Poolside with DRAMA - I Feel High

Poolside with DRAMA – Im Club der unbegrenzten Möglichkeiten

Vor einem Jahr ist das aus Chicago kommende Duo DRAMA durch ihre Zusammenarbeit mit Gorgon City auf deren Track Nobody erstmals einer größeren Hörerschaft bekannt geworden. Damals wie heute zeichnen sich die beiden US-Amerikaner durch Produktionen von Songs aus, die sich zwischen R&B, Soul und Elektro bewegen und zumeist einen melancholischen Touch haben. Dabei haben DRAMA neben Gorgon City bereits mit Moglii und Pional zusammengearbeitet. Nun haben sich Via Rosa und Na’el Shehade von DRAMA abermals in eine Kollaboration begeben und mit Jeffrey Paradise und seinem Projekt Poolside den Song I Feel High veröffentlicht. Poolside ist dabei kein Unbekannter und hat bereits 2019 mit Panama zusammen den Song Can’t Stop Your Lovin‘ released. Eingeordnet wird Poolside als Daytime Disco, die sich entspannt präsentiert. Auf I Feel High haben Poolside und DRAMA nun eine Atmosphäre geschaffen, bei der man das Gefühl bekommt, so muss es sich anfühlen, die komplette Nacht in einem Club durchzufeiern und dabei, durch unterschiedlichste Hilfsmittel, unvergessliche Impressionen zu erleben.

Poolside & DRAMA
Poolside & DRAMA

So sieht man sich im Refrain fast schon in Trance durch die dunklen Gänge eines Clubs ziehen und immer wieder nach links und rechts in den Durchgängen zum nächsten Raum vorbeischauend die ganze Welt der Freizügigkeit erleben. Da tanzen in einem Raum unter einer riesigen Discokugel die Menschen so ausgelassen und freudig, wie auf einer Abschlussparty, nur um im nächsten Raum den ekstatischen Tanz der nackten Körper zu beobachten. I Feel High ist eine treibende Dancenummer, die uns zum Bewegen animiert und uns mit dem Gesang Via Rosas förmlich hypnotisiert. Und so sind wir auch im dritten Raum des Clubs angekommen, in dem eine Gruppe von Menschen um einen Perkussionspieler tanzt, der von der Menge – wie ein Schlangenbeschwörer – bestaunt wird. Poolside und DRAMA haben einen extrem vielschichtigen Song veröffentlicht, der sich im Verlaufe der etwas weniger als drei Minuten zu einem wahren Kopfkino entwickelt und unseren Körper nicht stillstehen lässt.

Netta - The Best Of Netta's Office Vol. 01 (EP)

Netta – Energie lässt sich nicht stoppen

Was macht so ein Jahr der Zurückhaltung mit einem?! Netta fiel diese Frage noch schwerer, als manch anderer Künstlerin. Kurzerhand machte sich die israelische Sängerin daran, ihren ganz eigenen Podcast zu starten und coverte darauf über das Jahr immer wieder bekannte Songs. Da ist zum einen Coco Jamboo des Bremer Trios Mr. President, der es im Original weltweit nach ganz oben in den Charts brachte und sogar in den USA bis auf Platz 21 stieg. Aber auch an Aquas Barbie Girl wagte sich die Sängerin, die mit Toy 2018 ihren Durchbruch feierte. Wie futuristisch Nettas Sound ist, zeigt sich bei dem Eiffel 65-Cover von Blue (Da Ba Dee) – das im Original bereits futuristisch klingt. Hier arbeitet sich die Musikerin mit blechernen Synthies und stampfenden Beats durch den Song und gibt dem Ganzen eine dramatische Stimmung, die melancholisch und balladesk klingt. Mit Supercalifragilisticexpialidocious hat die Isrealin nun auch einen Song aus unserer Kindheit neu interpretiert, der 1964 in den Mary Poppins-Filmen auftauchte und von Julie Andrews gesungen, auch heute noch ein großartiger Kinderklassiker ist. Doch ist es der, ebenfalls 1964 veröffentlichte, Song The Times They Are A-Changin‘, der besondere Aufmerksamkeit verdient. Denn entgegen der öffentlichen Wahrnehmung, kann Netta nicht nur eine der lautesten, schrillsten und verrücktesten Künstlerinnen sein, sondern auch gleichzeitig ruhige, introvertiert und melancholisch klingende Balladen perfekt singen.

Netta
Netta

Bereits Anfang des Jahres begeisterte Netta mit Cuckoo – einem Song, der von Zweifeln in einer Beziehung handelt. Mit The Times They Are A-Changin‘ hatte Bob Dylan 1964 einen Song geschrieben, der als Hymne für die Veränderung des Moments dienen sollte. Diese Veränderung erleben wir seit nunmehr knapp elf Monaten immer und immer wieder und passen uns den neuen Gegebenheiten an. Genau diese Veränderung ist es auch, die Netta dazu gebracht hat, Dylans Song für ihre Cover-EP neu einzusingen. Mit choralen Vocoderraunen und dem beruhigenden Gesang Nettas, lässt uns The Times They Are A-Changin‘ innehalten und darüber nachdenken, was uns das Jetzt bringt. Gleichzeitig hat Nettas Stimme eine kräftige Färbung, die sich wunderbar dem Gefühl des Sehnens, nach einer Veränderung, hingibt. The Times They Are A-Changin‘ ist ein Protestsong, den Dylan 1964 veröffentlicht hat und zeigt auch 56 Jahre später noch eindrucksvoll, wie wichtig diese Art der Songs ist und mit Nettas Interpretation, wie universell Musik sein kann. All ihre Cover-Songs erscheinen heute auf Nettas neuer EP The Best Of Netta’s Office Vol.: 01 und markieren eine weitere Momentaufnahme der Musikerin, die nur so vor Lebensfreude strotzt.

Fred Again.. - Julia (Deep Diving)

Fred Again.. – Aus Spoken Words eine Klavier-Hymne basteln

Es wird gerade immer angesagter, sogennante Spoken Words Künstler*innen auf Elektrosongs performen zu lassen. Hier konnten wir dieses Jahr bereits auf Faithless‘ neuem Album All Blessed Songs, wie This Feeling finden, auf denen Suli Breaks performt hat. Hierbei entsteht eine melancholische Stimmung in den Songs, die sich oftmals an einem Gefühl festhält, das nach Trauer klingt. Nun hat der britische Produzent Fred Gibson -alias Fred Again.. – mit Julia (Deep Diving) einen solchen Song veröffentlicht und das Gefühl der Melancholie auf eine neue Stufe gesetzt. Mit intimen Klavirklängen und den Spoken Words der Sängerin Julia Michaels hat Fred Again.. einen Song gebaut, der eine Geschichte erzählt, die so fragil und herzzerreißend ist, wie tanzbar und in sich verlierend. Mit den Textzeilen I’m deep divin‘ into your emotions. And sometimes I think I might be broke. But you’re bringin‘ back all my feelings. And I fuckin‘ love it – die aus einer Sprachnachricht zwischen dem Producer und der Sängerin stammen – wird aus dem Song eine Elektronummer zum schwelgen.

Fred Again..
Fred Again..

Fred Again.. ist dabei kein Unbekannter – auch wenn er bisher nur selten in den Vordergrund gerückt ist. Denn als Produzent ist er unter anderem für Songs von Ellie Goulding, Charli XCX, Shawn Mendes, Rita Ora, BTS, sowie das gesamte Ed Sheeran Album No.6 Collaborations Project verantwortlich, hat dieses Jahr die Solodebütsingle Lifetime von The XX-Frontfrau Romy produziert und bei den BRIT Awards den Preis als Producer of The Year abgestaubt. In einem Interview erzählt der Produzent, dass ihm Julia (Deep Diving) so gut gefällt, weil für mich das Schönste an diesem Sample der schlichte Klang ihrer Sprechstimme ist. Sie ist so herzzerreißend fragil, zugleich aber auch auf eine Art verspielt. Ihre Stimme klingt wie die prickelnde Aufregung einer frischen Liebe. Ich bin ihr so dankbar, dass ich daraus eine ganz neue Sache bauen durfte. Und tatsächlich baut Julia (Deep Diving) die Brücke zwischen melancholischen Verlustmomenten und dem euphorischen Gefühl eines Verliebtseins auf. Fred Again.. hat mit Julia (Deep Diving) den Song für den großen Moment auf der Tanzfläche geschrieben, bei dem wir ganz für uns allein unter der großen Discokugel in Wehmut tanzen.

Clueso - Du Warst Immer Dabei

Clueso – Wehmut kommt auf

2020 war ein umtriebiges Jahr für den Erfurter Jungen Clueso. Hat Thomas Hübner im April seinen 40. Geburtstag gefeiert, überwältigten ihn hier und da schon mal nostalgische Gefühle an früher. Dieses Gefühl, welches die Generation Y – auch Generation Millennials genannt – in den vergangenen Jahren immer stärker umtrieben hat. Reflektiert man in dieser Zeit sein bisheriges Leben und setzt die Weichen für eine eventuelle Kurskorrektur, zeigt sich auch immer wieder eine deutlich zu erkennende Flucht in die Vergangenheit – In Form von Musik ist diese Flucht seit einigen Jahren gut zu erkennen – gibt es doch den Stars der 90er Jahre und frühen 2000ern die Möglichkeit, alte Hits wieder aufleben zu lassen. Clueso geht dieses Gefühl etwas anders an und lässt auf seiner nunmehr fünften Singleauskopplung in diesem Jahr mit Du Warst Immer Dabei die Freunde hochleben, mit denen man sich in der Teenagerzeit keine Gedanken um das Morgen gemacht hat. Dabei wird Clueso ungewöhnlich persönlich und lässt mit Hilfe eines ebenso persönlichen Musikvideos Einblicke in eine Zeit der prägendsten Jahren des Musikers zu. Hier singt Clueso über die Momente, in denen man auf nichts anderes zählen konnte, ausser auf seinen besten Freund. Ob mit dem Minivan durchs Land ziehend, oder vor rechten Schlägern in der Heimatstadt wegrennend – der Freund oder die beste Freundin war immer dabei. Hier trifft Clueso musikalisch genau das Gefühl von Sehnsucht und Reflexion an eine Zeit, die lange her ist und der wir heute so viel Bedeutung zurechnen. Mit melancholischen Drums und wabernden Synthesizer-Elementen erinnert der Hintergrund von Du Warst Immer Dabei ein wenig an alte 80er-Jahre Songs. Hat Clueso dieses Jahr mit Sag Mir Was Du Willst, Tanzen, Flugmodus und Aber Ohne Dich gleich vier neue Songs veröffentlicht, folgte Mitte Oktober mit der EP Aber Ohne Dich eine gesammelte Veröffentlichung dieser Tracks.

Clueso
Clueso

Nun – mit dem Release des fünften Songs in diesem Jahr – hat Clueso gleich nochmal einen draufgesetzt und der neuesten Single ebenfalls eine gleichnamige EP gegönnt, auf der alle Songs der, im Oktober veröffentlichten, EP enthalten sind, plus des neuen Songs. Clueso hat sich dieses Jahr so abwechslungsreich und umtriebig gezeigt wie noch nie und neben seiner eigenen Songs auch als Gastmusiker auf der Single Andere Welt von Capital Bra mitgemischt. Nun beschließt der Thüringer das herausfordernde Jahr 2020 mit einem sehr persönlichen Song, dessen Gefühl nicht nur alle Millennials bestens nachempfinden können. Und dann bleibt da noch diese Strophe, am Ende des Songs – die bei uns im Kopf bleibt – bei dem wir Clueso als kleiner Junge im Musikvideo mit einer Gitarre auf einer Familienfeier sehen, wie er die Textzeilen Keiner will sterben, das ist doch klar singt, und abschließend mit Wozu sind dann Kriege da die Naivität eines Kindes zeigt, das schon in jungen Jahren feststellt, wie falsch manches laufen kann. Clueso hat in seiner Musikkarriere mit seinen Songs bereits so unglaublich oft Menschen berührt und Texte geschrieben, die das Innerste in einem anregen. Auf Du Warst Immer Dabei schafft er es aber nun, uns – durch verschiedenste Einschübe – auf ganz unterschiedlichen Ebenen zu erreichen. Nicht umsonst ist er – gerade auch deshalb – einer der erfolgreichsten und gleichzeitig auch einer der wichtigsten Musiker Deutschlands.

Graeme James - No Memories Of Tomorrow

Graeme James – Die Ruhe im Sturm

Es sind diese Momente im Leben, die einem den Boden unter den Füßen wegreißen und uns klar machen, dass wir untergehen oder stark sein müssen, um diese Erfahrungen zu überstehen. Während man sich den Zeitpunkt dieser Erfahrungen zumeist nicht aussuchen kann, kann man sich aber mit Hilfe der Jahreszeiten in eine Gefühlslage versetzen, die solchen Erfahrungen nahe kommt. So hat es auch der neuseeländische Singer/Songwriter Graeme James gemacht und ist vom anderen Ende der Welt in die Niederlande gezogen. Hier hat James dem schwarzen und dunklen Winter Europas entgegengesehen und auf sein Innerstes gehört. Herausgekommen ist die EP The Weight of Many Winters, die vom Tod, von Schwäche und Verzweiflung handelt. Dieser EP hört man die Trauer, die Last und den Schmerz, den James mit sich herumträgt und sich in seiner Musik ausdrückt, an. Dabei ist interessant, dass James mit zwei gegensätzlichen Werkzeugen spielt. Während seine Musik zumeist melancholisch, minimalistisch und beruhigend klingt, ist dies in seiner Stimme deutlich weniger häufig zu hören und baut James mit einer – fast schon – euphorisch, hellen Stimmlage auf die Hoffnung, die letztendlich alles durchzieht. Mit der ersten Single No Memories Of Tomorrow aus der, am 1. Januar 2021 erscheinenden EP The Weight of Many Winters, teilt James dann auch gleich eine sehr persönliche Erinnerung an vergangene Winter.

Graeme James - The Weight of Many Winters
Graeme James – The Weight of Many Winters

Mit dem Post eines alten Bildes, auf dem man den Musiker mit seinem jüngeren Bruder an einem Wintertag auf einer niederländischen Straße sieht, schreibt der Musiker Für immer her: Mein kleiner Bruder und ich spielen im Schnee, nur wenige Kilometer von meinem heutigen Wohnort in den Niederlanden entfernt. Es ist seltsam, wie eine Erinnerung in einem Kopf so klar sein kann und dennoch so aussieht, als wäre sie aus einem anderen Leben. Meine neue Single No Memories Of Tomorrow wurde im Winter geschrieben und ist eine persönliche Retrospektive, in der ich mein Leben aus der Perspektive eines Menschen in den letzten Tagen erkunde – in der Wintersaison des Lebens. Es ist ziemlich real. Diese Worte sitzen so tief, dass sie ein Mitgefühl erzeugen, welches aus unseren eigenen Erfahrungen von Verlusten geprägt ist. Graeme James schafft es mit seiner Musik, eine melodische Nebensächlichkeit und gleichzeitig hochemotionale Gewichtung zu vermitteln und streichelt uns mit seinem sanften Folk-Sound die Seele. The Weight of Many Winters ist die zweite EP aus seinem 4-EPs umfassenden Vier-Jahreszeiten-Projekt, unter dem bereits im September mit Old Storms in New Places die ersten Herbst-EP mit sechs Songs veröffentlicht wurde. The Weight of Many Winters ist nun die Winter-EP und zeigt uns einen Winter, der emotionaler nicht sein könnte.

Møme & Ricky Ducati - They Said

Møme feat. Ricky Ducati – Klebrig süße 80s-Ballade

Vor etwas mehr als drei Monaten veröffentlichte der französische DJ und Produzent Møme mit dem US-amerikanischen Sänger Ricky Ducati den 80s-Discohit Got It Made, der so sehr an die Disco-Hochzeit erinnert, wie man es zuletzt durch The Weeknds Blinding Lights hören konnte. Fast ein wenig an die großen Hits der Scissor Sisters erinnernd, stampften die Beats zu einer Falsettstimme Ducatis. Bereits im Sommer kündigten die beiden ein gemeinsames Album an, das vielversprechend werden sollte. Nun haben Møme und Ducati mit They Said einen weiteren Song veröffentlicht, der auf dem kommenden Album Flashback FM enthalten sein wird. Musikalisch gehen die beiden auf They Said noch einen Schritt weiter in die 80er Jahre und arbeiten sich durch eine schnelle, klebrig-süße Synthieballade, die durch Ducatis Gesang so herzzerreissend niedlich klingt, dass man sich auf eine Abschlussparty einer US-amerikanischen Highschool versetzt fühlt. Mit vielen Slow-Motion-Szenen und einem Aussenseiter, der sich in das schönste Mädchen aller Abschlussklassen verliebt hat, kennen wir diese Szenen nur zu gut aus unzähligen Serien und Filmen.

Møme & Ricky Ducati
Møme & Ricky Ducati

Wichtig bei allen Szenen – ist die passende Musik, die im Bestfall nicht zu theatralisch und kitschig klingt. In Perfektion präsentiert wurde dies in der finalen Episode der Netflix-Serie 13 Reasons Why, die mit dem Song The Night We Met von Lord Huron die finale Episode der zweiten Staffel beendet wurde. Es ist davon auszugehen, dass Møme und Ducati nicht beabsichtigt haben, mit ihrer neuen Single einen solchen Moment zu kreieren, doch passt auch hier der seichte Beat mit dem nostalgisch, emotionalen Sound so perfekt zu einem melancholisch, befreienden Moment eines solchen Kalibers. Gleichzeitig atmet They Said eine luftig, sommerliche Brise ein, die an unbeschwerte Momente erinnert. Mit der passenden Melancholie in Ducatis Stimme bleibt They Said dennoch treibend und tanzbar und lässt sich wunderbar als Soundtrack eines Roadtrips nutzen. Bisher ist das Album Flashback FM nur relativ vage für das Frühjahr 2021 angekündigt, doch gilt es schon jetzt als eines der spannendsten Veröffentlichungen des Jahres zu werden.

Spoon And The Forkestra - Pirates

Spoon And The Forkestra – Melancholischer Hedonsimus

Wir alle kennen diesen Moment, der unweigerlich kommt, doch den man nur all zu gerne hinausschieben möchte. Es ist der Moment, an dem man einem guten Freund – ja vielleicht sogar dem besten Freund – Lebewohl sagen muss, da er die Stadt verlässt, um ein neues Kapitel in seinem Leben aufzuschlagen. Zumeist kommen diese Abschiede in der Zeit zwischen Schulende und Anfang der Ausbildung oder des Studiums vor. Doch was ist, wenn es erst mit Ende 20 oder in den 30ern soweit ist? Das Duo Spoon And The Forkestra haben aus diesem Gefühl einen Song gemacht und überraschen damit zugleich. Denn während ihre Debütsingle Mosquitoes noch auf einer völlig intimen Basis aufbaute, gehen Emily-Mae Lewis und Timo Zell auf ihrer zweiten Single Pirates ordentlich nach vorne. Ganz nach dem Gefühl – wenn schon denn schon, lassen sie uns nicht nur musikalisch, sondern auch visuell mit ihrem Musikvideo daran teilhaben, wie sie einen solchen Abschied verarbeiten würden.

Spoon And The Forkestra - Pirates (Video)
Spoon And The Forkestra – Pirates (Video)

Nämlich mit einer ordentlichen Portion an melancholischem Hedonismus. Das Gefühl, mit der besseren Hälfte noch einmal alles niederzureissen und die Nacht zum Tag zu machen, sich gegenseitig bis ins Unendliche zu necken und den Anderen dabei eher an sich binden zu wollen, als ihn gehen zu lassen und zeitgleich nicht eine Sekunde vergessen zu können, dass es das letzte Mal sein wird – kennen wir alle nur zu gut. Lewis und Zell gehen auf Pirates musikalisch genau diesen Zwiespalt zwischen lauten Gitarrenriffs, ruhigen Gesängen, mächtigen Bässen und einem Aufschrei als Refrain ein. So ist Pirates eine Indie-Hymne von Abschied, Zugehörigkeit und dem Willen, an etwas festzuhalten, das eigentlich schon losgesagt ist. Vergleicht man Mosquitoes mit Pirates könnte der Unterschied im Sound nicht größer sein. Als zweite Auskopplung, aus ihrer bevorstehenden Debüt-EP verheisst es allerdings nicht weniger, als ein enorm spannendes Debüt zu werden, das offen für Richtungswechsel und neue Musik ist.

Paul Woolford, Diplo & Kareen Lomax - Looking for Me

Paul Woolford, Diplo & Kareen Lomax – Deep House für den Spätsommer

Erst setzen sphärische Claps und eine tiefe Stimme mit den Worten Oh Yeah ein, ehe ein starker Housesound den Song in einen pulsierenden Clubtrack verwandelt. Es ist der Song Looking For Me vom britischen Produzenten und DJ Paul Woolford. Zusammen mit dem US-Amerikanischen Produzenten Diplo und der ebenfalls aus den USA kommenden Sängerin Kareen Lomax haben sie mit Looking For Me eine hypnotische EDM-Version einer Ballade veröffentlicht, die nicht nur zusammen von den Dreien geschrieben wurde, sondern mit dem Hamburger Produzenten und Songwriter Jr Blender ein großes Potential hat, richtig durchzustarten. Dabei fällt vor allem der Gesang auf. Ist er von der – in Atlanta lebenden – Sängerin Kareen Lomax, wird er gerade durch ihre tiefe und dunkle Stimme so besonders.

Paul Woolford, Diplo & Kareen Lomax

Paul Woolford, Diplo & Kareen Lomax

Dass der Song kein Glückstreffer für die Sängerin war, zeugt vor allem davon, dass Lomax ein großer Fan Diplos ist und ihn letztes Jahr ganz unkonventionell via Facebook anschrieb. Was daraus geworden ist, können wir nun alle hören und zeugt Looking For Me davon, dass man sich auch Mal etwas trauen muss, um an seinen Erfolg zu kommen. Mit einer ohrwurmverdächtigen Melodie, den immer wieder aufflirrenden Synthies und Lomax‘ hervorstechender Stimme ist Looking For Me eine melancholisch, treibende EDM-Hymne an die 90er Jahre, die Paul Woolford, Diplo und Kareen Lomax sicherlich in den kommenden Monaten viel Spaß bereiten wird. Diplo agiert dabei einmal mehr als Tausendsassa und hat – neben seinen Projekten, wie Jack Ü, Major Lazor, Silk City und Kollaborationen mit , Ellie Goulding, Dillon Francis oder Sidepiece – ein weiteres, heißes Eisen ins Feuer geworfen.

Elderbrook - Why Do We Shake In The Cold?

Elderbrook – Fünf Jahre Warten haben ein Ende

Kaum ein anderer britischer Künstler hat in den vergangenen fünf Jahren im Melancholic-Electronic-Bereich für so viel Aufmerksamkeit gesorgt, wie der Londoner Alexander Kotz. Unter seinem Künstlernamen Elderbrook hat er 2015 zusammen mit Andhim auf How Many Times zusammengearbeitet. 2017 folgte eine Kollaboration auf der Durchbruchs-Single Cola vom britischen Produzenten-Duo CamelPhat und letztes Jahr schließlich mit dem Song Something About You eine Zusammenarbeit mit Rudimental. Daneben hat Elderbrook allerdings auch immer wieder eigene Songs veröffentlicht, die sich durch tiefgründige Texte, melancholische Sounds und tiefe elektronische Beats auszeichneten. Nun hat der Brite sein Debütalbum Why Do We Shake in the Cold? fertig und veröffentlicht dieses am 18. September. Darauf enthalten sind neben der Kollaboration mit Rudimental auch die bereits veröffentlichten Songs My House und der das äußerst starke Numb. Vor wenigen Tagen hat Elderbrook mit Why Do We Shake in the Cold? eine weitere Single ausgekoppelt und überzeugt abermals mit großen elektronischen Beats.

Why Do We Shake In The Cold?

Why Do We Shake In The Cold?

Hier treffen tiefe House-Bässe auf den fragilen Gesang Elderbrooks und werden durch ein sphärisches Soundgerüst eingerahmt. Dabei passt Why Do We Shake in the Cold? so wunderbar in den Kontext eines Open Air Festivals, dass wir uns vor dem inneren Auge vor der Bühne tanzen sehen, den Sand zwischen den Zehen spüren und kurz vor dem Drop die Hände in die Höhe recken. Diese Gefühle sind ganz bewusst vom Briten gewollte. So soll sein Debütalbum die Menschen zusammenbringen und ihnen Geborgenheit vermitteln. In einem Statement von Warner Music sagt der Produzent dann auch über seine Musik, dass das gesamte Konzept von Why Wo We Shake In The Cold ist, darüber nachzudenken, wie Menschen miteinander interagieren. Rein wissenschaftlich betrachtet zittern wir in der Kälte natürlich, um durch die Reibung unseren Körper aufzuwärmen. Was ich mir jedoch vorstelle ist, dass Menschen vielleicht deshalb zittern, um anderen zu zeigen, dass sie sie brauchen. Diese mächtige Sehnsucht nach Nähe zieht sich durch das gesamte Album und zeigt die Tiefe des Künstlers und seiner Gefühle. Why Wo We Shake In The Cold kommt am Feitag in einer Woche raus und zeigt jetzt schon mit seiner Leadsingle, dass hier kaum etwas schief gehen kann.