Dotan – Neues Leben, neue Musik und neues Album?

Mit seinem zweiten Album 7 Layers (2014) schaffte der niederländische Singer/Songwriter Dotan seinen großen Durchbruch. Die darauf enthaltene Single Home wurde sogar in Deutschland zum Hit. Nach seinem 2016er Song Shadow Wind, welcher zum niederländischen Soundtrack der Olympischen Spielen wurde, folgte Anfang des Jahres mit Numb die erste neue Single des Sängers. Nun hat Dotan mit Letting Go eine weitere Single veröffentlicht, die vage eine brisante Zeit in seinem Leben thematisiert. Denn die letzten anderthalb Jahre waren – wenn auch eigenverschuldet – recht hart für den Amsterdamer Sänger. Letting Go ist musikalisch dabei eine feste Nummer und zeigt Dotan mit genau diesem Sound, den wir alle seit 7 Layers von ihm lieben. Große Gesten mit epischen Sound und choralem Gesang dominieren die balladeske Kulisse des Songs und zeigen, dass Dotan sich nicht hinter seinen dunklen Schatten der vergangenen Jahre verstecken muss.

Fink - Bloom Innocent

Fink – Unschuldige Liebe

Fink ist ein Reisender in seiner eigenen Musik. Wohin die Reise geht, scheint oft am Anfang des Songs noch gar nicht festzustehen. Es ist der Aufbau und das entstehende Gefühl beim Hören, welches diesen Moment erst entstehen lässt, wenn man sich in ihm befindet. So hat bereits die Leadsingle Looking Too Closely aus dem 2015er Album Hard Believer gezeigt, wo es Fin Greenall hinführt, wenn die Musik die Gefühle bewegt und die Gefühle die Musik unterstützen. Auf seinem neuen Album Bloom Innocent haben sich Fink diesem Aufbau der Songs regelrecht hingegeben. So erzählt die gleichnamige Leadsingle Bloom Innocent von der Zeit in der Fin mit seiner Partnerin zusammenkam und der Alltag noch keine Rolle gespielt hatte. Von Momenten, die den Tag immer wieder aufs Neue haben anders ausgehen lassen. Diese Leidenschaft zeigt sich in dem – im Original knapp sieben Minuten langen – Stück, das von ruhiger Betrachtung zu entbrannter Liebe aufsteigt und aus einer Ballade eine treibende Hymne an die frische Liebe werden lässt, die gänzlich ruhig und eindrucksvoll wirkt.

 

Seafret - Fall

Seafret – Erwachsen und berührend

Das britische Duo Seafret hat sich, seitdem es ihr Debütalbum Tell Me It’s Real (2016) veröffentlicht wurde, nicht ausgeruht. Mit EP’s und neuen Songs haben sich Harry Draper und Jack Sedman immer wieder ins Gedächtnis gerufen und dabei klammheimlich am Sound gearbeitet. Waren ihre ersten Veröffentlichungen allesamt noch deutlich vom Rhythmus eines Popsongs dominiert, schwimmen sich die Beiden nach und nach frei von Erwartungshaltungen und Druck. Dies hört man vor allem, wenn man die früheren Songs, wie WildfireBlank You Out oder Loving You mit der neuen Single Fall vergleicht. Entgegen ihres Hangs zu Balladen ist Fall ein großartiger Powerpopsong, der mit viel Energie und starker Stimme des Sängers Jack Sedman überrascht. Denn eigentlich ist Sedman eher in den hohen Tönen zu Hause. Sicherlich wäre es falsch Fall als tief gesungen Song zu bezeichnen, doch hat sich die Stimme des Sängers auf der neuen Single deutlich mehr Raum genommen und klingt weniger kopflastig. Fall ist eine Hymne, die dem Aufbau von Songs der Killers oder Coldplay ähnelt. Dies wird vor allem im Refrain deutlich, der durch Gitarren und ein voluminöses Schlagzeug an Stärke gewinnt und das komplette Gegenteil zu ihrer hochgelobten Single Wildfire darstellt. Fall ist die Leadsingle ihres, im Februar erscheinenden, zweiten Albums Most Of Us Are Strangers und kann im Februar und März 2020 auf der Europatour live erlebt werden.

Jarryd James - Let It Go

Jarryd James – Verruchter Neo-Soul mit Tanzfaktor

Für den Australier Jarryd James lief 2015 so ziemlich alles rund. Startete er mit seiner Debütsingle Do You Remember so richtig durch und landete auf Platz 2, schaffte es sein, kurze Zeit später veröffentlichtes Album Thirty One, inklusive der Folgesingle Give Me Something, ebenfalls bis auf Platz 2 der australischen Albumcharts. Und wäre das für einen Newcomer nicht schon erfolgreich genug, gewann er schließlich auch noch einen ARIA Award für Do You Remember als Best Pop Release. Schließlich wurde es einige Jahre still um den Sänger und Produzenten, der seinem Stil mit Alternative-R&B ein ganz neues Genre verlieh. Nun ist der Brisbaner wieder da und präsentiert uns eine Neo-Soul-Ballade, die an FKA Twigs erinnert und eine gehörige Ladung R&B im Blut hat. Dabei folgen heftige Bassbeats dem, fast schon, zittrigen Gesang des Sängers. Let It Go ist sexy, frisch, leise und modern und lässt uns auf eine intime Art den Beat des Songs fühlen, den wir uns sonst nur in verruchten Filmen vorstellen.

SYML – Ein gesamtes Leben in 3:38 Minuten

Brian Fennell ist kein Mensch, der sich auf etwas ausruht. Mit seinem Soloprojekt SYML bedeutet das aber auch, dass sich Fennell immer wieder neu erfindet und die unterschiedlichste Facetten einbringt. Auf seinen Singles Where’s My LoveClean EyesThe Bird und Break Free könnten diese Unterschiede nicht besser herausgearbeitet sein, steht doch jeder Song für sich selbst und lässt den US-Amerikanischen Musiker in seiner unbändigen Kreativität alle Möglichkeiten offen. Am 3. Mai dieses Jahres folgte schließlich mit SYML das Debütalbum, nur, um bereits einige Monate später mit einer kommplett neuen Single zurückzukommen. Symmetry weisst dabei eine musikaliche Dramaturgie auf, die dem eines Lebenszyklus‘ gleichkommt. Sind Anfangs nur Fennells Gesang und eine treibende Gitarre zu hören, kommt etwas später eine Geige dazu und gibt dem ganzen einen dramatischen Anstrich, der sich schließlich in einem orchestralem Soundgewitter entlädt, bei dem die großen Ereignisse des Lebens im Mittelpunkt stehen. Schließlich folgt mit dem ruhigen Ausgang ein letzter Atem, der die Lunge des Lebens verlässt und den Körper wider der Natur zurückgibt. Symmetry ist dabei wirklich groß gedacht aber reduziert produziert. Brian Fennell beherrscht es, die großen Sounds genauso zu produzieren, sowie die intimen Momente in seinen Balladen ganz groß heraus zu arbeiten.

Christian Reindl & Tessa Rose Jackson - Happy Together

Christian Reindl & Tessa Rose Jackson – 52 Jahre alter Song ganz leise interpretiert

Es war nur eine Frage der Zeit, bis sich der Münchener TV-, Film- und Werbekompnist Christian Reindl mit der niederländischen Sängerin Tessa Rose Jackson über dem Weg laufen würden. Komponiert und produziert Reindl seit einigen Jahren bereits erfolgreich Songs für Marken, wie Coca-Cola, RTL, BMW, Audi oder DreamWorks ist die Sängerin Jackson – nach ihrem Hit Change Time (2012) – vor allem mit ihrem Projekt Someone, welches sie seit 2017 mit so cineastischen Songs und Musikvideos, wie The Deep (Episode 1)Forget Forgive und Pull It Together in Verbindung bringt, aktiv. Hier wird es wohl auch die Schnittstelle gegeben haben, bei der sich Reindl und Jackson begegnet sein müssen. Dabei ist das erste Werk der beiden so überraschend, wie erfreulich. Denn hier haben beide nicht etwa an einem verkopften Bombastsong gearbeitet, sondern sich den 52 Jahre alten Hit Happy Together von The Turtles ausgesucht. Hierbei haben sie eine Version produziert, die sich stark am Original orientiert, dabei aber eine ganz eigene Geschichte von Kälte, Trauer und Ehrfurcht erzählt. Mit dunklen Klangstrukturen und dem hauchenden Gesang Jacksons ist Happy Together eine streichelnde Ballade, die wahlweise für eine schaurige Gänsehaut oder wohlige Geborgenheit sorgt.

Caribou - Home

Caribou – Aus der 5 jährigen Pause zurück

Wenn man als Musiker fünf Jahre lang keine neue Musik veröffentlicht hat, scheint es eine Art Weckruf zu geben, bei dem sich alle auf das Eigentliche konzentrieren und neue Musik veröffentlichen. So haben Thees Uhlmann, MIA. und nun auch Caribou nach knapp fünf Jahren der Abstinenz endlich wieder neues Material veröffentlicht. Dabei hat es der kanadische Musiker und Produzent Dan Snaith in den letzten Jahren gar nicht so abstinent gehandhabt. Denn, hat er unter seinem Pseudonym Caribou zwar tatsächlich 2015 das letzte Mal Musik veröffentlicht und mit dem Album Our Love 2014 alle begeistert, brachte Snaith in der Zwischenzeit unter dem Namen Daphni zwei Alben raus und ist über dies hinaus sogar noch unter dem Pseudonym Manitoba bekannt. Nun widmet sich Snaith also wieder dem Projekt Caribou und erfreut damit unzählige Fans. Mit seinem Mix aus Dreampop, Elektro und Folk kommt der Musiker dem – seit den 90er Jahren bekannten – Genre Intellegent Dance Music (IDM) ziemlich nahe. Denn mit einer gehörigen Portion vertrackteter Soundelemente – allen voran muss das Sample des Gloria Barnes Klassikers Home, aus dem Jahr 1971, genannt werden – klingt Home nach einer Vintage-Soulballade, die ans erste Küssen und als Teenager durch den Regen rennen, erinnert. Dabei hatte Snaith – da ihm die Strophe so sehr gefiel – bereits seit einiger Zeit vor, aus Banres‘ Song etwas zu machen. Nun können wir hören, was der Soundmaster daraus gemacht hat und fühlen uns in die Zeit zurück versetzt, in der wir nach der Schule die Straßen unsicher gemacht hatten und erst mit dem Einschalten der Straßenlaternen zu Hause sein mussten.

Amason - Marry Me Just For Fun

Amason – Eine Supergroup ganz verträumt

Sie besteht aus der Crème de la Crème der schwedischen Musiklandschaft – die Supergroup Amason. Steckt hinter der Band doch die Sängerin Amanda Bergman – die seit Jahren unter verschiedenen Pseudonymen Musik macht und mit The Tallest Man On Earth-Kristian Matsson verheiratet war, der Keyboarder Gustav Ejstes – der mit seiner Band Dungen in den vergangenen 20 Jahren bereits neun Alben veröffentlicht hat, der Produzent Pontus Winnberg – der als Teil des Produzenten-Duos Bloodshy & Avant Songs unter anderem für David Guetta, Maroon5 und Britney Spears produziert hat und gleichzeitig Teil der Band Miike Snow ist, der Produzent Petter Winnberg – der vor allem als Produzent für Film- und Serienmusik für Netflix, HBO, H&M und Vogue in Erscheinung tritt und der Schlagzeuger Nils Törnqvist, der ebenfalls mit der Band Little Majonettes erfolgreich ist. Hat sich die Band 2012 gegründet, veröffentlichte sie 2015 mit Sky City ihr Debütalbum. Nun ist mit Galaxy I ihr langersehntes Nachfolgealbum rausgekommen und besitzt mit der aktuellen Single Marry Me Just For Fun eine wunderbar, nostalgische Popballade, die mit 80er Jahre Synthies und melancholischer Grundstimmung eine Art Ode auf den Moment darstellen soll. Amason haben damit gleichzeitig den ersten Teil ihres Doppelalbums Galaxy I veröffentlicht, welches aus fünf Songs besteht und Anfang 2020 mit dem zweiten Teil komplettiert wird. Mit der wunderbar hohen und brüchigen Stimme Bergmans, dem poplastigen Sound und dem grandiosen Songwriting kommt einem bei Amason momentan die Frage auf, warum die Band eigentlich nicht ähnlich schnell durch die Decke geht, wie es sonst bei den einzelnen Bands und Projekten der Musiker passiert ist. Mit Marry Me Just For Fun haben sie auf alle Fälle einen veritablen Hit im Angebot, der mit Sicherheit die Fanbase der Band vergrößern wird.

Bon Iver - Naeem

Bon Iver – Ein Evolution in vier Akten

Bon Iver ist ein Aussätziger unter den Musikern. Mit seinen Soundmustern, die sich mit jedem seiner Alben verändern, über die Art zu singen, bis hin zu seinen kryptischen Titeln – kaum etwas ist richtig greifbar. Mit seinem nun veröffentlichten I,I setzt der US-Amerikaner Justin Vernon seinem Alter Ego Bon Iver einen vierten Akt auf und komplettiert damit die Soundästhetik, der vier Jahreszeiten. Auf seiner nun veröffentlichten Single Naeem kehrt Venon zurück zu den Anfängen seines Sounds und lässt eindringliche Pianoklänge über sanfte Bässe zu einem kratzig fordernden Gesang des Sängers legen. Dabei wirkt Naeem wie eine Folkballade, die sich aus den Einflüssen von Sigur Rós, The Lumineers und The Slow Show zusammensetzt. Einmal mehr schafft es Bon Iver so, dass seine Musik eine Kunstform annimmt, die sich für viele immer wieder aufs Neue als völlig eigenständig etabliert und zum Einfluss vieler anderer Künstler wird und ist darüber hinaus der perfekte Begleiter für den rauen Ton des nahenden Herbstes.

Snow Patrol - Time Won’t Go Slowly

Snow Patrol – Wie die Zeit vergeht

Am 10. Dezember 1994 trat in der Dundee University Students‘ Association (DUSA) der Dundee Universität in Schottland ein Trio auf die Bühne, welches unter dem Namen Shrug an diesem Abend für absolute Begeisterung sorgen sollte. Später stand im DUSA Newsletter, dass diese Band eine Band sei, die es im Auge zu behalten gilt. Zwei Jahre später benannte sich die Band zu Polar Bear um – nur, um diesen Namen abermals knapp ein Jahr später in Snow Patrol zu ändern. Der Rest ist eigentlich eine moderne Geschichte. Als Snow Patrol schafften sie es bereits mit ihrem ersten Album Songs For Polarbears in die Top-100 der irischen Albumcharts. Zwei Alben später wiederum gelang es ihnen, ihr Album Final Straw auf Platz 3 der britischen, Platz 91 der amerikanischen, Platz 49 der niederländischen und Platz 1 der irischen Charts zu bringen. In letzterem Land sollte seit dem jedes weitere Album auf Platz 1 landen. Der weltweite Durchbruch folgte schließlich durch die Platzierung ihrer Ballade Chasing Cars in der finalen Folge der zweiten Staffel von Grey’s Anatomy. Danach schafften es alle Alben weltweit in die Charts und übertrafen sich immer wieder mit neuen Höchstplatzierungen. Nun, 25 Jahre später, hat die Band sieben Meteor Ireland Music Awards gewonnen, war sechs Mal für den Brit Award nominiert und hat über 16 Millionen Platten verkauft. Zeit also, für einen Rückblick. Diesen begehen Snow Patrol im 25. Jahr des Bestehens mit einer Best-Of Platte, die später in diesem Jahr veröffentlicht wird. Vorab gibt es nun mit Time Won’t Go Slowly einen ersten Vorgeschmack darauf – in Form einer neuen Single. Diese handelt davon, wie schnell die Zeit vergeht und die Band selbst an schönen Momenten festhalten möchte. So ist Time Won’t Go Slowly eine langsame Sommerballade, die sich leicht jazzig anfühlt und durch kleine Spielereien im Sound ein schelmiges Grinsen hervorruft. Mehr zu dem 25-jährigen Jubiläum der Band folgt in den kommenden Wochen auf den Social-Media-Kanälen der Band – also haltet Ausschau.