Billie Eilish – Rolemodel Generation Z

Sie steht für die Generation Z, wie kaum eine andere Künstlerin aktuell. Billie Eilish ist mit ihren gerade einmal 17 Jahren der Inbegriff einer neuen Generation von Heranwachsenden geworden, die sowohl zu den Digital Natives gehören, als auch willensstark, fokussiert und laut ihre Vorstellungen von Werten verkünden. Dabei ist markant, dass sich die Werte meist um soziale Verantwortung, Nachhaltigkeit und ein Umweltbewusstsein auf globaler Ebene drehen. Mit den alten Konventionen brechen – das zeigt auch Eilish mit ihren Songs immer wieder. Seit sie im Oktober 2015 mit Ocean Eyes ihre Debütsingle veröffentlichte, sind nicht nur dreieinhalb Jahre vergangen, sondern auch eine Flut von 16 weiteren Songveröffentlichungen, darunter When the Party‘s Over. Erst am vergangenen Freitag wurde schließlich mit When We All Fall Asleep, Where Do We Go? ihr lang erwartetes Debütalbum veröffentlicht und zeichnet sich bereits jetzt ein weltweiter Hit ab. Daraus nun veröffentlicht, hat Eilish die Single Bad Guy, die mit einer Mischung aus Pop, Trap und einem extrem tanzbaren Beat einmal mehr die Kreativität der Sängerin unterstreicht. Gleichzeitig ist das dazugehörige Musikvideo so abgefahren und unterhaltsam, dass man Eilish nur zujubeln kann. Das Rolemodel der Generation Z zeigt uns dabei aber auch, dass wir Angst haben sollten – das allerdings nur im positivsten Sinne.

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Better Strangers – Gitarrensound groß gedacht

Zwei Songs findet man im Netz. Zwei Songs mit einem so großen Ausrufezeichen, dass man sich die Ohren reiben möchte und verwundert auf eine Bandhistorie von drei Jahren guckt. Es ist die Berliner Band Better Strangers, die mit den beiden Songs No One und Rest Your Bones einen so sauberen Alternative macht, der sich nach Vertrautem anhört und doch frisch klingt. Hier kommen klangliche Parallelen zu Song, wie Rain oder Don’t You Turn Your Back On Me, von den Göttingern von Guano Apes auf, wird aber auch an die Klangwelt von Muse erinnert. Einprägsame Gitarren und ein starker Gesang lassen die Wirkung der Debütsingle Rest Your Bones schließlich größer wirken, als es ein einzelner Song sein kann. Dabei blitzen immer wieder epische Momente auf, die allerdings nie pathetisch klingen. So windet sich eine Gitarren- und Schlagzeugwolke lethargisch um uns herum und lässt Rest Your Bones zu einem durchdringenden Ohrwurm werden. Am 5. April erscheint Rest Your Bones dann auch als Teil der Debüt-EP Taxi for Susie und dürfte uns weitere Einblicke in die Welt der Better Strangers geben.

Meduza feat. Goodboy – Italien kann es noch!

Meduza steht vor einer schwierigen Aufgabe. Ende der 90er Jahre waren Acts wie Ann Lee, Eiffel 65 und Gigi D’Agostino das Maß aller Dinge und belegten die Spitzenpositionen der Charts weltweit. In den 2000ern und 2010ern war dies weitaus schwieriger für die Südeuropäer. Hatten doch die Briten und Schweden zunehmend Einfluss auf die Charts genommen. So gab es Mitte der 2010er einen rasanten Anstieg an EDM-Acts von den britischen Inseln. Nun wollen wieder ein paar Italiener das Zepter in die Hand nehmen und haben mit dem Song Piece Of Your Heart gleich einen wahren Überhit abgeliefert. Dabei ist der Song gerade einmal die Debütsingle des italienischen Trios Meduza, welche seit ungefähr einem halben Jahr durch die Clubs weltweit geistert. Doch seit schließlich Star-DJ Tiësto den Song in seiner Radio-Show Tiësto’s Club Life spielte, schafft es der Song immer mehr Menschen zu erreichen und wird zunehmend auch im Radio gespielt. Dabei folgt Piece Of Your Heart einem klassischen Schema und bildet durch eine klare Bassline, eine tiefe Gesangsstimme von Goodboys und dem dunklen Housebeat einen satten Clubhit, der die Partys rund um den Globus anheizen wird. Als Debütsingle gleich so einen starken Song zu veröffentlichen, lässt die Zukunft des Trios geradezu hervorragend aussehen! Doch bis es dazu kommt, tanzen wir auch an einem Sonntag zu Piece Of Your Heart!

Moyka – Mystisch tanzbar

Mit ihren 21 Jahren hat die norwegische Sängerin Monika Engeseth – alias Moyka – so einiges auf dem Kerbholz. Begann sie als 18-Jährige ein Studium für Musikproduktion in Bergen, steht sie nun kurz davor, ihre Debüt-EP zu veröffentlichen. Aktuell müssen wir uns allerdings erst einmal mit ihrer Debüt-Single begnügen – welches im Falle von Colder allerdings ein Leichtes ist. Mit dunklen Synthies, Moykas klarer Stimme – die viele Gemeinsamkeiten mit den Stimmen der ebenfalls aus Norwegen kommende Sängerinnen Ari und Aurora aufweist – und einem unglaublich tanzbaren Beat ist Colder eine hervorragende erste Single und präsentiert die junge Sängerin mit einem starken Sound, der zum Tanzen anregt. Auf Colder hört man daher umso deutlicher, dass Moyka von Künstlern und Bands wie Robyn, Röyksopp und Highasakite beeinflusst wurde und sie, trotz der Tanzbarkeit des Songs, dennoch immer auch eine verträumte Natürlichkeit an den Tag legt. Vorerst stehen nur wenige Auftritte in Norwegen in Moykas Terminkalender – mit Colder wird sich dies wohl in den kommenden Wochen ändern und so haben auch wir hoffentlich bald das Vergnügen, die junge Norwegerin einmal live zu sehen.

JNR Williams – Wenn eine Seele singt…

…steht die Welt still. Es überkommt einen, wie ein Schauer der Betroffenheit, wenn das erste Mal die unglaublich warme, sanfte und soulige Stimme des jungen Londoner Soulsängers JNR Williams (gesprochen Junior Williams) ertönt. Sie greift dich förmlich und lässt dich nicht mehr los. Dabei hat der Musiker gerade einmal zwei Songs veröffentlicht. War sein Debütsong im Dezember 2018 noch eine Neuinterpretation des über 80 Jahre alten Klassikers What A Difference, hat Williams nun mit A Prayer einen so unglaublich schöne Song veröffentlicht, dass man mit Sicherheit sagen kann, JNR Williams wird die Soulstimme 2019 werden! Er selbst ist eher introvertiert, auffällig ruhig und hat in seinem Heranwachsen als farbiger Mann immer gepredigt bekommen, auf keinen Fall Emotionen zu zeigen. Mit dem Musikvideo zu A Prayer stellt Williams nun visuell dar, wie es aussieht, wenn Vater und Sohn diese Gefühlsblockade nach und nach aufbrechen, um sich nicht voneinander zu entfernen. Williams‘ Stimme ist dabei vergleichbar mit Sampha und Rationale und sieht er sich selbst inspiriert von Künstlern, wie dem US-Amerikanischen Singer/Songwriters Moses Sumney oder dem Briten James Blake. Diese Einflüsse arbeitet er nun mit A Prayer auf und bereitet damit die Veröffentlichung seiner Debüt-EP Where We Start vor. Diese erscheint diesen Freitag und so heißt es nun nur noch ein paar Tage abzuwarten, bis sich der große JNR Williams-Siegeszug in Bewegung setzen wird.

Ex:Re – Wenn Daughters Stimme zum Soloprojekt wird

Hört man die ersten Sekunden des Songs Romance, fühlt man sich unweigerlich an das britische Indie-Trio Daughter erinnert – ist die Stimme der Sängerin, hinter dem kryptischen Namen Ex:Re doch genauso zart und ruhig. Und natürlich kommt dieser Vergleich nicht von ungefähr, denn wer ein Fan Daughters und von Frontsängerin Elena Tonra ist, wird wissen, dass Ex:Re ihr neues Soloprojekt ist. Hier zeigt sich Tonra nochmals deutlich introvertierter, als bei Daughter. Dabei ist die Single zum selbst betitelten Debütalbum Ex:Re eine Offenbarung an den Moment eines Beziehungsendes. Die daraus entstandene Leere ist noch nicht gefüllt oder gekittet und lässt die Gefühle in einer Art Lethargie zurück. Mit den Worten Romance is dead and done. And it hits between the eyes on this side. The grass is dead and barren. And it hurts between my thighs on this side durch den Refrain führend, erzählt Tonra auf fast sieben Minuten Musik, ihre Geschichte von einer Trennung, die immer noch zu spüren ist. Dabei klingt sie so zerbrechlich, traurig aber auch wunderschön und lässt uns an diesem Gefühl teilhaben und ebenfalls Leere, Wärme und Schmerz empfinden. Gab es bisher nur einen Liveauftritt als Ex:Re in London, dürfen wir auf weitere Termine im neuen Jahr hoffen. Bis dahin wird das Album wohl so einige Male auf Repeat gespielt.

Foster The People – Mit Ohrwurm in den Winter

Es braucht nicht immer nur einen Hit, um nach ganz oben zu kommen. Foster The People hatten 2010 mit Pumped Up Kicks alles richtig gemacht. War der Song ein so wunderbarer Ohrwurm, sprangen die Radiostationen weltweit schnell auf und sorgten dafür, dass uns die Textzeilen All the other kids with the pumped up kicks. You’d better run, better run, out run my gun. All the other kids with the pumped up kicks- You’d better run, better run, faster than my bullet bis in das Jahr 2011 begleiteten. Nicht zuletzt auch wegen des brisanten Themas der immer wieder aufkeimenden Waffengewalt an Schulen und von Schülern, wurde Pumped Up Kicks zu einem Symbolsong. Ihr dazugehöriges Debütalbum Torches verkaufte sich dann, ob der Präsenz von Pumped Up Kicks, 2011 millionenfach. Mit ihrem Nachfolgealbum Supermodel schafften sie es schließlich, in vielen bedeutenden Musikmärkten, weltweit sogar nich höhere Positionen zu erreichen. Doch ein Hit wie Pumped Up Kicks blieb seitdem aus. Bis heute haben die vier Kalifornier mit den Verkaufszahlen nicht wieder an die der Debütsingle anknüpfen können und dennoch einen Ohrwurm nach dem anderen veröffentlicht. Dass sie sich auf ihrem Ruhm ausruhen, kann man – guckt man sich die aktuelle Veröffentlichungsgeschwindigkeit an – nicht behaupten. Haben sie vor 15 Monaten ihr drittes Album Sacred Hearts Club veröffentlicht, folgt nun mit der Single Worst Night bereits ein Song, der nicht mehr auf dem Album zu finden ist. Ist dies vielleicht ein Indiz auf ein nahendes, viertes Studioalbum oder doch nur eine Möglichkeit, eine limitierte Extended Albumversion zu Weihnachten zu veröffentlichen? Wie auch immer, Worst Night ist ein schmissiger Ohrwurm, ganz in Foster The People Manier, der mit Chorgesang und Mark Fosters markanter Stimme allemal zu einem neuen Radiohit taugt. Nun liegt es an den Stationen, diese Nummer aufzugreifen.

Grace Carter – Emotionale Suche nach einer Antwort

Inspiriert von den Sängerinnen Lauryn Hill und Nina Simone hat die heute 21-jährige Sängerin Grace Carter schon früh die Musik für sich entdeckt. Auch oder vielmehr gerade durch ihren Stiefvater motiviert, bekam Carter zu ihrem 13. Geburtstag eine Gitarre geschenkt und wurde von ihm ermutigt, Songs zu schreiben. Acht Jahre später steht sie bei Warner Bros. unter Vertrag und veröffentlichte mit Silence bereits eine respektable Debütsingle. Nun ist sie mit Why Her Not Me zurück und schöpft aus den Vollen ihrer Songwriting-Kunst. Denn Carter zieht die Inspiration für Texte aus ihren ganz persönlichen Erlebnissen, die allesamt von Wut, Frust, Enttäuschungen und Niederschlägen geprägt sind. Hieraus sammelt Carter ihre Energie und schafft es ihren Songs etwas aufbauendes zu geben und sie nicht als das Ende verstanden zu wissen. Auf Why Her Not Me thematisiert sie die Entscheidung ihres gebürtigen Vaters, die Familie zu verlassen um mit einer anderen Frau und Kindern glücklich zu werden, seiner alten Familie aber Schmerz zuzufügen. Dies schafft Carter mit einer so emphatischen Art, dass man meinen würde, sie könnte es nicht selbst erlebt haben. Durch die kräftige Stimme der Britin, ihr dunkles Timbre und einen bombastischen Sound ist Why Her Not Me so, eine Hymne der Stärke und des nicht Aufgebens und ein großes Ausrufezeichen einer noch jungen Sängerin.

Soak – Bereit für Album 2

Vor fast genau vier Jahren hatte die damals 17 jährige Britin Bridie Monds-Watson – alias Soak – ihre Debütsingle B A noBody veröffentlicht. Konnte sie damit viele Kritikerherzen erobern, folgte im Frühling 2015 ihr Debütalbum Before We Forgot How to Dream. Nun ist die mittlerweile 22 jährige Sängerin mit der ersten Single ihres kommenden, zweiten Albums zurück und zeigt uns, dass sie weiterhin für tiefgründiges und emotionales Songwriting steht. Behandelt sie doch auf Everybody Loves You den Widerspruch von Akzeptanz und Verleugnung der ihr als Teil des Erwachsenwerdens begegneten und das Gefühl, dass Freundlichkeit als Zuneigung angesehen wird und man sich als junger Mensch dadurch immer wieder unglücklich verliebt. Das macht Soak einmal mehr so sanft und fast schon scheu, dass man sich zu ihr setzen möchte, um einfach nur da zu sein.

Alice Merton – Warum eigentlich immer so ernst?

Ich könnte jetzt vom großen Erfolg der Debütsingle No Roots sprechen. Davon, dass sie weltweite Erfolge damit gefeiert hat. Doch das würde Alice Merton nur auf diesen Song reduzieren. Sie selbst hat nun die beste Antwort auf die Frage geliefert; was ihr nächster großer Hit wird: Why So Serious? So heißt ihre neue Single, die gleichzeitig die Ankündigung ihres Debütalbums MINT für Mitte Januar 2019 im Gepäck hat. Dabei ist Why So Serious eine wunderbare Popnummer, die sich im Video für allerlei alberner Momente hergibt. Alice Merton lässt hierbei gar keinen Zweifel daran, dass auch diese Single ein Erfolg wird. Doch allen Fragen, über die Erwartungshaltung an sie, zum Trotz, macht Merton einfach das, was sie selbst für gut befindet und genießt einfach ihre Zeit als erfolgreiche Sängerin. Und mit einer Nummer wie Why So Serious wird dieser noch eine ganze Weile andauern.