G-Eazy - Free Porn, Cheap Drugs

G-Eazy – Ehrlich und rein zum neuen Sound

Er ist aktuell einer der aktivsten Rapper, die die USA zu bieten haben und hat nicht nur selbst mit Songs, wie Me, Myself & I mit Bebe Rexha (2015), Good Life mit Kehlani, No Limit mit ASAP Rocky & Cardi B oder Him & I mit Halsey (alle 2017) international so richtig abgeräumt – sondern ist auch immer wieder ein gern gesehener Featuring-Act bei Stars, wie Britney Spears, Chris Brown, Vic Mensa oder Dillon Francis. Doch was uns Rapper G-Eazy nun präsentiert, ist ein wahrer WTF-Moment. Denn mit seiner neuesten Single Free Porn, Cheap Drugs überrascht der 31-Jährige Rapper nicht nur all seine Fans – sondern schockt sie regelrecht. Denn mit Free Porn, Cheap Drugs krempelt der US-Amerikaner seinen Sound komplett um und liefert plötzlich einen soften Indie-Rock-Song ab, der mit richtigem Gesang und einer Kopfstimme aufwartet. Dabei kündigte G-Eazy bereits an, dass er während der Pandemie- und Lockdown-Zeit viel mit seiner Musik experimentiert hat und es Zeit ist, ein neues Kapitel aufzuschlagen. Dass sich dieses Kapitel allerdings so deutlich anders anhören würde, hätte wohl keiner geglaubt. Doch die wabernden Indie-Gitarren und der melancholische Vibe stehen dem Musiker äußerst gut und zeigen erstaunlich viel Mut in einem Business, das immer noch vor allem durch protzende Männlichkeit geprägt wird. In einem Post auf seinen sozialen Kanälen kommentiert G-Eazy – der bürgerlich Gerald Earl Gillum heisst – dass ihn die letzten Wochen komplett verändert haben und er in der Phase des Social Distancing viel über sich selbst nachgedacht hat. Gegen eventuelle Hater seines neuen Sounds schließt er dann auch mit dem Satz ab, dass dieses Projekt eine Darstellung davon ist, wo mein Herz und mein Kopf jetzt sind. Es ist ehrlich und rein – ich bin es auch. Nehmt es an oder lasst es – so fühle ich mich eben nun mal gerade. Mit dem Projekt meint G-Eazy Everything’s Strange Here, welches er am 5. Juni auf Spotify veröffentlicht hat und sich mehr auf Gesang konzentriert. Mit Free Porn, Cheap Drugs erreicht der Rapper auf jeden Fall ein ganz neues Publikum und überrascht positiv mit einem verträumten Indiesound.

Two Year Vacation - Never Been To Paris

Two Year Vacation – Reisen in Zeiten der Pandemie

Wie gehen wir eigentlich in der momentanen Zeit mit unserem Fernweh um?! Die einen versinken wahrscheinlich im Selbstmitleid um unzählige verpasste Chancen, die Welt zu entdecken. Die anderen machen daraus Musik – wie wir es gerade bei dem schwedischen Quartett Two Year Vacation sehen können. Denn mit ihrer neuen Single Never Been To Paris haben die Göteborger eine so sympathische Nicht-reisen-können-Hymne veröffentlicht, dass man schon fast wieder Reiselust bekommt. Bereits mit ihrer Single I Forgot Your Name (But I Like You) aus dem Frühjahr 2019 stellte klar, dass Two Year Vacation mehr für die gute Laune zu haben sind, als melancholische Melodien. Und selbst, wenn sie, wie bei Never Been In Paris über die begrenzten Möglichkeiten zu Reisen singen, klingt es immer so, als würden sie dabei ein Lächeln auf den Lippen haben. Mit großartigm Indiesound und dem verschmitzten Gesang Anton Tuvessons klingt Never Been In Paris nach so viel Spaß, dass man sich fast selbst in Paris wiederfindet. Hinzu kommt das amüsante Musikvideo, bei dem sich die Band – dank eines Greenscreen-Studios – nach Paris projektieren und einen auf Franzosen machen. Locker, selbstironisch und mit einer gehörigen Portion Humor singen sich Two Year Vacation mit jedem neuen Song weiter in die Herzen aller Indieliebaber und lassen die Vorfreude auf ihre – am 12 Juni erscheinende – EP Bedroom Rock damit steigen.

Circa Waves - Move To San Francisco

Circa Waves – Schlag auf Schlag

Schaffte es der Song Movies noch bis in den Winter 2019/2020 hinein populär zu sein und durch die Blogs zu geistern, haben die Circa Waves mit Sad/Happy bereits ihr viertes Album veröffentlicht. Wenn man es genau nimmt, ist Sad/Happy sogar ein Doppelalbum, dessen erster Teil Happy am 10. Januar veröffentlicht wurde. Der zweite Teil Sad wird am 13. März folgen und zusammen schließlich als Doppelalbum veröffentlicht werden. Dabei dient die aktuelle Single Move To San Francisco als perfekter Teaser für ihren direkten Indiesound, der mit viel Gitarren und wildem Gesang die pure Freude ausstrahlt. Für Move To San Francisco haben sich die Circa Waves vom Instrument der Beatles beeinflussen lassen – dem Mellotron. Dazu kam noch der Drang nach einer Flucht und Pessimismus, der die Band nach San Francisco führte. Hier haben sie dann auch das passende Musikvideo aufgenommen und das ganze in einer Art Do It Yourself Manier zusammengeschnitten. Mit Move To San Francisco präsentiert sich die Band nur ein Jahre nach ihrem dritten Album What’s It Like Over There? in kreativer Höchstform und zeigt mit gleich zwei Alben, wie viel sie zu erzählen haben.

Haim - Summer Girl

Haim – Chill so hart Du kannst

Die Haim-Schwestern sind für ihren poppigen Indiesound bekannt. Mit ihren beiden bisher veröffentlichten Alben Days Are Gone (2013) und Something To Tell You (2017) hatten sie einen Einfluss auf die aktuelle Poplandschaft geltend gemacht, der in dem Begriff der Haim-Schwestern als eigenständiges Subgenre mündete. Nun haben die Schwestern, zwei Jahre nach ihrem letzten Album, mit Summer Girl eine erste, neue Single veröffentlicht, die wohl das Warten auf ihr drittes Album verkürzen soll. Dabei kommt Summer Girl so unglaublich lässig und relaxt rüber und hat doch einen ganz ernsten Hintergrund, denn im Schreibprozess des Songs erfuhr Danielle Haim, dass ihr Freund an Krebs erkrankt sei. Dass der Song dennoch so fröhlich klingt, ist dem Willen Danielles zu verdanken, die für Ihren Freund stets eine positive Insel sein und ihm in der Zeit mit Freude und Geborgenheit zur Seite stehen wollte. Mit einer enorm starken Referenz an Lou Reeds Walk On The Wild Side lässt sich Summer Girl wunderbar in chillige Momente integrieren und funktioniert durch die Stimme der Schwestern einfach perfekt. Dass Summer Girl eine verträumte Sommerballade ist, zeigen uns Haim in keinem Moment. Doch ist Summer Girl, obwohl er sich so entspannt präsentiert, eine wahre Streicheleinheit für die Seele und zeigt, dass die Haim-Schwestern wieder da sind.

The Coronas - Find The Water

The Coronas – Mit großartiger Hymne zum neuen Album?

Gesund gewachsen – diese Aussage passt auf The Coronas aus Irland am besten, sollte man einmal dazu kommen, ihren stetigen Aufstieg zu beschreiben. Haben die Jungs aus Dublin doch mit ihren bisherigen fünf Alben einen so gesunden Wachstum erlebt, sind sie mittlerweile mit ihrem letzten Album Trust The Wire (2017) erstmals auf Platz 1 der irischen Albumcharts gelandet. Dieser Erfolg wird nicht etwa von großen Plattenfirmen und ausufernden Marketingstrategien geleitet, sondern resultiert aus ständigen Gigs und harter Arbeit. So ist es zur Tradition geworden, dass The Coronas jedes Jahr im Dezember an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen das Dubliner Olympia Theatre bespielen und damit eine Gewohnheit geschaffen haben, die für das Dubliner Publikum zu einer Art Homecoming-Event geworden ist. Auf ihrer nun veröffentlichten Single Find The Water zeigen sich The Coronas jedoch plötzlich überraschend zurückhaltend. Standen alle vorherigen Leadsingles immer im Zeichen von wilden Indiesounds, ist Find The Water eine verträumt, melancholische Alternative-Ballade, die eine gewissen Getriebenheit ausstrahlt. Mit einem schnellen Mittelteil wird der Song zu einer Wolke aus Schmerz, Leid, Aufbruch und Vertrauen. The Coronas zeigen damit einen ungewöhnlich klingenden Sound, der zu Recht auf ein bald kommendes Album hoffen lässt.

Sticky Fingers - Kick On

Sticky Fingers – Die, die den Schweiß auflecken

Wenn sich eine Band mit den Worten wenn The Clash, Pink Floyd und die Arctic Monkey drei Schweißperlen sind, die deinen Rücken hinablaufen, so sind es die Sticky Fingers, die sie auflecken vorstellt, kreiert das erst einmal ein recht schräges Bild von einer Band. Bei den aus Sydney kommenden Jungs von Sticky Fingers ist das zwar passend, allerdings nur ein Teil der Wahrheit. Denn mit ihrem Indie-Rock voller Energie schaffen die Sticky Fingers einen kleinen Kosmos um sich herum. Die aktuelle Single Sunsick Moon ist dabei das beste Beispiel. Hier zeigen sich die Jungs um Frontsänger Dylan Frost verträumt aber trotzdem laut. Damit haben sie einen Song produziert, der wunderbar in das Konzept ihres aktuellen Albums Yours To Keep passt, welches an einen 2016 verstorbenen Produzenten ihrer Alben erinnern soll. Erinnerung ist dabei ein ganz zentrales Thema, da die Australier sich auf ihrem aktuellen Album reflektieren und sowohl in Erinnerungen schwelgen – was unter anderem im Song Sunsick Moon stark zu hören ist – als auch eine Art Aufbruchstimmung transportieren. Waren die Sticky Fingers erst am vergangenen Wochenende in Berlin und konnte sie der ein oder andere nicht live sehen, können wir uns auf dem Album Yours To Keep von diesem wunderbaren Indiesound überzeugen lassen.

Bodi Bill - What If

Bodi Bill – Dunkel, Elektronisch, Wabernd

Bodi Bill sind zurück! Nach einer fast siebenjährigen Pause vom Bandleben haben sich die drei Berliner Fabian Fenk, Anton Feist und Alex Stolze mit zwei neuen Songs zurückgemeldet und lassen die Bombe direkt am Anfang platzen. Denn hatte das Trio Ende März mit Kiss Operator eine erste Single veröffentlicht, folgte nun – nur vier Wochen später – mit What If – Song Nummer zwei. Zu der Veröffentlichung gab es gleich ein paar Gigs auf den Festivals Futur 2 Festival, Watt En Schlick Fest 19 und Golden Leaves Festival 2019 zu verkünden. Mit What If veröffentlichen Bodi Bill eine geheimnisvolle Single, die durch eine elektronische Klangwolke zieht und gleichzeitig mit einem Indiesound aufwartet, der uns – nach knapp der Hälfte des Songs – in einen tanzbaren Hypnosezustand versetzt. Dabei konzentrierten sich Bodi Bill auf den Zustand, zwischen dem Loslassen und Festhalten zu stehen und der Liebe und das Hadern, was oftmals in einander übergeht, wiederzugeben. Melancholisch – aber nicht traurig – klingt What If nach einem Soundtrack des Berliner Nachtlebens, mit all seinen Facetten und Variationen.

Giant Rooks - 100 mg

Giant Rooks – EP Nummer 3

Die Giant Rooks haben sich in den letzten drei Jahren kontinuierlich nach oben gearbeitet. Mit einer stetigen Veröffentlichung von neuen Songs und Konzerten, die immer mehr europäische Länder umfasste, haben es Frontsänger Frederik Rabe und seine Band geschafft, sich eine Fangemeinde aufzubauen, die mittlerweile eine beachtliche Zahl erreicht hat. So hat ihre – gerade mit einem Musikvideo versehene – neue Single 100 mg binnen drei Tage geschafft, was noch vor zwei Jahren mehrere Monate gedauert hätte – 65.000 Klicks zu erzielen. Dabei ist 100 mg die perfekte Weiterentwicklung des Giant-Rooks-Indiesounds, der sich bereits auf New EstateBright Lies oder Mia & Keira (Days To Come) zeigte und nun durch Wild Stare fortgeführt wird. Hier steht nicht die große Soundveränderung im Vordergrund, sondern viel mehr die Ausarbeitung der Stärken der Band. Diese liegen zweifellos in schnellen Gitarrensounds, aufregenden Schlagzeugen und der einprägsamen Stimme Rabes. Am vergangenen Freitag wurde daher nun mit der Wild Stare EP die dritte Extended Play veröffentlicht und bietet einmal mehr den großartigen Indiesound der Band für zu Hause. Mit 100 mg haben die Giant Rooks eine wunderbar große Nummer geschrieben, die an die Hochzeit Mando Diaos erinnert und den frischen Sound der 2019er grandios mit der Indiehochzeit Mitte der 2000er verknüpft. Wer jetzt aber denkt, dass man das alles schon mal gehört hat, sollte sich die EP anhören und sich der Energie der Band hingeben. Denn nichts steht mehr für Aufbruch, als der Sound des Quintetts aus Hamm in Nordrhein-Westfalen.

Lucy Spraggan – Das Singer/Songwriter-Herz aus Großbritannien

Lucy Spraggan hat eine aufregende Zeit hinter sich. Nahm sie 2012 an der Castingshow The X Factor teil und kam mit ihrem selbst geschriebenen Song Last Night (Bear Fear) prompt weiter, verließ sie die Show auf Grund von Erschöpfung und einem ausgebrannten Gefühl. In einem Interview, Jahre später, erzählte sie, dass die Teilnahme bei The X Factor ihr nicht gut tat und sie eine Zeit lang mit Burn-Out- und Depressionserscheinungen zu kämpfen hatte. Nichts desto trotz wollte sie weiter an ihrer Musikkarriere arbeiten und unterschrieb so – noch während der laufenden neunten Staffel von The X Factor, einen Plattenvertrag bei Columbia Records. Kurze Zeit später erreichte ihr Debütalbum, welches sie noch ohne Plattenvertrag veröffentlichte, Platz 22 der britischen Albumcharts. Drei Alben und acht Jahre später steht Spraggan nun mit Today Was A Good Day vor der Veröffentlichung ihres fünften Albums und hat mit Lucky Stars eine wunderbare erste Single veröffentlicht. Denn hier brilliert sie mit ihrem Singer/Songrwiter- sowie Indiesound und ihrem britischen Akzent und hat dabei eine wunderbar kräftige Pophymne geschrieben, die sympathisch wie natürlich rüberkommt. Dabei wollte Spraggan verdeutlichen, wie es ist, unterwegs zu sein und sich ängstlich zu fühlen, als sei man nicht von dieser Welt. Doch dann kommt man nach Hause und fühlt sich geborgen, sicher und wohl. Dabei ist einer ihrer Lucky Stars ihre Frau und ihre Familie. Spraggan wollte mit Lucky Stars ein fröhliches Musikvideo machen und mit dem Song einfach eine unbeschwerte und spaßige Zeit haben und diese an Ihre Fans weitergeben. Und das ist ihr vollends gelungen.

Cosby – Bekannter Song in neuem Gewand

Cosby sind gern gesehene Gäste auf SOML. Hier konnten Ihr bereits im Herbst 2014 von einer ihrer ersten Songs Boon & Bane lesen. Natürlich habe ich Cosby auch in den Folgejahren mit Songs, wie Yeah und Get Up immer wieder mit dabei gehabt. Dabei stellte Get Up die Weichen für Album Nummer zwei, welches als Milestone vor nunmehr einem Jahr veröffentlicht wurde. Die gleichnamige Single begeisterte dann auch mit einem warmen und wichtigen Musikvideo. Dass das Potential des Albums und der Single allerdings noch lange nicht ausgeschöpft waren, zeigt die nun veröffentlichte Remix-Version des Kölner DJs und Produzenten Michael Müller – alias Charming Horses. Denn dieser hat sich die Single Milestone noch einmal vorgenommen und einen Deep-House Track daraus gebastelt, der in einer Reihe mit Robin Schulz und Felix Jaehn ugenannt werden kann. Denn hier klingt Milestone nochmal eine ganze Spur größer und schafft den ohnehin angesagten Indiesound der Band noch einmal zu steigern. Milestone im Charming Horses Remix ist damit ein strahlender Stern am aktuellen Elektro- und Indiehimmel