Travis - A Ghost

Travis – Mit kreativen Lauf und voller Energie zurück

23 Jahre und acht Alben ist es her, dass die Schottische Band Travis erstmals in die britischen Charts einstieg. In den darauffolgenden Jahren ging es für Travis – bis zu ihrem Höhepunkt 2001 mit dem dritten Album The Invisible Band – immer schneller und höher hinaus. Alles fing mit einem denkwürdigen Auftritt auf dem Glastonbury Festival 1999 an. Bestand die Band da bereits neun Jahre, sollte es ihr Song Why Does It Always Rain On Me sein, der zur modernen Legende wurde. Denn als die Band um Frontsänger Fran Healy 1999 die Bühne betrat und diesen Song anstimmte, begann es auf dem Festival zu regnen. Dieser Moment wurde in Großbritannien schnell weitererzählt und entwickelte – ganz ohne Social Media – eine Dynamik, die der Band nicht nur eine erste Top-10 Platzierung in den Singlecharts einbrachte, sondern das Album in den nachfolgenden Wochen bis auf Platz 1 klettern ließ. Mit ihrem dritten Studioalbum The Invisible Band – auf dem Travis thematisierte, dass ihre Musik so viel größer sei, als die eigentlich Band dahinter (was sich am Albumtitel ableiten lässt) – gelangten sie schließlich in 15 Ländern in die Charts und schafften es in Großbritannien, Irland und Norwegen bis an die Spitze. Was folgte, waren die Alben 12 Memories (2003), The Boy With No Name (2007), Ode To J. Smith (2008), Where You Stand (2013) und Everything At Once (2016) die alle – bis auf Ode To J. Smith – die Top-5 der Albumcharts erreichten. Nun haben Travis, nach 4-jähriger Pause, mit 10 Songs ihr neuntes Studioalbum für den Oktober angekündigt und daraus die Single A Ghost veröffentlicht. Hierbei kehren Healy und die Band wieder zu dem alten Folksound ihrer Anfangszeit zurück, ohne dabei nostalgisch zu klingen. Mit einer schnellen Gitarre, einem erfrischenden Piano und Healys energischen Gesang bekommt A Ghost ein wunderbares Tempo, dass der Band gut tut. Healy selbst sagt über die Entstehung des Albums, dass er durch seinen Sohn – beide leben in Berlin – einen regelrechten Tritt in den Hintern bekommen hat und von ihm dazu gedrängt wurde, sich wieder der Musik zu widmen. So hat Healy in den vergangenen vier Jahren Material für 10 Alben geschrieben und daraus die stärksten zehn Songs auf das neue Album gepackt. A Ghost kommt nun mit einem Musikvideo auf den Markt, das von Healy selbst gezeichnet wurde und ihn wochenlang an den Schreibtisch fesselte. Denn hier hat er in mühsamer Arbeit täglich 16 Stunden verbracht, bei dem am Ende 10 Sekunden des Musikvideos herauskamen. Das Ergebnis ist mehr als sehenswert und wurde auch durch die Zusammenarbeit mit seinem Sohn erst realisierbar, der ihn mit seiner Drohne filmte. Travis sind wieder auf einem kreativen Hoch angekommen, das sich nicht nur im Musikvideo auszeichnet, sondern viel mehr auch in der Musik, die frisch und drängend klingt und voller Energie steckt.

Hollow Coves - When We Were Young

Hollow Coves – Jetzt kommt der große Schritt

Nach ihrer 2017er Debüt-EP Wanderlust hat sich das australische Duo Hollow Coves – welches aus den beiden Musikern Ryan Henderson und Matt Carins aus Brisbane besteht – nochmal ordentlich Zeit gelassen, um an ihrem Debütalbum zu arbeiten. Dabei war es der Song Coastline, der sich 2017 so zärtlich in unsere Gehörgänge setzte und mit einer Gänsehautakustik und großer Wärme begeisterte. Genau diese hervorragende Mischung aus Folk, Pop und Akustik ist es, die Hollow Coves über die Landesgrenzen hinaus zu einem der heißesten Anwärter für das Auslösen der nächsten großen Folkwelle macht. Nun haben die beiden Australier mit der neuen Single When We Were Young eine Reflexion ihrer selbst veröffentlicht. Denn ist das Soundgerüst wieder einmal großartig intim und hört man fast das Knistern eines Lagerfeuers, fanden sich Carins und Henderson beim Komponieren des Songs plötzlich in einer Art Rückblende wieder, die ihnen die wunderbaren Momente ihrer Jugend und Kindheit widerspiegelte. Eine Zeit, in der sie unbeschwert und frei von Zeitdruck und To-Do’s lebten – so die Beschreibung der beiden Musiker, fragt man sie nach der Entstehung des Songs. Schließlich schrieben sie den Text mit einem Twist, der den Hörer am Ende nicht Wehmütig in die Vergangenheit blicken lassen soll, sondern vielmehr den wunderbaren Moment der Jetzt-Zeit verdeutlichen soll. Mit When We Were Young haben Hollow Coves allerdings nicht nur eine neue Single veröffentlicht, sondern kündigt gleichzeitig auch ihr langerwartetes Debütalbum Moments an, welches am 14. Oktober erscheinen wird.

Yoste – Eine Palette an Songs aus der Tiefe

Es ist ein Sound, der aus seinem Inneren kommt – denn Yoste selbst beschreibt die Entstehung seiner Songs als ein Resultat, dass er vieles in sich selbst nicht vollends versteht und dieses Gefühl der Unsicherheit einerseits als beängstigend betrachtet, andererseits aber auch friedvoll empfindet. Dabei ist der 23-jährige Kurt Sines, der aus Brisbane – Australien – kommt in seiner Erscheinung ein durchaus selbstsicherer junger Mann, der allerdings um ein paar Jahre jünger aussieht, als er tatsächlich ist. Mit der neuesten Single Empty hat Yoste seiner, zur Veröffentlichung bevorstehende, EP Try To Be Okay eine weitere Note dieser Gefühlswelt hinzugefügt. Neben den Singles ArcChihiroBlue und eben Empty umfasst die EP mit Howl und Moon zwei weitere Songs, die der Songwriter und Producer selbst eingespielt hat. Allesamt bewegen sich im entspannten, elektronischen Bereich der Musik und sind gefüllt mit feinen Nuancen aus Klavier, leichten orientalischen Klängen und der weichen Stimme Sines. Dabei weist Yoste Gemeinsamkeiten mit dem US-Amerikaner Shallou auf. So haben beide ein ähnliches Soundkostüm aus sanften elektronischen Beats, vielen kleinen, verspielten Elementen und einem weichen Gesang gemein. Yoste befindet sich dabei genau in der gleichen Schwebesituation, wie es vor einem Jahr bei Shallou mit seiner EP Souls der Fall war. Denn persönliche Empfindungen und Emotionen spielen auch bei Yoste eine zentrale Rolle und lassen seine Musik regelrecht schweben. Alle Songs auf Try To Be Okay bestechen durch eine Universalität, die es den Songs ermöglicht, im tiefen Winter für eine melancholische Stimmung zu sorgen, oder dem nahenden Frühling selbstbewusst und mit den ersten warmen Vibes entgegenzugehen. Dabei klingen die Songs zeitlos und orientieren sich nicht an der Popmoderne heutiger Produktionen. Yoste schafft mit der, am 15. Februar erscheinenden, EP Try To Be Okay einen wahren Schatz zu veröffentlichen. Seine Musik ist dabei für all Diejenigen, die sich gerne einmal treiben lassen, all die Hektik der heutigen Welt ausschließen möchten und in sich selbst reinhören wollen – immer auf der Suche nach einem ausgleichenden Moment.

The Japanese House – Neuer Song mit mutigem Video-Projekt

In der Entstehung eines Songs steht für denjenigen, der den Text schreibt, meist eine persönliche Erfahrung im Vordergrund. Erinnerungen, Gefühle und Überraschungen stehen hierbei oft an erster Stelle. So werden viele Liebeslieder aus dem Gefühl und der Erinnerung an – zumeist – vergangene Beziehungen geschrieben. So sieht es auch bei Lilo – dem neuen The Japanese House Song aus, den die britische Sängerin nun veröffentlicht hat. Dabei steht Amber Bains Liebesbeziehung zu ihrer Ex-Freundin Marika Hackman im Fokus. Hier gibt sie die Gefühle frei, die sie fühlte, als sie Hackman zum ersten Mal sah, als sie sich zum ersten Mal berührten. Die Herausforderung hierbei war für Bain, dass sie Hackman fragte, ob sie auch in ihrem Musikvideo mitmachen würde. Verbindet die beiden heute eine enge und feste Freundschaft, kam für Bain nur die Person in Frage, um die sich das Lied auch dreht. Und so machte Hackman sofort mit. Dabei ist die im Video festgehaltene Nähe keinesfalls gespielt, sondern von Gefühlen der tiefen Zuneigung und Vertrauen geprägt, die man in jedem Moment sehen kann. Lilo ist darüber hinaus eine feine Ballade, mit viel Wärme und Geborgenheit und besticht einmal mehr durch Bains Vocoder unterstützten Gesang. So ist Lilo eine Seelenkur und überzeugt durch viel Gefühl und einem aufrichtigen Text.

Goldfrapp feat. Dave Gahan – eine Kollaboration die es in sich hat

Es ist wohl eine Kollaboration, die man nie für möglich gehalten hätte. Und doch passen sie zusammen, als hätten sie bereits seit ihrer Schulzeit zusammen Musik gemacht. Die Rede ist vom britischen Duo Goldfrapp und dem Synthiekönig Dave Gahan von Depeche Mode. Steht Gahan seit jeher für dunkle Synthie- und New-Wave Musik, haben Goldfrapp zwischen relaxtem Dancepop und derben Housebeats eine deutlich größere Bandbreite. Nun veröffentlichen Goldfrapp, zum Re-Release des 2017er Albums Silver Eye – als Deluxe Edition – den vormals als Promosingle veröffentlichten Song Ocean. Darauf treffen sich Goldfrapp und Gahan musikalisch und bilden eine Symbiose aus treibenden, düsteren Synthiebeats und sphärisch, wabernden Bässen. Gesanglich drängeln sich beide nicht wirklich in den Vordergrund, bleiben aber jederzeit präsent. Ocean klingt wie der Soundtrack einer heranwachsenden Science Fiction Metropole, bei der man die Entstehung vom ersten Sandkrümel bis zu den letzten 2.000 Meter hohen Wolkenkratzern in einem Zeitraffer zu sehen bekommt.