Ex:Re – Wenn Daughters Stimme zum Soloprojekt wird

Hört man die ersten Sekunden des Songs Romance, fühlt man sich unweigerlich an das britische Indie-Trio Daughter erinnert – ist die Stimme der Sängerin, hinter dem kryptischen Namen Ex:Re doch genauso zart und ruhig. Und natürlich kommt dieser Vergleich nicht von ungefähr, denn wer ein Fan Daughters und von Frontsängerin Elena Tonra ist, wird wissen, dass Ex:Re ihr neues Soloprojekt ist. Hier zeigt sich Tonra nochmals deutlich introvertierter, als bei Daughter. Dabei ist die Single zum selbst betitelten Debütalbum Ex:Re eine Offenbarung an den Moment eines Beziehungsendes. Die daraus entstandene Leere ist noch nicht gefüllt oder gekittet und lässt die Gefühle in einer Art Lethargie zurück. Mit den Worten Romance is dead and done. And it hits between the eyes on this side. The grass is dead and barren. And it hurts between my thighs on this side durch den Refrain führend, erzählt Tonra auf fast sieben Minuten Musik, ihre Geschichte von einer Trennung, die immer noch zu spüren ist. Dabei klingt sie so zerbrechlich, traurig aber auch wunderschön und lässt uns an diesem Gefühl teilhaben und ebenfalls Leere, Wärme und Schmerz empfinden. Gab es bisher nur einen Liveauftritt als Ex:Re in London, dürfen wir auf weitere Termine im neuen Jahr hoffen. Bis dahin wird das Album wohl so einige Male auf Repeat gespielt.

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Elton John – Das ultimative Weihnachtsgefühl

Im Herbst 1970 veröffentlicht, hat Your Song von Elton John nunmehr fast 50 Jahre hinter sich. Dabei stellt er eine Art Evergreen dar, der durch die Popgeschichte wandert und immer wieder einer Neuinterpretation anderer Künstler dient. Als größte Erfolge sind hierbei die Versionen von Rod Stewart (1992), Ellie Goulding (2010) und Lady Gaga (2018) zu nennen, die sich allesamt in den Charts verschiedener Länder platzieren konnten. Dabei übertraf vor allem die Version Ellie Gouldings den Erfolg des Originals um das Doppelte im Heimatland Johns. Dies hatte allerdings nicht allein etwas mit Gouldings fantastischer Interpretation zu tun, sondern lag vor allem daran, dass die britische Warenhauskette John Lewis für seinen jährlichen Weihnachtsclip Gouldings Version auswählte. In dieser Tradition werden immer wieder äußerst bekannte Originale von Künstlern gecovert und als Balladen in der dazugehörigen Weihnachtswerbung des Kaufhauses verwendet. Dieses Jahr bricht die Warenhauskette allerdings mit dieser Regel und lässt – den zum britischen Kulturgut gehörenden – John selbst seinen 48 Jahre alten Song in der Werbung erklingen. Dabei mimt John ebenfalls sich selbst und sehen wir seinen Werdegang und die herausragenden Momente des Songs rückwärts abspielen, bis zu dem Punkt, an dem der vier- oder fünfjährige John Anfang der 50er Jahre zu Weihnachten ein Klavier geschenkt bekommt. Diese Minuten der Retrospektive und der Abfolge von emotionalen Erinnerungen münden in einem so warmen Gesichtsausdruck Johns, der einem in nur zwei Sekunden die Geschichte eines Lebens erzählt. Mit diesem Weihnachtsclip hat die Warenhauskette einmal mehr geschafft, was viele immer wieder zur Weihnachtszeit suchen. Herzlichkeit, Wärme und Zufriedenheit auszustrahlen und das mit einem Song, der diese Gefühle seit fast 50 Jahren ebenso transportiert.

Clueso – Konzertkritik (Huxley’s Neue Welt 2018)

Er kam, sah, siegte! Nicht anders ist zu beschreiben, was der Thüringer Musiker Clueso am vergangenen Dienstag in Huxley’s Neue Welt ablieferte. Clueso hat Erfahrung, ist in die Popwelt hinein gewachsen und hat alle Phasen eines Musikers durchlaufen. Vom Newcomer-Dasein, über die ersten Hypes, bis zu Zweifeln und einer Neuausrichtung – die ihm abermals einen Erfolgsschub bescherte – verpackt der 38-jährige Sänger all seine Erfahrungen und Emotionen immer wieder in Songs und erreicht damit ein Publikum zwischen Jung und Alt. Mit seinem aktuellen Album Handgepäck I schaffte es Clueso zum dritten Mal hintereinander die Pole-Position der deutschen Albumcharts zu erreichen und überraschte gleichzeitig mit einem Sound, der von akustischer Musik und Zurückhaltung geprägt ist. Sind doch alle Songs auf Handgepäck I im Laufe der vergangenen sieben Jahre entstanden, als der Sänger auf Reisen war. Davon beeinflusst, klingt Handgepäck I nach Weite, vorbeiziehenden Landschaften und einer entspannten Grundhaltung, die selbst Cluesos entspannte Art nochmal steigern lässt.

An diesem kalten Novemberabend rief er nun schließlich seine Fans auf, in die Konzerthalle am Neuköllner Hermannplatz zu kommen. War die Halle zum bersten voll und ausverkauft, folgten diesem Aufruf anscheinend viele seiner Fans. Pünktlich wie ein Maurer betrat der Sänger um 20:30 Uhr – ohne Vorband – die Bühne und begann mit den ersten Songs Morgen Ist Der Winter VorbeiEs Ist Schon Spät und Neue Luft. Dabei knisterte es still in der Halle und klangen die Gitarrensaiten voluminös und warm. Hiernach begrüßte er das Berliner Publikum und ließ sympathisch von der Stange, dass er ja doch immer etwas aufgeregt sei, das Publikum hier ihn aber so herzlich empfangen habe, dass dieses Gefühl schon fast verflogen sei.

Songs seiner Idole

Mit Vier Jahreszeiten An Einem Tag kündigte Clueso im weiteren Verlauf sein erstes Cover an diesem Abend an. Hat es der – im Original von der Australischen Band Crowded House geschriebene – Song tatsächlich in übersetzter Version auf das Album und sogar zur Singleauskopplung geschafft, kommentierte der Sänger, dass Englisch nicht so sein Ding sei und er diesen Song aber so sehr mochte, dass er ihn übersetzte und neu interpretiert habe. Dabei blieb der Sänger sehr nahe am Original und erhielt die traurig, emotionale Stimmung des der englischen Version. Mit Du Und Ich folgte anschließend eine poppigere Nummer, die ebenfalls als Singleauskopplung im vergangenen Sommer durch die Radios hallte und die gedämpfte Stimmung im Publikum wieder mit Energie füllte.

Mit den folgenden Songs läutete Clueso schließlich eine Strecke von älteren Songs ein, die auf die akustische Tour angepasst wurden. Da fielen mit Keinen Zentimeter und der Udo Lindenberg Kollaborationssingle Cello spätestens hier alle Hemmungen mitzusingen und hörte man bei den einschlägigen Textzeilen das Publikum um sich herum mal ruhig, mal frenetisch mitsingen. Mit den Worten, dass das Berliner Publikum immer etwas anders sei, quittierte er die Aussage mit dem Zusatz, dass es den Sänger mit einer ruhigen und offenen Haltung aufgenommen habe und er sich pudelwohl fühlte. Nach Cello kam der Sänger allerdings nicht drumherum, vom Hamburger Panikrocker Udo Lindenberg zu reden und teilte Anekdoten wie, dass Lindenberg rauchend in der Lobby eines Hotels darauf hingewiesen wurde, dass das Rauchen hier nicht gestattet sei und es noch nicht einmal einen Aschenbecher gäbe, mit den Worten Ja… früher stand hier mal einer. Diese Erinnerungen zauberten Clueso, während er sie erzählte, eine kindliche Begeisterung ins Gesicht und man mochte fast eine Art Heimeligkeit durch das Geschichten erzählen zu vernehmen.

Mit Chicago folgte schließlich einer seiner stärksten Songs und erzeugte dabei mit der Tragik, die der Text ausdrückt eine Gänsehautstimmung unter dem Publikum, die eine Mischung aus Empathie und Willenskraft ausstrahlte. Im Anschlus folgte mit Es Brennt Wie Feuer eine deutsche Interpretation des Bruce Springsteen Songs I’m On Fire. Dabei outete sich Clueso als großer Springsteen Fan und sorgte zur Mitte des Songs für einen – fast schon ekstatischen – Moment als er in den Refrain des Kings Of Leon Hits Sex On Fire überging und auf der Bühne kurzzeitig durch flirrende Gitarren das Gefühl, ein Rockkonzert zu besuchen, aufflammte.

Clueso mit Baguette aber ohne Annett Louisan

Fanpost war schließlich der älteste Song seiner Diskografie an diesem Abend – wurde dieser doch auf dem 2005er Album Gute Musik veröffentlicht. Mit Freidrehen und Gewinner drehte Clueso schließlich noch einmal voll auf und animierte das Publikum mitzusingen, bevor mit Paris eine kleine Chansonnummer folgte. Hierbei erinnerte Paris an Songs aus Annett Louisans Repertoire und würde sicherlich auch eine wunderbare Kollaboration mit ihr ergeben. Mit einer kurzen Verabschiedung kam die Band und Clueso nach knapp einer Minute wieder auf die Bühne um mit dem Mash-Up Achterbahn und Zusammen – eine Zusammenarbeit mit den Fantastischen Vier – nochmal richtig durchzustarten. Im Anschluss mit einer Jam-Session über Berlin, Zugehörigkeit, Toleranz und Umwelt rappend, zeigte Clueso, dass er immer noch die Skills des Freestyles beherrscht und beendete schließlich das Konzert mit dem melancholisch, schönen Barfuß.

Nach 18 Songs, 2 Stunden und 10 Minuten voller Power, einem unglaublichen Unterhaltungswert und Musik aus den Genres Hip-Hop, Rock, Pop und Chanson, verabschiedete sich Clueso schließlich endgültig von der Bühne und bedankte sich für die Herzlichkeit und das mal totenstille Lauschen, mal begeisterte Abgehen.
Hatte Clueso in den letzten vier Jahren insgesamt sechs Konzerte in der Hauptstadt gegeben, überraschte und begeisterte die Stimmung der Fans, die keine Ermüdungserscheinungen – den Musiker zu sehen – zeigten. Ebenso legte Clueso eine Energie an den Tag, die in Anbetracht der Anzahl an Berliner Konzerten zusätzlich begeisterte. Clueso ist ein Profi durch und durch. Er weiss, worauf es ankommt und wie er ein Publikum mitziehen kann. Dies schafft er allerdings so sympathisch und unterschwellig, dass man das Gefühl bekommt, einen Freund auf der Bühne zu haben.

Alex The Astronaut – Konzertkritik

Ein Konzert, wie eine Show á la Alleinunterhalter. Am letzten Freitag war die australische Newcomerin Alex The Astronaut im Berliner Lido zu sehen. Damit unterstützte sie den gebürtigen Kanadier, doch mittlerweile zum Wahlberliner gewordenen Sänger, Sam Vance-Law. Dass Alexandra Lynn – wie Alex The Astronaut bürgerlich heißt – schon so einige Shows absolviert hat, konnte man in jeder Sekunde ihrer Bühnenperformance erkennen. Noch dazu, mit einer bemerkenswerten Gelassenheit und ur-sympathischen Art. Denn während Alex ihre Lieder sang, trumpfte sie immer wieder auch mit kleinen Anekdoten und Erinnerungen auf, die dem Publikum den jeweiligen Song näher brachte. Mit insgesamt neun Songs begeisterte sie dann auch alle und kam ihr Support so eines eigenständigen Konzertes gleich.

Mit dabei waren neben ihren Singles Waste Of Time und Not Worth Hiding auch Songs, wie What Sydney Looks Like in JuneCaught und Already Home. Bei Rockstar City ließ sie uns dann von der Erfahrung teilhaben, wie es war, jahrelang nur im kleinen Kreise zu spielen und plötzlich diesen Gig im ältesten Rock Club New Yorks – dem The Bitter End – zu haben. So war sie unglaublich beeindruckt auf der Bühne zu stehen, auf der auch schon Bob Dylan, Chuck Berry, Janis Joplin, Nina Simone oder Patti Smith spielten. Ihr persönlicher Funfact dabei war, dass nur rund 15 Leute anwesend waren und dies auch noch über kostenlose Tickets geschah, da ein Großteil hiervon zu Alex‘ Freunden zählten. Ist die Australierin doch eher bescheiden, wird der Club wahrscheinlich deutlich voller gewesen sein, als sie es zu präsentieren vermochte.

Mit Happy Song trumpfte Alex schließlich auf und sorgte für einen Unterhaltungsfaktor, der einer abendlichen Entertainmentshow gleich kam. Hatte sie doch das Publikum in zwei Lager geteilt und der linken und rechten Hälfte jeweils die markanten Refrain-Verse zugeordnet, um diese schließlich über viereinhalb Minuten vollends auszuspielen. Hierbei machte das Publikum so wunderbar mit, dass man sich kurzzeitig als Gemeinschaft an eine Klassenaufführung erinnert fühlte.

Alex The Astronaut @Lido Berlin http://www.soundtrack-of-my-life.com

An diesem Abend konnte man eindrucksvoll sehen, was für eine Bühnenpräsenz Alex hat und die so wunderbar frisch und neugierig ist, dass man ihrem Konzert nur verfallen konnte. Jetzt dürfen wir uns aber sicher sein, dass – wenn sie das nächste Mal in Berlin spielt – ein Debütalbum im Gepäck sein wird.

 

 

Mumford & Sons – Folk für die ganz große Bühne

Mit ihrem dritten Album Wilder Mind hatte das Londoner Folk-Quartett eine neue Ära eingeläutet. Mit einem Sound, der deutlich elektronischer war, eckte die Band 2015 zuerst bei den Fans der ersten Stunde an. Wurden sie doch wegen ihres herzlichen Folk-Rocks geliebt und hatten somit auf Wilder Mind eine ganze Menge ihrer Identität verändert. Doch, dass dies ihre bandinternen Laufbahn voran brachte, indem sich die Band aus ihrer Komfortzone entfernt hatte, zeigte der Zuspruch, der auf die Veröffentlichung des Albums folgte und der sich in einer ausverkauften Tour widerspiegelte. Nur ein Jahr später folgte mit der Johannesburg EP ein weiterer Schritt zur Öffnung des Sounds. Hier spielten sie zusammen mit Baaba Maal und Beatenberg Songs ein, die das afrikanische Gefühl präsentierten. Nun sind sie mit der neuen Single Guiding Light zurück und kündigen mit dieser Single auch ihr viertes Studioalbum Delta für Mitte November an. Dabei kehren Mumford & Sons etwas mehr zu ihren Wurzeln zurück und klingen wieder nach mehr Folk. Die elektronische Begleitung dabei nicht außen vor gelassen, benutzen sie diese – nur stark reduziert – im Hintergrund. Typisch für die vier Jungs hat auch Guiding Light die euphorische Wirkung eines Mumford & Sons Songs, jedoch wird dies hier ungewohnt hinausgezögert und setzt erst nach etwas mehr als zwei Minuten ein. Guiding Light bietet die perfekte Brücke zwischen all den Klangausflügen des letzten Albums, sowie der letzten EP und verbindet nicht nur ihre Musik, sondern auch wieder tausende von Menschen.

Synapson feat. Lass – Mit afrikanischen Beats durch den Sommer

Der Hang zu afrikanischen Beats, ist bei dem französischen Duo Synapson äußerst ausgeprägt. Waren es Ende 2015 vor allem Djon maya maï und All In You die aus allen Radios des Landes schallten, wird nun mit der neuesten Single Souba in die gleiche Richtung gespielt. Hier haben Alexandre Chiere und Paul Cucuron einen interessanten Song aus Banjos, Panflöten und EDM-Bässen kreiert. Dabei rappt sich der senegalesische Sänger Lass durch die knapp 3 Minuten und lässt so einen fast schon orientalischen Hauch verspüren. Souba ist diese Art Song, die man faszinierend findet und dabei am Radio kleben bleibt. Gleichzeitig ist der Song ein absoluter Ohrwurm und bringt den ganzen Körper zum wippen.

Highasakite – Für den ganz großen Moment

Sie bestehen erst seit fünf Jahren, haben aber schon ihr drittes Album in der Pipeline. Die Norweger von Highasakite lassen nichts anbrennen und entzünden dabei selbst das Feuer. Ihr Durchbruch kam mit ihrem 2014 veröffentlichten, zweiten Album Silent Treatment, mit dem sie den ersten Platz der Norwegischen Albumcharts erreichten. Im selben Jahr wurde ihr Song Since Last Wednesday zum Titelsong des Berlin Festivals gekürt und schaffte somit auch den Sprung über die Landesgrenze und in den Mainstream. Es folgten Anfragen aus ganz Europa und Australien. Mit ihrem Ende Mai erscheinenden dritten Album Camp Echo legen sie sogar noch eins drauf und hauen regelrecht mit großen epischen Indiehymnen um sich. Ein Vorgeschmack liefert die Single Golden Ticket, die mit einem modernen Bassgerüst startet und sich im Laufe der knapp vier Minuten zu einer großen, exzessiven Hymne entwickelt. Golden Ticket ist ein Song für die ganz großen Momente und die ganz großen Gefühle.