Billie Eilish - All The Good Girls Go To Hell

Billie Eilish – Die Klimadebatte erreicht die USA in Form eines gefallenen Engels

Billie Eilish ist aktuell eine der kreativsten Musikerinnen der USA. Mit ihrem Debütalbum When We All Fall Asleep, Where Do We Go? setzte sie weltweit neue Rekorde und war in Deutschland in der ersten Woche nach Veröffentlichung des Albums die am meisten gestreamte internationale Künstlerin überhaupt. Noch ist ihr Überhit Bad Guy nicht abgeklungen, da veröffentlicht die 17-jährige Sängerin mit All The Good Girls Go To Hell bereits ihre sechste Singleauskopplung aus ihrem Debüt. Dabei zeigt sich Eilish als gefallener Engel, der mit seinen Flügeln in einer Ölpfütze landet und nur schwer wieder dort raus und zu Kräften kommt. Dass Eilish dieses Video nicht von ungefähr gedreht hat, zeigt ein Post auf ihrer Instagram-Seite. Hier ruft Eilish zu gemeinschaftlichen Demonstrationen für den Schutz der Umwelt und des Klimas auf und unterstützt damit auch das schwedische Rolemodel der aktuellen Umweltbewegung Greta Thunberg. Hinzu kommt, dass die umtriebige Eilish momentan auch eine eigene Modelinie vermarktet, die am heutigen Freitag und morgigen Samstag – passend zu ihrem Auftritt auf dem Berliner Lollapalooza Festival – in Berlin Mitte einen Pop-Up Store mit den Klamotten ihres eigenen Labels Blöhsh präsentiert. Der – nicht einmal drei minütige – Song hat dabei den Charme eines 90er-Jahre R&B-Tracks, der durch die einzigartigen Eilishs und ihrem zarten Gesang nach einer bittersüßen Abrechnung klingt. Billie Eilish liefert mit jedem einzelnen Song ab und kann mittlerweile nicht nur knapp die Hälfte der Songs auf dem Albums als veröffentlicht nennen, sondern erreicht mit jedem weiteren Song noch ein wenig mehr von ihrem Status als Ausnahmetalent. Und während wir zu All The Good Girls Go To Hell abgehen, schafft es Eilish zu Recht einmal mehr den Hype weiter anzufeuern.

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ionnalee & Zola Jesus - Matters

ionnalee & Zola Jesus – Dunkel, Mystisch, Nordisch

Als würde Zola Jesus nicht schon alleine für zwei dieser Merkmale stehen, gibt es nun eine Kollaboration mit dem schwedischen Ausnahmetalent ionnalee. Die skandinavische Sängerin, die bürgerlich Jonna Lee heißt, hat in den vergangenen zehn Jahren eine Kunstform um sich herum entwickelt, die von Kreativität und einem Denken ohne Mauern geprägt ist und für eine, nur schwer greifbare, künstlerische Ausdrucksform steht. Mit mystischen Sounds – die vor sich hin wabern wie Nebelbänke an einem herbstlichen Morgen, einer Stimme – die eine Schwere besitzt und gleichzeitig engelsgleich klar wirkt und mit einem körperlichen Expressionismus – der sich nur schwer in irgend eine Schublade einordnen lassen möchte – hat es Lee geschafft, ein Kunstform zu entwickeln, die so spannend, wie faszinierend ist. Ihre neueste Single Matters, bei der die Schwedin mit der amerikanischen Sängerin – und ebenfalls Koryphäe der mystischen Musik – Zola Jesus zusammengearbeitet hat, beweisen beide einmal mehr, wie ergreifend Musik klingen kann, wenn zwei Ausnahmetalente wie diese Frauen auf einem Song zu hören sind. Mit einem Beat, der einem  Herzschlag gleich kommt, hallenden Echos und partiellen Spielereien im Sound baut sich Matters zu einem wahren Traum von Song auf. Ob dieser Traum mystisch, fantastisch oder grausam und schrecklich ist, bleibt dem Hörer überlassen, der bei Matters eine ganz eigene Geschichte vor seinem inneren Auge entstehen lässt. Matters ist vielschichtig, wie eine Geschichte aufgebaut und zeigt zwei Künstlerinnen in ihrer Hochphase.

Tora – Australiens neuester Export

Bereits in den vergangenen Jahren haben sich die Australier von Tora eine Fangemeinde erarbeitet, die ganz natürlich wuchs und nicht durch große Plattenfirmen gesteuert wurde. Ohnehin ist in Zeiten von Streamings die Berechtigung einer Plattenfirma zu hinterfragen, denn Tora veröffentlichen ihre Musik seit ihrer Gründung 2013 komplett unabhängig und bleiben damit stets Herr ihrer Kreativität. Dass sie auf eine bewegte Zeit zurückblicken können, in der sie auf mittlerweile so großen Festivals wie dem Glastonbury oder The Great Escape spielen, ist ihrer charmanten Musik zu verdanken. Mit ihrer aktuellen Single Tiger beweisen sie einmal mehr, dass ihr Low-Fi und Easy-Listening Gemisch, dem Indie und Alternative der Band gut steht und sich daraus eine unwiderstehlich, gute Laune entwickelt. Dabei sind die Jungs, die aus dem australischen Byron Bay kommen und damit direkte Nachbarn von Angus Stone sind, in guter Gesellschaft, gibt es doch mit den Parcels und dem vor kurzen vorgestellten Kesmar eine Menge frischer Künstler, die dieses Genre bedienen. Ihr neues Album Can’t Buy The Mood erscheint am 9. August und wird, wie schon im Vorfeld, unabhängig released.

The S.L.P. - Nobody Else

The S.L.P. – Kasabian gehen solo…

…bleiben aber dennoch zusammen. Kasabian sind ohne Zweifel eine der großartigsten britischen Bands, die es momentan gibt. Seit 22 Jahren als zusammen, gab es im Laufe ihrer Karriere eine Menge Stilrichtungen, welche die Jungs ausprobiert haben. Nun hat das Kasabian-Songwriter-Mastermind Sergio Lorenzo Pizzorno ein Soloprojekt gestartet und unter der Abkürzung seines Namens als The S.L.P. den Song Nobody Else veröffentlicht. Während seine Bandkollegen und Pizzorno eine Pause mit Kasabian einlegen, hat sich der Brite mit italienischen Wurzeln selbst ausprobiert und seiner Kreativität freien Lauf gelassen. Herausgekommen ist ein satter French-House Song, der nur so vor Lebensfreude strotzt. Dabei kommen raue Beats genauso zur Geltung, wie ein eingängiger Klavierpart und verträumte Gesänge Pizzornos. Das gleichnamige Debütalbum wird am 30. August erscheinen und bietet neben Nobody Else, mit Favourites bereits einen zweiten Track an, der allerdings in ganz gegensätzliche Genres vordringt und eine Kollaboration mit der Hip-Hop- und Grimes-Künstlerin Little Simz ist. Pizzorno wollte Ausbrechen und sich selbst fordern – Musik schreiben, die frei von irgendwelchen Zwängen sei. Mit Nobody Else ist dies eindrucksvoll gelungen und hat der Sänger gleichzeitig einen wahren House-Klassiker mit Indieeinfluss geschaffen.

Róisín Murphy - Incapable

Róisín Murphy – Discoqueen forever

Sie ist eigensinnig, experimentell und scheint die fesselnden Beats abonniert zu haben. Róisín Murphy zählt seit mittlerweile 25 Jahren zu den festen Größen im Housebereich. Dabei hat sie gerade einmal neun Jahre, zusammen mit ihrem damaligen Partner Mark Brydon, die Band Moloko am Leben gehalten. Eine Zeitspanne, die aus heutiger Sicht als klein wahrgenommen werden könnte – wären da nicht die großen und einflussreichen Songs der Band, wie The Time Is NowSing It BackFamiliar Feeling und Forever More. Und auch als Solokünstlerin hat es Murphy geschafft, Songs wie OverpoweredYou Know Me Better und Exploitation zu schreiben, die ihrer selbst weit voraus sind und heute noch die Partylisten anführen. Nach vier Studioalben in den vergangenen 15 Jahren hat Murphy in den letzten Monaten immer wieder und ganz frei – von Veröffentlichungsgepflogenheiten – einzelne Songs herausgebracht. Mit dabei, der am vergangenen Dienstag veröffentlichte Song Incapable – der als monumentales Stück Elektromusik gewertet werden kann. Denn hier hat die Irin einen reizenden 80er-Jahre Sound mit Housebeats der Neuzeit vermischt und damit einen wunderbar tanzbaren Song produziert. Mit seinen 8:25 Minuten ist Incapable dabei eine Art Extended Version, die wunderbar zur Tanzfläche passt. Murphy schafft es, wie kaum eine andere Person, ihre Kreativitiät in ihre Songs zu lenken und dabei wahre Housemonster zu erschaffen.

Schiller feat. Schwarz – Eine Lawine ohne Halt

Nach und nach veröffentlicht Christopher von Deylen als Schiller immer mehr Songs seines, am kommenden Freitag erscheinenden Albums Morgenstund und gibt damit auch immer mehr Einblick in den Sound, der sich bereits mit der Single Morgenstund aus dem gleichnamigen Album andeutete. An den Sound seiner ersten Alben erinnert, ist der geschätzte Musiker und Produzent mit viel Epos, welches von Freiheit, Weite, Liebe, Wärme und Antrieb erzählt, mit einem frischen und doch bekannten Sound zurück. Dabei passt Schwarz‘ Stimme so unglaublich gut zum produzierten Sound, dass man sich fast wünscht, diesen Song einmal in einem emotionsgeladenen Werbeclip zu sehen, der auch schon Bag Riders, Jonah oder Empire Of The Sun zu der verdienten Aufmerksamkeit verhalf. Dass Schiller diese Aufmerksamkeit gar nicht nötig hat, zeigen die – wiederholt – auf Platz 1 der Albumcharts gelandeten Alben. Allerdings konnten die Singles nicht mehr den Erfolg wiederholen, den er noch Mitte der 2000er erzielen konnte. Schwarz ist dabei der perfekte Featuring-Act, der dem Song einen ganz eigenen Drive gibt und mit seiner hohen Stimme fast schon zu einer Dream-Pop Nummer werden lässt. Für Schwarz dürfte es rund um seine, aktuell mehr als umtriebige, Arbeit an neuer Musik sehr passend sein, dass er auf der Schiller Single Avalanche mit Synthies in Berührung kommt – ist er doch selbst in einem voluminösen Elektrosound aus Synthies und Beats zu Hause. Auf Avalanche bilden Schiller und Schwarz eine Symbiose und klingen dabei so organisch, dass man eine langjährige Zusammenarbeit fest vermutet hat und dann doch überrascht wird, dass es der erste Song der beiden Musiker ist. Somit werden die letzten Tage vor der Albumveröffentlichung von Morgenstund gefühlt nochmal verkürzt und bildet der Song eine wunderbare Klangwolke aus Kreativität und Kraft.

Los Unidades feat. Pharrell Williams – Wenn Coldplay ruft

Viel Wind wurde in den letzten Tagen um den Instragram-Post des Plattenlabels Parlophone gemacht. Kündigten Sie doch mit dem Signing von Los Unidades an, eine neue und vielversprechende Band unter Vertrag genommen zu haben und würden in Kürze großes Berichten können. Das dazugehörige Foto, zeigte schemenhaft vier Bandmitglieder in einem farbenfrohen Mittelpunkt. Gleichzeitig werden Los Unidades als Teil des Compilation-Albums Global Citizen EP neben Künstlern, wie David Guetta und Stormzy vertreten sein. Und spätestens hier wird klar, wer sich hinter Los Unidades verbirgt – keine geringere Band als Coldplay um Frontsänger Chris Martin. Dieser unterstützt seit einigen Jahren die Global Citizen Organisation, die das Ziel hat, die weltweite Armut zu bekämpfen. Dabei gibt es neben der Organisation auch seit 2012 das Global Citizen Festival, welches Chris Martin als Kurator unterstützt. Auf der nun veröffentlichten Single E-Lo hören wir klar die Einflüsse Coldplays – allerdings auch einen größeren Einfluss von Weltmusik. Neben der Produzentin Jozzy, die bereits mit Timbaland, Beyoncé, Chris Brown und Pitbull zusammenarbeitete ist auch Pharrell Williams an dem Song beteiligt. Mit dieser geballten Kraft von Kreativität und Bekanntheit, erreichen Los Unidades mit E-Lo sicherlich eine große Hörerschaft und werden viel Aufmerksamkeit für die Global Citizen Organisation erhalten. E-Lo ist dabei eine wunderbar leichtfüßige Popnummer, die ein wenig exotische Klänge vermittelt, doch sich dennoch im Pop wiederfindet.

Tash Sultana – She did it!

Sie hat es getan, nach einem unglaublichen Erfolg all ihrer Songs und ausverkauften Konzerten weltweit, hat die australische Sängerin und Multiinstrumentalistin Nash Sultana nun endlich ihr Debütalbum angekündigt. Am 31. August soll Flow State schließlich erscheinen und neben der nun veröffentlichten Single Salvation auch die beiden Songs Murder To The Mind und Mystik enthalten. Salvation reiht sich dabei als dritte Single aus dem Album ein, in die wunderbar, treibenden Songs aus 2017. Hier beweist sich Sultana einmal mehr durch Lo-Fi und Alternative und hat das wunderschöne, in die Ferne schweifende Gitarrenspiel dabei. Sultanas Songs klingen immer, als wäre man irgendwo zwischen Halbschlaf-Trance und erotischer Momente zu zweit. Dabei verfolgt Sultana stetig ihr Ziel – unabhängig zu bleiben – und veröffentlicht das Album direkt auf ihrem selbst gegründetem Plattenlabel Lonely Lands Records, das zu Sony Music gehört. Mit diesem starken Hintergrund kann sich Sultana alle kreative Zeit der Welt nehmen, um weitere Songs zu veröffentlichen. Mit Salvation hat sie wieder einen Song veröffentlicht, der Sehnsucht, Zärtlichkeit, Erotik und Abschottung vereint und dabei so groß klingt, dass ihre Musik einfach nicht an dem großen Durchbruch vorbeigehen kann und darf.

Clueso – Erinnerungen mit Tränen

Vor zwei Tagen hatte Clueso ein weiteres Heimspiel in der Erfurter Messehalle. 2017 war ein großes Jahr für den Thüringer, der sich in den letzten Jahren, wie kaum ein anderer Künstler, gehandelt, verändert und den Erfolg dafür erhalten hat. Begonnen mit Hip-Hop und Rap, ging es für Clueso über die Jahre immer weiter rRichtung Pop. Angekommen ist er nun als Künstler, der sich 2016 von allem befreien musste und die Verantwortung, die mit seiner Kreativität zusammenhing, abschüttelte. Herausgekommen ist Clueso’s Nummer 1 Album Neuanfang. Im Oktober 2016 veröffentlicht, kommt nun mit Erinnerungen 14 Monate später nochmals eine Single raus, die gleichzeitig wie eine Verabschiedung klingt. Mit Melancholie, Rückblicken auf seine Karriere und den Höhepunkten der letzten Monate gespickt, ist das Musikvideo eine emotionale Untermalung zum fasst schon epischen Song. Hier kommt Gänsehaut auf und wer Clueso seit seinen ersten Alben begleitet hat, wird wehmütig zu diesem Song mitsingen. Aber war dieser Tenor nicht schon immer Clueso’s größter Trumpf?!

Clueso – Erinnerungen

MAMA – Mit einem Hauch von Disco in die Welt

MAMA – You Get Me

Der Erfurter Zughafen ist schon eine ganz besondere Fabrik für Musiker. 2002 unter anderem vom Sänger Clueso gegründet, war es die Idee ein Künstlernetzwerk und eine Anlaufstelle für Kreativität entstehen zu lassen. Der Erfolg spricht für sich – hat Clueso seither einige erfolgreiche Alben veröffentlicht, kommen über die Jahre immer wieder neue Künstler und Bands zum Vorschein. Während sich Clueso 2015 vom Zughafen zurückzog, kamen Bands wie MAMA daraus hervor. Setzt sich der Bandname aus den beiden Anfangsbuchstaben der Gründungsmitglieder Martin und Max zusammen, verließ Max schnell wieder die Band. Dies passierte 2015. Mit Andrei Vesa hatte Martin allerdings schnell einen neuen kreativen Kopf gefunden und gleichzeitig auch MAMAs unwiderstehliche Stimme. Diese Aufteilung sollte sich in den letzten beiden Jahren vollends auszahlen und schafften es MAMA schließlich zwei EP’s zu veröffentlichen. Die zweite EP heißt dann auch wie die aktuelle Single You Get Me und ist eine spannende Mischung aus Elektro, Indie und einem Hauch von Disco der 70er Jahre. Mit verspielten Synthies und markanten Bässen haben MAMA einen heißen Ohrwurm veröffentlicht, den man so schnell nicht mehr los wird. So hieven MAMA den Sound der 70er Jahren in das Jahr 2017, rühren aktuelle Beats unter und modellieren sich ihr eigenes modernes Discowerk. Wem hier die Beine still stehen sollte von der Bremse seiner Rollschuhe gehen.