Blaue Blume - Vanilla

Blaue Blume – Die Eiszeit gibt es nicht

Eine blaue Blume wirkt kalt, faszinierend und sonderbar zugleich. Dass sich das Dänische Quartett um Frontsänger Jonas Smith so genant hat, zeugt von dem Ort, in dem alle Bandmitglieder aufgewachsen sind. Nahe der Deutsch-Dänische Grenze haben Blaue Blume stehts auch den Austausch mit der deutschen Sprache gehabt. Mit ihrem 2016er Debütalbum sorgten sie zuerst in der Alternative-Szene Dänemarks und schließlich auch über die Landesgrenzen hinaus für aufsehen. Ist ihr Sound doch geprägt von einer großen Weite, die sich schickt uns ins Träumen geraten zu lassen. Mit Songs, die sich stilistisch in die New Romantic Zeit der britischen Inseln einordnen, haben Blaue Blume nun mit Bell Of Wool ihr zweites Album veröffentlicht. Mit Someday und Vanilla gibt es bereits zwei Singleauskopplungen aus diesem Album bereits und speziell Vanilla zeugt von einer Tiefe, welche die Band in ihre Musik steckt, die wir erst nach mehrmaligem Hören vollends greifen können. Dabei klingt Vanilla verträumt, positiv und melancholisch. Es ist ein Song zum darin verlieren. Oder auch der perfekte Soundtrack für eine Zugfahrt durch die kalte Jahreszeit, bei der die Landschaft mit leeren Feldern, grauen Dörfern und leuchtenden Großstädten an einem vorbeiziehen und wir unsere Gedanken voll auf uns selbst richten. Mit einem dramatischen Finale setzt Vanilla schlussendlich zum Endspurt an und lässt uns nach 3 Minuten und 19 Sekunden auf Repeat drücken. Nur, um uns tiefer in unseren Gedanken zu verlieren. Wer die Jungs einmal live sehen will, hat am 11. März im Berliner Badehaus und am 12. März im Hamburger Hafenklang Gelegenheit dazu.

Noah Gundersen - Lose You

Noah Gundersen – Ein neuer Mensch

Als der amerikanische Sänger/Songwriter vor fast genau vier Jahren im Berliner Privatclub die Bühne betrat, war es wie ein weisses Blatt Papier. Sowohl der Name, als auch seine Songs waren gänzlich unbekannt und die Überraschung umso größer, als das Konzert seinen Lauf nahm. Damals noch mit langen Haaren singend, hat sich Gundersen im Verlauf der Zeit deutlich gewandelt. So steht er heute mit kurzen, blond gefärbten Haaren und sichtbaren Tattoos vor dem Publikum und singt so wunderbare Songs, wie seine neueste Veröffentlichung Lose You. Diese kommt von Gundersens viertem Album Lover und zeigt den Sänger angekommen. Angekommen in einer Welt, die für den Musiker so viel bereithält und die Inspiration für neue Songs gibt. Auf der dazugehörigen Tour spielte Gundersen innerhalb von zwei Monaten 40 Shows und war danach völlig energielos – so beschreibt Gundersen in einem Post die Tage nach dem Tourfinale. Mit der nun ausgekoppelten Single Lose You hat Gundersen gestern auch ein passendes Musikvideo veröffentlicht. Dieses untermalt die gewaltige Wärme, die der Song durch seine zurückhaltende Art besitzt, die im Verlaufe des Songs als Emotion ausbricht und zu einem satten Liebessong voller Energie wird. Gundersen klingt mit seinen 30 Jahren unglaublich reif und transportiert eine Phase der Liebe, die von Freude, Vertrauen, Verläss

lichkeit und einem Kampf erzählt, der eine Beziehung retten soll. Lose You ist ein so wunderbarer Song, dass man sich fast wünscht, von Gundersen gerettet zu werden.

Jack Peñate – 10 Jahre der Stille sind vorbei

Mit Indie-Hits, wie Have I Been A Fool aus dem Debütalbum Matinée (2007) oder Be The One und Pull My Heart Away aus dem zweiten Album Everything Is New (2009) hatte sich der britische Sänger Jack Peñate zum Ender der 2000er auf alle Indie-Disco-Tanzflächen gespielt. Sein sympathisch, direkter Sound ging sofort ins Herz und seine flehend, junge Stimme passte wunderbar zu seinen Songs. Auf seinem Debütalbum sang sogar die damals noch gänzlich unbekannte – und zu Peñates Freundeskreis gehörende – Sängerin Adele mit. Und während es nach dem Album 2009 ruhig um Peñate wurde, schaffte Adele den absoluten Durchbruch. War der 35-jährige Sänger ganze zehn Jahre weg überrascht er uns nun mit neuen Songs und dem neuen Album After You – welches am 29. November 2019 veröffentlicht wurde. Darauf enthalten ist die Single Murder, die einen erwachsen gewordenen Peñate zeigt, der erstmals in einem Song den Weg gefunden hat, etwas auszusprechen, was er schon seit Beginn seiner Karriere mit sich rumträgt. Dabei handelt Murder vom Verlust der Unschuld und der Geburt der Erlösung wie Peñate es in einem Interview bezeichnet. Mit sechseinhalb Minuten hat Murder dann auch ein ungewöhnlich langes Musikvideo bekommen, welches beim hören allerdings deutlich schnelllebiger wirkt. Ist After You Peñates erstes Album, welches sich nicht in den britischen Charts platzieren konnte, besteht es aus Songs eines gereiften Musikers, der seine eigene Läuterung der vergangenen zehn Jahre auf ein Album gepackt und damit wohl seine bedeutendste Platte veröffentlicht hat.

Kindness feat. Robyn - Something Like A War

Kindness feat. Robyn – Eine zarte Warnung

Es sind Töne, die wir so von Schwedens Ausnahmetalent Robyn noch nicht zu hören bekommen haben. Auch der Brite Adam Bainbridge – alias Kindness – ist sonst für deutlich andere Sounds bekannt. Nun hat er sein drittes Album Something Like A War veröffentlicht und vereint darauf neben der Zusammenarbeit mit Robyn auch eine wunderbare Kollaborationen mit Seinabo Sey. Dabei ist Adam Bainbridge ein wahres Multitalent – denn macht er nicht nur Musik, ist er auch Radiomoderator, Produzent, Regisseur und Remixer. Bei letzterem hat er bisher unter anderem Songs von Röyksopp und Blood Orange geremixt. Zusätzlich war er Produzent von Songs von Blood Oranges Alben Cupid Deluxe und Freetown Sound, Solanges drittem Album A Seat At The Table und Robyns Honey. Auf ihrer aktuellen Single The Warning arbeiten Robyn und Kindness zusammen und erschaffen eine zarte, elektronische Ballade, die sich im Kontext des Albums mit Reflexion und Transformation auseinandersetzt. Hat der Brite das Album fast vollständig in New York aufgenommen, hört man dem Song eine gewisse Einsamkeit an. Hier fühlt man förmlich, den Moment, Nachts alleine in einem Apartment am Fenster eines New Yorker Wolkenkratzers zu stehen und aus dem 60. Stock auf die dunklen Straßen zu schauen. Sich seiner Einsamkeit bewusst werdend und musikalische Wege zu suchen, dieses Gefühl in einen Song zu packen. Dass ihm und Robyn das wunderbar gelungen ist, hören wir nun auf The Warning – einem Song der überrascht, die Seele streichelt und wärmt.

Amber Run - Worship

Amber Run – Die Ruhe zwischen dem aktuellen Album

Mit ihrem neuesten Album Philophobia, das die Nottinghamer Band Amber Run Ende September veröffentlicht hat, hat die Band um Frontsänger Joshua Keogh förmlich eine Sinuskurve musikalisch umgesetzt. Denn hat Philophobia auffallend viele, große und schrammelige Rocksongs, setzen die Briten, wie bei Affection auch immer wieder ruhige Tracks dazwischen und sorgen so für ein Auf und Ab beim hören des Albums. Dabei sind es nicht nur ruhige Songs, sondern vielmehr vor Melancholie und Depression erdrückende Stücke, die uns so berühren. Haben Amber Run zur Veröffentlichung ihres dritten Albums am 27. September gleich auch alle Songs einzeln auf Youtube gesetzt, wurde Worship zu einem der Lieblinge der Fans. Hier kommen Streicher, ein Klavier und die Stimme eines äußerst verletzlich klingenden Keogh so passend zusammen, dass sich Worship zu einer herzzerreißenden Ballade zusammensetzt. Darauf singt Keogh davon, dass er eine Person liebt – diese Liebe ihm scheinbar aber nicht gut tut. Zum Ende des Songs predigt Keogh förmlich eine Realität, der er sich stellen muss und verliert sich zunehmends in den Textzeilen I lived alone before I met you. Maybe I’ll live alone again. Dass es neben all den lauten Songs auch wieder die Ruhigen sind, die Amber Run so wunderbar beherrschen, zeigt, wie sehr sich die Band alle Richtungen offen hält und einen neuen Sound ausprobiert, ohne den alten zu verlieren.

Harry Styles - Watermelon Sugar

Harry Styles – Vom Boygroupimage freigegesungen

Es wirkt wie eine Metarmorphose. Die Wandlung, die der britische Sänger Harry Styles in den vergangenen Jahren vollzogen hat. Als Teil der Boygroup OneDirection bestimmte er von 2010 bis 2015 das Musikbusiness maßgeblich und veröffentlichte mit der Band jedes Jahr ein Album, welches sich jeweils 3,5 bis 4,5 Millionen mal verkaufte. Als sich die Band 2016 in eine Bandpause begab, zündete Styles erst richtig durch und begeisterte mit seinem 2017er Debütalbum Harry Styles sowohl Fans als auch Kitiker. Mit einer Mischung aus Britpop und Rock – und vor allem durch die epische Debütsingle Sign Of The Time – vollzog er seine Tansformation vom Boygroupmitglied hin zum britischen Dandy der Popkultur. Nun hat Styles mit Fine Line sein zweites Studioalbum veröffentlicht und klingt deutlich losgelöster, als noch auf seinem Debüt. Dabei geht Styles den Weg des Dandys konsequent weiter und gibt sich keinem Label oder Image hin. Mit Watermelon Sugar zeigt er gleichzeitig, wie  nostalgisch frischer Pop klingen kann. Denn mit einer Mischung aus Gitarren, Soul und Pop ist Watermelon Sugar eine zeitlose Popnummer, die nach einem deutlich älteren Sänger klingt, als Styles‘ es ist. Harry Styles begeistert durch seine Kreativität und einem Wesen, welches es nicht möglich macht, den Sänger in eine Schublade zu stecken.

 

Robbie Williams - The Christmas Present

Robbie Williams – Wünscht frohe Weihnachten

Er hat es wieder einmal geschafft. Großbritanniens Superstar Robbie Williams hat es 18 Jahre nach seinem fulminanten Ausflug in die Swing-Ära mit seinem Album Swing When You’re Winning und dem 2013er Swing-Album Swings Both Ways wieder in klassischere Gefilde getrieben. Denn dieses Jahr überraschte uns der Popstar mit einem Weihnachtsalbum, das einmal mehr zeigt, was Williams für ein grandioser Musiker ist, der immer dann, wenn er seine Vielseitigkeit zeigt, besonders glänzt. Auf The Christmas Present interpretiert Williams große Weihnachtsklassiker in traditionellem Stil und gibt ihnen durchbläuen markante Stimme eine gewisse Erhabenheit, die wunderbar in die besinnliche Zeit passt. Gleichwohl er auch weiterhin mit einer gewissen verschmitzten Art singt und dadurch immer auch unterhaltsam bleibt. Besonders gut kann man dies auf den großen Klassikern Let It Snow! Let It Snow! Let It Snow! und Winter Wonderland hören.

Damit wünsche ich Euch allen frohe Weihnachten und ein paar besinnliche Tage mit Euren engsten Menschen.

Danny Vera - Rollercoaster

Danny Vera – Ein Song völlig aus der Zeit gefallen

Viele Musiker streben es an und schaffen es nie – einen zeitlosen Song zu schreiben. Einen Song, den man zum ersten Mal hört und bei dem man das Gefühl hat, den muss es mindestens seit drei Dekaden geben. So einen Song hat der niederländische Musiker und Songwriter Danny Vera geschrieben. Doch das ist nur die halbe Wahrheit – denn eigentlich ist sein komplettes Album Pressure Makes Diamonds 1 & 2 – The Year of the Snake & Pompadour Hippie, welches er zuerst in zwei teilen veröffentlichte und schließlich zu seinem 11 Studioalbum zusammenführte – zeitlos. Auf Roller Coaster sticht dies nochmal besonders hervor und kommen hier alle Attribute eines zeitlosen Sounds zusammen. Einerseits mit Folk-Elementen, die sich stark am US-Country orientieren und andererseits durch die warme, fast schon großväterlich, weise Stimme des aus Middelburg kommenden Sängers. Dabei hatte sich Vera nie auf einen Hit konzentriert und findet es überwältigend, wie sein Song in den Niederlanden aufgenommen und gefeiert wird. Diese Bescheidenheit lässt den 42-Jährigen nur noch mehr Sympathie entgegenkommen. Auf Roller Coaster wollte Vera die Aufs und Abs in unserem Leben, die eben dieses auch immer wieder beeinflussen und uns dadurch formen, zum Thema machen. Hier stand nicht die Musik im Vordergrund, sondern die Gefühle von Glück und Trauer, um die sich die Musik förmlich zu legen scheint. Überwältigt vom Erfolg seiner Single attestiert Vera schließlich noch, dass dieser Erfolg allein mit der Musik zu tun hat, welche die Leute erreicht hat und, dass das eigentlich sogar das Schönste an der Geschichte des Songs sei. Bescheidener und dadurch sympathischer könnte sich der Sänger nicht präsentieren und das, obwohl es eben nicht nur die Geschichte des Songs, sondern auch der Song selbst ist, der warm, fürsorglich und ehrlich klingt und uns deshalb so begeistert.

Vagabon - Water Me Down

Vagabon – Wenn der Wunsch siegt

Wenn man von der New Yorkerin Laetitia Tamko spricht, kommt man unweigerlich ins Schwärmen. Die 27-Jährige hat in den vergangenen Jahren eine unglaubliche Erfolgsgeschichte hingelegt. In Kamerun geboren, zogen die Eltern 2005 mit der damals 13-jährigen Tamko nach New York. In dieser Zeit wuchs ein riesiger Wunsch in der jungen Musikerin heran, der ihr weiteres Leben beeinflussen sollte. Denn entgegen der Vorstellungen ihrer Eltern, überzeugte sie diese ihr eine Gitarre zu schenken. Als Gegenleistung sollte Tamko etwas studieren, welches es ihr ermöglicht auch in einem richtigen Beruf – wie es ihre Eltern immer anmerkten – Geld zu verdienen. So studierte Tamko an der Grove School of Engineering – einem Teil des City College of New York – Softwareentwicklung und öffnete sich hierbei ganz selbstverständlich weitere Türen zur Produktion von Musikstücken. Die ohnehin schon autodidaktisch veranlagte Musikerin eignete sich so nicht nur an, viele Instrumente zu spielen und elektronische Musiksongs zu programmieren, sondern plante und spielte auch immer öfter eigene Konzerte in New York. Mit all diesem Know-How hat Tamko schließlich 2017 ihr Debütalbum Infinite Worlds unter dem Künstlernamen Vagabon veröffentlicht. Nun ist Vagabon mit einem neuen Album zurück und zeigt mit der Single Water Me Down eindrucksvoll, wie entspannt der Mix aus Elektro, Perfektion und Lässigkeit klingen kann. Denn Water Me Down besitzt einen hypnotischen Elektrobeat, auf dem Vagabon die Worte You know me better than that. You know I hate it like that. It really waters me down singt. Gleichzeit besitzt Water Me Down dieses Stop-Motion-Gefühl, welches einen in eine Art Zeitlupenbetrachtung versetzt und den Song noch intensiver aufnehmen lässt. Mit all ihrem Können klingt Vagabon gleichzeitig so losgelöst und natürlich, dass man den Song gar nicht mehr aus dem Kopf bekommen möchte.

Michael Kiwanuka - You Ain't The Problem (Claptone Remix)

Michael Kiwanuka – Remix vom Glanzstück

Mit seinem dritten Album Kiwanuka hat es der britische Soulstar Michael Kiwanuka endgültig geschafft in den Olymp der Soulsänger aufzusteigen. Mit einem Album, das so zeitlos, wie nostalgisch ist, hat er die Musikkritiker von Magazinen wie den NME, den Rolling Stone oder Zeitungen wie The Times und The Guardians überzeugt und die besten Bewertungen erhalten. Dabei ist der Retrosound das Besondere an dieser Platte und zeigt sich auf der Singleauskopplung You Ain’t The Problem so wunderbar. Dieser Song hat es nun zu einer erneuten Veröffentlichung geschafft und wird als Remix des deutschen DJs und Produzenten Claptone gelistet. Hierbei schafft s Claptone, den Vibe des nostalgischen Gefühls aufrechtzuerhalten und gleichzeitig so sommerlich, wie funkig zu klingen. Mit einer gewaltigen Note Soul – gemischt mit poppigen Housebeats – haben Michael Kiwanuka und Claptone einen kurzweiligen Danceklassiker geschaffen, der auch in ein paar Jahren noch die Tanzflächen bespielen wird.