Ro Bergman – Soundtrack für die kalte Jahreszeit

Bereits mit Clouds hatte Ro Bergman im vergangenen Sommer die Weichen auf die kalte Jahreszeit gestellt. Nicht etwa, weil seine Musik so kühl klingt. Viel mehr war es der warme, knisternde Singer/Songwriter-Sound, der zu einem Moment der Zärtlichkeit, Wärme und Geborgenheit passte. Und diesen Sound genießen wir am häufigsten in der kalten Jahreszeit, mit dem liebsten Menschen zusammen unter einer warmen Decke gekuschelt, dem kalten Wetter von draußen trotzend. Nun hat der Österreicher am 25. Oktober seine EP New Horizon veröffentlicht, die sowohl die leisen Momente, als auch den fordernden Sound bedient und sich mit der aktuellen Single All We Are nochmal ganz leise präsentiert. Ro Bergman hat mit New Horizon eine EP veröffentlicht, der wir uns nicht entbehren können und die uns mit so vielen unterschiedlichen Gefühlen bedient, dass wir uns für die Dauer des Moments vollends in ihr verlieren können.

Fink - Bloom Innocent

Fink – Unschuldige Liebe

Fink ist ein Reisender in seiner eigenen Musik. Wohin die Reise geht, scheint oft am Anfang des Songs noch gar nicht festzustehen. Es ist der Aufbau und das entstehende Gefühl beim Hören, welches diesen Moment erst entstehen lässt, wenn man sich in ihm befindet. So hat bereits die Leadsingle Looking Too Closely aus dem 2015er Album Hard Believer gezeigt, wo es Fin Greenall hinführt, wenn die Musik die Gefühle bewegt und die Gefühle die Musik unterstützen. Auf seinem neuen Album Bloom Innocent haben sich Fink diesem Aufbau der Songs regelrecht hingegeben. So erzählt die gleichnamige Leadsingle Bloom Innocent von der Zeit in der Fin mit seiner Partnerin zusammenkam und der Alltag noch keine Rolle gespielt hatte. Von Momenten, die den Tag immer wieder aufs Neue haben anders ausgehen lassen. Diese Leidenschaft zeigt sich in dem – im Original knapp sieben Minuten langen – Stück, das von ruhiger Betrachtung zu entbrannter Liebe aufsteigt und aus einer Ballade eine treibende Hymne an die frische Liebe werden lässt, die gänzlich ruhig und eindrucksvoll wirkt.

 

SYML – Ein gesamtes Leben in 3:38 Minuten

Brian Fennell ist kein Mensch, der sich auf etwas ausruht. Mit seinem Soloprojekt SYML bedeutet das aber auch, dass sich Fennell immer wieder neu erfindet und die unterschiedlichste Facetten einbringt. Auf seinen Singles Where’s My LoveClean EyesThe Bird und Break Free könnten diese Unterschiede nicht besser herausgearbeitet sein, steht doch jeder Song für sich selbst und lässt den US-Amerikanischen Musiker in seiner unbändigen Kreativität alle Möglichkeiten offen. Am 3. Mai dieses Jahres folgte schließlich mit SYML das Debütalbum, nur, um bereits einige Monate später mit einer kommplett neuen Single zurückzukommen. Symmetry weisst dabei eine musikaliche Dramaturgie auf, die dem eines Lebenszyklus‘ gleichkommt. Sind Anfangs nur Fennells Gesang und eine treibende Gitarre zu hören, kommt etwas später eine Geige dazu und gibt dem ganzen einen dramatischen Anstrich, der sich schließlich in einem orchestralem Soundgewitter entlädt, bei dem die großen Ereignisse des Lebens im Mittelpunkt stehen. Schließlich folgt mit dem ruhigen Ausgang ein letzter Atem, der die Lunge des Lebens verlässt und den Körper wider der Natur zurückgibt. Symmetry ist dabei wirklich groß gedacht aber reduziert produziert. Brian Fennell beherrscht es, die großen Sounds genauso zu produzieren, sowie die intimen Momente in seinen Balladen ganz groß heraus zu arbeiten.

Jonah - Husk My Love

Jonah – Schälen sich aus ihrem Kokon

Sie sind zurück, das Berliner Duo Jonah hat – nach dem 2017er Debütalbum Wicked Fever und den großartigen Songs All We Are und Love Lost – endlich eine neue Single veröffentlicht und enttäuscht uns nicht mit einem gewohnt verträumten Sound. Dabei schälen sich Angelo Mammone und Christian Steenken aus ihrem Kokon der Stille und zeigen mit Husk My Love, wie sehr sie den wunderbaren Sound in Emotionen und Gedanken umwandeln können. Mit einem verträumten Gitarrenspiel und Mammones sanfter Stimme, klingt Husk My Love wie eine ferne Erinnerung, die uns in den Kopf kommt und an Momente von Liebe, großen Gefühlen und Sehnsucht erinnert. Dies wird unterstrichen, von einem unglaublich intensiven Musikvideo, das von Nähe und intensiven Momenten erzählt. Husk My Love ist der frische Wind des Herbstes, der gleichzeitig das Herbstlaub mit seinen warmen Farben über den Boden weht und uns für einen kurzen Moment wohlige Wärme fühlen lässt.

Amason - Marry Me Just For Fun

Amason – Eine Supergroup ganz verträumt

Sie besteht aus der Crème de la Crème der schwedischen Musiklandschaft – die Supergroup Amason. Steckt hinter der Band doch die Sängerin Amanda Bergman – die seit Jahren unter verschiedenen Pseudonymen Musik macht und mit The Tallest Man On Earth-Kristian Matsson verheiratet war, der Keyboarder Gustav Ejstes – der mit seiner Band Dungen in den vergangenen 20 Jahren bereits neun Alben veröffentlicht hat, der Produzent Pontus Winnberg – der als Teil des Produzenten-Duos Bloodshy & Avant Songs unter anderem für David Guetta, Maroon5 und Britney Spears produziert hat und gleichzeitig Teil der Band Miike Snow ist, der Produzent Petter Winnberg – der vor allem als Produzent für Film- und Serienmusik für Netflix, HBO, H&M und Vogue in Erscheinung tritt und der Schlagzeuger Nils Törnqvist, der ebenfalls mit der Band Little Majonettes erfolgreich ist. Hat sich die Band 2012 gegründet, veröffentlichte sie 2015 mit Sky City ihr Debütalbum. Nun ist mit Galaxy I ihr langersehntes Nachfolgealbum rausgekommen und besitzt mit der aktuellen Single Marry Me Just For Fun eine wunderbar, nostalgische Popballade, die mit 80er Jahre Synthies und melancholischer Grundstimmung eine Art Ode auf den Moment darstellen soll. Amason haben damit gleichzeitig den ersten Teil ihres Doppelalbums Galaxy I veröffentlicht, welches aus fünf Songs besteht und Anfang 2020 mit dem zweiten Teil komplettiert wird. Mit der wunderbar hohen und brüchigen Stimme Bergmans, dem poplastigen Sound und dem grandiosen Songwriting kommt einem bei Amason momentan die Frage auf, warum die Band eigentlich nicht ähnlich schnell durch die Decke geht, wie es sonst bei den einzelnen Bands und Projekten der Musiker passiert ist. Mit Marry Me Just For Fun haben sie auf alle Fälle einen veritablen Hit im Angebot, der mit Sicherheit die Fanbase der Band vergrößern wird.

Iggy Pop - James Bond

Iggy Pop – Eine Legende findet sich neu

Iggy Pop ist jemand ganz besonderes. Hat er mit seinen 17 bisherigen Alben nie den ganz großen kommerziellen Erfolg feiern können, gilt der in Michigan, USA, geborene Sänger als Ikone des Punks und hat unzählige Bands und Musiker beeinflusst. Zwischenzeitlich lebte Pop zusammen mit David Bowie in einer WG in Berlin Schöneberg und schrieb mit ihm an zwei seiner erfolgreichsten Alben. Heute kennt Iggy Pop fast jeder – ist er doch der Rockstar, der immer Oberkörper frei auf der Bühne steht und mit seinen langen, blonden Haaren die Menge begeistert. Doch seine Songs sind vielen auch heute noch ehe unbekannt. Nun hat Pop mit Free sein – unglaubliches – 18. Studioalbum veröffentlicht und zeigt sich hier von einer gänzlich anderen Seite. Reflektiert, ruhig aber auch außer Atem präsentiert Pop seine Musik als völlig neue Interpretation seiner Person. Pop selbst sagt darüber, dass auf dem Album andere Künstler von ihm reden, Pop ihnen aber seine Stimme geliehen hat. So zeigt sich auf der aktuellen Single James Bond, dass Pop diese Schnittstellen hervorragend herausstellt. Denn hier klingt Pops Stimme, der, des 2003 verstorbenen Country-Sängers Johnny Cash fast zum verwechseln ähnlich. Diese Stimme ist nicht neu, nur nutzt sie Pop sehr selten und zeigt auf James Bond einen jazzigen Sound mit Trompeten und funkigen Elementen. Free ist Iggy Pops „Durchatmen“ vom bisherigen Sound und erfindet den Ausnahmemusiker, der seit 60 Jahren im Musikgeschäft ist, fast gänzlich neu. James Bond zeigt dabei die Erhabenheit des Sängers, sich diesem Moment anzuvertrauen.

Whitney - Used To Be Lonely

Whitney – Die leisen Helden

Bereits mit ihrer Single Giving Up hatte das Chicagoer Duo Whitney ausnahmslos überschwängliche Kritiken eingesammelt. Nun ist mit Used To Be Lonely eine weitere Single ihres kommenden, zweiten Studioalbums Forever Turned Around erschienen, das an diesem Freitag veröffentlicht wird. Darauf setzen die Jungs einmal mehr auf die Wucht der leisen Töne. Mit schmachtendem Gesang, einem zurückhaltenden Klavierspiel und fast nicht zu bemerkenden Trompeten lassen sich Julien Ehrlich und Max Kakacek einmal mehr fallen und besingen den Moment an dem sich eine Beziehung zwischen zwei Menschen aufbaut. Mit einem ersten Date und dem Knistern nach jedem Augenkontakt setzt sich Used To be Lonely zu einem ganz besonderen Liebeslied zusammen, das herzzerreissend schön und unglaublich liebevoll klingt.

Bobby Love feat. Olive B - Why

Bobby Love – Es schmilzt

…denn der kanadische Produzent Bobby Brown hat mit seiner neuesten Veröffentlichung Why einen so starken Deep-House Song veröffentlicht, dass die heißen Tage nochmal so richtig zuschlagen können. Dabei arbeitete der aus Toronto kommende Produzent abermals mit der Singer/Songwriterin Olive B zuammen, mit der er im Frühjahr dieses Jahres bereits New Love veröffentlichte. Brown ist bei seiner Arbeit wichtig, dass der Sound organisch wächst und das, obwohl das bei elektronischer Musik nicht unbedingt leicht ist. Doch auf Why zeigt er uns eindrucksvoll, wie so eine Mischung klingen kann und lässt uns damit regelrecht wegschmelzen. Stand Why bereits auf Platz 1 der Blogerhitliste von Hype Machine, tritt Brown mittlerweile bei Acts wie Klingande, Wankelmut oder Bakermat als Support auf. Um auf den Headliner-Platz zu kommen, fehlt oft nur ein zündender Klick von einem bekannten Blogger, um den großen Durchbruch zu feiern. Bobby Love hat musikalisch zumindest alles für diesen Moment parat.

Hot Chip - Melody Of Love

Hot Chip – Von der Melodie weggeblasen

Hot Chip sind schwierig – und irgendwie auch wieder nicht. Haben sie seit dem ersten Album Coming On Strong (2004) eine Kontinuität ihres Sounds an den Tag gelegt, wurde man hier und da müde sich der Band anzunehmen. Und am Ende schafften die Jungs um Alexis Taylor und Joe Goddard es doch immer wieder durch einzelne Songs die Bindung aufzubauen. So auch wieder auf ihrem aktuellen, siebten Album A Bath Full of Ecstasy. Denn klingt der Synthie-Pop Sound der britischen Band gewohnt melodisch, fehlte der richtige Moment. Mit ihrer aktuellen Single Melody Of Love bewegen sie sich nun allerdings in eine Traumwelt, die aus einer schwelgerischen Melodie besteht, die sich im Verlauf des Songs zu einem Schwarm voller Euphorie und Willenskraft entwickelt. Wäre Melody Of Love eine Filmuntermalung, würde der Protagonist erst völlig entrüstet und traurig durch einen Park laufen, nur, um von Sekunde zu Sekunde schneller zu werden und schließlich im nächtliche beleuchteten Stadtpark von seinem eigenen Erlebten davonzulaufen – um schließlich im Glück anzukommen. Hot Chip haben es wieder einmal geschafft, ihren Sound leben zu lassen und sich den Weg zum Hörer zu bahnen. Gleichzeitig bleiben sie ihrem Sound so treu, dass man denkt, einen alten Freund wiederzusehen. Melody Of Love hätte daher kein besserer Titel sein können.

Haim - Summer Girl

Haim – Chill so hart Du kannst

Die Haim-Schwestern sind für ihren poppigen Indiesound bekannt. Mit ihren beiden bisher veröffentlichten Alben Days Are Gone (2013) und Something To Tell You (2017) hatten sie einen Einfluss auf die aktuelle Poplandschaft geltend gemacht, der in dem Begriff der Haim-Schwestern als eigenständiges Subgenre mündete. Nun haben die Schwestern, zwei Jahre nach ihrem letzten Album, mit Summer Girl eine erste, neue Single veröffentlicht, die wohl das Warten auf ihr drittes Album verkürzen soll. Dabei kommt Summer Girl so unglaublich lässig und relaxt rüber und hat doch einen ganz ernsten Hintergrund, denn im Schreibprozess des Songs erfuhr Danielle Haim, dass ihr Freund an Krebs erkrankt sei. Dass der Song dennoch so fröhlich klingt, ist dem Willen Danielles zu verdanken, die für Ihren Freund stets eine positive Insel sein und ihm in der Zeit mit Freude und Geborgenheit zur Seite stehen wollte. Mit einer enorm starken Referenz an Lou Reeds Walk On The Wild Side lässt sich Summer Girl wunderbar in chillige Momente integrieren und funktioniert durch die Stimme der Schwestern einfach perfekt. Dass Summer Girl eine verträumte Sommerballade ist, zeigen uns Haim in keinem Moment. Doch ist Summer Girl, obwohl er sich so entspannt präsentiert, eine wahre Streicheleinheit für die Seele und zeigt, dass die Haim-Schwestern wieder da sind.