Roosevelt - Feels Right

Roosevelt – Auf Album Nr. 3 fühlt sich alles richtig an

Vor knapp sechs Wochen erst kam mit Echoes die neueste Single von Roosevelt auf den Markt, da legt Marius Lauber mit Feels Right bereits nach und haut uns den satten Discosound nur so um die Ohren. Immer dabei – der Synthesizer – denn das ist Roosevelts Markenzeichen. Während er in den letzten Wochen immer konkreter wurde und bereits zwei Solosongs und eine Kollaboration veröffentlicht hatte, folgt nun mit der neuen Single Feels Right die Ankündigung seines dritten Studioalbums Polydans, welches am 26. Februar 2021 erscheinen wird. Darauf enthalten sind neben Feels Right, Echoes und Sign noch sieben weitere Songs und die Gewissheit, eines der heissesten Dancealben des Winters erwarten zu können. Feels Right selbst kam ganz natürlich zustande, sagt Lauber über den Song. Der Song handelt von einem Gefühl der unerschütterlichen Zustimmung. Als ich den Song schrieb, begann alles mit einem, von der [US-Amerikanischen Funk-Rock-Band] ESG beeinflussten Funk-Loop, der schon in seiner einfachsten Variante etwas euphorisch verspieltes hatte. Es ist auf jeden Fall einer der Songs, auf dem neuen Album, der am leichtesten entstand. Einer dieser Songs, der die Richtung regelrecht diktiert, anstatt, dass man noch Wochen an ihm arbeitet.

Roosevelt - Poyldans
Roosevelt – Poyldans

Das neue Album geht – anders als der Zweitling Young Romance – wieder zurück zu Roosevelts Anfängen und versperrt sich keiner Kreativität. Hier gab es keine kreativen Einschränkungen mehr und konnte Roosevelt all das machen, was ihn glücklich macht. Dabei nennt der DJ, Produzent und Songwriter sein neues Album, das persönlichste, dass er bisher produziert hat. Während viele Acts der Elektroszene weltweit mit kalten, tiefen House-Elementen arbeiten und dadurch eine Dunkelheit vor sich her schieben, begeistert Roosevelt mit einem warmen, euphorischen Discosound, der die hellsten Elemente des Clubfeelings transportiert. Neben der Albumankündigung hat Roosevelt für die zweite Märzhälfte sechs Konzerte in Deutschland angekündigt, auf die wir uns schon jetzt sehnlichst freuen. Feels Right zeigt, dass sich das Multitalent mit seinem jetzigen Sound glücklich fühlt. Das transportieren die Songs und sorgen für einen Moment der euphorischen Freude.

Lastlings & RÜFÜS DU SOL - No Time (RÜFÜS DU SOL Remix)

Lastlings & RÜFÜS DU SOL – Remix als Revanche

Die eine Band steht seit mehr als zehn Jahren im Fokus der internationalen Elektroszene. Wird überschüttet mit Award-Nominierungen und zählt aktuell zu den besten Live-Acts des Genres überhaupt. Die anderen haben sich vor fünf Jahren gegründet und bisher mit Unreality (2016) und Verses (2017) erst zwei EPs veröffentlicht. Die Rede ist von RÜFÜS DU SOL und Lastlings aus Australien. Während RÜFÜS DU SOL mit ihren drei bisher veröffentlichten Alben Atlas, Bloom und Solace stetig auf ihrem Sound aufgebaut haben und damit sogar Grammy-Nominierungen einsacken konnten, ist Lastlings Bekanntheitsgrad bisher noch vornehmlich auf Australien und Neuseeland beschränkt. Dabei hat sich im Laufe der Zeit eine enge Freundschaft zwischen den beiden Bands gebildet. So supporteten Lastlings – bei denen es sich um die Geschwister Amy und Josh Dowdle handelt – RÜFÜS DU SOL bereits 2017 auf ihrer Australien-Tour und wiederholten dies auf der 2019er US-Tour der Band.

Lastlings
Lastlings

Auf dem 2019er Solace-Remix Album steuerten Lastlings schließlich ihren Remix des Titeltracks bei. So hatten RÜFÜS DU SOL plötzlich eine freundschaftliche Schuld zu begleichen, die sie mit dem neuen Remix von No Time nun einlösen. Ursprünglich bereits im Sommer als eine der Leadsingles veröffentlicht, haben sich RÜFÜS DU SOL den Song nun nochmals vorgenommen und einen Deep House-Sound daruntergelegt, der im Vergleich zu der Originalversion an Schnelligkeit und Dramatik gewinnt. Mit Synthiehörnern, die für RÜFÜS DU SOL stilprägend sind, baut sich der knapp sechseinhalb Minuten lange Song stetig auf um zur Mitte hin in ein Schweigen zu verfallen, ehe der Drop mit voller Kraft eine jede Tanzfläche durchziehen würde. Während die Originalversion von No Time auf Lastlings Debütalbum First Contact enthalten sein und am 20. November veröffentlicht wird, bleibt die Remixversion des Songs vorerst nur als Stand-Alone Veröffentlichung stehen. Mit dem, im zweiten Teil so treibenden Sound haben Lastlings und RÜFÜS DU SOL eine Version des Songs veröffentlicht, der an Größe gewonnen hat und auf eine Zeit hinarbeitet, in der wir alle hoffentlich bald diesen Song auf den Tanzflächen erleben dürfen.

Faithless feat. Suli Breaks & Nathan Ball - This Feeling

Faithless feat. Suli Breaks & Nathan Ball – Ein Sommer, wie 2004

Sie gelten als Pioniere der elektronischen Szene Großbritanniens. Mit ihrem Mix aus Dance, House und Trip-Hop beherrschten Faithless die Clubs der 1990er und frühen 2000er. Neben ihren größten Erfolgen mit Insomnia (1995) und God Is A DJ (1998) waren es in den 2000ern vor allem die sommerlichen Sounds, wie One Step To Far (zusammen mit Dido), Mass Destruction und I Want More, die jeweils auf dem Thron aller Playlisten saßen. 2011 setzte die Band schließlich eine Pause ein und konzentrierte sich darauf, privaten Plänen nachzugehen. Während Sister Bliss und Maxi Jazz vereinzelt auf Kollaborationen zu hören waren, gab es für Rolle Armstrong – dem älteren Bruder von Sängerin Dido – unterdessen einiges zu tun. So hat sich der Produzent von Faithless unter anderem um die Produktionen der zwei letzten Alben von Dido gekümmert und unter dem Alias R+ 2019 sogar mit seiner Schwester zusammen ein komplettes Album rausgebracht. Nun sind Faithless, nachdem sie Anfang Juni – nur für wenige Stunden – einen neuen Track mit dem Namen Let The Music Decide veröffentlichten, mit einer weiteren neuen Single zurück und beenden damit ihre zehnjährige Schaffenspause.

This Feeling (Musikvideo)

This Feeling (Musikvideo)

Dabei haben sich die drei Musiker mit Nathan Ball und Suli Breaks zwei äußerst interessante und vielversprechende Künstler mit ins Boot geholt und begeistern mit einem enormen Sommersong, der wie gemacht, für die aktuelle Hitzewelle ist. Über die Zusammenarbeit mit Nathan Ball freue ich mich persönlich am meisten, begleitet SOML den Südengländer doch bereits von Beginn seiner Karriere an und interviewte den Singer/Songwriter noch in seiner Anfangszeit. Suli Breaks wiederum ist ein Spoken Words Poet, der bereits erste Erfahrungen im Musikbusiness gesammelt hat. Zusammen haben sie nun mit This Feeling einen Song veröffentlicht, der durch tropische Beats, eingängige Basslines und der leichten, markanten Stimme Nathan Balls begeistert. Faithless beschreiben den Song schließlich mit den Worten: Es ist ein Song, der in unseren Augen textlich und musikalisch die Erinnerungen an die großartigen, hinter uns liegenden Sommer transportiert. Mit den beiden ersten neuen Songs, innerhalb von zehn Jahren haben Faithless genau das Gefühl eingefangen, das wir alle diesen Sommer so sehr vermisst haben – mit Freunden an schweisstreibenden Tagen zum See zu fahren oder die tropischen Nächte der Großstadt unsicher zu machen. Die Hoffnungen, auf ein baldiges, neues Album dürften mit der neuesten Veröffentlichung gar nicht mehr so unrealistisch sein – wird doch in der britischen Presse bereits mit einer Veröffentlichung, noch in diesem Jahr gerechnet. This Feeling ist ein Song für den Moment und klingt dabei so zeitlos, dass wir ihn auch noch in den kommenden Sommern auflegen werden.

Zola Blood – Satter Elektrobeat mit Tiefe

Es ist nun schon wieder drei Jahre her, dass das britische Quartett Zola Blood mit dem Debütalbum Infinite Games zum festen Bestandteil der Londoner Elektroszene geworden sind. Mit einem Mix aus Techno, Dream-Pop lastige Chants und typischen Elementen von House und Ambient lassen die Jungs um Frontsänger Matt West nichts anbrennen. Nun bereiten uns die Jungs mit einem neuen Song, auf die – am 22. Mai erscheinende – EP Two Hearts vor. Beginnt die gleichnamige Leadsingle Two Hearts mit einem anschwellenden Rauschen, welches an Loud Places von Jamie XX erinnert, geht der Song in einer Synthiewolke voller zuckender 80er-Jahre Beats auf. Als roter Faden zieht sich das Thema Zeit und wie wir mit ihr umgehen durch die EP. Dabei bedienen sich Zola Blood auf ihren Coverbildern zu Two Hearts der traditionellen japanischen Kitsungi, bei der man zerbrochenes Porzellan mit Hilfe von Gold wieder zusammensetzt. Gleichzeitig kommt der Band die philosophische Frage auf, ob wir Dinge nur dann schätzen, wenn sie unversehrt bleiben und wir ihnen dadurch aber auch die Möglichkeit nehmen, sich zu Wandeln? Diese Komplexität verbinden Zola Blood auf Two Hearts gleich in zweierlei Hinsicht äußerst interessant. Denn zum einen klingt Two Hearts derbe und rau – vorrangig durch sein Soundbett und zum anderen fügt sich Wests Stimme so wunderbar in die Produktion ein, dass man das Verschmelzen dieser beiden Elemente förmlich vor seinem Auge zu sehen scheint. Two Hearts ist die Schnittstelle zwischen Club und Homeparty, zwischen Einsamkeit und Gemeinschaft und zwischen Trauer und Euphorie und könnte zum festen Begleiter in die Tiefen der Nacht werden.

Apparat – Zurückgezogene Zugänglichkeit

Er kommt aus dem Bereich des Technos und hat in den vergangenen 23 Jahren massgeblich dazu beigetragen, dass Deutschland international als eines der führenden Länder der, vor allem im Ambientbereich befindlichen, Elektroszene wahrgenommen wird. Mit seiner Vielfalt an musikalischer Ausdrucksweise hat sich Sascha Ring in den vergangen zwei Jahrzehnten einen festen Namen erarbeitet, der durch das Projekt Moderat, welches er zusammen mit Modeselektor zwischen 2002 und 2017 aufrecht erhielt, und sich durch seinen Wechsel – hin zu einem deutlicheren Ambient-Sound, der mittlerweile auch den Begriff IDM – Intelegent Dance Music – auszeichnet. Ist Apparats letztes Album The Devil’s Walk bereits acht Jahre her, hatte der in Quedlinburg geborene Produzent, Ende 2017 vor allem durch den von ihm beigesteuerten Theme-Song zur deutschen Netflix-Serie Dark zusätzlich weltweit Aufmerksamkeit erhalten. Nun hat Apparat mit Dawan einen neuen Song veröffentlicht und damit sein fünftes Album LP5 angekündigt. Dabei klingt Dawan zugänglicher, bleibt aber einem dunklen Sound treu. Mit schnellem Hintergrundbeat, vertrackteten Sound und dem fragilen Gesang baut sich Dawan immer weiter auf und mündet in einer verträumten Vorstellung von einer Soundwolke aus Wärme, Zufriedenheit und Zuneigung. Gibt es eine stetig wachsende Auswahl an neuen Genrekreationen, ist IDM wahrlich die zutreffendste Genrebezeichnung, die es für Apparats Musik geben kann.

Kidnap Kid - Like You Used To

Kidnap Kid – Spielt in einer Reihe mit The XX und James Blake

Kidnap Kid ist gerade 23 Jahre alt und mischt bereits seit drei Jahren im Untergrund die Elektroszene auf. Sind doch seine Housetracks geprägt von ruhigen melancholischen Tönen und kommen auch klassische Elemente zum Zuge um die Stimmung zu erhöhen. Diese Mischung schafft es an Größen wie The XX und James Blake erinnert zu werden und dennoch sind seine Tracks etwas lebendiger. Nicht zuletzt gut erkennbar am aktuellen Song Like You Used To, der mit einer sanften Frauenstimme für eine entspannte aber treibende Atmosphäre sorgt.

Chopstick & Johnjon – Die Strippenzieher hinterm Berlin-Sound?

Es gibt ihn, jeder kennt mindestens einen Song, viele tanzen gezielt zu ihnen und doch besitzen sie kein offizielles Genre – der Berlin-Sound. Doch nicht zuletzt Künstler wie die Kalkbrenner Brüder, allen voran Fritz Kalkbrenner, Wankelmut oder Alle Farben haben dieses besondere Etwas in ihren Tracks, der so unmissverständlich erklärt Ich bin der Track und ich komme aus Berlin. Die Berliner Elektroszene hat weltweit einen Ruf der für Innovationen und Veränderung steht, wie die Stadt selbst, und so ist es auch nicht verwunderlich, dass immer mehr DJ’s, Produzenten und Elektrolabels nach Berlin ziehen. Chopstick & Johnjon sind so ein Produzentenduo. Haben sie sich in Hamburg kennengelernt, ging es bald nach Berlin um hier günstig Leben zu können und den Fokus somit mehr auf der Musik haben zu können. Dass sie sich in Berlin allerdings ein eigenes Label und eine ganze Künstlercommunity ranziehen würden, hätte wohl keiner von Beiden selbst gedacht. Und so kam es dazu, dass sie das Talent von Fritz Kalkbrenner erkannten und maßgeblich am Soundtrack vom Genrehit Berlin Calling beteiligt waren. Nun wollten die Beiden aber nicht mehr länger nur im Hintergrund agieren und haben sich dafür entschieden, ein eigenes Album zu veröffentlichen. Und so kommt es, dass Chopstick & Johnjon den Track Erase These Images als erste Auskopplung auf uns loslassen. Wie sollte es anders sein ist es ein wunderbar entspannter Sound mit leichtem Hintergrundgesang und tiefen Basshighlights – eben ein typischer Berlinsound.