eine gewisse Pragmatik widerspiegeln, spielt sie auf ihrem neuen Song plötzlich mit Traditionen. Da kommen Glocken und heimelige Töne auf und lassen die Worte Christmas und Mistletoe ertönen. Und plötzlich hat uns girl in red – ohne, dass wir es vermutet haben – einen satten Popsong geliefert, der so zuckersüß und weihnachtlich ist, dass wir glatt schon die roten Mützen aufsetzen möchten.

girl in red - two queens in a king sized bed (Video)
girl in red – two queens in a king sized bed (Video)

Sie selbst hat den Song aus dem Moment geschrieben, in dem sie mit einer sehr engen Person am Weihnachtsmorgen im Bett lag, ihre Haut sich wärmend berührten und sie diesen Moment für immer festhalten wollte. Hier tauchen wir musikalisch in eine Szene ein, in der man aus dem Schlafzimmerfenster die Schneeflocken rieseln sieht. Gleichzeitig baut sich das Bild einer Blockhütte in den Wäldern mit ganz viel weihnachtlicher Stimmung auf und lässt den Song fast schon klassisch klingen. Doch auch wenn girl in red mit two queens in a king sized bed äußerst poppige Pfade einschlägt, bleibt sie textlich auch immer bei sich und singt über zwei Frauen und einem trotzigen There’s no mistletoe above our heads. But i’ll kiss you anyway. On christmas day. Yea i’ll kiss you anyway. In christmas day. Bereits im Frühjahr kündigte girl in red mit World In Red ihre Debütalbum für Oktober 2020 an und bekräftigte noch im Mai in einem NME-Interview [Die Corona-Pandemie] kann World In Red nicht aufhalten, Baby! Bisher müssen wir leider feststellen, dass es doch dazu gekommen sein muss und hoffen mit girl in red darauf, dass wir schnellstmöglich das Debütalbum der norwegischen Sängerin zu hören bekommen.

The Best Of 2020 Vol. 16

The Best Of 2020 Vol.: 16

01. Billie Eilish – Therefore I Am (zum Artikel)

02. Nora En Pure feat. Tim Morrison – Come Away (zum Artikel)

03. Julia Stone – Dance (zum Artikel)

04. Jeremias – hdl (zum Artikel)

05. Clueso – Aber Ohne Dich (zum Artikel)

06. Anna Of The North – Believe (zum Artikel)

07. Axel Flóvent – Tonight (zum Artikel)

08. Chet Faker – Low (zum Artikel)

09. Emma McGrath – Mad About You (zum Artikel)

10. Kristofer Åström – In The Daylight (zum Artikel)

11. Hot Chip feat. Jarvis Cocker – Straight To The Morning (zum Artikel)

12. Lastlings & RÜFÜS DU SOL – No Time (RÜFÜS DU SOL Remix) (zum Artikel)

13. Lea Porcelain – Choirs To Heaven (zum Artikel)

14. NEØV – Burnt My Fingers (zum Artikel)

15. Lui Hill – Creatures (zum Artikel)

16. Monolink – Sinner

17. Simen Mitlid – While Heaven Is On Fire

18. Sukie – Sober (zum Artikel)

19. Tia Gostelow feat. Holy Holy – Always (zum Artikel)

20. Sean Christopher – In Circles (zum Artikel)

21. John Summit & Guz – Thin Line (zum Artikel)

Billie Eilish – [Ich denke] Also Bin Ich

Sie kam praktisch aus dem Nichts und eroberte die Welt im Sturm – Billie Eilish. Wobei das Synonym Sturm fast schon zu sanft für das ist, was die 18-jährige US-Amerikanische Sängerin in den vergangenen zwei Jahren alles erreicht hat. Zwar kam vor genau vier Jahren mit Six Feet Under bereits der erste Song der damals 14-Jährigen raus, doch sollte Eilish erst ein Jahr später mir der Debüt-EP Don’t Smile At Me eine größere Aufmerksamkeit zu Teil werden. In den darauffolgenden drei Jahren sahnte die Kalifornierin alles ab, was man holen konnte – von fünf Grammy Awards, über das bestverkaufte Album des Jahres 2019, bis hin zum singen des James Bond Theme-Songs 2020. Neben all der Zahlen und Fakten beweist Eilish darüber hinaus auch, wie abgeklärt die Generation Z ist und im Speziellen die Sängerin selbst. Denn während die großen Popstimmen ihre Präsenz zumeist nur zur eigenen Vermarktung verwenden, singt sich Eilish durch die gesellschaftlichen Brennpunkte unserer Zeit. Ob über Magersucht, Verletzlichkeit, Depressionen oder fehlende Wertschätzung. All diese Themen sind nicht etwa Themen, die man nur empfinden kann, wenn man erwachsen ist. So ist Eilish zum Sprachrohr einer Generation geworden, die damit aufgewachsen ist, als das Gegenteil von dem abgestempelt zu werden, als das, was sie sind. Gleichzeitig versteht sie eine ganz andere Generation nur zu gut – die Generation Y. Denn es ist genau die Generation, die zwischen den großen Konstanten aufwuchs. Nach dem – noch recht konservativen Boomerjahren und noch vor einem Leben in der digitalen Welt. Eilish ist sich dessen bewusst, dass sie nicht nur ihre Altersgenossen, sondern auch die 20 Jährigen und sogar 30+ erreicht. Neben den hypnotisierenden Sounds ihrer Songs – für die zumeist ihr Bruder Finneas verantwortlich ist, macht auch der Gesangsstil Eilishs einen klaren Unterschied zur aktuellen Musiklandschaft. Die neue Single Therefore I Am beweist das wieder einmal eindrucksvoll. Hier haucht sich Eilish durch Zeilen, die ganz klar sagen, dass sie eine starke, unabhängige Frau ist, die nicht möchte, dass sich andere mit ihrem Namen kleiden. War My Future im Sommer musikalisch geprägt von der Angst über die ganz reale Zukunft einer jungen erwachsenen Frau in den USA, die mit dem Klimawandel, einer Pandemie, einer desolaten Regierung und Herausforderungen der Nachhaltigkeit konfrontiert ist, sind es auf Therefore I Am die starken Statements, die begeistern. Immer pur, immer direkt und immer ehrlich – das sind Eilishs Maxime. Hinzu kommt ein Sound, der sich einfach nicht vergleichen und – einmal gehört – nicht mehr aus dem Ohr bekommen lässt.

CamelPhat feat. Lowes - Easier

CamelPhat feat. LOWES – Erreichen die Ziellinie

Sie haben uns lange darauf warten lassen, doch nun ist es da – das Debütalbum des britischen Elektroduos CamelPhat. Sie waren schon da und remixten Songs, wie Lola’s Theme von den Shapeshifters oder die 2004er Version von Depeche Modes Enjoy The Silence als diese zum Originalzeitpunkt veröffentlicht wurden. Doch erst mit der Single Cola (2017) erreichten sie den Ruhm, den ihre über 100 Remixe nicht erreichen konnten. Denn seit der Zusammenarbeit mit dem, ebenfalls aus Großbritannien kommenden Elderbrook, stehen sie ganz oben auf den Playlisten der Britischen Insel und mittlerweile auch weltweit. Was folgte, waren Songreleases, die allesamt nicht eine schwache Produktion hervorbrachten. So kam es zu der Zusammenarbeit mit der spanischen Sängerin Au/Ra auf Panic Room (2018), der Britin Jem Cooke auf Rabbit Hole (2019) und auf Breathe zusammen mit Christoph (2018) und Rabbit Hole (2019 und hier ohne Christoph) oder auch den bereits bekannten Namen, wie Jake Bugg auf Be Someone (2019) oder Foals-Frontsänger Yannis Philippakis auf Hypercolour (2020). Was auffällt; CamelPhat suchen sich immer wieder Künstlerinnen und Künstler aus, die nicht vorrangig im Elektro zu Hause, sondern zumeist sogar weit entfernt davon sind und bekannt durch ihre Wurzeln im Indie sind.

CamelPhat - Dark Matter
CamelPhat – Dark Matter

Heute ist mit Dark Matter das Debütalbum der beiden Liverpooler erschienen, das nur so mit Superlativen aufwartet. Denn weder kann man von vielen Acts behaupten, satte 16 Jahre zu benötigen, um ihr Debütalbum zu veröffentlichen, noch kommen die meisten Künstler auch nur annähernd an die Trackanzahl von satten 21 Songs oder die Spiellänge von 90 Minuten heran. Gleichzeitig vereinen Dave Whelan und Mike Di Scala auf Dark Matter satte 14 unterschiedliche Featuring-Acts. Neben den bereits bekannten sind auch Noel Gallagher und die Band LOWES dabei. Letztere sind ein Trio aus Lancaster, nördlich von Manchester. Doch das ist noch nicht alles. Auf dem heute veröffentlichten Song Easier ist neben LOWES auch Florence Welch von Florence + The Machine als Songwriterin angegeben. Und plötzlich fällt auf, dass eine der Stimmen auf Easier der von Florence Welch in vielen Passagen extrem ähnlich ist und nicht ganz unbegründet die Frage aufkommen lässt, ob sich Florence Welch hier mit LOWES zusammengetan hat. Mit Easier halten CamelPhat auf jeden Fall den größten Hit bereit, um ihr Debütalbum bestmöglich zu promoten. Dass dies bei so einer Hitdichte gar nicht wirklich notwendig ist, dürfte dann aber doch keinen wundern. CamelPhat haben das Album der Stunde produziert und begeistern mit einer vielschichtigen Produktion und vielen Einflüssen aus dem britischen Indie.

The Best Of 2020 Vol. 15

The Best Of 2020 Vol.: 15

01. Monolink – Otherside (zum Artikel)

02. Beck – Wow (zum Artikel)

03. Ytram feat. Elderbrook – Fire (zum Artikel)

04. Blu DeTiger – Cotton Candy Lemonade (zum Artikel)

05. Tensnake – Make You Mine (zum Artikel)

06. Bonobo feat. Totally Enormous Extinct Dinosaurs – Heartbreak (zum Artikel)

07. Bosse – Der letzte Tanz (zum Artikel)

08. Simen Mitlid – Birds (zum Artikel)

09. Amy MacDonald – Crazy Shade Of Blue (zum Artikel)

10. Maxïmo Park – Baby Sleep

11. Kevin Morby – Sundowner (zum Artikel)

12. Middle Kids – R U 4 ME? (zum Artikel)

13. Crucchi Gang & Clueso – Ballare

14. Møme with Ricky Ducati – They Said (zum Artikel)

15. Roosevelt – Feels Right (zum Artikel)

16. Sarah Blasko – All I Want (Alex Cruz Edit)

17. BRONSON feat. Gallant – Know Me (Cassian Remix) (zum Artikel)

18. London Grammar – Baby It’s You (Kölsch Remix)

19. John Summit – Deep End (zum Artikel)

20. Madrugada – Majesty

Tia Gostelow - Always

Tia Gostelow – Zwischen Aborigines und der Großstadt

Das bekommt man in Europa auch nicht oft geboten, die Musik einer Künstlerin aus den indigenen Völkern Australiens – den Aborigines – vorzustellen. Dabei ist unser Bild in Europa vielleicht nicht das aktuellste. Immerhin leben mittlerweile Dreiviertel der knapp 500.000 Aborigines ein modernes Leben in Großstädten, wie die restlichen Einwohner Australiens. Davon können wir uns bei Tia Gostelow überzeugen lassen. Denn am Freitag kommt ihr zweites Album Chrysalis auf den Markt und begeistert mit einem modernen Elektropop, der sich etwas verträumt und fast schon am Dreampop orientierend präsentiert. Die aktuelle Single Always zeigt dies eindrucksvoll. Hier klingt nichts zurückhaltend und singt die gerade einmal 21-jährige Sängerin frisch und selbstbewusst, was sie in den letzten zwei Jahren erlebt hat. Dabei spielt auch die Melancholie eine große Rolle in Gostelows neuem Album. Denn während sie den Hype um ihr 2018er Debütalbum Thick Skin fernab ihrer Eltern erlebte und seit nunmehr zwei Jahren in Brisbane lebt, hat sie nach wie vor stark damit zu kämpfen, mit der fehlenden familiären Nähe klarzukommen. So zeugt das neue Album auch von dieser Distanz und den einsamen Momenten der Musikerin in der großen Stadt.

Tia Gostelow @Jeff Andersen Jnr.
Tia Gostelow @Jeff Andersen Jnr.

Gostelows Sound klingt nicht neu und doch kann man sie nicht so recht einordnen. Mit großen Synthiebetten, vielen Soundspielereien und der fluoreszierenden Stimme Gostelows hat die Australierin ein Album produziert, welches sich an den dunklen Abenden orientiert, die beleuchtet und von strahlenden Blitzen durchzogen werden möchten. Mit Always bekommen wir einen weiteren Vorgeschmack auf diese farbenfrohe Musik. Sind die Songs des Albums vom Holy Holy-Gitarristen Oscar Dawson geprägt, singt auf Always sogar Holy Holy-Frontmann Timothy Carroll mit. Sowohl bei den Radiostationen, als auch den Musikblogs weltweit steht Tia Gostelow ganz oben auf den Listen der Artists to watch. Völlig zu Recht – wie wir ab Freitag auf Albumlänge hören können. Tia Gostelow ist aufregend, frisch und hat einen großartigen Sound im Gepäck, bei dem es Spaß macht, ihn zu entdecken.

Jono McCleery - Call Me

Jono McCleery – Ein Fels in der Brandung

Seine Songs bilden das Fundament für ein losgelöstes Wesen. Wurde der 37-jährige Singer/Songwriter Jono McCleery in London geboren, ist er zwar Teil der dortigen Musikszene, doch erzählt sein Schaffen eine Sprache, die vielmehr mit der rauen Landschaft der südenglischen Ländereien verbunden ist, als es die Millionenmetropole kann. In der Londoner Musikszene aufgewachsen, ist der introvertierte Musiker als Teil des dortigen Projektes One Taste Collective immer weiter in den Vordergrund gerückt. Hier hat McCleery dafür gesorgt, dass er londonweit zum Namen wurde. Unterstützt das Projekt One Taste Collective Bands bei ihren ersten Schritten, verhalf es unter Anderem Little Dragon und Jamie Woon zum Durchbruch. McCleery hat dabei in den vergangenen Jahren die Alben Darkest Light (2008), There Is (2011), Pagodes (2015) und Seeds Of A Dandelion (2018) veröffentlicht. Mit Here I Am And There Are You kommt am 20. November McCleerys fünftes Album auf den Markt und konzentriert sich wieder auf die warmen Sounds des Musikers. Mit der nun veröffentlichten Single Call Me zeigt der Brite, wie es sich anfühlt, getrennt zu sein. Dabei steht nicht im Vordergrund, ob durch eine räumliche Distanz getrennt, oder durch eine endende Beziehung. Vielmehr packt uns McCleery mit seiner unglaublich warmen Stimme und reisst uns mit, auf eine Tour durch den schönen Schmerz der Einsamkeit.

Jono McCleery
Jono McCleery

Dass dieser Schmerz nicht immer negativ sein muss und durchaus produktive und euphorische Momente hervorbringen kann, sehen wir im dazugehörigen Musikvideo. Hier sehen wir einen Mann, der sich, bedingt durch die Einsamkeit, in eine Welt flüchtet, in der er mit einer imaginären Freundin all die mitreissenden Momente erlebt, die er so vermisst. Dabei wirkt die Szenerie manchmal abstrakt, manchmal überzeichnet und wiederum einige Male einfach nur tief verbunden. Call Me begleitet die Bilder dabei mit einem sanften Gitarren- und Schlagzeugspiel, welches durch die kräftige Stimme McCleerys eine Wehmütigkeit entstehen lässt. War McCleery bereits mit Bonobo, Fink, Little Dragon und Jamie Woon zusammen auf Tour, sind seine Einflüsse vor allem durch die Musik von Fink und Bonobo geprägt. Das warme Timbre von Finian Paul Greenall – alias Fink – zusammen mit der introvertierten Weite von Bonobos treibenden Sound, lassen Jono McCleery in einem tiefen und berührenden Soundkostüm aufgehen, in das seine Stimme wie maßgeschneidert passt. Call Me ist damit der musikalische Ruf des Herbstes geworden, uns einen warmen und geborgenen Augenblick zu verschaffen.