Matt Corby & Tash Sultana - Talk It Out

Matt Corby & Tash Sultana – Zwei Genies treffen aufeinander

Es ist eine Kollaboration, die so viel Energie bündelt, dass man fast die Brust bersten fühlt, vor so viel Passion. Dass die beiden australischen Künstler Matt Corby und Tash Sultana jedoch einmal auf einem Song vereint sein würden, hat gute zwei Jahre gedauert. Denn genau so lange spielten die befreundeten Musiker bereits mit dem Gedanken einer Zusammenarbeit. Matt Corby hatte bereits mit seinem 2011er Brother einen absoluten Superhit veröffentlicht, der sich nicht nur sagenhafte 420.000 Mal in Australien verkaufte, sondern auch in Europa zu einer satten Indiehymne wurde. Tash Sultana wiederum hatte in den vergangenen vier Jahren einen Aufstieg hingelegt, der nicht vergleichbar ist. Mit nur einem Album und einer einzigartigen Soundstruktur gelang es Sultana Menschen auf der ganzen Welt zu begeistern und von einer ausverkauften Tour zur Anderen zu reisen. Nun haben Corby und Sultana mit dem Song Talk It Out eine Kollaboration veröffentlicht, die beide Künstler so zeigen, wie sie selbst sind. Würde man bei anderen Kollaborationen denken, dass das zu keinem guten Ergebnis führen würde, ist genau diese Eigenständigkeit der beiden Künstler das große Plus des Songs. Mit Sultanas markantem Gitarrenspiel und Corbys falsettartiger Stimme nehmen sich beide Künstler gegenseitig ab und schaffen damit eine wunderbar inspirierende Atmosphäre. Talk It Out ist treibend, entspannt und lässt uns einen Laid-Back-Moment haben, den wir nur durch Corby und Sultana bekommen können.

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Caravan Palace - Plume

Caravan Palace – Gewohnt vielseitig

Caravan Palace haben diesen ganz bestimmten Stil – mit Electroswing, Jazz und Pop, Musik zu erzeugen, die ins Ohr geht und darüber hinaus stets frisch und locker klingt. Mit Miracle konnten wir uns dieses Frühjahr bereits vom ersten Vorboten des kommenden, vierten Albums Chronologic, überzeugen und verliebten uns sofort. Nun sind Caravan Palace, um Frontsängerin Zoé Colotis, mit einer weiteren Singleauskopplung zurück, ehe am 30. August Chronologic in den Läden steht. Plume ist dabei eine Verschmelzung aus Spiritualität – hört man auf den Songtext, wird dies schnell klar – und tanzbaren Klängen. Herausgekommen ist ein hüpfender Beat, der durch Colotis‘ verträumten Gesang zu einer Art Gegenpol anschwillt. Hierbei wird man als Hörer zwischen der Tanzfläche und einem verträumten-auf-dem-Sofa-liegen-Moment hin- und hergerissen, doch entscheidet sich am Ende immer wieder für das, wofür Caravan Palace stehen – einen unglaublich tanzbaren und Freude-weckenden Sound zu kreieren.

SYML - Break Free

SYML – Geht rabiat ins Ohr

Brian Fennell ist seit gut zwei Jahren ein gern gesehener Gast bei SOML. Mit seiner Band Barcelona ebenso, wie als Solokünstler unter dem Pseudonym SYML. Mit Songs wie Where’s My Love und The Bird zeigte er in der Vergangenheit eindrucksvoll, wie vielseitig seine Musik sein kann. Nun ist SYML mit Break Free zurück, bei dem er das Thema der Misogynie verarbeitet. So entwickelte sich ein Gespräch mit einem, SYML nahestehenden Musikers, plötzlich in eine Richtung, in der Frauen als minderwertig und abschätzig thematisiert wurden. Über seine eigene Verwunderung hinweg, entstand eine Wut, die SYML in diesen Song gepackt hat. Von dieser Wut angetrieben, klingt Break Free nach genau solch einen Moment, in dem man sich selber wach rütteln und für seine Werte einstehen muss. Break Free ist dabei – nach The Bird – abermals sehr rockig und geht mit seinem Refrain direkt ins Ohr. Seit dem 3. Mai ist das selbstbetitelte Debütalbum SYML auch in Deutschland erhältlich, weist eine hohe Schlagzahl an Hits auf und kann daher nur bestens empfohlen werden!

Boulevard Des Airs & Vianney - Allez Reste

Boulevard Des Airs & Vianney – Legen eine Pause ein

Was für eine Manpower – die achtköpfige französische Band Boulevard Des Airs hat in den vergangenen Jahren kontinuierlich an ihrem Ruhm gearbeitet. In Südfrankreich 2004 gegründet, hatten sie mit ihrem 2015er Album Bruxelles erstmals die Top 10 erreicht. Mit ihrem Album Je me dis que toi aussi, das im Sommer letzten Jahres erschien, schafften sie das 2015er-Album sogar noch zu toppen und landeten auf Platz 4 der französischen und erstmals auch in den in den Top-10 der belgisch-wallonischen Albumcharts. Ein Song daraus verdreht gerade ganz Frankreich den Kopf und dürfte gute Chancen haben, auch in Deutschland ganz groß rauszukommen. Mit Allez Reste vermischen Boulevard Des Aires Folk, Pop und EDM-Beats zu einem sommerlichen Sound, der so charmant und treibend ist, dass wir uns glatt an einem heissen Sommertag im Cabrio durch die Provence fahren sehen. Dabei holen sich Boulevard Des Airs mit Vianney einen der aktuell angesagtesten Singer/Songwriter des Landes mit ins Boot und bespielen den Song mit einem fröhlich, lockeren Musikvideo. Mit dem Songtitel haben die Franzosen dann auch gleich einmal für ein Paradoxon gesorgt, bedeutet Allez Reste doch übersetzt so viel wie, geh dich ausruhen. Doch davon kann im Moment bei Boulevard Des Airs überhaupt keine Rede sein. Allez Reste lehnt sich an Songs von Ofenbach an und bleibt dennoch originell und neu und hat schon jetzt einen enormen Suchtfaktor.

Arizona - Nostalgic

Arizona – Der Sommer wird romantisch

Es ist einer der ehrlichsten Momente zu sich selbst – wenn man bereits mit einem neuen Partner zusammen ist und diesen Flashback in die vorangegangen Beziehung erlebt. Den Moment, bei dem zarte Momente, ein Satz oder der Geruch des Ex-Partners wieder präsent werden. Diesen so intimen Moment teilen wir in der Regel mit niemanden – noch nicht einmal mit den engsten Freunden und schon gar nicht mit dem neuen Partner. Das US-Amerikanische Trio Arizona hat über genau diesen Moment nun einen Song veröffentlicht. Mit Nostalgic schaffen es Frontsänger Zachary Charles, Gitarrist Nate Esquite und Keyboarder David Labuguen ein Gefühl der Wärme zu erzeugen, in dem sie einen verträumten EDM-Beat mit einem eindringlichen Gesang verbinden. Dabei kommen die Songzeilen Ich liege gerade neben jemand Andere, doch manchmal erinnere ich mich immer nach an Dinge, die Du sagtest, oder wie du dich anfühltest völlig authentisch rüber und legen die Jungs aus New Jersey mit dem Satz Aber das ist kein Problem, vielleicht bin ich etwas zu nostalgisch aber die Erinnerungen fluten manchmal regelecht meinen Kopf – und Baby, ich kann es nicht stoppen nochmal klar nach, was ihre Gefühle angeht. Dabei schaffen sie etwas versöhnliches zu erzeugen und blenden den Schmerz, den eine vergangenen Beziehungen haben kann, gänzlich aus. Nostalgic ist ein wunderbarer Sommersong, der weniger zum tanzen animiert, sondern deutlich mehr Romantik versprüht.

Lupid - Happy End

Lupid – Was treibt Dich an

Was treibt einen an, wenn der Lebensmittelpunkt einen verlassen hat? Wenn die große Liebe für immer auf Wiedersehen gesagt hat? Es treibt uns zumeist in den Zwiespalt, den Lupid auf ihrer neuen Single Happy End beschreiben. Die Textzeile Das ist kein schlechter Film, wo man das Ende kennt, sind Stolz und Vorurteil, ohne Happy End. Das ist kein Hollywood, verdammt, das sind wir umschreibt wunderbar lyrisch, das Gefühl, welches wir alle bereits kennen. Den Moment, an dem die Beziehung endet und man all diese Lovestory-Filme sieht, in denen sich am Ende immer alles zum Guten wendet. Dieses daraus entstehende Gefühl der Stärke in einem Moment, in dem man sich am schwächsten fühlt haben Lupid auf Happy End wunderbar herausgearbeitet. Hier ist eine Geschichte entstanden, die sich im Kopf sofort in Bilder umsetzt und dabei nicht etwa mit den Gefühlen der Band verknüpft, sondern – und das ist das eigentlich spannende – mit unseren eigenen Erinnerungen gefüllt werden. Damit schaffen Lupid, was nur sehr selten bei Songs zu erleben ist, eine direkte Spiegelung von uns selbst. Nach Lieb Mich Jetzt ist Happy End bereits die zweite Single, aus dem für Ende 2019 angekündigten, zweiten – noch namenlosen – Studioalbum und stellt gleichzeitig den zweiten Teil, der ganz persönlichen Geschichte des Frontsängers Tobias Hundt, dar. Musikalisch so wunderbar zwischen Zusammenbruch, Hoffnung und Aufbruch wandelnd, ist Happy End mit einer Dramaturgie versehen, die sich Hundts Stimme zu Nutzen macht und am Ende doch in einem Film endet – in einem, der in unserem Kopf stattfindet.

Julian Wassermann feat. Yates - Guard

Julian Wassermann feat. Yates – Ein Déyà-vu ohne Erlebnis

Eigentlich ist man geneigt, zu dem Song zu tanzen – hat doch der Münchener Produzent und DJ Julian Wassermann mit Guard einen Track veröffentlicht, der nicht nur die gesangliche Unterstützung des Berliners Yates hat, sondern sich auch in eine so unaufgeregte Art und Weise präsentiert, dass man sich fast schon meditativ um die Beats tänzeln sieht. Dabei baut sich Guard wunderbar geschmeidig auf und setzt mit einem Timelaps-Beat und den Lyrics zu einer Art Mahnung an. Wassermann selbst ist in den letzten Jahren zu einem neuen Bestandteil der deutschen Produzentenriege geworden. Dabei bekommt er von allen Seiten Lob für seinen melodischen House und Deep Techno, der energiereich und euphorisch auf das tanzende Publikum übergreift und sie so immer wieder zu ekstatischen Momenten führt. Guard jedoch ist eine Art Brücke – zeichnet sich der Song doch durch einen deutlich größeren Anteil an Popelementen aus und wird dadurch für ein größeres Publikum greifbar ohne, dass er die Grundbausteine der Harmonien und des Genres House antastet. Guard fühlt sich wie eine träge Erinnerung an ein Ereignis an, welches wir nie erlebt haben aber uns wünschten, Teil dessen gewesen zu sein.

Whitney - Forever Turned Around

Whitney – Für die Ruhe in stürmischen Zeiten

Es ist wie nach einem vollgepackten Wochenende. Wir erlebten Tage, voller einzigartiger Momente. Momente, die wir für die nächsten Wochen im Kopf behalten werden – aber vor allem, am ersten Tag danach. Dieser Moment, wenn wir auf dem Weg zur Arbeit sind und melancholisch, an die vergangenen Tage zurücksehnen. Das ist der Moment, zu dem Giving Up so sehr passt. Doch auch zu einem schwülen Sommerabend auf dem Balkon, wenn wir das nahende Gewitter erwarten und die Luft so dick zu werden scheint, dass wir sie schneiden könnten. Mit schummrig leuchtenden Glühbirnen an der Brüstung und einem erfrischenden Getränk, genießen wir diesen Moment. Das ist der Moment, zu dem Giving Up so sehr passt. Doch auch im eigentlichen Sinne – dem Grund, warum die Chicagoer Band Whitney diesen Song geschrieben hat, kann nicht besser passen. Denn die Bandmitglieder Julien Ehrlich und Max Kakacek wollten den Moment erzählen, an dem man mit Magenschmerzen feststellt, dass eine einstmals so liebevolle Beziehung vor den Trümmern steht und ihr kein neues Leben mehr eingehaucht werden kann. Auf Giving Up hören wir ein smoothes Klavierspiel, welches so schön laid-back klingt und hier und da den sanften Einsatz von Trompeten durchblitzen lässt. Giving Up ist so wunderbar vielschichtig, wie anschmiegsam und der perfekte Soundtrack für einen Sommerabend mit einzigartigen Momenten. Das dazugehörige zweite Album Forever Turned Around folgt am 30. August.

SOMA - Slow

SOMA – Funk Soul Sister

Was haben der Irak, Finnland und Schweden gemein? Die Sängerin SOMA! Denn ist sie im Irak geboren, zog ihre Familie mit ihr als kleines Mädchen nach Helsinki. Vor knapp sechs Jahren zog es sie schließlich nach Stockholm, wo sie seitdem an ihrer Musik arbeitet. Mit ihrer im Frühjahr veröffentlichten Single Don’t Believe Them begeisterte sie auf Anhieb durch einen funkigen Elektropop, der 80er Jahre Synthies mit modernen Dancebeats verknüpft und an Künstler, wie Kiesza und ihrem Hit Hideaway erinnert. Auf ihrem heute veröffentlichten Song Slow eröffnet sie uns, in einer Art musikalische Rückblende, den flirrend glitzernden 80er Jahre Moment auf der Tanzfläche einer Schulsporthalle zum Abschlussball zu stehen und die Lichtpunkte der Diskokugel an den Wänden zu verfolgen. Dabei springt Slow zwischen einem soulig, funkigen Sound und der vollen Kraft einer Powerballade hin und her und lässt SOMA so zu einem der heißesten Musikexporte Skandinaviens werde.

Felix Räuber @Frannz Club www.soundtrack-of-my-life.com

Felix Räuber – Konzertkritik (Frannz Club)

Es ist fast genau ein Jahr her, da trat Felix Räuber im Berliner ACUD auf die Bühne und präsentierte Musik, an der er in den Jahren zuvor so intensiv gearbeitet hatte. Seitdem sind 12 Monate vergangen, in denen der Sänger eine Remix-Version seiner Debüt-EP Wall veröffentlichte und mit solch monumentalen Songs wie dem akustischen Birth immer wieder neue Musik veröffentlichte. Mit der angekündigten, zweiten EP ME holt der Wahlberliner nun etwas in sich hervor, das so sehr mit Leben gefüllt ist, dass man sich eines Kopfkinos nicht verwehren kann. Diese Songs hatte Räuber nun am vergangenen Freitag im Berliner Frannz Club vorgestellt und damit eindrucksvoll bewiesen, dass seine Musik wertvoll ist und das Publikum sichtlich angetan war, diesen Moment mit dem Sänger zu teilen.

Aber der Reihe nach. Eröffnet hatte den Abend ebenfalls ein Wahlberliner. Hierbei standen Max Wiegand alias Badger – mit Gitarrist Levin Siert und Sean Prieske an den Synths zu dritt auf der Bühne und überraschten mit einem Sound, der satt, elektronisch und erfrischend war. Mit tiefen Bässen, dunklen Sounds und Songs wie MirrorsThe MiddleOf What Will Come Tomorrow oder You Move schafften die drei Jungs es in Windeseile, das Publikum von sich zu überzeugen. Dabei sprach Wiegand immer wieder ganz direkt zum Publikum und präsentierte damit eine entspannte Gelassenheit – auch wenn man hier und da einen angespannten Gesichtsausdruck nicht verstecken konnte. Badger ist ein großartiges Erlebnis mit einer Musik, die sich irgendwo, zwischen 80er-Jahre Synthies, modernem House und klassischem Gesang ansiedelt und live großartig aufregend ist.

Nach kurzer Umbauphase trat schließlich Felix Räuber auf die Bühne und hatte neben seinen beiden Tourmitgliedern am Schlagzeug und am Keyboard, noch vier Orchesterspielerinnen mit dabei. Hierbei bestand das Mondena Quartett aus der ersten und die zweiten Geige, einer Bratsche und einem Cello, welches für eine überwältigende Opulenz in Räubers Songs sorgte.

Man konnte Räuber ansehen, dass er sich in den letzten Monaten verändert hatte. Gewichen war die Anspannung, dass seine Musik eventuell keinem gefallen würde. Indes gewachsen war der Entertainer in ihm. Denn führte uns Räuber mit vielen Anekdoten durch Songs wie Running Out Of TimeHomeBetween The LinesNothing Can Go Wrong, war es immer wieder auch die körperliche Gewandtheit in ihm, die Räuber erhaben, in Gefühlen vertieft und zufrieden zeigte. Bei dem darauffolgenden Gitarrensolo, welches dem Song Birth gleich kam zeigte sich das unglaubliche Potential, das in Räuber und seiner Vorstellung von vielseitiger Musik liegt.

Schließlich folgten mit Every MotionEchoesWall und Burning Sky vier Songs, die allesamt die Wandlungsfähigkeit des Sängers darstellten. Hierbei war vor allem die Präsentation eines der zentralen Punkte, die ein Felix Räuber Auftritt so unterhaltsam machen. Und dabei steht unterhaltsam für einen Auftritt, wie er so auch in den großen Samstagabend-Shows der öffentlich-rechtlichen Sender hätte passen können.

Zum Abschluss spielte Räuber nochmals einen Song, den er bereits zur Mitte des Konzertes sang. Und so entließ uns der Sänger mit Wall im Geistha-Remix und ließ durch die markanten Keys eine Verbindung zum Bronski Beat Hit Smalltown Boy erwachen.

Felix Räuber ist vieles – einsamer Mensch, Liebender, Gefangener und Jagender – doch eines bleibt immer erkennbar, der Mittelpunkt seines Lebens. Und dass ist Musik – in all ihren Facetten, universell und bedeutet dem Sänger vielleicht gerade deswegen so viel.