Nathan Ball - All Comes Back To You

Nathan Ball – Wo gehör ich hin?

Es erstaunt fast ein wenig, dass wir von Nathan Ball neues Material zu hören bekommen, welches keinen elektronischen Beat unterlegt hat. Mit den letzten beiden Kollaboration auf Faithless‘ This Feeling und Icarus‘ Meet Me There hat sich der, aus Südwestengland kommende, Singer/Songwriter auf ungewohntes Terrain begeben. Weg war sein ruhiger Folksound und gaben plötzlich Dancebeats den Ton an. Dabei kennen wir Ball durch seine Songs Call It Love, Right Place und Echo eher aus dem Folk-Bereich. Nun hat der Brite mit seinem neuen Song All Comes Back To You einem Gefühl Bilder verliehen und zeigt uns eindrucksvoll seine Momentaufnahme des ersten Lockdowns. Geschrieben in seiner Heimat Cornwall, hat der Song die Einsamkeit und Verlorenheit als Ursprung. Denn während sich im Lockdown Paare und Familien gegenseitig stützen können, hatte man es als Single äußerst schwer.

Nathan Ball
Nathan Ball

Die daraus resultierende Einsamkeit baute sich in Ball immer mehr zu einem verloren fühlen auf. Dabei ist All Comes Back To You eine reduzierte Ballade, die sich ganz auf die Gitarre und den Gesang Balls konzentriert. Hier kommt eine Stimmung auf, die sich von dem Wunsch eine Neupositionierung speist. Das Gefühl des verloren seins ist dabei allgegenwärtig und gibt uns ein Gefühl von Trauer, Abschiedsgedanken und rohen Gefühlsausbrücken. Und es zeugt von einem Sänger, der seine durcheinander geratenen Gefühle aufgrund der ganzen Geschehnisse um ihn herum nicht mehr einordnen kann. Im Stile des zweiten Ben Howard Albums I Forget Where We Were ist Nathan Balls neue Single noch reduzierter und spricht eine musikalisch ästhetische Sprache, die sich über die sanften Nuances in Balls Stimme zu transportieren wissen.

The Best Of 2020 Vol.: 12

The Best Of 2020 Vol.: 12

01. SG Lewis – Chemicals (zum Artikel)

02. Faithless feat. Suli Breaks & Nathan Ball – This Feeling (zum Artikel)

03. Haiku Hands feat. SOFI TUKKER – Fashion Model Art (zum Artikel)

04. The Magician – You And Me (zum Artikel)

05. Poolside feat. Panama – Can’t Stop Your Lovin‘

06. The Avalanches feat. Jamie XX, Neneh Cherry & CLYPSO – Wherever You Go (zum Artikel)

07. Disclosure feat. Fatima Diawara – Douha (Mali Mali) (zum Artikel)

08. CamelPhat feat. Yannis Philippakis – Hypercolour (zum Artikel)

09. Bob Marley feat. Robin Schulz – Sun Is Shining (zum Artikel)

10. Bob Moses & ZHU – Desire (zum Artikel)

11. Jaded – In The Morning (zum Artikel)

12. Clueso – Flugmodus (zum Artikel)

13. SYML – The Dark (zum Artikel)

14. May And Robot Koch – Bad Kingdom (zum Artikel)

15. SIND – Welt Verändern (zum Artikel)

16. Aluna feat. SG Lewis – Warrior (zum Artikel)

17. SEEED – Hale Bopp (zum Artikel)

18. Moby – My Only Love (zum Artikel)

19. Billie Eilish – My Future (zum Artikel)

20. Ty Dolla Sign feat. Kanye West, FKA Twigs & Skrillex – Ego Death (zum Artikel)

21. The Coronas feat. Cian – Light Me Up (zum Artikel)
Faithless feat. Suli Breaks & Nathan Ball - This Feeling

Faithless feat. Suli Breaks & Nathan Ball – Ein Sommer, wie 2004

Sie gelten als Pioniere der elektronischen Szene Großbritanniens. Mit ihrem Mix aus Dance, House und Trip-Hop beherrschten Faithless die Clubs der 1990er und frühen 2000er. Neben ihren größten Erfolgen mit Insomnia (1995) und God Is A DJ (1998) waren es in den 2000ern vor allem die sommerlichen Sounds, wie One Step To Far (zusammen mit Dido), Mass Destruction und I Want More, die jeweils auf dem Thron aller Playlisten saßen. 2011 setzte die Band schließlich eine Pause ein und konzentrierte sich darauf, privaten Plänen nachzugehen. Während Sister Bliss und Maxi Jazz vereinzelt auf Kollaborationen zu hören waren, gab es für Rolle Armstrong – dem älteren Bruder von Sängerin Dido – unterdessen einiges zu tun. So hat sich der Produzent von Faithless unter anderem um die Produktionen der zwei letzten Alben von Dido gekümmert und unter dem Alias R+ 2019 sogar mit seiner Schwester zusammen ein komplettes Album rausgebracht. Nun sind Faithless, nachdem sie Anfang Juni – nur für wenige Stunden – einen neuen Track mit dem Namen Let The Music Decide veröffentlichten, mit einer weiteren neuen Single zurück und beenden damit ihre zehnjährige Schaffenspause.

This Feeling (Musikvideo)

This Feeling (Musikvideo)

Dabei haben sich die drei Musiker mit Nathan Ball und Suli Breaks zwei äußerst interessante und vielversprechende Künstler mit ins Boot geholt und begeistern mit einem enormen Sommersong, der wie gemacht, für die aktuelle Hitzewelle ist. Über die Zusammenarbeit mit Nathan Ball freue ich mich persönlich am meisten, begleitet SOML den Südengländer doch bereits von Beginn seiner Karriere an und interviewte den Singer/Songwriter noch in seiner Anfangszeit. Suli Breaks wiederum ist ein Spoken Words Poet, der bereits erste Erfahrungen im Musikbusiness gesammelt hat. Zusammen haben sie nun mit This Feeling einen Song veröffentlicht, der durch tropische Beats, eingängige Basslines und der leichten, markanten Stimme Nathan Balls begeistert. Faithless beschreiben den Song schließlich mit den Worten: Es ist ein Song, der in unseren Augen textlich und musikalisch die Erinnerungen an die großartigen, hinter uns liegenden Sommer transportiert. Mit den beiden ersten neuen Songs, innerhalb von zehn Jahren haben Faithless genau das Gefühl eingefangen, das wir alle diesen Sommer so sehr vermisst haben – mit Freunden an schweisstreibenden Tagen zum See zu fahren oder die tropischen Nächte der Großstadt unsicher zu machen. Die Hoffnungen, auf ein baldiges, neues Album dürften mit der neuesten Veröffentlichung gar nicht mehr so unrealistisch sein – wird doch in der britischen Presse bereits mit einer Veröffentlichung, noch in diesem Jahr gerechnet. This Feeling ist ein Song für den Moment und klingt dabei so zeitlos, dass wir ihn auch noch in den kommenden Sommern auflegen werden.

Agnes Obel - Broken Sleep

Agnes Obel – Ein Theaterstück von Musik

Schon 1995 besangen Faithless mit Insomnia die Schlaflosigkeit, die sie umtrieb. Damals wie heute ist Schlaflosigkeit ein Thema – vor allem bei Künstlern. Der Drang kreativ zu sein und seinen eigenen Ansprüchen gerecht zu werden, ist oftmals der Ursprung dieser Insomnie. Auch die dänische Sängerin Agnes Obel hatte damit zu kämpfen. Während sich Obel genau in Mitten ihrer Schlaflosigkeit aufgemacht hat, diese zu erforschen, wurde ihr bewusst, wie sehr sich Tod und Schlaf in unserer Gesellschaft ähneln. Dabei hat sich Obel von diesem Thema so sehr inspirieren lassen, dass sie ihm einen eigenen Song auf ihrem kommenden Album Myopia gewidmet hat. Broken Sleep ist hierbei so wunderbar unaufgeregt und mystisch, dass man sich in eine Fabelwelt voller beeindruckender gestallten wiederfindet. Mit einer Dramatik im Gesang lässt uns Obel teilhaben an einer Fabelwelt, die gespickt ist, von schlaflosen Wandlern, mystischen Tieren und beeindruckenden Farben. Wer Obels Songs hört, wird dies schnell erleben. Zeugt ihre Musik doch von warmen, gesättigten Farben, die an Ausdruck nichts verlieren und stets das innerste Verlangen nach Geborgenheit ansprechen. Myopia wird am 21. Februar erscheinen und Obel anschliessend auf Tour gehen.

R+ feat. Dido - My Boy

R+ & Dido – Geschwister der melancholischen Dancemusik

Zu allererst die Aufklärung – hinter R+ verbirgt sich der Bruder der britischen Sängerin Dido – Rolle Armstrong. Dieser hat mit Dido in den letzten zwanzig Jahren bereits einige Songs zusammen produziert. Darüber hinaus ist Rollo Armstrong Produzent und ein Drittel der britischen Dance-Urgesteine von Faithless und quillt das Duo Rollo und Dido Armstrong somit regelrecht über, vor musikalischer Erfahrung und Expertise. Sowohl auf One Step Too Far (2002), als auch auf Feelin‘ Good (2010) hatte Dido mit Faithless zusammengearbeitet. Nun steht die nächste Kollaboration mit ihrem Bruder in den Regalen und hört auf den Namen My Boy. Dabei ist der Song eine melancholisch tanzbare Dancenummer, die mit gewohnt hauchend klarer Stimme Didos überzeugt. Doch My Boy ist nicht der einzige Song, den die beiden zusammen aufgenommen haben. Vielmehr hat Rollo Armstrong unter den Pseudonym R+ Das Album The Last Summer veröffentlicht. Hierbei steht das R für Rollos Vornamen und das + für seine Schwester Dido und trägt sich durch den Wechsel von instrumentalen Song, experimentellen Songs und Gesangseinlagen Didos. Dass The Last Summer so wenig Aufmerksamkeit erfährt, verwundert ein wenig – sind doch die beiden Künstler nicht weniger als zwei der bedeutendsten britischen Musiker der vergangenen 30 Jahre. The Last Summer kann als klarer Anspieltipp mit vielen ruhigen Elektrosongs überzeugen und hat nicht nur mit My Boy tanzbares zu bieten.

Rüfüs Du Sol – Ein Name für Alle

Acht Jahre haben sie es durchgehalten, doch am Ende hat ein Name alles vereinfacht. Und so wird aus Rüfüs, Rüfüs Du Sol. Wurde der längere Name seit der Gründung 2010 ausschließlich für den US-Amerikanischen Markt verwendet, wird das australische Trio mit seinem dritten Studioalbum nun unter diesem Namen weltweit auftreten. Mit dieser Ankündigung einher, geht die Veröffentlichung des ersten Songs No Place, aus dem kommenden Album. War ihr Sound auf dem 2016er Album Bloom noch von Weite geprägt, klingt No Place nun deutlicher nach Club-Atmosphäre. Dabei greifen Rüfüs Du Sol in den ersten 40 Sekunden die Basis des Welthits Insomnia auf, welcher die britische Band Faithless über Nacht zu weltweiten Stars machte. Mit melodischen Bässen und mehrfachen Breaks geben Rüfüs Du Sol einmal mehr das, was wir von ihnen verlangen – treibende Beats und große, elektronische Emotionen.