Shallou - Fading

Shallou – Mit großen Schritten Richtung Erfolg

Shallou ist immer für einen guten Song zu haben. Bereits mit der EP Souls (2018) und der Single All Your Days hat der US-Amerikanische Sänger und Produzent Joe Boston gezeigt, wie seine Interpretation von Elektro, Pop und Soul klingen kann. Hier treffen sanfte Beats auf hauchende Gesänge und treibende Sounds und brechen hier und da in einem schnellen Lauf aus. Dabei verbindet Shallou gefühlvolle Texte mit einem weichen Sound und bleibt trotzdem immer so weit im elektronischen Bereich, dass wir uns den Produzenten auch auf Open Air Festivals an warmen Sommertagen vorstellen können. Noch im Sommer dieses Jahres hatte sich Shallou für seine Abwesenheit auf Facebook entschuldigt und gleichzeitig angekündigt, dass ein Album in der finalen Phase der Produktion sei. Nun hat sich Shallou mit Fading zurückgemeldet und damit den Weg für einen grandiosen Aufstieg geebnet. Mit Island Records hat der Musiker gleichzeitig einen Vertrag bei einem Unterlabel der Universal Music Group unterschrieben, der ihm eine große Plattform garantiert. So hört man auf Fading schließlich auch die Weite und neue Impulse, die Shallou zu einem Elektroact wachsen lassen, die es selbst international mit den ganz Großen Acts aufnehmen könnten. Dabei wirkte bisher alles so klein und intim. Doch gerade das ist es, was verwundert, denn intim und in sich gekehrt klingt Fading auch trotz seiner Größe weiterhin und schafft damit den Spagat zwischen Alt und Neu.

Bombay Bicycle Club - Everything Else Has Gone Wrong

Bombay Bicycle Club – Ihren Frieden gefunden

In knapp sieben Wochen steht das neue Album Everything Else Has Gone Wrong der britischen Indie-Band Bombay Bicycle Club in den Läden. Bis dahin war es ein langer Weg, hatten Bombay Bicycle Club doch ihr letztes Album So Long, See You Tomorrow sechs Jahre zuvor veröffentlicht und damit so lange, wie nie zuvor für ein neues Album gebraucht. Doch hört man sich die erste Single Eat, Sleep, Wake (Nothing But You) und den heute veröffentlichten Song – und gleichzeitig Titeltrack des Albums – Everything Else Has Gone Wrong an, wird klar, dass die Jungs in den vergangenen Jahren wohl einiges durchlaufen haben müssen. So fügt die Band auf ihrer Facebook-Seite der Veröffentlichung des Songs auch noch die Info hinzu, dass Everthing Else Has Gone Wrong eine Art Katharsis bedeutet, aus der es gilt, das Licht in all dem Dunkel zu finden und damit auch durch Hoffnung und Sicherheit aus einer Verzweiflung zu kommen. Die kathartische Rolle, die Musik hierbei spielt, zeigt sich auf Everything Else Has Gone Wrong als heilend und Hoffnung stiftend. Gleichzeitig ist Everything Else Has Gone Wrong ein typischer Bombay Bicycle Club Track, der allerdings etwas schroffer wirkt – vergleicht man ihn mit den Songs der vorherigen Alben. Besonders empfehlenswert ist das dazugehörige Musikvideo, welches vom talentierten britischen Nachwuchs-Regisseur Louis Bhose kommt, der bereits zu Eat, Sleep, Wake (Nothing But You), Lewis Capaldis Grace und Michael Kiwanukas Kollaboration mit Tom Misch zu Money Regie führte. Mit einer klaren Erzählstruktur und Spannungsbogen verfolgen wir hier, wie sich Bombay Bicycle Club Frontsänger Jack Steadman auf einer Straße liegend wiederfindet und über viele Momente der Rettung hinweg aussichtslos im Sterben befindet. Dabei ist Everthing Else Has Gone Wrong mal dramatisch laut, mal treibend und wabernd – doch immer klar als Song der Londoner Band erkennbar. Bombay Bicycle Club haben viel zu erzählen und bauen drum herum einmal mehr ihren wunderbaren Indie-Rock-Sound.

Zulu – Mit einem Mix aus Indie und Elektro nach oben

Da legen sich aber drei Jungs ins Zeug. Kennen wir von den Bandmitgliedern der Würzburger Band Zulu nur die Vornamen Max, Basti und Jannis und haben sie sich erst Weihnachten 2016 – und damit gerade einmal vor zwei Jahren-  gegründet scheint der Band Gemächlichkeit allerdings fremd zu sein. Denn haben Zulu doch nur 15 Monate nach ihrer Gründung mit Analogue Heart bereits ein Debütalbum auf den Markt gebracht, welches aus verspielten Elementen, Indie und einem aus Elektro basierendem Sound besteht. Hierbei sind die Singles Digital Brain und Neukölln ganz vorne mit dabei. Nun hat das Trio mit Science eine weitere Single aus ihrem Debütalbum veröffentlicht, welche ein astreiner Indiehit werden könnte. Hierbei baut sich Science mit einer an Roosevelt Songs erinnernden Hookline zu einem wahren Ohrwurm auf. Dabei ist Science von einer Leichtigkeit geprägt, die fast schon Desinteresse ausdrücken könnte, wenn nicht gleichzeitig eine gewisse Verschmitztheit rauszuhören wäre. Aktuell hat die noch junge Band erst 1.500 Follower bei Facebook und knapp 700 bei Instagram, doch mit einem kleinen Push und der richtigen Platzierung dürfte für Zulu die Zukunft vielversprechend aussehen.

Walking On Cars – Starke Rückkehr

Sie beginnen ein neues Kapitel – die irische Rockband Walking On Cars ist nach drei Jahren Pause zurück und hat am vergangenen Freitag mit Monster die erste Single aus dem kommenden, zweiten Album Colours veröffentlicht. Dabei bleiben sie dem Sound treu, der sie vor knapp vier Jahren europaweit in die Charts brachte. Mit der starken aber einfühlsamen Stimme von Frontsänger Patrick Sheehy, großen Rockhymnen und Melodien, die zu Ohrwürmern wurden, hatten es Walking On Cars binnen kürzester Zeit mit Songs, wie Always Be With You, Catch Me If You Can und Speeding Cars geschafft, die Radiolandschaft zu erobern und mit letzterer Single sogar in acht europäischen Ländern zu charten. Als SOML die Band im Mai 2016 zum Interview traf, zählten sie als zukünftige Ziele unter anderem auf, auf Festivals spielen zu wollen und ein zweites Album zu veröffentlichten. Waren die Festivals bereits zum Sommerende 2016 von der Liste abgehakt, gilt mit der nun folgenden Veröffentlichung ihres neuen Albums, die nächste Hürde als geschafft. Dabei klingt Monster tief und lässt die Kraft der Band spüren. Was sich als Frage – nach Veröffentlichung des ersten neuen Bandfotos – allerdings stellt, ist: wo ist Dan? Dessen Name findet sich zwar weiterhin auf den Infoseiten von Facebook und bei Wikipedia, doch fehlt er auf dem Foto und sorgt daher für Gerüchte. Doch solange wir nicht mehr wissen, genießen wir den satten Sound von Monster.

Like Elephants – M83 oder doch Indie 2.0?!

Bereits vor zwei Jahren hatten Like Elephants aus Österreich mit ihrem Debütalbum Oneironaut alle Liebhaber von 80er Jahre Synthies und M83 aufhorchen lassen. Mit ihrer neuen Platte Kaleidoscope, die Mitte September erscheinen wird, haben Frontsänger Viktor Koch, Gitarrist Martin Wührer, Bassist Roland Gugerbauer und Schlagzeuger Christian Luger ein Stück Musik produziert, bei welchem man sich fragt, woher die Band dieses Gefühl von Weite entwickeln konnte. Bietet ihr Heimatort Grieskirchen doch gerade einmal 5.000 Einwohner und haben Like Elephants somit bereits mehr als den halben Ort dazu bekommen, sie auf Facebook zu liken. Mit der Single Video Game setzen die Jungs nun auch zum Sprung an, in Europa Fans zu gewinnen. Dabei dürfte ihnen die Ähnlichkeit zur französischen Band M83, rund um Anthony Gonzalez, deutlich behilflich sein und ihnen einen ordentlichen Popularitätsschub geben. Lässt man diesen Aspekt einmal beiseite, besticht Video Game durch viel Synthie, einem Gesang, der in Dream-Pop abdriftet und jeder Menge Euphorie und präsentiert sich so als heißer Anwärter für eine Genieße-das-Leben Hymne.

All The Luck In The World – Traumhaft schön und endlich zurück

Im April 2014 kroch ein kleiner, leiser Song in die Gehörgänge der Europäer. Durch die Benutzung des, 2013 veröffentlichten, Songs Never in einem Werbeclip eines Reiseinformationsportales erreichten die drei Iren von All The Luck In The World plötzliche Aufmerksamkeit. So ruhig und intensiv, so liebevoll und schmachtend war Never plötzlich da und fortan wollten wir mehr von der Band hören. Nach der Veröffentlichung von Never folgte 2014 das Debütalbum All The Luck In The World. Nun haben wir bereits Ende 2017 und lange dreieinhalb Jahre könnte man von dem Trio keine neue Musik hören. Bis es schließlich vor einigen Wochen auf deren Facebookseite wieder frische Posts von älteren Songs gab und somit eingeschlafene Kanäle wieder aktiviert wurden. Nun haben All The Luck In The World endlich eine neue Single veröffentlicht und kündigen mit Golden October nach 3,5 Jahren Stille, ihr zweites Album an. Dabei klingt Golden October genau nach diesem Monat, der so dunkel, grau und kalt, wie farbenfroh, sonnig und mild sein kann. Golden October ist eine weitere, stille Folkballade, die mit Orchester und flehender Stimme Neil Foots eine Heimeligkeit erzeugt, die an Kaminabende an verregneten Abenden mit einem liebsten Menschen erinnern lässt – ohne, dass dieser Moment vorher je passiert sein muss. Wunderschön und so vertraut fällt fast schmerzlich auf, wie sehr wir All The Luck In The World vermisst haben. Doch die Zeichen stehen gut, dass es in naher Zukunft mehr Musik geben wird, denn ist das Trio mittlerweile zum Quartett angewachsen und sind von 114 Facebook-Likes im April 2014 zwischenzeitlich über 15.000 geworden, sind All The Luck In The World beim Düsseldorfer Barfilm Records Label untergekommen. Somit dürfte Deutschland ganz oben auf der Promoliste stehen.

Cosby – bleiben dem Indie-Pop treu

Cosby – Get Up

Fulminant gestartet waren die Münchner von Cosby bereits 2014/15, als sie mit Singles wie Boone & Bane und Yeah! mit frischem Indiesound die Radios beschallten. Kam 2015 das Debütalbum des Quartetts raus, konnte man sie anschließend zwei Jahre lang live von Flensburg bis München sehen. Nun hat die Band um Frontsängerin Marie Kobylka mit Get Up eine neue Single und den Vorboten für ihr zweites Album veröffentlicht. Hierbei bestimmen klare Synthie-Beats und Fanfaren das Bild und klingt Kobylka fast schon hysterisch euphorisch. Mit voller Energie und noch mehr Spaß geht Get Up direkt nach vorne und animiert nicht nur zu tanzen, sondern lässt gar nichts anderes zu. Darum heißt es auch auf Cosby’s Facebookseite „.. also get up everyone und feiert mit uns…“ – dem schließen wir uns gerne an!

Gløde – Von der Insel in die Welt

Gløde – As We Speak

 Ø – ein Buchstabe – nicht mehr. Zugegeben, ein sehr interessanter Buchstabe. Doch im dänischen ist das nicht nur ein Buchstabe, sondern auch ein Wort. Denn Ø  steht für Insel. Und gleichzeitig hat die Hamburger Band Gløde diese Insel in ihrer Mitte. Dass das nicht von ungefähr kommt, zeigt der Name des Frontsänger, Simon Gløde, der aus Dänemark kommt und 2014 in Hamburg auf der Suche nach einer Band war. Dass diese Suche erfolgreich war, bestätigt das Facebook-Geburtsjahr der Band, das den 1. Juni 2016 angibt. Doch von der Entstehungsgeschichte abgesehen ist heute auch ein ganz besonderer Tag für Gløde. Denn heute kommt ihr Debütalbum Ø raus, welches so abwechslungsreich ist, wie nur wenige Alben dieses Jahr. Darauf enthalten sind Songs, der verschiedensten Genres. Haben wir mit der Debütsingle As We Speak einen wunderschönen und starken Alternativesong mit sanftem Schlagzeug, weichen Gitarren und Simon Glødes warmer Stimme, zeigt sich die Band auf Lady In A Dress mit einem gwissen Bezug zum Jazz. Bei Rose wiederum klingen Gløde in den lauten Momenten fast schon nach 80er-Jahre-Balladenrock. Dazwischen findet sich viel atmosphärischer Indie-Pop. Gløde zeigen beeindruckend, wie gut ein Debütalbum, von einer Band, die sich gerade mal vor gut einem Jahr gegründet hat, klingen kann. Glødes Stimme, die mal rauchig, mal glasklar klingt, hat viel von Künstlern wie Damien Rice und David Gray und auch die akustische Nähe zu diesen Künstlern lässt sich nicht ganz ablegen. Gløde sind spannend und haben mit Ø  ein Debütalbum veröffentlicht, dass neun Songs voller Abwechslung und Spannung hat und die sich beim Hörer in Neugier und Interesse verwandeln. Mit dem starken Opener As We Speak blasen sie so zum Angriff. Stark, intensiv und frisch – eine Insel voller musikalischer Vielfalt – das ist Ø von Gløde.

James Hype – Wenn der Name Programm ist

James Hype feat. Kelli-Leigh – More Than Friends

Es sollte der größte Hit der amerikanische R&B-Girlgroup EnVogue werden. Don’t Let Go (Love) schaffte es 1997 in über 13 Ländern in die Top-10 der Singlecharts. Dass die 90er Jahre heute wieder aktueller denn je sind, zeigt sich seit ein, zwei Jahren vor allem in der britischen Houseszene. Nun gesellt sich mit James Hype ein weiterer DJ dazu, der nicht nur mit seinem Namen zum Hype wird. Denn Hype hat sich als Debütsingle keinen geringeren Song als den EnVogue-Klassiker Don’t Let Go (Love) vorgenommen und als gesangliche Unterstützung die Britin Kelli-Leigh dazugeholt. Herausgekommen sind 2:20 Minuten voll gepackt mit tiefen Bässen, einem klaren Gesang Kelli-Leighs und einem modernen Beat. Damit tourt Hype gerade durch die europäischen Clubs und lässt seine Version More Than Friends zu einem absoluten Grower werden, der gerade auf der britischen Insel in die Top-20 eingestiegen ist. Dass More Than Friends zum Hypesong – in zweifacher Hinsicht – wird, ist auch Hypes Nähe zum Publikum zu verdanken, spickt er seine Facebook-Seite doch fast täglich mit kurzen Videoclips von Auftritten und Erlebnissen. Damit ist Hype nicht nur unglaublich sympathisch, sondern sorgt auch dafür, dass sich More Than Friends wie ein Lauffeuer verbreitet.

Hollow Coves - Coastline

Hollow Coves – Sehnsucht in jeder Melodie

Zwei Freunde aus Brisbane, finden sich 2013 zusammen um Musik zu machen. Getrieben durch Fernweh trennen sich beide um die Welt zu erkunden. Mit dieser Wanderlust – die auch im englischen die Bedeutung von dem steten inneren Antrieb, sich zu Fuß die Natur und die Welt fern der Heimat zu erschließen – haben sich Ryan Henderson und Matt Carins mit einem Rucksack aufgemacht, um die Welt zu entdecken. Dies findet sich auch auf der Facebook-Seite der australischen Band wieder – posten sie doch unglaublich beeindruckende Fotos von, fast schon, überwältigend schönen Landschaften. Hierher kommt dann auch der musikalische Stil des Duos. So hört man Sehnsucht, Neugier, Melancholie und Aufbruch heraus – schlicht Wanderlust. Hollow Coves erste EP heißt dann auch passenderweise Wanderlust und beinhaltet sechs Songs, die alle samt das Herz berühren. Einen hervorzuheben scheint fast wie ein Frevel und doch sticht gerade Coastline besonders hervor. Hier treffen Bear’s Den, Mighty Oaks und The Slow Show aufeinander. Mit einer akustischen Gitarre, einem schwebenden Gesang und treibenden Sound ist Coastline die Perfektion der Sehnsucht. Sehnsucht nach der Ferne, nach neuen Abenteuern und engen Momenten. Traurigkeit spielt genauso eine Rolle wie Herzlichkeit und Offenheit. So wird Coastline im Verlauf intensiver und lässt die Träume plastisch werden. Der Moment, sich in einem Gefühl zu verlieren ist bei Coastline nicht nur eine „Gefahr“, sondern allgegenwärtig. Hollow Coves sind dabei so intim und groß, dass sie es gleichzeitig schaffen expressiv und klein zu wirken.