Mumford & Sons - Blind Leading The Blind

Mumford & Sons – Lang gehegtes Geheimnis gelüftet

Mit Delta veröffentlichten Mumford & Sons 2018 ihr viertes Studioalbum und entfernten sich immer mehr vom Folksound der Anfangszeit. Nun haben die Londoner Jungs mit Blind Leading The Blind einen neuen Song veröffentlicht, den der Ein oder Andere auch schon auf den letzten Konzerten der Band gehört haben könnte. Denn Blind Leading The Blind schlummert bereits seit vier Jahren in der Schublade der Band. Einst für Delta geschrieben, reichte es letztlich nicht, um auf die Platte zu kommen. Doch verworfen haben ihn Marcus Mumford und der Rest der Band nie. So arbeiteten sie in den vergangenen Jahren immer wieder mal an dem Song und sind nun glücklich, ihn fertig zu haben und zu veröffentlichen. Auf Blind Leading The Blind erhält nun auch das Banjo wieder eine größere Bedeutung und zieht sich prominent durch den gesamten Song. Dabei kommen aber auch die neuen Sounds, die den Stadionsound auf Delta und dem 2015er Wilder Minds prägten, vor und sorgen für einen Energie, die für Mumford & Sons so typisch ist. Blind Leading The Blind ist das perfekte Bindeglied zwischen den von Folk geprägten Alben Sigh No More und Babel und dem Alternative- und Elektro-Rock Alben Wilder Mind und Delta und füllt eine Lücke, bei der wir vorher nicht wussten, dass es sie gibt, sie aber nun unsere Mumford & Sons Diskografie vervollständigt.

Fritz Kalkbrenner – Der König des Elektrosouls singt wieder

Er ist wieder da! Der Berliner DJ und Produzent Fritz Kalkbrenner hat mit Kings & Queens gerade seine erste Single aus dem kommenden, sechsten Album True Colours veröffentlicht, das im März 2020 erscheinen wird und ihn einmal mehr als König des Elektrosouls präsentieren wird. Bereits in der Vergangenheit hat sich der jüngere Bruder von Paul Kalkbrenner mit Songs wie Facing The SunRight In the Dark, Little By Little oder dem instrumentalen Track Lose eine hervorragende Diskografie aufgebaut. Dabei stand für Kalkbrenner immer die warme, soulige Stimme im Vordergrund, die durch verträumte Housebeats verfeinert wurde und ein Gefühl des Treiben lassens auslöste. Kings & Queens wirkt so entspannt und losgelöst, dass man sich die Botschaft dahinter kaum vorstellen kann. Doch Kalkbrenners Intention war es, ein gesellschaftliches Bewusstsein in schwierigen Zeiten zu wecken und dabei mit Sätzen, wie Könige und Königinnen der zerstörten Heimat, bauen einen Schutz aus Latten und Steinen. Verstecken sich darunter und finden trotz allem noch die Liebe aufhorchen zu lassen. In solch schwierigen Zeiten, wie wir sie heute erleben, ist es eine Art Schutzraum, den uns Kalkbrenner mit Kings & Queens hier geschaffen hat. Ein Schutzraum aus Wärme, Tiefe und Geborgenheit.

Elderbrook & Rudimental – Tanz dich frei

Beide Acts blicken bereits auf eine ausgiebige Diskografie zurück. Sind Rudimental für ihre Kollaborationen mit Blick auf Diversität, Akzeptanz, Inklusion und Freiheit bekannt und haben in der früheren Vergangenheit mit Acts wie Jess Glynne, Macklemore, Tom Walker und James Arthur zusammengearbeitet, steht das Londoner Kollektiv für tanzbare, elektronische Musik, die auch genreübergreifend funktioniert. Elderbrook – der ebenfalls aus London kommende Singer/Songwriter und Produzent – hat in den vergangenen Jahren vor allem durch seine Zusammenarbeit mit CamelPhat auf Cola von sich hören lassen. Nun haben sich beide Acts für Something About You zusammengetan und einen Song veröffentlicht, der sich sanft aber gleichzeitig euphorisierend anhört. Genau diese Mischung transportiert die Intention hinter dem Song – zeigt das Video doch eine Selbsthilfegruppe von Männern, die sich öffnet und dem vergifteten Maskulinismus – der sich jeder Verletzbarkeit bei Männern verwehrt – zu entziehen versucht. Dabei braust Something About You zwischenzeitlich mit Trompeten auf und bedeutet damit das emotionale Freitanzen der Protagonisten. Einmal mehr haben Elderbrook, sowie Rudimental einen Song veröffentlicht, der radiotauglichen Elektro, clubtaugliche Beats und gesellschaftskritische Themen so wunderbar miteinander verbindet, dass man fast spielerisch an schwere Themen herangeführt wird.

Alex The Astronaut – Sympathisch und ernst

Mit ihrem Happy Song war Alex The Astronaut in den letzten Monaten fast überall zu hören – ob im Radio, in Fashionstores oder auf Festivals. Nun schlägt die Sängerin mit dem Song I Like To Dance eine etwas andere Richtung ein. Denn für I Like To Dance hat sich Alex einer Geschichte angenommen, die doch deutlich häufiger hinter verschlossenen Türen stattfindet, als man es auch nur ahnen kann. So beschreibt Alex mit dem Songtext die Evolution einer Liebesbeziehung, in der über die Jahre plötzlich Gewalt Einzug hält. So singt die Australierin, dass es nach fünf Jahren glücklicher Beziehung plötzlich ein Schlag auf das Handy war, welches ihr aggressiv aus der Hand geworfen wurde. Im weiteren Verlauf der Beziehung folgten Wutausbrüche, die dazu führten, dass die Frau in Alex‘ Geschichte verprügelt wurde und dennoch zu ihrem Freund hielt. Diese Situation beschreibt die Sängerin im Songtext neutral und möchte gleichzeitig wachrütteln, dass unsere Gesellschaft diese Gewalt nicht tolerieren soll. Dabei kommen, neben einer Gitarre ein spärlich eingesetztes Klavier und eine Geige vor, die I Like To Dance eher akustisch klingen lassen. Wie schon auf den anderen Songs ihrer Diskografie zeigt Alex The Astronaut mit I Like To Dance einmal mehr, wie sehr sie auf den Input der Menschen um sie herum angewiesen ist und gleichzeitig so viel Liebe und Energie an alle Menschen um sie herum zurück gibt.

Lea Porcelain - Clock Of Time

Lea Porcelain – Die Kunst der Verwandlung

Lea Porcelain haben schon eine beachtliche Wandlung hinter sich. Von einem Sound, der an die dunklen musikalischen Zeiten während der 90er Jahre in Großbritannien angelehnt ist, über den akustisch, folkigen Einschlag, den die beiden Jungs zuletzt auf I Am OK gingen, bis zu den neuesten Songs, die wieder zurück zu den Wurzeln der Band gehen, hat das Duo eine lebendige Diskografie vorzuweisen. Dabei setzen sie sich mit schwierigen Themen auseinander und verpacken diese in große Soundgerüste. Mit der neuesten Single Clock Of Time schließen sie gerade den Kreis und kehren zu ihrem Ursprung zurück. Dabei sind es abermals großartige Bilder des Musikvideos, die den Song so eindringlich werden lassen. Am vergangenen Freitag ist mit der EP Love Is Not An Empire schließlich auch wieder eine neue Platte herausgekommen und zeigt, wie umtriebig das, in Berlin lebende, Duo ist.

Parov Stelar - Gringo

Parov Stelar – Mehr Beat, mehr Trompeten

Parov Stelar hat sich über die letzten 20 Jahren ein Denkmal gesetzt. Denn mit einem Mix aus elektronischen Beats, Trompeten, Balkansound und 20er Jahre Swing hat der Österreicher es geschafft ein komplett neues Genre zu kreieren. Man kann fast sagen, Stelar ist der Vater des Elektroswings. Mit unzähligen Alben und Songs wie All Night kann der 45-Jährige Produzent auf eine riesige Diskografie schauen und wird dennoch nicht müde, neues Material zu veröffentlichen. Denn gerade in den letzten Jahren ist sein Sound zunehmend populärer geworden und Stelar daher ein gefragter Act auf Festivals. Nun hat Stelar mit Gringo einen fast schon untypischen Song veröffentlicht, der seinen gewohnten Sound erst zur Mitte hin erkennen lässt. Mit derben Beats und einem Kinderchor beginnt Gringo fast schon wie ein elektronischer Hip-Hop-Track aus den USA. Doch wenn schließlich die Trompeten und das Klavier einsetzen ist klar, das ist Stelar. Die schnellen Trompeten prägen einmal mehr den Balkanbeat des Künstlers und lassen ein nahendes, neues Album erwarten, welches lose für den Sommer angekündigt ist. Gringo ist abermals ein satter Partyhit, der in Clubs genauso gut funktioniert, wie in Kneipen, Homepartys oder Open-Airs. Und dafür liebt die ganze Welt den Österreicher Stelar.

Madonna feat. Maluma - Medellín

Madonna – Is Back!

Vier Jahre zwischen zwei Madonna Alben war bisher die größte Spanne, die es in der Diskografie der US-Amerikanerin gab. Diese waren zwischen Bedtime Stories (1994) und Ray Of Light (1998), sowie zwischen Hard Candy (2008) und MDNA (2012). Im Falle des ersten Beispiels lieferte Madonna mit Ray Of Light einen Meilenstein ihrer Karriere ab. Bei ihrem letzten 4-Jahres-Break setzte die Sängerin nicht all zu sehr auf Veränderungen und lieferte einmal mehr ein, durch Rap und von Hip-Hop Beats beeinflusstes, Nachfolgealbum ab. So steht es aktuell 50/50, dass die – mittlerweile in Lissabon lebende – Sängerin – ein innovatives, neues Album veröffentlichen wird. Nun hat Madonna mit Medellín ihre erste Single aus ihrem kommenden, 14. Studioalbum Madame X veröffentlicht und sich gleich für die erste Single den kolumbianischen Shootingstar Maluma geangelt. Dieser hat es 2018 mit seinem dritten Studioalbum F.A.M.E. und einem Sprachenmix aus Spanisch und Englisch, sowie einem Soundmix aus Reggaeton und Latin Pop geschafft, in zehn Ländern in die Charts zu kommen – darunter Deutschland, Frankreich und den USA. Auf der Single Medellín vereint Madonna daher Latin Pop, Hip-Hop-Beats und Reggaeton und mischt diese Genres mit dem übergroßen Wurzeln ihrer Karriere – dem Pop. Dabei erinnert Medellín vom Takt an Michael Jacksons They Don’t Care About Us hat dabei aber den Autotune des American Life Albums und eine Leichtigkeit eines entspannten Sommersongs. So abwechslungsreich, wie Medellín ist dann auch ihr neues Album Madame X angelegt. Hier schlüpft Madonna in die verschiedensten Charaktere und widmet diesen jeweils einen Song. Somit wird das Album allein schon vom Storyboard aus interessant und verspricht eine Vielschichtigkeit, die zuletzt auf den Alben der Queen of Pop eher selten zu finden waren. Wir dürfen gespannt sein, was uns erwarten und freuen uns, dass Madonna zurück ist.

MØME – In kleinen Schritten zu grandiosen Beats

Bereits mit den Songs Alive (2016) und When We Ride (2018) bewies der französische Produzent MØME, dass er die ganz großen Beats wie ein Leichtes aus den Ärmeln zaubert. So setzt Jérémy Souillart – der hinter MØME steckt – abermals auf die Unterstützung einer markanten Stimme und hat sie auf Sail Away beim kalifornischen Sänger Ricky Ducati gefunden. Dabei präsentiert sich der Tropical-House Song in einem tosend, stampfenden Sound, der sich thematisch um die dunkle Seite des Alltags dreht. Dabei steht der treibende Sound bewusst im Zwiespalt zu dem Text, der sich um das unterdrücken von Problemen kümmert, welche MØME in unserer heutigen Zeit als eine der größten Herausforderungen empfindet. Sind wir doch so aufgewachsen, dass wir uns nur an den positiven Erlebnissen festhalten und Negativen oftmals keinen Platz geben. Mit dieser Herangehensweise zeigt dann auch das Musikvideo zu Sail Away ganz bewusst, diese Kontraste. Ist Sail Away als Teil der im Dezember veröffentlichten EP Møment II erschienen, fügt MØME seiner Diskografie damit ein weiteres Puzzlestück hinzu, welches ein immer größeres Bild des, aus Nizza kommenden, Produzenten zeichnet.

Seafret – Berührender Abschied

Vielleicht kann sich der Ein oder Andere noch an das mitreißende Musikvideo des britischen Duos Seafret zu Wildfire erinnern – bei dem sich jeweils zwei Singles an einem Tisch gegenüber saßen und erst einen Fragenkatalog aus 36 Fragen gegenseitig beantworten mussten, nur um anschließend für vier Minuten lautlos in die Augen des anderen zu schauen. Das war im Sommer 2016 und hatte sowohl vom Video, als auch von der Musik zu ganz besonderen Emotionen geführt. Nun sind Seafret mit der Single Loving You wieder da und greifen abermals ein Thema auf, welches für große Gefühle steht. Hier geht es nämlich um den Abschied eines jungen Mannes von seiner großen Liebe. Doch wird hier nicht von einer Trennung gesprochen, bei dem beide als Single rausgehen, sondern sitzt der Mann vielmehr am Sterbebett seiner großen Liebe. Im Verlauf des Videos geht er noch einmal alle Orte ab, die für die beiden mit Erinnerungen verbunden waren und steht schließlich vor einer Klippe und überlegt wie der nächste Schritt aussehen könnte. Dabei untermalen Harry Draper am Klavier und Jack Sedman mit seiner Stimme die Szenen so sensibel und tasten sich behutsam durch die – von Erinnerungen gefütterte – Wahrnehmung des Mannes, dass hier mehr entstanden ist, als nur ein Abschiedssong. So berührt allein das Klavierspiel mit seiner wiederkehrenden Melodie schon und kommt Sedmans emotionaler Gesang hinzu, der mal ruhig, mal kräftig, mal gebrochen klingt und als perfekte Begleitung zu den Bildern dient. Mit dieser Wirkung reiht sich Loving You perfekt in die Diskografie der beiden Briten ein lässt sie wieder ins Bewusstsein vieler Musikliebhaber stoßen.

Benjamin Francis Leftwich – Wie das Leben spielt

Benjamin Francis Leftwich hat in den letzten Jahren so einiges an Material veröffentlicht. Stehen ganz vorne seine beiden Alben Last Smoke Before The Snowstorm (2011) und Before The Rain (2016). Gesellen sich fünf EP’s mit zu seiner Diskografie. Dabei fällt vor allem die letzte EP I Am With You (2018) auf, hat der britische Singer/Songwriter doch hier sein gewohntes Genre des Folks verlassen und sich zu mehr Ambient und einem elektronisch untermalten Sound weiterentwickelt. Die Beweggründe beschreibt der 29-jährige Leftwich als eine Art Katharsis bei der er mehr zu sich selbst gefunden hatte und seitdem nicht müde wird, sich weiterzuentwickeln. Dabei kommt ihm die neue Single Look Ma! zur Hilfe, die nicht nur einen weiteren Schritt in Richtung elektronische Musik geht, sondern auch Leftwichs drittes Album Graditute ankündigt, welches am 15. März veröffentlicht wird. Look Ma! ist dabei eine Mischung aus fernöstlichen Eindrücken, Leftwichs warmer Stimme, einem relaxten Beat mit Synthies und einem weiten Sound. Mit Look Ma! hat Leftwich neues Terrain betreten, welches zu ihm genauso gut passt, wie sein vormaliger Folksound.