Helgi Jonsson feat. Emilíana Torini - Crossroads

Helgi Jonsson feat. Emilíana Torrini – Isländische Leichtigkeit

Mit Emilíana Torrini besitzt Island, neben seiner Vielzahl an herausragenden Künstlern der schweren Musik, eine Sängerin, die durch ihre Musik das Leben so leicht wirken lässt, dass man sich nicht dagegen wehren kann, bei jedem Song der Sängerin ein Lächeln ins Gesicht zu bekommen. Während hierzulande Torrini vor allem durch ihren Nummer 1 Hit Jungle Drum bekannt ist, wird einem der Name Helgi Jonsson wohl gänzlich unbekannt sein. Müsste er aber nicht, denn Jonsson steht für Musik hinter Bands und Künstlern wie Boy, Philipp Poisel, Sigur Rós, Damien Rice oder Tina Dico – mit der er seit Jahren verheiratet ist. Mal als Pianist auf Sigur Rós und Boy Songs, mal als Songwriter für Tina Dico, ist Jonsson in den letzten Jahren unbekannter Weise recht erfolgreich gewesen. Dabei steht sein Klavier im Vordergrund seiner Musik und wird durch elektronische Elemente bereichert. Auf der nun veröffentlichten Version von Crossroads – das im Original als Solosong auf seinem aktuellen Album Intelligentle zu finden ist – hat sich der isländische Sänger die wunderbare Emilíana Torrini dazu geholt und so daraus ein Duett gemacht, welches so sympathisch und locker klingt, dass man sich vorkommt, als würde man neben den beiden auf der Veranda sitzen, ehe alle in einen Pick-Up steigen und raus auf die kargen Felder des Südens fahren. Dabei weht die Luft bei offenen Fenstern in den Fahrerraum und lässt die Wärme des Spätsommers herein. Crossroads ist hierbei eine gar nicht so leichte Kost, schaut man sich den Songtext einmal genauer an. Denn hier beschäftigte sich Jonsson mit den geschichtsträchtigen Wahlen von Donald Trump und dem Brexit. Wie man herausfordernde Themen mit einer Leichtigkeit von Sound verpacken kann, zeigen Helgi Jonsson und Emilíana Torrini mit Crossroads wunderbar.

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Gløde – Von der Insel in die Welt

Gløde – As We Speak

 Ø – ein Buchstabe – nicht mehr. Zugegeben, ein sehr interessanter Buchstabe. Doch im dänischen ist das nicht nur ein Buchstabe, sondern auch ein Wort. Denn Ø  steht für Insel. Und gleichzeitig hat die Hamburger Band Gløde diese Insel in ihrer Mitte. Dass das nicht von ungefähr kommt, zeigt der Name des Frontsänger, Simon Gløde, der aus Dänemark kommt und 2014 in Hamburg auf der Suche nach einer Band war. Dass diese Suche erfolgreich war, bestätigt das Facebook-Geburtsjahr der Band, das den 1. Juni 2016 angibt. Doch von der Entstehungsgeschichte abgesehen ist heute auch ein ganz besonderer Tag für Gløde. Denn heute kommt ihr Debütalbum Ø raus, welches so abwechslungsreich ist, wie nur wenige Alben dieses Jahr. Darauf enthalten sind Songs, der verschiedensten Genres. Haben wir mit der Debütsingle As We Speak einen wunderschönen und starken Alternativesong mit sanftem Schlagzeug, weichen Gitarren und Simon Glødes warmer Stimme, zeigt sich die Band auf Lady In A Dress mit einem gwissen Bezug zum Jazz. Bei Rose wiederum klingen Gløde in den lauten Momenten fast schon nach 80er-Jahre-Balladenrock. Dazwischen findet sich viel atmosphärischer Indie-Pop. Gløde zeigen beeindruckend, wie gut ein Debütalbum, von einer Band, die sich gerade mal vor gut einem Jahr gegründet hat, klingen kann. Glødes Stimme, die mal rauchig, mal glasklar klingt, hat viel von Künstlern wie Damien Rice und David Gray und auch die akustische Nähe zu diesen Künstlern lässt sich nicht ganz ablegen. Gløde sind spannend und haben mit Ø  ein Debütalbum veröffentlicht, dass neun Songs voller Abwechslung und Spannung hat und die sich beim Hörer in Neugier und Interesse verwandeln. Mit dem starken Opener As We Speak blasen sie so zum Angriff. Stark, intensiv und frisch – eine Insel voller musikalischer Vielfalt – das ist Ø von Gløde.

Bon Iver - 22, A Million

Bon Iver – Eines dieser Wunderkinder

Justin Vernon, wie Bon Iver bürgerlich heißt, kann in einer Reihe mit Musikern wie Ben Howard, Damien Rice, oder selbst Jamie XX genannt werden. Warum? Alle samt sind Musiker, die ihrer Musik so viel Intimität und Zerbrechlichkeit verleihen, dass es gar nicht mal so sehr auf das Genre ankommt, um Gefühle zu erzeugen. Der Amerikaner Bon Iver hat bereits mit seinen ersten beiden Alben For Emma, Forever Ago (2007) und Bon Iver, Bon Iver (2011) für viele positive Kritik gesorgt und war in den letzten Jahren immer wieder Vorbild für viele Bands und Musiker. Nun ist Bon Iver überraschend mit dem neuen Album 22, A Million zurückgekehrt und verblüfft gleich doppelt – hört man sich erst einmal die Songs genauer an. So klingen die Songs zwar immer noch nach dem typischen Bon Iver Sound, gepaart mit Kopf- und Bruststimme, doch ist bei der Produktion deutlich mehr Wert auf eine passende, elektronische Untermalung gelegt worden. Da ist die aktuelle Single 33″GOD“ das beste Beispiel. Fängt der Song mit einem Klaviersolo an, gesellt sich schnell Bon Ivers Stimme hinzu, um nach ca. 1:20 Minute plötzlich in einen düsteren Bass überzugehen, der 33″GOD“ verstörend wirken lässt. Da klingt der Song plötzlich chaotisch, gar bedrohlich. Nur, um dann wieder in eine ruhige Phase überzugehen. Diesen Wechsel vollzieht Bon Iver noch ein paar mal und steigert so die Intensität des Songs. Mit 33″GOD“ zeigt Bon Iver, dass sein Einfluss auf die Popkultur nie weg war und seine Songs fast schon als Kunstwerke gesehen werden können.