Beatsteaks - Glory Box

Beatsteaks – Darf man diesen ewigen Überhit covern?!

Es ist ein Song, der das Wort Geschichte nicht besser beschreiben könnte. Denn während wir heute die Interpretation der Beatsteaks hören, hat Glory Box von Portishead bereits einen jahrzehntelangen Weg hinter sich, der bei dem britischen Duo nicht etwa aufhört, sondern bis in das Jahr 1969 zurückgeht. Stammt das Original des Songs von der belgischen Band Wallace Collection, war es in den BeNeLux-Staaten ein riesiger Erfolg. Doch obwohl der Song auf Englisch gesungen wurde, blieb ein Erfolg in den englischsprachigen Ländern weitestgehend aus. Ende der 80er Jahre nahm sich der Oscar- und Grammy-Award-Gewinner Isaac Hayes – der sich für den Theme-Song des Films Shaft verantwortlich zeichnet – die Melodieabfolge vor und veröffentlichte mit Ike’s Rap 2 eine Version des Songs, den wir bis heute kennen und lieben. Auf dem 1994er Debütalbum Dummy, des – aus Bristol in Großbritannien kommenden – Duos Portishead, befand sich ein Song, der für die Folgejahre richtungsweisend sein sollte. Denn mit Glory Box schaffte die Band nicht nur in Großbritannien ihren Durchbruch, sondern verbreitete den britischen Sound des Trip-Hops auch weltweit. Gleichzeitig hauchte die Frontsängerin Beth Gibbons dem Song eine Atmosphäre von Mystik, Distanz und Lethargie ein, wie wir es faszinierender nie wieder zu hören bekamen. 2001 stieß schließlich das, ebenfalls aus Großbritannien kommende, Duo I Monster auf die Liste der Interpretationen der Melodiefolge von Wallace Collection hinzu und veröffentlichte ihren Song Daydream In Blue.

Beatselfie Credit Beatsteaks
Beatselfie Credit Beatsteaks

Doch auch wenn es immer wieder Bands und Künstler gab, die diese ganz markante Melodie und das Gefühl des Songs versuchten zu kopieren, blieb Portisheads Version bis heute unerreicht. Nun haben die Beatsteaks aus Berlin die zweite Single aus ihrer, am 11. Dezember erscheinenden EP In The Presence Of herausgebracht und somit ihre Version des Portishead Songs veröffentlicht. Dabei zeigen die Beatsteaks, nach der Coverversion von Monotonie, erneut, wie hoch sie die Interpretinnen schätzen, deren Songs sie covern. Denn auch auf Glory Box behalten die Beatsteaks diese mystisch, bedrohliche Atmosphäre von Gibbons bei. Was der Band allerdings nicht gelingt und auch nicht gewollt zu sein scheint, ist die Fragiliät, die Gibbons auf Glory Box in ihre Stimme legt. Die Beatsteaks brechen behutsam aus dem lethargischen Korsett des Portishead-Songs aus und lassen mit überwältigenden Gitarrensoli und berstenden Drums eine Wand von Sound entstehen, ehe im nächsten Moment wieder alles in sich zusammenfällt und zum Gefühl des Bristoler Duos zurückkehrt. Sind mit Monotonie und Glory Box nun bereits zwei Songs der kommenden EP bekannt, halten die Beatsteak die vier noch ausstehenden Songs weiterhin streng geheim – umso größer wird die Überraschung mit jedem weiteren Release und dürfte vor der EP-Veröffentlichung bestimmt noch ein Song zur Vorabveröffentlichung drin sein.

Bosse - Der Letzte Tanz

Bosse – Wann war Dein letzter Tanz?!

Der Sympathiebolzen schlechthin ist zurück! Bosse hat mit Der letzte Tanz eine neue Single veröffentlicht und zeigt uns einmal mehr, warum wir den sympathischen Musiker so lieben. Bosse spricht nicht lange um den heissen Brei herum und folgt seinem Gefühl. Die damit verbundene Direktheit erreicht die Fans einmal mehr und lässt die Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen mit dem Sänger nicht abreissen. Nun fordert Bosse uns in seinem neuen Song auf, so zu tanzen, als wäre es der letzter Tanz. Dabei treffen die Zeilen auf verschiedenen Ebenen. Sicherlich – die offenbarste Situation beschreibt das Ende einer Beziehung. Doch im Jahr 2020 trifft uns der Satz tanz, als wäre es der letzte Tanz gerade auch deshalb, weil wir eben nicht, wie sonst, auf Konzerten, Festivals oder im Club zu unserer Lieblingsmusik tanzen können. Doch was Axel Bosse zum Ausdruck bringen möchte ist vielmehr der Moment, an dem man sich noch nicht ganz bewusst ist, dass man etwas zum letzten Mal tut oder wiederum so verfährt, sich sogar im Klaren zu sein, diesen bewussten Schritt zu gehen.

Bosse
Bosse

So kennen einige bestimmt den Moment, eine schwitzige Clubnacht gehabt zu haben und zu wissen, dass der Club nach dieser Nacht für immer schließt. Das wäre hier allerdings die entfernteste Interpretation des Songs. Vielmehr geht es Bosse aber wohl um die Beziehung zwischen zwei Menschen, die sich verabschieden. Ob es eine Trennung oder der Wegzug ist. Die so frei gewordenen Emotionen zelebriert Bosse in Der letzte Tanz einmal mehr so wunderbar euphorisch, dass aus der eigentlichen Trauer ein hymnisch, ekstatischer Song wird. Hatte Bosse 2018 mit Alles Ist Jetzt sein letztes Studioalbum veröffentlicht, folgten letzten Jahr mit Kein Geld Der Welt (zusammen mit Chefboss) und Ich Warte Auf Dich (mit Capital Bra und Prinz Pi) zwei Singles ausserhalb der Reihe. Nun könnte Der Letzte Tanz darauf hindeuten, dass von Bosse womöglich eine neue Platte in Arbeit ist. Während wir auf diese Ankündigung noch warten müssen, tanzen wir einfach den letzten Tanz immer und immer wieder.

Amy MacDonald - Crazy Shade Of Blue

Amy MacDonald – Ein Song für die eigene Interpretation

Vor knapp vier Wochen kam Amy MacDonald mit der ersten Singleauskopplung The Hudson aus ihrem kommenden, fünften Studioalbum The Human Demands zurück. Ging es in dem Song um die Erlebnisse ihres Vaters aus den Reisen seiner Eltern in das New York der 70er Jahre, ist der Song eine emotionale Liebeserklärung an ihre Eltern. Nun hat MacDonald mit Crazy Shade Of Blue die zweite Single ausgekoppelt und begibt sich damit in ungewohntes Fahrwasser. Denn hier gibt es keine schnellen Gitarren, sondern vielmehr einen reduzierten Austausch zwischen der Gitarre und MacDonalds Gesang. Es ist ein Song, in dem man sich verlieren kann. Denn sobald das Orchester hinzukommt, wird aus Crazy Shade Of Blue eine opulente Liebesballade, die nicht mit den typischen Texten aufwartet. Vielmehr geht es hier um die Momente, einen Menschen so sehr zu vertrauen und ihn zu lieben, dass man sich förmlich nackig macht. Mit der Person all die Macken und Verletzbarkeiten teilt und sich so auf eine neue Ebene des Vertrauens begibt. Gleichzeitig klingt Crazy Shade Of Blue kräftig aber bedrohlich – immer auch wissend, dass diese Verletzbarkeit ausgenutzt werden kann.

Amy MacDonald - The Human Demand
Amy MacDonald – The Human Demand

Es ist ein Song, in dem man sich in eine Retrospektive begibt, in seinem inneren Auge Situationen aus dem eigenen Leben Revue passieren lässt und Momente beleuchtet, in denen man sich geborgen und beschützt gefühlt hat. Amy MacDonald schafft es mit Crazy Shade Of Blue eine neue Tür in ihrem Sound aufzumachen und zeigt sich vielschichtiger, als es auf ihren letzten Alben zu hören war. Mit ihrem – in knapp vier Wochen erscheinenden – neuen Album The Human Demands lässt uns die schottische Sängerin an ihren Gefühlen teilhaben und verspricht ein äußerst persönliches Album zu veröffentlichen. Mit Crazy Shade Of Blue zeigt MacDonald eindrucksvoll, dass sie sich aus ihrer Komfortzone herauswagt, aber auch genug Raum für eine eigene Interpretation des Songs lassen möchte. So fügt sie Sängerin schließlich zu der Veröffentlichung des Songs noch hinzu; Ich weiss, wie ich mich mit dem Song fühle, möchte Euch aber selbst entscheiden lassen, was Ihr fühlt.

Birdy - Open Your Heart

Birdy – Die große Rückkehr zum Klavier

Eine Stimme und ein Klavier reichten 2011 aus, um das immense Talent einer britischen Sängerin in die Welt zu tragen. Mit Coversongs von Phoenix, The XX, Bon Iver oder Cherry Ghost hatte sie eine emotionale Power in die Songs gebracht, die in den Originalen immer nur situativ erlebbar waren. Auch wenn die Originale heute allesamt zu den großen Klassikern zählen, hat vor allem Birdys Interpretation mit dem Klavier dafür gesorgt, die ganz großen Gefühle aufkommen zu lassen. Auch heute, neun Jahre nach der Veröffentlichung ihres Debütalbums Birdy, haben die Songs nichts an ihrer Wirkung verloren. Bemerkenswert an Birdy war die großartige Auswahl an herausragenden Künstlern, deren Songs die damals 14-jährige Sängerin coverte und damit einen erstaunlichen Musikgeschmack bewies. 2013 folgte mit Fire Within ihr zweites Album, ehe 2016 mit Beautiful Lies ihr bislang letztes Album erschien. Mit Songs, wie Not About Angels (2014), Keeping Your Head Up oder der Zusammenarbeit mit Sigma auf Find Me (beide 2016) konnte sie schließlich immer wieder aufs Neue begeistern. Nach fünf Jahren als absoluter Überflieger brauchte die damals gerade 20 gewordene Britin 2016 eine Pause und zog sich aus der Öffentlichkeit zurück. Seitdem schreibt sie an neuen Songs und hat weit mehr Songskizzen angefertigt, als auf ein Album passen würden. Da der Britin die Songs allerdings wichtig sind, fand sie einen Weg, so viele, wie möglich, zu veröffentlichen. So kommt – bevor 2021 ein neues Album von der Sängerin erscheinen wird – Anfang November die EP Piano Sketches auf den Markt, von der nun eine erste Single ausgekoppelt wurde.

Birdy - Piano Sketches

Birdy – Piano Sketches

Nachdem sich Birdy auf dem zweiten und dritten Album vielen neuen Elementen öffnete und auch mal schneller und poppiger klang, findet sie auf Open Your Heart wieder zurück zu ihrem Klaviersound der Anfangszeit. Hierbei wird – gleich beim Ertönen des ersten Klavieranschlages – klar, dass die Sängerin diese große Gabe, Gefühle so natürlich und direkt zu transportieren, immer noch besitzt und so authentisch und sanft klingt, wie auf ihren Coverversionen vor fast zehn Jahren. Birdy selbst sagt über die Musik ihrer neuen EP – Ich habe eine Menge Musik geschrieben, auf die ich so stolz bin, die aber womöglich normalerweise nicht das Licht der Welt erblicken würde – ich werde diese reduzierten Tracks über die kommenden Monate vor dem Album veröffentlichen. Zusammen geschrieben und aufgenommen hat sie den Song in Los Angeles mit Rick Nowles – der unter anderem an The Power Of Good-Bye für Madonna, White Flag für Dido oder Loud Places für Jamie XX mitgeschrieben hat. Hier ist es Jasmine Lucilla Elizabeth Jennifer van den Bogaerdes – wie Birdy bürgerlich heisst – Wunsch, diese Songs einer breiten Masse zugänglich zu machen. Mit der EP Piano Sketches kommt sie ihrem eigenen Wunsch nach und präsentiert uns eine erwachsene Sängerin, die mit ihrer klaren Stimme, zehn Jahren nach ihrem großen Durchbruch noch immer direkt ins Herz geht.

Bob Marley feat. Robin Schulz - Sun Is Shining

Bob Marley & The Wailers feat. Robin Schulz – Der ewige Sommerhit

Es ist ein Song, der im Sommer kaum präsenter sein könnte. Dabei wurde Sun Is Shining bereits vor rund 50 Jahren veröffentlicht und musste lange Zeit auf seinen Ruhm warten. Wurde der von Bob Marley And The Wailers aufgenommene Song erstmals auf dem 1971 veröffentlichten Album Soul Revolution rausgebracht, fand er sich 1973 auf African Herbsman und 1978 auf Kaya – neu aufgenommen – nochmals wieder. Ist der Song heute ein großartiger Sommerhit und wird jedes Jahr wieder in der Sommerzeit rauf- und runtergespielt, hatte Marley den Song zu Lebzeiten nur sehr selten performed – so sind bis heute nur zwei Momente bekannt, zu denen Marley den Song jeweils als Opening Track gesungen hatte. Nach seinem Tod sollten noch knapp 18 Jahre vergehen, bis dieser Song endlich zu seinem verdienten Ruhm gelangte. Dieses Mal galt allerdings eine Remixversion als Auslöser. Denn der dänische Produzent Funkstar De Luxe remixte Sun Is Shining so herausragend, dass ihm damit der internationale Durchbruch und Erfolg gelang. So schaffte es der Song in 20 Ländern in die Charts und in 13 davon bis in die Top-10. Dabei haben die Songs Marleys seit jeher immer wieder ihren Weg in die Clubszene gefunden, wie der Remix Is This Love von den Produzenten und DJs LVNDSCAPE & Bolier zeigt.

Bob Marley
Bob Marley

Nun – abermals knapp 20 Jahre später – ist es der deutsche DJ und Produzent Robin Schulz, der sich des Songs nochmal angenommen hat und eine pumpende Reggae-Fusion präsentiert. Mit dem Vibe von dicker, heißer Sommerluft zeigt uns Schulz seine Interpretation des Marley-Klassikers. Dabei bearbeitete Schulz Sun Is Shining ähnlich zurückhaltend, wie zuletzt auf seiner Interpretation des Wes‘-Songs Alane. Hier wechseln sich die typischen Elemente des Originals mit einer stampfenden, von Trompeten begleiteten Bridge ab und weisen mit frickligen Soundspielereien auf einen modernen Anstrich hin. Nach mehreren erfolgreichen Singles, wie SpeechlessIn Your Eyes und Alane ist Sun Is Shining bereits die achte Single, die ohne ein dazugehöriges Album veröffentlicht wurden. Ob es von Schulz demnächst ein viertes Studioalbum geben wird, steht aber weiterhin noch nicht fest. Doch lassen uns so sommerliche Songs, wie Sun Is Shining darüber hinwegsehen und Robin Schulz‘ neuen Song direkt wieder auf unsere Playlist setzen.

Møme, Ricky Ducati - Got It Made

MØME feat. Ricky Ducati – Wenn die Disco zu Dir kommt

Er ist mit neuem Material zurück! Hat der Franzose Jérémy Souillart unter seinem Musik Alter-Ego MØME in den letzten beiden Jahren vor allem die Trilogie Møment I, Møment II (beide 2018) und Møment III (2019) veröffentlicht, ist es sein unverwechselbarer Discosound, der MØME auf jeder Tanzfläche zum Hit werden lässt. Zusammen mit Ricky Ducati veröffentlicht MØME nun abermals einen Song, in dem der kalifornische Sänger mit seiner hohen Stimme glänzen kann. Dabei klingt Ducati auf Got It Made fast schon einem der Bee Gees Brüder zum verwechseln ähnlich. Mit einem hervorstechenden Bassbeat und dem hallenden Gesang Ducatis wird Got It Made zum Ausreißer in die 70er Jahre und lässt uns an die Bilder aus Saturday Night Fever denken. Dabei können wir auf noch deutlich mehr Musik der beiden hoffen, hat MØME doch ein Album angekündigt, welches er zusammen mit Ducati aufgenommen hat, Flashback FM heissen und voraussichtlich im kommenden Jahr erscheinen wird. Mit der geballten Ladung French House, Elektro, Disco, Synthie und Funk bereitet uns der Franzose mit Got It Made also auf eine satte Ladung Discotunes vor. Zusammen mit dem passenden Musikvideo haben MØME und Ducati eine kleine Zeitreise gewagt, erklärt der Franzose. Wir stellten uns ‚Got It Made‘ als eine Zeitreise in die 70er/80er Jahre von Los Angeles vor, die von einem imaginären Pop-Radiosender stammt – wir hätten Kalifornien zu dieser Zeit wirklich gerne kennengelernt. Wir wollten, dass das Video eine visuelle Interpretation davon ist. Dies ist den beiden gelungen und zeigt gleichzeitig, dass sich MØME für dieses Projekt deutlich persönlicher präsentiert. Hier klingt der Song nicht mehr nur nach einem Sommerhit, sondern gleichzeitig auch noch stärker nach einem Charakter, als wir es von seinen vorherigen Songs gewohnt sind. Mit Got It Made dürfte MØME zusammen mit Ducati für einen heißen Sommer sorgen, der bedingt durch die Pandemie aus unseren Wohnzimmern eine Disco werden lässt.

Lady Gaga feat. Ariana Grande - Rain On Me

Lady Gaga feat. Ariana Grande – Tanzt auf den Tischen!

Die neue Single Rain On Me von Lady Gaga zusammen mit Ariana Grande scheint eine ganz neue Interpretation des 1929er Klassikers Singin‘ In The Rain zu sein. Tanzen sie doch fast schon in Cyborg-Outfits und futuristischer Umgebung im Regen zu ihrem neuen Song. Dabei erstaunt Gagas Rückkehr zum ursprünglichen Musikstil weniger – war doch der Erfolg ihrer Platten, wie die Zusammenarbeit mit Jazz-Legende Tony Bennett auf Cheek to Cheek (2014) und dem Country-Album Joanne 2016 mit jeweils 1 Million verkauften Platten deutlich unter Gagas gewohnten Verkaufszahlen. Schließlich konnte die US-Amerikanische Sängerin mit ihrem Debütalbum The Fame (2008) 15 Millionen, mit Born This Way (2011) 6 Millionen und mit Artpop (2013) immerhin noch 2,5 Millionen Platten verkaufen. Mit ihrem – vor zwei Wochen veröffentlichten – neuen Album Chromatica konnte sich Gaga nun wieder an die Spitze der Albumcharts von 17 Ländern setzen und erreichte in weiteren 9 Ländern die Top-5. Zusammen mit Ariana Grande hat sich Gaga auf Rain On Me wieder dem gewohnten Dance-Pop zugewandt und einen mitreissenden Feel-Good-Song veröffentlicht. Das dazugehörige Musikvideo zeigt Gaga einmal mehr in Top-Form, während sie mit Grande eine auschoreografierte Performance hinlegt. Rain On Me ist dabei als Metapher zu sehen und beschreibt Gagas Kampf gegen den Alkohol – der ihr viele Tränen eingebracht hat. Gaga selbst fügte in einem Interview schließlich hinzu, dass es ein Zelebrieren der Tränen ist um sich selbst klar zu machen, durch was für eine harte Zeit man gegangen istRain On Me ist ein strahlender Popsong, der sich nahtlos in die Reihe von erfolgreichen Songs der New Yorkerin einordnet und einem dabei zum tanzen abholt.

Surf Mesa feat. Emilee - ily (i love you baby)

Surf Mesa feat. Emilee – Ein chilliger Sommerhit in all der Aufregung

Zur Zeit ist alles anders. Eine Flut an Informationen prasselt auf uns ein und wir werden immer schneller im Aufnehmen von Inhalten. Da kommt uns der gerade einmal 19-jährige Produzent Surf Mesa mit seiner wunderbar entspannten Interpretation von Can’t Take My Eyes Off You vom – ebenfalls aus den USA kommenden – Musiker Frankie Valli gerade recht. Als Surf Mesas Version hat der Song den Namen ily (i love you baby) und wird von der ebenfalls gerade einmal 20-jährigen Sängerin Emilee Flood gesungen. Diese ist auf TikTok in aller Munde und veröffentlicht dort regelmäßig Coversongs von Künstlern, wie Billie Eilish, Coldplay, Angus & Julias Stone oder Of Monsters And Men. Surf Mesa – der bürgerlich Powell Aguirre heißt – hat vor etwa drei Jahren mit dem veröffentlichten von Songs auf Soundcloud angefangen. Dabei kam er erst über die Jahre zu seinem jetzigen Sound. Waren es anfangs trancelastige EDM-Beats, sind es heute chillige House-Vibes, die der US-Amerikaner verwendet. Auf ily (i love you baby) ist es der geloopte und verträumte Synthie Dance, der den Song so wunderbar zu einem Sommerabend passen lässt. Mit warmen Beats, der sanften Stimme Floods und dem wiederkehrenden Refrain ist ily (i love you baby) ein absoluter Ohrwurm und wird uns sicherlich noch ein paar Monate begleiten. Dabei ist ily (i love you baby) der bisher größte Erfolg des – in Los Angeles lebenden – Producers und konnte sich mittlerweile in über 20 Ländern in den Charts platzieren – wobei es in Deutschland, Belgien und der Schweiz sogar zu einer Top-10 Platzierung reichte. Wer sich auf dem Balkon oder im Park die aktuellen Sonnenuntergänge anguckt und dafür noch einen perfekten Soundtrack sucht, ist bei ily (i love you baby) genau richtig.

 

Major Lazer feat. Marcus Mumford - Lay Your Head On Me

Major Lazer feat. Marcus Mumford – Dance trifft auf Folk

Es ist eine Kombination, die sich keiner hätte vorstellen können. Sind Major Lazer mit ihren Dance-Anthems Watch Out For ThisLean On und Cold Water für drei der prägendsten Partyhits der 2010er Jahre bekannt – hat es das jamaikanisch/US-Amerikanische Trio um den Produzenten Diplo mit einem Mix aus Reggae, Dancehall und House geschafft, weltweit an die Spitze der Charts zu kommen. Nun stehen sie vor der Veröffentlichung ihres vierten Studioalbums Lazerism und haben seit Mai 2019 bereits drei Singles daraus veröffentlicht. Ihre neuste Veröffentlichung Lay Your Head On Me sorgt dann allerdings doch für eine Überraschung – denn als Gastsänger ist kein Geringerer, als der Mumford & Sons-Frontmann Marcus Mumford mit von der Partie. Dieser hatte sich mit seiner Folk-Band innerhalb der letzten zehn Jahre zu einer der erfolg- und einflussreichsten britischen Bands entwickelt und gewann 2013 zwei Grammys für Best Album (Babel) und Best Music Film (Big Easy Express). Zuletzt hatte Marcus Mumford allerdings angekündigt – während die Band eine Pause einlegt – verstärkt mit anderen Songwritern und Musikern zusammenzuarbeiten. Herausgekommen ist als Erstes die völlig heruntergefahrene Interpretation des Gerry & The Pacemaker-Klassikers You’ll Never Walk Alone. Gleichzeitig haben nun Major Lazer mit ihrer neuesten Singleauskopplung Lay Your Head On Me und Marcus Mumfords rauchigem Gesang einen wahren Genre-Hybriden geschaffen. Denn sowohl Major Lazer, als auch Marcus Mumford bleiben darauf ihren musikalischen Wurzeln treu und könnten auf Lay Your Head On Me auch unabhängig voneinander existieren. Mumfords ruhiger Gesang und die verspielten Beats Major Lazers lassen den Song leicht und unbeschwert klingen und dürften für einen enormen Push an Aufmerksamkeit sorgen. Auf Lay Your Head On Me verrät weder Marcus Mumford seine Wurzeln, noch tun es Major Lazer und klingen dabei frisch und überraschend.

Lea Porcelain - Future Hurry Slow

Lea Porcelain – Wie stark ist unsere Gemeinschaft

Wir stehen vor einer Herausforderung, in der wir eigentlich schon mitten drin stecken. Mit social distancing und Kontakteindämmung, sehen wir uns immer öfter in den eigenen vier Wänden sitzen und die Zeit wegrennen sehen und ertappen uns dabei das ein oder andere plötzlich anzuzweifeln. Lea Porcelain haben darüber ein Lied geschrieben und zeigen uns auf Future Hurry Slow ihre Interpretation der Lage. Dabei braucht das Berliner Duo gar nicht all zu sehr auf die brandaktuelle Lage eingehen, sondern zeigt viel allgemeiner, wie sehr jeder mit sich selbst beschäftigt ist. Mit der eigenen Angst, eigenen Gedanken, Gefühlen und dem ganz eigenen Glück. Liesst man sich die Zeilen unter dem Musikvideo durch, während Future Hurry Slow läuft, wirkt es wie eine Retrospektive eines gesellschaftlichen Ausschnitts. Und damit sind wir genau an dem Punkt, an dem uns Lea Porcelain sagen, dass Zeit kein Gut ist, mit dem man beliebig arbeiten kann. Sondern vielmehr müssen wir mehr denn je lernen, dass Zeit ein fließender Vorgang ist und wir nicht einfach Pause drücken können – wie es Lea Porcelain beschreiben. Mit einer Gitarre und sanften Arrangement wird Markus Nikolaus‘ flehende Stimme fast resignierend. Denn Future Hurry Slow ist nur eine Interpretation von Zeit und nicht die Gewissheit. Aber eine unglaublich schöne Interpretation.